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Full text of "Wörterbuch der ostfriesischen Sprache"

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Lf^ 


/■? 


WÖRTERBUCH 


DER 


OSTFEIESISCHEISr    SPRi^CHE. 


ZWEITER   BAND. 


WÖRTERBUCH 


DER 


OSTFRIESISCHEN  SPRACHE. 


ETYMOLOGISCH  BEARBEITET 


VON 


J.  ten  Doornkaat  Koolman. 


V^ 


ZWEITER   BAND. 
H — püt-water. 


NORDEN. 

YERLAG    VON   HERM.    BRAAMS. 
18S2. 


PF 

Du 


DEUCK  VON  DIEDK.  SOLTAU  IN  NORDEN. 


H. 


h.  Ah  Buchstabe  vertritt  er  in  der  Bogcl  liabbedudas ,   tüchtige    Ohrfeige   od.  auch 

ein  urspr.  k,  wird  aber  anlautend  in  vielen  Stoss,  Puff,  Bippen stoss  etc. ;  du  krigst  glik 

Wörtern  cdtgeworfen ,   loährend  er  anderer-  'n  habbedudas ,    dat    du   afer   de  kop  stufst. 

seits  auch  anlautend  als  unorganischer  Hauch-  Wohl  =  „Habe  du  das", 

laut  sowohl  im  Schreiben,  namentlich  aber  im  5      Habbo,    ml.  Name.     Geschln.   Habben   u. 

Sprechen   vielen    Wörtern  vorgesetzt  u.   be-  Habbinga.     cf.   Abbo  etc.    ?/.    bei  Förste- 

kanntlich    als   Dehnungszeichen    auch  sehr  mann  auch  den  Stamm  Hab. 

häufig  inlautend  eingeschoben  u.  auslautend  liä-böken,  s.  hageböken. 

angehängt  tvird.     In  vielen  Wörtern ,   tvie  liiich,    ein   iinarticulirter  Laut,   den  man 

z.  B.   in   was    (Wachs),   wassen  (wachsen),  10  unwillkürlich    in    Folge    körperlicher    An- 

fos  (Fuchs)  etc.    ist   whd.  „h",    nhd.    „ch",  strengung  aushaucht    od.  ausbläst,  ausstösst 

urspr.  „k"  auch  ganz   ausgeworfen. ,  bz.  ge-  (hauchend  od.  keuchend  hören  lässt)  u.  der 

sclitounden.  Weiteres  ver gl.  bei  Grimm,  Seh.  eigentlich  nur  einen  hörbaren  Hauch  bezeich- 

u.  L.  u.  Andern  loegen  dieses  Buchstabens.  net  u.  nur  etwas  stärker  ist,  loie  der  Laut 

1,  ha  od.  ha,  das  lat.  grosse  H,  welches  15  „ha",  den  man  ausstösst  od.  hören  lässt, 
die  Knaben  in  die  Erde  od.  in  den  Sand  toenn  man  an  ein  Fenster  od.  einen  Spie- 
ritzen u.  dann  mit  Pfennigen  od.  grösseren  gel  haucht.  Es  ist  von  nhd.  ach,  bz.  den 
Geldstücken  aus  gewisser  Entfernung  auf  InterJ.  ach ,  ha  etc.  eigentlich  nicht  Ver- 
den Mittelstrich  werfen.  Derjenige  von  den  schieden  u.  kann  man  hach  soivohl  als  ein- 
Spielern, welcher  sein  Geldstück  mitten  auf  20  fachen  Hauch  od.  Hauchlaut,  wie  auch 
den  Strich  od.  am  nächsten  an  denselben  als  iin  willkürlichen  S  tos  s  seufz  er  bezeich- 
wirft  u.  somit  Sieger  in  diesem  Werfen  ist,  nen,  ivie  dieses  hach  denn  auch  dem  mdartl. 
streicht  das  sämmtliche  an  den  H-Strich  ge-  deutschen  hacben  (hauchen),  satl.  (Ehren- 
worfene  Geld  ein  u.  nennen  die  Knaben  traut,  IJ,  206)  hächje  (keuchen)  u.  nfries. 
daher  dieses  Spiel:  an  de  „ha"  smiten.  25  (Outzen)  hache,  h:ichpachen   (kurz  Athem 

2.  ha  od.  ha  (gedehnt),  lia  (schürf,  ivie  holen),  bz.  unserm  häcli-pachen  zu  Grunde 
in  ach),  hä  od.  hä.  Literjectionen,  wie  a,  liegt.  Ver  gl.  auch  hess.  (Vilmar)  hech- 
ä,  a,  —  he,  (das  e  ivie  in  Hecht),  he,  —  ho,  zen  (keuchen)  u.  nhd.  ächz  en  etc.  Die  y 
hö,  o  etc.,  welche  wohl  von  Hause  aus  iden-  ist  tcahrscheinl.  kac'  (sonare,  s.  unter  1  ha- 
tisch  od.  doch  gleichen  Ursprungs  sind  u.  30  gel) ,  da  der  Stamm  hach  wohl  jedenfcdls 
wie  diese  in  sehr  verschiedener  Bedtg.  ge-  von  Hause  aus  ein  unarticuliHes  Geräusch 
braucht  loerden;  ha  od.  lux,  dat  kan  'k  regt  andeuten  dürfte,  bz.  eine  Schallwurzel  ist. 
göd  don ;  —  hä  (ja,  ja  doch  od.  als  Inter-  cf.  auch  higen. 

jection   der    Ungeduld  etc.).'   kum   du   man  Jiächeleii,    hächeln ;    /.    q.  acheln    (gierig 

mit;  —  hä  !  dat  magst  du  wol;  —  hk(pfui).'  35  essen),   scheint    indessen   nicht   mit    vorge- 

wat    stinkd    dat;    —    hä    (pfui  od.  ach,  als  setztem  Hauchlaut  „h"  davon  gebildet,  son- 

Seufzer) !    wat    deid    dat    ser;    —     hä    od.  dem  entweder    aus    haffeln    (cf.    hecht    aiis 

he !    wat  störmd  dat,  od.  wat  word   mi   dat  heft   od.   haft   u.   hechten  etc.)    entstanden, 

stür;    —    hä    od.  hä  (nein,    nein   doch  etc.,  od.  mit  hess.  (Vilmar)  hsichen  (gierig  sein, 

als  Abweisung  —    od.  auch   als  Interj.  der  40  in  grober  Weise   sich  habsüchtig  bezeigen), 

Ungeduld  od.  des   Verdrusses  etc.),  dar  wil  tihd.  hacben  (Grimm,   Wb. ,   ico   man    in- 

'k  niks  fan  hören;  —  hä!  dat  kanst  du  net;  dessen   aus    dem    angeführten   Beispiel    die 

—  hä !    du  dumkop,  blif  d'r  of  —  od.  raäk'  eigentliche    Bedtg.    nicht    ersieht)    von    dem 

dat  du  fürt  kumst.      Ver  gl.  Grimm,   Wb.,  Subst.  hache,  hach    (gieriger,   habsüchtiger 

ha,  he  etc.  45  Mensch,    od.   sehr  begieriges  u.  gef rassiges 

J.  ten  Doornkaat  Eoolraan.    Wörterbuch.    II,  \ 


HACÖELIK  HACHELK 


tiAFEi^ 


Geschöpf  etc.,  cf.  Vilmar,  hess.  Idiot, 
142  seq.;  Schmidt,  icwäld.  Idiot.,  71; 
Seh  in.  baijr.  Wb. ,  II,  li^  u.  iceiter  im 
Gr  i  mm'  sehen  Wb.  unter  bache  IJunger 
Bursche,  od.  Junger,  rcagehahiger ,  kühner,  5 
leichtsinniger  Mensch  etc.],  wo  ein  junger 
hach  od.  iuigk  auch  durch  feroculus,  auda- 
culus  u-iedergegeben  wird  u.  hache  [als  Fe- 
min.] auch  die  Bedtg.:  Dirne,  grobes  od. 
leichtfertiges  Frauenzimmer  ete.  hat)  weiter-  10 
gebadet  zu  sein,  wovon  auch  das  AdJ.  lu'ichig 
(gierig,  habsüchtig  etc.)  entstand,  was  die- 
selbe Bedtg.  wie  unser  happig  fiat.  Im  nid. 
hat  hach  od.  liag  die  Bedtg. :  Gefahr,  Wag- 
niss,  ad.  gefährliche  Wagung  (cf.  bei  Wei-  15 
land:  de  zaak  in  de  hach  [ud.  hag]  stel- 
len), wonach  buche,  liach ,  hag  ursjjr.  wohl 
ein  Ftwa.'<  i  We.wn,  (reschöpf,  Ding  etc.  od. 
Zu.^tand,  Sein,  Verhalten  etc.  =  Wage- 
Wesen  od.  Wage-Zustand,  Wagen  etc.,  bz.  20 
wagendes,   kühnes,    verwegenes ,   dreistes  ete. 

—  od.  gewagtes,  kühnes  etc.  Ftwas)  bezeich- 
net haben  könnte,  icas  aiuUix  (beides,  im  gu- 
ten a,  im  bösen  Sinn)  ist  u.  demnach  i)i 
hach  od.  hag  ursjjr.  die  Bedtg. :  aiidax  od.  25 
auch  ferox  etc.  lag,  wie  Ja  auch  die  Be- 
griffe: kühn,  gewagt,  unüberlegt,  wild,  ver- 
wegen, leichtsinnig  etc.  sich  nahe  berühren. 

cf.  hächelik,  1  u.  2  hächje  etc.  u.  wegen 
des  Stammes  hach,  hag  unter  hage,  hagen,  30 
hangen  etc.  u.  wie  hangen  auch  in  mancher 
Beziehung  mit  schweben  od.  sich  hin 
u.  her  bewegen,  schwenken  (cf.  y 
kak,  vacillare;  desiderare)  begrifflich  zusam- 
menfällt u.  auch  wagen  mit  wegen  od.  goth.  35 
vigan  conncv  ist,  wie  desgl.  auch  mit  wie- 
gen =:  hin  u.  her  bewegen  etc. 

hächelik ,  hächelk ,   gewagt,  misslich,  be- 
denklich, gefährlich  etc.;    de  büdel  is  mi  to 
hächelk,  as  dat  ik  mi  d'r  an  wage;   —   dat  40 
is  'a  hi'ichelken  säk',    um  siik  dar  tüsken  to 
steken;  —  dat  sügt  dar  ferdömd  hächelk  üt; 

—  de  büdel  steid  hächelk   (steht  gefährlich 
od.  auf  der  Kippe  u.  Spitze,  sodass  sie  im 
Begriff  ist,   umzuschlagen  u.  zu  stürzen,  —  45 
od.  auch :  hinigt  gerade  in  der  Schwebe,  so- 
dass es  unsicher  ist,  wohin  sie  schlägt);  — 

'n  bächolkern  kram  (Entbindung  etc.)  as 
ditmül  bed  min  frO  nog  net  holden.  Sprichw.: 
um  't  elk  un  en  fan  pas  to  maken,  un  fan  50 
elk  to  bin  bemind ,  dat  sunt  de  bäcbellkste 
saken,  de  man  in  de  werreld  findt.  —  Xld. 
hachelijk.  Es  ist  von  nid.  hach  (s.  unter 
hächelen)  iceitergebildct. 

1.  hächjp,  hiichtje,  Wagniss,  gewagte  u.  55 
unsichere  Unternehmung ,  missliche  od.  be- 
denkliche n.  gefährliche  Sache  etc. ;  dat  is 
jo  'n  häclije  (Wagniss,  böse  Aufgabe  etc.), 
um  dat  antofaten  un  wer  in  't  like  to  bren- 
gen;   —   up  sükke  (solche)  hächtjes  (Wag-  GO 


nisse,  gewagte  u.  unsichere  Unternehmungen 
etc.)  dar  lät  ik  mi  net  gern  in.  Dimin.  von 
nid.  hach  (Wagniss  etc.);  s.  M/j/er  hächelen. 

2.  hiiehje.  liächtje,  leichtsinniger,  loser, 
wagehalsiger  Mensch,  Windbeutel,  Spring- 
insfeld etc. ;  up  so  'u  häcbje  as  he  is ,  dar 
is  net  up  to  böen ;  —  be  is  'u  lös  od.  ligt 
hdchtje.  —  i\7(/.  bacbje,  hachtje  (cf.  bei 
ten  Cate)  =  puer  audax  u.  demnach  mit 
dem  veralteten  buche  (ef.  Weigandu.  un- 
ter hächelen)  conne.r. 

3.  hiiclije,  häclitje^  Stück,  Schnitt,  Ab- 
schnitt etc. ;  ik  beb'  liir  nog  so  'u  möi  hächje 
fles  iu  de  molle,  dat  wul'  'k  jo  gern  ferko- 
pen ;  —  —  he  is  'n  früiul  fun  'n  göd  hächtje 
(gutem  Stück  od.  tüchtigem  Bissen  etc.,  seil. 
Fleisch,  Speck,  Brcden  etc.) ;  —  he  hed  fan 
middag  'n  göd  häclije  had.  —  Mit  mnld. 
(KU.)  buchte  (incisio,  incisura,  frustum,  pars 
scissa  vel  abscissa,  toinus ,  pruesecta  portio, 
crustum,  frustum)    v:ohl  conne.c  mit  hakken. 

4.  häclije,  hächtje,  Leben,  Dasein,  Blei- 
bendes, liest  etc. ;  he  harr'  't  hächje  (od. 
hächtje)  d'r  hast  bi  sitten  laten.  —  Nid. 
bacbje.  Es  bedeutet  eigentlich  wohl  „Bro- 
cken" in  der  Bedtg. :  „  UeberbleibseV  od. 
„Abfall",  sodass  es  mit  3  hächje  von  Hause 
aus  identisch  ist. 

häch-päciien,  keuchen,  sto.'^sweise  schicer 
athmen  etc. ;  he  ligd  od.  löpd  to  hächpächen 
od.  blechen ;  —  he  hächpächd  gfik,  weu  he 
man  äfen  fei  löpd.  —  Nd.  (Schütz e)  hach- 
puchen ;  icang.  hachpach;  nd.  (Br.  Wb., 
Schütze  etc.)  hacbpachen  =hannov.  hcch- 
pusten. 

hädbär,  *\  ädebär. 

Haddo,  ml.  Name  =  Hatto ;  G eschin.  U&d- 
dinga.     cf.  auch  Heddo. 

hiider,  s.  herdor. 

hädin^,  haadiiig Cofts.,  if.  Stbg.)  =  afries. 
haved-ing,  havd-iug  (Häuptling,  capitanus 
etc.)  von  haved  etc.  (Haupt,  caput),  cf.  höfd. 

hafe,  häf,  Habe;  a)  Gut,  Besitz,  Besitz- 
thum  etc.,  od.  das  was  vian  hat  u.  hält; 
min  ganse  häf  un  göd;  —  b)  Griff  etc.; 
cf.  bandhafe,  Handhabe,  Handgriff'.  —  Nd., 
mnd.  have ;  nid.  have;  tnnld.  have,  haeve; 
afries.  have,  heve ;  ahd.  haba;  mhd.  habe 
(Habe,  Eigenthum;  Halt,  Anhalt;  Kerker, 
Speicher,  Hafen,  Meer;  habitus,  habitudo). 
Zu  hebben,  bz.  heffen,  heben,  d.  i.  greifen, 
nehmen,  fassen  etc. ,  wie  dies  aus  upheflfen 
(aufheben)  etc.  hervorgeht,  sowie  daraus, 
dass  mhd.  habe  auch  die  Bedtg.  „Meer" 
hat.     cf.  1  hafen. 

hiifo,  s.  hefe. 

Iiiifel.  s.  befel. 

hafe-lös,  habelos,  besitzlos  etc. 

1.  hafeu,  Hafen,  Ort  od.  Bucht,  wo  Schiffe 
sicher  u.  geborgen  liegen.  —  Nd.,  nid.  haven; 


HAFEN 


HAPKE 


mnld.  havene;  ags.  häfene;  aen(jl.  haven; 
an.  höfn;  dän.  havn ;  iniid.  hahene.  Dane- 
ben auch  ahd.  haba ;  iiihd.  halie  (s.  o.  unter 
hafe)  n.  mhd.  hap;  md.  hab  (Hafen;  Meer, 
Haff,  cf.  hef).  Es  bezeichnet  das  Ha- 
bende od.  Haltende ,  od.  auch  das  loas 
hält  u.fasst,  bz.  den  Ort  zum  Halten 
M.  Bergen,  tvie  mhd.  habe  (^s-.  anter  hsife) 
auch  die  Bedtg.:  Kerl: er  u.  Speicher 
hat  u.  dieses  Wort  sociel  als  Hab-  od. 
Halt-Ding ,  bz.  ein  E t w a s  was  hält 
u.  fasst  etc.  bedeutet. 

2.  hafen,  haben.  i\^«j' m  haadhafen,  sonst 
hebben. 

liäfen,  s.  heften. 

1.  hafer,  Haber.  Nur  in  inhafer  (Inha- 
ber), tvofilr  indessen  auch  mehr  inhebber 
gebräuchlich  ist. 

2.  liafer,  Haber,  Hafer.  Sprichw. :  de 
pörde,  de  de  hafor  ferdonen ,  de  krigen  se 
seiden.  —  Nd.,  nid.,  schott.  (mdartl.)  haver; 
ahd.  habaro,  haparo,  havoro ;  an.  hafri ; 
schived.  hafre;  dün.  havre.  Da  das  Wort 
Gerste  od.  hordeum  (cf.  garste)  wahr- 
scheinl.  zur  y  ghars  (starren  ivie  Borsten, 
wegen  seiner  wie  Borsten  starrenden  Gran- 
nen) gehört,  so  könnte  das  Wort  hafer  wohl 
%vegen  seiner  zitternden  Rispen,  die 
bei  uns  bifen  (von  ags.  bifian,  afries.  biva, 
beben,  zittern  etc.)  heissen,  zu  der  y  kap, 
kanip  (zittern,  vibriren  etc.,  cf.  Fiele,  I, 
39)  gehören,  wozu  auch  skr.  kampra  (zit- 
ternd, beweglich  etc.)  u.  capala  (sich  hin  u. 
her  beivegend,  zitternd,  schivankcnd  etc.)  ge- 
hören, ivie  hafe  u.  hebben  etc.  zur  y  kap, 
greifen,  fassen,  halten.  Gehört  auch  viel- 
leicht ags.  häfr;  an.  hafr;  lat.  capra  fiJocA', 
Ziege)  zu  derselben  y  kap,  kamp  (vibriren, 
zittern,  trillern,  vibrireiide  Töne  hören  las- 
se)/), loeil  die  Ziege  etc.  „meckert"  od.  vi- 
brirend  u.  zitternd  schreit  u.  das  mhd.  mecke 
(ds  Spottname  loohl  im  Sinn  (cf.  Wei- 
g a  n  d)  von  Ziegen  bock  steht  u.  dieses  Wort 
anscheinend  mit  griech.  mek  in  mekasthai 
(quäken,  blocken,  meckern  etc.,  bz.  schreien 
wie  die  Ziegen  u.  Lümmer  etc.)  u.  lat.  mic- 
cire  (cf.  bayr.  niickeru,  wiehern  etc.  bei 
Sc  hm.)  connex  ist. 

liafere,  havere,  Havarie  od.  Avarie,  d.  i. 
Schaden  an  Schiff  u.  Ladung  tvälirend  einer 
Seereise;  daher  überhaupt:  Seeschaden, 
od.  auch  (ganz  allgemein):  Schaden,  Ver- 
lust, Unglück  etc.  od.  Aufenthalt  dadurch, 
dass  Jemandem  Etwas  brach  u.  ivrack  ivurde; 
dat  schip  is  mit  hafere  binnen  kamen;  — 
he  hed  uuderwägens  hafore  had ,  darum  is 
he  güitern  so  lät  to  hüs  kamen ;  —  he  hod 
altid  hafere  (Schaden  u.  Aufenthalt)  mit  sin 
büdel,  wen  he  underwägens  is.  —  Nid.  ha- 
verij,  averij;   mnld.-  havereye,   averye    (jac- 


tura  sive  damnum  in  mari) ;  mfläm.  haverye 
(dasselbe) ;  mnd.  haferye ;  dün.  haveri ; 
schwed.  hafveri;  engl,  average.  Nach  Die z 
(I,  89)  soll  das  ital. ,  2>ort.  avaria;  ■'<pcm. 
5  averia;  franz.  avarie  von  mnld.,  mnd.  ha- 
verye, haferye  stammen  u.  vergleicht  man 
die  Wörter:  Büberei,  Gasterei  etc.  von  Bube, 
Ga-Ht  etc.,  so  wäre  es  auch  sehr  leicht  mög- 
lich,  dass  dieses  Wort   in  ühnlicher   Weise 

10  von  dem  schon  alten  Worte  haf  (die  hohe 
See,  das  Meer,  cf.  hef),  weitergebildet  wurde 
u.  dann  wörtl.  mit  See- er -ei  übersetzt 
iverden  müsste,  wonach  dann  hafere  urspr. 
soviel  ivie  „See-Betrieb ,   od.  ein  Etwas 

15  toas  man  auf  der  See  betreibt  u.  thut, 
bz.  dort  oft  vorkömmt  u.  nsus  ist"  bedeu- 
tet haben  könnte  u.  dann  später  speciell 
auf  die  jetzige  Bedtg.  eingeengt  u.  be- 
schränkt  loäre.      Gestützt   ivird   dies   noch 

20  dadurch ,  dass  das  Ueberbordiverfen  von 
Waaren  bei  Sturm  od.  beim.  Leckiverden 
der  Schiffe  sehr  häufig  vorkommt  u.  bekannt- 
lich ein  so  allgemeiner  u.  gewöhnlicher  S  ee- 
gebrauch  ist,    dass  man  kaum  ein   Wort 

25  darüber  verliert,  tvenn  es  geschieht. 

Wegen  weiterer  Erklärung  dieses  Wortes 
vergl.  Grimm,  Wb.  unter  Haf  er  ei  u.  Wei- 
teres unter  Havarie,  sowie  bei  Andern. 
hafer-görte ,  Habergrütze. 

30  hafei'-sak ,  Habersack ,  Futtersack.  Da- 
von franz.  havresak  (Tornister). 

liafer-wellen ,  Haferschleim,  od.  Suppe 
von  gekochter  Hafergrütze,  die  vor  dem  Ge- 
nuss   durchgeseiht  wird.    —    Watig.   haver- 

35  welling. 

haffel    in   gehaffel,    Gehappe,   rasches   u. 
gieriges   Hapyen    od.    Einhappen    u.    Ver- 
schlucken von  Speisen. 
liaifelen,   haffeln,  freq.  od.  anhaltend  u. 

40  rasch  happen ,  rasch  u.  gierig  essen  «. 
schlucken  etc.;  he  haffeld  dat  man  all'  so 
binnen ;  —  du  must  net  altid  so  sitten  to 
haffeln,  dat  sügt  je  net  üt,  as  wen  du  din 
läfend  net  sat  krigst ;  —    man  kan  d'r  hast 

45  hei  net  tagen  haffeln  (schlucken).  —  Wfries. 
(Vrije  Fries,  III,  20i  seq.)  haffelje 
(kauen  wie  alte  zahnlose  Leute ;  dem  Munde 
keine  Ruhe  gönnen,  viel  u.  unaufhörlich 
schwatzen) ,   haftelbek    (Weib ,  deren  Mund 

50  nie  still  steht,  cdtes  Schwatzmaul),  haftelerij, 
gehaft'el  (unaufhörliches  Geschioätz  etc.).  Es 
ist  freq.  von  happen,  ivas  loohl  mit  hobben 
u.  heften  (cf.  loegen  des  „f,  „b"  =  „p" 
unter  hafen  u.  bedarfen)  zu  derselben  y  gehört. 

55      häng,  s.  hef  lg. 

häfke,  Habicht.  -  Nd.  (Br.  Wb.)  ha- 
vik,  haavk ;  mnd.  havik,  liavek,  liawik ;  nid. 
havik;  mnld.  havick;  tvfries.  hauck ;  nfries. 
(0  utze  n)  häfk,  häfk ;    dithm.  hävk,  hövk, 

60  iiövick;  ags.  hafok;    engl,  hawk ;  an.  haukr, 


HAFTEN 


4 


HAGEL 


hauks;  schiccd  liük ;  (7ä/(.  bog;  ohcl.  habub, 
bapub ;  mhd.  habccb,  babicb,  bäbocb.  Wohl 
mit  hobbig  (greifig  etc.)  zu  bebbeii,  h:.  ahd. 
haban  (haben,  halten  etc.,  d.  i.  fassen,  grei- 
fen). Vergl.  dieserhalb  auch  Diez,  II, 
132  unter  gavilan  (Sperber)  u.  Fick,  III, 
63,  der  die  Staiumforni  babiga  auch  sur  y 
hab  =  lat.  cap  stellt  u.  ba1)ic  mit  lot.  capax 
vergleicht. 

haften,  s.  unter  becbteu. 

lial'ti^,  Endung  von  wärbafug  (wahrhaf- 
tig, wahrhaft),     cf.  aftig,  acbtig. 

Hage ,  der  Flecken  Hage  bei  Xordcn  im 
Amt  Berum.  Sprichw.:  in  Hage,  dar  is  niks 
as  kuminer  uu  pbige!  de  uiks  bed  an  kau 
niks  krigen,  de  h"it  man  to  Hag'  ütblit'en. 
cf.  H.  Büttger,  Diücesan-  u.  Gau-Gren- 
zen Norddeulschlands ,  pag.  180,  wo  dieser 
Ort,  hz.  dieaes  Kirchdorf  Hagba  um  1420 
genannt  loird.  Die  Bedtg.  ivird  dieselbe 
sein,  wie  von  Haag,  bz.  Hagba  (cf.  Ostfries. 
Urkundenbuch  con  Dr.  Fr i edlaende r, 
pag.  120),  der  Residenzstadt  von  Holland, 
nämlich:  Ort  in  einem  Hag,  od.  in  einem 
dichten  Gebüsch,  bz.  in  einem  e i n g e- 
eäunten  Wald,  Park,  Gehege  etc., 
da  der  Name  jedenfalls  icohl  wie  nfrics.  bäg, 
Lage;  an.  bagi;  schived.  bage  (eingehegter, 
eingezäunter  Platz,  Weide-Platz  etc.)  von 
ahd.  hag  (EinJiegung,  Verzäunung ;  dichtes 
Gebüsch;  eingezäunter  Wald  etc.)  weiterge- 
bildet wurde,  ivie  denn  auch  noch  die  Um- 
gebung von  Hage  sehr  wahlreich  ist  u.  die 
früheren  Grafen  von  Ostfriesland  in  dem 
hart  daran  grenzenden  Berum  ein  Jagd- 
scliloss  u.  einen   Wildpark  hatten. 

1.  hage,  Buhe,  behaglicher,  ruhiger  Schlum- 
mer etc.;  he  geid  na  bage  (zur  Buhe,  zu 
Bett);  —  he  ligd  iu  hage  (Ruhe,  Friede, 
Bequcndichkeit  etc.).  —  Mit  2  hage  v.  hage- 
lik  wolil  zu  hagen  od.  vielleicht  mit  nd.  (B  r. 
Wb.,  II,  562,  sub  4)  häge  (Schutz,  Sicher- 
heit) u.  1  M.  2  häge  zu  ahd.  bag;  cf.  1  ii. 
2  hägen. 

2.  hage,  Freude,  Vergnügen,  Behagen  etc. ; 
he  hc'd  so  regt  sin  hage  dar  an.  —  Nd. 
(Br.  Wb.,  II,  562;  s.  .sub  2)  bäge;  mhd. 
hage  (Behagen,  Wohlgefallen,  Behaglichkeit). 
Wohl  auch  zu  liagen.  Vergl.  indessen  böge 
n.  s.  ivciter : 

3.  liage,  s.  hage-türf. 

1.  häge,  hege,  hegge,  Hecke,  lebendiger 
Zaun,  Einfriedigung  etc.  —  Nid.  baag 
(Zaun)  u.  heg  (Hecke);  mnld.  heggbe  (du- 
mus,  sentis,  seiiticctum;  sepes,  sppimentura; 
cratis  senticosa  seu  viniiuea)  u.  haeghe,  haglie 
(sepes,  sepimentum,  septum),  sowie  hacgbc 
(domiis) ;  mnd.  hage  (lebendiger  Zaun,  Zaun, 
Hecke)  u.  hege,  hecb,  lioge  (Zaun,  Einfrie- 
digung, Hecke;    Gehölz,  kleiner  Wald;  Ge- 


hege, [umzäunte]  Wulinung :  Schutz);  ahd. 
bag  (Einhegung,  Verzäunung ;  dichtes  Ge- 
büsch: eingczäu)i(er  Wald,  Park)  u.  begga; 
vihd.  begge,  hecke  (Hecke,  Zaun  etc.) ;  ags. 
5  haga  (Zaun,  eingehegtes  Feld,  Garten,  Vor- 
iverk)  u.  hege  (Zaun,  Hecke),  gehäge  (ein- 
gezäuntes Feld,  Gartenland  etc.);  engl,  bedge 
(Zaun  etc.) ;  schwed.  bage  (eingezäunter 
Platz,    Viehweide)    u.    hägen   (Umzäunung, 

10  Einfriedigung ;  ScJiutz,  Schirm  etc.)  etc. 

2.  häge,  hege,  Hege,  Hut,  Schutz,  Bc- 
UHihru)ig,  Wartung  etc.;  he  bed  hnm  sin 
god  in  häge  (Bewahrung,  Hut,  Aufsicht  etc.) 
im  plage  (Pflege)  gäfen ;  —  he  bi'd  dat  kind 

15  in  häge  un  plägo  iiamon ;  —  se  bebben  dar 
bi  buni  aliid  güd  hör  häge  uu  plage  bad 
(sie  sind  da  bei  ihm  stets  gut  gehegt  u.  ver- 
pflegt). —  Nd.  (Br.  Wb.,  II,  562,  sub  4) 
häge  (Schutz,  Sicherheit  etc.).     Das  Weitere 

20  s.  unter  hagen  u.  hägen,  sowie  1  bäge. 

hago-böke.  hägbök',  Hage-  od.  Hainbuche. 

—  Nid.  liaagbeuk;  )id.  bagebüke,  babOke; 
ahd.  haganpuocha,  haginbuocha;  mhd.  ha- 
gcnbuocbe .    bagebuoclie ,    bagbuoche.      Die 

25  Bedtg.  ist:  Hecken-  od.  Z  au  n  -  Buche  u. 
ist  hagan    von   ahd.    hag   (Einhegung ,    Ver- 
zäunung) weitergebildet.  j 
hage-böken,  Jitlgböken,  haböken,   hage-     1 
buchen,   von  der  Hagebuche;   du   must   sen,      ^ 

30  of  du  wat  hägböken  (od.  bäböken)  holt  to 
de  möleakammen  krigen  kaust;  flg.  (von 
schwachem  u.  krüppelhuflem  Wuchs,  im  Ge- 
gensatz zu  dem  der  gewöhnlichen  Buche 
entlehnt)  krüpipelhuft,  verkrüppelt,  halbwüch- 

35  sig,  schwach,  unvollständig  etc.;  dat  is  mau 
so  'n  hag  —  od.  bäbökon  büm  od.  kerel, 
jung'  etc.;  —  he  is  man  so  bäböken  (schwach, 
klein,  verkrüppelt ,  halbwüchsig  etc.)  bläfeu;      j 

—  dat  büs   sügt  so  liäböken    (unvollständig,      f 
■40  nicht  ordentlich  od.  so  icie  es  sein  soll,  halb- 
fertig, icic  von  einem  Pfuscher  gemacht  etc.) 

iit,  as  wen  't  hei  net  ördindlik  klär  worden 
un  ütböed  is;  —  be  is  d'r  so  bäböken  (wie 
ein  Stümper  od.ioie  Jemand,  dem  die  Hände 

4.5  verkehrt  stehen  u.  der  deshalb  nichts  recht 
maclien  kann  etc.,  bz.  linkisch,  unbeholfen 
etc.)  bi  dun ,  as  of  he  sin  läfend  nog  gen 
stük  geredscbup  in  de  band  bad  bed ;  —  dat 
sügt  arbarmdlik    bäböken    (linkisch,   dumm) 

üO  üt,  so  as  du  dar  bensteist  to  gapen. 

häge-knipcrko,  Zaun-   od.  Heckenkönig, 
so  benannt,  weiter  immer  durch  die  Hecken, 
bz.  dichtes  Gebüsch  u.  Gestrüpp  kriecht. 
1.  liagol    (sowohl   collect.,    als   auch  vom 

55  einzelnen  Hagelkorn  u.  dann  mit  dem  Plur. 
hageis),  Hagel;  a)  gefrorene  Eiskörner  od. 
einzelnes  Eiskorn;  —  b)  Bleischrot,  Schrot 
zum  Schicssen.  —  Nid.,  nd.  hagel ;  mnld. 
haeghel;  afries.  (Wiar  da,  pag.  187)  heyl ; 

60  ivfrics.  (Jap ix)  heyl,   Iieyle;   nfries.  hajcl ; 


HAGEL 


HAGEN 


wang.  hil ;  ags.  hagal,  hagol,  haüul,  hilgel ; 
engl,  liail ;  an.  liagl;  sckived.,  (Jan.  ha  gel; 
«h(l.  hagal,  hagel ;  inhd.  hagel  (Hagel ;  hihll. : 
Unglück,  Verderben).  Weitn  gricch.  cliä- 
laxa  (Hagel),  chalaxaö  (hageln),  Int.  grando; 
lislav.  gradu  (Hagel)  mit  sl.r.  hräfliiui  (Un- 
toettcr)  etc.  ^(.  goth.  gretan  (weinen,  klagen 
etc.)  zur  y  ghard,  ghräd  =  slr.  hräd,  send. 
zräd  (rauschen,  rasseln  elc,  hz.  sonarf,  cf. 
greta  etc.)  gehört,  die  von  ghar  (sonaro, 
cf.  grinen)  loeitergchildet  ist  n.  dazu  rer- 
gleicht,  dass  grand  n.  grind  zu  grindan  mit 
der  Grdhdtg. :  knirschen ,  knirschend  zer- 
malmen a.  zerreiben  etc.  gehören,  so  könnte 
auch  hagel  nebst  gricch.  kachlex  (Steinchen, 
Kiesel,  bz.  Kies),  kagchäs  (Lacher)  etc.,  Int. 
cachinnari  etc.  zu  der  ]/  kak  =  skr.  kakk, 
kakh  (lachen)  od.  zu  (cf.  Bopp)  kac  (so- 
nare),  bz.  zu  der  y  kach,  kancli  (to  bind ; 
to  shiiie;  to  sound,  cf.  Benfeg  u.  unter 
hagen  am  Schlüsse)  gehören,  da  wohl  auch 
kak  jedenfalls  loie  die  y  kark,  krakati  (tö- 
nten, lachen,  krächzen)  von  goth.  hlalijan 
(lachen),  griech.  klazö  eklagon  (schreien), 
klagge  (sonus),  lat.  clangcre  etc.  (cf.  Fick, 
I,  42)  urspr.  die  Bedtg.  sonare,  od.  einen 
unarticulirten  Ton  Jiören  lassen,  hatte  u. 
tüonach  denn  auch  hagel  ein  Etwas  sein 
konnte,  was  rauschend  od.  rasselnd 
u.  }) r a s sein d  n ied erführt ,  od.  ein  G e- 
rüusch  u.  Gerassel  etc.  macht,  ivie  ja 
auch  engl,  hail  ausser  hageln  die  Bedtg.: 
brüllen,  schreien  etc.  hat  u.  auch  mnld.,  bz. 
afries.  (KU.)  hagghen  (rixari)  vielleicht  die- 
ser y  angehört,  ivie  desgl.  auch  das  gleich- 
bedeutende mnd.  (Seh.  u.  L.)  hagen,  hag- 
gen  etc.,  engl,  haggie. 

2.  hagel  in  Janhagel;  s.  d.  n.  cf.  Grimm, 
Wb.  unter  hagel  sub  6. 

3.  hagel,  böse,  verdri esslich  etc.,  bz.  mi.'^s- 
günstig  u.  verderblich  gesinnt;  he  kikd  so 
hagel  (böse,  grimmig,  mürrisch  etc.)  iit,  as 
de  düfel ;  —  he  is  ferdomd  hagel  up  ml;  — 
he  is  mi  not  so  hagel,  as  de  düfel.  Es  ist 
wahrscheinl.  vom,  Subst.  1  hagel  iii  der  bildl. 
Bedtg.:    Verderben,    Unglück  etc.  abgeleitet. 

hageldom,  Hagedorn,  d.  i.  Hecken-  od. 
Zaun-Dom,  von  ahd.  hag;  s.  unter  hage- 
böke. 

hageldörnwifkes,  die  rothen  Früchte  des 
Hagedorns,  aucli  hägewibkes  (s.  d.)  genannt. 

hageleil,  hageln,  hageln,  graupeln.—  Nid. 
hagelen  ;  nd.  hageln;  ufries.  (J a p i x)  hey\- 
jen;  wang.  hil;  afries.  (W i a  r  d a)  heUja, ; 
ags.  hagolan;  engl,  hail;  ccn.  hcgla;  norio., 
schwed.  hagla;  dein,  hagle. 

hagelik,  hagelk,  freudig,  erfreulich,  be- 
haglich, ruhig  u.  friedlich  etc.;  he  kikd  so 
regt  hagelk  ut ;  —  dat  is  'n  hagolken  säke  ;  — 
de  sünne  schind  so  regt  hagelk ;  —  wi  sitten 


Inr  so  regt  hagelk  bi  'nander.  —  Afries. 
haglik;  vd.  (l)ähn  e  rt)  häglig  (ergötzlich, 
lustig). 

Ilageil,  ;«/.  Name;    Hagena,  Geschln. ;  cf. 
5  Fö  r  s  t  c  m  a  n  n   unter  hag. 

hagen,  angenehm  sein,  Vergnügen  machen, 
behagen  ,  angenehm  berührt  werden  wovon, 
(sich)  freuen,  Freude  machen  od.  haben  u. 
emjifinden,  sich  mit  Freude  woran  erinnern, 

10  sich  behaglich,  glücklich,  ruhig  u.  zufrieden 
fühlen  etc. ;  dat  lu'igde  hum  so  regt,  dat  he 
dar  so  warm  iin  gud  srt ;  —  dat  liiigd  hum 
net,  dat  lic"  in  hCis  bllfen  sal ;  —  de  wchal 
sük  hagen,  wen  he  dat  hörd,  dat  sin  dogter 

15  'n  liitjcn  sdn  aferwunnen  hed  ;  —  dat  kan 
hum  so  regt  hagen,  wen  'n  ander  rninsk  un- 
glük  hcd;  —  dat  hägd  hum  nog  altkl  (das 
macht  ihm  noch  immer  Freude,  od.  er  denkt 
noch  stets  mit  Freude  daran),   dat  he  forig 

20  jär  bi  uns  tum  besfik  west  ist;  —  he  hägd 
sük  dar  so  regt,  war  hü  nu  wand.  Compos. 
be-  u.  mishagen.  —  Afries.  hagia;  satl. 
hägje;  wfries.  heagjen;  nfries.  hage;  nid. 
hagen;  nd.  (Br.   Wh.,  IT,  561),  hägcn,  ha- 

25  gen  (freuen,  cf.  auch  bögen  u.  pag.  562 
hagen,  Belieben  haben,  gefallen) ;  mnd.  ha- 
gen; as.  (bi)  hagun  (behagen  etc.)  ags.  (cf. 
H.  Leo,  113  serp  unter  hi'gan)  hagian  od. 
bagjan  in  on-  u.  gehagian ;  ahd.  (hagan)  nur 

30  im  Partie,  kehagin  u.  mhd.  hagen  in  ge-  u. 
behagen.  iJic  Grdbdtg.  dieses  Vbms.  ist 
(wie  von  1  gaden  u.  h&to.n)  eigcntUcJi :  an-  u. 
zu  einander  bcivcgen,  rereinigen  u.  so  bin- 
den, schliessen,  fügen,  passen,   gut   u.   ge- 

35  schickt  auskommen  u.  sein ,  recht  sein,  Be- 
hagen t(.  Freude  machen  etc.  u.  gehört  es 
mit  an.  haga  (accommodare ,  ordinäre ,  bz. 
einrichten,  anordnen  etc.  od.  sich  schicken, 
passen,   geziemen  etc.,    cf.  hagar,    es  passt, 

40  ziemt  etc.),  hagr  (Einrichtung ,  Lage,  Stel- 
lung, Verhältniss;  Vortheil,  Nutzen;  Billig- 
keit, Gebühr,  Zukommniss  etc.,  cf.  auch  gade 
etc.  ?/.  bäte),  hagr ,  hög,  hagt  (passend,  ge- 
schickt etc.) ;    hoegr,    hogr    (leicht,    beejucm, 

45  angenehm,  erfreulich) ,  hoegri  (dexter),  hoe- 
g'md'i  (Beeiuemlichkeit,Annehmlic}ikeit), hoegia. 
(moderare,  mildern,  beruhigen;  fördern  etc.), 
liog  in  höglifi  (ruhiges,  friedliches  lieben), 
högligr  (leicht  u.  beriuem  zu  behandeln)  etc. ; 

50  isl.  haga  (concinnare,  ordinäre),  hagr  (dexter, 
artiticiosus)  etc. ,  sowie  ahd.  hag  (Befrie- 
digimg,  Einfriedigung,  Ein-  u.  Umschlies- 
sung,  Umzimnung,  Ver zäunung ;  dichtes  ge- 
schlossenes    Gebüsch;    eingezäunter    Wald, 

55  Hag,  Gehege  etc.),  sowie  unser  1  u.  2  hage 
u.  1  u.  2  häge  u.  hägen  etc.  (diese  jedoch 
tvoJil  nur  als  Weiterbildungen  von  hag)  nebst 
allen  den  darunter  angeführten  Wörtern  zu 
einer  germ.  ]/  hag  =    skr.  kac,  kanc    (bin- 

60  den,  fesseln,  umbinden,  gürten,  cf.  bei  Bopp 


HAEGEN  HEGEN 


6 


HAGE-TOERF 


y  kac,  binden  etc.  u.  hei  Fick,  I,  36,  y 
kak,  bz.  bei  Ben  fei/  y  kach,  kaüch)  = 
»/</.  kak  (cinu'ore)  ijeliören. 

Vergl.  indessen  Fick,  der  hixg  (Verzäu- 
nung  etc.)  von  kak  (cingere),  dagegen  hagen 
(passen)  von  einer  idg.  }'  kak  =  zend.  ^ac 
Qyassen,  geziemen)  ableitet,  die  er  zu  idg. 
kak  (genügen,  hinreichen ,  im  Stande  sein) 
=  skr.  ^ak  (vermögen,  helfen  etc. ,  cf.  I, 
55)  stellt.  Da  Jedoch  die  Bedtgn. :  pausen, 
fügen  de.  Kohl  auf  die  .^innl.  Bedtg.:  bin- 
den, schliessen ,  znsammcnmachen  ,  vereini- 
gen etc.  zurückgehen  (cf.  z.  B.  auch  salig 
etc.),  so  dürfte  die  Ableitung  i'on  kak  (bin- 
den etc.)  Jüohl  für  beide  Wörter  beizube- 
halten sein. 

hägen,  hegen,  a)  :äunen,  he-  ein-,  um- 
zäunen od.  he-,  ein-,  um-f riedigen ;  de  tun 
mut  nes  (aufs  Neue)  häjid  worden ;  —  dat 
land  is  inhäud ;  —  b)  liegen,  pflegen,  heicah- 
reii,  hüten,  warten,  Hut  u.  Wartung  ange- 
deihen  las.-<en ;  hv  hed  dat  kind  gud  hilgd 
im  plägd.  —  Nd.  (B r.  \Vb.  etc.)  Lägen; 
mnd.  (Seh.  u.  L.)  hegen,  hegenen,  lieien 
(umzäunen,  befriedigen,  einfriedigen;  ein 
Wehr  od.  hech  machen;  schützen,  unterhcä- 
ten,  bewahren ;  bergen,  bei  Seite  legen,  ret- 
ten, sparen;  ein  Gericht  hegen,  od.  eigent- 
lich die  unter  freiem  Himmel  belegene  Ge- 
richtsstätte einzäunen  u.  befriedigen) ;  ahd. 
(hagjan,  hakjan ,  hegjan) ;  mhd.  hegen  (mit 
einer  Umzäunung  od.  einem  hag  [s.  tmter 
hagen  am  SchhissJ  umgehen  u.  absperren  u. 
dadurch  .-sichern  od.  in  SicJierheit  u.  Hut 
bringen;  hegen,  pflegen,  bewahren);  mnld. 
heghen ,  hegghen ,  heghenen ,  hegeneu  (in- 
striiere,  ornare,  colere ;  educare,  servare,  cu- 
stodire ;  agere  forum,  Judicium,  legitime  cou- 
firmare:  sfipirc  dumetis  et  vepribus) ,  sowie 
haej'en  (fovcre,  colere) ;  afries.  heia ;  ags. 
hegian  (sepire  etc.) ;  an.,  isl.  hegna  (circura- 
sepire,  aggere  nuinire;  coercere,  castigare); 
schwed.  hiigna  (umzäunen,  befriedigen  ;  schüt- 
zen, beschirmen ,  vcrtheidigen)  etc.  Vergl. 
weiter:  nid.  heinen  (aus  hegenen,  cf.  hain  od. 
hein),  zäunen  od.  cingere,  cf.  omheinen,  cir- 
cumcingere  od.  umzäunen  etc.  u.  sodann 
noch  mhd.  heien ,  heigen,  ivachsen;  pflan- 
zen; aufziehen,  gross  ziehen,  liegen,  schützen, 
pflegen ;  ags.  hegan  (sepire,  tueri),  ivelch  Letz- 
tere möglicherweise  ebenso  tvie  hagen  direct 
von  der  germ.  ]/  hag  (ligare)  entstanden  u. 
nicht  wie  hägen  von  dem  Subst.  hag. 

hager,  mager,  dünn,  schmächtig,  abge- 
zehrt, dürr  etc.;  hO  is  hager  (od.  mager) 
un  klen  as  'n  bonenstolter.  WcnJi  man  tat. 
macer  (mager,  klein,  dünn)  u.  unser  klen 
(klein)  in  der  Bedtg. :  mager,  dünn  etc.  ver- 
gleicht u.  dazu  hält ,  dass  mhd.  krank  die 
Bedtg. :  schwach,  dünn,  schlank,  schmächtig 


etc.  u.  gracilis  hieben:  sclilank,  dünn,  schmal 
etc.  auch  die  Bedtg.:  mager  hatte,  so  i-4 
zunäcJist  wohl  anzuneJimeu ,  dass  das  erst 
spät  mild,  erscheinende  hager  mit  liägel  (fein, 
5  (lünn,  zart)  u.  hagel  in  hagelgeschrei  (fei- 
nes, dünnes  Geschrei,  cf.  Grimm,  Wh.  IV, 
zweite  Abth.,  Sjyalte  145  u.  146)  vo)i  Hause 
aus  identisch  ist  u.  sich  der  Begrifl^  graci- 
lis, bz.  mager,  dünn,  schlank   etc.    aus  der 

10  von:  leicht,  bequem  etc.  (cf.  an.  \\OQgv  unter 
hagen)  od.  aus  der  von:  gewandt,  geschickt 
etc.  des  an.  hagr  fc/'.  »»fry  hagen)  entwickelt 
hat.  Möglicli  ist  es  jedoch  auch,  dass  es  in 
der  Weise  von  ahd.   hag  weitergebildet  ist, 

15  bz.  mit  diesem  u.  ahd.  liagan  (Dorn,  Dorn- 
busch, Vorhau)  zusammenhängt,  dass  die 
mdartl.  geiviss  schon  viel  früher  vorkommen- 
den Wörter  lu'igel  (fei)i,  dünn  etc.)  u.  hager 
(mager)    beide    urs2)r.    die    Bedtg. :     dornig, 

20  scharf,  .ipitz ,  .<itechend  etc.  hatten,  wie  ja 
eine  feine  dünne  Stimme  auch  eine  scharfe 
Stimme  ist  u.  bei  einem  hagern  Menschen 
das  Gesicht,  bz.  Nase,  Kinn  etc.  auch  scharf 
u.  spitz  sind  u.  die  Knochen  bei  hagern  Ge- 

25  schöpfen  auch  scharf,  spitz  u.  eckig  vorra- 
gen od.  hervorstehen.  Vergl.  auch  tvegcn 
des  Zusammen  falls  der  Begrifl'e:  spitz, 
scharf  u.  dürr  das  mnd.  (Seh.  u.  L.) 
hage  od.  haghe  in  dem  angeführten  Beispiel : 

30  wen  de  vrost  blaset,  so  werdet  alle  krudc 
ichte  struke  alse  de  haghe  ichte  scherpe  des 
disteles ,  d.  li.  wohl  so  d  ü  r  r  loie  die  Dor- 
nen od.  Schürfen,  scharfen,  stechenden  Spit- 
zen etc.  der  Disteln,  toelches  Wort  wohl  eher 

35  mit  hage  (dumus  etc.)  identisch  sein  dürfte, 
als  dass  man  annimmt,  es  sei  mit  vorgesetz- 
tem .,h"  aus  age,  agen  =  ahd.  agana,  mhd. 
ageu  (Spreu)  entstanden. 
hjiger.  hägerd,  heger,  hegerd,  Heger  od. 

40  Finer  der  liegt,  bz.  gut  sorgt,  hütet,  beicahrt 
u.  spart;  daher  auch:  tüchtiger  sorgsamer 
zuverlässiger  fixer  Mensch;  't  is  jo  'n  hager 
od.  hägerd  fan  'n  kerel !  dar  kan  man  wat 
up  stau  laten.     Sprichw. :   up   'n  heger  (gu- 

45  ter  Haushalter  etc.)  kumd  'n  fleger  (Bruder 
Leichtfuss). 

hüge-,  hegge-spilen ,   Stöcke  zum  Dicht- 
machen einer  Hecke. 
hage-törf  od.  hage,  die  über  dem  schivar- 

50  zen  ti.  schwersten  Torf  lagernde  Schicht, 
ivelche  den  etwas  leichten,  vielfach  mit  Sten- 
geln von  Gestrüpp  u.  Böhricht  durchwach- 
senen u.  dadurch  einen,  ein  etwas  rauhes,  za- 
seriges   u.  struppiges  Ansehen  habenden 

55  Torf  liefert;  —  wen  ji  't  mör  ofbrunkt  hebben, 
den  k8nd  ji  erst  de  grisc,  den  de  bunte, 
darup  de  spalte  (od.  splint)  un  den  de  hage 
(od.  hagetiirt")  der  ofgrafcn ,  dat  de  swarte 
un  beste  türf  gans  up  't   sent    blil't.     Dieses 

GO  hage  ist  wohl  eher  mit   mnd.    hage   (rubus, 


HAEGE-WIBKES 


HAKE  HAK 


dumus  etc.)  u.  ahd.  hagan  (Dorn ,  Dorn- 
busch, Verhmi  etc.,  von  ahd.  hag ,  dichtes 
Gebüsch,  G  estr  iijjj)  etc.,  cf.  unier  Hage 
u.  hagen  etc.)  als  mit  afries.  hach  (hoch, 
cf.  hög  u.  bei  Stbg.  im  Nachtrag,  pag.  347) 
connex,  zu  welch  letzterer  Annahme  die 
Lage  dieser  Torfschicht  wenigstens  keine 
Veranlas.'iung  bietet. 

häge-wibkes,  die  rothen  Fruchte  des  Ha- 
gedorns, cf.  wibke  u.  jöpke. 

hägtas,  «.  äftas. 

lia-ha,  ja-ja  etc.;  hä-liä,  ach  so!  also! 
jawohl!  ich  verstehe  etc.;  \\'-A-\iä,,ncin-nein! 
cf.  2  ha  etc. 

haie,  hai  od.  hei,  Hay,  Hai/fisch.  —  Nid. 
haai;  mnld.  (KU.)  haeye,  haye;  dän.  hai; 
schwed.  haj.  Gehört  dies  Wort  zu  mnld. 
haeyen  (exantlare,  perpeti ,  perdurare),  weil 
dieser  Fisch  so  ausdauernd  im  Verfol- 
gen der  Schiffe,  bz.  der  Beute  ist? 

Hayo ,  ml.  Name ;  Geschln.  Hayung, 
Heyungs,  Hayunga.  Wegen  früheren  Vor- 
kommens dieses  Namens  cf.  Dr.  Fried- 
laender,  ostfries.  Urk.-Buch,  Nr.  43.  Da- 
von wohl  auch  (als  Koseform)  Hayko  od. 
Heiko,  soioie  der  ml.  Name  Heye  statt  Haye. 

1.  hak,  a)  Schlag  (ictus  od.  Hau,  Stoss, 
Hieb,  Stich  etc.  in  Etivas  hinein)  mit  einem 
scharfen  u.  spitzen  Instrument  (Hacke,  Beil, 
Zinkenhacke  etc.)  od.  auch  Biss  mit  den 
Zähnen  etc. ;  he  hed  d'r  'n  dügtigen  hak  in 
henin  dän;  man  kan  de  sporeii  d'r  nog  fan 
sen;  —  b)  ab-  od.  aus-gehacktes,  ab-  od. 
ausgeschlagenes,  ab-  od.  aus-gebissenes  Et- 
was, Stück,  Brocken,  Bissen  etc.;  he  hed 
d'r  'n  dügtigen  hak  üthauen  od.  ütdän ;  — 
c)  (collect.)  Gehacktes,  Zerkleinertes,  kleines 
Zeug ;  fig.  Geringes,  Werthloses,  Schlechtes, 
Gemeines  etc. ;  wi  willen  to  fau  middag  'n 
bitje  hak  (gehacktes  Fleisch)  kopen;  —  't 
is  emer  kak  (es  ist  nichts  als  Ge-  od.  Zer- 
hacktes, Zerkleinertes,  bz.  wie  Kraut  u.  Bu- 
ben durcheinander  gehacktes  u.  gemischtes 
Zeug);  daher:  hak  un  mak  (Krethi  u.  Plethi, 
od.  allerlei  schlechtes  Volk,  Janhagel  etc.) 
=  nd.  (Br.  Wb.,  Schambach  etc.)  hak 
un  mak,  hackemak  u.  schwed.  hackraat  etc. 
—  Nid.  hak  (Hieb,  Schnitt,  Hau  etc.);  mnd. 
(Seh.  li.  L.)  hack  (Gehacktes,  Fricassee; 
gemeines  Volk ,  Janhagel) ;  schived.  hack 
(Hieb,  Hau  etc.);  engl,  hack  (Kerb,  Ein- 
schnitt, Hieb)  etc.,  cf.  hau,  bit,  bat  u.  Wei- 
teres unter  hakken. 

2.  hak,  s.  1  u.  2  hakke. 
hak,  s.  hake. 

hak-blok,    Hack-,  Hau-,  Hobel-Block. 

hak-bred,  Hackbrett. 

häkd,  liekd,  hakt,  äkd  etc.,  Hecht,  Raub- 
fisch mit  mehreren  Reihen  sehr  scharfer 
rückwärtsgebogener,  bz.  gekrümmter  od.  ha- 


kenförmiger Zähne.  —  Nd.  hekcd,  hakt; 
innd.  heket;  mnld.  (KU.)  heket;  as.  haceth, 
heket ;  ags.  hacod,  hiiced  ;  engl,  hakot  (Meer- 
hecht), haked  (grosser  Hecht);  ahd.  hachit, 
5  hechit;  mhd.  hechet.  Wegen  der  gekrümm- 
ten od.  hakenförmigen ,  bz.  zinkenförmigen 
u.  scharfen  Zähne  könnte  der  Name  wohl 
mit  Hake  od.  Hacke  vom  Stamm  hak, 
hach  loeitergebildet  sein.     Da  indessen  auch 

10  häkel  (s.  1  häkel)  ein  Werkzeug  mit  schar- 
fen u.  krummstehenden  Spitzen  ist  u.  dessen 
Stamm  mit  dem  von  Hecht  noch  besser 
stimmt,  loie  der  von  Hake  u.  Hacke,  so 
dürfte   es   ivohl    zweifellos   sein ,    dass   die 

15  Wörter  Hecht  u.  Hechel  beide  von  demsel- 
ben Stamm  weitergebildet  sind  u.  diesem  die 
Bedtg. :  spitz,  scharf,  stechend  etc.  zu  Grunde 
liegt,  worüber  mehr  unter  häkel.  Zur  Be- 
stätigung dieser  Annahme  vergl.  ausser  mnd. 

20  hekele  (Stichling  =  unserm  stikelstag  etc.) 
von  hekel  (Hechel)  noch  die  Hechtnamen: 
schwed.  gädda;  dän.  gjedde  von  an.  gadd 
(Spitze,  Stachel) ;  engl,  pike  von  pike  (Spitze, 
Stachel,  Dorn)  u.  franz.  brechet  von  breche, 

25  bz.  afranz. ,  pic.  broc  (Spitze,  Spiess),  wie 
desgl.  auch  franz.  bequet  (Schnabel ;  Hecht) 
mit  2^^^^i^-  l*6ca  (Haken)  von  dem  mit  un- 
serm bek  aus  derselben  Quelle  stammenden 
prov. ,   franz.    bec ;    port.    bico     (Schnabel, 

30  Spitze). 

hake,  liäk,  Haken  zum  Einhaken  u.  Fest- 
halten od.  ein  zum  Halten,  Fassen  u.  Fangen 
eingerichtetes  u.  geeignetes  Etwas,  gekrümmte 
od.  mit  einem   Widerhaken  versehene  Spitze 

35  etc.;  dar  sunt  hei  gin  haken  an  to  smiten, 
um  dat  to  holden  of  to  krigen;  —  he  wet 
d'r  nog  wol  'n  häk  antoslän,  um  d'r  fät  an 
to  krigen.  —  Nd.,  mnd.  hake;  nid.  haak; 
nmld.  (KU.)    haeck    (uncus,    dens,    hamus, 

40  manus;  harpago,  lupus;  ansa);  wfries.  heacke; 
ags.  hök ;  engl,  hook ;  an.  häki;  schwed.  hake; 
dän.  hage;  ahd.  häco,  hägo,  hacco,  haggo; 
mhd.  hake,  hacke  u.  haken  (furca,  uncus). 
Es  wird   im   G  r  i  m  m '  sehen  Wb.    als   ein 

45  Instrument  zum  Hängen  gedeutet  u.  zu  hä- 
han  (hängen,  cf.  hangen)  gestellt.  Da  in- 
dessen die  Formen  (u.  zumcd  die  ngerm.) 
im  Auslaut  schlecht  dazu  stimmen  u.  beim 
Vergleich   von  lat.  uncus,    skr.  anka,    zend. 

50  aka  (Haken,  lUammer),  griech.  '■dgkos( Bucht), 
ags.  anga,  onga  (Pfeilspitze,  od.  wohl  Spitze 
mit  Widerhaken)  von  ]/  ak ,  ank  (biegen, 
krümmen  etc.,  cf.  angel  u.  anker)  man  auch 
bei  hake  eher   an   eine  y   mit  der  Bedtg. : 

55  biegen,  krümmen  etc.  denken,  bz.  annehmen 
muss,  dass  das  Wort  hake  urspr.  ein  ge- 
krümmtes u.  gebog enes  Etwas  be- 
zeichnet hat,  wofür  auch  die  alten  Sprichw. : 
waz  werden  wel  ze  häge,    daz  krümbe  sich 

60  bi  zite;  —  ez  krumbet  vruo,  swaz  z'  einem 


HAEKEL  IIEKEL 


8 


HAEKELEN  HEKELEN 


haggen  werden  wil;  —  swaz  z'  eime  haggen 
•werden  sol,  daz  krümbet  sich  vil  vrüeje  — 
w.  das  spät.  )nh(l.  Vbm.  hachen  (kriimmeii, 
beuge»)  sprechen,  .so  darf  man  nach  ags. 
hök,  engl,  hök  u.  unser m  hük  (Angel,  Thür- 
angel ;  Ecke,  Winkel,  Kriiminung,  Biegung 
etc.)  wohl  eher  annehmen,  da.-<s  hiico  mit  nhd. 
hocken  (kauern,  sich  in  gekrümmter  Stel- 
hing  niederlegen ,  bücken  etc.)  u.  unserm 
huke,  sowie  lat.  qiiec  (dem  Stamm  von  con- 
quexi,  couquiiiisco)  u.  coxim,  bz.  den  Wijr- 
tern  h6g  u.  an.  hauga  (Hügel),  lit.  kaukas 
(Beide)  etc.  von  einer  aus  y  kak  (binden, 
gürten,  umgürten,  hz.  circuniciugcro  od.  rund 
it.  in  einem  Bogen  amziclien,  cf.  hatten)  oit- 
standenen  ]'  kuk,  kvak  (wölben,  krümmen) 
=  germ.  huu'  (cf.  huko,  hük,  bz.  hocken  etc. 
von  huii,  icic  bocken  u.  bücken,  bz.  buk, 
bukken  von  gcrin.  }'  bug)  stammt,  od.  gleich- 
falls zur  y  kak  gehört,  wie  auch  Fick  (cf. 
I,  3G  seq.)  skr.  cakra  (Bad,  Kreis)  mit 
griech.  ki'iklos  (Rad,  Kreis)  u.  unserm  wOl 
zu  kak  stellt  ?  cf.  auch  1  häkel  u.  1  n.  2 
hakke  u.  l'oit,   Wurzehvb.  III,  l.'Jl). 

1.  häkel,  hekel  u.  auch  hokel,  Hechel, 
Werkzeug  mit  krummstehenden  Spitzen  zum 
Reinigen  von  Flachs,  Wolle  etc.;  dör  de 
hiikel  trekken  od.  haleu  (durch  die  Hechel 
ziehen,  durchhecheln ;  fig.:  Jemanden  scharf 
mitnehmen).  —  Nd.  hiikel,  hekel ;  mnd.  he- 
kele;  nid.  hekel;  mnld.  (KU.)  haeckel,  he- 
kel (ferreus  hanius,  ferreiis  pocten ,  instrii- 
mentum,  quo  Jinum  pectitur);  wfries.h.\c'kQ\, 
haeckel  (s.  n)iter  häkelen),  od.  (nacli  0  at- 
zen s.  unter  hägel)  hekel;  wang.  (Fh  ren- 
traut, I,  'j7ä)  hitsel  (wegen  ts  =  k  (/. 
britsen) ;  nfries.  (0  utze  n)  hagel ,  hägel ; 
ahd.,  mhd.  hachole,  hechele;  engl,  hatchel 
u.  hackle;  schwed.  häckla;  dän.  heglc ;  norw. 
hekla.  Der  Stamm,  bz.  die  germ.  y  hak 
von  häkel  hat  die  Bedtg. :  hauen,  schlagen, 
schneiden,  spalten,  stossen,  stechen  (cf.  die 
Wurzeln  1  w.  2  bhar  bei  Fick  u.  unter 
bar,  bör)  u.  gehört  häkel  als  Gerüth  mit 
scharfen  Spitzen ,  bz.  Zinken  od.  auch  cüs 
stachlichtes  Etwas,  Ding  ivas  Stacheln  hat 
(cf.  mnd.  hekele,  Stichling  u.  nhd.  Hau- 
Hechel)  Jedenfalls  mit  1  bakke  zu  einem 
Vbm.:  ahd.  hachan,  licchan  etc.  od.  viel- 
leicht hachjan  mit  der  Bcdtg.:  hacken,  hauen, 
schlagen,  stossen,  stechen  etc.,  tvas  allerdings 
ahd.  nicht  belegt  ist,  indessen  im  Vergleich 
von  ahd.  hekjan,  mhd.  hegen  aus  ahd.  hag- 
jan  u.  nach  mhd.  huchelen  (hccitebi ,  cf.  1 
häkelen)  etc.  mit  africs.  hakia  (liak-ja)  od. 
hackia  (in  tohackia,  zerhacken),  ags.  liaccan  ; 
andul.  hecchan ;  mhd.  liecken  u.  hacken 
(hacken,  hauen,  stechen  etc.)  identisch  /><  u. 
dessen  ursjir.  hoehd.  „ch"  zu  unserm  ngcrm. 
„k"  sich  ebenso  verhält,  ivie  in  ahd.  machün 


=  as.  macon,  afries.  raakia  (mak-ja),  ags 
macian  (mac-jan)  u.  unserm  maken.  Wei- 
teres vergl.  daher  unter  1  hak,  hakken  u. 
hikken  u.  dazu  auch  die  folgenden  Wörter: 
5  2.  häkol,  hekpl .  Häkel,  Häkelnadel, 
Werkzeug  mit  gekrümmter  Spitze  zum  hä- 
keln. Di  min.  von  hake  od.  aus  häkele  ge- 
kürzt u.  dann  von  häkelen  u.  2  häkelen. 

3.  häkel,  hekel,  Abscheu,  Hass  etc.;   so 
10  hed    'n    häkel    up    hum.       Wohl   mit   vorge- 
setztem „li"  vom  Subst.  äkel ;  (/.  weiter: 

4.  häkel,  hekel,  a)  wählerisch,  zart,  ge- 
reizt, leicht  verwundet  u.  verletzt,  empfind- 
lich etc. ;    he  is  häkel  up  't  äten ;  —    he  is 

15  so  häkol,  dat  man  hum  hei  uet  ankamen 
dürd ;  —  b)  heikel,  gefährlich,  bedenklich 
etc. ;  dat  is  'n  häkeln  od.  heikein  säk,  um 
dar  in  to  gripeu;  —  c)  stechend  od.  scharf 
n.  spdz,  leicht   ritzend    u.  verwundend  etc.; 

20  dat  is  sük  (solch)  häkel  güd,  dat  man  "t  hei 
nt't  antaten  kan,  an  sük  to  stäken,  of  to  li- 
tcn.  —  In  der  ersten  u.  zweiten  Bcdtg.  mit 
nhd.  (G  rimm,  Wb.  IV,  lol)  häckel,  hackcl, 
bz.  hekel,  hechel   u.  auch  heikel    mit  vorge- 

25  sctztem  „h"  von  äkel.  In  der  dritten  in- 
dessen vielleicht  von  dem  Subst.  1  häkel,  bz. 
von  1  häkelen  (hecheln),  od.  dem  afries.  ha- 
kia (hacken,  hauen,  stechen),  cf.  anter  1 
häkel. 

30       1.  häkele,  hekele,   Hechelei,  Schimpferei, 
Streit    )nit   bösen    ?/.    scharfen   Worten,    wo 
man  einen  Andern  scJdecht  zu  machen  sacht        1 
u.  ihn    (od.    Etivas)   einer   scharfen  Kritik        I 
unterzieht;   he  hed  altid  so  fOl    häkeleen  bi 

35  d'  enn',  dat  man  siik  d'r  hast  net  für  waren 
kan,  um  ^en  stnd  mit  hum  to  krigen ;  — 
wat  heb'  ji  altid  für  häkele  un  kakele  mit 
'nandcr?     Zu  1  häkelen. 

2.  häkele,  hekele,    Häkelei,  Häkelarbeit; 

40  leg'  de  häkele  bi  d'  sid  uu  gä  lefer  bi  't 
neion. 

häkelen,  hakein,  mit  hakender  Bewegung 
fassen,  häkeln,  nesteln,  mit  Haken  verbin- 
den etc.;   he  hakeld  dat  in  'nander;    —   dat 

45  is  in  'nander  fast  hakeld.  Freq.  von  haken ; 
cf.  2  häkelen. 

1.  häkelen.  hekelen,  liäkeln  etc.,  hecheln, 
durch  die  Hechel  ziehen,  z.  II.  Flachs,  Wolle 
etc.,  um  es  zu-  reinigen;   dat    flas   mut    nog 

50  hakeld  worden;  fig.  scharf  mitneinnen  etc.; 
se  hebben  hum  ördeiidlik  dör  hakeld.  -- 
Mhd.  hachelen,  hecholeii ;  nid.  hekelen; 
mnld.  (KU.)  haeckelen,  hekelen  (carminare, 
pecterc  linum  etc.);  icfries.  (J  ap  i  r)  \nckQ\- 

55  Jen,  haeckeljen ;  wang.  liitselje;  schived.  häkla. 
Zu  1  häkel. 

2.  häkelen,  liekelen,  häkeln  etc.,  häkeln, 
Häkelarbeit  maclien ;  se  liäkeld  'n  däken; 
—    du    sehnst    (schuldst,    solltest)    lefer   din 

00  breiden   (Stricken,   Strickarbeit)  krigen,    as 


IIAEKELER 


PIAKEN 


dat  du  altid  sitst  to  häkeln.  —  Zu  2  liillcel 
u.  soviel  als  mit  der  Jläkcl-Nadcl  arbeiten, 
od.  eigentlich  icohl  identisch  mit  hakeleii, 
häkeln,  nesteln  etc.,  wie  nhd.  (Grimm,  Wh. 
IV,  180)  häkeln. 

Jläkeler,  Einer  der  gern  streitet,  hz.  stets 
Etwas  zu  tadeln  od.  mäkeln  hat;  Zü)iker, 
Störenfried  etc. ;  häkelers  un  käkclcrs  de 
hören  bi  'uander  in  en  buk.  —  Nd.  (Schnrn- 
haeh)  haekclaer.  Entweder  zu  1  häkeln 
od.  connex  mit  nhd.  häkeln  (tadeln  etc.), 
cf.  Grimm  Wb.,  IV,    180,   häkeln    sub  4. 

liäkelig,  häkelg,  liäkelk,  häklich,  heik- 
lich,  bedenklich  etc. :  dat  is  'n  häkelken  süke 
etc.     Zu  4  häkel. 

liakel-wark,  ein  Zaun  (od.  Stucket,  Git- 
ter etc.)  von  kreuzweise  gestreckten  Stöcken 
od.  Stangen,  zicischen  denen  Dor)ienreisig 
gesteckt  ist.  —  Nd.  {Bäh  n  ert)  hakelwark; 
mnd.  hakelwerk ;  md.  hachllwerc,  hachel- 
werc,  hakilwerc  (subur'biuni,  Ausscinccrke 
eines  befestigten  Platzes);  uintd.  (KU.)  he- 
kel- ,  hae.ckd-werck  (sepimentum,  palatio). 
Es  loird  im  Grimm'' sehen  Wb.  (IV,  10:2) 
zu  hag  u.  hecke  (cf.  hage,  häge)  gestellt. 
Da  indessen  die  Formen  liakel,  hachel,  hakil 
dazu  in  keiner  Weise  stimmen  u.  das  Wort 
mantel  bei  uns  nicht  allein  in  der  Bedtg.  : 
T u  c h m a  ntel,  sondern  in  der  allgemei- 
nen Bedtg. :  S chutz  -  od.  S c h i rm-D i n g 
gebraucht  wird  u.  wir  auch,  eine  lebendige 
Hecke,  einen  schützenden  Zaun,  eine  Wand 
von  Holz,  od.  eine  schützende  u.  den  Wi)id 
abhaltende  Baumreihe  etc.  cds  mantel  be- 
zeichnen, so  glaube  ich  eher,  dass  hakelwark 
soviel  ah  31  ante  l-  od.  S  chutz-  Werk  ist 
ti.  mit  goth.  hakuls;  ags.  hacele;  afries. 
(Hettema)  hexil  (Geivand,  Tuch  etc.);  an. 
hökull ;  ahd.  hachul;  mhd.  hacht-l  (Mantel, 
Kappe,  Hülle  etc.)  ;  an.  hekla  (Mantel  mit 
einer  Kapuze  u.  Name  des  Vulkans  Hekla, 
als  des  mit  einer  Sclmeekoppe  bedeckten 
Berges);  isl.  hekla  (chlamys,  tunica  brevis, 
Pallium;  cucullus),  hökull  (thorax,  epiditis 
sacerdotis,  planeta,  casula  etc.)  etc.  zusam- 
mcnhängt,  tvas  Fick  zu  kslav.  koza  (Fell, 
Haut)  u.  dieses  zu  koza  (Ziege),  ags.  hecen 
(junge  Ziege)  stellt,  bz.  davon  ableitet  u. 
dann  dieses  wieder  mit  hinken  zu  einer  y 
kag,  kang  (hinken,  cf.  hinken)  stellt,  icas 
jedenfalls,  sofern  nicht  hinken  u.  auch  koza 
(Ziege,  Bock)  auf  der  Bedtg.:  stosseii 
(stossend  u.  stockend  gehen),  bz.  auf  der 
Grdbdtg. :  Stoss,  Vorbeicegung,  SiicJi,  Hau, 
Schlag  etc.  (cf.  hak  u.  hakken  von  ]/  cag) 
od.  auf  der  von:  biegen,  krümmen  ((f.  buk 
etc.)  beruht  u.  auch  ags.  hecen  (Ziege  od. 
Bock,  Böcklein)  cds  stos  s  ende  avfgefasst 
ist  (loo  denn  Icoza  ein  Ziege nf eil  bedeutet 
haben    u.    hakel    loieder   von  diesem  in  der 


Bedtg.:  Fell,  Haut,  Bedeckung  abgeleitet 
sein  müssle) ,  eine  wunderliche  Zusammen- 
stellung ist,  da  hakel  (cf.  nd.  hukel-berend 
=  Mantel-Träger,  als  Name  von  Wodan) 
5  lüohl  jedenfalls  eine  germ.  y  liak  voraussetzt, 
ivelche  die  Bedtg. :  decken,  schützen 
hatte,  deren  Bedtg.  aber  (cf.  ]/  pa,  pi,  grei- 
fen, fassen,  halten,  retten,  schützen  etc.)  xvohl 
aus  greifen,   halten,    haften   hervor- 

10  ging  u.  somit  ein  Denominativ  von  haka 
(Haken,  Klammer  od.  Greifding)  sein  könnte. 
Man  kann  aber  dann  ags.  hacele,  bz.  dessen 
Thema  hakala  od.  hakara  seihst  auch  cds 
eine    Weiterbildung   von   haka    (Haken   od. 

15  Klammer  etc.)  ansehen  u.  als  Haken- 
Ding  od.  hakendes  Etioas,  bz.  cds  ein 
Etwas  (Ding  od.  Wesen)  deuten,  was  man 
an-,  vor-  od.  umhakt,  bz.  ivas  sich  Einem 
anhakt,  a}iklammert  etc.  u.  ein  Etwas  schüt- 

20  zend  umgiebt.  Will  man  übrigens  hakel  in 
hakelwark  nicht  mit  ags.  hacele  (Mantel  etc.) 
idoäificiren,  so  ka)in  man  es  auch  mit  ha- 
kein (häkeln,  nesteln  etc.,  bz.  mit  einander 
verbinden  u.  aneinander  festmachen  etc.,  cf. 

25  hakelen)  von  hake  ableiten,  weil  es  jeden- 
fcdls  ein  in  einander  gehäkeltes  Etioas  ist 
od.  ein  Werk  bezeichnet ,  loas  „in  'nander 
hakcld*  ist,  wie  in  gleicher  Weise  auch  die 
Glieder   einer    Kette   in    'ander    hakeld  od. 

30  schakeld  werden.  H.  Leo  (s.  pag.  582) 
vergleicht  ags.  hacele  zu  skr.  cakala,  was 
ausser  pars ,  portio ,  frustum  etc.  auch  die 
Bedtg.  cutis  (cf.  Benfeg)  hcd,  loas  indes- 
sen lautlich  loegen  des  inlautenden  „k"  nicht 

35  stimmt  u.  tvoJil  auf  eine  y  (;:ik  mit  der 
urspr.  Bedtg:  spcdten,reissen,  theilen,  schnei- 
den etc.  u.  so  ab-,  zutheilen ,  geben  etc.  (cf. 
y  ^ak,  9ank  bei  Ben  feg  etc.  u  zend.  (^ak, 
gebot  etc.  bei  Justi)  zurückgeht ,  loo  dann 

40  aus  der  Bedtg.:  spalten,  reissen  etc.,  bz.  scin- 
dero,  abscindere  etc.  auch  die  Bedtg. :  abgeris- 
senes, gebrochenes  Etioas,  bz.  abgerissenes  u. 
abgezogenes  Fell  (cf.  an.  skinn ,  engl,  skin 
u.  unser  schinne,    sowie   an.  skyrta ,   Hemd 

45  etc.  =  unserm  schört,  nhd.  Schurz,  tvas 
vielleicht  mit  unserm  schüren,  reissen,  spcd- 
ten  etc.,  od.  wie  nhd.  Schur  mit  skera,  schee- 
ren,  schneiden  etc.  [cf.  an.  skur-god,  ge- 
schnittenes Götzenbild]  zusammenhängt),  ab- 

50  gezogene  leere  Haut  etc.  hervorging  u.  wo 
ja  hacele  als  Mantel,  Bedeckung,  Schurz 
etc.  urspr.  auch  nur  eine  blosse  leere  Haut, 
od.  ein  abgezogenes  u.  gebrochenes  Fell  be- 
deutet haben  kann    u.    dann,    mit    1  hak    u. 

55  hakken  zur  selben  ]/  rag    (pulsare,   occidere 
etc.)    zu   stellen    sein  würde ,    ivozu  es  laut- 
lich jedenfalls  besser  stimmt    cds  zu  ^akala. 
1.  haken    (hake,    hakst,    häkd    etc.;    — 
häkde;  —  hed  od.  is  häkd),  haken,  mittelst 

GO  Haken    od.    Klammern    befestigen;   fassen, 


HAKEN 


10 


HAKKEN 


greifen  etc. ;  he  häkd  dat  fast ;  —  dat  lu\kd 
net  göd  in  'ander ;  —  hö  häkde  mit  sin  schi)- 
fels  in  hör  kled.  cf.  anhaken,  fasthaken,  fer- 
hakeu,  inhakcu,  iimhaken,  uphaken  etc.  Zu 
hake. 

2.  haken  (Bor'kum),(jrahcu,  hacJccn,  um- 
hackcn  etc.  —  Nid.  ii.  iiuid.  haken.  Neben- 
form von  hakken. 

haken  -  schön,  toenn  ein  gcschlacläetes 
Thicr  rein  i<.  ausgeweidet  u.  abgehahjt  am 
Haken  od.  (von  Schweinen)  an  der  Leiter 
hängt,  so  nennen  wir  es  liakenschön  (cf. 
schon  =  rein,  sauber  etc.):  dat  swtn  wog 
hakenschön  506  pnnd;  —  ßg.  auch:  navJct, 
bloss,  arm  etc.;  so  hebben  hum  hakenscliön 
üttrnkken  od.  makd. 

hak-  od.  hakkeliies,  Hackfleisch,  gc-  od. 
zerhacktes  Fleisch. 

hak-liaue,  eine  Ha  u  c  od.  Hacke  zum 
Behacken  des  Bodens. 

hak-liorn.  Dimin.  hakhörntje.  Schuhan- 
zieher von  Hörn,  u-elchni  man  zu  diesem 
Behuf'  hinter  die  Jlackoi  in  den  ScJiuh 
steckt. 

1.  hakke,  hakk,  hak,  Hacke,  Haue,  Karst 
etc.  od.  Werkzeug  zum  Hacken  :  s^if  nii  de 
hakke  od.  hak  äfen  her,  ik  wil  (Uit  äfen  lös- 
hakkeu.  —  Nid.  hak;  mnld.  hacke  (securis, 
ascia) ;  nd.  (Dähnert)  hakke;  ndid.  hacke 
(Hacke,  Axt)  ;  engl.  hack.  Zu  hakken.  Da- 
von (Diez,  I,  ß) :  ital.  accia,  a/za  ;  span. 
hacha;  port.  facha,  acha;  prov.  ache:  franz. 
hache  (Axt,  Beil) ;  Vbm. :  ital.  acciare,  frans. 
hacher  (klein  hacken). 

2.  hakke,  hakk,  hak,  a)  Hacke,  Ferse; 
ik  se  hum  lefer  de  hakken  as  de  tönen  (Ze- 
hen) ;  —  fan  hakken  to  nakken  ;  —  en  up 
de  hakken  sitten  (J emandem  auf  den  Fer- 
sen sitzen,  Hin  hart  verfolgen) ;  —  b)  Sciiuh- 
od.  Stiefelabsatz  unter  dot  Fersen;  he  dragt 
sükke  (solche)  hoije  hakken;  —  he  haud  mit 
de  hak  in  de  diile;  —  he  stampd  dat  mit 
de  hakken  fast ;  —  c)  Fersentheil  des 
Strumpfes;  ik  heb'  de  hascn  al  bit  an  de 
hakken  klär.  —  Nid.  hak;  mnld.,  bz.  sächs., 
fries.  hacke;  )id.  hakke.  Beim  Vcrgl.  von 
lat.  calx  mit  calcare,  könnte  auch  dieses 
Wort  )nit  1  hakke  zu  hakken  (hauen,  schla- 
gen, stossen  etc.)  gehören  u.  die  Ferse  (cf. 
auch  griech.  lax  [aus  klax  =  calx?],  läktis, 
laktizö)  als  ein  stossendcs,  stamj/fcndes  Et- 
was aufgefasst  sein,  obschon  es,  da  calx 
schwerlich  von  calcare  abgeleitet  ist,  auch 
möglich  wäre ,  dass  hakke  (Fei-.'^e,  Absatz) 
nun  mit  hakken  von  derselben  y  stammt. 
Vergl.  auch  hile  (Ferse),  welches  icuhr- 
scheinl.  mit  calx  von  der  y  kal  (schlagen, 
stossen,  stampfen  etc.)  stammt. 

hakke-biter,  hakkenhiter,  kleiner  Hund 
der    wegen    seiner    geringen    Grösse    einem 


Menschen  od.  Thier  lediglich  in  die  Fersen 
beissen  kann. 
hakkel-blok,  Hackblock. 
jiakkele,   Gehacke,  Hackerei. 
5      1.  hakkelen,  hakkeln.  frcq.  hacken;    he 
hakkeld  dat  kört  un  klen.  —  Wfries.  hackel- 
jen.     Davon:  hakkeimest,  Hackmesser. 

2.  hakkelen.  hakkeln.  Jemandem  im  Win- 
ter beim  Schlittschuhlaufen  od.  beim  Fahren 

10  mit  dem  Schnceschlitten  von  hinten  auf  die 
Fersen  laufen  od.  fahren  u.  ihn  dadurch 
beschädigen;  daher  Warnioigsruf  eiliger 
Schlittschuhläufer  etc. :  ik  hakkel  di!  —  ik 
hakkel  di,  wenn  sie  Gefahr  laufen,  den  vor 

15  ihnen  Gehenden  auf  die  Fersen  od.  Ha- 
cken zu  rennen. 

hakkel-HeS,  Hackfleisch,  gehacktes  Fleisch ; 
hakkeltles  is  dür.  Diese  Bedensart  wird 
auch    in  Bezug   auf  2  hakkelen   gebraucht, 

20  wenn  Jemand  einem  Andern  muthwillig  auf 
die   Hacken    od.    Fersen  fährt    u.   ihn   da- 
durch zu   Fall   u.    Schaden    bringt    u.    ihm 
dafür  S(hadenerS((tz  leistoi  ntuss. 
Iiakkel-niest,  Hackmesser. 

25  hakken,  hacken,  hauen,  .schlagen,  bicken, 
stossen,  stechen,  beissen,  zerhacken,  zerklei- 
nern etc.;  he  hakd  d'r  mit  ^t  mest  (od.  de 
bil,  de  beitel,  de  hakker,  de  spii  [Spaten], 
de  snabel,  de  tanden  etc.)  in;    —    he  hakde 

30  dat  göd  all'  kört  un  klen;  —  de  erde  od. 
gruud  hakken,  bz.  umhakken;  —  kertuffels 
un  köl  hakken  (a.  sie  zerhacken  u.  zerklei- 
nern; —  b.  die  Erde  um  die  Pflanzen  herum- 
hacken II.   losmachen ;   de   kertuft'els  mutten 

35  hakd  od.  anhakd  worden) ;  —  du  kaust  ua 
't  land  gan  un  hakknn  de  grund  um;  — 
plaggen  hakken  od.  stäken ;  —  fies  od.  holt 
etc.  hakken ;  —  hö  hakd  altid  up  hum  lob 
(nicht  allein  vom  loirklichen  hacken  u.  hauen, 

40  sondern  auch  fig.  in  dem  Sinn  gebraucht, 
dass  ein  he  einen  hum  scharf  tadelt  od.  ihn 
ausscltilt  II.  auszankt,  wie  denn  auch  hik- 
hakken  in  der  Bedtg. :  streiten,  keifen,  zan- 
ken etc.  gebraucht  wird).     Sjjrichw. :  de  göd 

45  hakd,  de  göd  kakd,  d.  h.,  wer  gut  hackt  od. 
kaut  n.  zerkleinert,  der  hat  auch  guten 
Stuhlgang.  —  Compos.:  au-,  be-,  in-,  of-, 
um-,  up-hakken  etc.  —  Afries.  hakia,  hackia 
in  tohakia,  d.  i.  io\\i]i'yx  (zerhacken) ;  wang. 

50  bäk;  satl.  häkje;  wfries.  haekjeu;  nd.,  nid. 
hakken;  7nnd.,  mnld.  hacken;  ahd.  hakjan 
(od.  ursjir.  richtiger  wohl  hachjan,  hachan, 
nach  maken  [=  ahd.  machön  etc  ] ,  haksei 
u.  hakken    [=^   ahd.  pachan]    zu    rechnen); 

55  mhd.  hacken  (hacken)  u.  amhd.  hecchen ; 
mhd.  hecken,  Prätcr.  hacte  (hacken,  hauen, 
stechen  etc.);  ags.  haccan ;  engl,  hack; 
schwed.  hacka;  dän.  hakke.  Fs  gehört 
wahrscheinl.  zur  y  (Bopp)   cag'   (pulsare, 

60  ferire,  occidere),  od.    (Benfey)  chagh    (to 


IIAKKER 


11 


HAL-AFER  HAL-OEFER 


kill),  ivclche  Fick  nach  caks  (sehen)  = 
caks'  od.  cliaksh  zu  nrtheilen  cag  sehreiben 
loiXrdc  11.  iirspr.  (cf.  caks  od.  chaksh  ans 
kar  =  zcnd.  kag)  wohl  kag  od.  kak,  b.r. 
skak,  skag  (cf.  unter  2  kake,  kakeln,  kak- 
ken  n.  auch  unter  1  kaken  am  Schlüsse 
etc.,  ivonach  auch  tvohl  hakken  mit  hikken, 
kikken  otc.  zu  einer  Schallwurzcl  kak  od. 
skak  gehört)  gelautet  hat.  Ob  auch  zend. 
y  cag  (zntheilen,  abtheilen,  zugeben,  gewäh- 
ren etc.)  hienut  iderüisch  ist  u.  deren  Bedtg. 
(cf.  (lel,  fielen  u.  ags.  brytta,  Spender  etc., 
bryttiaii,  brytiiian,  spenden,  austheilen,  ver- 
leihen etc.  von  breotan,  brechen,  zerbrechen, 
spalten,  erschlagen,  tödten  etc.  unter  bret, 
brot  etc.)  ursp)r. :  spalten,  hauen,  schneiden, 
theilen  etc.  loar?  Möglich  ist  dies  wenig- 
stens .sehr  gut,  da  geben,  geioäh r e n  etc. 
jedenfalls  nicht  die  primitive  n.  sinnl.  Bedtg. 
dieser  ]/  ist. 

liakker,  a)  Person  die  hacTct;  —  b)  Ding 
od.  Werkzeug  womit  man  Etioas  hackt.  — 
Compos.  kertuffelhakker,  fleshakker  etc. 

liak-lßi',  Hackenleder,  Fersen-  od.  Ab- 
satz-Leder, Hinterleder. 

Iiak-mest,  Hackmesser. 

hak-säne,  liaksene,  die  Hacken-  od.  Fer- 
sensehne, bz.  diejenige  .starke  Sehne  od. 
Spannader,  welche  sich  hinten  von  der  Ferse 
bis  durch  die  Kniekehle  am  Bein  hinauf- 
sieht, iveshalb  denn  auch  unter  haksäne  bei 
den  Pferden  die  Kniekeldensehne  verstan- 
den wird ;  —  de  düfels  hebben  fan  nagt  min 
perde  de  haksänen  dörsuäden,  so  dat  mi  nu 
anders  niks  afer  blift,  as  de  arme  deren  dOd- 
stäken  to  laten. 

haksei ,  Gehacktes ,  Zerhacktes ,  Zerklei- 
nertes ;  Häcksel  von  Stroh,  Heu  etc.,  Häcker- 
ling. —  Nid.  haksei;  nd.  hakkels;  mnd. 
hackeise. 

haksel-kiste,  haksel-kipe,  haksel-mone, 
Häckselkiste ,    Häckselbehälter,    Futterkiste. 

haksel-Iade,  hakselläe,  haksella,  Lade 
od.  Trog  mit  Schneidevorrichtung ,  um  da- 
mit Häckerling  zu  schneiden. 

hakster,  Frauensperson  die  hackt,  Ha- 
ckerin. 

häkster,  s.  akster. 

häksteni,  s.  äkstern. 

hak-stiik,  Fersenstück,  Flicken  an  dem 
Absatz  von  Schuh  u.  Stiefel,  das  Fersenstück 
od.  der  Fersentheil  cim  Strumpf,  cf.  fer- 
hakstükkcn. 

1.  häl,  Zug  =  trek,  löge,  kliik,  sink  etc., 
cds  einmaliger  Act  des  Holens  od.  Hebens, 
Ziehens  etc.;  de  (der)  häl  was  to  stark;  dat 
tau  ret  d'r  fan  kört;  —  in  en  od.  mit  en 
häl  truk  (od.  hol)  he  dat  schip  an  de  wal' ; 
—  wen  du  nog  en  dügtigen  häl  deist,  den 
hebben  wi  de  balke  hög  genug ;  —  he  drunk 


dat  ber  in  en  häl  üt;  —  he  de  (dede,  that) 
'))  dügtigen  häl  iit  de  kann" ;  —  in  6n  häl 
(Zug,  Strich)  sin  näm  sclirifeu.  —  Nid. 
haai ;  nd.  (Br.  W  b.)  haal  in.  haalwind  (Zug- 
5  wind),  loas  nach  dem  dort  erwäh)iten  gleich- 
bedeutenden „haling"  ivohl  hieher  gehört  u. 
von  hal,  hael  (trockot  etc.,  cf.  u)iter  halster) 
ganz  verschieden  ist.  Vergl.  halen. 
2.  lifil,  Impcrcdiv  von  halen. 

10  3.  häl,  Hahl,  Herd-  od.  Kessel-Haken, 
hz.  die  ganze  verschiebbare  hölzer>ie  od. 
eiserne,  mit  Zacken  u.  einem  Sperrhaken 
versehene  Hänge-Vorrichtung,  od.  die  Kette 
mit   sammt    dem    Haken,    worin    Kessel   u. 

15  Topf  idjer  dem  Feuer  hängen ;  de  (der)  häl 
is  hast  dörsläten  un  to  swak ,  um  de  sware 
kätel  to  dragen ;  —  du  must  de  häl  wat  up- 
kürten,  de  pot  hangd  to  digt  up  't  für.  — 
Nid.  haal;    mnd.  häl,    hele.      31/1    den    bei 

20  Grimm  (Wb.  IV,  158)  angeführten  For- 
men: hahl,  hähl,  liala,  hagel,  hohel,  ho), 
hael,  hahle,  hohl,  höhl,  hehl,  hal,  häl,  hei 
aus  ahd.  hahala,  hahila,  hahla,  häla;  mhd. 
hahele,  hahel,  hael    (Vorrichtung  zum  Auf- 

25  hängen;  besonders  Kesselhaken)  von  ahd., 
gotli.  hahan  (hängen),  cf.  hangen. 

liäl,  Hehl,  Heimlichkeit,  Gehcimniss  etc. 
od.  verhüllter,  bedeckter  Zustand,  Etwas  ivas 
verhüllt,  bedeckt  u.  verborgen  ist   u.  bleiben 

30  soll;  ik  wil  od.  kan  d'r  gen  häl  üt  maken, 
dat  mi  dat  net  regt  is.  —  Mnd.  halo,  hele; 
nd.  (Br.  Wb.,  II,  566)  haal,  hale;  mhd. 
häle,  haele  (das  Verbergen,  Verhehlen,  Ver- 
heimlichen etc.  od.  die  Verhüllung ,  Ver- 
üb deckung  etc.).  Mit  ahd.  häla  (tegmen)  u. 
häli,  häle;  mhd.  häle,  haele,  hael  (verhohlen, 
verborgen,  bedeckt,  verhüllt;  Jieiudich  schlei- 
schend  od.  schlüjjfend,  schlüpfrig,  glatt); 
mnld.  (KU.)  hei  (iubricus) ;  (f».  hall;  schwed., 

40  dän.  hal  (dasselbe);  mnd.  lial  (verborgen, 
heimlich);  schiveiz.  hähl,  hehl,  bei  (bedeckt, 
unnvölkt)  zu  ahd.  helan,  cf.  2  hälen.  Dass 
übrigens  mhd.  häle,  ahd.  häla  od.  hälT,  wie 
2    häl    (u.    wie    Heyne   unter    Hehl    in 

45  Grimm,  Wb,  IV,  785  bchaupdet)  aus  ha- 
hali  contrahirt  ist,  kann  ich  beim  Vergleich 
von  Hehl  zu  hehlen,  bz.  von  häl  zu  hä- 
len kaum  annehmen,  da  hellten  doch  wohl 
zweifellos  aus  ahd.  helan  u.  dies  gewiss  doch 

50  nicht  aus  einem  zu  hälan  contrahirtoi  ha- 
halan,  sondern  aus  urspr.  halan  entstand, 
wenn  es  nicht  etwa,  nach  dem  Präter.  hal 
u.  dem  Subst.  hullä  (Hülle)  zu  rechnen,  aus 
einem  altern  hilan  (hal,  hui,  hulun)  entstand. 

55  1.  häl-afer,  liäl-Öfer  (Imper.  von  afer- 
halen),  hole  über,  hole  her-  od.  hinüber. 

2.  liäl-afer,  luil-Öfer,  Person  die  Alles 
zu  sich  hi)iüber  holt  u.  zieht,  bz.  an  sich 
rafft   od.   loenigstens   im  Stande  ist    solches 

60  zu  thun  u.    deshalb   auch  Alles   unter   sich 


HAL-BOM 


12 


HALEN 


hat  u.  Alles  beherrschen  will;  daher  auch: 
■HuverscJiämte  Person,  Mannweib,  Haiisf;;- 
rann,  Teufelsbraten  etc. ;  he  (od.  %v)  is  so 
'n  regten  halafer;  —  he  hed  dar  so  'n  häl- 
aferske  fau  'n  wif,  dat  he  sük  hei  iiet  ük-  5 
kern  dürd,  of  \\v  krigt  ^vat  uii  de  sni'ite. 

\vdl-hon\,HahIlnünn.B(i  um  otl.  Stange, welche 
quer  durch  den  Schornstei)i  liegt  u.  tcoran  die 
Herdkettc  etc.  (cf.  3  häl)  befestigt  ist  od.  hängt. 

halen  (hale  od.  hal,  hülst,  bakl  etc.;  —  10 
hol,  hülst,  hui  etc. ;  —  h.ild,  geholt),  holen, 
ziehen,  raffen,  reissen,  schleppen,  bringen 
etc.;  bringen,  gebären;  wen  du  net  hätor 
halen  (ziehen,  anholen,  anziehen,  reissen  etc.) 
kanst,  den  lät  't  man  lefer  lös;  —  hal'  dat  15 
schip  an  de  wal;  — •  ik  hui  (zog,  riss  etc.) 
fast    an;  —  he  liul  hum  de  här  üt  do  koj); 

—  is  din  fader  in  hüs?  uä!  ik  wil  hum  iifon 
halen  (holen,  herbeirufen  etc.);  —  se  halen 
hum  fürt  (sie  holen,  fähren,  bringen  ihn  20 
fort);  —  se  halen  hum  np  (•^ie  bringen  ihn 
auf,  führen  ihn  ins  Gefängniss  etc.);  —  de 
düM  schal  di  halen    (holen,  wcgliolrn  etc.); 

—  hal  dat  tau  an;  —  gä  hen  un  häl  (hole, 
bringe)  \\\i  'n  floss  her;  —  du  kanst  de  25 
kiuder  äfen  fan  de  schöl  halen ;  —  he  hol 
(Jiolte,  zog,  brachte,  schleppte  etc.)  't  all  hi 
'nander,  wat  d'r  man  to  hehben  was ;  —  he 
häld  (zieht,  reisst,  rafft  etc.)  't  alT  na  siik, 
wat  he  man  to  faton  krtgen  kan ;  —  he  hol  30 
(holte,  raubte,  stahl  etc.)    hum  d^^  appels  üt 

de  tfm;  -  se  hebbon  mt  't  gelu  un  güd  all' 
ofhiild  (mir  sämmtliches  Geld  n.  Gut  abge- 
holt, bz.  betrügerischer  u.  Jieimlicherweise 
abgenommen  u.  gestohlen);  —  he  häld  mit  35 
sin  ferteläels  alud  so  lank  iit,  dat  man  't 
hast  hei  net  oftöfon  kan;  —  he  hiild  (zieht, 
dehid  etc.)  dat  in  de  lengte;  —  dat  is  to 
lank  üthald  (ausgeholt,  in  die  Länge  gezo- 
gen lt.  gedehnt  etc.);  —  se  hed  fan  nagt  'n  40 
kind    häld    (ei)i  Kind  geholt   od.  geboren); 

—  he  hed  'u  frö,  de  göd  is  to  kiuder  ha- 
len (zu  gebären,  bz.  zur  Welt  zu  brin- 
gen), man  anders  dögt  se  6k  nargonds  to. 
Sprichw. :  „hui  an  Jan!  't  is  'n  i)u!kalf",  45 
d.  h.  ziehe,  zerre,  reisse  tüchtig  an,  denn  es 
ist  ein  Stierlcdb,  bz.  ein  starkes  mächtiges 
Kalb.  Compos.:  aferhalen,  anhalen,  bihalen, 
fcrhalen,  henhalen,  herlialen,  inlialcn,  nalia- 
len,  ofhalen,  uphalen,  umhalen,  weghalen.  —  50 
ISid.,  mnd.,  nid.  haliMi ;  mnld.  hai;len  (ferre, 
adfcrre ,  accersire,  vocare) ;  afries.  (flet- 
tema,  v.  Richthof en)  hala,  halia;  satl. 
halia;  wfries.  halje  u.  (Japi.r)  helljon; 
nfries.  (O atzen)  helle  (rufen);  as.  lialön  55 
(herbeirufen,  bringen,  holen;  fortführen); 
ahd.  halün,  holön,  holen;  mhd.  holen,  holn 
(berufen,  herbeibringen  ;  holen,  ergreifen,  an 
sich  nehmen).  Davon  (Dicz,  I,  :j:j6)  :  sjxm. 
balar;  franz.  haier;  j^foo.  alar  (ziehen  etc.).  60 


Die  ursjir.  sinnl.  Bedtg.  der  y  germ.  hal, 
/(///.  kal  od.  kar  ist:  Ton  machen  od.  ir- 
gend ci)ten  Laut  von  sich  geben,  bz.  tönen, 
rnusclien,  liallen,  lauten,  schreien,  rufen, 
Hcdloh  od.  Lär)n  machen  etc.  u.  heisst  da- 
her halön  von  Hause  aus  soviel  als:  schreien, 
rufen,  einen  Schrei  ti.  Huf  ertönen  lassen 
od.  ein  Geschrei  erheben  u.  dadurch  Jeman- 
den herbeirufen  n.  holen  od.  an  sich  locken 
u.  ziehen ,  woraus  denn  später  die  jetzigen 
Bedtg n.  dieses  Vbms.  liervorgingen.  Vergl. 
Fiel,  I,  41,  y  2  kar  (rufen,  nennen),  bz. 
skr.  kar,  carkarti  (rühmen  ,  erwähnen  ,  ge- 
denken), käru  (Sänger,  Barde),  karkari  (hal- 
lendes Instrument),  krakara  (eine  Art  Beb- 
huhn) ;  griech.  kaleö  (rufen,  noinen,  anru- 
fen, anholen,  herbeirufen,  zusammenrufen, 
berufoi,  zum  Kriege  od.  zum  Gericht  rufen 
u.  laden,  vorladoi),  köruks  (Ausrufer,  He- 
rold), karkairö  (hcdlen,  dröhnen),  korkorüge 
(Kollern,  Kriegslärm)  etc.;  lat.  calare  (ru- 
fen etc.),  sowie  ahd.  hi'llan  (tönen  etc.,  cf. 
1  hälen  u.  hcl,  heller  etc.)  u.  dazu  die  von 
kar  (welche  als  Schallwurzel  eigentlich  nur 
irgend  einen  beliebige)!  Ton  od.  Schall  nach- 
aJoid  u.  eigentlich  nicht  mit  sonare,  sondern 
mit  sonus  übersetzt  werden  iniisste,  weil  sie 
erst  durch  die  wirkliche  Weiterbildung  zu, 
einem  Thätigkeitsu-ort  die  Bedtg.:  Schall 
[od.  kar,  kri,  kal ]  m a c h  e )i ,  bz.  selbst 
schallen  od.  den  u:irklich  geschehenden 
u.  zu  Gehör  kommenden  Schall  ausdrückt) 
toeitergebildete  ]/  kark,  krik,  krakati  (tönen, 
lachen,  krächzen),  bz.  skr.  kark,  karkati 
(lachen),  kraksh  (brausen,  tosen),  wovon 
auch  griech.  krekö  (klatschen ,  schlagen, 
klopifcti;  mit  den  Flügeln  klxäschen  u.  einen 
Ton  hervorbringen ;  ein  tönendes  Tnstru- 
me)d.  schlagen  u.  zum  Tönen  bringen,  spie- 
len etc.),  klagge  (Ton,  Klang,  Schall,  Schrei) 
u.  lat.  clangere,  clangor  etc.;  Iit.  krakiu, 
krakti  (brausen  von  der  See),  krankiu  (kräch- 
zen), ksluv.  krakati  (krähen)  etc.  stammen 
u.  tvobei  es  denn  fast  gar  nicht  von  der 
Hand  zu  u^eisen  ist,  dass  ausser  lachen 
fgoth.  hlahjan)  etc.  auch  die  germ.  Wörter: 
k  r  ((  chcn  ,  krähen,  kr  ächzen  n.  klak 
etc.  dieser  J/  angehöre)!.  Weiter  vergl.  (B  opp) 
y  kal  (sonare;  numerare),  bz.  (Ben feg) 
neben  k.il  (to  sonnd,  to  account)  auch  kal 
(to  impel,  durch  Buf  er))iuntern  u.  aMrei- 
ben;  to  provök,  hcransrufoi ,  hervo)-rufcn, 
herausfordern ;  to  uttcr,  sich  äussern,  aus- 
spreche)!;  to  rechon,  rechnen,  zählen,  auf- 
zählen etc.;  to  perceive,  verneh))ien  od.  hö- 
ren einen  Laut,  ioahr)iehmen  etc.)  u.  a)idere 
aus  sonare  hervorgegangene  Begriff'e  dieser 
y,  zu  welcher  (u.  -nicht  zu  1  kal,  tönen, 
rauschen,  rufen,  nennen,  zählen  etc.)  Ben- 
feg aber  auch  ahd.  halOn  stellt.     Vergleicht 


HAELEN  HELEN  13                               HALF 

man  mm  weiter  unter  galm  u.  galjj  die  aus:  nach  die  y  kar  (brennen)  sich  aus  kar  (so- 
schreicn,  rufen,  siiujen  etc.  hervorgehenden  uare,  cf.  2  u.  \  kar  Jiei  Fiele,  I,  41 — 45) 
Bedtgn.:  Zaubergesänge  singen  u.  dadiirch  eni wickelte ,  tvobei  noch  zu  erwähnen  ist, 
bezaubern  u.  bestricken  etc.  u.  bespräken  dasti  Fiele  auch  die  europ.  ]/  kal  (hüllen, 
(besprechen,  bezaubern,  behexen  etc.),  so  ist  5  hehlen)  mit  skr.  kalaiia  (Fleck),  kk\d.  (blau- 
es tvohl  zweifellos,  dass  an.  liul  (Rühmen,  schwarz),  kali  (schwarze  Farbe,  Schwärze, 
Prahlen  etc.),  hoela  (rühmen,  loben) ;  ags.  schwarz  aufziehende  Wolkenmas-^e)  etc.  zu 
hol  (loquela  inanis,  caluinnia) ;  goth.  hölön;  idg.  kara,  karana  (schwarz ,  dunkel)  ver- 
ahd.  huoljan  (trügen,  täuschen)  zu  halon,  gleicht,  jedoch  diese  Wörter,  trotzdem  er  sie 
huol  (■//  der  urspr.  Bedtg.:  schreien,  rufen  10  unter  4  kar  (brennen,  flammen)  aufführt, 
etc.  gehören  u.  demnach  auch  griech.  keleö  von  einer  ]/  skar  (bedecken)  ableitet,  die 
(bezaubern,  betrügen)  entweder  von  kaleö  meines  Wissens  jedoch  nirgends  in  dieser 
(rufen  etc.),  od.  doch  mit  diesem  von  der  y  Bedtg.  belegt  ist.  Vergl.  auch  noch  unter 
kal  abgeleitet  werden  muas.  gulf  am  Schlüsse. 

1.  hälen,  lielen.  Nur  in  ge\vd\ea  (zu stim-  15  häler,  Hehler;  war  gm  hälers  sunt,  dar 
men,  seine  Stimme  zu-  Etwas  geben  etc.).  sunt  ök  giii  stälers ;  —  'n  häler  is  sliranier 
Die  Grdbdtg.  ist  (cf.  gehälen  eLc.  =  ahd.  as  'ii  def;  —  häler  im  def  hören  mit  'uan- 
gihellan,  zusammenklingen,  übereinstimmen)  der  an  en  galg'.  —  Wang.  (Ehrentraut, 
auch:  tönen,  schall  en  etc.   u.  gehört  es  I,  371)  hiller. 

wie  halen  zur  y  kal.  20       lialf,   halb,  mitten,  in  der  3Iitte,  bis  zur 

2.  hälen  (häle,  halst,  häld  etc. ;  —  hälde  Mitte,  bis  zur  Mitte  hin  etc. ;  der  eine  Theil 
etc. ;  hed  häld) ,  hehlen,  bergen,  verbergen,  od.  die  eine  Seite  von  einem  in  zwei  gleiche 
verheimlichen  etc.;  —  ferhälen,  verhehlen,  Theile  zerlegten  od.  als  zerlegt  gedachten 
verbergen  etc.;  —  ferhaleii,  ferliolen  (vcr-  Etwas  =  ein  Zweitel  od.  die  Hälfte;  ge- 
hohlen, verborgen  etc.);  —  he  häld  (birgt,  25  theilt,  theil  weise  etc.,  als  Gcgotsatz  von  voll 
verheimlicht,  verhüllt  od.  verschweigt)  mi  dat.  od.  ganz  etc. ;   siii'  dat  brud^  (de  appel ,   dat 

—  Sprichw.:   de  häld  is  sliinmer  as  'n  def;  fles  etc.)    half  dör  im  gif  mi  de   ene  hälfte, 

—  hälen  is  slimmer  as  stälen.  —  Nd.  (Bäh-  den  kaust  du  de  andere  holden ;  —  dat  niest 
nert,  Br.  Wb.  etc.)  hälen,  helen;  mnd.,  sitt  d'r  erst  half  in;  —  wm  \idli  (Mitte)  sep- 
nld.,  mnld.  helen;  afries.  heia;  as.,  ags.  he-  30  tember;  —  dat  is  d'r  nog  raaa  half  dör;  — 
lan ;  ahd.  helan,  helen;  vdid.  helen,  heln.  häP  man  erst  'u  half  bröd;  —  twe  hälfe 
3Iit  (cf.  Fick,  I,  527)  griech.  kaliös,  kaliä  piinden  niaken  en  gans  pund;  —  de  hälfe 
etc.;  lat.  celare,  cella,  culo  (in  occulo)  etc.,  dag  is  hen ;  —  um  half-twalte  kam  ik  bi  di; 
sowie  weiter  mit  helle,  heim,  hille,  hülle  etc,  —  de  klokk  sleid  half;  —  wat  half  is,  is 
zu  einer  y  kal,  kar  (decken,  schützen,  be-  35  net  gans;  —  he  deid  sin  wark  man  half; 
decken,  verbergen,  verhüllen  etc.),  die  je-  —  he  hei  d'r  mau  sm  hälfe  flit  updän;  — 
doch  im  Skr.  in  dieser  Bedtg.  nicht  vor-  't  is  uig  half  uu  nig  gans;  —  d\  best  dar 
kommt,  ivährend  sie  nach  zend.  karana  ök  wer  mau  halfvrark  (Halbwerk,  halbes  od. 
(Schutzmittel  der  Beine,  Beinkleid)  zu  ur-  unvollkommenes  Werk  etc.)  mäkd ;  — ■  hälfe 
theilen  im  Zend.  vielleicht  vorhanden  war.  40  sün-  ua  firdagen  sunt  gen  regte  sön-  un  f ir- 
Möglicherweise  ist  es  jedoch  dieselbe  y  kar,  dagen ;  —  he  is  man  so  'n  halfen  (lialber, 
kal  wie  von  halen  u.  1  hälen,  die  sehr  leicht  nicht  voller  u.  ganzer  etc.)  kerid ;  —  ik  was 
aus  rauschen,  krachen,  prasseln,  knistern,  halfdöd  un  of;  —  dat  kind  is  half  min  lä- 
singen,  tönen  (cf.  galm  u.  gar  tvegen  der  y  feud  ;  —  he  is  half  düfel,  half  minsk ;  — 
ghar,  soivie  ccuch  ahd.  siugau,  singen,  tönen,  45  kalffles  is  man  half  fles  ;  dat  steid  net  bi  de 
klingen;  einen  singenden,  knisternden  Ton  ribben;  —  ik  was  half  un  half  siuns  um  mit 
hervorbringen    etc.,    loovon    sich    eben    das  to  gän  etc.;  cf.  tveiter  die  Compos. 

Vbm.  sengen  =  ahd.  sangjan  cds  Caus.  I)ass  das  Wort  half  (nd.,  mnd,  nid., 
von  singan  herschreibt)  etc.  die  Bedtg. :  hren-  mnld.,  as.,  schwed.  half;  afries.  half,  hal ; 
nen,  flammen  (auch  die  Flamme  singt  be-  50  tvfries.  heal,  hcale;  satl.  hale  ;  ags.  healf; 
kanntlich)  etc.  u.  hieraus  wieder  die  von:  an.  hälfr;  schwed.  half;  dän.  halv;  goth. 
rauchen,  qualmen,  dunsten,  durch  Hauch  halbs;  ahd.  halb,  halp ;  mhd.  halp)  im  Ge- 
verfinstern u.  verhüllen,  verdunkeln,  ver-  gensatz  zu  gans  steht  u.  es  ursjn:  die  Be- 
decken etc.  entwickeln  konnte,  wie  denn  un-  dtg. :  ge-  od.  zertheilt,  zerschnitten,  durch- 
ser  blak  (schioarze  Dinte  od.  Schwärze),  55  schnitten,  in  Zweien  zerlegt  etc.  hatte,  ist 
blaken  (rauchend  u.  qucdmend  brennen,  wohl  fast  cds  sicher  anzunehmen  ti.  dürfte 
Rauch  machen,  qucdmen)  mit  blank,  blinken  es  demnach  wohl  mit  Icd.  carpere  u.  harfst 
u.  blaker  (Leuchter)  zu  einer  y  bhragh  zu  einer  ]/  karp,  kalp  (spalten,  theilen, 
(glänzen,  brennen  etc.)  gehört,  die  wahr-  schneiden  etc.)  gehören,  die  vielleicht  aus 
scheinl.    auch   ]/  von  bräken    ist   u.  wo  so-  GO  einer    von    idg.    skar    (schneiden    etc.,    cf. 


HALF-AFENDS-GIFT  14                              HALM 

scharen)  erweiterten  y  skarp  (cf.  scharp  =  bangen,  de  ik  wol  fcrkopen  wil.  —  Scherzh. 

i>chneiden(J,   schtieidi;/ ,   scharf  etc.)    Iiereor-  von   ]\'ittivcii,  die  sich   uueder  verheirathcn; 

ging  u.  icorüber  loitcr  scharp  u.  hart'st  Wci-  he  hetl  'n  lial'släten  fro  nanien. 

teres   su    vergleichen    ist.       Vergleicht    nuni  lialf-silt'eii,  a)  hall)  Sieben ;  —   h)  hetrun- 

ührigens  das  lat.  semi  u.   skr.    sämi    (halb),  5  ken  etc.;  hö  is  halt'söt'eu.    —    Ob   es    in  der 

hz.  dass  dieses  Wort  wahrschei)d.  das  ::weite,  letzten    Bedtg.  aus  nd.  (Br.    Wb.)  halv  si'>o 

zu    einem  Ersten    passenden   ii.  stimmenden  wesen  (halb   gahr-  od.  halb  fertig  sein)  cnt- 

od.  gehörenden,  bedeutet,  so  würde  das  Thema  stand  ff 

lialba  formell    u.    bcgrifßich    auch    mit  skr.  half-siistei',  Halbschwester. 

kälpa    (siuiilis)    stimmen,    was    zur   }/  kalp  10       hiiUlo,    hillft,    Hälfte,    Thcil,    Seite  etc.; 

(recht    od.    gleich    u.    ähnlich    machen,    od.  wat  de  halft  scliüld,  scliilUl  ffil ;    —    de    enc 

ttrspr.  wohl:  beschneiden,   behauen,  glatt  u.  halfte  (Theil,  Seite)    is    groter    lui  dikkor  as 

eben  machen    [cf.    karp    od.    kalp,    spalten,  de  andere;    —    iip   sin    ene   hälfte    löpd    he 

hauen,  schneiden  etc.],    gleich    inachen,    in  kruni. 

gleiche  Thcile  zerlegen  etc.)  gehört.  15       hall'-ür,  haH'-ürtje.    halbe    Stunde,   halbes 

Iiall'-afViiils-^ift ,    die    DLittel-Abends-FiU-  Stündchen. 

tcru)ii/:  (jcwohnlich  um  7   Uhr  Abends.  hSili'-wiiss^n,  haU-wass&w,  halb  erwachsen  ; 

halt'-liakkcli,  halbgebacken,  halbgahr;  fig.  he  was  man  so  "n  halt'wiissen  fent,    do  drög 

halbfertig,  unfertig  etc.;  't  is  man  so 'n  half-  hc  de  koj)  al  so  hüg. 

l)akken  kerel.  20      hall'- weteud ,   halt -weten ,   halbwissend, 

liair-hröer,  Halbbruder.  halbverständig ,    hcdbklug ,    nicht    recht   ge- 

halfe,  Halbe,  od.  der  eine  Theil,   bz.  die  scheut,  närrisch,  kindisch  etc.;  du  must  wat 

eine  Seite  eines  Ganzen;  gif  mi  'n  hahe  od.  mit  huni  tosen,  du  wetst  wol,  he  is  man  so 

halfen;  —    de  ene  hälfe  is  groter  as  de  an-  wat  half  weteud.      Bcdcnsart:   he  is  so  kluk, 

dere.     cf.  hälfte  u.  weiter:  25  as  'n  halfweten  kalf. 

halfen,  halben,  von  seilen,  tvegen  etc.,  in  liallann,  i.  q.  allarm. 

allenthalfcn,    bchalfen,     mineuthalfen     etc.,  hallen,    hallen,   schallen,  tönen  etc.;    dat 

vergl.  unter  he-hilfen.  halld  dör  't  ganse  hiis.     cf.  1  hei  m.  haleu, 

halfer-haiuls,  zur  hcdbcn  Hand,  nicht  so  gehälen  etc. 

ganz  recht,  halb  u.  halb,  ungefähr  etc.;    ik  30       1.  halm ,  llcdm ,  Stengel  etc.   der    Gräser 

knn  d'r  man   haUVrhands    lii  kamen;    —    ik  od.  Grasarten;  de  rogge  up  de  halm  ferko- 

kan  dat  man  halfi-rhands  göd  heten;  —  dat  pen  laten;    —    de  halms  (die  Halme)  fan  't 

kan  so  haUVrhunds  gän.  körn  sunt  fan  't  jar  föl    lang  a*    as    anders; 

halfer-wägeus,  halfwitgs.  halbwcges,  halb  —  henthalin,  ströhalm,  grashalm  etc.  —  Nid., 

u.  halb  etc.  35  mnld.  halm,  Flur,  halmen ;  nd.,  ntnd.  halm, 

halfe-swinskoppen,  halbe  Schweinsköpfe;  Blur.  halmen    u.   helmer    (calanuis);    nfries. 

scherzh.  u.  fig. :  die  beiden  Frackschösse  od.  halm  (Langstroh,   Dachstroh ,   od.    wie    wir 

Frackßügcl.  ««//cu  „dak");  «c/rt'.  healni ;  e«;;/.  halin,  haulm  ; 

half'-laken-linnen,    auch  noplinnen   ge-  an.  hälmr   (Stroh,    Streu);   norw.    halm    u. 

nannt;     Leinen     welches    halb    aus    guteni  '^(i  provinziell  \vAA\m,\v<vAu\:i  .^chwed.,  dän.  \iA\m; 

Flachsgarn  u.  halb  aus  Noppgarn  (knoleri-  ahd.,  mltd.  halm  (Halm;  Sclireibrolir).    Mit 

gern,    aus    Heede   gesponnenem    Garn)   ge-  griech.     kalame     (Hahn);    kälamos    (Bohr, 

webt  ist.  Schilf);  lat.  calamus  u.  culmus;  kslav.  slama 

lialf-linneil,  Halb-I^einen,   Ijeimvand,   bei  (Halm);    lett.  salms    (dasselbe)    u.   vielleicht 

welcher   die  Kette   aus   Kattungarn   u.    der  45  auch  skr.  (Benfeg)  kalama   (eine  Beisart) 

Einscldag  aus  Leinengarn  besieht.  od.   (Both    u.   Böhtling)   kalamas    (das- 

lialf-ran,  lialfröe,  Halb-Trauer.  selbe   ii.    auch    „Schreibrohr'') ,    sowie   ved. 

lialf-raus-kled.  Halbtrancrkleid.  (Grass mann)  gara  (Bohr)   entweder  von 

half  -  sched ,     Halbscheid,     abgeschiedene  y  kar,    kal    (rauschen   etc.,   cf.   halen)    od. 

Hälfte,  halber  Theil.  50  kar,    kal    (bewegen,    hin    u.    her    bewegen, 

half-sihbe,  s.  unter  sibbe.  schwingen,  schwanken,  zittern,  vibriren  etc., 

hall-slat'htig,  halbschlächtig,  zwitterartig,  bz.  bewegen,  treiben   etc.,    bewegen   vor   od. 

zwischen  zwei  Geschlechtern  od.  Arten  mit-  heraus,  treiben  aus,  wachsen,  spriessen  etc., 

ten  inne  stehend.  cf.   y  1  kal  bei  Bopp  in  der  Bedtg.  sonare 

half-slag,  Zwitter,  Zwitterding ,  Unvoll-  55  etc.  u.  2  kal  in  der  von:  agiture,  concutere, 
kommenes,  Etwas  was  nicht  für  voll  jxissi-  vibrarc  etc.),  wenn  es  nicht  etwa  mit  2  hä- 
ren kann  etc.;  't  is  man  'u  halfslag  kind  len,  helle,  heim  etc.  u.  lat.  celare,  clam  u. 
od.  perd.  calim  etc.   zu    der  für  diese    Wörter   anzu- 

lialf-sliiten,    halb  verschlis.-<en ,  halb  <tbge-  setzenden    y    kar,    kal    (decken,    bedecken, 

nutzt;   ik    heiV    nog   so    'n    halfsläten   büks  GO  schirmen,   schützen    etc.)   gehört.     Für  die 


HALM  15                             HALM 

Ableitung   von   der  ]/  kal    (sonare)    seheint  Knochen  bedeckt   u.    eine  Hülle  u.   Schutz 

der  Umstand   zu  sprechen,  dass   das   goth.  der  Knochen  ist. 

raus  (Bohr,  Schilf,  Bteth  od.  kälamos)  mit  2.  halm,  das  „schott"  od.  die  hölzerne 
nhd.  Bausch  u.  rauschen  u.  unser m  Wand,  tvekhes  die  Vieh-  u.  Pferdeställe 
rüsen  m.  rüsig  (geräuschig.,  läriuend ,  laut,  5  seitwärts  einfasst,  bz.  die  einzelnen  Ställe 
unruhig  etc.)  auf  ein  Vbm.  riusan  (so-  von  einander  scheidet.  Compos.:  kö-halm, 
nare)  zurückzugehen  u.  demnach  raus,  die  Kuhstallwand;  —  pörde-halm,  Pf  er- 
Thema Täuea.,  ein  im  Winde  rauschen-  destallwand,  od.  wörtl.  entweder:  Kuh-, 
des  Etwas  zu  bedeuten  scheint,  eine  Bedtg.,  Pferd- Scheide,  bz.  Kuh-,  Pferd-Scheidung 
welche  auch  dem  Worte:  ahd.  hriot  etc.,  10  etc.  —  od.  Kuh-,  Pferd-Wand,  bz.  Kuh-, 
ags.  hreäd  (Bieth,  Schilfrohr  etc.,  cf.  reit  Pferd-Einfassung,  da  hiilm  sowohl  ein  seh  ei- 
od.  reith)  möglicherweise  zu  Grunde  liegt,  den  des,  th  eilen  des  u.  tr  ennendes, 
da  es  sehr  leicht  mit  ahd.  hrom,  hruom  etc.;  als  auch  ein  einfassendes,  umfassen- 
ags.  hreäm  (clamor,  Geschrei,  Lob,  Buh m)  des,  ein  s  chl i essendes  u.  s chützen- 
zu  einer  u.  derselben  y  gehören  kann,  die  15  des  (cf.  schott  etc.)  Etwas  ist.  Vergleicht 
auch  zirspr.  die  Bedtg.  sonare  hatte  u.  auch  man,  dass  wir  statt  sülf,  sülfst,  sülfeu  (selb, 
das  mnld.  (KU.)  heim  (echo,  sonus  resul-  selbst,  selber)  in  der  Begel  bülm  (ik  kam 
tans)  u.  helmeu  (resouare  etc  )  wrt  w/jf/. /t « J-  sülm  bi  di;  —  dat  fersleid  sük  fau  sühn) 
len  zu  der  y  kal  (sonare)  gehört.  Für  die  sagen  u.  dass  das  mnd.  heim;  nhd.  (Grimm, 
Ableitung  von  der  }/  kal  (bewegen,  vibriren  20  Wb.)  vdul.  halm,  heim  (manubrium,  capu- 
etc.  od.  bewegen,  treibeii  etc.)  u.  einen  Zu-  lum) ;  halm,  halmo,  helrao  etc.  in  ahd.  joh- 
sammenhang  mit  skr.  calati  (er  bewegt  sich)  halm,  johhalmo,  johhelrao  etc. ;  mhd.  giech- 
kalayati  (treibt),  g riech,  kellein  (bewegen,  helme  (lorura,  Jochriemen  etc.,  Biemen  od. 
treiben),  bz.  mit  lat.  celsus,  excello,  culmeu  Seil  am  Joch  zur  Lenkung  u.  Steurung  der 
(da  die  Grdbdtg.  bewegen  etc.,  wie  bei  y  25  Binder)  wahrscheinl.  mit  nhd.  (Grimm, 
ar,  gleich  in  die  von  sich  erheben  etc.  Wb.)  helb,  helf;  ahd.  halp,  halap;  mhd. 
übergeht  cf.  risen,  reisen  etc.)  etc.  u.  dem  halp;  bagr.  halb,  helb;  mnd.  (Seh.  u.  Ij.) 
as.  holm  (Berg,  Hügel);  ags.  hyll,  hill  (Hü-  helve,  helf,  helft;  mnld.  (KU.)  helve  (ma- 
gel,  cf.  3  hei)  etc.  spricht  aber  der  Umstand,  nubrium.  Stiel,  Griff,  Handhabe),  soivie  half 
dass  man  halm  auch  als  das  vom  Winde  30  in  Halfter  (capistrum,  camus)  aus  einer  u. 
bewegte,  wogende,  schioankende ,  derselben  Grdform  hervorging,  in  dem  das 
vib  rirende  etc.  od.  auch  als  das  trei-  „m"  in  halm  (manubrium,  cf.  halter,  hälter) 
b  ende,  sprossende,  sp  riessende,  der  Ableitung  zufällt  u.  das  auslautende  „p" 
sich  aus  dem  Boden  erhebende  Etwas  der  dafür  anzusetzenden  ^en».  y  halp,  half, 
deuten  kann  (cf.  Fick,  III,  70),  während  35  halb  in  halm  od.  halma  vielleicht  ausfiel, 
für  den  Zusammenhang  mit  der  für  hälen,  sowie  ferner,  dass  auch  an.  helmingr  für 
helle,  heim  etc.  u.  lat.  celare  etc.  anzu-  helfningr  (Hälfte)  vorkommt  u.  darnach 
setzenden  y  kar,  kal  (decken,  bedecken  etc.)  halm  od.  balma  (manubrium  etc.)  vielleicht 
das  zu  sprechen  scheint,  dass  Stroh  u.  Bohr,  aus  einer  urspr.  vollen  Form  halpna,  halfna 
hz.  Schilf  auch  bei  uns  mit  dak  (Dach,  Be-  40  od.  halpni  etc.  entstand,  so  wäre  denkbar, 
deckung.  Deckendes)  bezeichnet  wird  tc.  dass  dass  dieses  halm  (als  Scheidewand,  od.  Et- 
auch  stro  (Stroh)  =  an.  strä  (Stroh,  Stroh-  loas  toas  einen  gegebenen  Baum  in  zwei 
halm)  etc.  mit  nhd.  str euen  u.  St r eu  etc.  od.  mehrere  gleich  grosse  Theile  zerlegt) 
in  der  Weise  zusammenhängt,  weil  streuen  sich  von  halfen  =  ahd.  (halbjan),  «jÄ(Z.  hal- 
die  Bedtg.:  iverfen  über  Etwas  hin  45  ben  (dimidiare)  ableitete,  od.  dass  es  mit 
hat  u.  demnach  stro  aus  der  urspr.  Bedtg. :  halm  u.  halp,  Handgriff^  Stiel  etc.  (mit  dem 
Ueb  er  Wurf,  od.  das  über  Etwas  hin-  es  meiner  Ansicht  nach  direct  nichts  ge- 
geworfene die  Bedtg.:  Deckendes,  mein  hat)  von  einer  u.  derselben  y  stammt. 
Decke,  Dach,  Schutz  etc.  entwickelte.  nämlich  von  derselben  y  kalp  wie  helpen 
Dass  demnach  halm  mit  heim  u.  hälen  (heh-  50  (helfen),  welche  imter  andern  ausser:  rich- 
ten) etc.  connex  sein  kann ,  ist  klar  u.  ist  ten,  einrichten,  ordnen  etc.,  auch  die  Bedtg. : 
dieserhalb  auch  die  von  y  pa  (greifen,  fas-  eintheilen,  vertheilen  etc.  hat  u.  wovon  dann 
sen,  halten,  retten,  schützen,  decken  etc.)  er-  halm  als  das  Eintheilende  sich  auch  ab- 
weiterte  y  pal,  pal  (servare,  tueri)  zu  ver-  leiten  Hesse.  Vergleicht  man  übrigens  das 
gleichen,  wovon  palä  (a.  caro,  od.  das  die  55  ahd.  halmo  in  joh-halmo,  so  scheint  es 
Knochen  Bedeckende,  Einhüllende,  Um-  meiner  Ansicht  nach  doch  sehr  bedenk- 
schliessende  etc. ;  —  b.  stramen ,  als  Be-  lieh ,  um  bei  diesem  Worte  eine  durch 
deckendes.  Dach)  stammt,  tvie  desgl.  auch  Nichts  erwiesene  Ableitung  von  einer 
lat.  palea,  franz.  paille  u.  möglich  auch  germ.  y  halp,  bz.  eine  directe  Verwandt- 
wohl unser  fies,  flesk,  als  dasjenige,  ivas  die  60  schaß  mit  ahd.  halp    (manubrium  etc.)  vor- 


HALMER 


16 


HALS 


auszusetzen ,  zumal  da  dieses  Wort  in  der 
Bedtg.  Lenk  seil  od.  das  Etwas,  womit 
man  das  Gesjtann  (Joch)  lenkt  u.  steuert 
doch  fast  zweifellos  mit  an.  lijälm,  engl.  u. 
vind.  heim  (Steucry  Buder;  engl,  auch  Steu- 
ermann, Lenker,  cf.  3  heim)  identisch  u. 
dann  mit  halp  (manubrium)  d<ich  schwerlich 
iierwandt  ist.  Erwägt  man  aber  die  vielen 
Bedtgn.  der  y  kar,  kal  u.  namentlich  die 
aucJi  unter  1  halm  erwähnte  Bedtg.:  trei- 
ben (wonach  1  halm  «»c/i  urspr.:  Spross, 
Trieb,  Gesprossenes  etc.  sein  kann,  ebenso 
wie  1  hehn  =  arundo  ?<.  ved.  (jaro  =  sa- 
charum  sara)  u.  dass  icir  drii'en  geradezu 
in  der  Bedtg.:  die  Pferde,  bz.  den  Wa- 
gen lenken  etc.  gebrauche)!,  so  ist  e.'^  klar, 
dass  ahd.  halmo  (Lenkseil)  7i.  an.  hjalm, 
engl.  hi^Im  etc.  (Steuer,  Steurer  etc.)  sicJi 
auch  ebensogut  wie  1  halm  von  der  ]/  kar,  bz. 
skr.  kal,  halayati  (treiben,  antreiben,  treiben 
wohin,  Ttichtang  geben  tcohin  etc.)  ableiten 
lassen  n.  dass  es  dann  durchaus  nicht  nö- 
thig  ist,  um  mit  M.  llegne  (cf.  Grimm, 
Wb.  IV,  240)  das  ahd.  halmo  in  johhalrao 
mit  halp  (manubrium)  u.  half  in  Halft  er 
SU  identificiren,  bz.  halmo  auch  mit  diesen 
Wörtern  von  der  für  Letztere  anzusetzenden 
y  halp,  bz.  kalp  abzuleiten,  welche  in  der 
Grdbdtg.:  binden  (schliessen,  fügen,  Jans- 
sen, j)«s.<t?tc/i,  geschickt  u.  dienlich  sein, 
wozu  dienen,  helfen)  od.  greifen,  fassen 
(hcdten,  retten,  tragen  etc.)  sowohl  die  y 
von  halfter  u.  helpen,  als  auch  von  halp 
(manubrium)  ist,  ivie  Ja  aus  fassen  ausser 
halten  etc.  auch  die  Bedtg.:  fesseln,  bin- 
den, bz.  umfas.'^cn,  umschliessen,  zusammen- 
fassen, vereinigen,  verbinden,  schliessen  etc. 
Von  selbst  hervorgehen.  Unser  2  halm  nun 
aber  betr.,  Hesse  sich  dies  auch  leicht  mit 
2  heim  von  helan  (bergen,  sichern,  schützen 
etc.)  ableiten,  weil  es  als  Wand  (cf.  scliott 
ii.  Schutt)  auch  ein  Schutzding  ist  u.  eine 
Wand  ein  Etwas  schützend  umgiebt  «.  es 
auch  verdeckt. 

halmer  od.  halinpi'-pal,  der  Pfuhl  woran 
die  Zwischenwand  der  Ställe  od.  die  Stall- 
wand  (2  halm)  vorn  u.  hinten  befestigt  ist. 
An  denjenigeii  halmer,  der  an  der  Mauer 
steht,  wird  zugleich  auch  der  hölzerne  An- 
ker befestigt,  der  das  Ausweichen  der  Mauer 
verhindert. 

haliii-spliott,  halnier-schott ;  i.  q.  2  halm 
II.  eigentlich  ein  l'lconnsmns,  da  halm  selbst 
schon  die  Bedtg.  ,,Wand''  od.  „Zwischen- 
wand" hat. 

häl-rek.  häl-stok,  Stock  od.  Stange  mit 
einem  Haken  (s.  2  hal)  zum  Heranziehen 
u.  Eesthidten. 

Iials  (Plur.  halsen),  Hals:  a)  das  kürzere 
od.  längere,  schlanke  u.  biegsame  Glied  zici- 


schen  Kopf  u.  Bumpf  lebender  Geschöpfe, 
od.  auch:  Genick,  Kehle  etc.;  he  hed  'n 
körten  (od.  langen,  dikken,  dünnen  etc.)  hals ; 

—  hü  fätd  hör  um  de  hals ;  —  he  hed  hör 
5  an  de  hals  (kann  sie  nicht  wieder  los  wer- 
den); —  de  hed  sük  dar  ök  wat  up  de  hals 
häld ;  —  he  gel"  hum  'n  drei'  (od.  slag)  an 
de  hals;  —  he  mök  (machte)  so  'n  langen 
hals  (streckte    den  Hals    aus    ti.    damit  den 

10  Kopf  vor,  um  besser  sehen  zu  können,  bz. 
aus  Neugierde) ;  —  he  läd't  sük  föls  to  fOl 
up  de  hals  (Nacken);  —  wat  brukst  du  dt 
(lut  up  de  hals  halen  ?  —  't  giid  hum  an  de 
hals  (Leben);  —  he  hed  sük  de  hals  (Hals  od. 

15  Kehle)  ütsnäden;  — he  smörd  hum  de  hals 
to  od.  of;  —  ik  drei'  di  düfel  de  hals  um, 
wen  du  mi  wer  kumst;  —  he  hed  siik  de 
hals  (Hcds  od.  Genick)  braken ;  —  he  br  'kd 
nog  insen  hals  un  ben ;  —    dat  kan  de  hals 

20  net  kosten ;  —  he  störtede  (od.  tlug)  hals 
at'er  kop  in  't  water;  —  dat  geid  bi  huni 
altid  hals  afer  kop  (mit  Ueberstürzung  u. 
jäher  Hast  etc.);  —  he  mök  hals  afer  koj), 
dat  he  fürt  kwam;  —  dat  mut  bi  hum  altid 

25  all'  dör  de  hals  (Kehle,  Gurgel  etc.);  —  de 
hals  (Kehle,  Gurgel,  Schlund,  Speiseröhre, 
Luftröhre  etc.)  sit  nii  hast  digt  od.  is  mi 
auswullen;  —  ik  heb'  'n  bunke  (Knochen) 
in  d'  hals  fastsitten;  —  d'r  is  mi  wat  in  de 

30  feikerde  hals  (Luftröhre)  kamen;  —  b)  bei 
leblosen  Dingen  das  dünne,  lange,  gerade 
od.  gebogene  Zwischen-Ende  zwischen  Kopf 
u.  liumpf;  das  dünne,  gerade  od.  gebogene, 
vorgestreckte  Ende  von  Etwas;  eine  runde, 

35  röhrenartige  od.  trichterförmige  Erweite- 
rung; in  der  Nautik  auch  ein  Tan  an  den 
untern  Ecken  der  Segel,  um  diese  anzuho- 
len  u.  zu  befestigen ;  hals  fan  de  flesse ;  — 
hals  fan  de  anker;  —  hals  fan  'n  haken;  — 

40  hals  fan  'n  kue  od.  knestük  (die  Krüm- 
mung od.  gebogene  Stelle  zwischen  den  En- 
den eines  Knies);  —  de  hals  fan  de  keller; 

—  hals  fan  'n  kette  od.  tau  (die  runde  End- 
öffnung od.  der  breite  Bing  vorne  an   der 

45  Kette  etc ,  um  ein  Anderes  darin  zu  haken 
u.  zu  befestigen);  —  de  halsen  fan  de  seils 
(Segel,  cf.  Bobrik,  naut.   Wb.). 

In  Compos.    auch  =   Person ,    wie   z.  B. 
in:    gitshals,    slükhals,  rarhals  etc.  —   Nd., 

50  mnd.,  nid.,  mnld.  hals;  afries.,  satl.,  zvfries. 
hals;  as.  hals;  engl,  (selten  [cf.  Lucas],  ge- 
wöhnlich  neck)  halse  u.  (in  healsfang,  Hals- 
eisen) heals;  ags.  hals,  heals  (collum,  prora 
navis) ;    an.  hals    (coUimi,  mouticulus  o!)lon- 

55  gus,  prora  navis,  pes  veli  anterior) :  schwed., 
dä)i.  hals;  goth.,  ahd.,  mhd.  hals  (Hals; 
schmal  fortlaufende,  an  einen  Berg  sich  an- 
schliessende Anhöhe;  Landzunge).  Das 
Thema   halsa    (Grdform    kalsa    od.    karsa) 

60  bietet   in  den  sonstigen   idg.  Sprachen  kein 


HALS-ADER 


17 


HALS-GAT 


Wort  in  gleicher  od.  ähnlicher  Weise  zur 
Vergleichung  dar,  es  sei  denn,  das«  hd.  Col- 
lum aus  colsum  entstand,  was  indessen  nicht 
nachzmveisen  ist.  Dass  es  zu  einer  ]/  kar, 
kal  gehört,  ist  wohl  zweifellos.  Unsicher 
jedoch  ist  es  jedenfalls,  welchen  Begriff  die 
alten  einfachen  Sprachhildner  mit  dein 
Worte  hals  od.  halsa,  kalsa'  verbanden,  wie 
dies  schon  daraus  hervorgeht,  dass  M. 
Heyne  (cf.  hals  im  Grimmischen  Wb.) 
an  die  Bedtg. :  ragoi,  vorragen,  sich  erhe- 
ben, hoch  stehen  etc.,  bz.  an  eine  Verwandt- 
schaft mit  lat.  celsus  etc.  denJct ,  ivährend 
Fick  (II,  58)  es  von  kal  (recellere)  ab- 
leitet u.  es  doch  klar  ist,  dass  man  bei  hals 
aucli  ebensogut  an  die  Grdbdtg.:  ,.biegen" 
denken  kann ,  weil  dieses  „hals"  genannte 
Gelenk  doch  auch  seJir  biegsam  u.  be- 
70 e glich  od.  schlank  etc.  ist.  Dass  die- 
semnach  man  sowohl  (d.  h.  ivenn  man  an- 
nehmen will,  dass  hals  das  Vorragende,  od. 
sich  über  ein  anderes  Eticas  Erhebende  be- 
deutet) an  eine  Verwandtschaft  mit  griech. 
kära  etc.  u.  skr.  gira,  giras  (Haupt,  Kopf) 
denken  kann,  wozu  Fick  (II,  63)  auch 
lat.  cervix  u.  (I,  434)  an.  hjarsi  (Kopf) 
stellt,  od.  dass  man  hals  auch  mit  1  lialm 
u.  lat.  culmus,  culmen,  celsus  etc.  (Fick, 
III,  70)  von  der  ]/  kar,  kal  (treiben,  spros- 
sen, ivachsen,  sich  erheben  etc.)  ableiten 
kann,  ist  klar,  während  andererseits  hals 
als  bewegliches,  biegsames,  schlankes  Etivas 
auch  zu  einer  ]/  kar  (bewegen,  hin  u.  her 
bewegen,  schioanken,  biegen,  krümmen  etc.) 
gelegt  werden  könnte,  die  auch  möglicher- 
weise für  1  halm  zu  Grunde  zu  legen  ist. 
Meines  Erachtens  würde  indessen  für  hals 
am  besten  die  Grdbdtg.:  ziehen,  dehnen, 
strecken  etc.  passen,  in  welcher  Bedtg.  je- 
doch meines  Wissens  keine  y  belegt  ist. 
Oder  ist  tvie  bei  skr.  krka  (Kehlkopf) ; 
kslav.  krüku  (Hals)  von  der  bereits  unter 
halcn  erwähnten  y  kark,  krak  (Fick,  I, 
42)  auch  bei  hals  an  eine  Ableitung  von 
der  y  kar,  kal,  germ.  hal  (cf.  halen)  zu 
denken  ? 

lials-ader,  Halsader. 

lials-afer,    halsüber,    rückivärts    etc. ;    he 
ful  halsafer  in  't  dep. 

lials-band,    Halsband  (in  allen  Bedtgn.). 

lials-ben,    halsbanke,     Halsbein,    Hals- 
knochen. 

hals  -  bräkend ,    halsbrechend,    sehr    be- 
I  schiverlich  etc.;  halsbräkende  arbeid. 
i       hals-bunke,  s.  halsben. 

hals-dük,  Halstuch. 

halsen,  halsen;  in  verschiedenen  Bedtgn. 
'  als:  he  kun  d'r  nich  tagen  halsen  (schlin- 
.  gen,  schlucken,  würgen  etc.),  dat  he  't  äten 
'  herunder  kreg;    —   he  halsd    (iiuält,  plagt, 

Boorukaat  Koolman.    "Wörterbuch.    IX. 


müht,  arbeitet,  reisst  etc.)  sük  of,  dat  he  klär 
würd ;  —  se  halsen  (bürden  etc.)  luim  fols 
to  fol  up;  —  se  kamen  en  mit  't  hei  so  fei 
up  de  hals,  dat  d'r  hei  gen  halsen  tagen  is, 

5  um  't  weg  to  bargen;  —  se  halsden  (halsten, 
umhalsten,  umschlangen,  wnfassten,  balgten 
etc.)  sük;  —  wi  willen  't  schip  halsen  (vor 
dem  Winde  wenden,  cf.  Bobrik,  naut. 
Wb.)  laten;   't    weid  to  hart,   as   dat   wi   't 

10  dör  de  wind  krigen.  Compos. :  kathalseu, 
umhalsen.  —  Nid.  halzen  (vor  dem  Wiiide 
wenden ;  fig.  sich  abmühen  etc.) ;  mnld.  hal- 
sen (vorare ,  devorare ,  glutire  etc.) ,  halsen, 
lielsen  (amplecti  etc.),    halsen    (magno  cona- 

15  mine  niii) ;  nd.  (Dähnert)  halsen,  halsen 
(umfassen,  umarmen  etc.),  (Br.  Wb., 
Schütze)  halsselen  (mit  Jemandem  [sich] 
herumzerren,  Lust  u.  Mühe  haben  mit,  sich 
quälen  etc.) ;  mnd.  (Seh.  u.  L.)  halsen  (um 

20  den  Hals  od.  das  Leben  bringen) ;  ahd.  hal- 
san,  helsen,  halsen,  halsön;  mhd.  halsen,  hel- 
sen ;  as.  helsjan  (amplecti) ;  ags.  healsjan, 
halsjan  (amplecti,  obsecrare) ;  engl,  halse  (um- 
armen);  isl.  hälsa  (corripore  vela;   serrando 

25  vacillare  alinea;  amplecti);  norw.  halsa  (cor- 
ripere  vela,  d.  h.  die  Segel  mit  dem  hals 
[s.  unter  hals]  genannten  dünnen  Tauen  zu- 
sammenschnüren etc.);  dän.  halse  (dasselbe); 
schwed.    halsa    (umhalsen,  umarmen).      Be- 

30  züglich  des  engl,  halse  ßegrüssen,  beschwö- 
ren) sei  übrigens  noch  bemerkt,  dass  dies 
mit  halse  (umarmen)  durchaus  unverwandt 
ist,  sondern  aus  ags.  hälsjan,  haelsjanf'For- 
bedeutung   nehmen  od.  suchen,    beschwören, 

35  obsecrare)  =  ahd.  heilisön ,  heileson,  heil- 
sun,  helison;  mhd.  heilsen  (augurare,  ex- 
piare)  hervorging  u.  demnach  mit  an.  heilsa 
(grüssen,  begrüssen);  schwed.,  norw.  heisa; 
dän.  hilse  (grüssen)  identisch  ist  u.  icie  an. 

40  heilsa  (Glück,  Wohlergehen),  heilsu  in  heilsu- 
gjüf  (Heilsgabe)  u.  ags.  hälsung  (Beschwö- 
rung,  Gebet),  häletan  (grüssen)  u.  hael 
(Gruss,  Vorbedeutung) ,  hüls ,  heäls  (Heil, 
Glück  etc.)  etc.  zu  hael,    häl    (heil,    cf.  hei) 

45  gehört,  wobei  denn  wohl  anzunehmen  ist,  dass 
ags.  hälsjan  od.  hälsian  urspr.  die  Bedtg.: 
a)  Heil  u.  Glück  suchen,  um  Heil  u.  Glück 
u.  Segen  anhalten  u.  fragen,  Gott  um  Glück 
etc.  angehen  ii.  beschwören  etc.   u.  b)    auch 

50  die  von:  Glück  u.  Heil  wünschen,  bz.  ein 
Heil  (Dir)  sagen,  od.  Heil  u.  Segen  spre- 
chen etc.  hatte,  loie  denn  hael  (Gruss  od. 
Glückivunsch)  ivohl  urspr.  nichts  anders  als 
das  Substantiv.  Adv.  lieil  ist,  od.  aus  dem 

55  Subst.  haele  (Heil,  Glück,  Segen  etc.)  her- 
vorging, worüber  unter  heil  das  Weitere  zu 
vergleichen  ist. 

hals-gat  (Halsloch),  a)  Kehle,  Gurgel  etc. ; 
he  jagd  't  all'  dör    't    halsgat   (er   verzehrt 

60  od.    versäuft   Alles,    ist    ein    unersättlicher 


HALS-KRAGE 


18 


HALTER  IIELTER 


Verschwender  etc.) :  —  't  halsgat  (Kehle) 
Sit  im  dijit ;  —  b)  (Xatttil) ,  Flur,  halsga- 
ten,  die  Löcher  vorne  an  den  Seiten  des 
Schiß's  dicht  aber  dem  Schcindeckel ,  wo- 
durch die  starken  lialseu  (od.  Taue  an  den 
■untern  Ecken  der  Segel,  cf.  unter  hals)  (/e- 
zogen  u.  befestigt  xcerden.  —  Nid.  lialsgat 
od.  lialsklamp,  vergl.  daridter  Bobrik, 
naut.   Wb.,  :i:J7  etc. 

hals-krage,  Halskragen ;  a)  Kragen  od. 
Krause  etc.  den  od.  die  man  zur  Zierde 
■um  den  Hals  trägt;  du  must  'n  halskrage 
uuiJöu,  dat  sügt  bäter  üt;  —  b)  der  höl- 
zerne Kragen ,  der  früher  den  zur  Schau 
ausgestellten  Verbrecliern  um  den  Hals  ge- 
legt wurde;  he  hed  fröger  ök  al  mal  mit  de 
halskrage  stän ;  —  c.  (tautologische  Com- 
pos.)  Hals,  Nacken;  he  grep  hum  iu  de 
halskraiije ;  —  de  halskrage  deid  im  ser.  — 
]\[nd.  lialskrage  (dasselbe). 

hals-pipe,  Halsröhre,  Luftröhre. 

hals-starrig,  halsstarrig,  unbeugsam,  un- 
lenksam, hartnäckig  etc.;  du  must  net  so 
lialsstarrig  wäsen ;  —  't  is  so  'n  halsstarri- 
gen döimer,  as  't  man  en  gift. 

halsten,  grobes,  ungesäuertes  Brod,  wel- 
ches (bx.  ein  Brodkuchen,  tvelcher)  in  hcis- 
ser  Asclie  od.  auf  dem  Hoste  hart  gebacken, 
bz.  geröstet  ivird.  Diese  bald  zu  fertigen- 
den „halsters"  werden  nur  dann  bereitet, 
wenn  das  gewöhnliche  gesäuerte  Grob- 
brod  unvermuthet  ausgegangen  u.  nicht  zu 
haben  ist,  um  dem  augenblicklichen  Brod- 
mangel rasch  abzuhelfen.  Es  ist  loahr- 
scheinl.  als  g  er  östetes  od.  als  dürres, 
trocknes  u.  hartes  Brod  (cf.  auch  bünje) 
mit  dem  nd.  (Danneil)  hall'n  (dörren, 
trocknen  etc. ;  de  wind  hallt  dat  land  üt), 
hall,  ballig  (dürr,  trocken),  ballig  (durstig, 
schmachtend,  verlangend  etc.);  hcss.  (Vil- 
m  a  r)  bäl  hal  od.  auch  hael,  hei,  hei  (tro- 
cken, dürr,  mager;  ausdörrend,  austrock- 
nend, auszehrend  etc.);  ninld.  (KU)  hael, 
hei  (exsiiccus,  in  quo  nihil  est  succi  aut 
piuguediuis;  siccus,  aridus;  subtilis,  tenuis, 
acutus,  acris)  connex,  was  nach  dem  mnld. 
(KU.)  hael  in  haelgans  =  nhd.  (Grimm, 
Wb.  IV,  159)  bablgans  (Hagelgans,  Fulica) 
wahrsrheinl.  ein  Contract.  von  dem  unter 
hager  (mager,  dürr  etc.)  aufgeführten  gleich- 
bedeutenden bagel,  hiigel  ist.  Wäre  es  je- 
doch richtig,  da.ss  das  Wort  bäl,  hael  (tro- 
cken, dürr)  historisch  richtig  (cf.  Wei- 
gand  unter  ha  hl)  hal  lautete,  .so  wäre 
dazu  afries.  (Wiarda,  afries.  Wb.,x>ag. 
179)  hei  (Jtoch,  trocken,  cf.  unter  3  bei, 
helle)  zu  vergleichen ,  wobei  man  dann  we- 
gen dieses  Wortes,  sofern  trocken,  dürr 
etc.  die  Grdbdtg.  wäre,  an  die  ]/  kal,  kar 
(brennen,    dörren  etc.,    cf.   lat.   caleo,  calor 


etc.  n.  Fick,  I,  44),  od.  tvenn  bei  ursjyr. 
die  Bedtg.:  hoch,  erhaben  etc.  gehabt 
hätte,  an  die  y  kar,  kal  (treiben  etc  ;  he- 
ben etc ,  cf.  Fick,  I,  45  u.  unter  1  halm) 
5  denken  müsste,  ioie  es  ja  vielleicht  auch  mög- 
lich ist,  dass  die  verschiedenen  Bedtgn.  der 
Wörter  hei,  hellen  etc.  (cf.  hei  etc.)  sich 
aus  den  verschiedenen  Bedtgn.  der  y  kar, 
kal  herschreiben. 

10  hals-tobi'äken,  Halszerbrechen.  Sjyrichw.: 
ferspräken  (das  sich  versprechen)  is  gin  bals- 
tobräken. 

hals-wark  od.  lialses-wark,  lials's-wark, 
Halscswerk,  Lebenswerk,    Werk  od.  Arbeit, 

15  die  die  volle  Kraft,  bz.  das  volle  Leben 
eines  Menschen  erfordert,  od.  Einen  den 
Hals,  bz.  das  Leben  (cf.  hals  in  der  Bedtg.  : 
Leben)  kostet  od.  kosten  kann;  dar  hed  he 
balswark  mit  to  dön,   dat  he  dat  klär    (fer- 

20  tig,  vollendet  etc.)  krigd ;  —  mit  dat  wark, 
wat  he  upstünds  (zur  Zeit,  zu  dieser  Stunde) 
Schrift,  dar  hed  he  sin  balswark  mit,  dat 
he  dat  fullentejed;  —  dat  is  'n  balswark 
(Lebensarbeit,  Lebensaufgabe)  für  hum,  wen 

25  lie  dat  wark  fultöjeu  (vollziehen,  vollen- 
den) wil. 

kalter,  heiter  (m.  u.  n.) ,  Halfter  od. 
Strickzaum,  Gurtzaum  etc.  ohne  Gebiss  (ca- 
pistrum) ;   trekk'  od.  smit   du  de  perde  äfea 

30  de  halters  (helters)  afer  de  kop;  —  de  hal- 
ter  striken  (seil,  afer  de  kop) ,  sich  losma- 
chen, ausreis.'^en,  entwischen;  —  de  kop  wer 
dür  't  heiter  hebben,  wieder  frei ,  bz.  der 
Fessel  entledigt  sein.  —    Nd.,  mnd.  halter ; 

35  nid.  halfter,  halster;  mnld.  (KU.)  balfter, 
halter,  helfter,  belebter;  ags.  bealfter;  engl. 
halter;  ahd.  lialftra,  haipbtra,  balaftra,  balf- 
tera;  mhd.  halftere,  helfter.  Alle  Formen 
sind  wohl  aus  half-tai'a   entstanden,    indem 

40  einerseits  das  inlautende  „f"  ausgestossen 
wurde  u.  andererseits  in  beichter  das  „f" 
7vic  in  kracht  (Kraft),  lücht  (Luft)  etc.  in 
„cb"  überging.  Der  Stamm  „half",  wovon 
dieses  Wort  mittelst   des  Sufjixes  tara   (cf. 

45  der)  weitergebildet  ist,  stammt  mit  dem  un- 
ter 2  halm  erwähnten  ahd.  balp  etc.  (manu- 
brium)  von  einer  germ.  y  balp,  half  =:  idg. 
kalp,  karp  (greifen ,  fassen,  halten,  fesseln, 
binden,  verbinden,  zusammenmachen,   verei- 

50  tilgen,  schliessen  etc.),  die  meiner  Ansicht 
nach  auch  die  y  von  helpen  (s.  d.  u.  cf. 
unter  2  halm)  ist  u.  wohl  jedenfalls  (cf.  skr. 
kalp  M.  zend.  karep,  sich  fügen  etc.)  durch 
„p"  von  y  kar  weitergebildet  ist,  wenn  nicht 

55  etwa  karp  aus  y  kar  (machen,  bewirken, 
thun  etc.)  _|_  }/  pa  (greifen,  fassen,  neh- 
men, wegnehmen  etc. ;  fassen,  halten,  retten, 
schützen  etc.)  entstand,  woraus  sich  denn 
von  selbst  ganz  verschiedene  Bedtgn.  für  die 

CO  y  karp,  kalp  ergaben,   nämlich   sowohl  die 


HALTER-  HELTER-GELD 


l'J 


IIAM 


von:  wegnehmen  thun,  stehlen,  rauhen,  ent- 
ziehen etc.,  als  auch  die  von :  halten  (tra- 
gen, heben  etc.)  n.  retten  thun  etc.  u.  viele 
Andere,  die  zum  Theil  übrigens  auch  schon 
in  der  so  vieldeutigen  y  kar  (cf.  Viele,  I, 
41 — 46)  zu  Tage  treten ,  aus  denen  sich  ja 
im  Laufe  der  Zeiten  auch  wieder  eine  ganze 
Menge  anderer  Bedtgn.  weiter  entioickelt 
haben  u.  selbst  nothwendigerweise  ent- 
wickeln mussten,  weil  die  Begriffe  noch  viel 
wandelbarer  u.  flüssiger  sind,  als  die  For- 
men, bz.  der  Geist  beweglicher  ist,  als  die 
Materie. 

lialter-,  helter-geld,  (Halftergeld),  das 
Trinkgeld,  loelches  der  Käufer  eines  Pfer- 
des dem  Knechte  zahlt,  der  dasselbe  ablie- 
fert. —  Nd.  (Er.   Wb.)  haltergeld. 

halter-,  helter-kette,  Halfterkette. 

jialtern,  heitern.  Dieses  von  halter  (Half- 
ter, Strickzaum  etc.)  weitergebildete  Vbm. 
wird  hier  nicht  mehr  in  der  urspr.  Bedtg. 
von:  halftern  od.  die  Halfter  anlegen  u. 
über  den  Kopf  ziehen  (u.  so  auch:  bändi- 
digen  od.  bezwingen,  ztcingen  dass  ein  Et- 
was  sich  dem  Willen  eines  Jemand  fügt 
etc.)  etc. ,  sondern  wie  auch  das  nd.  (B  r. 
■  Wb.)  lialtern  u.  nhd.  (cf.  Adelung)  half- 
tern im  uneigentlichen  Sinne  von:  ab- 
nützen, quälen,  zerren,  reissen  etc.  ge- 
braucht, wie  z.  B.  he  harr'  (hatte)  d'r  wat 
mit  to  haltern  (zu  reissen  etc.,  musste  sich 
tüchtig  anstrengen  u.  abmühen  etc.),  dat  he 
dat  perd  de  halter  afer  de  kop  kr6g ;  — 
ik  heb'  mi  al  so  lank  mit  dat  perd  (od. 
de  junge  etc.)  herum  halterd  (herumgequäU, 
herumgerissen  etc.,  od.  stark  damit  bemüJit 
etc.),  man  ik  kan  d'r  niks  mit  worden ;  — 
he  hed  d'r  f81  mit  to  haltern  (od.  riten),  dat 
he  dat  klär  krigt;  —  he  kun  sük  d'r  hast 
net  tegen  haltern  (reissen,  loehren  etc.  od. 
anstrengen  etc.),   dat  he  d'r  bäs  afer  wurr'. 

halter-palter,  halter  di  palter.  Diese 
kaum  präcise  zu  übersetzende  Zusammen- 
stellung von  halter  u.  palter  wird  in  fol- 
gender Weise  u.  Bedtg.  gebraucht,  als:  de 
wagen  kan  d'r  so  halter-palter  (so  halbwegs, 
so  ungefähr ,  so  eben  etc.)  hen ,  man  göd 
geid  't  net;  —  dat  kan  so  halter-palter  gän 
(wenn  es  auch  nicht  ganz  glatt  u.  ohne  An- 
stoss  geht,  so  kann  es  doch  so  ungefähr  ge- 
hen u.  passiren  etc.) ;  —  dat  gung  so  halter 
di  palter  göd  (das  ging,  wenn  auch  nicht 
so  recht,  wie  es  sein  musste,  so  doch  noch 
so  halbwegs  gut.  Vergleicht  man  jedoch, 
dass  wir  halter  di  palter  ebenso  wie  hulter 
di  pulter  =  nhd.  „holt  er  die  polt  er", 
auch  in  der  Bedtg. :  in  überstürzender  Eile, 
in  Ueberstürzung  etc.  gebrauchen,  so  ist  es 
klar,  dass  halter-palter  7nit  holte r- 2) ölte r 
identisch   od.    doch   synonym    ist   u.    dass 


„halter-palter  gän"  eigentlich  nichts  Anderes 
besagt  als  „loechselseitig  anstossend  gehen", 
bz.  dass  es  aus  einer  holte  (Höhlung,  Ver- 
tiefung etc.)  auf  eitle  palte  (dickes  Stück, 
5  Klumpen  etc. ,  cf.  auch  palter  =  plenter, 
dickes  Stück  Holz,  Kloben  etc.,  paltrig,  kluni- 
jjig,  in  dicke  Stücke  zerrissen  u.  getheilt 
etc.)  fällt  u.  stösst  u.  demnach  holperig 
u.  uneb  e n  geht,    od.    nicht  glatt    u.    ohne 

10  Anstoss  verläuft,  ivie  loir  auch  sagen:  dat 
kan  wol  halter-palter  (d.  h. ,  dass  es  bald 
hier,  bald  da  anstösst)  d'r  dör  u.  „halter- 
palter  gän"  auch  in  der  Bedtg.:  „hol- 
perig  od.  nach   allen  Seiten   unstossend   (u. 

15  so  stockend  u.  schlecht)  gehen"  gebrauchen, 
während  andererseits  halter  di  palter  ebenso 
wie  hulter  di  pulter  od.  nhd.  holt  er  die 
polt  er  auch  die  Bedtg. :  Hals  ü  ber 
Kopf,    kopfüber ,   bz.   in   Ueberstür- 

20  zung,  in  grosser  Eile  etc.  (he  kwam 
halter  di  palter  to  de  dör  herüt ;  —  he 
kwam  nog  net  äfen  halter  di  palter  weg 
etc.)  hat. 

1.  ham  od.  hamm,    Biss,   Bissen,   Stück, 

25  Schnitt  etc.;  he  dede  d'r  'u  ham  in  od.  üt, 
of  etc. ;  —  he  hed  d'r  'n  dügtigen  ham  üt 
dän,  bz.  ütbäten.  —  Weiter  vergl.  botram 
=  nid.  boter-ham  (Butter-Brod ,  —  Schnitt 
od.    Stück    mit   Butter)    u.    mnld.    (KU.) 

30  hamme  (pars  abscissa  rei  cibariae,  frustum 
esculentum).  Kann  dieses  ham  zur  }/  (Bopp) 
cam  (edere,  vesci)  :=  (Benfey)  kham, 
(Grassmann)  cam  (idg.  kam?)  gehören, 
od.  stammt  es  mit  2  ham,    sowie  ahd.  ham 

35  (verstümmelt,  gestutzt  etc ),  hamal  (verstüm- 
melt ;  verschnittener  Schafbock),  hamar  (Ham- 
mer) etc.  (cf.  1  M.  2  hamel,  hamer  etc.)  von 
einer  allgemeinen  germ.  ]/  ham,  welche  cms 
der  Grdbdtg. :  schlagen,  hauen,  stossen  etc., 

40  die  Bedtgn. :  stechen ,  schneiden ,  spalten, 
reissen,  bersten,  brechen,  biegen,  krümmen, 
rund.  V.  gebogen  etc.  machen,  wölben,  wöl- 
bend od.  rundlich  gebogen  umschliessen, 
Cirkel  od.  Kreis,    Ring,    Wall  etc.  etc.  ma- 

45  chen  um  Etioas  herum ,  umringen ,  ein- 
schliessen,  umgürten,  einfriedigen,  schützend 
umgeben,  einfassen,  uni'  od.  verhüllen,  ver- 
bergen, bedecken,  bekleiden  etc.  weiter  ent- 
xoickelte,    wie  ja   alle   diese  Bedtgn.    in  den 

50  vielen  zu  einer  germ.  y  ham  gehörenden 
Wörtern  (cf.  auch  hemd,  heramel,  hämo  im 
ahd.  lihhamo  etc.  u.  Weiteres  unter  2  bis 
5  ham  etc.)  vorkommen  u.  belegt  sind?  — 
Möglicherweise  jedoch  kann    dieses   1  ham 

55  (cf.  kram,  krum,  dum  etc.)  auch  aus  älterm 
hamp,  hamb  gekürzt  sein,  sodass  es  mit  hap, 
happen,  haffeln  u.  hampe,  humpe  (Stück 
etc.)  etc.  zu  einer  idg.  y  kamp,  kap  gehört, 
die  aus   der    Grdbdtg. :   ire,  se  movere    od. 

00  g ehen,  bewegen    (vor),    wie  (cf.  Ferd. 


HAM 


20 


HAM 


Justi)  die  y  ao  (gehen,  dringen  vor,  ge- 
langen wohin  u.  wozu,  erreichen,  erla)tgen, 
ergreifen  ,  fassen  ,  nehmen  zu  sich,  essen, 
trinken  etc.)  ähnliche  Bedtgn.  wie  diese,  so- 
wie loeiter  auch  die  von:  sich  hin  u.  her 
bewegen,  schwingen ,  schlagen  (hauen,  spal- 
ten etc.),  od.  sich  icinden,  krümmen,  biegen 
etc.  entwickelte  m.  demnach  ausser  für  liampe 
etc.,  sowie  liampel  u.  haiiipohi,  liimp-liampeu, 
humpeln  etc.  auch  für  liebben,  liafo,  hecli- 
teu  (heften),  betten  etc.  u.  vielleicht  auch 
/«>•  hapeii  etc.,  sowie  für  lat.  capio  etc.  aufzu- 
stellen ist,  ivorüber  unter  hehhen,  batV,  hat'en, 
lieft'en  etc.  das  Weitere  zu  vergleichen  ist. 
Wegen  der  obigen  germ.  y  liam,  bz.  der 
nachfolgenden  Wörter  2  bis  7  bam  ii.  hem 
(Heim)  vergl.  bei  Fick  die  Zusammenstel- 
lung von:  ags.  bama  (Kleid,  Hülle,  Haut 
etc.,  s.  unter  2  bam)  u.nhd.Himmeletc, 
skr.  kmar  (krumm  ■<:ein),  zend.  kamara  (Gür- 
tel ,  Gewölbe) ,  griech.  kamära  (Gewölbe, 
Kammer),  lat.  camera,  caraerus,  camurus 
etc.  unter  idg.  kam  (sich  wölben,  umrin- 
gen);  —  skr.  cam  od.  cam  (vesci),  lit.  kimu 
(heiser  werden) ,  (did.  humbal  (Hummel), 
jjreuss.  camus  (dieselbe)  u.  lat.  gemere  etc. 
unter  idg.  kam  (schlürfen,  seufzen,  summen); 

—  skr.  qnm  (sich  midien,  ermüden  etc.)  n. 
ahä.  hemmen  (ruhen  machen,  hcdten  auf 
etc.)  etc.  unter  idg.  kam   (sicli  mühen  etc.); 

—  nhd.  Heim  =  afries.  bam,  bem,  ags. 
häm,  as.  hem  etc. ;  lit.  kemas  (Dorf)  etc.  u. 
skr.  kscbetra  (Feld),  ksbema  itvöhnlich),  lat. 
quies  etc.  unter  skr.  kshi  (siedeln);  —  fer- 
ner die  Zusammenstellung  von  ahd.  bam 
(verstümmelt  etc.) ,  hamal  (Hammel),  goth. 
bamfs  (verstümmelt)  etc.  mit  griech.  kö- 
phüs,  köptö  u.  lat.  cäpus,  cäpo  (cf.  hampe 
etc.) ;  —  ags.  hamm  (Kniekehle)  etc.  mit 
griech.  kneme  (Schienbein)  etc.  u.  air.  cnäm 
(Bein,  Knochen)  etc.  u.  iveiter  bei  H.  Leo 
die  Ableitung  von  ags.  himao,  bam,  bz.  bam 
(Kleid,  Hemd) ,  liera  (Saum ,  Kand  etc.), 
bam  (Oberschenkel,  Schinken,  Kniekehle, 
poples,  cf.  4  bam)  etc.  von  skr.  y  gam  (se- 
dari),  tvührend  er  ags.  hame  (Gebärmutter 
etc.)  u.  mnld.  ham,  bammc  (secundinae)  etc. 
von  skr.  y  kam  (amare  etc.)  ableitet,  ags.  häm 
(Heim)  indessen  auch  mit  skr.  ksliema  etc. 
zusammenstellt. 

Vergleicht  man  nun  aber  weiter  1  bis  7 
liam  u.  die  andern  auf  eine  germ.  y  bam 
zurückgellenden  Wörter,  soivie  die  theil- 
weise  doch  wohl  sehr  fragliche  Zusammen- 
stellung u.  Ableitung  der  obigen  Wörter  bei 
Fick  u.  Leo  (cf.  auch  Pott,  Witrzelwb. 
II,  zweite  Abth.,  pag.  162  seq.  die  No.  633 
u.  637  ivegcn  y  gam  u.  Benfeg,  Orient 
u.  Occident,  II,  87  ivegcn  goth.  hamfs  etc. 
von  y  ksban)    mit  u.  von  skr.  kmar,  gam, 


bz.  idg.  kam,  kam  (wobei  es  doch  auch  ivohl 
angenommen  werden  muss,  dass  das  skr. 
kmar  =  zend.  kamar  auch  von  einer  sec^m- 
dären  od.  primitiven  y  kam  iveitergebildet 
5  sein  muss,  die  im  Skr.  m.  Zend.  Jedoch  nur 
in  der  Bedtg.:  lieben,  begehren,  wünschen 
etc.,  bz.  amare,  capere,  desiderare,  velle  be- 
legt ist),  od.  anderen  Wurzeln  u.  bedenkt 
man  dazu,    dass  die  Bedtg.:    lieben,    be- 

10  gehrcn,  Verlangen  tragen  (nach  Et- 
ioas)  nie  eine  urspr.  sein  kann,  bz.  dass 
die  für  das  Vbm.  lieben  (cf.  lefeu,  lafen, 
lof,  löf  etc.)  anzusetzende  y  lul)b  od.  riibb 
von  der  ]/  rap,  rup  (von  rc{ffen  «.  rauben, 

15  cf.  rapen  u.  rofen  etc.)  gar  nicht  zu  tren- 
nen ist,  sowie  auch,  dass  die  y a.q  (s.oben) 
aus:  gehen  u.  dringen  (vor)  etc.,  ausser 
erreichen,  erlangen,  e r greif en,  fas- 
sen,   nehmen   (cf.   auch   läsen,    lesen  =: 

20  greifen,  nehmen,  fassen,  aufgreifen  ,  auf- 
nehmen, sammeln,  lesen  etc.  u.  Alles  was 
Fick,  III,  271  seq.  unter  lis,  lisan  etc. 
aujführt)  auch  die  Bedtg.:  essen  etc.  ent- 
wickelte u.  dass  auch  das  Staminvbm.  gären 

25  von  begären  (begehren,  verlangen  u.  trach- 
ten wonach),  bz.  das  Adv.  gerne  u.  Subst. 
Gier  von  einer  ]/  gbar  (beivegen  [sich  od. 
ein  Anderes],  regen  etc.  [cf.  4  gären]  etc.)  cü)- 
slammt ,   so   kann  ich  nicht  umhin,    die  y 

30  kam  (lieben,  verlangen  ivonach  etc.)  als  eine 
von  ak,  umgesetzt  ka  (bewegen  u.  dringen 
vor,  erreichen  etc.)  =  skr.,  zend.  a^  erwei- 
terte Form  kam,  kma  (cf.  mar  =  mra)  an- 
zusehen,   die    aus    der    Grdbdtg. :    beivegen 

35  (sich  u.  ein  Anderes),  gehen  (se  movere) 
zu,  kommen  zu  etc.,  od.  gehen  u.  drin- 
gen vor  etc.  die  Bedtgn,:  erreichen,  erlan- 
gen, ergreifen,  fassen  (umfassen,  umarmen, 
lieben  etc.),  greifen  u.  langen  nach,  verlan- 

40  gen,  begehren  (lieben  etc.),  bz.  greifen,  fas- 
sen, halten  (halten  hoch  u.  iverth,  schätzen 
etc.),  heben,  tragen  etc.,  od.  fassen,  umfas- 
sen, um-  u.  ein-schliessen,  umgürten  (cf. 
zend.  kamara,  Gürtel;  Gewölbe),   umringen, 

45  mit  einem  Hing  (Wall,  Mauer,  Zaun  etc.) 
umgeben,  einfassen,  sicher  u.  fest  machen, 
Schutz  machen  (um  Etwas  herum),  schützen, 
bergen,  verhüllen  etc.  weiter  entwickelte, 
während   andererseits    aus    bewegen   die 

50  Bedtg. :  h  i  n  u.  h  e  r  bewegen,  schwingen, 
.schlagen,  hauen  (s.  oben  wegen  einer  germ.  y 
ham,  schlagm  etc.)  etc.  sowohl,  als  auch  die 
von:  sich  winden,  krümmen,  windend  u. 
krümmend  umfassen,  umwinden,  umbinden, 

55  umstricken,  bestricken,  umarmen,  fesseln  etc. 
hervorgehen  koniitcn,  wie  denn  auch  aus 
der  y  kap,  kamp,  bz.  cap,  camp  (sc  movere, 
vacillare,  tremere  etc.,  cf.  cäpalä  u.  dazu 
hampel  etc.)  auch  wohl  die  in  kapanä  (Wurm, 

60  Raupe)  liegende  Bedtg.:   kriechen,    od.  sich 


HAM 


21 


HAM 


iv/ndend  u.  biegend  hin  u.  her  bewegen  etc. 
(Fick  sagt  zu  y  2  kap  ['biegen],  die  er 
selbst  aber  mit  vibriren,  auf  u.  nieder  gehen 
etc.  übersetzt)  hervorging  u.  andererseits  aus: 
sich  winden  u.  krümmen  etc.  auch  die  Be- 
dtg.:  umwinden,  umfassen,  befassen,  greifen, 
fassen,  binden,  verhaften  (cf.  y  1  kap,  fas- 
sen etc.,  uwvon  lat.  capio ,  sowie  die  Wör- 
ter hafe,  hafen,  hebben,  heflen,  hecht  [Heft] 
etc.  hervorgingen)  u.  manche  andere  ent- 
stand. Wenn  man  mm  aber  auch  sieJit 
{wie  oben  bereits  gesagt),  dass  H  Leo  ein 
ags.  himan  (obstare;  tegere),  Thema  ham 
von  skr.  gam  (sedari,  immobilem  fieri ,  i-e- 
pellere,  placidum,  quietum  esse  etc.)  ableitet 
u.  hiesu  ausser  hem  (Sawn,  Band,  Einfas- 
sung), hama  (Umhüllung,  Bekleidung,  Haut) 
etc.  auch  hamma  (Oberschenkel,  Schinken, 
cf.  4  liam)  stellt,  so  kann  man  doch  mit  gu- 
tem Eecht  auch  diese  Wörter  zur  y  kam 
(lieben,  begehren  etc.)  stellen,  sofern  man 
annimmt,  dass  diese  die  sinnl.  Bedtg.:  grei- 
fen u.  langen  wonach,  od.  fassen  etc.  hatte, 
zumal  zu  dieser  sinnl.  Bedtg.  auch  besser 
das  von  ihn  von  dieser  y  abgeleitete  hame 
(Gebärmutter  etc.,  Nachgeburt  etc.)  2msst, 
was  doch  jedenfalls  ein  Kindsbalg  od.  eine 
Haut  ist,  worin  das  Kind  geschützt  liegt  u. 
loas  man  deshalb  doch  wohl  mit  Hecht  zu 
demselben  Stammvbm.  stellen  kann ,  wovo)i 
auch  hama  (Bekleidung,  Schutz,  Haut  etc.) 
abgeleitet  loird.  cf.  auch  7  ham ,  bz.  die 
damit  zusammengesetzten  Wörter,  tvie  harn- 
ende etc.  Vergl.  übrigens  loegen  ham  (Biss, 
Bissen  etc.)  auch  hammen. 

2.  ham  od.  bamm,  eine  Wiese  od.  ein 
Stück  Grün-  od.  Weide-Land,  welches  nicht, 
ivie  ein  kamp,  mit  Wällen,  sondern  mit  Grä- 
hen  abgegrenzt  u.  eingefriedigt  ist.  —  Nid. 
ham  (ei7i  nmzäuntes  Stück  Land);  mnld. 
(KU.)  hamme,  ham  (pratum ,  pascnum) ; 
mfläm.  ham  (Weide,  pascuum);  engl,  ham 
(Aue,  Rasenplatz,  Weide,  ein  Stück  Wie- 
senland); afries.  ham,  hem,  him  od.  hamme 
etc.?,  cf.  hamrik  u.  dazu  Ehr entr aut, 
fries.  Archiv,  1,  pag.  150  die  Urkunde  von 
1431,  ivo  der  Getiit.  hsimmes  jedenfalls  auch 
auf  ein  afries.  hamme  in  der  Bedtg.  „Stück- 
land" od.  „Wiese''-  (wie  fenne)  schliesseu 
lässt,  wie  es  denn  auch  jetzt  noch  überall 
in  fries.  Landen  (cf.  Seh.  u.  L.  unter  1 
ham,  sowie  bei  Outzen  u.  im  Br.  Wb., 
wonach  auch  noch  im  Osterstadlschcn  eine 
Wiese  „ham"  heisst)  in  dieser  Bedtg.  im 
Gebraucli  ist.  —  Es  wird  urspr.  ivohl  ein 
ein  g  efr  iedig  te  s,  mit  Gräben  od.  einem 
Zaun  umgebenes  Stück  Land  u.  danach  eine 
zum  Weiden  benutzte  Wiese,  bz.  (tvie  das 
griech.  chortos,  cf.  gärden)  einen  „  Weide- 
platz im  Freien"  bedeutet  haben,  tvie  auch 


das  nfries.  (cf.  Outzen  unter  ham)  hamm 
im  Allgemeinen  einen  a  b g e gr  enzten  od. 
e  i  n  g  efr  iedig  ten  Platz  bezeichnet.  Ver- 
gleicht man  nun  unser  ham  od.  liamm  in 
5  dem  Dorfnamen  Eseusham  u.  das  afries., 
jetzt  zu  um  verdampfte  liem  in  den  Orts- 
namen :  Fertmareshem  (Farmsum) ,  Fres- 
brahteshem  (Freepsura),  Paweshera  (Pewsum) 
etc.,  bz.  dass  das  afries.  ham,    hem    ausser 

10  Dorf  od.  Wohnstätte  etc.  auch  einen 
eingehegten  Bau m  bezeichnete ,  so  ist 
es  ivohl  möglich,  dass  dieses  ham  od.  hamm 
mit  nltd.  Heim  (cf.  licm)  von  Hause  aus 
identisch  ist ,   wie  denn  auch  v.  Bi clith o- 

15  fen  das  afries.  liam,  hem  (ob  er  es  hära, 
hem  hätte  schreiben  müssen,  ist  zweifelhaft, 
trotzdem  er  statt  hem  auch  die  Form  heem 
hat,  iveil  auch  hem  in  den  alten  Ortsnamen 
des  Werdener  Heberegisters  ein  kurzes  „e" 

20  zu  haben  scheint)  mit  nhd.  Heim  =  as. 
hem,  ags.  ham  (domus,  vicns,  patria)  iden- 
tificirt.  Da  wir  aber  jetzt  nicht  hem,  son- 
dern hem  sprechen  n.  es  mir  auch  zweifel- 
haft ist,  ob  ham  in  hamrik  (cf.  dieses),  wie 

25  er  annimmt,  ivirklich  die  Bedtg. :  D  o  rf  od. 
Heim  hat,  so  toäre  es  auch  möglich,  dass 
ham  in  der  Bedtg. :  pratum,  pascuum  etc.  von 
ham,  hem  od.  ham,  hem  (Heim)  von  Hause 
aus   ganz   verschieden    ist    u.  mit  ags.  hem 

30  (Saum,  Band,  Einfassung,  Umfassung,  Um- 
schliessung  etc.),  ham  (Bekleidung,  Hemd, 
bz.  schützendes  Etivas ,  Schutzding  etc.), 
hama,  homa  (Umhüllung,  Bekleidung,  Ueber- 
zug.  Haut  etc.,  cf.  ham  in  licham  =  Leich- 

35  natu,  ahd.  lih-hamo)  zu  einem  Stammvbm. 
himan,  ham  etc.  (decken ,  bedecken ,  schützen, 
ivehren,  abwehren,  hemmen  etc.,  cf.  hemd, 
hemmen,  hemmel  etc.)  gehört,  da  sich  ja 
iiieraus   ham    in    der  Bedtg.:   mit   einer 

40  E i nf a ssung  od.  einem  schüt z enden 
Ettoaa  umgebenes  Grundstück  auch 
ebensogut  ableiten  lässt,  als  dass  man  es 
mit  afries.  ham,  hem  od.  ham,  hem  (Heim) 
identificirt.      Hält   man   nun   aber  für   ein 

45  von  himan  (decken,  schützen  etc.)  stammen- 
des afries.  ham,  hem  od.  liama  die  Bedtg.: 
Einfassung,  Umschliessung  etc.  od.  Ein-, 
Umfassendes,  Schützendes  etc.  (ivas  jeden- 
falls nach  afries.  lichama  [Leichnam,  d.  h. 

50  Bekleidung  der  körperlichen  Gestalt  od. 
Fleisch-kleidj  u.  hamothe  [Hemd]  bestanden 
hat)  fest,  so  ist  es  nicht  allein  möglich, 
sondern  sogar  sehr  icahrscheinlich,  dass  das 
urspr.  afries.  ham,  hom  (Heim,  od.  das  loas 

55  Einen  schützend  umgiebt  etc.,  cf.  hem)  sich 
mit  einoii  von  himan  (togere  etc.)  abstam- 
menden ham,  hem  gemischt  hat  u.  dass  man 
bei  dem  v.  Bichtho  fen  angeführten  hsiva, 
hem,  him  etc.  nur  deshalb  nicht  weiss,  wel- 

60  ches  Wort  (d.  h.,  ob   das  mit  ags.  liam  u. 


HAM  22                               HAM 

imsenn  hum  identische  nhd.  Heim,  od.  das  reit   (Itiet   od.    SchilfroJir)    bestanden   tvar, 
zu  liiman  gehörende  ham)  er  meint,   weil  er  welches  im   Winter  geschnitten  u.  dann  zum 
ehe»  nirgends  den    Vocal  hezeichyxet  u.  nir-  Decken   der   Häuser  gebraucht  wurde,  wo- 
gends  angiebt,  ob  er  urspr.  lang  od.  kurz  nach  denn  rehha.m  soviel  wie  Biet-Bucht 
icar.     Wegen  der  y  vergl.  das  unter  1  bam  5  bedeutet.    —    Auch  nid.,    mnld.    (KU.)  nur 
Gesagte  u.  wegen  des  africs.  ham  etc.  in  der  in:  inham  (sinus  maris,  litus  iiicurvum  mare 
Bedtg.:  Haus  od.  He  im,  bz.  eingefrie-  amplectens)     u.    nid.    uitham     (Landzunge, 
digtes  I^twas  auch  mnld.  (KU.)  hdimme,  Vorgebirge).      Es  gehijrt  zu  einer  germ.  ]/ 
ham,  hom  (domus,    liabitatio)    u.  unser  ham  ham  ,  biegen,  krümmen  etc.    (cf.  unter  1  u. 
in  ham-onde,  tcas  nach  meiner  Ansicht  sei-  10  2  ham),    die  wahrschcinl.  auch  für   4  ham 
ner    Abstammung     nach    von    m)dd.    heym  (Schinken)  u.  vielleicht  auch  für  5  ham  an- 
(Hcim)  ganz  verscJiieden  ist  n.   urs^n'.  blos  zusetzen  ist,  weil  auch  die  Bedtg.:  schräg 
ein  Etwas  bezeichnete,    ivas    Schutz   giebt,  od.    schief  aus    der    Grdbdtg.:    biegen, 
od.  worin  man  sich  bergen  u.   schützen  krümmen  etc.  sich  ergeben  kann, 
etc.  kaim  u.  demnach   von  Hause   aus  das-  15       4.  ham    od.    Iiamin ,    Schinken.    —    Nid. 
selbe  Wort  ist,  wie  ags.  ham,  hem  (Einfas-  liam;    mnld.  luvmme    (perna,    petaso,    armus 
sung,   Umfassung,   Umhidlung,  Hülle,  Kleid  porci);    mnd.    (Seh.    u.   L)    liame,    hamme 
etc.);  mnd.  (Seh.  u.  L.)  h&m  (Decke,  Hülle,  (Hinterschenkel,  Schinken);  engl.  h.a,m.  Vergl. 
Hülse;  Nachgeburt  [secundinae]  od.  Kindes-  im  Grimm' sehen   Wb.  unter  1  hamme,  ico- 
balg,  Gebärmutter  etc.,  cf.  uiäer  1  ham  am  20  nach  es  mit  ahd.\\2iVamA;  mhd.  hamme  (suf- 
Schlu.'^se)  u.  ham,  liem  etc.  in  licham  (Leich-  ft'ago,   poples) ;   ags.    liamm    (poples) ;    mnld. 
nam),  hemd    (Hemd)  etc.  etc.      Wegen   der  (KU.)  liamme,    hamm,  harne  (dasselbe)  von 
Verschiedenheit    des    von    v.  Bichthofen  Hause  aus  identisch  ist,  od.  doch  mit  diesen 
aufgeführten  afries.  ham   von  hem   (Heim),  von  der  bereits  unter  1  u.  2  ham  ericähnten 
bz.  einer   Vermengung  von  afries.  ham,  hem  25  germ.  ]/  ham  (biegen,  krümmen  etc.  od.  sich 
(Heim)  mit  ham,  hem  (Ein-  od.  Umfassung,  rundlich  wölben,   rundlich   od.  gebogen  sein 
Band  [Ufer,    tcovon    auch  vielleicht  Ham-  [nach    aussen     od.     nach    innen    hin    eine 
bürg  seinen  Namen    hat,    wie  Bremen    von  Krümmung    u.   Biegung    machen]    etc.)   ge- 
bram,  brem,  brim,  Band,  Saum,  Einfassung,  hört    u.    wie   man    bei   ham    (Schinken   od. 
Ufer],  Einhegung,   Umzäunung,  eingehegtes  30  Oberschenkel)    auch    daran    denken    kann, 
u.    umzäuntes    Etwas,    Haus,    Weideplatz,  dass  es  wie  bak  (Bücken,  Speckseite,  Schin- 
Weide,    eingehegtes    Feld  etc.)    vergl.    auch  ken),  bz.  nhd.  Backe  auch  ein  nach  Aussen 
Hamm  im  Grimm' sehen   Wb.    u.    wegen  hin  rundlich  gebogenes,  bz.  rundliches  u. 
einer  bereits  unter  1  ham    ericähnten  germ.  getvölbtes    Etivas     bedeutet     hat,     icährend 
y  ham  mit  der  Bedtg. :  greifen,  fassen,  hal-  35  hamma  (suifrago,    poples)   überall  wohl  nur 
ten  (fesseln)    tragen,    retten,   schützen,    ber-  ein  gebogenes  u.  gekrümmtes,  od.  ein 
gen,  siehern,  schützend  umgeben,  einschlies-  sich   biegendes    u.    biegsames    Etwas 
sen,    umschlicssen,    einfriedigen ,    einfassen  (Gelenk)  bezeichnet  hat.      Wegen  einer   di- 
(wovon:  Einfassung,    Band,    Saum  etc.    u.  reden   Ableitung  dieses    Wortes    nicht   von 
Hülle,    Balg,   Kleid    etc.    in    den    Wörtern  40  einer    allgemeinen    germ.    y    ham    (biegen, 
ham,  hamme  etc.,  soivie  auch  die  von:   Ge-  krünunen,    sich    ivölben,    wölbend   umringen 
bärmutter    etc.     sich    von    selbst     ergeben),  etc.)  =  idg.  kam,    ivozu  Fick   ausser  skr. 
schützend     umringen,     rundlich     einfassen  kmar,  zend.  kamar    (krumm,    gewölbt  sein), 
(woraus  sich  die  Bedtg.:  Gewölbe,  Bing  etc.,  kamara  (Gürtel;  Gewölbe),    lat.  camara    etc. 
od.  rundlich  Gebogenes  etc.    ergeben,    cf.  4  45  auch  germ.  hama,  hamau  (Hülle,  Haut,  Ge- 
ham)    etc.     vergl.    auch    im    Grimm' sehen  wand,  Balg  etc.,    vergl.    unter    2  bam    u.   1 
Wb.  unter  1  u.  2  hame,  bamen,  hamme  etc.  ham    am  Schlüsse),    goth.    hamön    (hüllen), 
3.  ham  od.  hamm,    Bucht,    Busen  etc.  u.  bz.  das  dafür  anzusetzende  Stammvbm.  germ. 
zwar   nur   in    den  Compos.:    in-bam    (Ein-  himan,  bam,  humun    u.  as.  bimil    (Himmel, 
bucht,    od.    ein    ins  Land    einschneidender  50  cf.  hemmel),  stellt,    vergl.   Weigand ,    der 
Meerbusen  etc ) ;  —  iii-hnm  (Ausbucht,  Land-  hamme    (Schinken)    etc.,     bz.    ahd.   hamma 
Zunge,    Vorgebirge    etc.) ;    —    sowie   wahr-  (suifrago,  poples)    etc.    direct  von  ahd.  ham 
scheint,    in  dem  Namen    der   Ortschaft    od.  (verstümmelt,   verkrüppelt    od.  lahm,    urspr. 
des    Landstrichs    „Reit-ham" ,    welcher   vor        krumm?)  ableitet,  wovon  ahd.  bamal  (ver- 
Eindeichung des  Polders  „Schoonorth"  nach  55  schnittener  Schafbock,  cf.  hamel)  etc.  weiter- 
seiner    niedrigen  Luge   u.    noch  jetzt  sunt-  gebildet  ist,  loährend  ahd.  humf  (verkrüppelt, 
jjfigen  Beschaffenheit  jedenfalls  urspr.  auch        verstümmelt,  od.  maiicus),   goth.    hanfs    (de- 
eine  Bucht  od.  ein  Busen  iv<ir ,    der    allmä-  bilis,    mancus)  ,    ags.    haf    (mancus)    wahr- 
lig  verschlammte    u.    dann    lange  Zeit,    wie        scheint,   zu   der  unter    1  bam  erwähnten  y 
sehr  viele  andere  Buchten  der  Seeküste  mit  60  kap,   kamp,    kamb   (vacillare,   tremere  etc.) 


HAM  23  HAMEL 

gehört,  wozu  auch  wohl  hamp,  himphampen,  von  der  }/  liani    (um-  u.  einfassen,   in  sich 

hampeln,  humpeln  etc.  gelegt  werden  müssen.  befassen  u.  beschliessen,  bedecken,  verhüllen 

5.  ham  od.  hamm ,  das  über  den  Gie-  etc.)  abgeleitet  ist,  wenn  man  nicht  etwa 
bei  vorragende  u.  schräg  herabhängende  tvie  bei  belle  in  tötbelle  an  die  rundlich  ge- 
Strohdach eines  Bauernhauses  von  alter  5  bogene  Form  desselben  denken  u.  es  wegen 
Bauart.  seiner  Form  xion  der  }/  ham  (biegen,  krüm- 

Bie  Grdbdtg.  dieses  Wortes  tvird  wahr-  men  etc.)  ableiten  will.  Wcigand  ist  übri- 
scheinl.  Schutz  dach  od.  schütz  ende  s  gens  der  Ansicht,  dass  es  mit  mhd.  harne, 
Ettoas  geivesen  sein,  sei  es,  dass  dieses  ham  nhd.  Hamen,  Angel,  Angelhaken  aus  lat. 
entweder  eine  Art  Laube  war,  unter  der  10  häraus  entlehnt  ist  u.  hieraus  in  die Bcdtg.: 
man  im  Schutz  vor  Eegen  etc.  sass,  od.  Fang  netz  überging,  während  M.  Heyne 
dass  es  die  Lehmmauern  des  Hauses  (urspr.  (cf.  2  hame)  dagegen  glaubt,  dass  nhd. 
hatten  hier  die  Mauern  der  Bauernhäuser  Hamen  (Angelruthe,  Angel)  mit  Hame 
auf  dem  Lande  ivohl  sämmtlich  Lehmmau-  (gebogene  hölzerne  Fessel),  nd.  ham,  engl. 
ern,  da  bekanntlich  kein  Haus  von  Stein  15  hame  (Kummet);  mnld.  (KU.)  hamme, 
gebaut  werden  durfte  u.  Holz  sehr  rar  war)  koehamme  (numella ,  ein  küwham  od.  höl- 
vor  Schlagregen  u.  Tropfenfall  schützte,  da-  zerner  Ring,  damit  man  das  Vieh  an  die 
mit  diese  nicht  davon  durchiveicht  u.  abge-  Kri}}pe  bindet)  etc.  von  der  germ.  j/  ham 
spült  werden  konnten.  Ist  dies  richtig,  so  (biegen,  krümmen,  flechten  etc.,  cf.  unter  1 
gehört  es  mit  den  bereits  unter  1  u.  2  ham  20  u.  4  ham)  abzuleiten  ist,  wobei  man  denn 
erwähnten  Wörtern,  denen  auch  die  Grd-  auch  wieder  bei  der  aus:  biegen,  krüm- 
bdtg.:  schützen,  schütz  end  umrin-  men  etc.  od.  der,  auch  in  der  germ.  y  ham. 
gen  etc.  zu  Grunde  liegt,  zu  der  germ.  y  liegenden  Bedtg. :  ein-  u.  umfassen,  ein- 
ham  (hemmen,  schützen,  hindern,  abhalten,  zäunen  etc.  daran  denken  könnte,  dass 
sichern,  bergen  etc.),  loozu  ausserdem  auch  25  ham  als  Netz  zum  Fischen  urspr.  ein  von 
das  nd.  (Dähnert)  hamm  (Halt!  —  dat  gekrümmten  u.  gebogenen  Weiden  gefertig- 
het  hamm,  das  heisst  Halt  od.  Hemmung,  tes  g  e  flocht  e  nes  Etwas  (cf.  unser  mAnne, 
—  das  ist  dir  verboten  zu  thun  etc.),  od.  loas  loahrscheinl.  mit  mande,  manne  [Korb] 
(Dann eil)  hamm  in  hamm  holln  (du  säst  identisch  od.  doch  nahe  verwandt  ist)  tvar, 
mi  woU  hamm  holln,  du  sollst  mir  wohl  30  toie  ja  gewiss  viele  Geräthe  zum  Fischen 
Stand  halten  od.  mir  da  stehen  bleiben,  wo  ebenso  wie  die  Beusen  urspr.  aus  gefloch- 
ich  dich  halten  will),  hess.  (Vit mar)  ham!  tenen  Weiden  bestanden. 
(Halt!  Halt  da!  zurück  =  tinserm  hö),  wie  7.  ham  od.  hamm  etc.,  ««ham-ende;  s.  d. 

auch  das  Vbm.  hemmen    =    ahd.   (hamjau)  häm-balk,  s.  hanebalk. 

SU  einer  y  ham  (schützen  od.  abhalten,  zu-  35      hära-bolte,  s.  hanebolte. 
rückhalten,  od.  Jemanden  halten  wo,  wovon  1.  hamel,  homel,  verkrüppelt,  unvullstän- 

ab,  zurück)  gehört.  dig   ausgebildet,    klein,    schmächtig,    elend, 

6.  ham  od.  hamm,  hame,  häm,  Netz.  schlecht,  verfallen  etc.;  'n  hamel  der  (ein 
Daher:  schüf-ham,  schuf  hame,  Schiebnetz,  verkrüppeltes,  elendes  Thier) ;  —  he  sügt 
Netz,  welches  oben  an  einem  starken,  mit  40  arbarmlik  hamel  (elend,  verfallen,  ver- 
einer langen  Stange  versehenen,  Reif  be-  schrumpft  etc. ,  od.  so  wie  eine  Ruine  von 
festigt  ist  u.  auf  dem  Grunde  des  Wassers  einem  Menschen)  ftt.  —  Ahd.  hamal,  ha- 
hingeschoben  wird,  ähnlich  tvie  die  manne  mel ;  mhd.  hamel  (verstümmelt,  verkrüppelt). 
od.  slotlä.  —  Wang.  (Ehr entraut,  fries.  Mit  2  hamel  von  dem.  dort  weiter  zu  be- 
Archiv, I,  372)  hum  (cf.  tvang.  huramer  =  45  sprechenden  gleichbedeutenden  ahd.  ham. 
Hammer);    mnd.  (Seh.  u.  L.)  hame;   mhd.         Vergl.  auch  homel. 

hame,  ham;  nhd.  Hame,  Hamen  u.  früher  2.  hamel,  verschnittener  Schafbock  (Ham- 

auch  hamm,  hamme.  Es  wird  vielfach  (cf.  mel),  sonst  auch  (nd.)  bötel  (s.  d.)  genannt. 
Schade,  ahd.  Wb.  u.  Grimm' sches  Wb.  —  Nd.,  mnd.,  nid.  hamel;  mnld.,  mfläm. 
unter  1  hame)  mit  ahd.  hämo  (Kleid,  Decke,  50  haemel ;  ahd.  hamal,  hamel ;  mhd.  hamel 
Hülle,  od.  Ein-  ti.  Umfassendes  [cf.  afries.  (verschnittener  Schafbock;  im  mhd.  auch: 
hama,  homa,  was  im  Compos.  hirthhoma  truncus,  abgehauener  Stock  =  stummel). 
auch  die  Bedtg.:  Beutel  od.  Sack,  d.  i.  Weitere  Formen  u.  Bedtgn.  s.  im  Grimm' - 
Hülle,  Balg  etc.  hat  u.  wonach  dieses  ham  sehen  Wb.  unter  Hammel, 
auch  ein  Beutel-  od.  Sacknetz,  bz.  ein  beu-  55  Es  ist  ebenso  wie  1  hamel  durch  das 
tel-  od.  sackförmiges  Etwas  sein  kann],  s.  Suffix  al,  el  (urspr.  tvohl  ala,  ara  u.  von 
unter  1  «.  2  ham)  identificirt,  obschon  man  Hause  aus  wohl  ein  Sein  u.  Wesen,  bz. 
auch  annehmen  kann,  dass  es  in  der  all-  einen  Zustand,  der  durch  irgend  eine  Thä- 
gemeinen  Bedtg. :  Ding  od.  Geräth,  was  zum  tigkeit  entstand,  od.  ein  Etwas,  Ding  etc. 
Fassen  u.  Fangen  dient,    direct   mit   hämo  60  bezeichnend)  von   dem  ahd.    ham    (verstüm- 


HAMEL 


24 


HAMER 


melt,    rcrJcri'qjpelt)    weitergebildet,    worüber 
nuten  das  Weitere. 

Von  ahd.  hamol  ist  wohl  jedenfalls  wei- 
tergebildet :  ahd.  hanialöu ;  mhd.  liameleii 
(beschneiden,  i'erschneidcn,  ab-  od.  einstutzen ; 
einen  Hammel  machen,  ca-'^triren)  u.  nd. 
(Dähnert)  hamelen  (die  Böclce  verschnei- 
den) ,  sowie  wohl  (da  nach  iinserm  hamel, 
liomel  dieses  Wort  im  ofries.  existirte)  auch 
africs.  (i\  Richthofen,  liettema)  he- 
milja,  liomelja  (dostruero,  debilitare),  heme- 
linga,  liameliiiga,  homelinga  etc.  (truncatio), 
tcährend  es  mir  bei  agft.  liamelan  od.  (Ett- 
müller)  hamoljan,  (poplites  scindero),  enfßl. 
hamble  =  hamstring  (dasselbe),  an.  liamla 
(hemmen,  hindern  etc  ;  3I(ibius  hat  auch 
die  Bcdtg.:  verstümmeln);  isl.  liamla  (uavim 
remis  iiiliibere  ;  coliibore,  impcciire)  etc.  zwei- 
felhaft ist,  dar^s  deren  Stamm  liamal,  liaml 
mit  dem  ahd.  liamal  (verstümmelt,  verkrüp- 
pelt) nrsjjr.  gleich  war  u.  wie  dieser,  von 
einem  mit  ahd.  liam  sijnonijmen  u.  identi- 
schen ags.,  an.  ham  (was  wenigstens  in 
diesen  S2)rache)i  nicht  vorkommt)  tcederge- 
bildet  iDurde,  weil  das  ags.  haraelan  od.  ha- 
moljan anscheinend  auf  ham  od.  hamm 
(poples,  cf.  unter  4  ham)  zurüchgeht  u.  das 
an.  hamla  augenscheinlich  derselben  gcrm. 
y  wie  nhcl.  h  e  m  m  e  n  (cf.  hemmen)  ange- 
hört. Wahrscheinlich  liegt  die  Sache  nun 
aber  so,  dass  das  ahd.  ham  (verstümmelt, 
verkrüppelt)  urspr.  die  Bedtg.  krumm,  ge- 
bogen, gekr  ü  m m  t  etc.  hatte  u.  das  ags. 
ham  (poples)  als  Gcbo g enes.  Gekrümm- 
tes ganz  in  derselben  Weise  davon  substan- 
tiviH  wurde,  wie  hamal,  verschnittener  Schaf - 
bock  od.  Verstümmeltes  etc.  von  hamal,  ver- 
stümmelt od.  eigentlich  ivohl  gekrümmt, 
contr  act ,  lahm ,  ste  if  od.  k  r  u  m  m  - 
stehend  etc.  u.  das  ags.  hamoljau  eigent- 
lich ivohl  nur  die  Bedtg.:  lähmen  od. 
lahm  machen  etc.  hatte.  Wie  nun  aber 
unser  lemmern,  belemüiern  aus  ahd.  lemjan, 
bilemjan  (lähmen)  die  Bedtg  :  hindern,  be- 
hindern, aufhalten,  abhalten  etc.  entwickelte 
XI.  zu  lam  (lahm)  gehört,  so  erhielt  denn  auch 
das  an.  hamla  (hemmen,  hindern)  ganz  in 
derselben  Weise  von  hamal  (gekrümmt,  con- 
tract,  lahm  etc.)  seine  Bedtg.:  hindern, 
hemmen  u.  ist  es  so  auch  tonhrscheinlich, 
dass  das  für  hemmen  anzusetzende  urspr. 
hamja'.i  auch  von  ham  (gekrümmt  etc.)  ab- 
stammt u.  zuerst  blos  die  Bedtg.:  gekrümmt, 
contrad  u.  lahm  machen  hatte,  woraus  den}i 
von  selbst  die  Bedtg. :  nngebbar  machen 
(machen  dass  Etwas  nicht  mehr  gehen  kann, 
sondern  stehen  bleiben  muss),  zum  Stehen 
bringen,  am  Fortgang  hindern,  aufhalten, 
hemmen  etc.  hervorging.  Hätte  das  ahd. 
ham  nun  aber  urspr.  die  Bedtg.:  gebogen, 


g  ekrü  mm  t  etc.,  so  gehört  es  mit  seinen 
Weiterbildungen:  hamal  etc.  selbstredend  mit 
4  ham  etc.  zu  derselben  ]/,  worüber  dort 
das  Weitere  zu  ersehen  ist. 
5  3  liamel ,  s.  amel  u.  mig-amel  od.  mig- 
liamel. 
ham-endp,  honi-eiule  od.  haiiim-eiule  etc.; 

a)  der  Hintertheil  eines  Bauernhauses  und 
zwar  speciell  der  Theil  desselben,  der  unter 

10  dem  schrägen  Abdach  liegt,  od.  sich  vom 
hintern  Giebel  bis  zum  sog.  „katgäfel"  er- 
streckt, der  den  Schluss  der  mit  dem  Vor- 
derhause unter  einem  Dach  liegenden  ei- 
gcnllichen  Scheune  des  alten  fries.  Bauern' 

15  'hauses  (cf.  Cad.  Müller  Tafel  C)  bildet; 
de    pmlestallen    liggeii   in  de  hörnende;    — 

b)  (scherzh.)  der  Hintere,  Fodex ;  so  stekd 
de  homende  so  wid  achteriit,  dat  d'r  wol  en 
up  Sitten  kan.    —    Dieses    ham    od.    hamm, 

i2Ü  hom  hat  nach  afries.  hama,  homa  (Gewand, 
Haut  etc.  od.  tograen,  als  Bedeckendes  u. 
Schützendes)  entweder  die  Bedtg.:  „Dach' 
(tectum)  od.  die  von  „Haus"  (cf.  afries. 
liam    u.    mnld.    hamme,   ham,    hom  unter  2 

25  ham),  sodass  ham-eude  entweder  soviel  wie 
Dach-Ende  od.  Haus-  u.  Seh  eunen- 
Ende  bedeutet. 

lianier  (Plur.  liamers),  Hammer  (malleus) ; 
't  is  nct,  as  of  'k  'u  hamer  in  de  kop  hebb', 

30  so  klopt  (klopft,  pulsirt)  mi  dat  d'r  in;  — 
bildl.  auch:  Teufel,  Böser  etc.,  wie  dönner, 
bliksem  etc.,  iveil  der  Hammer  die  Waffe 
des  Donnergottes  (Donar  od.  Thor)  zcar  (die 
zunächst  der  Donnerkeil  ist)    u.    der   Ham- 

35  mer  früher  auch  als  Waffe  (Streithammer) 
u.  zum  Werfen  diente,  worüber  bei  Grimm 
(Myth.  u.  Wb.)  das  Weitere  zu  vergleichen 
ist.  Bedensart.:  dat  di  de  hamer  (od.  do 
dünner,  bliksem,    deksel,    dufkater  etc.);    — 

40  dl  schal  de  hamer  halen ;  —  dat  di  de  ha- 
mer bitt ;  —  för  den  hamer  nog  mal  ,  wat 
schal  de  dönnerskräai  beten?  —  Bäihsel: 
achter  min  fad^rs  kamer,  dar  hangd  'n  blan- 
ken hamer  (Eiszapfen,  [isjökelj),  de  dar  god 

45  mit  timmern  kan,  dat  is  en  künstelk  man. 
— ■  Afries.  hamer,  homer,  wfries.  (Jap ix) 
hammir;  satl.  hamer;  wang.  (Ehrentraut), 
I,  373)  liummer ;  nid.,  nd.  hamer;  as.  ha- 
mur;  ags.  hamor,  hamer,    homer;    ahd.  ha- 

50  mar,  hamer;  mhd.  hamer  (mallens);  an.  ha- 
marr;  isl.  hamar  (mallens,  tudes ;  saxnm,  ru- 
pes,  rnpinae).  Da  die  ersten  u.  ursprüng- 
lichsten Hämmer  bekanntlich  rohe  Steine 
od.    bearbeitete    kleinere    Eclsstücke   waren, 

55  die  entweder  ohne,    od.  auch  mit  daran  be- 
festigten   Stielen     als    Schlagwerkzeuge     u. 
Waffe  gebraucht  wurden  u.  hamarr  ja  auch 
im  an.  die  Bedtg.  saxum  etc.  hat,    so  wird 
vielseitig  das  Wort  hamar    fl'/iewia  hamara) 

60  mit  kslav.  kamen;  Ut.akmu;     lett.    akmina; 


HAMERN 


25 


HAMPE  HAMP 


skr.  a^man;  zend.  atman  od.  agma;  apers. 
a(jmau;  afgh.  ^amä  etc.  verglichen  u.  davon 
abgeleitet,  da  dieses  Wort  auch  ansclicinend 
tirspr.  die  Bedtg.:  Stein  od.  Fels  hatte 
u.  sich  hiera us  (cf.  Grass m a n  n,  J ust i, 
Benfei/  etc.  etc.)  auch  die  BedUjn.:  Ham- 
mer, Donnerkeil ,  Himmel  etc.  entivickelten, 
wie  denn  auch  Fick  das  goth.  liimins  (Him- 
mel, cf.  hemmel)  daza  vergleicht,  jedoch  nicht 
damit  identificirt.  Da  nun  aber  dieses  skr., 
send,  a^man  von  der  y  a^  =  idg.  ak  od.  ak 
(beivegen,  od.  ire,  se  movere,  hs.  sich  bewe- 
gen vor,  dringen  vor,  dringen  ein,  dringen 
durch;  erreichen,  erlangen  etc.)  durch  das 
Suffix  man,  ma  tveitergebildet  ist,  tvovon 
auch  lat.  acuo,  aciis  etc.  u.  unser  agge,  egge 
etc.  stammt  u.  demnach  agman  urspr.  tvohl 
ein  mit  scharfen  Kanten  u.  Spitzen 
versehenes  Elioas  bedeutet  hat,  so  Hesse  sich 
germ.  haraara  allerdings  begrifflich  wohl  da- 
von ableiten,  zcährend  die  Form  insofern 
Scliioierigkeiten  macht,  als  liamara  doch  je- 
denfalls durch  das  Suffix  ara  von  einer 
germ.  y  ham  weitergebildet  ist,  die  aus  ag- 
man  od.  kanian  nur  durch  Verstümmelung, 
bz.  Abwerfung  der  Endbuchstaben  an  hätte 
entstehen  können,  ivoran  doch  gewiss  nicht 
zu  denken  ist,  da  germ.  hamara,  loenn  nicht 
älter,  so  doch  ganz  zweifellos  ebenso  alt  u. 
urspr.  ist,  ivie  skr.  agman  u.  das  später 
daraus  versetzte  jüngere  kaman.  Wenn  nun 
aber  dieserhalb  Fick  (111,  64)  germ.  lia- 
mara anscheinend  zur  germ.  y  liam  (wöl- 
ben, krümmen,  umhüllen  etc.,  s.  unter  1  u. 
2  liam)  stellt,  so  würde  es  doch  Bedenken 
haben,  um  hamara  davon  abzuleiten ,  tceil  die 
dafür  nachzmveisenden  Bedtgn.  dieses  Wor- 
tes: malleus  od.  saxum,  rupes  etc.  doch 
schlecht  zu  den  obigen  Bedtgn.  dieser  y 
stimmen.  Meiner  Ansicht  nach  scheint  es 
daher  auch  richtiger  zu  sein ,  bei  diesem 
Worte  von  einer  Vergleichung  mit  skr.  u. 
zend.  Wörtern  ganz  abzusehen  u.  dafür  lie- 
ber eine  germ.  y  ham  etwa  mit  der  Bedtg.  : 
reissen,  spalten,  bersten  etc.  aufzustellen  (cf. 
rupes  u.  rumpo  etc.  von  y  rup,  rump  u.  s. 
unter  1  ham  erstens  das  wegen  einer  allge- 
meinen germ.  y  ham  Gesagte  u.  zweitens 
weiterhin  die  Vergleichung  der  y  lubh  zu 
rap,  rup,  wobei  man  auch  annehmen  kann, 
dass  sich  aus  reissen  einerseits  die  Bedtg.: 
raffen,  rauhen,  nehmen ,  ergreifen  etc.  u. 
andererseits  die  von :  spalten,  brechen  etc. 
entwickelte)  u.  dass  dann  die  Bedtg.:  reis- 
sen, bersten  etc.  toeiter  in  die  von:  bre- 
chen, biegen,  beugen,  krümmen  etc.  über- 
ging, die  ivenigstens  für  1  bis  7  ham  zum 
Theil  zu  Grunde  zu  legen  ist. 

hamern ,    hämmern,    klopfen  etc. ;    he  ha- 
merd  d'r  up,   dat  't  so  'n   ärd  hed;    —   he 


hamerd  dat  wer  toregt  od.  lik,  fast  etc.;  — 
dat  liamerd  mi  in  de  kop  etc.  AucJt  subst. 
(das)  Häinmern,  Klopfen  etc. 
liaiiimer-slag,  Hammerschlag ;  a)  Schlag 
5  mit  einem  Hammer;  —  b)  der  Abfall  od. 
die  kleinen  Fisensplitter,  welche  beim  Schmie- 
den od.  Hämmern  des  glühenden  Eisens  da- 
von abspringen. 

liam-fak,  abgekleideter  Baum  unter  u.  an 

10  dem  überhängenden  Strohdach  (s.  5  ham), 
worin  man  diverse  Sachen  stellt.  —  Wang. 
(Ehrentraut,  I,  372)  honfäk  (eine  Ver- 
längerung des  Daches,  ivelche  gewöhnlich 
eine  kleine  Scheune  bildet. 

15  Hamke,  ml.  u.  lobl.  Name.  Wohl  Kose- 
form (aus  Hamiko  ?)  von  älterm  Hämo  (cf. 
För  Stern  an  n  unter  Ham),  loovon  auch 
der  Geschlechtsname  Ham  in  g  Ider  noch 
vorkommt. 

20  hamiueii,  hacken,  hauen,  beissen  etc.;  h6 
hammd  d'r  dügtig  in ;  —  he  hammd  d'r  'n 
dügtig  stük  üt.  Vergl.  Sthg.  u.  Weiland^ 
unter  hamme,  ham  u.  Adeltmg  unter 
Ha)nmel,  loonach  dieses  Vbm.  icohl  ein  ahd. 

25  hamjan  (verstümmeln,  verschneiden  od.  schnei- 
den, castriren)  od.  hauen,  schlagen,  klopfen 
(cf.  klaphiugst)  voraussetzt,  obschon  man  bei 
ham  (Biss  etc.,  s.  1  ham)  auch  annehmen 
kann,  dass  früher   eine  allgemeine  germ.  y 

30  ham  e.vistirte,  loelche  mit  y  han  (schlagen 
etc.,  cf.  bei  Grassmann  die  y  han  u. 
dazu  skr.  hrd,  härdi  (Herz  =  hart  als  klop- 
f  e n  d e s,  j)  u Isir  endes  Etwas)  von  Hause 
aus  identisch  war.     Vergl.  auch  bei  Grass- 

35  m  a  n  n  das  ved.  hanman  (Hieb ,  Schlag, 
Sioss  etc.),  was  durch  Assimilation  jeden- 
falls leicht  zu  hamman  u.  gekürzt  hamma, 
hamm  (Schlag  etc.)  werden  konnte  u.  wo- 
von, sich  denn  auch  leicht  ivieder  ein  Vbm. 

40  hammen,  hammöu  mit  der  Bedtg. :  schlagen, 
stossen  etc.  bilden  konnte. 
hammerk,  s.  ham-rik. 
lianip,  .<.  hiinp-hamp. 
liauipe,    hamj),    Stück,    Brocken,    Schnitt 

45  etc.;  he  snwU  hum  d'r  'n  dügtigen  hampe 
of;  —  'n  goden  hamp  bröd.  —  Ob  mit 
humpe  (dasselbe)  von  einem  Vbm,.  himpan 
(schneiden),  was  in  ähnlicher  Weise  mit  gcth. 
liamfs  (verstümvielt)  zusammenJiängen  könnte, 

50  wie  liammen  mit  ahd.  ham  (verstümmelt)  ? 
Oder  steht  hampe  für  hamme,  sodass  es  mit 
1  ham  von  Hause  aus  eins  ist?  —  Wenn 
das  goth.  hamfs  urspr.  wie  ahd.  ham  die 
Bedtg. :  verkrüppelt ,  gekrümmt,    krumm  (u. 

55  so  auch:  lahm,  gebrechlich  etc.)  hatte,  so 
könnte  es  mit  himp-hampen,  hampeln,  hum- 
peln etc.  tc.  griech.  kämpe,  kämptö  etc.  u. 
skr.  kapanä  (Raupe,  Wurm,  cüs  die  sich 
biegende  u.  krümmende,  bz.  die  sich  hin  ii. 

60  her  bewegende,  windende)  wohl  zur  y  kamp, 


HAMPEL  26  HAMRIK  HAMMRIK 

kap  gehören,   welche   itrspr.   (s.  unter  liam-  ah  wie  grieeh.  kampe  (Raupe),  kämptö  (sich 

pel)    wohl   die  Bcdtg.:    se  movere   hatte  v.  krümmen   etc.)    auf  die   daraus   abgeleitete 

daraus  auch  die  von :    sich    hin    n.   her  he-  von  :  sich  biegen,  icindcn,  krüminot  etc.,  die 

wegen  (schicingen ,    sclilagcn    etc.),    winden,  icohl  Jedenfalls   auch   dem   goth.    hamfs   (s. 

cappeln  etc.  entwickelte.     Oder  siud  liampe,  5  unter  hanipe)    zu  Grunde   liegt,    wie    desgl. 

luinipe  mit  grieeh.  köptö,  kophös  etc.  u.  lat.  auch  nnserm  himp-liarapen  n.  humpeln, 

cäpo  etc.  verwandt':'  liumpen,  s.  liimp-liampen. 

Iiampel  in  gehampcl,    Gezappel,  frequen-  liamrik,  hannnrik.  haranierik,  hanimerk, 

latives   Beioegen    von    Händen     u.    Füssen,  Hammrich ,    d.  h.  eine  ausgestreckte  Fläche 

vergebliches    od.    kindisches    Bemühen,    nm  10  zusammenhängenden   niedrigen    Wiesenlan- 

Ftwas  zu  ergreifen  u.  zu  erlangen,  icie  dies  des,    welches    an    der    einen  Seite    von    der 

z.  B.  kleine  Kinder  thun,  loenn  sie  mit  den  Geest   u.    an    der    andern  von  der  Marsch, 

Händchen    greifend   wonach  tasten ,    um  es  od.  richtiger  von  dem    angeschicemmten  hö- 

ZH  fassen,  icobei  sie  zugleich  meistens  auch  heren  Kleiboden  begrenzt  i.'it  u.  früher  aus- 

mit   den    Beinchen    zappeln;   dat    gehampel  15  schliesslich   zum   Beweisen,   bz.   als   Meed- 

helpt  (ll  je  (log  nt"'t,    du  kanst  't  je  dog  not  land  gebraucht  wurde,    icährend    in   letzter 

kngen.  —    Wohl  mit  skr.   capalä    (tremens,  Zeit,    in  Folge   besserer  Äbivässerung,   ein- 

vacillans;    vagus,    mobilis  etc.)    zur    ]/  cap,  zeln    auch    Getreidehau    in    diesen    Land- 

camp,  bz.  kap,   kamp   (se  movere,    vacillare,  strichen  stattfindet. 

tremere  etc.,  bz.  vibriren,  unduliren,  auf  u.  20      3Ian  findet  dieser  sog.  „Hammeriche", 

nieder  gehen  etc.,  cf.  himphampen  etc.).  od.     ausgedehnten    u.    zusammenhängenden 

hampel-man,    Hampelmann,  Zappelmann,  Wiesenflächen  in  Ostfriesland  sehr  viele  ii. 

Gliederpuppe    mit  einem  Drath,  womit  man  sind  die  meisten   nach  den  Dorf  cm,  in  de- 

Arme  u.  Beine  /inzieht  u.  hebt,    bz.  sie  auf  ren  Nähe  sie    liegen,    benannt    (wie   z.    B. 

u.  niedergehen  Insst.  25  Bunder-,    Stapclmoor  er  - ,    Wester- 

hampeln,  a)  greifend  hin  u.  her  od.  um-  ender-  etc.    etc.    Hammrich),    ivährend 

herfahren  u.  wonach  haschen,    indem    man  wieder  andere  blos  nach  der  Himmelsgegend 

mit  den  Händen  tastend   in    der  Luft  um-  (z.  B.  Süd  er-.  Oster  -  Hammr  ich  etc.) 

herfährt;   he  hampeld  d'r  na;    —   he  ham-  bezeichnet  werden    u.   viele   auch  ohne  jede 

peld  mit  de  banden  herum;  —  b)  strampeln  30  weitere   Bezeichnung    blos    „Hammr  ich" 

mit  den  Füssen,  sich  sträuben  etc.  =  spar-  od.  hammerk  heissen,   wie  z.  B.  die  Hamm- 

teln ;  he  hampeld  d'r  al  tegen  an.  —    Wohl  rieh    auf  Juist,    bz.    die   zum    Weiden  be- 

zu    hampel.      rf.    auch    ampeln,    ,<(owie    bei  nutzte  Niederung  zwischen  dem  östl.  Haupt- 

Schm.  (bai/r.   Wb.,    II,  221)  happen,  liap-  theil  der  Insel    u.  der  sog.  Bille.    —    Dass 

peln,    wobei    er    auch    auf  hoppen,  hoppeln  35  icir  nun  aber  unter  diesem  Worte  eine  ganz 

(sich    auf  u.  nieder  bewegen  etc.,    cf.    hup-  charakteristische  Gegend  (die    von    Gräben 

peln  etc.  u.  unter  hampel  ivegen  der  y  kap,  durchschnittenen  Hammriehe  sind  im  Win- 

kamp,  sich  auf  u.  nieder  bewegen  etc.)  ver-  ter  meistens  inuttdirt,  fast    gänzlich    baum- 

v:eist,  wonach  happeln  auch  wohl  mit  ham-  los  u.  spärlich  bewohnt,    weil    nur  auf  den 

peln  so  ziemlich  gleichbedeutend  ist,    zumal  40  einzelnen  kleinen  Anhöhen  sich  hin  u.  wie- 

wenn  man  zu  happelig    u.    happeler   loieder  der  Bewohner  ansiedeln  konnten,  die  hattpt- 

das  he.'is.  (Vilmar)  2  hampel  (Ungeschick-  sächlich   Vieh:ucht  treiben)    verstehen,   geht 

ter  Mensch,  Einfaltspinsel),  2  hampelig  ('w?i-  auch   schon    daraus  hervor,    da.ss    wir   von 

anstellig  etc.)  ver^jleicht,   ico   hampel    aller-  Hammr ichsleuten  (cf.  hamriks-löe)  od. 

dings  mit  bayr.  haimpel  etc.  (Einfaltspinsel)  45  Beicohner  der  Hammriehe  im  Gegensatze  zu 

identisch  ist  u.  wobei   man  auch  wieder  an  den  Bewohnern    der    Marsch    u.  Geest    etc. 

unser  himp-hamp,  himp-hampon  u.  humpeln  sprechen  u.  darunter  eben  die  zerstreut  icoh- 

=  bayr.  humpen  erinnert  wird,  wie  ja  himp-  nenden    Landleute    aus     den     Hammrichen 

hampen  ausser   hinken  u.  gebrechlich  verstehen,  die   wegen   ihrer    einsiedlerischen 

gehen    auch    noch:    von    Geschäften,    die  50  «.  abgeschlossenen  Lebensioeise   auch  ihrem 

schlecht  gehen  u.  stümperhaft  betrieben  wer-  ganzen  We.sen  u.  Charakter  nach  sich  sehr 

den  (Pfuscharbeit  liefern)    gebraucht    ivird.  von    den    .sonstigen    Landbeivohtiern    untcr- 

Auch  nhd.  (Grimm,   Wb.,  IV,  322)  ham-  scheiden. 

peln  (zappelnd  u.  ungeschickt  steh  mit  den  Was    nun    aber  die  Zusammensetzung  u. 

Fi'issen   beicegen)    ist    mit    himp-hampen    u.  55  Bedeutung  dieses   Wortes    (KU.   identificirt 

humpeln,  bz.  engl,  himple  (lahm  gehen  etc.)  hammerick    mit  hamme,  ham    [pratum ,    pa- 

ete.  connex,  toonach  denn  auch  unser  ham-  scuum],  während  v.  Richthof  en  das  afries. 

ppln  hiemit  zusammenhängen  kann,  obgleich  hamreke,    homrike,    himrik,    hammerk,  ham- 

ich  glaube,    dass    harapel  eher    auf  die  Be-  merke,  hemmertse,  hemmerik,  liimmerik  mit 

dtg.:  vacillare  dery  kap,  V&m^  zurückgeht,  60  Heim-Mark,  Dorf -Mark  übersetzt  u. 


HAMRIK  HAMMRIK  27  HAMSTER 

diesen)  dann  Stürcnburg,  Seh.  u.  L.  von  seihst  daraus  erldärt  n.  cryleht,  weil  wir 
ti.  Andere  darin  folgen)  betrifft,  so  halte  die  Endungen  rik  )i.  lik,  od.  rieh,  lieh  im 
ich  die  urkundlich  belegte  (s.  bei  v.  Rieht-  gewöhnlichen  Leben  stets  zu  erk  u.  elk  um- 
hofen)  Form  hammerike  für  ein  Convpos.  setzen,  hz.  als  erk  «.  elk  aussprechet!,  toie 
von  hararae  (paseuum,  pratum,  (/.  2  harn)  u.  5  dies  aus  Auerk  (Aurich),  Hinnerk  (Hinrich 
afries.  rike,  rik  (reich,  viel  enthüllend  od.  =  Heinrich),  Folerk  (Fölrich)  ete.,  —  lefelk 
in  sich  befassend  u.  habend,  gross  etc.  od.  (lieblich),  rädelk  fredlich)  u.  hnnderten  von 
rike,  rik  (Reich,  Land  etc.,  cf.  z.  B.  erd-  andern  Beispielen  sich  ergiebt. 
rik,  Erdreich,   Erdboden,   Erde,  Grund  u.  hamriks-land,  hammerksland,   haramers- 

Boden  in  seiner  Gesammtheit  od.  ganzen  10  land,  Wiesen-  od.  Weide-Land,  al>i  Gegen- 
Erstreckung  etc.),  sodass  dann  hammerike  satz  zu  bö-,  klei-,  gast  (Geest)-  etc.  land ; 
entiveder  eine  Fläche  od.  Strecke  bezeichnet,  dat  hammerksland  kan  man  allenfalls  nog  wol 
die  viele  hiimmen  (Wiesen  u.  Weiden)  in  to  de  haferbö  brüken,  manum  d'r  weite  iin  an- 
sich  befasst,  bz.  reich  an  Wiesen  etc.  ist,  dere  Winterfrüchten  up  to  ferböen,  dat  förderd 
od.  wörtl.  soviel  wie:  Wiesen-  u.  Weiden-  15  (erfordert)  dWwQgi  (kögen  harfst  un  wintcr. 
Reich,   -Land,    -Gegend,    -Erstreckung    od.  hamriks-Iue,  hammerkslue,  Leute,  die  in 

-Ort  heisst,  wie  ja  anscheinend  das  Wort  der  Hamrich  (s.  hamrik)  wohnen  u.  deshalb 
riebe  (cf.  F  ör  sie  mann)  auch  als  En-  sehr  abgeschlossen  leben,  wodurch  sie  sich 
düng  von  Ortsnamen  in  der  Bedtg. :  Ort,  demi  auch  selbstredend  von  den  Bewohnern 
Gegend  od.  Strich,  Landstrich  etc.  gebraucht  20  der  Geest  u.  der  Marsch  in  ihrem  ganzen 
wurde  u.  wahrscheinl.  in  dieser  Bedtg.  auch  Wesen  bedeutend  tmter scheiden. 
in  Aur  i c h  (cf.  Auerk  =  alt  Awrik)  ,steckt.  hamster,  Hamster  (mus  crieetus) ;   de  dü- 

Als  Gründe,  die  für  meine  Annahme  u.  ge-  fels  hamsters  nüsseln  (nisten)  dar  achter 
gen  die  Deutung  dieses  Wortes  durch  v.  _  min  tun  in  de  grund  un  fräten  mi  de  wur- 
Richthofen  sprechen,  führe  ich  an:  25  tels  fan  de  lütje  bömen    in  de  bomschöl  an. 

1)  dass,  nach  der  hier  ganz  allgemein  Mnld.  (KU.)  hamester,  hamster;  nid.  ham- 
gängigen  hochd.  Form  Hammrich,  wir  ster ;  anfZ.  hamstra;  a/irf.  hamastro,  hamistro, 
die  ostfries.  Form  hammrik  od.  urspr.  liam-  hamstro.  Die  ältesten  schriftlichen  Quellen 
merike  für  die  richtige  ansehen  u.  dass  hier  bezeichnen  mit  diesem  Namen  den  Korn- 
keiner  dabei  an  eine  Zusammensetzung  von  30  wurm  (curculio).  Die  Bedtg.  ist  vielleicht 
hamm  mit  nhd.  Mark  in  der  Bedtg.  Be-  Nagerin  od.  Schädigerin,  da  clie  Endung 
zirk  od.  umgrenztes  zu  einem  bestimm-  star,  stra  (cf.  ster  in  süster,  wäfster,  ledster 
ten  Dorfe  etc.  gehörendes  Land  (wie  in  etc.)  wohl  mit  Grund  annehmen  lässt,  dass 
Dorf-,  Feldmark)  etc.  denkt  u.  sowohl  das  dieses  Wort  urspr.  weiblichen  Geschlechts 
Wort  Mark  in  dieser  Bedtg.,  als  auch  die  35  roar  u.  auch  die  Kornwürmer  nagende  Thiere 
Compos.:  Dorf-  u.  Feldmark  weder  fr ü-  sind.  Möglicherweise  kann  indessen  hama- 
her  noch  später  je  in  echt  fries.  Landen  stro  urspr.  auch  als  Kornwurm  (od. 
gebraucht  ist,  od.  in  fries.  Schriftstücken  Wurm  überhaupt)  ein  sich  krinnmendes, 
vorkommt;  biegendes  u.  windendes  Thier  bezeichnet  ha- 

2)  dass  diese  Hammriche  genannten  40  ben  u.  dann  später,  weil  die  mus  crieetus 
niedrigeyi  Wiesenflächen,  soiveit  sie  in  der  gleichfalls  ein  Feind  u.  Schädiger  des  Korns 
Nähe  von  Dörfern  liegen  wohl  darnach  ist,  der  Name  hamaiStro  auch  auf  diese  über- 
benannt sind,  um  sie  von  andern  Hamm-  gegangen  sein.  Für  die  Bedtg.:  Thier  was 
riehen  zu  unterscheiden;  indessen  nir-  schadet  ti.  ruinirt  etc.  od.  Thier  loas  sich 
gends  die  ganze  Feldmark  od.  Gemarkung  45  krümmt  etc.  würde  tcohl  in  beiden  Fällen 
derselben  bezeichnen  u.  alle  sonstigen  zu  den  ein  Zusammenhang  mit  ahd.  ham,  ver- 
betr.  Dörfern  gehörenden  Felder,  soweit  sie  stumm elt,  verkrüppelt  od.  urspr. 
höher  liegen  u.  eigentliches  Ackerland  sind,  krumm  (cf.  1  ham,  soioie  4  ham)  anzu- 
nicht  darin  mit  einbegriffen  sind,  wie  denn  nehmen  sein,  während  es  andererseits  auch 
auch  KU,  ebenso  wie  ioir,  unter  hsi.mmenck  50  möglich  ist,  dass  dieses  Wort  wegen  der 
nur  Wiesen-  od.  Weideland  (cf.  hammerks-  auch  vorkommenden  Form  hampster  entwe- 
land)  versteht;  der  direct  mit  goth.  hamfs  (verstümmelt  etc.) 

3)  dass  ham  in  afries.  hamreke  etc.  ganz  od.  tvie  das  griech.  kämpe  (Spannraupe 
gewiss  (nach  mnld.  hamm,  ham  [s.  unter  2  ete.)  u.  kämpe  (Krümmung  etc.)  mit  der  }/ 
ham]  zu  schliessen)  nicht  dasselbe  Wort  ist,  55  kap,  kamp  (s.  unter  hampe)  zusammenhängt, 
wie  nhd.  Heim,  sondern  wie  afries.  ham,  Eine  Entlehnung  aus  kslav.  chomestar  (ani- 
als  Eingefriedigtes  etc. ;  mal  quoddam)  blos  der  Formähnlichkeit  wegen 

4)  dass  die  für  h?immr1k  im  gewöhnlichen  anzunehmen,  scheint  doch  kaum  zulässig. 
Lehen  g ehr axichte  Form  hammerk  (hz.  afries.  Vergl.  bei  Fick,  II,  52  unter  kam  (krüm- 
hammerk,  hamraerke   aus  hamme-rike)    sich  60  men,  wölben)    auch    lit.   kamsz  (einstecken), 


HAMU 


28 


HAN 


kamsza  (Behälter) ,  ob  damit  vielleicht  das 
von  ihm  hamas-tro  gefheilte  deutsche  ham- 
ster  conue.r  ist,  weil  dieses  Thier  Baclcn- 
taschen  hat,  tcoriu  es  Getn-idc  steckt,  um 
es  in  seine  Winter-Vorrathsknmmern  od. 
Gewölbe  zu  bringen  tt.  darin  auf,: idi eben'::' 

hamü,  lautnachahmendes  Wort  zur  Be- 
zeichnung des  Geschreies  der  Kühe  u.  Kid- 
ber,  wie  nhd.  cf.  niü  etc. 

1.  hfin,  Plur.  hanen:  a)  Hahn,  Männchen 
der  Hennen  u.  sonstigen  Vögel;  Dimin. 
häntje,  Plur.  liantjes.  Redensart,  u.  Sprichw.: 
de  rode  liän  (das  Feuer) ;  daher  die  Dro- 
hung: ik  sett  dl  de  rode  hän  up  't  dak;  — 
he  krükeld  tod.  strüfd)  sük  as  'n  hfin;  — 
he  is  so  'n  regt  häiitje  (eitler,  eingebildeter, 
prahlerischer,  vorlauter  Mensch)  ;  —  wen  do 
hän  up  sin  egen  mesfolt  steid,  hed  hö  't 
grötste  regt,  od.  auch:  elkor  h&ii  is  koniuk 
up  sin  egen  mesfolt;  —  sin  hän  is  konink; 
—  dar  kreit  gin  henn  of  luin  na ;  —  war 
'u  goden  lum,  let  de  henn  dat  kreien ;  — 
rik  seien ;  arm  meien ;  dat  land  liörd  de  hän 
uet  kreien;  —  he  flügt  herum  as  'n  hän 
Sünder  kop;  —  he  legd  krumme  eier  as  'n 
hän;  —  b)  männl.  Glied,  peuis,  auch  pit- 
hÜQ  u.  krülhän  etc.  genannt;  —  c)  geboge- 
nes u.  verschliessbares  Zapfrohr.  —  Nd., 
nid.  haan ;  }n>dd.  haen ;  ))ind.  hane;  afries. 
hona;  icfrics.  hone;  nfrics.  lion ;  wang. 
(Ehr  e  ntra  ut,  1,  373)  huune;  ags.  hana; 
an.  hani;  ahd.  liano;  )«/t(/.  hane,  han;  goth. 
liaua.  Das  ahd.  hana  u.  liuon  (Hahn) 
setzen  fast  mit  Gewissheit  ein  verlornes 
Vbm.  hauan,  huon  etc.  mit  der  Bedtg. :  krä- 
hen, schreien,  singen  etc.  voraus,  was  mit 
lat.  cano,  cecini,  cantum,  canere  (singen  od. 
Ton  machen,  Ton  hören  lassen  etc.) ;  griech. 
kanäzö  n.  kanacheö  (rauschen,  schallen,  tö- 
nen, Geräusch  u.  Getöse  machen  etc.) ;  Ut. 
kanklas  (Zither);  skr.  kan ,  kanati,  —  can, 
canati,  —  kvan,  kvanati  (sonare)  zu  einer 
idg.  Schall  nachahmenden  y  kan,  die  tcahr- 
schcinl.  aus  der  Bedtg. :  tönen,  rauschen, 
singen  od.  prasseln,  knistern  etc.  (cf.  sen- 
gen aus  singen)  auch  die  Bedtg.:  bren- 
nen, flammen,  glänzen  etc.,  —  jubeln,  sich 
freuen,  fröhlich  sein  etc.,  —  seine  Stimme 
erheben  zu  Jemandem,  Jemanden  ansprecJien 
um  Etwas,  bitten,  fragen,  begehren,  gierig 
V.  verlangend  sein  (nach  Etwas)  etc.  ent- 
wickelte, icie  Ja  diese  u.  ähnliche  Bedtgn. 
sich  in  der  .skr.   u.  zend.  ]/  kan  Jinden. 

2.  hän  od.  hane,  auchhant,  Schilf,  Schilf- 
rohr; de  ganse  depskant  steid  l'ul  hän  od. 
hänt.  cf.  hanc-bolten.  Dieses  ■'<onst  anschei- 
nend U)d)ekannte  Wort,  wovon  das  kehdin- 
gerlandsche  lieenk  (eine  Art  Schilf,  cf.  Br. 

Wb.,     2.    Nachtrag,    pag.    106),     bz.    nd. 
(Schütze)  liänk  od.  hänke   (eine  Art  gro- 


ben Grases,  woraus  die  stroteemen  od.  Stroh- 
taue gemacht  werden)  möglicherweise  ein 
Dimin.  u.  womit  das  nd.  (Br.  Wb.,  623) 
liennie  (eine  Art  schmalen  Schilfes)  wohl 
5  identisch  ist,  ist  offenbar  mit  lat.  canna 
(Rohr,  Schilf)  u.  griech.  känna  (Bohr)  der- 
selben y  entsj^rossen  u.  könnte,  sofern  meine 
Vermuthung  richtig  ist,  dass  das  goth.  raus 
(Ixohr,    Schilf)     einem     mit    unserm    rusen 

10  iilen tischen  Vbm.  riusan,  raus  (rauschen) 
entstammt  u.  als  das  Bau  seh  ende  (weil 
es  im  Winde  rauscht  u.  säu.selt,  od.  ivenn 
vom  Winde  bewegt,  ein  säuselndes  Ge- 
räusch   macht)    aufgefasst    wurde,     dann 

15  ebenso  wie  1  hän  zur  y  kan  (sonare)  ge- 
Jiören.  Da  nun  aber  die  Wörter  halm  (ca- 
lainns)  u.  hehn  (arundo  arenaria)  aucJi  mög- 
licherweise zur  y  kal  (sonare,  s.  unter  1 
lialm)    gehören    u.    skr.    kanabha   (eine  Art 

20  Fliege)  wohl  auch  wegen  ihres  Singoi^ 
od.  S  u  m  m  e  n  s  (ccrgl.  Br  e  m  e,  Br  am  e 
od.  Bremse  von  brimman  [brummen,  sum- 
sen], Hummel  von  hummen  [sumsen] 
etc.)  der  y  kan  (sonare.  s.  unter  1  hän)  zu- 

25  gelegt  loerden  muss,  so  loäre  es  auch  denk- 
bar, dass  .'sowohl  skr.  kanapa,  eine  Art 
Lanze,  Spiess  od.  Speer,  bz.  eine  Stange 
(sei  es,  dass  dies  urspr.  ein  Bambus-  od. 
ein  anderes  Rohr,  mit  einer  daran  befestig- 

30  ten  Spitze,  loar  [cf.  auch  griech.  kanön, 
Stange,  wovon  Kanon,  kanonisch  etc.,  als 
wahrschei)d.  mit  känna  verwandt,  sowie 
aucJi,  känabos  od.  käunabos,  Stange  od.  Stock, 
um  ivelchen  die  Künstler  eine  Figur  in  T'hon 

35  od.  Wachs  modellirtcn  — ■  u.  ferner  zu  der 
y  kan,  rauschen  etc.  auch  kanäzö,  rauschen, 
Geräusch  machen  etc.],  od.  dass  diese  wohl 
als  Wurfwaffc  gebrauchte  Lanze  ihren  Na- 
men daher  hat,  xveil  sie  sowohl  beim  vorab- 

40  gehenden  Schwingen  um  das  Haupt,  als 
auch  beim  .'schnellen  Fliegen  durch  die  Luft, 
ebenso  tvie  die  kanabha  genannte  Fliege, 
ein  .mausendes  u.  schwirrendes  Geräusch 
machte),  als  auch  lat.  cannabis,  griech.  kän- 

45  nabis  (cf.  liemp)  derselben  ]/  angehört,  sei 
es,  dass  man  dieses  G-ewächs  deshalb  so  be- 
nennt, weil  es  ebenso  wie  scJiilf-  u.  rohrar- 
tige Gewächse  im  Winde  rauscht  u.  säuselt, 
od.    dass   man    es   tvegen    seiner   groben  ». 

50  liohlen  Stengel  überhaupt  als  ein  rohrartiges 
Gewächs  auffasste  u.  so  kännabis  von  dem 
Stamm  Icänna  weiter  bildete,  mit  ivelchem  die- 
ses Wort  doch  jedenfalls  formell  zusammoi- 
hängen  muss  u.  wovon  es  lautlieh  gar  nicht 

55  zu    trennen    ist. 

Wegen  der  Möglichkeit  der  Ableitung  von 
kan  (rauxchen.  tönen,  singen)  vergl.  auch 
unser  pipe  (Rohr,  Röhre ;  Pfeife)  von  pipen, 
bz.  einer  redupUcirten  y  pi  als  Onomatopöie 

üO  des  damit  bezeichneten  Lautes. 


ÖAN-BALK 


29 


HAND  HANT 


häu-balk,  s.  hauebalke. 

liun-bolte,  *■.  hanebolto. 

hand,  baut  (Piur.  banden,  hanneu),  a)  Hand. 
Redensart,  u.  SpricJav. :  bi  df;  liand  wesen, 
parat,    anwesend,     anfgeslanden  sein   etc.; 

—  bi  de  band  hebben,  bei  der  Hand  zu 
fassen  haben,  —  zur  Hand  od.  parut  ha- 
ben etc.;  —  to  hand,  zur  Hand,  nach  der 
Hand  hin,  handgerecht,  bequem  etc. ;  't  ligd 
mi  net  to  liand ;  —  to  hauds  ptird,  das  zur 
Linken  gehende  Pferd,  bz.  das  Pferd,  locl- 
ches  Eitlem  zur  linken  Hand  geht,  so  ge- 
nannt, weil  die  linke  Hand  den  Zügel  hält 
u.  deshalb  das  links  gehende  Pferd  dieser 
Hand  am  nächsten  geht,  weshalb  denn  auch 
fau  hand  u.  fau  hands  ptiid  den  Gegensatz 
von  to  hand  u.  to  hauds  perd  ist  u.  auch 
oft  das  links  gehende  Pferd  einfacJi,  de  to- 
hand  u.  das  rechts  gehende  de  fauhand  ge- 
nannt wird;  —  de  töe  hand,  die  zue  od. 
geschlossene  Hand;  —  liand  to !   Hand  zu! 

—  't  ligd  för  de  hand,  es  liegt  vor  der  Hand, 
bz.  es  ist  greif- ,  fass-  u.  sichtbar  od.  klar 
u.  selbstverständlich;  —  för  de  liand  weg, 
vor  der  Hand  iveg ,  od.  der  Reihenfolge 
nach;  —  wat  under  d'  banden  wesen  od. 
hebben,  in  Arbeit  sein  od.  haben;  —  wat 
um  d'  hand  hebben,  od.  wat  um  d'  banden 
hebben ;  —  a)  Etwas  mn  die  Hand  (od. 
Hände)  haben,  —  b)  sielt  mit  Etwas  be- 
fassen u.  beschäftigen ;  —  nu  up  hand  (Jetzt 
nach  gerade)  könen  wi  sen,  dat  't  förgels 
geid ;  —  dat  ligd  up  de  hand,  das  liegt  auf 
der  Hand,  bz.  das  ist  sichtbar,  klar  u. 
selbstverständlich;  —  in  od.  üt  de  band  fal- 
len, mehr-  od.  iveniger  sein  als  man  erioar- 
tet,  —  dem  Erwarten  wohl  od.  nicht  ent- 
sprechen; —  wat  in  de  hand  gäfen,  a)  Je- 
mandem Etwas  in  die  Hand  geben;  —  b) 
Jemandem  beim  Wiederverkauf  Etwas  zu- 
geben  auf   den  Preis,   wofür  er  es  erstand 

—  ihm  dabei  einen  Profit  geivähren;  — 
dar  is  fnl  mit  in  de  hand  to  nemen,  da  ist 
viel  mit  zu  thun  u,  zu  besorgen  etc. ;  —  'n 
sake  in  de  hand  nemen ,  eine  Sache  in  die 
Hand  nelimen,  um  sie  zu  besorgen  u.  aus- 
zuf echten  etc.;  —  wat  achter  de  hand  heb- 
ben, etwas  in  Reserve  haben;  —  to  hauden 
kamen,  icohin  gelangen,  wo  ankommen,  sicJi 
ein-  od.  wiederfinden,  zum  Vorschein  kom- 
men etc. ;  —  fan  banden  kamen ,  wegkom- 
men, verloren  gehen  etc. ;  —  hand  afer  hand, 
die  eine  Hand  abwechselnd  über  die  an- 
dere; —  'n  apen  band,  eine  offene  od.  milde 
Hand;  —  dat  geid  göd  fan  de  hand,  das 
geht  gut  von  der  Hand  od.  gut  von  Stat- 
ten, bz.  ohne  Stocken  u.  Aufenthalt ;  —  fau 
de  hand  in  de  tand ,  od.  fau  de  hand  in  de 
mund  gän ,  den  täglichen  Verdienst  sofort 
verzehren)  —  de  fiitige  od.  auch  de  sünige 


(sparsame)  hand  geid  dör  't  ganse  land;  — 
de  stadige  band  wind ;  —  dat  is  so  gesund 
as  'n  hand  ful  schoaagels ;  —  junge  lue 
mutten  bi  de  hand  wäseu  as  'n  scböbörssel; 
5  —  man  mut  de  banden  sülfen  an  de  plög 
slän,  wen  't  god  fürüt  gän  schal ;  —  smit  't 
kanntn  fan  dl  uu  dö  't  mit  d'  bannen  (wirf 
das  Können  von  dir,  bz.  sprich  nicht  vom 
Können,  sondern   thu  es  mit  den  Händen); 

10  —  spej'  in  d'  hand  un  wer  dt;  —  föle  ban- 
den maken  .'igt  wark;  — man  kan  gen  isder 
mit  banden  bräken;  —  mit  banden  uu  tan- 
den  fastholden ;  — 

1))  Handschrift,    Namoisunterschrift ;    he 

15  Schrift  'u  goden  band;  —  sett'  din  hand 
d'r  äfen  under;    — 

c)  im  Compos.   allerhand    lebt  auch  noch 

die  Bedtg. :  Art,  Sorte  etc.  des  mhd.  hant  fort. 

Nd.,  lud.,  mnld.  hand ;  mnd.  hand,  handt, 

20  hant;  afries.  hand,  hond;  wfries.hkwA.,  hau; 
nfries.  hond;  satl.  hand;  as.  hand;  ags.  hand, 
hond;  engl,  hand;  an.  hönd;  norw.  hand, 
aucJt  hond  ;  schwed.  hand ;  dä7i.  haand  ;  ahd. 
hand,  hant;    mhd.  hant;   goth.    handus.    — 

25  Es  lüird  von  Schleicher  von  goth.  hin- 
than,  hanth,  hunth  (capere)  abgeleitet,  wo- 
nach denn  die  goth.  Form  eigentlich  han- 
thus  lauten  müsste  u.  man  auch  in  den  an- 
dern alten  Sprachen  ein  auslautendes  th  er- 

30  warten  könnte.  Fick  stellt  (III,  60  seq.) 
für  hinthan  (erjagen,  fangen)  eine  germ.  y 
hath  (jagen,  treiben)  =  skr.  gat,  idg.  (I, 
56)  kat  auf,  die  er  als  eine  FoHbildung 
von    kä  (schärfen,  wetzen),  bz.  kan  (stechen 

35  etc.)  ansieht  u.  tvozu  er  ausser  hinthan 
aiicli  ags.  headhu  (Krieg ,  Kampf) ,  galt. 
catu  (Kampf) ,  skr.  gatru  (Feind),  griech. 
kötos  (Groll,  Zorn),  lat.  catax  u.  cateua  ver- 
gleicht, icährend  M.  He yne(G r i m m,  Wb. 

40  IV,  327)  hinthan  zu  skr.  c'at  (verbergen), 
bz.  (G rass m a n n)  cat  (sich  verstecken  od. 
verbergen)  stellt. 

Dass  darnach  aber   die   Etgmologie  von 
hinthan    u.    hand    (cf.    auch    H.  Leo,   189 

45  hand  von  hindan  [capere  etc.]  u.  dies  von 
skr.  y  hud,  colligere)  sowohl,  als  auch  die 
der  andern  obigen  Wörter  (z.  B.  die  von 
lat.  catena  [was,  sofern  band  die  fassende 
u.  greifende    ist    u.    hinthan    urspr.    die 

50  Bedtg.:  greifen,  fassen,  fangen  etc. 
hatte,  tvohl  in  der  Bedtg. :  Fessel  etc.  damit 
ivurzclhaft  verwandt  -Hein  könnte])  sehr  un- 
sicher ist,  muss  Jedem  eijileuchten  u.  könnte 
man.  sogar  auf  den  Einfall  kommen,  um  für 

55  hinthan,  band,  hund  u.  huuderd  (==  lat. 
centum,  skr.  (;ata  etc.)  eine  y  gat  od.  kat 
mit  der  Bedtg. :  greifen,  fassen,  halten,  fan- 
gen, fesseln,  binden,  festmachen,  vereinigen, 
zusammenfassen  etc.   anzusetzen ,    da   es  ja 

60  sehr  leicht  möglich  ist,  dass  gata  urspr.  nur 


HAJJD-ARBEID 


30 


HAND-GEMEN 


die  Bedtg.:  Menge,  Viel,  Haufe  etc.  od. 
Vereinigtes  h.  Zusammengevuithtes  etc.  hatte, 
da  es  doch  schwerlich  anznnehiitoi  ist,  dass 
das  ]Vort  rata  wirklich  aus  daran  (deccm) 
entstand.  Zu  band  u.  goth.  biuthau  etc. 
vergl.  noclt :  afries.  hauda,  heuda  (fangen), 
heudt?,  heudene  iGefängniss) ;  ags.  heiitan 
(capere,  iiisequi) ;  an.  heuda  (mauibus  jac- 
tare,  apprebeudere) ;  mhd.  verbunden  (fan- 
gen, greifen),  sowie  ]\'eiteres  auch  noch 
unter  huud  u.  wegen  band  als  Greifer 
etc.  od.  auch  vielleicht  Halter  das  aind. 
(IS cht e i c h e r,  Chrest. ,  ti4)  päni  (Hand), 
ica^  wohl  mit  lat.  panis  zur  y  pi,  pa  od. 
pä  (fassen,  greifen,  halten,  schützen,  erhal- 
ten, ernähren  etc.)  gehört.  Desgl.  vergl. 
auch  lat.  raanus  u.  ahd.  muud  (Hand, 
Schutz  etc.,  cf.  förmuud  etc.),  welche  Wör- 
ter auch  wohl  auf  eine  y  man  (greifen, 
halten  [halten  bei  sich,  behalten,  nicht  ver- 
gessen, sich  erinnern  etc. ,  —  halten  wo, 
bleiben  ico,  sich  aufhalten  etc.,  cf.  die  Wör- 
ter unter  mau,  meu  etc.]  schützen  etc.)  zu- 
rückgehen. 

liaud-arbeid,  Handarbeit. 

haad-bred,  a)  handbreit ;  'n  baudbred  stük; 
—  b)  Handbreite;  du  must  d'r  'n  bandbred 
fau  blifen. 

haiid-bredte,  Handbreite.  —  Xld.  band- 
broedte. 

liand-dadig,  thätlich,  handgreiflich,  augen- 
scheinlich, icirklich  etc.;  dat  is  bauddadig 
(thätlich,  handgreiflich  etc.)  de  fal ;  —  be 
hed  dat  bauddadig  dän.  —  Vergl.  afries. 
hauddedig  (hand-thätig) ,  bz.  banddediga 
(Thäter);  nid.  band-dadig  (mitschuldig), 
bauddadiglitid  (Mitschuldigkcit ,  Complici- 
tüt) ;  ofries.  (0.  L.  B.,  pag.  '^36)  hautda- 
dige  (der  [wirkliche]  Thäter,  od.  der  auf 
der  ITiat  Ertappte);  mnd.  (Seh.  u.  L.) 
bantdadicb,  -dedicb  (von  einem  Thäter,  be- 
sonders der  auf  der  That  ertappt  ist ,  bz. 
einer  That,  wobei  man  ertappt  wird,  frincher 
That)  u.  nd.  (D ahn  er  t)  bauddäder  (der 
loirkliche  Missethüter,  od.  derjenige  welcher 
auf  der  That  ertappt  wird)  etc. 

Iiand-dük,  liandük,  Handtuch,  Wischtuch, 
Tuch  ivomit  man  sich  die  Hände  wäscht  u. 
abtrocknet. 

haudel,  hannel,  Handel;  dat  is  'n  siegten 
haudel  (ein  schlechtes  Thun)  tau  bum;  — 
se  bebben  liOr  baudel  (Sache,  Streitsache) 
mit  'nander  fereftent;  —  se  bebben  'n  liau- 
del  (Geschäft  etc.)  mit  'nauder  ofsbiten ;  — 
se  sunt  mit  'nander  bandelseus  worden  ;  — 
be  drilt  'n  ütgebroid'den  bandel;  —  dar  is 
ffil  bandel  un  waudel.  —  Zu  baudein  (s.  d.), 
bz.  einem  mit  afries.  banda  etc.  (s.  unter 
band)  identischen  ahd.  bantou  od.  baudjan, 
mit  der  Bedtg.  manibus  tractare,  prebendere 


etc. ,  wonach  bandel  urspr.  dasjenige  be- 
zeichnet, was  mit  den  Händen  betrieben 
wird,  al'io  Arbeit,  V  er  r  iclitung  etc.  u. 
zwar  namentlich  eine  anhaltende  u. 
5  dauernde,  tcie  ja  handeln  eigentlich 
ein  Freq.  von  bantön  od.  bandjaa  ist.  Die 
verschiedenen  Compos.  als  baudelbar  etc. 
etc.  xcie  im  Deutschen. 

handeln,  hannein,   handeln,  eine  Thätig- 

10  keit  ausüben,  thun  etc.;  he  bandeid  siegt 
tegeu  siu  olders;  —  Handel  od.  Gesc/uifte 
treiben  etc. ;  be  handeld  na  de  westiujes 
(nach  Westindien),  bz.  mit  rogge  etc.;  — 
dingen,   feilschen,    unterhandeln    etc.;    dat 

15  handeld  sük  d'r  um,    ot'  ik  dün   sal  of  net; 

—  ik  lüt  nich  mit  mi  baudein ;  —  be  han- 
deld um  'n  Örtje;  —  be  bandelde  mit  bum 
afer  sin  perd  etc.  —  Xld.  bandelen  ;  afries. 
baudelja;    wfries.    bauueljeu,    banljen;    ags. 

20  baudijan ;  an.  böudla  (manu  tractare) ;  ahd. 
bautalöu,  bantolon ,  baudelöu;  inhd.  hande- 
len,  handeln  (mit  der  Hand  greifen  u.  fas- 
sen, berühren,  betasten;  behandeln ;  bewir- 
then;    —    refl.  sich   verhalten;   verhandeln; 

25  handeln,  thun,  treiben);  s.  unter  baudel. 

banden,  bannen,  (der  Hand)  pa^vseH  u. 
gut  auskommen,  handgerecht  sein,  bequem 
u.  geschickt  liegen  etc.;  dat  wark  bandt  mi 
net  regt;   —  dat  kau  bum  net  bannen  (pas- 

30  scn) ,  dat  he  dat  deid ;  —  dat  laud ,  bz.  de 
pläts  bände  (bandedc,  bannede)  bum  siegt 
(das  Land,  bz.  der  Hof  lag  ihm  unbequem 
u.  schlecht) ,  darum  bed  he  d'r  6k  fan  of- 
aen ;  —  de  plog  bandt  bum  göd    (der  Pflug 

35  ist  ihm  so   recht    handgerecht    u.    bequem) ; 

—  dat  perd  handt  bum  net. 
hand-ferdi^,  heiid-fei-dig,  handfertig,  fer- 
tig u.  geschickt  mit  der  Hand,  geschickt  u. 
jjassend  für  die  Hand,    nicht   zu   gross   u. 

40  schwer  etc. ;  be  is  regt  baiidt'erdig  in  sin  ar- 
beid;  —  dat  is  so  'n  regten  haudferdigen  plög; 

—  he  bed  dar  so  'n  möi  bandferdig  perd. 
liand-gau,  handschnell,   rasch   od.   schnell 

mit  der  Hand  parat,    um   zu  greifen,  fas- 

45  sen,  zuzufassen  od.  zu  arbeiten,  daher: 
flink,  behende,  rasch  bei  der  Hand  etc. 
u.  auch :  tinverschämt  im  Zugreifen,  gie- 
rig,  räuberisch,  diebisch;  he  is  mi  föls 
to  bandgau,  as  dat  ik  mit  min  arbeid  tegeu 

50  lium  klär  worden  kan  ;  —  du  must  net  al- 
tid  so  bandgau  wesen  un  altid  toerst  in  de 
kumin'  Sitten.  —  Nid.  baudgauw. 

hand-geld,  Handgeld,  Geld  welches  man 
Jemandem    als     Unterpfand     in    die    Hand 

55  zahlt,  wie  z.  B.  den  Dienstboten  beim  Mie- 
then  derselben,  od.  auch  sonst ,  wodurch 
denn  der  Coutrakt  als  abgeschlossen  gilt : 
he  bed  'n  daler  baudgeld  kregen.  cf.  haud- 
pennink. 

60      haud-geuien,  handgemein ;    sc  sunt  band- 


HAND-GEREGT  31         HAND-TERING  HAND-TAERING 

gemen   mit   'nander   worden    uu  liebbcn  sük  od.  Angeld,   s.  B.  hei  Dienstboten  zur  Be- 

dügtig  mit  'uander  herumhaueu.  Siegelung    des   Dienstvertrages;    wen   du  de 

hand-geregt,  handgerecht,  der  Hand  recht  haiidpennink  nameu  best,    den    bist   du  fast. 

«.  passlich  etc. ;  dat  ligt  mi  ntU  handgeregt,  hauds ,    handgemäss    od.    bequem    u.    ge- 

du  miist  nu  dat  an  de  andere  sid  leggen.  5  schicld  für  die  Hand ;   dat  is  (od.  ligd)  na 

hand-griplik,  liandgripelk,  handgreiflich,  hei  net  regt  hands. 

mit    der  Hand  zu  greifen,    greifbar,    offen-  haud-säni,   für  die  Hand  passend  u.  be- 

bar ;  he  is  handgripelk  mit  hum  worden;  —  quem,  bequem  u.   leicht  zu  behandeln  u.  zu 

dat  is  je  handgripelk,  dat  he  dat  dän  mutt  (V/e-  gebranchen  etc. ;    'n   handsäm    perd;    —    'u 

miisst)  hed;  —  dat  is  'u  handgripelken  logen.  10  handsäm  stük  refe  (Geräth,   Werkzeug) ;  — 

liand-hafen,    handhaben,   mit   der   Hand  handsäm  wer    (brauchbares,  passendes,    be- 
bewegen u.    regieren,   gebrauchen,    ausüben  quemes,   gelindes    Wetter).    —    Nid.    hand- 
ele. ;    he  wet  de  pl6g  god  to  bandhafen ;  —  zaam ;  engl,  handsome. 
he    bandhäfd  (gebraucht,   übt   aus,    verthei-  handsei,  hanssei,    Handhabe,  Handgriff, 
digt  etc.)  sin  regt.  15      handske,  hanske  (Plur.  handskes),  Hand- 

handje,    hantje,    handke,     Händchen;  schuh.      Compos.     finger-,     füst  -  handske. 

mantje !    mautje !    war   din  liantje ;  —   hold  Sprichw. :    in   de   hörn    bl    't   für    sunt    de 

dm  handje  üt  't  kantje  (Kännchen).  handskes  up  't  wärmste;    —    he  is  'u  kerel 

handje-formeier,  ein  vorgreifender,  vor-  as  'n  natten  handske  (er  ist  ein  Wasch- 
eiliger Mensch,  der  überall  der  Erste  im  20  läppen);  —  unse  lefe  Herr-Gods  hands- 
Zugreifen  ist  (z.  B.  des  Mittags  bei  Tische  kes  sliten  uoit  un  kosten  hei  gen  geld.  — 
gleich  zuerst  in  die  Schüssel  führt)  u.  sich  Afries.  handschoch;  nfries.  handsche;  nd. 
voreilig,  tmberufen  u.  unbesonnen  in  Alles  handske,  hanske;  mnd.  bausche,  hantske, 
hineinmischt;  du  must  net  altid  de  handje-  hantschu,  bantscho;  nid.  handschoen ;  an. 
förmeier  wesen,  wen  't  äten  up  de  disk  25  hginzki;  schwed.,  dän.  handske;  ahd.  hant- 
kumd;  —  he  wil  aferal  uu  in  alle  saken  de  scuoh,  hautscöh,  hantscuah ;  mhd.  haut- 
handjeförmeier    wesen ;    —    't    is    'n    regten  schuoch. 

lütjeu  handjeförmeier,    de   aferal   beninprotd  hand-slag,    Handschlag,    Schlag   in    die 

un    alles    bäter    weten    wil ,    as   ander'   lue.  Hand,  Handschlag   als  Zeichen  fester  Ver- 

Wahrscheinlich  steht  handje  für  bausje,  so-  30  Sicherung  etc. ;    he    hed   hum   sin    handslag 

dass  es   wörtl.    „Häuschen- Vormäher"    he-  d'r  up  gefen,  dat  't  erlik  war  is;  —  wi  beb- 

deutet.  ben  dat  mit  'u  handslag  bekrachtigt. 

handje-plakke,  handje-plak',  ein  flaches  hand-spake,  handspak,  handspeke,  Hand- 
dünnes längliches,  vorne  ovalf&rmiges  Brett-  Speiche,  starker  Stock  zum  Aufwinden  des 
chen,  von  der  Länge  eines  gewöhnlichen  35  Schiffsankers,  od.  auch  überhaupt  eine 
flachen  Lineals,  welches  früher  in  den  Schu-  Speiche  (cf.  spake,  speke),  die  man  mit 
len  als  Strafwerkzeug  gebraucht  wurde  u.  der  Hand  führt;  he  böe  (hauete,  schlug) 
womit  der  Lehrer  den  Kindern  in  die  hum  mit  de  baudspäk  afer  de  juken,  dat 
flache  Hand  klappste  od.  plaktjes  (Klappse)  hum  hören  un  sen  fergung. 
gab.  40      hand-spör,  Handspur;  man  kan  Bin  hand- 

handig,  bannig,  a)  händig,  mit  Hand  sporeu  aferall  up  sen. 
versehen  od.  Hand  habend  u.  besitzend;  hand-stüfer  (Handstüber),  ein  Stüber  od. 
en-,  twehandig;  —  b)  passend,  geschickt,  kleines  Stückchen  Geld  für  die  Hand  zum 
handfertig,  behende  etc. ;  dat  land  ligd  mj  täglichen  Gebrauch,  od.  auch :  ein  kleines 
regt  handig ;  —  dat  kumd  mi  fan  dage  regt  45  Stück  Geld  od.  ein  kleines  Geldgeschenk, 
handig  üt ;  —  dat  is  'u  hannig  äteu ;  —  he  welches  man  Jemandem  in  die  Hand  drückt, 
is  d'r  regt  händig  bi  dön;  —  dat  is  'n  ban-  tan  davon  vor  der  Hand  zehren  zu  kön- 
nigen jung'  (ein  behender,  geschickter,  brauch-  nen ;  he  hed  altid  nog  so  'n  handstüfer  agter 
barer  Junge) ;  —  he  is  fSl  banniger,  as  ik  de  band ;  —  he  hed  hum  'n  lütjen  hand- 
dogt  harr'.  —  Nid.  handig ;  nd.  handig,  bän-  50  stüfer  mit  up  de  reise  gefen. 
dig ;  mnd.  handich  ;  engl,  handy  ;  goth.  hau-  hand-teken,  Handzeichen  (Chirographum), 
dugs  (geschickt,  klug  etc.) ;  an.  höndugr  (be-  eigenhändige  Unterschrift,  bz.  die  3  Kreuze, 
hend,  geschickt  etc.).  cf.  die  Compos.  of-,  un-  die  ein  Schreibensunkundiger  unter  ein  Do- 
handig  etc.  _                ^  cument  setzt,  statt  deren  in  früheren  Zeiten 

handigheid,    hannigheid,     Behendigkeit,  55  auch  die  eigene  Haus- od.  persönliche  Marke 

Geschicklichkeit  etc. ;  dat  wicht  hed  fan  hau-  zu  diesem  Zwecke  verwandt  wurde. 

digheid  hast  net  hörs  glikeu.   —   Nid.  ban-  hand-tekning,    handteknen,    a)    Hand- 

digheid.     cf.  goth.   handugei    (Geschicklich-  Zeichnung,  Zeichnung  aus  freier  Hand;  — 

keit,  Klugheit).  b)  i.  q.  handteken. 

hand-pennink ,   Handpfennig,   Handgeld  GO      liaud-tering,    hand-täring,    hand-tären, 


HAND-WARK 


32 


HANGEN 


(Handzehrung),  ein  kleines  Stück  od.  Sümm- 
chen Geld,  icelches  man  Jemandem  gieht, 
um  davon  für  eine  kurze  Weile  wehren  zu 
können:  hO  hed  hiim  'n  haücltarcfi  mit  up 
do  we^  güfeii ,  dat  he  erst  ^n  bitjed  hed, 
war  he  ffin  tiireii  kan. 

Iiantl-wark,  Handwerk,  Werk  od.  Ge- 
icerbe,  Geschäft  ttc.  icas  man  m/t  der  Hand 
betnibt:  he  schal  "n  handwark  leren  uu  gen 
kremer  of  biir  etc.  worden.  Sprivhw. :  „alle 
liandwarkeu  sunt  snierig",  siv  de  snlder,  do 
smet  he  'n  stük  laken  in  de  hell";  —  'n  göd 
handwark  niird  altid  slu  man  ;  —  dat  hand- 
wark sükd  wol  insen,  man  't  starft  net;  — 
de  erst  üt  't  supen  un  't  swirn  'n  handwark 
mäkd,  is  bold  ferlütd ;  —  twalt'  handwarken 
(od.  ambarhten)  un  dartein  unglükken. 

haiul-warker,  Handwerker. 

hand-warksinan,  Handwerksmann,  Hand- 
werker. 

liand-wiser ,  liand-wisdor,  Handweiser, 
Wegweiser ,  Ffahl  mit  einer  ausgestreckten, 
die  betr.  Eicht ung  anzeigenden  Hand. 

hand-wii'St,  haiidwri.st,  liandwriust,  ((). 
L.  li.,  pag.  756),  handriist,  Handwirbel ; 
s.  wirst  etc. 

hane-balke,  hänbalk,  hambalk,  Huhnen- 
halken,  bz.  der  oberste  Quer-Balken  od.  die 
Holzstange,  ivelcher  die  beiderseitigen  Dach- 
sparren mit  einander  verbindet  u.  sie  stützt, 
damit  sie  nicht  durchbiegen  können;  gode 
hänbalken  in  't  hiis  maken  't  dak  stefig ;  — 
de  balkhase  (Katze)  spriugd  in  de  haue- 
l)alken  herum.  —  Nd.  hauebalken ;  mnd. 
hanenbalke  (auch  hanebande,  hanebende  u. 
haneuboom) ;  nid.  hanebalk ;  mnld.  haen- 
balck;  dän.  hanebjelke;  nfries.  honcbulk. 
Die  mnd.  u.  mnld.  Formen  sprechen  wohl 
eher  für  die  allgemein  angeiiommene  An- 
sicht, daxs  dieses  Wort  mit  Hahn  (gallus) 
zusammengesetzt  ist  (weil  die  Hähne  u. 
Hiih)ier  sich  des  Abends  darauf  setzen), 
a Is  dafü r  (cf.  H  a  li  nebalkc  n  im  G  r  i  m  m'- 
schen  Wb.,  iconach  auch  die  Form  Hain- 
balken vorkömmt),  dass  dieses  Hahn 
wie  in  Ha  h  n  bliche.  Ha  h  n  b  ü  1 1  e  (bz. 
Hainbuche)  aus  hagen  contrahirt  tvurde 
lt.  ursjjr.  Busch  holz  od.  kurzes  Holz 
bedeutete,  im  Gegensatz  zu  den  langen  Daclt,- 
sparren,  icozu  nur  gerade  u.  schon  ziemlich 
herangewachsene  Bäume  verwandt  werden 
können  ii.  loonach  allerdings  so)isl  die  An- 
nahme, dass  Ha  hncbal k  e  n  ursjjr.  soviel 
V)ic  hagene-balken  (Buschholz -Balken  od. 
Buschliolz-Stange)  bedeutet  habe,  sehr  viel 
für  sich  hat.  Vergl.  dicscrhidb  auch  hage- 
büken  in  der  Bedtg. :  verkrüppelt,  klein, 
schwach,  halbwüchsig  etc.  Nach  dem  schwed. 
höns-wagn  (Hahnebalken)  u.  engl,  cockloft 
(dasselbe)    scheint    es    indessen    zweifellos, 


dass  dieses  wohl  urspr.  nd.,  fries.  Wort  mit 
hän  (gallus)  zusammengesetzt  ist. 

liaiie-bolten,  hauboiton,  hainbolten,  dir 
essbaroi  Kalben  (bolteu)  des  an  den  Seiten 
5  (7er  Teiche  wachsenden  Schilfs  od.  hau  (s. 
2  hän).  —  Hdlp.,  frics.  hacmbollen. 

haiu'-löt,  lianfüt,  hanepöt,  haiipöt,  Hali- 

nenfuss ;    a)   der  Fuss    des  Hahns;   —    bj 

Ackerspörgel ;    —    c)    Baiiunkel,    besonders 

10  der  Gifthahnenfuss,  auch  düfelsbit  genannt ; 

—  d)  der  hah)ienfussförmige  Fisenbeschlug 
auf  einer  Schuppe,  wodurch  das  Blatt  der- 
selben an  dem  Stiel  befestigt  ivird;  —  e) 
(fig.)    ein    sich    .spreizender,    eitler,    stolzer 

15  j\Iensch;  't  is  'n  regten  liäupot  l'an  'n  kerel. 
liaiie-kam,  haiienkani,  häiikain,  Hahnen- 
kamm; a)  Kamm  des  Hahns;  —  b)  Xaiiir 
mehrerer  Pflanzen ,  wie  z.  B.  von  rhinan- 
thus  erista  galli,  od.  Läusekraut,  des  Sumpf- 
20  läusekrauts  (pedicnlaris  pal.),  welches  Letz- 
tere liier  auch  hanekop  heissf. 

liaii^".  hank,    Hang,    Neigung   etc.;   hang 
to  't  supen ;  s.  hangen. 
liangel-böue,   Dimin.    bangelbontje,    ein 
25  kleiner  Boden   od.    hölzerner    Verschlag    (s. 
bön),    der   tinter   den    Hauptbalken    ange- 
bracht u.  an  diesen  mittelst  der  Seitenwände 
befestigt  ist,  sodass  er  a)i  den  Balken  hängt; 
du  must  mi  de  trap-ledder  llfen  bi  't  hangel- 
30  böntje  setten,  ik  wul  d'r  wat  appi'ls  upbren- 
gen.  —  Mnd.  (Seh.  u.  L.)  liangelbone. 

haugel-boi'd,  ein  an  dem  Boden  hängen- 
des Bord. 

bangel-pereii,  eine  grosse  längliche  Birne 
35  mit  langem  Stiel. 

hangel-schap,  ein  hängender  Schrank. 
hangel-slöt,  ein   Vorhängeschloss. 
liangen  (hung,  hangen),   hange)i,  hängen; 
hang  't  up  de  spiker,    od.  an    de  balke;    — 
40  he    hung    de    mantel    an    de  spiker;  —    de 
mantel  hangd    au  de  spiker ;    —    he    bangd 
au  de  galge ;    —     de    sterens   hangen   an  de  f 
hemrael ;  —  dat  hangd  in  de  lücht ;  —    dat 
hangd  in  d'  wind  to  drögon ;    —    he   hangd 
45  tüskeu  beiden    (er    hängt   zwischen   Beiden 
in,  (fig.)  er  sclnoankt  zwischen  Beiden);  — 
dat    kled    hangd    bit  up    de    grund ;  —  dat 
hangd  in  de  höchte;    —    dat   hang  hendäl; 

—  he  is    ferördeld    um    to    hangen ;    —    de 
50  böm  hangd    t'ul    appels;    —     he    is    hangen 

(gehangen  od.  erhenkt);  —  he  mut  hangen, 
dat  he  swart  word ;  —  de  böm  (de  mür, 
dat  hüs  etc.)  hangd  na  't  westen ;  —  de  ap- 
pels  hangen  an  'nander  (sind  gegenseitig  mit 

55  einander  verbunden,  od.  auch:  hängen  diclit 
zusam)n6n) ;  —  all'  wat  smerig  is.  hangd  (klebt) 
an ;  —  de  klci  hangd  en  an  de  toten ;  — 
dat  hangd  d'r  an  fast;  —  all'  wat  hangd, 
Sit  fast ;  —  hang'  (od.  liäk')  di  mau  in ;    — 

60  he  hangd  (stützt  sich,  lehnt  sich)  up  mi ;  — 


HANGEN  äs  HANK 

dat  hangd  an  bSu  uu  balken  fast;  —  he  Ziveifelhaft  ist  die  Ableitung  von  rank 
Langd  mit  lif  un  sei  an  sin  frö  un  kinder;  (schivanken  etc.)  wohl  jedeitfalls ,  zumal 
—  de  beiden  hangen  an  'uander  as  klad-  wenn  man  sich  vergef/enunirligt,  dass  hahan 
den ;  —  he  hed  sük  an  de  klatte  fan  hOr  in  der  Bedt(j. :  aufhünr/en,  hängen  machen 
hangen;  —  he  hangd  (verlangt)  na  de  bn'id,  5  etc.  zuerst  stets  ein  Greifen  u.  Fassen 
bz.  na  hüs;  —  he  liangd  d'r  na,  dat  he  dat  etc.,  sodann  ein  Heben  od.  in  die  Höhe 
in  besitkrigt;  —  dat  geid  tüsken  hangen  machen  u.  drittens  ein  Befestigen  od. 
un  würgen;  —  de  kop  od.  oren  hangen  la-  Festmachen  an  Etwas  voraussetzt  u.  die 
ten  (traurig  sein);  —  de  iTp  hangen  laten  Bedtg.:  baumeln,  bz.  hin  u.  Jier  bewe- 
(maulen) ;  —  he  hangd  de  oren  od.  de  kop  10  gen,  schioanlcen  etc.  jedenfalls  nur  eine 
(er  neigt  den  Kopf,  [flg.]  er  ist  niedergc-  nebensäcldiclie  n.  in  der  Regel  gar  nicht  in 
schlagen);  —  he  lett  de  togels  hangen  (er  Hängen  liegende  ist.  Hass  man  ülji'igens 
lässt  die  Zügel  hängen,  od.  niederhangen,  bei  hahan  (hängen,  aufhängen  etc.),  bz. 
baumeln,  schlaff  hängen  etc. ,  bz.  lässt  den  hangjan  (hängen,  henken  etc.)  auch  anneh- 
Pferden  freien  Lauf);  —  Sprichio.:  de  't  15  mcn  kann,  dass  im  Thema  od.  der  y  hah, 
bred  hed,  lett  't  bred  hangen;  —  de  't  han-  hag,  hang  urspr.  Mos  die  Bedtg.  des  Bin- 
gen wand  (geivöhnt)  is,  kelld  de  hals  uet  dens,  od.  Festmachens  (ivoran)  lag, 
mer ;  —  de  d'r  hangen  schal ,  fersupt  (er-  ist  wohl  zweifellos  u.  ist  es  deshalb  sehr  gut 
trinkt)  net,  od.  de  to  't  hangen  geboren  is,  denkbar,  dass  hahan  od.  hangan  von  der  ]/ 
dürd  drist  in  't  water  springen.  —  cf.  die  20  kak  =  skr.  kac,  kanc  (binden,  fest  machen, 
Compos. :  an-,  afer-,  bc-,  fer-,  för-,  in-,  na-,  Strick,  um  den  Hcüs  legen  u.  an  einen  Ha- 
of-,  to-,  um-hangen.  —  Nd.,  nid.  hangen ;  ken,  Baum  od.  Galgen  befestigen)  abstammt, 
mnd.  hangen  u.  (contrah.)  hän ;  mnld.  hau-  zumal  da  deren  Bedtg. :  splendere,  lucere 
ghen;  afries.  hüa  «*.  hangia,  hingia  ;  wfries.  auch  darauf  hinzuweisen  scheint,  dass  sie 
hingjen;  nfries.  hangen,  hingen;  satl.  (Eh-  25  urspr.  die  Bedtg.:  greifen,  fassen,  halten, 
ren  traut,  fries.  Archiv,  II,  ^OTjhongje;  heben  etc.  hatte  u.  dass  sich  hieraus  einer- 
as.  hahan  (nur  im  Partie.  Präter.  bi-han-  seits  aus  fassen  (Haft  machen,  bz.hafteti, 
gan,  behangen,  behängt);  ags.  hon,  d.  i.  hän  kleben  etc.,  cf.  haerere,  adhaerere  etc.)  die  Be- 
aus  hahan  (suspendere,  aufhängen,  hängen  dtg.:  festhalten  ti.  festmachen,  fes- 
machen) u.  hangjan  (pendere,  dependere) ;  30  sein,  binden  etc.  u.  andererseits  (cf.  ri- 
engl.  to  hang  (hängen)  u.  to  hang  (Jian-  sen  ^^  heben  u.  =  aufgehen)  auch  die  Bedtg.  : 
gen);  an.  hanga  (hangen)  u.  hengja  (hän-  sich  heben,  aufgehen,  scheinen,  leuchten  etc. 
gen,   aufhängen) ;   norw.    hanga    u.    hengja        entwickelt  hat. 

(dasselbe);    schived.     haenga     (hangen)     u.  haiigerig,  hängerig,  d.  h.  sich  an  u.  auf 

haenga   (hängen);    dän.    haenge    (dasselbe);  35  Etwas  hängend,   lehnend  u.  stützend;  he  is 
goth.  hahan  (suspendere)  u.  hahan  (pendere);        fan  dage  so  hangerig  un  lei  (faul),  as  of  he 
ahd.  hähau   (hängen);   mhd.  hälien    (Irans.        to  swak  is,  um  sük  sülfst  to  holden. 
hängen;    intrans.    hangen);     ahd.    hangen,  liangig,    häng  ig.      Nur   in  ofhangig    (ab- 

mhd.  hangen  (pendere),  ahd.  hangan,  hen-  hängig)  u.  zwar  in  denselben  Bedtgn.  wie 
gan,  hengen,  henkan,  beuchen    (suspendere),  40  im  Neuhochdeutschen. 

mhd.  henken,  heuchen  (hängen,  henken,  auf-  hang-iser,    hang-isder,    Hängeeisen  zum 

hängen)  u.  hangen  (hängen  lassen).  cf.  Anhaken  an  die  Herdkette  od.  den  hälböm, 
Fick,  III,  58  u.  Grassmann  wegen  um  die  Pfannkuchenpfanne  darauf  zu  stel- 
der  y  Qank  (schwanken,  sich  hin  u.  her  be-  len ;  —  fig.  ein  sich  an  Jemand  anklammen- 
.  wegen,  bz.  hin  u.  her  bewegt  werden,  zwei-  45  der  u.  anhängender  Mensch,  z.B.  von  Kin- 
feln,  sich  bedenken  etc.)  =  idg.  (cf.  Fick,  dem,  die  sich  den  Müttern  anhängen  u. 
I,  56)  kak,  wozu  er  auch  griech.  köcheüö  nicht  von  ihnen  lassen  wollen,  od.  von  Lie- 
(heben,    halten,    stützen)    stellt,     während        besleuten  etc. 

(Bopp  (Gloss.  comp.,  380)  auch  goth.  hug-  liaiigsel,    ein  Etwas,   ivas   an,    über    od. 

Jan  (cf.  bögen ,  hugen ,  gebogen  etc.)  davon  50  vor  Etwas  hängt.  —  Compos.  anhangsei, 
ableitet,  sowie  iveiter  bei  Pott  (III,  139)  behangsei  (Behang  -  Ding) ;  —  umhangsei 
die  y  kac,  kanc  (binden,  aneinander  fügen,  (Umhang-Ding) ;  —  ferhaugsel  (Tuch,  wo- 
schliessen,  passen),  die  mit  kac,  kanc  (cf.  mit  man  Etwas  verhängt);  —  förhangsel 
Fick,  I,  36   u.  unter  hagen)   identisch  ist.         (Vorhang-Ding). 

Desgl.  auch  bei  Pott  (III,  140  sub  Nr.  55  banig  (halmig,  od.  seinem  Sein,  Wesen, 
003)  tvegen  seiner  Bemerkung  zu  goth.  ha-  Naturell  etc.  nach  wie  ein  Hahn),  geil,  üp- 
han,  dass  Fick  mit  seinen  Wurzeln  kak  pig,  prachtliebend,  eitel,  stolz  etc.;  he  is  mi 
od.  (dritte  Aufl.)  kak  zum  Uebermass  frei-  fölsto  hanig  fofZ.  häntjerig)  ungrötsk,  as  dat 'k 
gebig  ist  u.  die  sinnl.  Bedtg.  des  Hangens  hum  liden  mag.  —  Nid.  h.a.mg  (wollüstig,  geil), 
der  y  9ank  auf  reiner  Vcrmuthung  beruht.  60      hauk,  s.  hang. 

J.  ten  Doornkaat  Koolmaa.    Wörterbuch.    II.  3 


HAN-KREIEN  34                              HANS 

hän-kreien,  HahnTirähen ;  frühe  Morgen-  <joth.  aus,   hans  (ah  Göttername  u.  in  viele 

seit,  reo (hr  Hahn  anfangt  zu  krähen  ;hc'\s um  Mannesnamen  übergegangenes  Wort),  nebst 

't  hüukroien  upstfiu  im  na  de  arbeiil  gäii.  hans  (J ohannes    u.  namentlich    auch    als 

haiini^.  >.  händig.  Käme  des  so  se/ir  geehrten  Apostels  u.  Hei- 

häii-i'uue,    Kapann,     od.    verschnittener  5  Ugen  Johannes)  n.  hans,    bz.  hanse    (so- 

Hahn    (cf.    rinie) ;  ßg.:    ein    Impotenter   u.  eins    od.    Mitglied    der    Hansa)    sich    im 

auch    (früher)    ein    JIah)irei:    vcrgl.    bei  Laufe  der  Zeiten    überall    mit  einander  ge- 

Cad.  ^[üUer:  ,.siuh  !  dar  triing  'n  häuriin  mischt  haben  u.  es  sich  darcms  herschreibt, 

mit  niuggeu  sjukea",  «vis  /«  Bezug  auf  einen  dass  das   Wort  haus  für  sich  selbst  sowohl, 

mit    neun    Kindern   gesegneten,   für    einen  10  als    auch    in    den    vielen  Compos.    eine   so 

Impotenten  u.  llahnerci  geltenden  Ehemann  weite    u.    allgemeine   Verbreitung  fand.    — 

gesagt  wurde,  sinken  ist  =  liüken,  engl,  chicen.  Besügiicli    des    Wortes  hansa;    mnd.    hanse 

hans,  gekürzt  u.  contrahirt  aus  Johan-  hcuse  (societas,  od.  GesellscJiaft,  Gilde,  In- 
nes  u.  in  den  Compos.:  haus-ärs,  haus-  '^ung ,  Vereinigung ,  Verbindung  etc.  von 
damp,  haus-narr,  gröt-hans,  präl-lians,  snial-  15  Kaufleuten  u.  Handwerkern  sum  gemein- 
hans  etc.  oft  in  der  Bedtg.  honio  gebraucht,  schciftlichen  Betriebe  des  Handels  u.  der 
wie  dies  auch  mit  u)iserm  aus  Johann  Gewerke,  bz.  Vereinigung,  Liga,  Bund  etc. 
conlrahirten  Kamen  „Jan"  der  Kall  i-it,  von  Handelsstädten  etc.)  sei  noch  bemerkt, 
der  übrigens  in  allen  sonstigen  ihm  zuge-  dass  dies  mit  ahd.,  goth.  hansa,  ags.  hosü, 
legten  Eigenschaften  himmelweit  von  dem  20  hös  (vereinigte  u.  geschlossene  Schaar  [be- 
deutschen „Hans"  verschieden  ist,  wie  dies  sonders  von  Kriegern],  Haufe,  Menge  etc.) 
unter  „Jan"  erliellt.  —  Im  mnld.  bezeichnete  identisch  ist,  dessen  y  haus,  has,  häs  wohl 
man  mit  hans  auch  einen  Grossen  od.  An-  die  Bedtg. :  ligarc  etc.  JuUle  u.  möglicher- 
gesehenen, tcie  z.  B.  KU.  den  Flur,  liansen  weise  (cf.  goth.  hasi.  von  y  bhaksh  =  zend. 
mit  niagnates,  optimates  übersetzt  u.  haus  25  baksh  od.  bakhsh)  mit  zend.  kash ,  abactr. 
(cf.  Seh.  u.  L. ,  Gr imm^schcs  Wb.  etc.)  kakhsh  =  skr.  kacs  od.  kaksh  (ligare  etc., 
auc?i  sonst  vielerwegen  diese  Bedtg.  hatte.  cf.  zend.  kasha,  Ufer,  Band,  Einfassung, 
Bemerkt  sei  hiezu  indessen,  dass  KU.  sein  Saum;  kashua.  Binde,  Diadem;  skr.  käksa 
mit:  antocellens  caeteros  mortales  fortuua  et  od.  kakslia.  Binde-  od.  Gurt-Gegend  etc., 
opilins  übersetztes  hans  yücht  )nit  dem  aus  30  kaksia  od.  kakshya,  Gürtel,  Gurt  etc.)  auf 
Johannes  gekürzten  Hans  (J ohannes  die  bereits  unter  hagen  (cf.  Fick,  I,  36) 
wird  hier,  in  Holland,  sowie  in  andern  erwähnte  y  kak  =  skr.  kac,  kanc  (binden, 
frics.  Landen  überall  zu  Jans,  Jens  [Ge-  gürten  etc.)  zurückgeht.  —  H.  Leo  (s.pag. 
schln.  Janssen,  Jenssen  od.  Jansen  etc.,  cf.  586)  stellt  übrigens  ags.  hösu,  goth.  hansa 
auch  Stint  Jaus  =:  Sanet  Johan  nes]  35  zur  y  kans  od.  kailis  (ire,  maudare,  jubore), 
contrahirt  u.  kömmt  als  Name  ungemein  die  lautlich  vollkommen  stimmt,  indessoi 
häufig  vor,  tvährend  dies  mit  Hans,  soviel  von  Bopp  mit  destruere,  ire  ti.  von  Ben- 
mir  bekannt,  gar  nicht  der  Kall  ist)  iden-  feg  (cf.  kains,  od.  ki\q,  kas)  mit  to  go ;  to 
tificirt,  sondern  annimmt,  dass  lians  od.  couimaud  (v.  r.  to  destroy)  übersetzt  wird 
hau-e  cds  Magnat  einen  Mann  aus  dem  40  u.  wobei  man  bei  skr.  kamsa  od.  kansa, 
Geschlecht  der  Anscu  od.  Hansen  (dem  Göt-  kaiisa  (was  Benfeg  sub  III  mit  bell  me- 
tergeschlecht  derAscn)  bezeichnete,  ivie  be-  tal,  bz.  Glockenspeise,  Legirung  vo)i  Zinn 
kanntlich  auch  die  goth.  Adligen  od.  Gros-  n.  Kupfer  etc.,  Bopp  dagegen  mit  vas  po- 
sen  sich  für  Abkommen  der  Asc)i  hielten  torium  [cf.  afries.  hensa,  Trinkbecher,  bei 
u.  man  sie  deshcüb  Anses  od.  Hanseu  (von  45  Wiarda,  ostfries.  Gesch.  I,  371]  über- 
ans  [deus],  ••*.  unter  1  as)  nannte.  setzt)  dann    annehmen    muss,    dass   sie  aus 

Anscheinend  hat  sich  aber  der  Name  der  ursjir.  Bedtg.:  ire,  se  movere  od.  sich 
Hans  auch  noch  mit  haus  od.  hanse  (so-  heioegen  vor  od.  nach  Etwas  hin 
eins,  collega,  bz.  Einer,  der  der  Hansa  u.  zu  Einem  etc.  allerhand  iveitere  Be- 
angehört, cf.  bei  KU.)  gemischt  n.  da  die  50  dtgn.  entwickelte  (cf.  z.  B.  y  ag  u.  pa, 
Bürger  der  zur  Hansa  gehörenden  Städte  pi  etc.),  da  die  Bedtgn.:  ire  u.  destruere 
(Hansen  od.  Hanseaten)  ganz  zweifei-  sich  doch  gegenseitig  nicht  decken  u.  auch 
los  oft  etwas  sehr  selbstbeivusst  u.  tvichtig  die  von:  raandarc,  jubere  weder  zu  diesen 
(man  denke  sich  nur  einen  richtigen  cdten  stimmt,  noch  auch  alle  diese  für  goth.  hansa. 
bareu-tagen  Bremer)  auftraten  u.  sich  mehr  55  passen,  da  diesem  wohl  die  Grdbegr. :  v  e  r- 
fühlten  als  Andere,  so  ist  es  auch  möglich,  dass  einigen,  binden,  schli  essen,  vcr- 
hans  seine  Bedtg.:  Grosser,  Grosshans,  binden  (aus:  sich  bewegen  vor,  kommen 
od.  eitler,  wichtiger  u.  dünkclliaf-  zu  [Einem],  sich  Einem  zugesellen  u.  an- 
ter Mensch  (cf.  hansig)  wenigstens  zum  schliessen,  od.  sich  vereinigoi  mit  Einem 
Theil    auch    hierher   erhielt,    bz.    dass   das  60  od.  Etwas  etc.)  zu  Grunde  liegt.     Aus  be- 


Hans-ars  hans-damp 


35 


HAPEN  HOPEN 


10 e gen  vor,  kommen  zu  etc.  ergiebt  sich 
auch  die  Bedly. :  erreichen,  erlangen,  er- 
greifen, nehmen,  fassen,  fesseln,  binden, 
halten,  schützen  etc.,  wozu  stimmen:  tat. 
casa,  cassis  (Helm),  cassis  (Netz,  Jägergarn), 
cista  (Kiste,  Kasten)  etc.  etc.,  sowie  auch 
das  deutsche  Hose,  cf.  2  liase. 

liaus-ärs,  hans-damp  etc.,   s.  unter  hans. 

hansig,  gross  u.  ivichtig  thnend,  einge- 
bildet, stolz,  eitel  etc. ;  so  'n  hansigen  kerel 
as  dat  is,  dar  is  hei  gin  ütkamen   mer  mit ; 

—  de  to  hansig  is,  krigt  ligt  en  up  't  miil. 
cf.  unter  hans.  —  Es  giebt  auch  noch  (cf. 
(Br.  Wb.,  2.  Nachtrag,  pag.  100)  ein  nd. 
hansig  (verbunden,  unterthan)  od.  hensich 
=  mnd.  (Seh.  ti.  L.)  hensich  u.  afries. 
hensich,  hanzoch,  hamzoch,  henzich,  hinsich, 
wobei  V.  Bichthofen  (cf.  afries.  Wb., 
807  unter  hensich)  zioeifelhaft  ist,  ob  es  = 
hangig  (cf.  hangig  in  ofhangig)  ist,  was 
aber,  da  es  auch  mnd.  vorkömmt,  schiver- 
lich  mit  hangen  connex  ist,  sondern  zwei- 
fellos zu  hansa  (Bund  etc.,  cf.  unter  hans) 
gehört. 

hanske,  s.  handske. 

liänsken,  Häuschen;  hänskeu  in  de  kel- 
ler  (Kind  im  Mutterleibe) ;  — •  hänsken  twe- 
derlei  (Zwitter,  Hermaphrodit),  cf.  Br. 
Wb.,  II,  594. 

lians-np  od.  hausman,  Jacke  u.  Bein- 
kleid in  einem  Stück,  als  Nachtkleid  für 
kleine  Kinder  gebraucht.  —  Im  nd.  Br. 
Wb.  (II,  j)ag.  483)  wird  gesagt,  dass 
hans-up  =  gans-up  sei,  was  mir  indessen 
fraglich  ist,  da  auch  im  nid.  hans-op  in 
dieser  Bedtg.  vorkömmt. 

liänt,  s.  2  hän. 

lianteren,  hanthieren;  a)  wandern,  hin 
u.  her  ziehen,  umherziehen,  hausiren  etc.; 
he  hanterd  (od.  trekt,  drift  sük  etc.)  aferal 
herum,  of  't  net  wat  to  raken  gift ;  —  he 
hanterd  aferal  mit  sin  ko  herum  un  is  d'r 
bold  mit  up  en,  hold  mit  up  't  ander  markt, 
um  to  sen,  of  he  hör  net  ferköpen ,  of  fer- 
büten  kan ;  —  he  hanterd  mit  sin  waren  bi 
de  bür  herum;  —  b)  handeln,  manipnliren 
etc.;  he  hanterd  d'r  mal  in  od.  mit  herum; 

—  c)  behandeln,  tractare ;  he  wet  de  saken 
hei  net  ördendlik  to  hanteren  od.  to  behan- 
teren. 

Wegen  der  Herkunft  dieses  Wortes  aus 
franz.  hanter  (oft  besuchen)  u.  der  Abstam- 
mung dieses  aus  an.  heimta  (von  heim  od. 
hiiima  =  afries.  hema,  heimen,  wohnen) 
vergl.  Diez,  II,  328. 

häntje,  Hähnchen;  fig.  ein  eitler  etc. 
Mensch;  s.  unter  hän. 

häntje  uii  hentje ,  die  Samenkapseln  der 
Pfingst-  od.  Bauern-Rose,  so  benannt,  wegen 
der  rothen  Kämme  u.  Spitzen,  die  selbige  hüben. 


liäiitje-lilöme     od.     häntjes,    Hauhechel 

(ononix  spinosa) ,  atich  haseblöme  genannt. 
liiin-träde,  huiiträ',  a)  Hahnen-Tritt,  Hah- 
iien-Schritt ;  —  b)  (jig.)  ein  .stolzer,  eitler, 
5  selbstbcwusstcr  Schritt  u.  auch  ein  leiser 
■vorsichtiger  Schritt,  wobei  man  die  Fasse 
hoch  aufhebt,  um  nicht  anzustossen;  —  c) 
kleiner  Schritt,  der  nicht  viel  fördert; 
Sprichiv. :   um    nejär    hel)beu    de    dagcn    'n 

10  hänträ'  wunnen;  — d)  das  „Sehnenhüpfen", 
ein  bekannter  Kehler  im  hintern  Sprungge- 
lenk des  Pferdes;  —  e)  das  dicke  rundliche 
Ende  des  Eies,  too  sich  unter  der  Schale 
die  kleine  Höhlung  befindet,    die  loir  sonst 

15  auch  tredsel  nennen. 
bap,  s.  happ. 

hape,  liope,  hup',  liop',  Hoffnung,  Er- 
ivartung  etc.;  he  läfd  in  hap'  od.  up  häp', 
dat  't  bold  bilter  word ;  —  dat  geid  up  gode 

20  häp' ;  —  d'r  is  gin  häp'  (Erwartung,  Aus- 
sicht etc.)  up  bäterschup ;  —  ik  se  gin  häp' 
(Erwartung  u.  Aussicht  auf  Besserwerden, 
bz.  Ausflucht,  Hülfe,  Bettung  etc.)  mer  für 
hum ;  —  de  gin  hap'  (Erwartung,  od.  Ans- 

25  sieht  auf  günstigere  Gcstaltu)ig ,  bz.  Glau- 
ben u.  Vertrauen  an  u.  auf  Etwas)  mer 
hed,  de  is  ferlaren;  —  alle  häp'  is  iit;  — 
du  must  dl  gin  hup'  d'r  up  maken ,  dat  du 
fOl  geld  fan  rai  arten  kanst ;  —  de  häp'  fer- 

30  lett  mi  net,  dat  he  torüg  kumd ;  —  he  stelld 
sm  häp'  (seine  Erwartung,  od.  sein  Ver- 
trauen etc.)  up  God;  —  God  is  min  häp' 
(Gott  ist  meine  Erioartung  ^  od.  meine  Zu- 
flucht, mein    Vertra  uen  etc. ,    bz.  mein  Halt 

35  u.  meine  Stütze  etc.).  Sprichw. :  bäter  häp' 
to,  as  häp'  up.  —  Nid.  hoop;  mnld.  hope; 
mnd.  hope  u.  hopene ;  wfries.  hoape,  hoop ; 
ags.  hopa,  to  hopa;  engl,  hope;  mhd.  helfe, 
hofe,  hoff  «.  hofene,     cf.  hapen. 

40  hape-dode,  häpdode,  eine  Person,  auf 
deren  Tod  man  hofft,  um  sie  zu  beerben, 
od.  von  deren  Tod  man  sich  sonst  einen 
Vortheil  verspricht.  Sprichw. :  häpdoden 
läfen  lank. 

45  hapen,  hopen  (häpde,  —  heb'  häpd),  hof- 
fen, erwarten,  od.  Hoffnung,  Eh'wartung, 
Zuversicht  u.  Vertrauen  hegen  u.  haben, 
zuversichtlich  erwarten ,  rechnen  u.  ver- 
trauen loorauf  etc.;    nu    könen    wt  wer  ha- 

50  pen  (od.  ferwagten) ,  dat  't  bäter  word ;  — 
't  gifd  niks  mer  to  hapen  un  to  ferwagten; 
—  ik  häp'  dat  't  gud  geid;  —  he  häpd  up 
'n  goden  fängst ;  —  ik  häp'  up  od.  to  God, 
dat  't  all'  god   geid.    —    Nd.   hapen ;   mnd. 

55  hapen,  hopen  ;  nid. ,  mnld.  hopen ;  wfries. 
hoapjcn,  hoopjeu;  ivang.  höpje;  ags.  ho- 
pian  od.  hopjan ;  engl,  hope ;  schwed. 
hoppas.  Die  fries.,  ags.  Endung  jen,  jan 
bezeugt  es  wohl,  dass  dieses  Vbm.  von  hopa 

60  (cf.  hape)  weitergebildet  ist  u.  demnach  die 

3* 


H.\PEN  nOPEN 


36 


HAPPEN 


Bedtg.  „hopa  machen"'  hat.  3[ö(]Uch  ist  es 
indesficn  auch,  liass  sowoJil  hop-jan  als 
hop-a  beide  rom  Stamm  liop  sclbstständi(/ 
weiten/ebildet  sind  u.  denuuuh  liop-jaii  nrspr. 
die  simtl.  Bcdty.:  Hebung,  Erhebung, 
A  ufb c  w e g  u  n  g,  A  u/s teig e n  etc. ,  od. 
Bewegung  in  die  Höhe  machen  u. 
erzeugen  etc.  hatte,  ivie  es  ja  fast  als 
zweifellos  angenommen  werden  muss,  dass 
der  Stamm  hop  in  dieser  Bedtg.  auch  in 
ags.  hopp-jin  (einen  hopp  od.  hop  [saltiitio 
etc.]  machen,  hüpfen  =  schwed.  hojjpa; 
ahd.  hupjau,  hupfjan,  mhd.  hupfeu,  liopfen, 
hoppcn  etc.,  cf.  liüppen  etc.),  hop-ig  (sj^rin- 
gend,  hüpfend  etc.,  von  Meereswellen ,  too- 
von  auch  wohl  franz.  houpee,  das  sich  Er- 
heben u.  Aufsteigen  einer  Welle)  u.  nhd. 
Hopfen  (cf.  lioppe)  etc.  stecht  u.  das  bayr. 
(Sc  hm.,  II,  159)  aufhoffen,  v  er  hof- 
fen (auffahren,  erschrecken,  od.  sich  plötz- 
lich erheben  u.  aufspringen  etc.,  cf.  schrik- 
ken  =  springen  etc.)  auch  vom  plötzlichen 
Aufheben  des  Kopfes  (z.  B.  von  einem 
ruhig  grasenden  Hirsch,  wenn  er  Etwas 
hört  u.  dann  den  Kopf  hebt  u.  voller  Er- 
wartung aus-  n.  um  sich  schaut)  od.  einem 
Auffahren  u.  sich  Erheben  etc.  ge- 
braucht wird,  wonach  denn  hoffen  buchstäb- 
lich nichts  Anderes  besagt,  als  dass  ein  Et- 
was (Mensch,  Thicr)  sich  erhebt  od.  auf- 
springt, auff'ährt  u.  voller  Erwartung  um 
sich  schaut  u.  aussieht  ,  woraus  sich  denn 
von  selbst  die  Bedtg.:  Erxoartung  für 
hopa  u.  erwarten  od.  warten  u.  hof- 
fen auf  Etwas  für  hop-jan  (bz.  hoffen) 
ergäbe.  Vergl.  übrigens  auch  höp  (Reif, 
Ring  etc.)  höp  (Haufe)  u.  huft  (Hüfte)  etc., 
sowie  weiter  bei  Fick  (III,  62)  hap  (rece- 
dere  etc.) ,  icozu  er  ausser  ags.  liüp  (reces- 
sus,  in  fcn-hop,  mör-hop,  cf.  bei  M.  Hei/ne 
ags.  Ii6p,  geschützter  Ort,  Zufluchtsstätte, 
Schlupfwinkel)  auch  an.  happ  (Glück,  Er- 
folg), ags.  liäp  (reich  od.  optus),  engl,  hap, 
to  liappen,  happy  u.  ir.  cobh  (victoria)  stellt 
H.  icobei  man  bei  ags.  liopa  (Hoff'nung)  auch 
daran  denken  kann,  dass  dieses  Wort 
(sinnl.J  urspr.  die  Bedtg.:  geschützter,  ein- 
gefriedigter, sicherer  Ort  (cf.  liof)  hatte  u. 
dass  demnach  ags.  hopa  (Hoffnung)  xirspr. 
aus  der  Bedtg.:  heimlicher  u.  siche- 
rer Ort,  od.  Zuflucht  etc.  auch  wieder 
die  Bedtg. :  Z uf  lacht,  Rettung  u.  H ü Ife 
(die  doch  auch  in  hape  od.  liop  liegt)  ent- 
wickelte. Neben  hof  vergl.  auch  hOf,  hiife 
etc. 

Wegen  der  Grdbdtg.:  sich  erheben,  auf- 
fahren (erschrecken,  erstaunen)  etc.  der  viel- 
leicht für  liapcn  anzusetzenden  y  vergl.  auch 
schwed.  liiipua  (erstaunen,  erstarren  etc.  vor 
Schrecken    u.     Verwunderung) ,    hilpun    (er- 


staunt, betäubt,  erstarrt,  unheioeglich  etc. 
vom  plötzlichen  Schrecken  etc.)  etc.  u.  auch 
u)iser  3  liop  etc. 

happi',    Hcmmniss,    Hindernisse  Stockung 
5  etc.;    dar   kumd  'n   haper  tüsken.      Davon: 
gehapor,    Gestocke   od.    öfteres    Stocken    u. 
Eestsilzcnbleiben  etc. 

liapercii,  hapern,  hapern,  stecken  bleiben, 
a)istossen,  stocken,  festsitzen,  nicht  vorwärts 

10  kommen,  sclilecht  gelten,  gebreclien,  fehlen 
etc. ;  he  hed  siu  erste  prek  (Predigt)  holden, 
Sünder  enmäl  to  hapern;  —  dat  haperd  (sitzt 
fest  etc.,  od.  auch:  fehlt)  aferal  im  an  alle 
kanten ;  —    't  hapcrde  hum  an  geld.     Auclt 

15  subst. :  dat  hapern ;  wen  't  euniäl  in  't  ha- 
pern is,  den  hürd  d'r  wat  to,  um  't  wör  regt 
in  d'  fard  to  krigen.  —  Nid.,  mnld.  hape- 
rcn  (haesitare,  haerere,  titubare,  perplexe 
loqui);  nd.  (Br.    Wb.,   Dähnert  etc.)  ha- 

20  porn,  liappern ;  schwed.  happla  (stocken  etc.) ; 
dän.  happe,  hjappe  (stocken,  anstossen,  stot- 
tern). Es  ist  (cf.  Grimm,  Wb.,  unter  ha- 
pern)  anscheinend  mit  ahd.  haben,  hapen 
(haben,  halten,  festhalten,  halten,  Halt  ma- 

25  chen  etc.,  cf.  ht-bben)  aus  einer  u.  dersel- 
ben y  hervorgegangen  od.  möglicherweise 
sogar  eine  Interativbildung  davon  aus  der 
Bedtg. :  halten.  Halt  machen  etc. 

hapei'ig,  hapei'g,  mit  Hemmnissen  u.  Un- 

30  terbrechungen ,  stockerig,  stotterig,  stümper- 
haft, gebrechlich  etc.;    dat    gung    man    regt 
haperg  mit  't  preken  (predigen). 
häpiiung,  Hoff'nung. 
happ  od.  liap,    Schnapp,   einmaliges  Zu- 

35  schnappen  u.  Zubeissen  des  geöffneten  Mun- 
des, bz.  der  hörbar  auf  einander  beissen- 
den  u.  klapsenden  Zähne;  daher  auch: 
Biss,  Bissen,  Mund-,  Gabel-,  Löffel-voll  etc.; 
happ  !  de  de  hund,  do  was  't  weg;    —    mit 

40  en  liapp  was  't  up ;    —    he   dö  d'r  'n  liapp 
üt  de  brügge  (Butterbrod),  de  was  nrt  siegt;     ' 
—  gif  mi  dog  'n  happ  fan ;    —    he  lied  gin     , 
happ  brud    (od.  äten,  sopp  etc.)    für  'n  arm     I 
minsk    afer.  —  Nd.  (Br.    Wb.,   Dähnert    | 

45  etc.)  happ,  happs;  nid.  hap.  Es  ist  ein  laut- 
malendes Wort,  dessen  Stamm  hap  indessen 
nicht  neuerdings  erfunden  ist,  sondern  cds 
identisch  mit  g riech,  kap  (in  kapö,  kaptö 
etc.,  cf.  happeu),  lat.  cap  (in  capio)    n.  mit 

50  hap  i)i  hapern  ».  mnld.  happen  (cf.  happen) 
tvohl  (üs  besonders  jj«sst7i(/  dazu  verwandt 
wurde. 

happelu;    /.  q.  haffeln,    ah  Frequentativ  ) 
od.  Iterativ  von  happen.  | 

55  happen,  happen,  schnappen,  mit  geöffne- 
tem Munde  wonach  schnappen  u.  greifen, 
beissen,  essen,  fressen,  schlucken  etc. ;  de 
hund  happd  d'r  na;  —  happ  du  de  kumm' 
mit  brej'  man  äfeu  üt;    —    he    happde   dat 

60  so  gau  up,  dat  man  hast  hei  net  sag  war  't 


HAPPERD  37                            HAR-BUEL 

blef;    —    he  happde  d'r  'n   (lügtig  stük  fit;  hur.      Wenn  man  envägt,   loas  Alles  unter 

—  happ'  man  weg,  't  is  doch  für  di  be-  Haar  (cf.  auch  rüg  =  mhd.  riich,  nhd. 
stimmd;  —  he  happd  't  all'  weg,  wat  hum  rauch  it.  rauh,  wovon  EauchwerJc  — 
försetd  word;  —  happ'  up,  deu  is  't  d'r  üt.  Pelziverh)  verstanden   ivirä,   so   mnss  man 

—  Wfries.  (Jaiiix)  happjen  f/trtjj^^e«,  im-  5  ivohl  auf  den  Gedanken  lommen,  dass  es 
scn,  [Jemanden]  anfallen,  zerfletschen,  zer-  urspr.  als  ein  rauhes,  scharf  es, kratzen- 
reissen);  nfries.  happe;  nd. ,'^  nid.  happeii  des,  stechendes ,  stachligtes,  horsti- 
(happen,  schnappen,  haschen  etc.);  mnld.  ges,  granniges  (cf.  auch  garste  etc.  ii. 
(KU.)  happen  (apprehendere,  arripere,  cor-  grannig,  bz.  nhd.  Granne  von  |/  ghars, 
ripere,  celeriter  rapere,  prendere,  capere).  10  ghar,  rauh  sein,  rauh  machen,  kratzen  etc.) 
cf.  griech.  kapö,  käptö  (happen,  schnappen  Ettvas  aiifgefasst  ist  u.  dass  die  wohl  für 
etc.),  kaphis  (das  Verschlucken)  etc.,  wobei  urspr.  hasa  (cf.  1  bar  aus  bas  od.  basi  u. 
indessen  zu  bemerken,  dass  \ia.^ö,  kapiö  auch  nhd.  Beere  aus  goth.  basi)  stehende  volle 
die  Bedtg.:  hauchen,  athmen,  schnauben  Form  hava  mit  lit.  k-ASSi  (Haarflechte),  sklav., 
etc.  hat  u.  demnach  direct  mit  der  für  lat.  15  serb.  kosa  (Haar),  kslav.  kosmü  (dasselbe), 
capio,  capto  etc.,  bz.  goth.  haban  (cf.  heb-  Ut.  kasii  (graben,  stechen  etc.),  kasaü  (krat- 
ben,  heften  etc.)  etc.  anzusetzenden  y  zen,  krauen,  striegeln,  kämmen),  lat  carere 
nichts  zu  schaffen  hat,  während  mnld.  für  carere  (Wolle  kratzen)  etc.,  soivie  auch 
liappen  jedenfcüls  zu  der  Bedtg.  von  capio  weiter  vielleicht  mit  mhd.  bare,  bar  ii.  bere, 
stimmt.  20  her  (asper,  herb)  etc.  zur  idg.  j/  kas  =  skr. 

happerd,    a)  der   tceit   geöffnete,  schnap-  kash  od.  kas  (reiben,  schaben,  kratzen,  rauh 

pende,  gierige,   schluckende  Mund;    he  ritt  machen,    stechen,  jucken)   gehört,    od.    loie 

de  happerd  so  wid  apen,  as  of  he  't  all'  to-  lat.  caesaries  etc.  (cf.  Fick,  I,  51)  zu  einer 

mal  uphappen   un  ferslüken  wil;    —    b)  ein  Ablautform    kis     dieser    ]/.       cf.    auch    1 

happender,   fresssüchtiger,    gieriger  Mensch  25  hase. 

etc.,  bz.  Einer  der  happig  ist;  du  happerd,  2.  häl'  (in  här-was,  gäl-här  etc.),  Flechse, 

wat  bi-ükst  du  altid   so  happig   un   ropperg  Sehne,    Sehnen-    od.    Faser-Bündel  etc.    — 

wäsen.  Wie  Flechse  von  Flachs  entstand,   bz. 

happig,  schnell  schluckend  u.  schlingend,  dazu  gehört,    so    ist    dieses   här  xoohl  iden- 

gef rassig,   gierig,   lüstern,   begehrlich,  hab-  30  tisch  od.  connex  mit  ahd.  haru,  haro ;  inhd. 

süchtig,  greiflg  etc.;    he   is   altid  so  happig  hare,  bar;  afries.  her;  an.  hörv  ;   dän.  hör 

bi  't  äten,    as  wen  he   't  wol   all'   upf raten  (Flachs),     cf.  harl,  harpltis  etc. 

wul';  — -  happtg  na  't  äten,   bz.  na  't  geld,  3.  här,  s.  bor. 

wicht  etc.;    —    so  'n  happigen    (gierigen  u.  harbarg     (Plur.    harbargen) ,     Herberge, 

unverschämten)  kerel  as  he  is,  heb'  'k  seiden  35   Wirthshaus,  Aufnahme,  Obdach,  Unterkom- 

sen.  —  Nid.,  nd.  happig.  men.      Sprichio. :   de   de  wärheid   segd    (od. 

happigheid,     Gefrässigkeit ,     Gierigkeit,  auch   blos:   de   wärheid)    kan   gen    barbarg 

Lüsternheit   etc. ;    sin  happigheid  kend  gen  finden ;  —  dat  kind  rukd  na  de  harbarg ;  — 

grensen.  —  Nid.  happigheid.  kört   underwägens   un   lauk   in  de   harbarg, 

happke,  Häppchen.     Dimin.  von  happ.  40  hed  al  mennig  perd  ferdürfen.   —  Nd.  har- 

1.  här    (Sing.    u.    Collect.;   davon    Plur.  bärge ;  7nnd  herberge;  o/nes.  herberge;  «?fZ. 

baren),    Haar.     Eedensart.  u.  Sprichio.:   't  herberg;  engl,  harbour;  ahd.  heriberga,  he- 

schälde  gen  här,  of  't  was  mis;  —  he  schärd  reberge,  herberga,  heriperga,  berebirga;  mhd. 

stik  gen  här  um  de  hele  biidel;   —   he  hed  herberge,  berbrige,  herbrig,  herbärge  (castra, 

här  up  de  küsen ;  —   krüs  här !   kriise  sin ;  45  diversorium,  hospitium).     Davon :  ital.,  span. 

—  he  hed  här  läten!  —  rode  här  un  elleru-  albergo ;  jjrov.  albere,  alberga;  afranz.  her- 
holt wast  seiden  up  'n  goden  grund ;  —  he  berc,  herberge ;  nfranz.  auberge.  Es  ist 
is  bi  de  här  afer  de  tun  (Zaun,  Hecke)  Compos.  von  ahd.  hari,  heri  (Heer,  Schaar, 
bald;  —  dat  is  mit  de  baren  herbihäld;  —  Menge  etc.)  %i.  pcrga,  berga  (loas  birgt  u. 
se  Sitten  (od.  liggen)  'nander  altid  in  d'  ha-  50  aufnimmt),  ivie  auch  das  mhd.  berga  schon 
ren ;  —  d'r  is  g!n  göd  här  an;  —  he  lett  die  Bedtg.:  Herberge  od.  Aufnahme- 
hum^gen  god  här;    —  de  gin  här  hed,  hed  Ort  etc.  hatte. 

6k  gin  gefär;  —  he  hed  'u  här  in  de  uakk',  harbargen,  herber  gen  ;  a)  beherbergen,  in 

dat  hum  torüg  hold ;   —   he  hed  d'r  'n  här  sein  Haus  aufnehmen ;   he  wil  dat  folk  net 

in  funden,  um  dat  to  don.  —   Nid.  haar  «.  55  barbargen ;  —    b)  Obdach  u.   Unterkommen 

früher  auch   hair;    mnld.    haer,    hayr;    nd.  nehmen;  ik  wul'  fan  nacht  bi  jo  barbargen, 

haar;    nind.  här;    afries.    (v.   Bichthofen,  liär-bül,  Haarbeutel;  he  dragt 'n  bärbül; 

Hettema)   her,    her;    satl.    u.  nfries.  her;  —  dat  is  net  so  warm  as  ^n  bärbül;  — flg. 

wfries.  hier;  as.  här;  ags.  haer;  engl,  hair;  Bausch;   he   harr'   güster    afend  'n   bärbül, 

an.  har;  schioed.  här;  dän.  haar;  ahd.,  mhd.  60  od.  sük  'n  bärbül  andrunken. 


HARD  EXRT 


HARDEN 


liard,  hart  (flect.:  harder,  harter,  — 
hardste),  hart  (diirus),  nicht  weich  od.  iiach- 
giehig,  widerstandsfähig,  fest,  stark,  stroige 
etc. ;   luird  as  'n  sten  ;  —    dat  is  liard  liolt ; 

—  dat  fles  is  so  hard ,  dat  man  't  hast  hol 
ni't  bittn  kan ;  —  'n  liardi'u  (Jiarler,  dauer- 
hafter, fester  etc.)  hörn  od.  planto  etc. ;  — 
lie  is  hard  un  fast;  —  dat  is  hard  un  taj'; 

—  dat  gcid  hard  um  hard,  od.  liard  tilgen 
hard;  —  hard  water;  —  hard  tan  sin  un 
geni8d; —  de  wind  weid  so  hard  (stark,  hef- 
tig etc.),  dat  man  d"r  hast  hei  net  tagen 
upkamen  kan;  —  'n  hardcn  (.'Starker,  stren- 
ger, heftiger  etc.,  od.  andauernder  u.  an- 
haltendir)  fröst,  od.  winter;  —  he  hed  'n 
harden  hüd ;  —  he  hold  sük  hard  (er  gieht 
nicht  nach,  ist  nicht  tceich  u.  nachgiebig, 
bz.  weichherzig ,  od.  leicht  zum  Weinen  u. 
Klagen  etc.  geneigt);  —  hoM  di  hard,  un  wen 
d'r  ök  'n  bön  in  de  löp  geid ;  —  he  is  so 
hard  mit  sin  kiuder;  —  he  sett  hum  hard 
tö;  —  hard  (stark,  angestrengt,  schwer  etc.) 
arbeiden ;  —  dat  kumd  niT  d'r  so  hard 
(rasch,  eilig  etc.,  od.  stark,  sehr  etc.)  nicli 
up  an;  —  dat  schal  hard  (schxoer  etc.)  hol- 
den, od.  spannen  etc. ;  —  dat  kumd  hum 
hard  an ;  —  hard  (schwer)  hören ;  —  hard 
(.stark,  rasch,  schnell,  andauernd  etc.)  16- 
pen  (cf.  harddrafer,  hardloper) ;  —  hard 
(stark,  laut  etc.)  ropen,  od.  sprilken,  raren 
etc.;  —  hard  (dicht,  unmittelbar  etc.)  an, 
od.  np  ml;  etc.  —  Nid.  hard;  mnd.  hard, 
harde;  nid.  hard;  mnld.  herd,  hard;  afries. 
herd;  tvfries.  hird;  as.  hard;  ags.  heard 
OiaH,  fest,  streng  etc.);  engl,  hard;  an. 
hardr;  schtved.  hdrd;  dän.  haard;  goth.  har- 
dus  (hart,  .strenge);  ahd.  hart  u.  harti,  herti; 
mhd.  hart  u.  herte  (hart,  fest;  festhaltend, 
andauernd;  ausdauernd,  hartnäckig ;  drü- 
ckend, schwer,  schmerzlich;  fest  zusammen- 
haltend, dicht).  Vergl.  griech.  kürta  (stark, 
sehr),  kratüs,  karteros,  krateros  (stark,  ge- 
tvaltig  etc.),  krätos,  kärtos  (Stärke  etc.),  wo- 
mit es  möglicherweise  (cf.  G.  Curtius,  154) 
zur  y  kar  (machen,  thun  etc.)  gehört.  Wei- 
ter vergl.  auch  skr.  kar-kar-a  0>'nrt)  etc.  u. 
goth.  hallus  (Fels)  etc.,  welche  Wörter  auch 
einer  y  kar  angehören.  Oder  hatte  hard 
etwa  ursjir.  die  Bedtg.:  haltend,  dauernd, 
haltbar,  dauerhaft,  fest  etc.,  wie  ja  harden 
(cf.  auch:  ful-harden)  die  Bedtg.  aushal- 
ten, dauern,  a  u s d au  er  n  etc.  hat  u. 
die  Stämme  hard  u.  bald  Cvon  haldan,  hal- 
ten, cf.  holden)  formell  .sehr  gut  derselben 
y  angehören  können.  Zu  hard,  hz.  griech. 
kärta,  krätos,  kärtos  vergl.  auch  hars  u. 
rad,  rat  (flect.:  radder,  ratter,  —  radste  etc.) 
=  ahd.  brad,  brat  (ra.sch  etc.)  etc.  Desgl. 
vergl.  auch  nhd.  harren  =^  halten,  tcar- 
ten  etc.,  d.  h.  bleibrn  u.  Halt  machen  (ivo), 


wie  auch  ahd.  harten  (s.  unier  harden)  die 
Bedtg.:  mauere  hat  «.  harren  auch  mit 
griech.  kärtos,  krätos,  bz.  mit  unserm  hars 
wurzelhaft  conne.v  zu  sein  scheint  u.  mög- 
5  licherweise  sogar  aus  älterem  harsen  ent- 
stand. 

Zu  hard  in  der  Bedtg.:  stark,  sehr  etc. 

iciirde  sich  übrigens  auch  skr.  ^ardba  (stark, 

kühn,  gewaltig  etc.)  vergleichen  lassen,  des- 

10  sen    „dh"  jedenfalls  zu    germ.    „d"    u.  „t" 

besser  stimmt,  als  das  griech.  „t"  in  kärta  etc. 

Zum  Schlüsse  sei  noch  bemerkt,  dassFick 

(III,  67  seq.)  liardu  (hart)  mit  lat.  crassus, 

crätes    zu  skr.  kart    (spinnen,  tcindcn),    bz. 

15  cart  (knüpfen,  heften,  flechten)  legt,  indessen 

dabei  auch  auf  griech.  kratüs  etc.  verweist. 

hard-aditig,  hardaftig,  hartartig,  härt- 
lich etc. 

liard  -  drafeii ,  Schnelltraben ,  (Pferde-) 
20  Rennen,  ]]'ettrennen  etc. ;  d'r  schal  hir  bold 
'n  harddrafen  ot'holden  worden. 

liard-drafer,  Schnclltrabcr,  Renner,  Wett- 
renner. —  Nid.  harddraver. 

liard-drafere ,  Schnclltraherei ,  (Pferde 
25  etc.-)  Rennen,   Wettrennen. 

harde,  Harte,  Härte,  Festigkeit,  Strenge 
etc. ;    dat   harde    mut  d'r  i'itsnäden  worden  ; 

—  mit    harde    is    d'r   niks    tät^en  to  maken; 

—  he  kan  de  harde  (Härte,  Stärke,  Festig- 
30  keit,    volle  Kraft    u.  feste  Gesundheit    etc.) 

uog  hei  net  wer  krfgen  un  blift  altid  nog 
wat  piperig  un  swak ;  —  he  (de  bom  etc.) 
hed  de  harde  kragen. 

harde-fos,  ein  harter,  dichter,  fester,  kräf- 

35  tiger    Pfannkuchen    von    der    ersten    Milch 
(bestmelk)  einer  Kuh,  auch  rugfos  genannt. 
hardelik,  hardlik,  hartlik,  hardelk  etc., 
härtlich,  consistent,  fest,  kräftig,  nicht  weich- 
lich, nicht  schaal,  nicht  fade  od.  matt :  hardelk 

40  fles;  —  de  fisk  is  regt  hardelk  un  frisk;  —  dat 
äten  is  (od.  sniekd)  regt  hardelk  (das  Fsscn 
ist  [od.  schmeckt]  recht  kräftig  u.  wohlschme- 
ckend) ;  —  schelfisk  is  'n  hardelk  äten. 
harden,  a)    härten,  hart  machen  od.  wer- 

4:5  den  ete  ;  dat  iser  mut  liardt  worden ;  —  hr 
hardt  sük  of  od.  is  ofhardt;  —  b)  aushal- 
ten, dauern,  ansdauern  etc. ;  he  kan  't  wol 
harden  (aushalten,  ertragen,  ausstehen  etc.), 
dat  he  's  winters  düii  geklcdt  geid;    —    he 

50  kan  dar  wol  harden  (od.  düren,  ütdüren,  üt- 
harden  etc.)  war  he  wand ;  —  he  kan  't  dar 
in  Norwägen  güd  harden,  un  wil  d'r  hei  net 
wer  weg;  —  he  kan  't  net  langer  harden, 
fan  Wagens   de  grote  kolde.      cf.   fer-,   ful-, 

55  ut-harden  etc.  —  Nid.  harden  (härten;  er- 
tragen, erdulden,  ausstehen,  aushalten,  lei- 
den, ausharreti  etc.);  mnd.  harden  (l^art 
sein  od.  werden)  ti.  lierden  (Jiart  u.  fest 
machen;  erhärten;   stärken,  ermuntern,  an- 

GO  treiben  etc.;  ausdaucrn,  ertragen  etc.) ;  mnld. 


HARD-FUCIITIG 


39 


HAREN 


(KU.)  herdden  (durare  etc.)  ;  afries.  herda, 
birda  (erhärten,  beweisen);  xvfriefi.  hirdden 
(Jiärten;  ausdaucrn  etc.);  satl.  herdje;  nfries. 
(Oiitzen)  liarden,  bürden,  birde  (aushalten 
etc.) ;  as.  bardon  (ohdiirescere)  u.  herdjan 
(roborare) ;  ags.  (II.  L  c  o)  beardan,  byrdan 
(in  gebeardan  etc.,  stärken  etc.)  u.  beardjan 
in  a-lieardjan  (hart  sein  u.  loerden  etc.) ; 
an.  bardna  (hart  iverden)  u.  berda  (hart 
viachot  etc.);  norw.  bardna  n.  berda  (das- 
selbe); dän.  haerda  (härten  etc.);  ahd.  bar- 
ten,  barton ;  mhd.  barten  (liart  sein  od. 
werden,  durare,  manere)  u.  bartan  (d.  i. 
hartjan).  bertan,  berten ;  mhd.  herten  (här- 
ten, hart,  stark  u.  fest  machen,  stürTicn  etc.; 
dauern,  ausdauern,  beharren,  ausharren). 
Davon  (Diez,  I,  30):  ital.  ardire  (sich  er- 
Mihnen);  x^rov.  ardir,  enardir ;  franz.  en- 
hardir  (liühn  machen)  etc. 

hard-fucLtig  (schicer  feucht),  nicht  leicht 
iveinend,  nicht  leiclit  (zu  Thränen)  gerührt, 
gefühllos,  hart,  fest  u.  standhaft  von  Sinn 
u.  Charakter,  starrsinnig  etc. ;  du  must  di 
hardfucbtig  boldeu  un  nicb  allid  so  ligt 
schrefen,  wen  di  wat  sär  deid ;  —  man  word 
mit  leferla  al  fan  sülfst  wat  bardfuchtiger, 
wen  man  wat  older  word ;  —  de  jung  is 
ferdomd  hardfucbtig,  un  be  fragt  den  düfel 
d'r  na,  of  man  hum  in  goden  fermänd,  of 
bum  ütscheld  un  dorprügeld.  —  JSfld.  hard- 
vocbtig. 

hard-faehtiglieid,  Gefühllosigkeit  etc.  — 
Nid.  hardvocbtigbeid. 

hai'd-heid,  Hartheit,  Härte. 

hard-hörend,  hardhörig ,  hart-,  schwer- 
hörend, harthörig  etc. 

Iiard-liörigheid,  Harthörigkeit. 

liardigheid ;  i.  q.  bardheid. 

hard-kop,  Hart-,  Starrkopf. 

liard-lärig,  hart-,  .schwer  lernend  etc. 

hard-lifig,  hartleibig,  verstopft  etc. 

Lard-lik,  s.  bardelik. 

hai'd-löper,  Schnellläufer,  Benner,  bz. 
Einer  der  schnell  u.  eifrig  läuft;  d'r  kumd 
fan  dage  'n  bardlöper  bi  de  strate ;  —  dat 
perd  is  'n  bardlöper ;  —  be  is  sin  läfend 
gin  bardlöper  west  un  sal  't  up  't  older  ök 
wol  net  mer  worden. 

hard-nakk,  ein  hartnäckiger  Mensch. 

hard-nakkig,    hartnäckig,  unbeugsam  etc. 

liard-nakkigheid,  Hartnäckigkeit  etc. 

liär-dok,  Haartuch,  Tucli  od.  Gewebe  von 
Haaren   u.    besonders  von  Schweinshaaren. 

flare,  s.  Haro. 

1.  hären,  haaren;  a)  Haare  od.  Wolle, 
Fasern  etc.  abwerfen  od.  verlieren  u.  loech- 
seln,  kahl  werden  etc. ;  dat  perd  härd ;  — 
de  äsel  härd  of;  —  dat  göd  fangd  an  to 
hären ;  —  b)  Haare  od.  Wolle,  Fasern  etc. 
entfernen,   mittelst  eines  Kammes,  Wlessers, 


Striegels  od.  eines  sonstigen  entsprechenden 
Gcräths,  daher  auch:  kämmen,  striegeln, 
schaben,  kahl  machen,  scJiinden,  rupfen  etc. ; 
de  botter  is  net  göd  härd  od.  kemd,  d.  h. 
5  nicht  gut  vom  Haar  od.  sonstigen  Unrath 
cds  Flocken,  Fasern  etc.  gereinigt,  ivas  mit- 
telst eines  Messers  od.  Kammes  geschieht; 
—  dat  perd  mut  bäter  bärd  (gekämmt  u. 
gestriegelt,  bz.  geputzt)  worden ;  —    wen  de 

10  bilden  üt  de  löikupe  (Lohekufe  der  Loh- 
gerber) kamen,  den  worden  se  bard  (mit 
dem  Schab)nesser  abgeschabt  n.  abgekratzt 
u.  kahl  gemacht) ;  —  be  is  dügtlg  bärd  (ge- 
Tupft,  mitgenommen,  geplündert  etc.);  —  be 

15  bed  bum  ntt  so  lauk  härd  (gerupft  etc.).  as 
he  nog  'n  8rtje  harr' ;  —  be  schal  härd 
(gerupft,  mitgenommen,  geplündert ,  od.  ge- 
schoren, kahl  gemacht  etc.)  worden,  dat  he 
de  angst  krigt. 

20  2.  hareii ,  schärfen ,  .scharf  machen  u. 
zwar  speciell  die  Sense,  indem  die  Schneide 
derselben  auf  dem  här-stapcl  mittelst  des 
bär-bamers  dünn  u.  scharf  geschlagen  loird; 
de  seise  mut   erst  wer  bärd  worden,    anders 

2-3  snidt  se  nicb.  —  Nd.,  mnd.,  nid.  baren ; 
nfries.,  dithm.  bare,  haare ;  satl.  bare.  Mit 
mnld.  här  od.  haer  (Werkzeug  zum  Schär- 
fen der  Sense,  hz.  Schärfzeug ,  od.  schär- 
fendes Etioas) ,    bz.    mit  unser m  här-haraer 

30  etc.,  sowie  Itcss.  (Vilmar)  här  (Schneide 
der  Sense),  nd.  (Dähnert)  här  in  här- 
egge  (die  scharfe  Schneide,  od.  egge)  viel- 
leicht derselben  ]/  ^ar  (dirumpere,  laedere 
etc.)  entsprossen,  tvozu   (cf.  Grimm,   Wb., 

35  IV,  27  u.  H.  Leo,  pag.  124)  goth.  hairus, 
as.  heru,  beoru,  an.  hiörr,  ocl.  hjörr  (i^nsis) ; 
griech.  kelrö  (scheeren  etc),  kerma  (Schnitt) 
etc.,  skr.  garu  (Waffe)  etc.  gehört.  Möglich 
ist  es  indessen,  auch,    dass    der  Stamm    bar 

40  od.  här,  Thema  hari?  (schneidend,  scharf 
etc.)  auf  die  y  kar,  schneiden,  theilen,  .spal- 
ten, verletzen  etc.  (cf.  send.  u.  skr.  kar  u. 
die  wohl  davon  erweiterte  Form  kart  = 
zend.  karet,  schneiden  etc.)  zurückgeht,  wo- 

45  bei  weiter  noch  Fick  (1 ,  4.5)  zu  verglei- 
chen ist,  wonach  .skr.  kar  u.  Qar  auch  aus 
idg.  skar  (cf.  schäre,  schären  etc.)  entstan- 
den sein  kann.  Vergleicht  man  indessen 
die  y  aq  od.  idg.  (Fick)   ak  von    egge  u. 

50  lat.  acus  etc.,  .so  kann  man  auch  anneh- 
men, dass  diese  zu  9a  od.  idg.  ka  (cf.  Fi  c  k, 
I,  54  y  ka,  schärfen,  wetzen)  umgesetzt  ist 
u.  davon  wieder  gar  od.  kar,  bz.  zend.  kar 
(cf.  zend.  aku,  Spitze  etc.   u.   Weiteres   un- 

55  ter  egge)  weitergebildet  wurde. 

3.  liaren  (rauhen,  rauh  werden  od.  auf- 
springen  etc.  ?).  Wenn  im  Winter  die  Haut 
der  Lippen,  Hände  etc.  nass  u.  feucht  sind 
u.  in  diesem   Zustande    dem    kalten  Winde 

60  od.  Froste  ausgesetzt  sind  u.  in  Folge  dessen 


HAREN  40  HARIG 

rasch  trocTcnet  u.  spröde  wird,  so  sprinfft  hearfest;  ah.  haust;  ?(or?p.  haust ;  (7rtM.  höst; 
bekanntlich  die  Haut  leicht  auf,  wodurch  ahd.  herbist,  herpist;  ?«/ff/.  herbest.  Es  ge- 
sie  einerseits  ratih  u.  rissig  de.  u.  anderer-  hört  tcoJil  mit  lat.  carpere  u.  griech.  kar- 
seits  wund  u.  sehr  empfindlich  u.  schmerz-  pös,  karpizein  etc.  zu  der  ]/  karp  (schnei- 
haft  wird,  welchen  Zustand  wir  mit  fer-,  to-  5  den,  sclwercn) ,  sodass  es  die  Schneide- 
od.  ter-haren  (de  hiid  is,  o(/.  de  lippen,  hande  Zeit  (des  Getreides,  Weins  etc.),  od.  die 
etc.  sunt  nii  gans  fer-,  od.  to-,  tcr-härd)  be-  Abnehme-  u.  Brechseit  (der  Frucht 
zeichnen  u.  wonach  man  denn  fer-,  to-haren  etc.)  bezeichnet,  wobei  dann  anzunehmen  ist, 
etc.  mit  V e r-  od.  zer-rauhen ,  od.  auch  dass  die  aus  kar,  bz.  skar  (schneiden  etc., 
mit:  z e r-spr i n gen,  zer-bersten  etc.  10  cf.  unter  2  baren)  erweiterte  y  karp  aus 
übersetzen  kann.  Vergleicht  man  indessen  schneiden  die  Bedtg. :  trennen,  s})al- 
nhd.  lech,  lecken  u.  lechzen  (Wei-  ten,  brechen,  abnehmen ,  pflück en 
gand),  bz.  dass  lech  (rissig  od.  anfge-  etc.  entwickelt  hat.  Möglicherweise  hat  in- 
borsten,  zersprungen,  cf.  lek  etc.)  rcohl  urspr.  dessen  herhist  etc.  direct  mit  lat.  carpere 
die  Bedtg.:  ausgedörrt  etc.  (durch  die  15  etc.  nichts  zu  thun ,  da  die  Form  anschei- 
Sonne  od.  einen  trocknen  Wind)  hatte,  so  nend  ein  verlorenes  Vbm. :  harben  od.  har- 
ist  es  icohl  zweifellos,  dass  dieses  haron  mit  bön,  ags.  liearfan  etc.  voraussetzt  u.  zwar 
dem  mnld.  (KU.)  haere  (urens  frigore  ven-  in  der  Bedtg.:  schneiden,  schecren,  kahl 
tus,  nelida  aura  summam  cutem  urens  aspe-  machen  etc.,  toie  ja  auch  herhht  die  Bedtg.: 
ritate  quadam),  haorcn  (frigore  aut  calore  20  kahl  u.  leer  gemacht  haben  kann  u.  dann 
niniio  torrere  vel  urere  ,  urentem  auram  die  Jahreszeit  bezeichnen  würde,  tvo  die 
spirare)  derselben  y  angehört  u.  ursjrr.  die  Felder,  Bäume  etc.  kahl  u.  leer  gemacht  sind. 
Bedtg. :  dörre n,  troc k n e n,  a u sdör ren,  harfst-aoliti^ ,    liarfst-aftig ,    herbstartig, 

austrocknen  etc.    hatte,    tcie  ja  das  von        herbstlich,  rauh  etc. 

KU.  (unter  pag.  211)  angeführte:  ,,heft  idt  25  harfst-dag,  Herbsttag;  de  harfstdagen 
so  seer  alle  dage  gehaert'"  wörtlich  mit  „hat  sunt  d'r  wer;  —  Herbstzeit,  Herbst;  bi 
dies  so  sehr  alle  Tage  gedorrt,  od.  g e-  harfstdag  (bei  Herbstzeit);  —  de  harfstdag 
trocknet"  übersetzt  tcerden  muss.  Die-  (der  Herbst,  das  Alter,  bz.  die  Zeit,  wo  man 
semnach  ist  es  aber  auch  wohl  sicher,  dass  hinfällig  u.  alt  wird)  kumd  al  bi  hum. 
dieses  hären  weder  tnit  1  hären  (von  Haar  30  harfsteu,  herbsten,  Herbst  werden  etc.; 
entblössen,  bz.  schinden,  od.  tvund  machen)  'i  fangd  au  to  harfsten. 
od.  här  (als  Rauhes),   noch  mit  2  hären  harfst-iiiänd,  Herbstmonat, 

(womit  Dr.  Lübben    [cf.   mnd.   Wb. ,    II,  havfst-tlü,  Herbstzeit. 

207]  es  identißcirt)  verwandt    ist,   sondern  här-god    od.    här-tug,     Schärf  zeug    zum 

zur  y  kar,  kar  (brennen  etc.,  cf.  Fick,  I,  35  Schärfen    der  Sensen,    bestehend   aus    dem 
44)  gehört.      Vergl.  übrigens  auch  griech.        härstapel  od.  härspit  (kleiner  Amboss,  der  in 
skellö,  skeleö  (dörren  etc.),   tvas  möglicher-        die  Erde  festgesteckt  loird)  u.  dem: 
weise  mit  skr.    kshära    (brennend   etc.)    etc.  här-hamer,  Schärfhammer,  Hammer,  der 

zu  einer  idg.  y  ska  (cf.  Fick,  I,  241)  ge-  zum  Schärfen  (cf.  2  hareu)  gebraucht  tvird. 
hört,  wovon  eben  skar  u.  lat.  cal  (von  ca-  40  1.  liarig,  haarig,  mit  Haaren,  Borsten 
lere)  etc.  auch  %oieder  weiter  gebildet  sein  od.  feinen  Stacheln  besetzt,  od.  behaftet, 
können,  xvie  hicvou  wieder  das  für  skr.  borstig,  rauh,  kratzig  etc.  (auch  ßg.):  he  is 
chard,  chardati  (anzünden,  glänzen),  griech.  fan  daije  ferdömd  harig  uu  bitsk. 
skard-amussö  (blinzeln),    an.    skarta    (glän-  2.  liarig ;    /.  cp  heiig,    d.   i.  dunstig,    mit 

zen),  skart  (Glanz,  Pracht)  etc.  anzusetzende  45  trocknem    od.    Iteissem  Dunst  od.  Bauch  u. 
Tliema  skard.  Nebel  erfüllt;   de   lücht    (Luft)  is  fan  dage 

4.  hären,  haaren,  von  Haar,  hären;  'n  so  harlg  un  het,  dat  man  in  de  ferte  hast 
hären  ki-tte  od.  gördel,  tämse  etc.  hei  niks   regt   düdelk  sen  kan    un  't  net  is, 

liären.  s.  ferhären  u.  heren.  as  of  de  bomon  un  luisen   etc.    in   de   lücht 

harfst  u.  (selten)  liarst ,  Herbst ,  Jahres-  50  drifen  of  hangen.  —  Nid.  harig ;  schwed. 
zeit  der  lieifc  n.  Ernte.  Fig.  Alter:  de  (cf.  Bobrik,  naut.  Wb.,  .331)  härig;  dän. 
harfst  is  'n  lefen  gast,  den  de  brengd  uus  haariig.  Connex  mit  3  hären,  bz.  dem  da- 
Gods  segen;  —  de  in  d'  harfst  niks  updeid,  selbst  erwähnten  mnld.  haeren  ,  tvoher  sich 
mut  's  winters  up  de  fingers  klüfen;  —  wen  auch  das  Wort  Haar  rauch  wohl  her- 
de  harfst  erst  bi  'n  rainsk  kumd,  den  is  de  55  schreibt,  zumal  dieses  Wort  aus  fries.,  ncl. 
beste  ar'  fan  't  liifenJ  d'r  of.  —  i\"*/.  harfst,  od.  nid.  Gegenden  stammt.  Da  nun  här  od. 
harvst;  mnd.  hervst,  hervest ;  nid.,  mnld.  hare  im  nd.,  bz.  mnd.  (cf.  Seh.  u.  L.,  II, 
herfst;  africs.  hcrfst ;  nfries.  harvst;  wfries.  207)  (dter  auch  die  Bedtg.  „Höhe"  hat  (die- 
hearst;  sali,  herst;  ags.  hearfest,  od.  (IT.  ses  Wort  könnte  tcohl,  sofern  es  nicht  7nit 
Leo)  haerfest,  härfest,  horfest,  herfest;  engl.  60  afries.  har,  her  [s.  u.J  etc.  zusammenhängt, 


HAR-JASSES  41                              HARKEN 

mit  einem  zu  2  hären  gehörenden  hare  in  auf  den  Watten  c/efangen  ivird  u.  demnach 
der  Bedtg. :  Schärfe,  Schneide,  Kamm,  Grat,  auch  loohl  von  Urzeiten  her  u.  lange  vor 
Bergspitze  etc.  identisch  sein,  zumal  ivenn  J-'Jntstehiing  der  Seescliifffahrt  schon  ein 
man  vergleicht,  dass  egge  ausser  Kante,  Hauptnahrungsmittel  unserer  Küslenhewoh- 
Ecke  [cf.  auch  hörn  u.  hörn]  auch  die  5  ner  bildete,  so  ist  es  viel  wahrscheinlicher, 
Bedtg.:  Schneide ,  Schioert  etc.,  sowie  dass  häring  ein  ur-nd.  fries.  Wort  ist  u. 
die  von:  G ehir gshamm,  B er g spitz e  mittelst  der  Endsglbe  ing  (cf.  h\g,  was  auch 
etc.  hatte),  so  ist  es  leicht  möglich,  dass  mit  ung  in  Waldung,  Holzung  etc.  identisch 
Haar  rauch  in  neuerer  Zeit,  tvo  im  nd.  u.  ivomit  auch  meklenburgisch  mntting  [Mut- 
die  Bedtg.:  heisser  trockner  Dunst  10  ter]  zusammengesetzt  ist)  von  har,  haer,  her 
des  alten  Woi'tes  hare  od.  mnld.  haer  ver-  od.  her,  her  (Heer,  Menge,  Schaar  etc.) 
loren  gegangen  ivar  u.  man  es  in  Nieder-  abgeleitet  wurde,  sodass  haring,  hering 
Sachsen  ivirklich  in  der  Bedtg.:  Höhen-  urspr.  als  Collect,  für  diese  in  grossen 
rauch  gebrauchte,  im  nhd.  auch  mit  Höhe-  Mengen  od.  Schaar en  an  den  Küsten  er- 
rauch  übersetzt  tvurde.  kläglich  ist  es  \o  scheinenden  Fische  von  Hause  aus  ein  Et- 
indessen  auch,  dass  die  Wörter  Haar-  ivas  bezeichnete,  was  ein  Heer  od.  Heer- 
rauch u.  Heerratich  beide  mit  hur,  her  ähnliches  Etwas  ist,  bz.  in  Schaar  en 
od.  her  (hehr,  hoch  etc.,  cf.  afries.  har,  her,  zieht  u.  kömmt.  cf.  dieserhalb  auch  H. 
hoch  etc.  unter  her  od.  herr),  od.  einem  da-  Leo,  Spalte  123,  Zeile  23. 
von  gebildeten  Subst.  hare,  here  (Höhe)  zu-  20  harke,  hark',  Harke,  Rechen.  Sprichw. : 
sammengesetzt  sind,  während  das  nhd.  Höhe-  ik  wil  di  wlsen  ,  wat  'n  hark'  is.  —  Nd., 
rauch  (sofern  es  nicht  blosse  Uebersetzung  mnd.  harke;  nid.  hark;  mnld.  harcke,  hercke. 
des  nd.,  fries.  här-rok,  herrok  ist)  auch  aus  Davon  wohl  franz.  herque  (räteau  de  fer). 
älterm  mdartl.  heige-  od.  hege-rauch  ver-  M.  Heyne  denkt  an  einen  Zusammenhang 
derht  sein  könnte,  tvas  bekanntlich  mit  ahd.  25  mit  engl,  harrow  (Egge) ,  to  harrow  (eggen; 
hei,  gehei,  geheige  (uredo,  cauma  etc.,  cf.  6  verheeren,  verwüsten,  verwirren,  üherwälti- 
hei  ti.  dazu  mnld.  haere  [urens  frigore  ven-  gen,  einf edlen,  unterjochen) ,  bz.  dän.  harv 
tus  etc.]  unter  3  hären)  zusammenhängt,  (Egge),  harve  (eggen),  nfries.  (Outzen) 
wie  ja  auch  ivirklich  das  Wort  hairauch  härwe,  (Schütze)  harv  (Egge),  was  nach 
statt  Höherauch  od.  Höhrauch  vor-  30  dem  engl,  to  harrow  höchst  wahrscheinlich 
kommt.  Da  nun  aber  neben  Haar  rauch  aus  dem  ahd.  harjon,  herjön  etc.,  ags.  her- 
auch  noch  die  Form  Heer  rauch  in  der-  jan,  hergjan  (mit  Heeresmacht  ziehen,  über- 
seihen Bedtg.  vorkömmt,  so  ist  ivohl  anzu-  ziehot ;  verheeren,  plündern  etc. ,  vastare, 
nehmen,  dass  auch  dessen  erste  Sylbe  Heer  spoliare,  praedas  agere)  hervorging  u.  wobei 
aus  mnld.  od.  mnd.  haer  od.  fries.  heer  ent-  35  demnach  anzunehmen  loäre,  dass  entioeder 
stand,  zumal  auch  nhd.  Haar  im  mnld.  aus  der  Bedtg.:  (ein  Etwas)  überziehen 
haer,  hayr  «.  im  fries.  her,  heer,  hier  lautet.  od.  ziehen  über  (Etioas  hin)  die  von 
har-jasses,  s.  her-jasses.  Egge  (als Ding,  tvomit  man  das  Feld  über- 
häring,  härink,  iiärenk,  hänik,  hernk  zieht)  hervorging,  od.  dass  aus  verhee- 
(Plur.  hä.rings,hkrn]is  etc.),  Hering.  Sprichto.:  40  re^i,  verwüsten  (wenn  in  alter  Zeit  ein 
he  bradt  sin  häriugs  gern  hi  'n  andermans  Heer  ein  Land  überzog  u.  verwüstete,  bz. 
für;  —  sin  liäring  bradt  dar  n§t.  —  Nd.  eine  Stadt  od.  ein  Dorf  überzog  u.  ver- 
hering;  mnd.  heriuk,  harink;  nid.  haring;  brannte,  so  wurde  die  Gegend,  od.  Stätte 
mnd.  harinck,  heriuck;  afries.  hereng;  ags.  mit  Salz  überstreut  u.  damit  eingeeggt  od. 
haering,  hering;  engl,  lierring;  isl.  haeringr;  45  auch  iimgepflügt,  um  sie  unfruchtbar  u.  un- 
ahd.  harinc;  mhd.  herinc,  härinch.  Davon:  bewohnbar  zu  machen)  etc.  die  von  eggen 
ital.  aringa;  sj)an.  arenque;  prov.  arenc ;  (od.  zerreissen  etc.  mit  der  Egge)  hervor- 
f r anz.  hureng;  ival.  hering.  Die  gewöhn-  ging.  Was  nun  aber  ha.rke,  bz.  mnld.  hercke 
liehe  Annahme  ist,  dass  dieses  WoH  aus  speciell  betrifft,  so  ist  dieses  mit  (Diez) 
lat.  hälec,  älec,  hälex  (eiii  Salzfisch,  od.  eine  50  franz.  herse,  afrcmz.  herce ,  mlat.  hercia 
Salzlake)  entlehnt  wurde,  od.  entstanden  ist.  (Egge)  wohl  zweifellos  identisch,  wovon  auch 
Da  indessen  der  mit  dem  collect.  Namen  ha-  franz.  herser,  rect.  hercer  (eggen)  u.  afranz. 
ring,  haering,  hering  etc.  benannte  Fisch  den  (Dimin.)  herceler,  nfranz.  harceler  (einen 
Küstenbewohnern  der  Nordsee  jedenfalls  viel  bis  zur  Peinigung  reizen)  nach  Diez  wei- 
früher  bekannt  war,  als  sie  mit  den  Römern  55  tergebildet  sind.  —  Afranz.  herce  betr. ,  so 
in  Berührung  kamen  u.  er  grade  zu  den  soll  dies  aus  lat.  hirpex  hervorgegangen 
am  häufigsten  u.  in  grossen  Mengen  an  sein,  was  ich  dahin  gestellt  sein  lasse. 
unsern  Kmten  vorkommenden  Fischen  ge-  hfirke,  härtje,  Härchen;  dat  Bchald  gm 
hört,  bz.  besonders  im  Frühjahr  stets  harke. 
massenhaft  in  den  aggen  genannten  Reusen  60      harken,    harken,  rechen,  ziehen,    bz.  mit 


HARKEN  HAHKJEN  42  HARM 

der  Harke  durch- od.  über  ziehen,  hz.  ebnen,  das  aus  dem  Flachs  gerupfte    od.  g  c- 

od.  zusamiueiiziehen  etc.;   hö  harkd  dat  all'  zupfte  Etwas    sein    tvürde.      Dass    wahr- 

bi  'naniler;  —  du  niust  dat  bcdde  örst  har-  scheiid.  auch  )ihd.  Luft  =  goth.  luftus  (cf. 

keil  Uli  de  kliiten    göd    fin    niaken ;    —    he  1  \\\c\i{)  aus  Xwiei  entstand  u.  zu  einem  Vbm. 

harkd  de  tun  nt;  —  he  haikd  de  bladen  in  5  lufan,    greifen,  fassen,    rauben,    entfernen, 

en  hüi)  tosanieii.  nehmen,  frei    machen,    Eaum    machen    (ist 

linrkon,  hiwkj^n  (obs.).  horchen,  lausclien,  Luft  =  freier  Raum,   cf.  die  Eedens- 

horen ,    gehorchen    etc.    —    Africs.    harkia,  tirt:  mache  mir  Luft)  etc.    gehört,    ist  loohl 

harkj.i ,    horkia,    herkja;    ufries.    harckjen,  zweifellos  u.   Weiteres  darüber  unter  1  \ucht 

lierckjen;  nfrie.'^.  harke;  satl.,  wa )i g.  hai-kje;  10  zu  vergleichen. 

ags.    heorc-jan  ,    hercnjan,    hyrciiaii:     engl.  Hai'lo,  Marl,  Hai'i'el,  die  Harle,   ein  klei- 

hearcen;  nd.,  mnd.  borken;    mnhl.  barcken,  ner  Flass,  loovon  das  llarlingcrland  od.  (cf. 

horcken  ;  ahd.  hürechan,  hürcchcn  ;  md.  hur-  T>r.  Friedlaen  d er,  Ostfries.  Urkundcnb., 

cheii.      Zu  huren,    bz.    ahd.  hürjan    etc.    u.  png.  15,  Kr.  23  vom  22.  März  1237)  terra 

z^rar   con   einem  Stamm   heorc ,    hyrc,    bz.  15  Herlingia     seinen    Namen    hat.       Derselbe 

hcöri^;,  h.vric,  heörech,    der    mit   ags.  hyrig,  strömte  früher    (cf.    Arcnds,    Erdbeschr. 

ufries.  heroch,  herech,  herec  etc ,  mhd.  hoe-  von  Ostfries-    u.    Harlingerland.,   pag.    488 

rec,  nhd.  hörig  tirspr.  identisch  war,    so-  seq.)  ^oahrscheinl.  (aus  dem  Brokzeteler-Meer 

ihis.t  ahd.  hürech-an    tvörtl.  soiu'el  heisst  cds  kommend)    durch   einen   bis   Wittmund   rei- 

hörig  sein,  bz.  hören.  20  chenden    Meerbusen    (gleichfalls    Harle   ge- 

harker.  Einer  der  harkt,  od.  rechent.  nannt),  zwischen  den  Inseln  Spiekerooge  u. 

li;ii'-kh'n,    haarklein;    ik    kan   d!  dat  net  Wangcrooge  hindurch  ins  Meer,  ivie  ja  auch 

all'  so  härklen  fertellen.  noch  jetzt    der  zwischen   diesen   Inseln  hin- 

hilr-klöfe,    Haar- Scheitel,    Stelle,    loo  das  durchßiessende  Strom  den  Namen  Harle  od. 

Haar  gescheitelt  wird.  25  Harrel  trägt.     Der  Flussname  selbst  kömmt, 

\uiv-klofer,  n)  Haarschneider ;  —  h)Haar-  soviel  ich  tvei.'^s,    in    alten   Urkunden    nicht 

Spalter:  fig.  Wortklauber;   he  is  so  'n  reg-  vor    u.    da  nun  die  Wangerooger    (cf.  Eh- 

ten  harkiut'cr.  rentraut,    I,    370    u.    JI,    (>!))    denselben 

liarl,  haiTCl,  Faser,  Flachsfaser,  einzelne  Heddel  nennen,    so    ist  es  fraglich,    ob  der 

Faser    von  Flachs;    de  harlen    od.    liarrels  30  Name   Harle    od.  Harro],    Harl ,    bz.    Herle, 

tan  "t  flas.  —  Nd.  harl;  mnd.  (Seh.  u.  L.)  Herrel ,  Herl  aus  Haddd ,  Heddel    entstand, 

harl,  harle,    herle,    harrel    (ein    Haar    von  od.  timgekehrt  das  wang.  Heddel  aus  älterm 

Flachs    od.    Hanf,    ein    einfacher    Fesen);  Herrel.    Zu  der  Wahrscheinlichkeit  od.  Mög- 

engl.  harl    (Flachs-,  od.  Hanffaden,  die  fa-  lichkeit  der  Entstehung  von  Harl,  Herl,  bz. 

serige  Substanz).     Obschon  ttuin  bei  diesem  35  Harrel    etc.    aus    Haddel    etc.    vergl.    unser 

Wort    wohl    an    eine    Identität    mit    nhd.  harre,  harr'  aus  hadde   (hatte  =  nid.  had), 

Härle,  Härlein  (Härchen)  denken  könnte,  scharre,  scharr'  aus  %chü.([A.Q  (Schatten)  etc., 

so  hat  es  damit  doch  nichts  gemein,  sondern  bz.  die  Contract.  von  weder,  wedder    (wie- 

es  ist   vielmehr   aus   ahd.    harlufa,    harlifa,  der  u.   Wetter)  zu  wer,   —   snder   zu  sür 

harlefa,  bz.  harluf,  harliiph  (licium,  fiuiis)  rrr-  40  etc  ,  während  bei  der  Entstehung  von  Hed- 

stümmelt   a    demnach  (,'o)ii})os.  von  har,    bz.  del  aus  Herle,  Herl,  od.  Herrel  angenommen 

haru  (Flachs,  cf.  2  här)    u.  lufa,   Inf,  luph,  tverden  müsste,    dass  Herl  zuerst  zu  Herdel 

leas  vielleicht  mit  mhd.  lupfen  (in  die  Höhe  (cf.  kerdel  [Seh.  u.  L.,    I,   460]    =    kerl, 

heben,  od.  ziehen,   rupfen,    reissen,    lüpfen)  karl    u.    andere  Einsrhiebungen    eines  „d") 

zusammenhängt    u.    wo  denn  lufa,   luph  die  15  u.  dieses  dann  zu  Heddel  geworden  sei,  tvie 

Bedtg.:   Hebung,  Hub,    od.  Zug  etc.  haben  z.  B.  wang.  seddeiije  aus  sernje,  Z;.^.  serrnje 

könnte  u.    harlufa    das    aus    dem    Flachs  (cf.  unter  liarnen)  entstand. 

gelupfte,    od.  gezogene   n.  gerupfte  Harm,    ml.   Name,   gekürzt  aus  Hermann. 

Etwas  uärc.      Oder    muss    man  für   dieses  Duron:  tcbl.  Dimin.  od.  Koseform  Harmke 

lufa  etc.  ei7i  verlornes    Vbm.   lufan    (reissen,  50  n.   Gescldn.  Harms,  Harmens. 

wegreissen,   bz.  rauben,  ivegnchmcii  etc.  od.  Iiariu ,    Harm,  Leid,  Schmerz,   Verdruss, 

raufen)  =  urspr.  rufan  (cf  ruf,  ruifen,  ru-  IJctrübniss,  Kummer,  Gram  etc. ;   fan  liarra 

fen  etc.    u.  lat.    rup,    rump    von    rnptor    u.  un  Icuninier  umkamen.  —    Nd.  barm;    myid. 

rumpo,  —  bz.  skr.  lopa,  Ijoeh,  liiss,  Spalte  barm,  borm;  afries.  hcrm  (Harm,  Schmerz) ; 

etc.  u.  md.  luf.  Loch,  Itiss,  Spalte,  Abgrund,  55  nfries.  hiirm  (bekümmert,  verdri esslich,  trübe 

Höhle)  annehmen,  wonach  denn  lata,  soirohl  gestimmt);   mnld. ,    bz.   fries.   (KU.)    herm, 

die  Bedtg.:    Riss    etc.    cds    auch    die  von:  barm  (tristis,  lugens,  dolens) ;  (fs.  barm  (Leid 

einmaliges  Reissen   u.   Zupfen   {cf.  etc.)  u.  barm  (leidig,   schmerzlich,  Kummer 

ruf  =  Rupf  od.  Zupf  etc.)  haben  könnte  bringoid;  schlimm),  ^///.s.  bearm  (Kränkung, 

u.  demnach  har-,  od.  baru-lufa  auch,  wieder  CO  Beleidigung,    Schaden);    engl,  barm    (Leid, 


HÄRMEN 


43 


HARPE  HARP 


Nachtheü  etc.)  ;  an.  liarmr  (Betrühniss,  Kum- 
mer etc.) ;  norw.,  sclnved.  härm  (Harm,  Gram 
etc.) ;  dän.  hcarm  (gram,  unwillUj  etc.),  härme 
(Harm,  Gram  etc.);  alul.  härm  (coiitumelia, 
calumuia,  jurgium ;  injuria).  Ob  es  zn  ]/  ^ram, 
(sich  anstrengen,  abmühen,  quälen  etc.)  gehört, 
sodass  die  Grdhdtg.:  Anstrengung,  Mühe, 
Qual  etc.  ist?  Oder  gehört  es  mit  kslnv. 
scramü  (Scham,  d.  h.  ursjn'.  wohl:  BotJi- 
werden,  Erröthen  etc.) ,  lit.  sarmata  («lecle- 
cus),  slav.  sramiti  (sich  schämen)  zur  y  (•ä.r, 
^ri,  od.  cri  (glühen,  glänzen,  roth  ivcrden, 
erröthen)  ? 

härmen,  härmen,  Harm,  Leid  u.  Gram 
etc.  machen  u.  thim,  od.  haben  u.  leiden ; 
dat  harmde  hum ;  —  he  harmd  sük ;  —  in 
Harm  sein,  betrübt  u.  traurig  sein,  Idagen 
etc.;  härmen  uu  karmen.  —  Nd.  (Dähnert) 
härmen  ;  mnld.  hermen  (Leid  u.  Schmerz  etc. 
[Jemandem]  machen  od.  zufügen,  nocere, 
obesse) ;  ags.  hearmjan  (Harm  machen,  pla- 
gen etc.),  engl,  härm  (beschädigen,  verletzen, 
Leid  zufügen  etc.) ;  an.  harma  (betrüben 
etc.);  dän.  härme  (sich  härmen);  ahd.  här- 
men (in  Leid  sein,  sielt  härmen)  u.  harm- 
jan,  harman ;  md.  hermen,  hermiu  (beschim- 
pfen, plagen,  quälen,  ve.viren).  cf.  (Diez, 
II,  331),  afranz.  hargue  (Verdriesslichleit), 
hergue  (verdriesslich) ;  lothr.  haregne  (Ha- 
der, Zwist) ;  nfranz.  hargueux  (zänJcisch), 
norm,  harigueux  (störrisch),  afranz.  hargner 
(hadern,  zanken);  pic.  hargner  (höhnen, 
verhöhnen),  hergner  (sich  beklagen)  etc.  loe- 
gen  ihres  theilweisen  Zusammenhangs  mit 
härm. 

här-miitse  (Haar-Mütze),  Perücke,  Haar- 
tour; fader,  du  hest  din  härmüts'  nog  net  up. 

liaruas,  hariiask,  Harnisch,  I'anzerhemd. 
—  Afries.  (haruask),  harnasch ;  lofrics.  liar- 
nasck;  nZd  harnas;  mnd.  harnasch,  harnisrh, 
harnsch,  harns,  hernesch ;  isl.  hardne^!kia ; 
mhd.  harnas,  harnasch,  harnesch,  haraisch, 
hernisch;  engl,  harness.  Aus  afranz.  har- 
nas, od.  mit  diesem  u.  (Diez,  I,  33),  ital. 
aruese  ;  span.,  port.,  prov.  arnes ;  franz.  har- 
nois,  harnais  (Rüstung,  Geschirr)  von  kymr. 
haiarn;  abret.  hoiarn;  ir.  iaran  (Eisen),  wo- 
bei es  möglich  ist,  dass  zuerst  das  engl,  har- 
ness aus  kymr.  haiarnaez  (Eisengeräthe) 
entstand  u.  hieraus  in  die  andern  Sprachen 
überging.  Das  kymr.  haiarn  (für  aiarn)  etc. 
ist  wie  an.  iärn  (Eisen)  etc.  desselben  Ur- 
sprungs wie  unser  her. 

Häro,  Häre,  ml.  Name.  Davon  Geschln. 
Hären,  Häringa,  Harringa.  cf.  Dr.  Fried- 
laender,  Ostfries.  Urk.  -  Buch,  pag.  19, 
Nr.  26,  vom  Jahre  1255  die  Geschln.:  Ha- 
ren, Harenga,  soivie  in  Nr.  171  (vom  Jahre 
1400)  den  Namen  Häro,  ivovon  Hero  viel- 
hicht   eine   Ablautform   ist,    icenn    diesem 


nicht  zunächst  das  afries.  her  od.  her  0iehr, 
hoch  etc.,  cf.  her  od.  herr)  zu  Grunde  liegt, 
woneben  indessen  auch  die  afries.  Form 
har  (hoch)  vorkommt  u.  wo  denn  Haro  loohl 
5  von  diesem  har  gebildet  sein  wird. 

liai'pe,  liarp,  Harfe.  —  Wfries.  harpe, 
herpe;  vld.  harp;  nd.  harpe;  mnd.  harpe, 
herpe;  ags.  hcarpe;  engl,  harp;  an.  harpa; 
dän.  harpe;    ahd.    harphä,   liarfä,    haraphä; 

10  mhd.  harphe,  harpfe,  lierpfe,  liärpf;  md. 
harpe.  Davon:  ital.  arpa;  span.,  port., 
prov.  harpe  (Harfe);  prov.  arpar ;  afranz. 
harper ;  ital.  arpeggiare  (Harfe  spielen),  wie 
desgl.   nach   Diez    (s.    I,   33)    auch    neup. 

15  arpa;  span.,  prov.  harpe  (Kralle,  Haken); 
span.,  port.,  prov.  arpar;  nfranz.  harper 
(packen,  anhaken,  zerreissen) ;  ital.  arpicare, 
inerpicare  (klettern) ;  franz.  harpin  (Haken), 
se  harpigner  n.  se  harpailler  (sich  raufen); 

20  ital.  arpignone  (grosser  Haken),  arpione 
(TJiürangel) ;  span.  arpon;  jjo?-<.  arpao  ;/jvi>(^. 
harpon  (Harpune),  harpeau  (Enterhaken) 
etc.,  ivobei  Diez  annimmt,  dass  die  haken- 
ähnliche Gestalt  der  Harfe   Veranlassung 

25  zu  der  Bedtg.:  Kralle,  Haken  gegeben  hat. 
Vergl.  dagegen  M.Heyne  (Grimm,  TI^. 
IV,  474),  welcher  der  Ansicht  ist,  cZass  harpe 
in  der  Bedtg.:  Klaue,  Haken  sich  blos 
damit  gemischt  hat  n.  mit  lat.  liarpe  (sichel- 

30  förmiges  od.  krummes,  hakenförmigesSchivert), 
harpago  (Haken,  räuberischer  Mensch)  zu- 
sammenhängt, wobei  jedoch  zu  bemerken  ist, 
dass  lat.  harpe  loohl  entlehnt  od.  identisch 
ist  mit  griech.  arpe  (Sichel)  u.  harpago,  har- 

35  pax  mit  griech.  arpe  (Eaubvogel) ,  arpäzo 
(raube),  arpäge  (Haken)  zusammenhängt, 
welche  letzteren  Wörter  (cf.  Gurtius,pag. 
264)  mit  lat.  rapio,  rumpo  etc.,  bz.  imserm 
rofeu  etc.  zur  ]/  rap,    rup,    rump    etc.    ge- 

40  hfjren  sollen,  loährend  arpe  (Sichel)  von 
Curtius  (s.  daselbst)  mit  lat.  sarpo  u. 
carpo,  bz.  unserm  scharp  (s.  das.  u.  unter 
schrabben,  schräfe  etc.)  einer  ]/  sarp  od. 
skarp  zugelegt  werden.     Was  nun  aber  spe- 

45  ciell  dasgerm.  harpa  (Harfe)  betrifft  (wo- 
von denn  auch  lat.  harpa  [Harfe]  entlehnt 
sein  muss),  so  leitet  Fick  (II,  269)  dieses 
mit  lat.  crabro,  crepare;  griech.  skeraphos, 
skcrbolos    (schmähend,    scheltend  etc.)   etc.; 

50  kslav.  skripati  (strepere)  u.  ahd.  hröpan  (ru- 
fen, cf.  ropeu)  etc.  von  einer  ]/  skarp,  skarb 
(sonare)  ab,  ivobei  man  indessen  in  die  sehr 
grosse  Versuchung  kömmt  (vergl.  dieserhalb 
lat.  fragor  u.  frango,    bz.  an.  braka,  2»'««- 

55  .sein,  krachen  etc.  u.  brikan ,  brechen,  reis- 
sen  etc.,  soivie  an.  brestr,  Gekrache  etc.  u. 
ahd.  brestan,  bersten,  reissen  etc.  unter  bar- 
sten), um  anzunehmen,  dass  alle  von  Fick 
aufgeführten   Wurzeln  kar,  kar,  skar  urspr. 

GO  Schallwurzeln    waren,     die    aus   der   Grd- 


HARPEIS 


44 


HARS 


bedtg. :  sonare ,  od.  rauschen  ,  hinnen ,  don- 
nern, krachen  etc.  wieder  die  Bedtgn. :  bre- 
chen, bersten,  spalten,  hauen,  schlagen  (zu- 
recht hauen,  verfertigen  etc.,  cf.  y  tak,  taksh 
unter  düssol  etc.  u.  Fiele,  I,ü:a>)-  schneiden, 
schecren ,  scharren,  kratzen  (cf.  krahben  u. 
schrabben  etc.)  «.  viele  sonstige  Bedtgn.  ent- 
wickelte u.  dass  die  secundären  od.  tertiären 
Wurzeln  kart,  kard,  skart,  skanl,  skarp, 
skarb  etc.  od.  krat  etc.  nur  blosse  Weiter- 
bildungen von  skar  od.  kar  (cf.  Fick  we- 
gen der  M'urzeln  kar,  kar,  skar  in  I,  pag. 
41,  57,  2-3S  seq.,  sowie  an  andern  Stellen) 
sind.  Zu  harpe,  bz.  harp,  ahd.  harpha  ist 
noch  zu  bemerken,  dass  harp  im  nid.  ausser 
Ha  rfe  auch  die  Bedtg.  „Sieb"  hat  u.  ahd. 
harphä  auch  Benennung  eines  „Gerüstes 
zur  peinlichen  Bestrafung"  ist. 

liarpeis  od.  liarpeus,  harpfis,  gekochtes 
u.  geschäumtes  Harz,  gcwöhnlic/i  mit  etwas 
Schwefel  gemischt,  damit  es  etwas  heller  ti. 
glänzender  wird.  —  Nd.  (B  r.  Wb.)  baar- 
peus;  idd.  harpuis ;  )nnd.  harpois;  schwed. 
harpös  od.  (Bobrik)  harpOset;  dän.  har- 
pix.  Es  tcird  für  gewöhnlich  gebraucht,  um 
Masten,  Stangen,  Baaen  u.  andere  Holz- 
thede  des  obern  Schiffes  damit  zu  bestrei- 
chen, um  sie  vor  der  Fäuhiiss  zu  bewahren. 
Im  Sommer  u.  in  heissen  Gegenden  Jedoch 
werden  auch  die  kalfaterten  Nähte  des  Schif- 
fes mit  einem  Gemenge  von  harpeus  u.  zwei 
Uieilen  Pech  bestrichen,  iveil  harpeus  härter 
ist  als  Pech.  Die  Entstehung  u.  eigentliche 
Bedtg.  dieses  Wortes  betr.,  so  ist  die  Vor- 
sylbe  har  loohl  aus  hars  (Ilar.;)  gekürzt,  toie 
auch  harpeus  im  engl.  u.  in  andern  Spra- 
chen einfach  mit  resin ,  bz.  resiiia  bezeich- 
net tcird.  Den  zweiten  Thcil  pcus,  puis, 
pois  etc.  betr.,  so  entstammt  dieser  wohl  dem 
franz.  puiser  (schöpfen),  wonach  denn  liar- 
peus wohl  soviel  als  Schöpf  h  ar z  od.  g e- 
schöpftes  u.  geschäumtes  Harz  ist. 
Das  franz.  puiser,  prov.  pozar  (schöpfen) 
stammt  mit  ital.  pozzo,  ical.  putz,  sptan. 
pozo,  prov.  potz,  franz.  puits  (Brunnen,  cf. 
pütte)  u.  nhd.  Pfütze  von  lat.  puteus, 
während  unser  püssc  (Wassereimer,  od. 
Schöpfeimer,  bz.  Gefäss  zu  Flüssigkeiten, 
wie  z.  B.  auch  für  Thccr)  =  nd.  putse, 
nid.  puts,  schwed.  jiytts,  dän.  pöes  wohl  vom 
franz.  puiser  abzuleiten  ist,  wie  desgl.  auch 
unser  püssen  (schöpfen). 

här-pin  (Haar-Pein,  Haar-Weh),  Katzen- 
jammer. 

liär-pluH,  Werg  od.  gezujiftes  Tau  zum 
Kidfatrrn  der  Schiffe.  —  Nd.  (Bobrik, 
naut.  Wb.)  liarplüs;  nid.  harphiis.  Die  Vor- 
sglbe  här  od.  har  ist  wohl  ursjjr.  aus  liare 
gekürzt  n.  conncv  od.  ident.  mit  här  od. 
hare  (Flechse,  Sehncnbündel,  Sehnenstrang), 


als  Weiterbildung  von  har  (Flachs),  cf.  2 
här.  Die  zweite  Sglbe  plus  gehört  zu  plü- 
sen,  zupfen  etc. 
harre."  harr',  a)  hatte;  —  b)  hätte;  s. 
5  hebbcu.  Sprichw.:  harr'-ik  \\n  hebb'-ik  sunt 
brörs  west  (hätte-ich  u.  hab'-tch  sind  Brü- 
der gewesen).     Davon  Plural: 

1.  harren,  a)  hatten;  —  b)  hätten. 

2.  liarreii.  aushalten  od.  halten,  dauern, 
10  ausdauern,  bleiben  etc.;  he  kan  hir  wol  har- 
ren, bz.  ütharren.  Da  dieses  Wort  mit  har- 
den  in  der  zweiten  Bedtg.  begrifflich  so 
nahe  zusammenfällt,  so  scheint  es  fast  (auch 
hadde  wurde  ert^t  zu  harde  u.  dann  zu  harre) 

15  daj'aus  assimilirt  zu  sein.  Das  nd.  (Br. 
Wb.,  Däh)t  ert)  hsLYcea  Jiat  dieselbe  Bedtg. 
wie  unser  harren,  welches  übrigens  auch  mit 
mnld.  (KU.)  harren  (haerere,  commorari, 
durare)  identisch  sein  kann,  wie  desgl.  auch 

20  7nit  dem  mhd.  harren  (warten,  ausdauern), 
icoraus  das  nhd.  Jt  a  r  r  e  n  hervorging.  Da 
nun  KU.  zu  harren  den  Z u!<atz  sciwi  macht, 
so  ist  es  seJtr  leicht  möglich,  dass  das  an- 
scheinend  spät    u.    nur    vereinzelt   erschei- 

25  nende  mhd.  harren  aus  dem  and.,  fries.  har- 
ren  ins  Hochdeutsclie  überging  u.  dieses 
selbst  aus  harden  assimilirt  wurde,  da  es  zu 
hard  (cf.  durus  u.  durare)  jedenfalls  begriff- 
lich eben  so  nahe  u.  ivohl  noch  näher  liegt, 

30  wie  zu  hars  (stark  etc.),  od.  nhd.  harsch, 
womit  es  nach  il/.  Heyne  (cf.  Grimm'- 
sches  Wb.  unter  harren)  connex  sein  soll, 
indem  er  der  Ansicht  i'st,  dass  es  aus  ülterm 
harsen  entstand. 

35  hars,  .s/rt;7i;,  sehr  etc. ;  dat  kumd  d'r  hars 
up  an;  —  dat  stekd  so  hars  net;  —  dat 
schälde  so  hars-föl  (sehr-,  ^nächtig-,  unge- 
mein-viel)  net.  —  Wie  swit  od.  swith  (stark, 
sehr  etc)  mit  nhd.  (ge-)schw i n  d,  bz.  mhd. 

40  swinde  (kräftig,  stark,  heftig,  rasch  etc.)  zu- 
sammenhänf/t,  so  icird  auch  hars  mit  hard 
u.  ahd.  hrad,  hrat  (rasch  etc.),  horsk  (alacer, 
ccler,  pronitus),  rask,  rosk,  resche  (rasch 
etc.,  cf.  rad,  rat  u.  ras  od.  rask),  sowie  wei- 

45  tcr  mit  griech.  kärta  etc.  (cf.  hard)  wohl 
einer  u.  derselben  ]/  angehören.  Wegen 
ahd.  horsk  etc.  vergl.  indessen  Fick  (III, 
60),  der  dieses  Wort  mit  nhd.  lioss  (afries. 
hars,  hors  etc.,    cf.  hors)    u.   lat.  curro  zur 

50  ]/  skr.  car  (gehen)  stellt. 

Fraglich  bleibt  es,  ob  das  nhd.  harsch 
(crustatus,  rigidus,  durus,  wovon  harschen 
in  verharschen),  sowie  mnd.  (Seh.  u. 
L.)    harsch    (asper   etc.);    schott.    (Jamie- 

55  son)  hars,  harsk ;  engl,  harsh;  aengl.  harske, 
haske;  dän.  harsk;  schwed.  härsk  (auch  die 
Bedtg.:  ranzig,  galstrig,  bitter  etc.  kann 
sich  aus  stark  ergeben,  wie  loir  von  sol- 
cher Butter  ja  auch  sagen:  so  smekd  stark, 

60  od.  hed  'n  starken  [bz.  scharpen,  schrannen 


HAUS  HASS 


45 


HARTEN-AS 


etc.]  smäk)  u.  noriv.  harsk  in  harsk-log  ^ 
liardsleg  (Itart,  streng  etc.)  etc.  identisch  ist 
u.  demnacJi  nhd.  harsch  rt«<s  hars  ((/.  biirs 
=  Bursch)  entstand,  tvie  M.  Heyne  (s. 
G r i m m,  Wo.  unter  harre n)  anzunehmen 
scheint.  Oder  ist  das  erst  so  spät  erschei- 
nende nhd.  harsch,  soivie  vielleicht  auch 
das  engl,  harsh  u.  schott.  harsk  etc.  mit  isk 
=  nhd.  isch  von  einem  Stamm  har  (rauh, 
scharf  etc.  od.  hart,  dürr,  trocken  etc.)  wei- 
tergebildet, der  mit  1 ,  2  od.  3  hären ,  hz. 
den  darunter  erwähnten  altern  Verben  zu- 
sammenhängt, loozu  die  verschiedenen  Be- 
dtgn.  von  harsch,  bz.  engl,  harsh  etc.  auch 
sehr  gut  stimmen  '^  —  Zu  dem  unter  H  hä- 
ren (cf.  auch  har  lg)  erwähnten  mnld.  hae- 
reu,  bz.  mnd.  hären  (scharf  sein  etc.,  von 
der  Luft,  od.  vom  scharf  u.  trocken  wehen- 
den Ostwind)  gehört  ivahrscheinlich  ivenig- 
stens  auch  mnd.  (Seh.  u.  L.)  hart,  harje 
(scharf  anhaltender  trockner  Ostwind). 

liars,  hass,  Harz  (resina).  —  Nid.  hars ; 
mnld.  hars,  hers,  harts  «.  hcrst,  harst ;  mnd. 
(Seh.  u.  L.)  hart,  hars,  has;  ahd.,  mhd. 
harz  (bi turnen,  Harz)  mit  den  Weiterbil- 
dungen: harzol,harzel('Pec/i),harzuh,  harzoh, 
harzoch  (Harz,  Pech). 

Es  ist  der  aus  den  Bäumen  fliessende, 
quellende  od.  hervorbrechende  Saft 
(Feuchtigkeit,  Nasses  etc.)  u.  stellt  Fi  c  k  (1, 47) 
dieses  Wo7-t  daher  zu  kard,  netzen,  ausbrechen. 

harsen,  Gehirn;  fig.  (nur  im  Plur.)  auch 
statt:  Kopf,  Verstand,  Denkvermögen,  Ge- 
danke, Sinn  etc. ;  't  f  äld  hum  in  de  harsens  ; 
—  dat  is  mi  noit  in  de  harsens  kamen,  dat 
ik  dat  ferseilen  wul'.  —  Nid.  hersen;  mnld. 
herssen.  Ist  unser  brägen  tcirklich  als 
weiche  breiartige  Masse  zufassen, 
so  würde  mnld.  herssen  od.  hersen  (vergl. 
auch  Grütze  in  der  Bedtg.  Gehirn  etc.) 
leicht  mit  mnld.,  mnd.  herse ;  ahd.  hirsc 
(Hirse,  milium)  connex  sein  können,  zumal 
wenn  man  erwägt  (cf.  mnd.  herse  bei  Seh. 
u.  L.),  dass  dieses  Wort  auch  mit  „Reis"' 
übersetzt  tvird  u.  auch  das  mhd.  hirse  niclit 
allein  die  betr.  Pflanze  u.  Frucht,  sondern 
auch  die  daraus  bereitete  breiige  Speise 
bezeichnet.  Oder  darf  man  es  mit  an.  hjarsi, 
hiassi  (Haupt,  Grdform  hersan?)  u.  weiter 
dem  (ahd.  ?,  cf.  0.  Scha  d e)  harsenier,  her- 
senier  (Kopjfbedeckung  unter  dem  Helm)  zu 
einem  Thema  harsan  =  idg.  (Fick,  I,  58) 
karsan  od.  karasan  (cf.  skr.  girshan,  Haupt) 
stellen  cds  Weiterbildung  von  karsa,  karas 
(cf.  skr.  qiraiS,  Hau2}t;  griech.  köise,  Schläfe 
etc.)? 

här-spit  od.  aMc/tliär-stapel,  zum  Schürf- 
zeug gehörender  kleiner  Amboss,  worauf  die 
Sensen  gedengelt,  bz.  geschärft  (cf.  2  hären) 
werden. 


1.  hart,  s.  hard. 

2.  hart,  Herz;  fig.  Math  etc.,  Gemüth, 
Sinn,  Denkungsart.  liedensart .  u.  Sprichw.: 
wen  du  nn  't  hart    wer    host    un    kumst  mi 

5  wer  in  min  hi'is,  den  kuinst  du  rüggels  to 
de  dür  üt;  —  sin  hart  (od.  mud)  sakd  hum 
in  de  bencn  (od.  hasen,  bükse) ;  —  d'r  sitt 
gen  göd  hart  in  hum ;  —  lie  freide  sük  so, 
(lat  hum  't  hart  iu  't  llf  d'r  faii  lachde;  — 

10  wen  de  buk  lul  is,  is  't  hart  bilde,  od.  hed 
't  begereud  hartje  rüst;  —  siu  hart  ligd 
hum  up  de  tung' ;  —  he  dragt  hum  in  sin 
hart;  —  he  hed  wat  up  't  hart;  —  't  hart 
drükt  hum,    od.  is  hum  swär ;    —    wat    net 

15  fan  harten  kumd,  geid  net  to  harten  ;  —  dat 
snidt  hum  iu  't  hart ;  —  dat  hart  trilld  hum ; 
—  in  't  hart  (hnierste)  fan  de  hörn;  —  ik 
heb'  hum  'n  klam  an  't  hart  gefen  (ich  habe 
ihn  stark  gerührt) ;   —    't  hart  wil  sin  kla- 

20  ger  (Jemanden  dem  man  klagt)  hebben;  — 
he  mäkd  iit  sin  hart  giii  mördkül;  —  mund 
wat  sprekst  du?  hart  wat  denkst  du?  —  Nd., 
nid.  hart;  mnd.  harte,  herte;  mnld.  hert, 
herte;  afries.  hirte.  herte;  wfries.  lierte;  as. 

25  herta,  herte;  ags.  heorte,  hiorte;  engl.  hea.rt; 
schott.  hart,  heart;  an.,  nono.  hjarta,  hjerta; 
schwed.  hjerta,  hjarta;  dän.  hjerte;  goth. 
hairto;  ahd.  herza;  mhd.  herza,  herz;  lat. 
cor  (cord,  cordis) ;  griech.  ker  (kerd)  u.  kar- 

30  dia,  kradl'a ;  air.  cride ;  Iit.  szirdis ;  kslav. 
scriidice ;  ze7ul.  zarezdan  u.  zaredhaya ;  j^'^i's., 
npers.,  buchar.,  bal.  kurd;  arm.  girt;  südoss. 
zarda;  dig.  zerde;  tag.  zärda;  skr.  hyd, 
hrdaya  u.  härdi.     Zweifelhaft,  ob  Grdform: 

35  karda,  od.  skarda,  kharda.  Die  Grdbdtg. 
ist  ivohl:  Schlagendes ,  Klopjfendes,  Pulsi- 
rendes, Stossendes  etc.,  od.  Hüpfendes,  Spjrin- 
gendes,  sich  Auf-  u.  Nieder-beioegendes  etc. 

3.  hart,  Hirsch.  —  Nd.  hart ;  mnd.  harte, 
40  herte;   nid.   hert;    mnld.    hert,  herte,    hirt; 

wfries.  hert;  nfries.  (Outzen)  hjört,  hert; 
as.  (hirut,  hirt) ;  ags.  heorot,  heort ;  engl. 
hart ;  an.  hjörtr,  bjartar,  Plur.  hirtir ;  norw., 
schwed.,    dän.    hjort ;   goth.  (hairuts) ;    ahd. 

45  hiruz,  hirz;  mhd.  hirz,  hirze.  Die  Stamm- 
form heruta,  hairuta  etc.  bezeichnet  wohl 
ein  gehörntes  Etwas,  sodass  dieses  Wort 
ebenso  loie  cambr.  carw ,  lat.  cervus  (Hirsch) 
mit  griech.    keras    (Hörn,    Geweih),    keraös 

50  (gehörnt),  zend.  qi-va,  (Hörn,  Nagel)  etc., 
bz.  lat.  cornu  (cf.  hörn  w.  auch  hörn)  zu 
einer  y  gehört. 

hart-blöd,  Herzblut. 

hart-brekend,  hart-bräkend,  herzbrechend. 

55  hart-bak,  hartc-buk,  Hirschbock;  hartje- 
buk,  kleiner  Hirschbock. 

1.  hartelk,  s.  hardelik  etc. 

2.  hartelk,  s.  2  hartlik. 

\ia,rUn-a,H,  Herz- Ass;  harten-Luretc,  Hers- 
GO  bauer  etc. 


HÄRTEKS-BLIDE  46                          HASE  HAS^ 

hait(Mis-lili(lo,  herceusfroh.  weshuUi  denn  auch   Fick    es  für   möglich 

iiartiMi>^-?:ö(l,  herzensgut.  hält,  dass  ^atja/ür  ?asa,  hz.  idg-ka^a.    steht, 

1.  Iiarijc.  a)  Herzchen  ;  fig.  I.iehUng  etc.;  wtts  indessen  auch  sehr  fraglich    ist,  zumal 

—  b)  Saugeentil  einer  Puinj'e.  da  es  eine  entsprechende  |'    auch  für  diese 

2.  hartje,    /deiner  junger  Hirsch,  Ilirch-  5  Form   (d.  h.    der  Bedtg.  nach)    nicht  gieht. 
lein.  Ifält  man  sich   alter  lediglich  an  das  gerin. 

härtjp,  Härchen.  hasa  (vergl,  auch  wegen  lci)us  als  der  Lichte 

hai'tis;,    a)    herzig    (nur    in    Compos.    als  od.  Graue  von  der  griech.  y  lainp,   glän- 

göilhartig  etc.);    —    b)  herzhaft,  tapfer  etc.  zen  etc.  bei  G.  Curtius,  360),  so  liegt  die 

hait-kloppen,  Herzklopfen.  10    Vermuthung    sehr    nahe,    dass    es    mit  ahd. 

Iiart-kiilc.  Hcrzgrulic.  hasaii,  luisauo   (politus,  vonustus) ;  at/s.  hasii, 

1.  Iiai't-lik;  /.  7.  liardelik  etc.  lieasu  (glänzoid,  grau,   gelblich  grau,  grau- 

2.  Iiart-lik,  liartolk,  herzlich  etc.;    bart-  braun);  an.  hoss,  hu^svAu  (aschbraun,  licht- 
lik  larhpii  etc.  gi'C'O;  Z"^-  cäiius,  cdt :    casnus    (iveiss,  licht- 

liartoi;.  n.  liortog.  15  grau),    osk.    casnar    (<ler  Alte,   od.    Graue, 

luwi-s'i'V,  h'AVls'iv,  Herzweh,  Herzleid  etc. ;  Greise,  Greis),    soivie    niögliclterweise  auch 

sin  kindcr  heblieii  bum  al  föl  hartsör  mäkil ;  mit  ags.  här;    engl,  hoar   (grau);   an.   bärr, 

—  be  is  fall  harts;lr  stürfen.  hiir  (grau,  grauhaarig),  haera.  (graues  Haar) 
hart-sla^,    a)    Herzschlag ;   —    b)    Herz,  etc.  zusammenhängt  n.  demnach   der  Hase 

LutKie  u.  Leber,  bz.  Alles  was  zum  Vertrieb  20  nrspr.  ebenso  wie  der  litis  (cf.  ulke  u. 
des  Blutes  dient.  —  Fngl.  bartslet.  unter  ollen)  u.  viele  andere  Thiere  nach  der 
harts-tocht  (Herzenszug ,  Zug  des  Her-  Farbe  seiner  Haare  benannt  wurde.  Für 
zens),  Neigung,  Leidenschaft  etc.;  lie  lett  hasa,  hasu  etc  u.  lat.  CdSnus  etc.  loäre  dann 
sük  fall  shi  bartstocbti'ii  undorkrigen.  (wie  für  Icjms,  leporis  [cf.  auch  liiupidiis  u. 
här-tug,  s.  bargöd.  25  liparis,  sowie  lit.  Icpsiia,  Flamme,  sowie 
här-wal,  s.  horwal.  griech.  lämpö,  lampter,  Jampä.s  etc.]  eine  y 
liäi'-was,  od.  palliar,  Haarwachs,  bz.  die  lap,  lamp,  glänzen,  scheinen ,  brennoi,  flam- 
weissgelblichen ,  lederartigen  Flechsen  od.  men  etc.)  für  hase  eine  y  kas  (glänzen 
Sehnenbündel  (Muskel  -  Stränge  etc.)  im  etc.,  cf.  Grass  mann  ivegen  caks  aus  kas 
Fleisch,  welche  afries.  waldawaxe  u.  wang.  30  etc.)  anzusetzen,  wie  man  bei  baso  als  den 
waliwax  genannt  werden.  Wegen  des  ersten  Ljichten  od.  Gra  uen,  bz.  Lichtgrauen 
Theils  bar  (was  nicht  mit  1  bar  [criiiis]  od.  glänz  end  Grauen  vielleicht  auch  an 
identisch  ist)  vergl.  2  bar.  Wegen  was  den  Zusammenhang  des  uralten  Hasenna- 
vergl.  was  in  gewas,  wasdöui,  wassen,  da  men  L.ampe  (oh  urs2)r.  nd.,  weil  er  im 
dieses  Wort  wohl  dieselbe  Bedtg.  toie  gewas  35  Beineke  Fuchs  so  heisst?)  mit  griech. 
(Geicächs,  Gebilde  etc.)  hat  u.  demnach  bar-  lampö  (leuchten,  glänzen)  denken  könnte, 
was  soviel  loie  Flechsen- G ew ächs  ist,  tvomit  auch  sehr  gut  das  goth.,  as.  lamb; 
bz.  ein  Etwas  bezeichnet,  ivas  tvie  eine  ahd.  lanib,  lamp;  mhd.  lamp  (Lamm)  con- 
Flechse  od.  Strang  gewachsen  od.  ein  nex  sein  kann,  da  es  sehr  wohl  möglich  ist, 
Flechsen- Gebilde  ist.  40  dass  auch  dieses  seinen  Namen  von  der 
1.  hase,  lius',  a)  /fase  (lepus).  Sprichiv.:  weissen  od.  blanken,  hellen,  reinen 
dar  man  't  am  mindsten  ferwacbt,  spriiigd  Farbe  seines  Vliesses  hat.  Vergl.  dieser- 
de  hase  iit  de  gracbt ;  —  b)  das  zarte  Stück  halb  auch  lat.  agnus,  kslav.  agne  (Lamm) 
Muskeljleisch  zwischen  Bippen  u.  Nieren,  zu  skr.  agni  (Feuer,  Feuergott) ,  lat.  ignis, 
bz.  unter  dem  sog.  dünnen  Mürbebraten,  45  lit.  ugnis,  kslav.  ogui  (Feuer);  skr.  aiigära, 
welches  man  hier  rtwc/t  papen-hörn  nennt  u.  lit.  anglis,  kslav.  agH  (Kohle),  welche  letz- 
ein ganz  vorzügliches  Beefsteak  liefert.  —  teren  Wörter  Fick  mit  griech.  'ägamai,  äga- 
Nd.,  mnd.  baso;  7dd.  haas  ;  mnld.  baose,  nös,  kgA'pÄö  u.  skr.  akiu  (Salbe ;  lichte  Farbe, 
hase;  wang.  (Ehr  entr aut,  I,  370)  bäze ;  Strahl)  etc.  etc.  zur  y  ag,  ang  (salben,  be- 
wfries.  (Japi.v)  haeze;  ahd.  baso;  mhd.  50  streichen,  glänzend  od.  blank  machen  etc.), 
hase,  has;  ags.  hara ;  engl,  bare;  an.  heri ;  bz.  skr.  anj  (salben,  .schmücken,  verlier rli- 
isl.  heri;  norw.  hare  u.  (provinziell)  hara,  chen)  stellt,  während  er  dagegen  (ob  mit 
haera ;  schwed.,  dän.  hare.  Davon:  franz.  Becht??)  lat.  agnus  etc.  mit  kslav.  azno, 
hase  (Weibchen  des  Hasen)  ti.  norm,  (von  skr.  ajina  (Vliess)  unter  y  ag,  bz.  skr.  aj 
an.  heri)  heri  (Hase).  Fick  (u.  auch  An-  55  (treiben  etc.,  cf.  lat.  ago)  aufführt, 
dere)  vergleichen  dieses  Wort  mit  apreuss.  Wegen  base  als  Läufer,  Benner  etc. 
sasis,  skr.  ^a«,-a  (Hase),  was  vielcrseits  von  vergl.  auch  noch  unter  2  hast  am  Schlüsse. 
einer  y  gag  (springen)  abgeleitet  wird,  die  aber  2.  hase,  häs",  Strumpf,  Beinbedeckung  od. 
gar  nicht  existirt  u.  nur  von  den  Gramma-  Beinkleid,  bz.  ein  Etwas,  was  man  über  od. 
tikern  für   i.aga  ersonnen   zu   sein  scheint,  60  um  das  Bein  zieht  od.  womit  man  das  Bein 


HASEN-  HAS-BAND 


47 


HASKE-TID 


bekleidet  u.  hedecht;  he  hed  'n  pär  hasen 
fan  hundefellen  makon  laten ;  —  wullcn  ha- 
sen ;  —  Sprichio. :  de  möd  (od.  dat  hart) 
sakd  hum  iu  de  hasen,  od.  büksen;  —  od. 
auch:  he  lett  de  möd  iu  de  hasen  sakkeu ; 
—  Nd.  hase  (Strumpf);  mnd.  hose,  hase 
(Beinkleid;  auch  caliga,  caligula) ;  nid.  hoos 
(Strumpf);  mnld.  (KU.)  hose  (caliga,  ocrea, 
theca  coriact'a;  ivfries.  (Hindelupeii)  lioos; 
tvaiig.  (Ehrentraut,  I,  373)  hiize;  vfries. 
(Outzen)  hase,  hose;  mdfries.  hasse 
(Strumpf) ;  ags.  hose  (wohl  nur  in  hose-bend, 
Strumpfband) ;  engl,  hose  (Beinkleid,  Hosen; 
Strumpf ;  Schlauch  an  Feuerspritzen ;  Hülse; 
Büchse;  Schlund,  Hals,  Kehle  etc.) ;  an.  hosa ; 
isl.  hosa  (caliga;  Strumpf);  norw.  hosa  u. 
(mdaHl.)  hoso,  husu ;  dän.  hose  (Strumpf); 
ahd.  hosä ;  mhd.  hose  (Beinbekleidung,  Hose 
od.  Strumpf.  Vergl.  nhd.  Hose  (Bein- 
kleid) II.  Wasser-,  Sand-,  Wind -Hose. 
Davon:  ital.  iiosa ;  aspan.  huesa;  aport. 
osa ;  afranz.  hose ;  kgmr.  hos ;  mlat.  hosa, 
osa  (Beinbekleidung,  Gamasche);  franz. 
houseau  (dasselbe);  ital.  usatto  (Stiefel). 
Fick  (II,  325)  vergleicht  dieses  Wort  mit 
kslav.  kosulja  (indusium)  zu  kslav.  kosi,  kosa, 
bz.  einem  Thema  kasa  (Korb),  ivozu  er  auch 
lat.  quälum,  quasillum  stellt.  Liegt  es  in- 
dessen nicht  näher,  dieses  Wort  mit  skr. 
kosha  (Behälter,  Gehäuse;  speciell:  Fass, 
Kufe;  Eimer,  Gefäss,  Kasten,  Truhe ;  Schatz, 
Knospe;  Schale,  Hülse  etc.,  cf.  ags.  pisan- 
hosa  =  Erbsen-Hülse,  bei  Outzen  unter 
hase),  hz.  dem  goth.  huzd  (Hort,  Schutz; 
Schatz  etc.)  u.  lat.  cust  (in  custos),  sowie 
weiter  von  einer  für  hüs  (Haus  etc.,  cf.  hüs 
u.  hüske)  u.  lat.  cura,  curare  etc.  cmzu- 
setzenden  y  kus  (germ.  hus)  abzuleiten,  wozu 
auch  an.  hauss  (Schädel,  od.  Behälter  des 
Gehirns)  u.  Anderes  (cf.  Fick,  I,  51)  ge- 
hört, da,  diesem  Worte  doch  wohl  ebenso 
wie  schö  (Schuh)  eine  y  mit  der  Bedtg.: 
decken,  bedecken,  verhüllen,  bergen,  sichern, 
hüten  etc.,  bz.  fassen,  halten,  in  sich  fassen, 
umschliessen  etc.  zu  Grunde  liegt,  zu  der 
auch  lat.  cura  etc.  gehört.  Vergl.  auch 
kause  u.  dazu,  dass  auch  hase,  hose  wahr- 
scheinl.  von  jeher  die  Bedtg.:  Gefäss,  Be- 
hälter ,  Eimer  etc. ,  bz.  Hohlgefäss  od.  ein 
Etwas,  was  ein  Anderes  einfasst  u.  um- 
schliesst  (wie  z.  B.  auch  ein  Schädel,  od. 
Kopf  etc. ,  cf.  kop ,  kopke)  etc.  hatte  (wie 
an.  hauss  u.  skr.  kosha  etc.),  sowie  ferner 
auch  ose,  osen,  welch  Letzteres  seine  Bedtg. 
schöpfen  eboiso  von  ose  (Gefäss  etc.)  er- 
hielt, wie  püsseu  von  püsse  (cf.  unter  har- 
peis),  pütten  von  pütte  etc.  u.  wie  ose  an- 
scheinend dasselbe  Wort  ist,  loie  hose. 

hasen-,  häs-baiid,  Strumpfband. 

liäse-,  häs-bäseii,  sehr  eilig  u.  hastig  um- 


herlaufen u.  rennen,  überaus  eilig  u.  ge- 
schäftig thun  etc. ;  he  häs-bäsd  herum,  as 
of  lie  't  all'  beriten  uu  ofmaken  mut ,  wat 
d'r  droks  to  dun  is;  —  du  brükst  net  so 
5  hils-biisen,  du  best  tid  genug.  —  Nd.  (Br. 
Wb.,  Schätze  etc)  häse])esen,  häsebesen, 
hastbassen,  haspassen,  bz.  hesebesen ,  hissc- 
bissen ,  heesbesen;  nid.  hassebassen.  häs, 
häse  etc.  ioird  wohl  aus  älterm  haeste,  haste, 

10  (hastig  etc.,  cf.  hast,  bald  etc.)  entstanden  sein, 

während  bäsen,  besen  mit  basen  u.  bisen  ver- 

wandt  sein  wird,  worüber  Weiteres  unter  bäsig. 

häse-,  hSs-biisig,  s.  unter  bäsig. 

hase-blöme,  haseblome,  Hauhechel  (ononis 

15  spiaosa). 

hase-hakke,  liäs-Iiak,  lähmende  Geschwulst 
auf   der    Beugesehne    des    Hinterbeins    der 
Pferde.  —  Nid.  hazen-hak. 
hasel-uöte,  s.  häsnöte. 

20      haseu-breidstet',  Strumpfstrickerin. 

liasen-drager,    Einer   der  mit  Strümpfen 
hausirt. 

\iaHeii-fi\h\k,westfälischer  Strumjjfhändler. 
hasoii-t'iis ,  der  kugelrunde  Staubpilz,  od. 

25  Bovist,  auch  püster  genannt.  Möglich,  dass 
der  Volksglaube  annahm,  dass  dieser  Staub- 
pilz (cf.  2  fis)  von  Hasen  stammt.  Oder  ist 
dieses  hasen  mit  dem  unter  1  hase  erwähn- 
ten ahd.  hasen   identisch,    tceil    der    Bocist 

30  glänz end  hellg  r  a u  ist ? 

hasen-mund,  Hasenmund,  gespaltene  Ober- 
lippe. 

hasen-pad,  Hasenpfad ;  he  kos  (wählte)  't 
hasenpad. 

35  hase-wind,  ein  plötzlich  u.  unerwartet 
kommender  heftiger  Windstoss ;  sünderbar 
wast,  dar  is  güster  morgen  under  Nörderne 
mit  'n  mal  bi  still  wer  so  'n  wind  längs  gän, 
dat  alle  schäpcn  up    de    sid    laggen.      Och! 

40  dat  is  'n  hase  wind  west.  —  Wang.  (Ehren- 
traut, I,  370)  häze-wiu  (Windstoss).  Im 
nid.  u.  mnld.  ist  haze-wind  od.  hase-wind 
soviel  als:  WindJtund,  od.  canis  lepora- 
rius,  canis  venaticus,  vertagus. 

45  häsk,  hasenfarbig,  licht-  od.  mattgrau, 
greis,  ohne  Ausdruck,  matt;  dat  göd  od.  de 
lücht  sügt  so  häsk  üt;  —  dat  is  so  'u  häs- 
ken  klör.  Vergl.  unter  1  hase  das  ahd. 
hasan  etc. ,    ivomit   es  tvohl  eher  connex  ist 

50  als  mit  hase.     Die  F'orm  hask  ist  wohl  aus 
haesik    =    haesich    (graulich,    od.    grauig, 
greisig,  lichtgrauig  etc.,  cf.  ags.  haesu,  hasu ; 
ahd.  hasan)  contrahirt. 
haske,  Häschen. 

55  häske-tid,  alte  graue  Zeit,  vergangene  od. 
Olimszeit,  Vorzeit,  Jugendzeit  etc.;  iu  de 
olde  häsketiden  (in  den  alten  längstvergan- 
genen grauen  Zeiten)  do  sag  't  iu  de  weit 
gans  anders    üt  as   nu;   —   he  fertellde  uns 

60  altid   fau    de    olde   häsketiden;  —    dat  sunt 


HAS-XOETE  HASELNOETE 


48 


HAST 


fertellsels  üt  siu  biiskctiilen.  —  Wohl  soviel 
als  Zeit,  wo  Hase  noch  Häschen  war 
u.  so  =  Jucfcndzeit.  Oder  steckt  in  diesem 
häske  auch  das  acfs.  hasu  (t/rau  etc.,  cf.  häsk)  V 

häs-nÜte,  haselndte  (Flur,  häsnoton),  IIa- 
selnus.'<.  —  Xld.  hazelnoot;  /((/.  baasol-,  lias- 
sel-nöte.  J)as  Wort  hasel ,  ahd.  basal,  ha- 
sala;  an.  hasl ;  a(/s.  liiisel,  hiisl  scheint  mit 
dem  unter  1  hase  erwähnten  ahd.  hasau  u. 
ags.  hasu  etc.  verwandt,  wo)iach  wohl  au- 
zunehmen  ist,  dass  diese  Staude  (hz.  dieser 
Baum)  nach  der  hellgrauen  Farbe  ihrer 
Binde  u.  Frucht  so  benannt  ist,  ähnlich 
wie  die  Birke  ihren  Namen  wahrscheinl. 
von  der  weissen  Binde  trägt.  Vergl.  dieser- 
halh  auih  Hasel- Eiche  etc.  u.  den  Fisch- 
namcn  H  a  s  e  l.  Ha  ssel,  wobei  auch  wohl 
anzunehmen  ist,  dass  diesen  Wörterii  gleich- 
falls die  von  der  y  has  =  skr.  kas  (cf. 
unter  1  hase)  ausgehende  Bedtg. :  glänzend, 
hell,  weiss,  licht  etc.  zu  Grunde  liegt  u. 
demnach  hasal  ebenso  wie  liasan  etc.  urspr. 
die  Bcdtg. :  glänzend,  hell  etc.  hatte. 

hHH\)e\,  Haspcl,  Winde,  Garnwinde,  Dreh- 
rad,  od.  ein  drehbares  u.  sich  drehendes 
Etwas,  womit  od.  worauf  man  Etwas  tvin- 
det;  gif  mi  de  haspel  (od.  gärnhaspel)  her, 
ik  wil  dat  gärn  fan  de  spül  haspeln.  Sprichw.: 
dat  pasd  as  de  haspel  up  de  kOlpot.  —  Nd., 
mnd. ,  nhl.  haspel;  mnld.  (KU.)  haspel 
(rhombiis,  girgillus  etc.) ;  ahd.  haspil ;  inhd. 
haspel  (Haspel,  Winde  etc.)  ;  schwed.  haspel. 
Wohl  aus  haspila  gekürzt  als  Weiterbildung 
von  ahd.  haspa;  mhd.  haspe  (Haspe,  J'hiir- 
haken ,  od.  Haken,  Klammer  etc.);  mhd. 
haspe  (Haspel,  Garmcindc) ;  nd.,  mnd.  hespe, 
haspe;  nid.  hespe  (Haspe,  Thürangcl) ;  loang. 
(E  hre  n  trau  t,  I,  3  70)  häsp  (Krampe) ; 
mnld.  (KU.)  haspe  (rhombus,  girgillus,  ala- 
brum) ;  an.,  isl.  hespa  (fil)uJa;  spira,  girgil- 
lus); schwed.  haspe  (Thiirriegcl;  Haspe, 
Hespe  an  einer  Thür ,  tvomit  die  Thiir  in 
die  Angeln  eingehängt  wird;  Haspe  an  einer 
Salzpfanne);  dün.  haspe  (Haspcl,  Weife); 
nfries. ,  bz.  nordbidl.  (0  utzen,  s.  unter 
reel)  heesp,  heespe  (Haspel);  engl,  hasp 
(Schlicsshaken,  Krampe,  Bieget  etc. ;  Has- 
2)el).  Da  ahd.  haspe  \i.  an.  hespe  fast  das- 
selbe besagt  icic  unser  gaspe  u.  dies  loahr- 
scheinl.  aus  gapse  (cf.  auch  Wespe  aus 
wepse)  versetzt  ist,  so  ist  es  auch  sehr  denk- 
bar, dass  auch  haspe  aus  hapse  versetzt  ist 
u.  im  ags.  häps,  bz.  häpsa,  hapsa  (Haspe, 
Kettet,  Spange,  clustella)  die  unversetzte  u. 
richtigere  Form  erhcdien  blieb,  die  meines 
Erachtens  (cf.  gaps  von  gapen)  mit  nhd. 
h  aben  u.  heben  (cf.  hcbben,  heffen  u. 
auch  höp,  Haufe),  sowie  wohl  auch  büft 
(Hüfte,  cf.  mnld.  [KU.]  hespe  =  perna, 
petasü)  zu  der  allgemeinen  germ.  y  hap  od. 


haf  (hifan,  haf,  bufun)  =  lat.  cap  (greifen, 
fassen  [fesseln,  binden,  heften],  nehmen,  hal- 
ten, heben  etc.)  gehört  u.  wonach  hapsa  (ver- 
setzt haspa)  dann  ein:  greifendes,  fassendes, 
5  haltendes,  hebendes  etc.  Etwas  bezeichnete, 
dem  formell  u.  begrifflich  auch  das  lat. 
capsa  entspricht.  Ob  nun  aber  das  Wort 
haspa  u.  haspel  r(7s  Winde  ein  Zug  ding 
od.  Hebezeug,    od.    ein  Etwas,    ivas  ein 

10  Anderes  greift,  fasst,  zieht,  an-  u.  auf- 
zieht bedeutete,  lasse  ich  dahin  gestellt  sein, 
da  die  Jetzigen  ausei)tandcrgchendcit  Ik'dtgn. 
von  Haspe  u.  Haspel  doch  jedenfalls  aus 
einer  u.  derselben  Grdbdtg.  hervorgingen. 

1.5  huspelii,  haspeln,  winden,  ziehen,  reissen, 
sich  eilig  u.  schnell  bewegen,  sich  abreissen 
u.  abmühe)!,  inülisam  arbeiten  etc. ;  garii  has- 
peln, bz.  oü-,  up-haspeln ;  —  he  haspeld  (od. 
ritt,  arbcidt  etc.)  sük  hast  of,  um  mit  luini  to 

20  gliktjr  tid  klär  to  wordeu ;  —  he  haspekl 
(windet  od.  zerrt,  reisst  etc.)  sük  d'r  in  fast ; 
—  he  haspeld  't  all'  dür  'nand{r  (er  zerrt 
od.  zieht,  reisst,  mischt  etc.  Alles  durch- 
einander); —  he  haspeld  d'r  altul  tegen  an 

2.5  (er  arbeitet  immer  dagegen  an ,  —  sträubt 
sich  stets  dagegen,  —  bezeigt  sich  stets  tci- 
derspenstig  etc.),  wen  he  mit  sal ;  —  he  hed 
sük  d'r  wer  üt  liaspeld  (herausgchaspelt  od. 
herausgewunden,    herausgearbeitet    etc.,    bz. 

30  daraus  befreit);  —  flg.:  schnell  reden;  he 
haspeld  dat  man  all'  so  herüt,  wen  he  wat 
fertclld;  —  überhaupt:  reden,  sprechen,  ver- 
handeln ;  se  hebben  dat  all'  mit  'nander  of- 
haspeld    (verabredet,    abgehandelt   u.  durch- 

35  gesprochen  etc.) ;  —  wat  heb'  ji  dar  wer  mit 
'nander  to  ferhaspeln  (zu  bespirechen  od.  zu 
verabreden  u.  zu  verhandeln). 
liass,  s.  hars  (resina). 
hässlik,  hässelk,  liesselk,  hässlich;   he 

40  sucht  man  hösselk  üt.  —  Es  wird  oft  in 
der  Bcdtg. :  ungemein,  sehr  etc.  cds  Verstär-- 
kung  gebraucht,  ivie  z.  B.  hasselk  möi  (sehr 
schön) ;  —  hässelk  mal  (sehr  schlecht,  sehr 
hässlich  etc.);  —  hässelk  düster  etc.     Es  ist 

45  das  aus  dem  nhd.  übernommene  hässlich 
=  ahd.  bazlili  etc.,  cf.  hätlik. 

hus-.sokke,  das  untere  Ende  des  Strum- 
pfes (s.  2  hase) ,  soweit  derselbe  den  Fuss 
bekleidet;    he  löpd,    od.  geid   up  bässokkenj 

50  (er  läuft,  od.  geht  ohne  weitere  Fassbeklei- 
dung auf  blossen  Strümpfen,  bz.  er  gehi 
leise,  schleicht  etc.).     cf.  sokke. 

1.  Ilast,  hastig,  eilig,  rasch,  bald,  näcÄ-j 
stens,    beinahe,  fast  etc. ;    wat    to    hast    ge- 

55  scbüdt,  Word  seiden  göd ;  —  du  must  net  so| 
hast  lopen ;  —  kuni  hast  insen    wer ;    —    il 
kau  't  liäst    net    dun ;    —    dat    regend    hast 
gans  net;  — dat  perd  hügd  so  na  de  hafer,j 
dat  't  hast  net  ofwachten  kan,  dat  de  haferl 

CO  in  de   krübbe    dän    word.    —    Afries.    hast,! 


tlAST                              40  HAl: 

haest ;  nid.  haast ;  mnld.  haest  (festinus) ;  nd.  seiner  Bedtg.   nach  vollständig  in  der  Luft 

hASt  (eilends,  bcdd) ;  mnd.  (Seh.  u.  L.)  haste,  hängt   u.  ich  dafür   lieher   (d.  h.  für  heist, 

beste,  heyste    (Adj.  hastig,  übereilt,  erregt,  haest   u.  für    unser  his  etc)    ein    verlornes 

aufbrausend,  zornig  etc.),  —    liaste,  liaestc,  hisan  (se  movere,  ire,  currere  etc.)  ansetzen 

haiste  (Adv.  hastig,  schnell);  ags.  liaost  (vio-     5  möchte,  ivozuja  auch  liase  (lepus)  gut  stimmt, 

lentus) ;  an.,  isl.  liastr    (trux,  immitis) ;  ahd.  sofern  man  annimmt,  dass  die  Grdbdtg.  die- 

heist  od.  heisti  (vehemens,  violentus).     Vergl.  ses    Wortes:   Läufer,    lienner  etc.    ist. 

weiter:  Wegen  hast  etc.  vo7i  einer  y  has,  kas,    bz. 

2.  hast,    Hast,  Eile,   Eifer,  Aufregung,  his,    kis    (se  movere,    ire,    currere   etc.)    cf. 

Uebereilung  etc. ;  wat  hest  du  für  hast  (od.  10  auch  drift,  driftig  etc.  von  drifen. 

drift  etc.),  dat  du  al  wer  fürt  wilt?  —  wat  hasten,    hasten,  eilen,  rennen,    (sich)  an- 

man  in  liäst  un  drift  deid,  word  seiden  göd ;  strengen,  beeilen,  sputen  etc. ;    he   schal  net 

—  lie  kwam  so  in  hast,  dat  he  hei  uet  wus',  hasten,  al  wen  't  ök  brannd ;  —  dat  hästd 
wat  he  sä';    —   he   de    od.  sä'   dat  in  hast;  hei  net  so;    —    he  kau   d'r  hei   nich    tegen 

—  Sprichw.:  alle  hast  is  gm  spöd.  —  Afries.  15  hasten;  —  he  hastd  sük  gewaldig,  um  mit 
hast,  haest ;  ufries.  haeste ;  nid.  haast ;  mnld.  to  kamen  ;  —  du  must  di  wat  hasten,  dat 
haeste  (festinatio,  festiaautia,  properatio) ;  nd.  du  klär  wordst ;  —  he  aferhästd  sük.  — 
hast;  mnd.  hast  (Eile,  Eifer,  Aufregung,  Nid.  haasten ;  midd.  haesten  (festinare,  ce- 
Zorn);  an.,  isl.  hastr  (Eile  etc.).  Die  deut-  lerare,  accelerare,  contendere,  maturare,  ci- 
schen  Wörter:  Hast,  hastig,  hasten  20  tare,  properare);  nd.  hasten;  tmid.  (Seh.  u. 
etc.  sind  Entlehnungen  aus  nd.,  frics.  hast  L.)  hasten  (eilen;  [sich]  beeilen;  treiben, 
etc.,  wie  desgl.  auch  (Dtez,  II,  5)  ital.  antreiben) ;  mhd.  hasten;  isl.  hasta  (festi- 
astio  etc.  u.  (II,  331)  hate  etc.  daher  stam-  nare,  properare). 

men.  M.  Heyne  (s.  Grimm,  Wb.  tinter  hastig,  hastig,  eilig  etc.;  Sptrichio.:  al  to 
Hast)  scheint  ahd.  heist  od.  haist  nicht  25  hastig  is  kwäd.  —  ^/nes.  hastelik  it.  hastig, 
mit  afries.  haest  etc.  für  identisch  zu  hal-  hastich,  bs.  haestich ;  satl.  hasticli ;  nd.  hastig ; 
ten,  da  indessen,  die  lex  Alam.  (cf.  0.  nid.  haastig  (eilig  etc.) ;  mnd.  hastich  (hastig, 
Schade  unter  heist)  die  Formel  haisterä  eilig,  zornig),  c/.  i-sL  hastaiiegr  (repentinus), 
handi,  Var.  heistärä ,  aistärä  u.  alaheisterä  hastarlega  (subito,  repente)  ti.  hüstugr  (auste- 
hantl  (manu  violenta)  gewähren  u.  diese  mit  30  rus,  saevus) ;  —  ferner:  ahd.  (heistig),  da- 
afries.  (v.  Bichthofen)  huesier  hand  cor-  von:  heistigo  (vehementer,  violenter). 
respondirt,  auch  ferner  die  mnd.  Quellen  hastigen,  liehCiaÜgeii,  beeilen  etc. ;  he  mut 
(cf.  Seh.  u.  L.,  bz.  oben  unter  1  hast)  ne-  sük  wat  hastigen,  wen  he  mit  wil. 
ben  haste  die  Formen:  heste,  heyste,  haiste  hat,  Hass ,  Groll,  Zorn,  feindliche  Ge- 
aufweisen, so  ist  es  ioohl  zweifellos,  dass  35  sinnung,  Abscheu  etc. ;  he  barstd  nog  fan 
afries.  hast,  haest;  ags.  haest  etc.  u.  ahd.  hat  un  nid;  —  ik  hebb'  'n  hat  up  hum ;  — 
heist  od.  haist  identische  Wörter  sind.  Den  ik  hebb'  d'r  'n  hat  tegen,  um  kwäd  to  dön ; 
Ursprung  von  heist,  haest  etc.  betreffend,  —  de  hat  hörd  in  de  düfel  sin  sak  to  bli- 
so  wird  es  von  verschiedenen  Seiten  (cf.  fen,  man  net  in  de  weit  umme  to  gän ;  — 
z.  B.  0.  Schade  unter  heist  u.  Fiele,  40  de  de  arg  stekd  un  de  hat  plägd,  is  'n  arm- 
III,  56)  verglichen  zu  goth.  haifsts  (Streif,  saltg  minsk.  —  Afries.  hat,  haet;  wfries. 
Streitsucht,  Zank,  Kampf),  an.,  isl.  heipt  haet;  nd.,  mnd.,  nid.  hat;  mnld.  haet;  as. 
(odium  vaticanum)  etc.  u.  tveiter  zu  zend.  heti;  ags.  hete;  engl,  hate;  an.  hatr;  norw., 
qii  (bohre)i,  stechen  etc.),  gaepa  (Schlag),  scJiwed.  hat;  dän.  had;  alid. ,  mhd.  haz ; 
was  jedenfalls  formell  n.  begrifflich  sehr  45  goth.  hatis.  —  Fick  stellt  es  mit  ags.  hen- 
zweifelhaft  ist,  iveshalb  denn  auch  H.  Leo  tan  (jagen,  treiben,  hetzen,  cf.  auch  ahd. 
(pag.  118  seq.)  dafür  lieher  ein  Stammvhm.  hazjan,  hezzan  =:  nhd.  hetz  en),\iVin\.ü,  (Jä- 
liesan  (festinare)  von  ]/  has  =  skr.  kas  (ire)  ger),  soivie  lat.  cadere  «.  cedere  zur  y  kad  = 
aufstellt,  toozu  er  auch  an.  hestr  (Pferd)  u.  skr.  qad  (gehen,  iveggehen,  entfernen,  fallen; 
oberd.  häsn ,  heiss  stellt  (cf.  Ins)  u.  wozu  50  caus.  gehen  machen,  treiben  etc.) ;  zend.  ^ad 
auch  unser  hisel  vielleicht  gehören  könnte,  (kommen;  gelioi,  verlassen,  fallen),  tvährend 
zumal  zu  einer  y  has  =  kas  besser  ein  Bopj)  es  mit  griech.  kedos  (Sorge,  Kum- 
Stammvbm.  hisan,  has,  husun ,  bz.  zu  einer  mer,  Betrübniss),  k^dö  (besorgt  maclien  etc.) 
ablautenden  ]/  his ,  kis  besser  ein  Stamm-  zur  y  kad ,  kand  (commoveri ,  perturbari, 
vbm.  hisan ,  has ,  hüsun  als  hesan  stimmt,  55  terreri)  stellt.  Vergleicht  man  übrigens, 
was  L.  Et  t  m  üller  (pag.  459)  übrigens  dass  die  Wörter :  gram,  grim,  grul  etc.  tvahr- 
mit:  giguere,  formare,  ornare,  tegere  erklärt  scheinl.  einer  y  mit  der  Bedtg.:  tönen, 
u.  wovon  er  ausser  hara  (cf.  1  hase)  auch  rauschen,  sausen,  brau  seil  etc.,  bz. 
haer  (crinis,  cf.  1  här)  ableitet,  wonach  denn  lärmen,  toben,  schreien  etc.  angehören,  so 
auch  das  präsumirte   ags.  hesan   toenigstens  60  könnte  man  für   hat   u.  baten  auch  die  y 

Boorukaat  Koolman.     Wörterbucli.     II.  4 


fiATBAR  50                             HAUE:^ 

kad,  kam!  (vocare,  clamare,  flerc)  ,-(/  Grunde  Getreide,  Gras,  Früchten,  Bäumen  etc.    in 

legen,    die  Jedenfalls,    wie    auch   skr.    katli,  der  Bedtg.:  Ernte,  od.  auch  in  der  Bedtg. 

kattli  (laudare,  extollere,  gloriari  etc.),  kath  des  Einhauens,    od.  Schneidens   von   einem 

(dicere,    loqui,    meraorare,    narraie)  =    idg.  Braten   od.    des  Einhauens   u.    Einbeissens 

(Ficht  kat  {toben,  lärmen,    Geräusch  ma-  5  ins  Essen,   icie  ja    die  Bedensart:   „he  sitt 

chen.  prahlen,  rühmen,  schelten  etc.,  cf.  dazu  in  de  fülle    haue"    sowohl   die    Bedtg.    hat, 

auch  galm  etc.  von  der   y  ghar)   wohl  nur  dass  Er  (od.  der  betr.  Jemand)  eine  rolle 

eine  Schallwurcel  mit  der  Grdbdtg.:  sonare  u.  reiche  Ernte    machen    kann,    hz.    so 
ist,    wobei   man    indes.'ien    auch  wieder  auf        situirt  ist,  dass  er  hauen  u.  schneiden 

die   Vermuthung  kömmt,    dass    nicht  allein  10  kann,  wo  u.  was  er  icill,  sondern  auch,  dass 
die  Bedtgn.:  commoveri,  perturbari  etc.  der         Er  ein  gutes  Stück  Fleisch,    od.    eine  volle 

obigen}    kAil  begriffliche  Fortbildungen  der  Schüssel   vor    sich    hat   u.    davon    hauen 

y  kad  (sonare,  bz.  clamare  etc.)  sind,    ,son-  u.    schneiden,     bz.     darin     einhauen 

dem    dass    auch     die    y     (Grassmann,  u.    hineinbei ssen    kann   nach   Belieben, 

Fi ck)  i;Ad,iiAd  (prangen  od. praJilcn  mit,  sicli  15  icoraus   sicJi    dotn    von    selbst    die    iveitere 

auszeichnen' durch  etc.)  eine  Xebenform  da-  Bedtg.:  Er  sitzt  im  Vollen,  —  lebt  im  Ueber- 

von  ist,    od.    doch    auch   als  tirspr.  Schall-  ßuss  etc.  (cf.  en   od.  emand   de   in  de  fülle 

Wurzel  betrachtet  werden  muss.  hau'  sitt,  de  kau  wol  lachen;  —  od.  he  hed 

hat  bar,  .n\  ädebar.  altid   uu  fan  Jungs   up   an  in  de  fülle  hau' 
hate-lik,    hutlik.    Iiatelk,    hassend,   voll  20  säten  uu  wet  hei  uet  fan  darfeu)  von  selbst 

Ilass  ti.  Groll,  feindselig ;  so  um  zu  Jtassen,  ergicbt.  —  Nid.  houw;  mnld.  liouwe,  houw, 

hassenswürdig.iadelnswerth,  verabscheuungs-  hauwe    (incisura,    incisio,    incisus,    sectura, 
würdiq ,  abscheulich  ,  gemein,  schlecht  etc.;        Sectio,    caesura;    caesio ,    lignorum    caesura; 

hö  is  iiatelk  fan  gemöd ;  —  dat  is  'n  hatel-  vulnus) ;    nd.  (JD ähn  er t  etc.)    hau    (Hieb; 

ken  säk,  od.  sträk  (Streich).  —    Nid.  hate-  25  Bevier    wo    Holz   geschlagen   wird);    7nnd. 

lijk;  mnd.  hätlik;  as.  hetelik,  hetilik  (infen-  houw  (dasselbe),     cf.  hei  (Heu)   u.  s.   Wei- 

sus,  furiosus) ;    ahd.    hazlih;    mhd.    hazlich,  teres  unter  hauen, 

häzlich,  hezlich,  liezzelich  (voll  Hass,  feind-  hau-blok,  Hau-,  Hack-Block. 

selig;  verhasst;  hässlich).  hau-dä^en,  Haudegen;  auch  fig. 

1.  baten,  hassen,  grollen,  feindselig  ge-  30  haue.  Haue,  Hacke.  —  ^/u?.  houwil, howä; 
si/mt  sein,  verabscheuen  etc.,  ik  hat'  hum  mhd.  houwe.  Davon:  franz.  houe,  hoyau 
fan  Wagens  sin  gedrag  legen  mi ;  —   he  ha-  (dasselbe). 

tede  (od.  hätde)    dat  as  de  dod.     Sprichw.:  hauen  (haue,  hau',  —   hauest,   hau'st,  — 

baten  deid  seiden  baten.  —  Nid.,  nd.  haten ;  haued,  hau'd  etc.  —  hü,  höst,  hö,  höen ;  — 

afries.    hatia,    od.    hatja;    wfries.    haetjen;  35  hauen),    hauen,    schlagen,    klopfen,    hacken, 

wang.  haetje;  as.  hatän,  hatöu,  hetean,  het-  kappoi,  .schneiden,  mähen  etc.:  ik  sclial  d'r 

ten ;    ags.   hatjan;    engl,    hate;    an.,    norw.,  wol  iusen  manken  hauen  mutten;  —    he  hö 

schwed.  hata;   dän.  hade;   goth.  hatan,  hat-  hum  de  kop   of;    —    wel    haud    dar    au    de 

Jan;  ahd.  hazzen,  hazzsen,  hazen ,    hazzön,  dör?    —    he   haud    't  all'  kört   un  klen ;  — 

hazöD ;   mhd.  hazzen  (odisse ,   aemulari ,   ze-  40  holt  hauen ;  —  dat  körn  is  rip  genug  un  ik 

lare).     cf.  ferhaten  wegen    dessen  merkwür-  wil  't  d'r  mau  ofliauen  latcn;    —    he   liaud 

diger  Anwendung  in  der   Volkssprache.  (beisst)  d'r  fan  middag  dügtig  in  (z.  B.  ins 

2.  baten.  Hassen ;  't  haten  hed  al  mennig  Fleisch,  od.  die  sonst.  Speisen) ;  —  he  haud 
minsk  'u  sturen  död  ferörsäkd.  d'r  fan  middag  dügtig  wat  in  (schlägt  tüch- 

hater,  Hasser,  Einer  der  hasset  45  tig  icas  hinein,  —  isst  tüchtig).   Bedensart.: 

batsk,  von  Hass  beseelt  u.  Hass  tragend,  dat  is  nog  hauen,  nog  staken ;  —  se  hauen 

hassend ,  anhaltend  grollend,  feindselig  ge-  sük  as  arme  joden.  —  Nd.  (Br.  Wb.,  Däh- 

sinnt  etc.;  he  is  al  sin  läfend  hätsk  fan  ärd  nert  etc.)    hauen,    haujeu,  hangen,  hawen; 

west;   —   't  is  'n  Ükligen  hatskeu  kerel.  —  mnd.  houwen,  howen,  hoggen ;  «/(/.  houwen; 

Ahd.  hazzec,  hezzec.  50  mnld.  houwen,  hauwcn;  afries.  hawa,  howa; 

ban.  Hau,  Schlag,  Hieb  etc.;  he  gef  hum  nfries.  houv.en;  nfries.  hauen,  houwen;   as. 

'u  hau,    dat    he  net  wuss'   war  he  blef;  —  hauwan,  liawan;  (f^rs.  heävan;  engl.hew;  an. 

he  de  d'r  'n  dügtigen  hau    (Hieb    od.   Biss  liöggva ;  norw.  hogga;  schwed.  hugga;  dän. 

etc.)  in  od.  üt ;  —  he  hed  d'r  'n  goden  hau  hugge;  ahd.  houwau,  hauwan;  mhd.  houwen. 

(Bissen,  Stück  etc.)  üt  dän;    —    he    hed  'n  55  Mit    lit.    kova    (Kampf,    Schlacht,    Streit); 

hau  (Hieb,  od.   Wunde,  Spalt,  Schmiss  etc.)  kslav.  kovij,  kujiji,    kovati    (hauen)    etc.    von 

in  't  gesigt  kragen,  war  he  wol  altid  'n  när'  einer  y  ku  od.  kii ,  die  im  Skr.  allerdings 

fan  hold;  —    Blur.  haue,    a)   Haue,  Hiebe  nur  in  der  Bedtg.:  sonare,  gemere  etc.,  bz. 

etc.;    he    hed    haue   had  od.  kragen;  —    b)  einen    Ton,    Laut,    od.    ein    Geräusch    etc. 

das  Hauen,  bz.  Abhauen,  Schneiden  etc.  von  60  verursachen  u.  hören  lassen,  belegt  ist,   in- 


Hauer 


51 


HEBBEN 


dessen  hieraus  (cf.  dafen,  diifcn,  duffen  etc., 
od.  klappen,  klaps,  kloppen  etc.)  auch  leicht 
die  Bedtg. :  Stoss,  Schlag  etc. ,  hz.  schlagen 
etc.  entwickeln  konnte.  Oder  gehört  es  mit 
lat.  cos;  lit.  skutu  (scheeren) ;  skr.  ksliura 
(Scheerinesser)  etc.  zu  einer  y  sku  aus  ska? 
—  Vergl.  dicscrhalb  Fick  (I,  236)  u.  (I, 
235)  ska  (secare),  bz.  skan,  ska  (tödten,  ver- 
letzen) etc. 

hauer,  Hauer;  a)  eine  Person  die  haut; 
holt-,  fles-hauer  etc. ;  —  b)  ein  Werkzeug 
zum  Hauen;  —  c)  Fang-  od.  Hauzahn  eines 
Ebers ;  de  hauers  ütbräken ;  —  d)  ein  Eber. 

liauere,  Hauerei.,  Schlägerei,  Keilerei  etc. 

hauk,  s.  hök. 

Hanke,  whl.  Name.  Jedenfalls  eine  Kose- 
form od.  ein  Diminutiv.     Aber  ivovon  ? 

Iiaa-pipe,  eine  Röhre  von  Eisen  od.  Stahl, 
womit  man  Löcher  in  Leder,  Blei  etc.  schlägt. 

haawel,  eine  Spitzhacke  od.  Karst,  ivomit 
man  hartes  steiniges  Erdreich  aufhaut.  Auch 
eine  Moor-Hacke.  —  Nid.  houweel ;  mnld. 
(KU.)  houweel  (pastinum,  marra,  irpex ;  bi- 
pennis;  runcina ,  sarculum) ,  woneben  auch 
noch  ein  von  KU.  mit  hauweel  übersetztes, 
jedoch  mit  bipalium  erklärtes  hafteel  vor- 
kömmt; mfläm.  houweel  (Grabeisen,  sarclet, 
sarcloir). 

Lave,  haven,  haver  etc.,  s.  hafe  etc. 

havere,  s.  hafere. 

hawel,  s.  awel. 

he  (das  „e"  lautend  wie  in  essen,  je- 
doch stärker  betont).  Es  ist  eine  Art  Stoss- 
seufzer  od.  ein  Ausruf,  loie  zur  Erleich- 
terung,  der  sehr  häufig  gehört  loird,  wenn 
Jemandem  Etwas  Beschiverde  u.  Last  macht, 
od.  ein  Jemand  von  Etwas  bescliioert  wird, 
od.  auch,  wenn  ein  Etwas  ungewöhnlich  stark 
auftritt,  z,  B. :  he !  wat  deid  mi  dat  sär ;  — 
he !  wat  word  mi  dat  stur ;  —  he !  wat  bün 
ik  dik;  —  he!  wat  weid  dat  etc.  cf.  Grimm, 
Wb.  unter  he  tt.  das  folgende: 

he.  Ein  Zuruf,  gerichtet  an  Jemanden, 
den  man  zum  Halten  bewegen,  bz.  sprechen 
od.  worauf  aufmerksam  machen  will,  z.  B. : 
he!  du  dar!  hör'  insen ;  —  he!  du!  kik  dar 
ins  hen;  —  he!  kanst  du  net  hören?  —  he! 
kinder!  wäst  net  so  lud  etc.  cf.  Grimm, 
Wb.  unter  he  u.  s.  2  ha,  desgl.  auch  hei, 
he  etc.  daselbst  u.  s.  1  ho. 

he  od.  he,  er ;  bezeichnet  auch  das  männl. 
Geschlecht,  wie  se  das  iveibl. ;  he  is  hir ;  — 
wil  he  mt  dat  wol  äfen  don?  —  he  (Er, 
od.  Der,  —  Der  da,  dieser  od.  jener  Mensch 
da  etc.)  hed  dat  däu;  —  't  is  'n  he  un  gin 
se  (es  ist  eine  Person  od.  ein  Wesen  männl. 
u.  nicht  weibl.  Geschlechts),  cf.  hör  (ihr) 
=  afries.  hiri,  —  hum  (ihm)  =  afries.  him 
u.  et  od.  het  (das,  dieses)  =  afries.  hit.  — 
Nd.  he;  davon:  Dimin.  (Schütze)  heeken 


(Erchen,  kleiner  Er),  tvie  seeken  (Siechen, 
kleine  Sie)  von  se  ;  mnd.  he  ;  nid.  hij  ;  mnld. 
hy ;  afries.  hi;  ivfries.  hy;  satl.  hi ;  as.  he, 
hi;  ags.  he  od.  he  ;  engl,  he;  an.  hanu;  dän., 
5  norw.,  schwed.  han;  goth.  his,  nur  in  himma, 
hina,  hita,  als  Dat.,  Acc.  u.  Neutr.  von  his 
=  hi,  ivie  neben  an.  hann  auch  an.  hinn, 
hin,  hit  od.  inn,  in,  it  (jener,  der  da,  dieser 
etc.)  von  hi  weitergebildet  sind.     Wegen  he, 

10  hi  vergl.  P'i  c  k,  II,  60,  ivonach  es  mit  griech. 
kei  in  'ekei,  keithen  etc.,  —  lat.  ci  in  ce,  eis, 
citra  etc.  identisch  ist,  soivie  weiter  G.  Cur- 
t  i  u  s,  p)ag.  460,  der  griech.  'ekei  etc.  zu  dem 
Pronom.  interr.  ka  (cf.  Fick ,   I,  32  seq.) 

15  stellt.  Weiter  vergl.  noch  Bopp  (vergl. 
Gramm.,  II,  214)  wegen  hi  =  ki. 

hebbe-ding,  ein  Ding  was  entweder  seiner 
Zerbrechlichkeit  halber  od.  aus  sonstigen 
Gründen  (z.  B.  weil  es  plump  ist,  od.  sonst 

20  die  richtige  Form  nicht  hat  u.  überhaupt 
seinem  Zweck  nicht  entspricht)  unbrauchbar ; 
smit'  de  hebbedinger  doch  weg,  se  dögen  to 
niks  un  stän  uns  aferal  in  de  wäge. 

Dieses  Wort  was  im  B  r.   Wb.  mit  „un- 

25  förmliches  Thier  od.  Ding  in  seiner  Art" 
u.  von  Stbg.  mit  „schwaches  zu  seinem 
Zweck  untaugliches  Ding''''  erklärt  wird,  ist 
wörtl.  =  Hab  e- Ding  u.  bezeichnet  blos 
ein  Ding  od.  Etwas  was  man  behält,  weil 

30  man  es  einmal  hat,  wie  es  ja  bekanntlich 
in  alten  Familien  gäng  u.  gebe  ist,  dass 
man  eine  Menge  aii  u.  für  sich  unbrauch- 
bare Sachen  von  Jahr  zu  Jahr  aufhebt, 
weil  man  sich  nicht  davon  trennen  kann  u. 

35  weil  man  sie  einmal  hat.  hebbedinger  sind 
daher  im  Allgemeinen  unnütze  u.  unbrauch- 
bare Gegenstände ,  die  man  entiveder  blos 
aufhebt,  weil  man  sie  hat,  od.  die  man  blos 
des  Habe 71  s  u.  Besitze ns    u.   nicht  des 

40  Gebrauchs  u.  Bedarfs  loegen  hat. 

1.  hebbeii  (hebbe,  heb',  hef;  best,  hefst 
[aus  hebbest] ;  hed,  heft  [aus  hebbed] ;  heb- 
ben ;  —  harr'  [aus  hadde,  ivas  auch  noch 
einzeln  gebraucht  wird] ,  harrst,  harr',  har- 

45  ren  [auch  Conj.J ;  —  Partie,  had  [gehabt]; 

—  Partie,  präs.  hebbend) ,  haben ,  besitzen, 
halten,  erhalten,  bekommen  etc. ;  (sich)  haben 
od.  benehmen  etc.;  Hülfszeitwort  nicht  al- 
lein für  haben ,   sondern   auch  für   sein, 

50  in  welcher  Bedtg.  es  übrigens  auch  selbst- 
ständig gebraucht  wird ;  ik  heb'  di,  ich  habe 
(od.  halte,  fasste,  griff  etc.)  Dich;  —  harr' 
(hätte)  'k  dl,  den  wul'  'k  dl;  —  heb'  ji  dat 
(od.  contrah.  hei  't)  al?  —    dar  is  net  mer 

55  fan  to  hebben;  —  se  hebben  't  mit  'nander, 
sie  haben  (od.  halten)  es  mit  einander ,  bz. 
haben    ein  Liebesverhältniss  mit   einander; 

—  wo  best  du  di  dar  mit  had?  —  he  hed 
sük  dar  je  wuuderlik  had ;   —   du   must   di 

60  därna  hebben,   dat  du  dar  mit  ütkumst;  — 

4* 


HEBBEN 


h2 


HECHT 


se  hebbeii  hiim  dügti^  had ,  sie  haben  ihn 
tüchtitj  gehabt  (od.  gerupft ,  geplündert  etc  , 
z.  B.  beim  Spiel);  —  hö  harr'  d'r  al  wost, 
er  icar  schon  dagewesen ;  —  heb'  ji  (ml.  lioi) 
't  hir  Ok?  seid  Ihr  hier  auch':'  —  Spriehir.: 
hebbeu  geiil  atVr  kritron;  —  hebbeii  is  heb- 
ben,  mau  kngoii  is  'n  kiinst ;  —  wat  du  best, 
dat  hold  fast !  wat  du  hebbeu  schast,  dat 
wetst  du  not,  of  du  't  krigst;  —  wat  'k  heb', 
dat  heb'  'k!  wat  'k  krig,  dat  stoid  noch  to 
terwachten.  cf.  anhebbeu,  behebben,  inheb- 
ben,  uniliebben  etc.  —  Africs.  hebba,  habba ; 
sntl.  hebba,  od.  (Ehrentraut,  I,  271) 
hiibbe;  ivfries.  liabbon ;  nid.,  mnld.,  nd., 
mnd.  hebbeu;  as.  liabbiau  (od.  habbjan), 
liabbe.ui,  habbiea  (od.  habbjen),  hobbien  (od. 
hebbjan),  hebbeau  ;  ags.  habban ;  engl,  liave ; 
an.  hat'a;  }torw.  liava;  dän.  havo;  schtced. 
hafva;  gut/t.  haban;  ahd.  haben,  hapeu,  haban, 
haban,  habou,  habiu;  uihd.  haben,  hän;  amd. 
havaii,  havüa  ;  md.  liaven.  Von  einer  gerni. 
y  hab,  haf  (greifen,  fassen,  nehmen,  rau- 
ben etc.:  halten,  festhalten,  fest  machen,  hef- 
ten, fesseln,  binden  etc.,  cf.  hecht  etc.),  tra- 
gen, heben  (cf.  heffen  etc.)  etc.  =  idg.  kap, 
kamp,  woron  lat.  capio,  capukis,  capto  etc. ; 
gricch.  kaptö  {schnappen,  cf.  happ,  happeu), 
köpe  (Handhabe,  Griff)  etc.;  arm.  kapern 
(fesseln,  binden)  kapeal  (gebunden),  kapaukh 
(Bande);  lett.  kampju,  kaaipt  (fassen,  grei- 
fen). Ob  das  lat.  habere  auch  dieser  y  an- 
gehört, ist  zweifelhaft.  Vergleicht  man  in- 
dessen skr.  hrd  (Herz) ,  bz.  dass  auch  hier 
schon  „h"  für  urs2)r.  „k"  steht,  so  wäre  es 
auch  denkbar,  dass  das  lat.  habere  gleich- 
falls dieser  ]/'  angehört.  Oder  ist  es  ein 
latinisirtes  aus  dem  Germanischen  entlehn- 
tes Fremdwort,  ivie  manche  andere  lat. 
Wörter'^  —  Wegen  hebbeu«.  he&ea  scheint 
es  mir  übrigens  richtiger,  dass  man  für 
sümmtliche  zur  y  hat',  bz.  kap  gehörenden 
Wörter  ein  germ.  Stammcbm.  hifan ,  haf, 
hufun  (greifen,  packen,  nehmen;  —  halten 
heben  etc.)  mit  der  Nebenform  huf  =  kup 
(cf.  lat.  cupere  etc.)  aufstellt,  zumal  da  auch 
hup  «.  liöp,  hop  etc.  etc.  auf  dieselbe  Grd- 
bdtg.  zurückgehen. 

2.  hebbeu,  Haben;  he  is  mür  fau  't  heb- 
ben  as  fau  't  gilfen  to  liiis. 

hebbor.  Haber,  Besitzer  etc. ;  wel  is  de 
hebber  dr  fan  V  —  cf.  inlicbber,  regthebber  etc. 

hebbe-r('f:t,  Haberecht,  Rechthaber,  bz. 
ein  Mensch  der  rechthaberisch  ist  u.  glaubt, 
dass  er  immer  recht  hat ;  daher:  Eigensinn, 
Steif  köpf  etc. ;  lie  is  so  'u  regten  hobborogt, 
war  liei  ni-t  mit  to  proteu  is.  —  Nid.  hcbbc- 
regt ;  nd.  hebljfreclit. 

hebbc-re/jtsk,  rechthaberisch,  eigensinnig, 
steif knjißg  etc. ;    't  is  'n  hcliberegtskcn  kerel. 

hebbig    (habig),    a)    greifig .,    habsüchtig. 


gierig  etc.;  he  is  mi  fols  to  liebblg,  as  dat 
ik  gern  wat  mit  hum  to  döu  lieb'.  —  b) 
greifig,  od.  leicht  u.  bequem  zu  haben  od. 
zu  fassen,  zu  bekommen  etc  :  dat  is  'n  heb- 
5  big  ding;  —  c)  haftend,  anhaftend,  klebend, 
klebrig,  schmierig,  sdunutcig  etc.;  dat  swin- 
slagtfu  uu  blüdwustmaken  is  'u  hebbig  wark. 
iiebbiglioid,  Habsuclit,  Gierigkeit  etc.;  sin 
hcbbigheid  wet  gen  grensen. 

10  hebbsk,  liebsk,  habsüchtig  etc.;  'n  hebbs- 
kern  kerel  as  hum  gifd  't  uet. 

Hebe,  wbl.  Name;  D/;h/?j.  Hebeke,  Hebke, 
Hepke. 

he-blok,  s.  liej-blok. 

15  1.  hecht,  haltend,  nicht  reissend,  bündig, 
fest,  .stark,  dauerliaft  etc.;  dat  is  hecht  (fest 
u.  stark,  od.  bündig  etc.)  mäkd;  —  dat  is 
'n  liecht  ferband,  od.  'n  hechten  kram  etc. 
—  Nid.  liecht;    wfries.  hefte,    heclit.      Ob- 

20  schon  dieses  Wort  mit  2  echt  (cf.  auch  ach- 
tig) in  der  zweiten  Bedtg.  synongm  ist,  so 
wird  es  doch  mit  2  hecht ,  bz.  hechten  u. 
ferner  mit  haft  (in  schadhaft,  d.  h.  Scha- 
den )i  abend,  od.  mit  Schaden  behaftet, 

25  od.  verbunden  etc.)  eines  Ursprungs  u.  gleich- 
falls aus  heft,  bz.  haft  entstanden  sein,  was 
wohl  urspr.  mit  habt  in  gehabt  =  ahd. 
hapt  (od.  lautlich  richtiger  haft)  identisch 
war,  indessen  auch  dem  lat.  capt  äjcaptus, 

30  capto,  captivus  etc.    entspricht,      cf.  iveiter : 

2.  heeht,    seltener  hel't,    a)    Heft,    Griff, 

Handhabe  etc.;    hecht    fau    't   mest,    od.  de 

beitel  etc.  ;  —  b)  Haft;  lie  sitt  in  liecht.  — 

j\7(/.  hecht;   mnld.  hecht,  heft  (mauubrium, 

35  capuhis;  fibula)  ».  haclite  (apprehensio,  com- 
prehensio,  viacula,  uexus  ;  captivitas,  carcer) ; 
nd.  hecht  (Heft;  Heftpflaster;  Haft):  mnd. 
hechte  (Heft,  Handgriff;  Heftung  der  Wun- 
den) u.  hechte,  hefte,  hachto  (Haft,  Gefäng- 

40  niss) ;  ahd.  hefti;  mhd.  hefte,  heft  (Heft, 
Griff'  eines  Messers  etc.)  u.  ferner:  ahd., 
mhd.  liaft;  amd.  hapt  (Vorrichtung  zum 
Festhalten,  Fes.'<el ,  Haken,  Knoten,  Fest- 
haltnng),    mhd.  haft    (Haft  etc.),    idul.  haft, 

45  hapht,  mlid.  haft  (gehalten,,  gebunden,  ge- 
fangen, behaftet  mit,  verbunden  zu),  ahd. 
haft  (captivus),  ahd.  haftä,  mhd.  hafte  (con- 
nexio) ;  goth.  hafts  (behaftet);  as.  haft 
(viuctus);   hafta  (vinculum,  captivitas);    ags. 

50  haeft  (dasselbe)  u.  hilft  (gebunden,  gefesselt 
etc.);  afries.  hefte,  heft  (Haft);  an.  hapt 
(Fcisel) ;  isl.  hefti  (Heft ,  mauubrium  etc.) ; 
hapt,  haft  (Fessel  etc.) ;  schwed.  hafte  (Heft) ; 
dän.  hefte,  haefte  (dasselbe).  —  cf.  hechten. 

55       3.  hecht,    in  folgenden  Redensarten ,  als: 

a)  „he  hed ,   od.  sleid  gen   hecht  d'r  up", 

welche   simd.    u.   ivörtl.    wohl  soviel    heisst 

als:    ,,er  haf,    od.  schlägt    kein  Heft,    od. 

keinen  Griff  (capulus)  (hi  drauf"  (aus  Nach- 

60  lässig keit,  od.    absichtlich) ;  Jedoch  fig.  von 


HECHTEN  53  HEDE 

Jemandem   gebraucht    loird,    der    ein    betr.  voriv.  heffa  (schlnigen,  binden;  halten,  au f- 

Etioas   unbemerkt    u.    unbeachtet ,    bz.    n  n-  hallen,   festhalten,    hemmen,    hindern    etc.) ; 

gefasst,  od.  unaufyefasst  lüsst;  ^o<A.  hattjan  (sich  anheften,  sich  anhängen)., 

b)  „he  hetl  d'r  so  'n  hecht  up",  wo  lieclit  ahd.  heftaii,  het'ton ;  mhd.  heften  O'cf estigen; 
sich  ivohl  auf  die  Haft  u.  Fesselung,  5  binden,  fesseln,  heften;  in  Haft  ticJtmen); 
od.  das  Haften,  Fesseln  ii.  Kleben  amd.  heptjan,  lioptan  (binden);  «/«(/.  haften; 
des  Auges  (auf  ein  betr.  Etwas)  bezieht,  in-  mhd.  hatten  (befestigt  sein,  festhangen,  haf- 
dem  diese  Itedensart  von  Jemand  gehraucht  ten).  Alles  vom  Stamm  haft,  hapt  =  lat. 
wird,  der  sein  Auge  starr  worauf  heftet,  capt  in  captus  etc.,  der  aber  nicht  von  die- 
od.  jixirt  u.  das  betr.  Etwas  nicht  aus  den  10  sem  lautverschoben  ist,  sondern  direct  sich 
Augen  lässt,  iveil  er  ein  .starkes  Verlangen  aus  habau,  liapan ,  rect.  hafan  (haben ,  hal- 
nach  dessen  Besitz  hat.  Da  aber  hecht  =  ten,  bz.  greifen ,  fassen ,  nehmen ,  erfassen, 
Haft  tvörtl.  das  Gefesselt-  u.  Gebun-  festhalten,  od.  behalten,  besitzen,  haben  etc.) 
den- Sein  an  u.  für  sich  ausdrückt,  so  ergab  u.  mit  dem  Partie,  haefd,  haeft,  haft, 
kann  man  diese  Redensart  auch  mit  „Er  15  hapt  (gehabt,  gehalten,  gegriffen,  gefasst, 
hatte  da  so  ein  Gefess eltsein  auf"  gefangen,  gebunden  etc.,  cf.  haftjan  u.  haf- 
übersetzen,  wie  Ja:  he  hed  (od.  harr')  d'r  tön  etc.  =  gefasst-,  gefangen-,  fest  etc.  ma- 
so  'n  hecht  up  (z.  B.  um  dat  to  hebben,  od.  chen,  heften,  od.  machen  dass  etivas  fasst 
um  mit  to  gän)  auch  mit:  he  was  d'r  so  up  etc.  od.  auch:  gefasst  u.  gegriffen  sein  [von 
fersäten,  od.  up  ferpikd  (cerpecht,  verklebt  20  Einem  Etwas] ,  gefangen  u.  gefesselt  sein, 
etc.)  wieder  gegeben  werden  kann  u.  wir  nicht  fortkönnen,  haften  etc.)  von  haban, 
hecht  in  der  Redensart:  hapau,  hafan  etc.  (cf.  hebben  ?f.  lieffen)  iden- 

c)  „he  was  d'r  so  hecht  up''  (z.  B.  um  tisch  ist,  bz.  sich  hieraus  ergab,  wie  capt-us 
dat  to  liebben,  od.  um  mit  to  gän)  auch  in  aus  capio.  Dass  aber  haft,  hapt  aus  hafit,  ha- 
derselben  Bedtg.  wie  fersäten  od.  ferpikd  r/e-  25  T^it  (cf.nhd.  ]i  ab  et,  d.h.  nähmet,  griffet,  hal- 
brauchen u.  hecht  sich  in  beiden  Redens-  tet  etc.,  od.  [ich  habe  bereits]  genommen  u.  ge- 
arten  gerade  auf  den  haftenden,  nacJihalti-  griffen,  gefasst  etc.)  u.  capt  in  captus  (cf.  cap- 
gen,  festen,  ausdauernden,  bz.  nicJd  los  las-  tus  sura)  aus  capit  contrahirt  ist,  ist  toohl 
senden  Sinn  des  betr.  Er  bezieht.  zweifellos  u.  ebenso.,  dass  auch  lat.  caput  (== 

hechten  (hechte,  hechtst,  heclitd  etc.;  —  30  uns.  h6fd)  wrspr.  als  ein  Gefäss  u.  B e- 
hechtede,  hechtde  etc.;  —  hechtd;  — hech-  hält  er  (d.  h.  als  Gefäss  des  Gehirns  = 
tend),  a)  heften,  befestigen,  fesseln,  binden,  Schädel,  cf.  kop,  kopke  etc.)  gedacht  ist  u. 
nieten,  nageln  etc.;  man  kan  d'r  gen  ög  up  wahrschcinl.  formell  u.  begrifflich  nicht  von 
hechten  (heften,  fixiren  etc.);  —  lie  hechtd  capit  od.  capet  =  hafit,  hafet  (greifet,  fasst 
(heftet,  befestigt,  klebt  etc.)  dat  mit  klister  35  etc.)  verschieden  ist,  weil  es  eben  nur  ein 
(od.  mit  'n  spiker  etc.)  an  de  wand;  —  dat  Etivas  was  fasst.,  bz.  ein  Fass-Ding 
is   mit   draden    an    'nander  heclitd ;  ^ —    he        bezeichnet. 

hechtd  (schlägt,  nagelt  etc.)  d'r  'n  spiker  in  Wegen  der  Form  hacht,    hecht  aus  haft, 

etc. ;   —    b)  haften ,  festsitzen,    kleben  etc. ;        heft  vergl.  kracht,    sacht  für   kraft   etc.    u. 
dat  wil  d'r  net  up  hechten ;   —   dat   hechtd  40  das  auch  tvohl   aus    capt,    caft    entstandene 
an  'nander  fast.     Für  hechten  sub  a)  kömmt        air.  cacht  (servus,  /.  q.  captus). 
einzeln   auch   die  Form   heften,    so^vie  für  hed,  od.  lief,  hat.    Contrahirt  ans  hebbad, 

hechten  sub  b)  auch  haften  n.  zwar  na-  hclibath  (h(d)et)  von  hebben,  bz.  afries.  hebba. 
mentlich   in  der  Bedtg. :    bürgen,    einstehen  hed,  s.  heid. 

etc.  vor.    —    Nid.  hechten ;    mnld.   hechten,  45       lieda,  od.  heda   (InterJ.)  heda.      Compos. 
heften,    hachten    (figere,    pangcre,    alligare        von  he  od.  he  (s.  d.)  u.  da. 
etc.)  u.  hachten,  hechten  (apprehendere,   ca-  Ileddo,  Hedde,  ml.  Name.     Geschln.  Hed- 

pere,  vinctum  detinere) ;  nd.  hechten  (hef-  den  u.  Heddinga.  Vergl.  Förstemann 
ten);  mnd.  hechten,  heften  (heften;  haftet}),        hinter  hath. 

hachten  (haften;  in  Haft  nehmen,  verhaf-  50  Iiede,  die  groben  Hanf-  u.  Flachsfasern, 
ten),  haften  (gebunden  u.  befestigt  sein) ;  welche  durch  das  Hecheln  ausser  der  schäfe 
afries.  hehn.  (ließen,  binden,  fesseln) ;  ivfries.  (die  abg  eschabten  harten  Basttheilchen 
heften,  hechten;  nfries.  hechte  (dasselbe);  =  Ab  schab  sei  od.  Schab  -  Th  eile) 
wang.  haftje  (haften);  as.  heftjan  (heften),  von  den  feineren  Fasern  ab-  od.  ausge- 
haftön  (haften);  ags.  haeftan  od.  häftan  (7te/-  55  schieden  werden  u.  meist  zu  grobem  Tau 
ten,  fest  machen  etc.),  haeftjan,  häftan  (Jtaf-  versponnen,  od.  auch  als  Werg  zum  Stopfen 
ten,  verhaften) ;  an.  \\(ii\.-A,\\(i\)i-A  [\inc\XQ  a\Q..);  gebraucJit  werden.  —  Afries.  hede;  wfries. 
isl.  hefta  (impedire,  compedire,  reprimere,  hiede;  nfries.  hede,  heed;  nd.  (Br.  Wb.) 
intricAve);  dän.  hefte,  haehe  (Jieften,  haften) ;  hede,  heden,  heen;  mnd.  hede,  heide;  nid. 
schwed.  häfta  (heften;  fassen,  haften  etc.);  60  (provinciell)    hede;    mnld.    hede    (stupa   od. 


HEDEN 


54 


HEFFEN  HEFEN 


Btuppa ,  Werp).  Dieses  Wort  ist  seiner 
Grdbdtg.  u.  Form  tmch  r«  Schede  (Scheide), 
scht'ilea  i scheiden,  trennen  etc.)  zu  verglei- 
chen u.  geht  icohrscheinl.  als  Abgeschie- 
denes od.  Abfall  tnit  ba>/r.  haid  ( Un- 
rat h,  Abfidl  etc.,  cf.  Seh  melier,  II,  151) 
auf  eine  aus  skid  (cf.  scheden)  entstandene 
y  kid  (spalten,  iheilen,  schneiden,  trennen, 
scheiden  etc.,  cf.  lat.  caedo,  de-,  in-cido  etc.) 
:=  germ.  liid  ;urilck,  die  vielleicht  auch  für 
heid  auf::ustellen  ist  u.  der  skr.  ]/  cit  ent- 
spricht (worüber  das  Weitere  unter  lieid), 
indessen  dann  schn-crlich  für  lat.  caedo  etc. 
passt,  dessen  „d"  Ja  der  Lautverschiebung 
nach  auch  nicht  zu  liöde  stimmt. 

1.  lieden  od.  lu'deii,  Ausruf  der  Verwun- 
derung etc.  =  Herr ;  licden  !  min  tld  (Herr! 
meine  Zeit);  —  lieden!  liedeu !  wat  .slim. 
Auch  nid.,  wenigstens  mdarti,  cf.  van  Dale. 

2.  lieden  od.  hedcn  (holt.  Grenze),  heute, 
cf.  1  liüde  u.  hüdig. 

hede-wel,  ein  ,,wel''  zum  Verspinnen  der 
hede,  bz.  zum  Spinnen  u.  Drehen  des  aus 
der  liede  gefertigten  groben  Taues. 

heen.  s.  hejeu. 

1.  lief.  Heben;  s.  uphef  etc. 

2.  hef,  See,  Meer,  od.  eigentlich  nur  der- 
jenige Theil  des  Meeres,  der  sich  zwischen 
der  Küste  u.  den  Inseln  befindet,  od.  als 
Watten-Meer  die  Küste  des  Festlandes  loie 
ein  Gürtel  umfasst  u.  einschliesst,  indem  be- 
kanntlich der  ausserhalb  der  Inseln  liegende 
Theil  des  Meeres,  od.  die  offene  See  nie- 
mals hef,  sondern  im  Gegensatz  zu  diesem 
stets  sc  genannt  tvird.  't  hef  bullerd,  od. 
brulld,  räsd  etc.  heisst  es,  ivenn  7na)i  an  der 
Küste  zuweilen  4 — 5  Meilen  ins  Land  hinein 
das  Toben  der  Brandung  hört,  loas  nament- 
lich dann  am  lautesten  vernommen  ivird, 
wenn  nach  einem  Sturm  der  Wind  sich  legt 
u.  nach  Norden  umgeht.  Sprichw. :  tidge- 
nug  (Einer  der  bei  der  Mahnung  zur  Eile 
stets  das  Wort  ^tidgenug"  im  Munde  führt 
u.  deshalb  selbst  „tidgenug"  heisst)  is  in  't 
hef  blefen.  —  Afries.  hef  (See,  namentlich 
die  das  Festland  begrenzende,  ivie  es  ja  im 
afries.  Büstringer  Landrecht  §  1  heisst: 
and  hi  dika  skolde,  witliir  tliene  salta  se 
and  withir  tliet  wilde  hef);  nfries.  (Outzen) 
häf,  haft',  häft,  heef,  hef;  tvang.  haf;  nd. 
haf  od.  hafF;  mnd  haf;  ostpreuss.  haah  (das 
die  Kü.ste  begrenzende  u.  u.  umschliessende 
Meer,  bz.  das  Meer  zwischen  der  festen 
Küste  u.  einer  davor  liegenden  langhinge- 
streckten Landzunge) ;  ags.  heaf  (See,  Meer); 
an.,  schwed.  haf;  norw.,  dän.  liav  (Meer, 
Ocean) ;  mhd.  hap;  md.  liab  (Hafen;  Meer, 
Haff).  Die  Bedtg.  dieses  Wortes  ist:  Hal- 
tendes, Fassendes,  Bergendes,  Sicherndes 
etc.,  bz.  Gürtendes,    Umgürtendes ,   Ein-  u. 


Umfassendes,  Umschliessendes  etc.,  od.  Et- 
icas,  was  ein  anderes  Etwas  (Schiffe,  od. 
Festland)  wie  ein  Band  u.  Gürtel  umfasst, 
einfasst,  einschliesst,  umschliesst  etc.  :=^Fass- 
5  Ding  etc.  u.  gehört  mit  hafen ,  hebben, 
hechten,  helfen,  hof  etc.  zur  y  haf,  bz.  kap 
(greifen,  fassen,  halten,  tragen,  heben  etc.). 
Vergl.  dieserhalb  auch  „okeanos"  als  der 
die  ganze  Erde   umßiesscnde ,    bz.    sie    wie 

10  eine    Schlange    umfassende    u.    umgürtende 
Wcltstrom. 
hef-böm,  Hebebaum. 

liefe,  liäfe,  Heber,  zweischenkeliges  Bohr 
zum  Heben  von  Flü.ssigkeiten  vermittelst  des 

15  Luftdrucks,  um  sie  von  einem  Fass  in  das 
Andere  fiiessoi  zu  machen. 

hefel,  hüfel  (Flur,  hefels  etc.),  a)  starker 
Faden  an  den  schachten  (den  Kammhölzern 
der  Weber),   zum  lieben   der   sog.  Kette; 

20  —  b)  Hebel;  wi  mutten  wol  äfen  de  häfel 
(od.  hefbom)  ansetten,  um  dat  to  ligten.  cf. 
2  hSfel. 

heifen,  hefen,  häfen  (heffe,  häfe,  hefe, 
heif  etc. ;  —    heffest,    lieffst  etc.,    —    heffet, 

25  hefft  etc.  —  hof,  höfst  etc. ;  —  hafen),  he- 
ben, d.  h.  greifen,  fassen,  nehmen  (Geld 
heben),  bz.  ein  Etwas  zuerst  fassen ,  od. 
nehmen  (cf.  unten  die  Compos.)  u.  dann  in 
die  Höhe  bewegen;    ik  höf    (od.  nara)    hum 

30  up  uu  drog  hum  weg;  —    dat  is  wer  hafen 

(gehoben,  od.  weggenommen  xi.  beseitigt,  bz. 

geborgen,  gesichert  u.  gerettet).  Dieses  Vbm. 

■  ist  stark    im  Schwinden    begriff'en    u.    wird 

am  häufigsten    durch  tillen    u.  boren,  sowie 

35  mitunter  auch  durch  risen  ersetzt.  —  Afries. 
heva  (hof;  heven,  geheven);  loang.  (Ehren- 
traut, I,  42)  luv  (sich  heben);  nd.,  mnd. 
heven  (hov);  nid.  lieffen  (hief,  geheven); 
mnld.    heffen,    heven;    as.    hebbjan,    hei^jan 

40  (höbh,  hob,  höf,  huobh,  liuob,  huof) ;  ags.  heb- 
ban  (hof;  hafen,  häfen);  engl,  heave;  «n.  hefja 
(höf);  norw.  lievja;  dän.  haeve;  schwed. 
häfva ;  goth.  hafjan  (hof) ;  ahd.  hefjan,  hef- 
fan,  heffen,  hepfan,  hevan;   jnhd.  hefen,  he- 

45  ven,  heben  (heben,  aufheben,  erheben  etc.). 
Vergl.  die  Compos. :  anheffeu  (anheben,  bz. 
anfangen  etc.),  oflieff'en  ((d/heben,  abneh- 
men etc.),  upheffen  (aufheben,  aufgrei- 
fen, aufnehmen  etc.),   fcrheffen,  aferhef- 

50  fen  etc.  Die  Formen  gehen  sämmtlich  auf 
urspr.  hafjan,  hafja  zurück  u.  ist  die  y  haf 
dieselbe  wie  von  hebben  ,  hechten  etc.,  bz. 
lat.  capio,  captus  etc.,  sodass  hafjan  urspr. 
nichts    weiter    hicss    als:    Fassen,  Grei- 

bb  fen  etc.,  od.  Fass,  Griff  etc.  thun  u. 
machen  (nach  Eticas)  ivoraus  sich  denn 
iceitcr  die  Bedtg. :  nehmen,  wegnehmen,  auf- 
nehmen, aufheben,  bz.  heben  etc.  weiter  ent- 
wickelte.    Die  von  Fick  beliebte  Ableitung 

CO  von  y  kamp    (zittern,    od.    unduliren,   sich 


HEFIG  55  HEI 

wellenförmig  bewegen,  sicJi  auf  u.  nieder  hSL\,hcyh,hovi,he\,  sowie  ferner  im  Gri7n7n'' 
bewegen,  od.  Impfen,  springen,  bz.  [Grass-        sehen   Wb. 

mann]  sich  rasch  bewegen,  od.  sich  Irin  u.  2.  hei,  ]iabt  ihr;  contrah.  aus  liebt,   heft 

her  bewegen  ti.  schwingen),  ivovon  skr.  kapT  (gekürzt  lief ,  hew',  lie')  -f~j1;  hei  't  al  liad? 
(Affe)  u.  nach  Fick  auch  griech.  kämptö  5  —  Sehr  oft  wird  jedoch  diesem  „hei"  trotz- 
(sich  beugen ,  krümmen)  u.  kampe  (Krüm-  dem  schon  ji  (ihr)  darin  enthalten  ist,  doch 
immg,  Bug),  sowie  karape  (Spannraupe,  die  noch  ji  wieder  nachgefügt  u.  statt  „hei'  't 
sich  durch  Zusammenkrümmung  fortschneUt)  Iiad",  —  „hei'  ji  't  had"  gefragt, 
etc.  stammen  sollen,   i)asst  für  hafjau  ivohl  3.  hei,  s.  heu. 

schwerlich  so  gut,  wie  die  von  ]/  kap  (fas-  10      4.  hei,  s.  heje. 
sen  etc.),  zu  der  skr.  kapi    (Aff'e)    übrigens  5.  hei,  s.  haie. 

auch  ebensogut  gehören  kann,  wie  zu  kamp  G.  hei,  heisser,  trockner,nebelartiger Dunst, 

(zittern,  bz.  sich  sclineU  bewegen),  weil  der  der  sielt,  bei  anhaltend  heissem,  irocknem  u. 
Affe  nicht  allein  behende,  sondern  auch  windstillem  Wetter  durch  die  Hitze  erzeugt 
ein  schlimmer  Räuber  u.  Dieb  ist,  der  15  u.  die  Luft  in  den  „kimmeü^  unklar  n.  un- 
den  Früchten  etc.  sehr  nachstellt  u.  also  durchsichtig  macht,  sowie  auch  eine  Art 
auch  als  Räuber  od.  Nehmer,  Weg-  Fata  morgSLua,  od.  Luftspiegelung  verursacht ; 
nehmer,  behender  Greifer  etc.  auf-  d'r  is  to  föl  hei  in  de  lücht,  od.  de  lücht  is  to 
gefasst  sein  kann,  bz.  auch  deshalb  kapi  heiig  (trocken-dunstig),  um  mit  de  fer-kiker 
od.  Greif-  u.  Fassthier,  Fassioe-  20  regt  genau  to  sen;  —  wen  d'r  so  föl  hei  in 
sen  etc.  genannt  sein  kcinn ,  weil  er  de  lücht  is,  den  is  't  net  as  of  de  husen  un 
sich  mit  Händen,  Füssen  u.  Schwanz  bomen  in  de  lücht  drifen.  —  Mnd.  (Seh. 
an  Alles  anhängt  u.  an  Allein  Fass  n.  u.  L.)  hei;  aJtd.  hei,  öfters  gehei,  geheie, 
Haft  findet.  geheige,  Hitze  (uredo,  cauma) ;    mhd.  heien 

hefig  od.  hefig,  häfig,  schwer,  stark,  25  (brennen);  ahd.  arheigen ,  erheien  (urere, 
gewaltig,  heftig,  auffahrend,  böse,  zornig,  aestuare),  ferheien  (durch  Hitze  ausgetrock- 
aufbrausend  etc.;  'n  hefigen  stürm  orZ.  fröst,  net  sein).  Davon:  oberd.,  mdartl.  (Sc hm., 
kolde  etc.;  —  'n  hefig  gefecht;  —  du  must  II,  127)  gchai,  trockner  nebelartiger  Dunst 
net  glik  so  häfig  worden.  —  Nid.  hevig  in  der  Atmosphäre  bei  heisser  Sommerzeit, 
(stark,  heftig,  geivaltig ,  ungestüm,  auff\ih-  30  auch  Hai-Dampf,  Hainebel,  Hai- 
rend,  zornig  etc.);  mnld.  hevigh;  nd.  (Br.  rauch  (nach  0.  Schade)  verderbt:  Heer- 
Wb.)  hevig  (gross,  heftig,  sehr);  mnd.  he-  rauch,  Höhenrauch ,  (s.  unter  2  harig) 
vich ;  as.  hebhig,  hebig;  ags.  hefig  (gewich-  genannt.  AdJ.  gehai,  kai,  gehaiig,  gehaigig, 
tig,  schwer,  bcschioerlich  etc.) ;  engl,  heavy  geliaiwig ,  kaierig ,  gehedig  (von  solchem 
(schwer,^  drückend,  beschwerlich,  lästig);  35  Dunste  erfüllt  od.  überzogen);  hess.  (Vil- 
ahd.  hebig,  hepig,  hevTg,  hevec;  mhd.  hebec  mar,  157)  hei,  heie,  beige,  hege  (trocken, 
(geivichtig ;  ivichtig ;  beschtoerlich ;  ausge-  dürr,  der  Feuchtigkeit  u.  des  Wassers  er- 
zeichnet). Dieses  von  hef,  beb  u.  Tg  (Zu-  mangelnd);  heiung  (Dürre,  Wasser-,  od. 
stand,  Sein  etc.)  gebildete  Wort  gehört  zu  Regen-Mangel) ;  meklenb.  (cf.  Seh.  u.  D. 
heffen  (heben)  u.  bezeichnete  urspr.  einen  40  unter  hei)  hei-,  heu-,  heid-blicken,  heid- 
Heb  e-Zust  and,  bz.  ein  Sein  od.  eine  hXnckQw;  holst.  (Schütz  e)\\p\({-\vic\\iGn  (Wet- 
Eig ensch  aft  ivo,  od.  durch  die  ein  He-  terleuchten ,  Lufterscheinung  ähnlich  dem 
ben  (von  Etwas)  eintrat  u.  ein  Heben  Blitze,  doch  ohne  Donner)  u.  mflüm.  heyen 
(Aufheben,  in  die  Höhe  beivegen  u.  richten  (dasselbe).  Vergl.bei  Fick  (I,  59)2'ki(bren- 
etc.)  verursacht  wurde  u.  da  nun  ein  heb i-  45  nen ,  dörren) ,  wozu  er  ausser  hei  etc. 
ges  od.  hebendes  Etwas  schwer  sein  auch  goth.  hais,  Genit.  haizis  (Fackel)  «. 
muss,  um  ein  Etivas  zu  heben  u.  in  die  skr.  cya  (gerinnen,  frieren,  erstarren)  stellt. 
Höhe  zu  schnellen,  bz.  ein  Etwas  od.  ein  Fraglich  ist  es  übrigens,  ob  für  bei,  bz. 
Mensch  etc.,  was  od.  der  die  Heb  e-  Eigen-  goth.  hais  nicht  besser  die}/  skr.  cA  (sehen, 
Schaft  hat  schwer  u.  stark  etc.  ist,  so  50  bz.  scheinen,  glänzen,  ßammen  etc.,  cf. 
erklärt  sich  hieraus  leicht,  wie  das  Wort  Grassmann,  445  seq.  u.  weiter  unser 
hef  lg  die  obigen  Bedtgn.  erhielt.  blik,   blik,    büken,    blikken  etc.)   passt,  die 

hefigheid,  häfigheid,  Heftigkeit  etc.  —  wahrscheinl.  nebst  skr.  kbya  (schauen,  od. 
Nid.  hevigheid.  scheinen  etc.)  aus  der  für  schin,  schinen  etc. 

hege,  hegen  etc.,  s.  häge,  hägen  etc.  55  u.  auch   ^oohl  für    lat.    scio  etc.  vorauszu- 

hegge,  s.  1  häge.  setzenden  allgemeinen  idg.yüd  (scheinen  etc.) 

hegge-spilen,  s.  hägespilen.  entstand,  zumal  auch  die  für  beid   od.  heit 

1.  hei  od.  he,  eine  Interjcction  der  Freude  u.  heiter  anzusetzende  germ.  y  hid  od.  hith 
od.  des  Jubels;  hei-juchei  od.  juchhei,  cf.  =  skr.  cit  (ob  Denominativ  vom  Partie, 
die  Interjection  he  u.  ahd.  Interj.:  hei,  hey,  60  hita  von  hi,  wie  phull  von  phuUa  aus  phal?) 


IIEJ 


56 


HEIDE 


eine  Kncciterunfi  von  ci  ist  it.  <iuch  das 
tut.  hei  in  heiblickoii  (tccttcrleitchtoi).  suicie 
lias  ahil.  hei  (ureilo  etc.),  nihd.  heien  (bren- 
nen) etc.  wollt  jedenfalls  besser  .-«  ci  {bli- 
cfcen,  sehen  etc.,  b:.  blit.:en,  flammen,  leuch- 
ten, scheinen  etc.)  stimmt,  als  ::u  skr.  (,ya 
(gerinnen,  frieren),  wovon  es  doch  sehr  frag- 
lich bleibt,  ob  man  dafür  eine  y  ki  mit  der 
Bedtg.:  dörren,  brennen  etc.  aufstellen  darf. 
Zu  ahd.  hei,  bz.  erheien;  mhd.  heien  (urere) 
u.  goth.  liais  (Fackel),  bz.  lieid,  lieiter  etc. 
vergl.  auch  griech.  kalö  (brennen),  att.  käö 
(brennen),  kaüma  (Brand)  etc.;  lit.  kaistii 
(bin  heiss),  kaiträ  (Hitze)  u.  an.,  isl.  hyr 
(Feuer),  sowie  liyn-  od.  liyr  (heiter,  froh, 
fröhlich  etc.,  cf.  dän.  ghul,  blid),  tcas  nach 
bilde  ».  ghul  zu  urthcilen  auch  auf  die 
Grdbdtg. :  glänzen  zurückgeht. 

lii'j.  ,s'.  hejo. 

h t'J ' - b;i s .  Bam m-Meister. 

htM-lM'ssem,  .s\  heidebessem. 

licj'-blok,  ein  Block  zum  hejen  od.  Bam- 
iiien,  Bammblock. 

Iicid,  heit,  Endung  vieler  Subst.  als:  egen- 
heid,  pudhuid,  böslieid,  düllicid,  ewtgheid 
etc.,  od.  egeulieit  etc.  mit  dem  I'lur.  heiden 
od.  heiteu.  —  Africs.  liOde,  hed,  heid ;  nid. 
heid  (Blur.  hedeii) ;  mnid.  heyd;  nd.  heid, 
heit,  keit;  miid.  heit;  )ihd.  heit,  keit  etc. 
Dieses  Wort  war  früher  ein  selbstständigcs 
Wort  u.  i.'it  eins  mit:  ahd.  heit,  hait,  heid; 
mhd.  heit;  as.  lied,  heth  (persona,  sexus, 
ordo,  gradiis,  bz.  Bang,  Stand,  We.scn,  Be- 
schaffenheit, Art  u.  Weise) ;  goth.  haidus 
(Art  u.  Weise);  as.  hed  (Stand,  Würde); 
ags.  häd  (wie  im  hochd.) ;  an.  lieidr  (honor, 
diguitas).  Was  die  Grdbdtg.  dieses  Wortes 
betrifft,  so  scheint  es,  als  ob  dieselbe  ursjrr. : 
Schein,  Gl  am  etc.  od.  Schein-  u. 
Glanz -Zust a n  d  war,  bz.  dass  dem  viel- 
leicht für  heid  etc.  anzusetzenden  Thema 
heidu,  heitu,  lieithu,  od.  lieitliä  etc.  ein  ä 
od.  1,  ü  (Etwas)  abfiel  u.  es  von  Hause  aus 
ein  Etwas  bezeichnete ,  tvas  Schein  u. 
Glanz  hatte  u.  von  sich  gab  n,  dadurch 
in  den  Gesichtskreis  kam  u.  erkennbar  (od. 
gesehe»  ii.  erkannt  etc.)  u-urdc,  bz.  als  ein 
gegenstündliches  u.  sichtbares  Etwas  in  die 
Er  sc  hei  mm  g  trat.  Da  n  un  aber  Alles, 
was  scheint  u.  glänzt  Jedem,  der  dar- 
nach .sieht,  eine  Erscheinung  ist  od. 
ihm  das  Aussehen  u.  die  Wesenheit 
(sein  Sein  etc.),  Besch  äff  enh  e i t,  bz.  die 
Art  u.  Weise  desselben  kund  macht,  .so 
ist  es  vollständig  begreiflich ,  dass  aus  der 
Grdbdtg. :  Schein,  Gl  a  n  z  od.  L  ich  t 
(ah  das  was  von  Jemandem  ausgeht  u.  ihn 
sichtbar  u.  als  Seiendes  erkennbar  macht) 
sich  auf^ser  Ansehn,  Würde,  Ehre  etc.,  od. 
Art  u.    Wci.ic   wie  Etwas  aussieht   n.  sicht- 


bar wird,  auch  die  von  sichtbares  u.  in  die 
Erscheinung  tretendes  Etwas  (gleichgültig 
ob  Sache,  l^ing,  Wesen  od.  Fersönlichkeit) 
ergehen  musste.  Was  die  y  betrifft,  so  ist 
5  dafür  wohl  germ.  lud  od.  hith,  hz.  idg.  kit 
od.  skit  anzusetzen ,  die  auch  der  skr.  y 
cit  (glänzen,  scheinen,  erscheinen  etc.,  cf. 
unter  G  hei),  sowie  ketü,  od.  ketu  (Helle, 
Licht,  Strahl,  Leuchte,  Tuickcl,  Flamme; 
10  Erscheinung  etc.),  ciXvix  (glänzend,  strahlend, 
hell;  ausgezeichnet,  herrlieh  [ilhistris];  hell, 
laut,  klar  etc.)  etc.  etc.  zu  Grunde  liegt, 
cf.  auch  heid-rubiutje  u.  heiter. 

1.  heide,  od.  liaide,  a)  Jlaide,  Haidefeld, 
15  od.  dürres,  sandiges,    unfruchtbares,    tinbc- 

bautes ,  wild  u.  toüst  liegendes,  meist  mit 
Haidekraut  bewachsenes  Land;  ebenes,  un- 
bebautes u.  unfruchtbares  Land;  't  is  enier 
lieide,    so  wid    as  man  sügt;   —    b)    Huide, 

20  Haidekraut.  Compos. :  besseniheide,  böiier- 
heide,  lieideblümo,  mürheide  etc.  Sprichw. 
zu  a) :  gifd  de  heide  erst  für  her,  den  büst 
du  hör  her.  —  Xd.,  mnd.,  idd.  heide;  mnId. 
hoyde;  ahd.  heida  (Haidekraut) ;  mhd.  lieide 

25  (ebenes  unbebautes  wildbewachsenes  Land); 
goth.  liaithi  (ager,  campns,  unbestelltes  Feld)  ; 
ags.  haedli ;  engl,  heatli  (wie  oben).  Wie 
goth.  haitlii  zeigt,  bezeichnet  dieses  Wort 
ursur.  im  Allgemeinen  Mos  „Feld'',  bz.  ein 

30  unbestelltes  u.  freies  Feld,  wo  nichts 
wächst  lt.  ivohnt  u.  tcas  nicht  besiedelt  ist 
u.  wird  es  meistens  zu  skr.  ksetra  od.  kshe- 
tra  (Grund,  Grundbesitz;  Feld,  Acker;  Ge- 
gend, Land)  verglichen,  was  zur  ]/  ksi  od. 

35  ksbi  (sitzen,  wohnen,  sich  aufhalten  wo  etc.) 
gehören  soll,  wonach  denn  ksetra  urspr. 
wohl  als  (von  Menschen  u.  Thicren)  be- 
wohntes Etwas  aufgefasst  sein  muss, 
tvas  allerdings   zu    der    allgemeinen    Bedtg. 

40  des  germ.  heide  nicht  stimmt,  worüber  noch 
Weiteres  unter  lieiil-rubiiitje  am  Schlüsse 
verglichen  icerden  mag. 

2.  heide,    öfterer   lieiden,    Heide,    Nicht- 
christ;   he  is  iiog  'ii  lieide.      Sehr  oft  wird 

45  damit  auch  ein  armer,  trostloser,  bedrück- 
ter, von  der  Gnade  verstossener  Mensch 
(he  klägd  as  'n  heiden)  ti.  weiter  auch  ein 
uncultirirter,  ivildcr,  roher,  tvüster,  bz.  ein 
struppiger,  ungekämnder  u.  schmutziger  Ge- 

50  seile,  sowie  ferner  ein  Zigeuner  bezeichnet 
(he  geid  so  to  ker  as  'n  heiden;  —  he  sügt 
d'r  üt  [ist  struppig  u.  schmutzig  etc.]  as  'n 
heiden;  —  de  heidens  [od.  taters]  sunt  d'r), 
ivie  ja  bekanntlich  das  Subst.  heide  od.  hei- 

55  den  (Heide,  od.  Xicht-Christ)  aus  dem  Adj. 
ahd.  lieidau  etc.  (von  der  Haide,  zur  Huide 
gehörig,  bz.  agrestis,  pagauus  etc.,  cf.  bei- 
den) hervorging  u.  urspr,  blos  einen  (Haide- 
od.  Feldbeioohncr,  bz.  einen  Menschen 

60  von  der  Haide   od.    dem   Jjande,    einen 


HEIDE                               57  HEID-  HEIT-RUBINTJE 

Hauer  od.  Nichtstädter  etc.  hvzeich-  hz.  ein  Waclceln  der  Haut  anlcomwen  sollte, 
nete  u.  sonach  nach  der  den  Kirchenvätern  wie  dies  bek(tnntlich  auch  heim  Schauder- 
von  Moni  aus  eigener  Anschauung  als  ein  od.  Schüttelfrost  der  Fall  ist. 
bäurischer ,  ungebildeter,  roher.  Beide  Redensarten  sind  daher  tvoJil  nrspr. 
ungesitteter  Mensch  (liomo  agrestis  et  5  fries.  od.  ofries.  Ursprungs  u.  von.  hier  aus 
paganus,  bz.  iiou  uibaiuis)  aufgefasst  u.  dann  tveiter  nach  Deutschland  vorgedran- 
dann  weiter  zur  Bezeichnung  eines  Nicht-  gen,  sofern  nicht  etwa  in  andern  Gegenden 
Christen  verwandt  wurde.  die  Zusammenstellung  von  lieide  u.  weide 
3.  lieide,  Haut.  Dieses  nur  in  den.  lle-  neben  den  unsrigen  in  der  Bedtg.  von  Haut 
densart.:  „ik  wil  dl  hauen,  dat  di  de  beide  10  u.  Gcioeide  wirklich  im  Sinn  von  Hai  de 
wakkeld"  ;  —  ^he  spejd  beide  un  geweide"  (od.  Wald,  Holzung  etc.,  s.  unter  licid- 
ist  ganz  zweifellos  identisch  mit  afries.  htide,  rubiiitje  am  Schlüsse)  u.  Weide  (pascua) 
hed;  nfries.  heed;  sali,  hed;  wang.  (Ehren-  schon  von  früherer  Zeit  her  gebräuchlich 
traut,  I,  351  u.  370)  baid  (lü  fret  'er  't  icar  u.  dann  später  die  abweichenden  Se- 
mit baid  un  her  up;  —  hi  spied  liaid  uu  15  dtgn.  dieser  lautlich  gleichen  Wörter  in  den 
waid  to  't  lief  ut);  ags.  b  j'd ;  engl,  lüde  verschiedenen  Bedensarten  sich  in  der  An- 
(Haut,  cf.  büd),  wobei  ich  wegen  des  Vocal-  wendung  derselben  blos  vermischt  u.  im 
Wechsels  sowohl  auf  nid.  beden  =  liuiden  Laufe  der  Zeit  verdunkelt  haben, 
(heute  =  ahd.  liiuti)  als  auch  auf  den  nid.  beide-besseni,  heibessem,  Haidebesen,  Be- 
Plur.  beden  =  lieiden  von  beid  (hcit,  keit,  cf.  20  sen  von  Haidekraut,  od.  Erica  vulgaris, 
beid  =  rt/nes.  bed  etc.),  a/s  awcA  auf  den  ahd.  hcide-blöiiie,  Haideblume. 
Plur.  biuti  von  büt  (Haut)  venveise.  In  heide-kn'id,  Haidekraut. 
dieser  Meinung  iverde  ich  auch  dadurch  beiden,  a)  (Subst.)  s.  2  beide;  —  h)  (Adv.) 
nicht  beirrt,  dass  die  Redensart:  dat  de  heidenmässig, unvernünftig,  fürchterlich, höl- 
beide  wakkeld  sehr  verbreitet  (cf.  Korrespon-  25  lisch  etc. ;  man  hed  dar  'n  beiden  bült  drokte 
denzblatt  des  Vereins  für  nd.  Sprachfor-  un  spcktakel  mit ;  —  he  licd  'n  beiden  bült 
schung,  No.  9  vom  Febr.,  pag.  67  seq.  u.  geld;  —  ik  wurd'  so  beiden  dül,  dat  ik  bura 
No.  12,  vom  Mai  1877,  pag.  DO)  ist  u.  so-  wol  giik  en  au  de  ören  gäfen  niugt  harr' ; 
wohl  in  dieser,  cds  auch  in  der  gleichfalls  —  't  was  'n  beiden  allarm.  —  Slit  afries. 
im  nd.  bekannten  Zusammenstellung  von  30  (AdJ.)  hetbin,  betben,  liethon,  beiden ;  as. 
beide  «.  weide,  bz.  bei  «.  wei  (cf.  bei  liedin ;  ags.  baedheu;  an.  beidhinii ;  mnd. 
Schütze:  he  deit  bei  u.  wei  ut,  sowie  beiden;  ahd.  heidan,  heidin,  beiden,  hcidhan, 
ferner  bei  Dähnert  u.  im  B  r.  Wb.)  das  beitbin;  mhd.  beiden  (gentilis,  etbnicus, /tc/c?- 
Wort  lieide  im  Br,  Wb.  mit  1  beide  in  der  nisch,  niclitcltr istlich,  besonders  muhameda- 
Bedtg.:  Haide-Land ,  od.  Haide  -  Feld  u.  35  nisch,  saracenisch ,  orientalisch,  bz.  urspr. 
weide  mit  weide  (pascua)  identificirt  ivird,  agrestis);  Subst.  ahd.  heidan  etc.;  nid.  bei- 
zumal  da  auch  Schütze  die  Redensart:  den;  wfries.  beydin  (Heide,  Nichtchrist,  bz. 
he  deit  hei  uu  wei  ut  auch  durch:  „er  hat  urspr.  paganus)  zu  1  beide,  cf.  unter  2  beide. 
einen  starken  DurcJifaU"  erklärt  u.  wir  mit :  beiden-döiii,  Heidenthum. 
„he  spejd  beide  un  geweide^*  besagen  icol-  40  \\%\A^\\-\{\\)iL.,  Heidenvolk,  heidnisches  Volk; 
len,  dass  er  Alles  ausspeit,   vxis  er  in  sich  Zigeuner. 

hat.  bz.  Jemand   sich   in   der  Weise  heftig  lieiden-pak,   gemeines   heidnisches    Back 

u.  anhcdtend  erbricht,    dass    er    nach    Ent-  od.    Volk,  Zigeuner  etc. 

leerung  des  Magens  von  Speisen  auch  noch  lieide-snukke,  lieidsnnkke,    Haide-Schaf. 

häutige  Bestandtheile  speit,    bz.  Alles  von.  45  Die  beidesnukken    sind  viel   kleiner  als  die 

sich  giebt,    icas    nur    irgendwie  aus  seinem  Schafe  von  der  Marsch.  —  Nd.  beidsnulcke 

Innern  herausbrechen  kann,  toie  dies  z.  B.  u.  bei  Frisch  beidsnake. 

beim  Gallenfieber  od.  ähnlichen  mit  heftigem  heidi,  a)  Ausruf  der  Lust  u.  des  Jubels; 

Erbrechen    verbundenen    Krankheiten     der  heidi,  lieidi,  beidallala;  —  b)  fort,  verloren, 

Fall  ist.    Die  Redensart :  „Jemanden  hauen,  50  zum  Teufel  etc.;   't  is   all'  heidi;    —   lat    't 

dass  ihm  die  Heide    icackelt"    stammt    aber  all'  beidi  gan;    —    be  is  heidi  gän.       Wohl 

ent^veder  daher,  dass  in  früheren  Zeiten  die  blos  erweitertes    hei    (cf.    1  bei) ,    wie    auch 

Verbrecher  etc.  oft  derartig  gegeisselt  u.  mit  ivohl  heidideldei    entweder    erweitertes    heidi 

Ruthen  geschlagen  wurden,    dass    die  Haut  in  der  Bedtg.  sub  a)    od.    von    bei  u.  didel- 

auf   dem    Rücken    sich   von    dem    Fleische  55  dei  zusammengesetzt  ist. 

löste  u.  theils   lose   u.  ivackelig   sass,    theils  lieid-,  lieit-i'iibintje,  Blut- od.  Roth-Hänf- 

in  Fetzen  herunterhing,  od.  dass  diese  Re-  ling  (cannabina  linota).     rubiutje  ist  Dimin. 

densart    blos    eine  Androhung    so  fürchter-  von  rubin,    wie    der   Hänfling    wohl    wegen 

licher  Schlüge  sein  sollte,  dass  dem  Betref-  seiner    Ruhm  -  ähnlichen    Färbung    auch 

f enden   vor  Angst   ein  Beben   od.    Zittern,  CO  sonst  (cf.  Brehm,  Thierleben  HI,  141)  ge- 


HEID-  HEIT-RUBI^^TJE 


58 


HEJEN  HEEN 


nnnnt  wird,  während  der  Vorsrßbe  heid  od. 
lieit  wohl  Bedtg.  Glanz  (cf.heix.  etc.  h.  lieiter) 
:h  Grunde  liegt ,  sodass  heid-  od.  hcit-ru- 
bintje  soviel  icie  Gla  n  z  -  Hä  n  fl  i  n  g  lieisst, 
h:.  heid  etc.  sich  auf  den  Glanz  seiner 
rothen  Farbe  bezieht.  Dass  )iiin  aber  die 
ahd.  heitperi,  heidperi  u.  nhd.  Heidel- 
beere genannten  glänzend  schwarzen  n. 
rothen  Beeren  der  verschiedenen  Yacciniiim- 
Arten  ihren  Namen  daher  haben  sollen, 
dass  sie  in  od.  auf  der  Hai  de  wachsen, 
scheint  mir  auch  sehr  fraglich,  da  es  auch 
ebensogut  denkbar  i.^it,  dass  heitperi  ursjyr. 
die  Bedtg.  Glanz-Beere  hatte,  wie  ja 
auch  lieit  (rf.  heid)  in  der  ursj^'.  Bedtg.: 
Glanz  od.  Schein  etc.  (der  von  Etwas 
ausgeht  u.  es  sichtbar  macld)  u.  der  abge- 
leiteten von:  Ansehen,  Würde  etc.  auch 
im  ahd.  heithaft  (d.  h.  glanzhaft,  od.  mit 
Glanz,  An  s e Jt  e n  u.  Wii  rde  behaftet, 
—  Glanz  u.  Ansehen  etc.  habend  u. 
besitzend)  steckt  u.  dieses  Wort  nur  des- 
halb auf  den  geistlichen  Stand  bezogen,  bz. 
der  geistliche  od.  Priesterstand  nur  deshalb 
heithaft  genannt  wurde,  weil  er  mit  Glanz, 
Ansehn  u.  Würde  etc.  behaftet  war,  bz. 
der  „heithafte"  od.  der  dem.  Stande  der  Geist- 
lichkeit angehiirende  3Iann  für  „illustre" 
galt.  cf.  dieserhalb  auch  unter  heid  am 
Schlüsse  das  skr.  citrä,  xconach  man  auch 
einen  germ.  Sta7ntn  heid,  heit  od.  heith,  bz. 
ein  heithi  (glänzend  etc.)  u.  heithi  (Glanz 
etc.)  von  der  y  hid,  hit,  hith  =  skr.  cit 
(glänzen  etc.)  ableiten  kann,  der  doch  je- 
denfalls auch  dem  ahd.  heitar  (cf.  heiter) 
zu  Grunde  liegt,  ebenso  wie  dem.  Worte  heid. 
Vergleicht  man  nun  aber  weiter  das  ahd. 
16h,  Holz,  Gehölz,  Wald  etc.  (cf.  Förste- 
rn an  n ,  II,  947  u.  Arnold,  Ansiedlun- 
gen  etc.,  pag.  117)  =  lat.  lucus  etc.  im  Zu- 
sammenhange mit  ahd.  lohjau  (lohen,  flam- 
men etc.)  u.  lat.  lücere  etc.  (cf.  leien,  löjen, 
lücht  etc.)  zu  Id.  laukas  (das  Freie,  od. 
die  freie,  offene  unbesicdelte  Gegend  etc.,  bz. 
Feld,  Acker  rtc.  u.  dass  vnr  mit  Wald 
auch  oft  den  Begriff  des  Freien  u.  Un- 
eing  e  liegten,  od.  des  ivild  u.  frei 
wachsenden  und  somit  auch  Unbe- 
schränkten (wald  u.  wild  [cf.  wilde  n«cÄ 
in  derselben  Bedtg.  wie  HaidrJ  sind  ja 
angeblich  connex,  da  wald  das  toild-  u. 
freiwachsende  bezeichnen  soll)  verbin- 
den, so  ist  es  auch  leicht  möglich,  dass  das 
Wort  heide  =  goth.  haithi  (Ifaide,  od.  hin- 
bestelltes, od.  unbebautes  m.  unbewohntes  od. 
freies  Feld  u.  Ebene  etc.,  cf.  1  heide)  gar 
nichts  mit  skr.  kshötra  (Grundbesitz;  Feld 
etc.)  u.  der  ]/  kshi  (sitzen  etc.,  cf.  1  heide) 
zu  thun  hat,  sondern  als  freie,  unbe- 
baute,   unbewohnte ,    leere    u.    öde 


Fläche  etc.,  ebenso  wie  heid  etc.  u.  heiter 
zur  y  cit  =  idg.  kid  (scheinen,  glänzen  etc.) 
gehört,  zumal  da  heide  in  den  norddeut- 
schen Sprachen  nicht  allein  eine  offene, 
5  freie,  unbebaute  u.  öde  Gegend,  bz.  ein  freies 
Feld  etc.  bezeichnet,  so)ider)i  auch  die  Be- 
dtg.: W(dd,  Gehölz  (Ulcus,  sylva,  saltus) 
hatte,  bz.  {cf.  Grimm  Wb.,  IV,  798  sub 
3)  einen  gr  ossen,    wilden,    mit    Tan- 

10  gel-  od.  schwarzem  Holze  beioach- 
senen  Wald  bezeichnete  u.  man  sonach 
von  Hause  aus  u.  urs2}r.  mit  „heide"  ledig- 
lich ein  frei  u.  offen  liegendes  (cf.  bar, 
bar,  bloss,  nackt,  leer,  frei,    offen,   sichtbar 

15  etc.  von  der  y  bhas,  scheinen,  glänzen  etc.), 
od.  überhaupt  ein  freies,  offenes,  über- 
sichtliches, bz.  ein  freies  unbe- 
schr ä nktes  u.  w i Id es  Etwas  bezeich- 
net hat  u.  dieses  Wort  ebenso  wie  heid,  hei- 

20  ter  etc.  ein  Abkömmling  der  y  cit  (schei- 
nen, leuchten,  sichtbar  sein,  frei,  offen  u. 
unbedeckt  liegen  etc.)  ist,  zu  welcher  Grd- 
bdtg.  die  goth.  Bedtg.  campus  od.  unbe- 
stelltes   u.   freies    Feld   etc.    (cf.    unter 

25  1  heide)  sowohl,  als  auch  die  schon  alte  nd. 
von  Wald  etc.  od.  lucus,  bz.  freies,  unbe- 
schränktes, offenes  Einlas,  od.  überhaupt 
das  Freie  (cf.  skr.  loka,  heller  freier  Ort, 
freier  unbeschränkter  Raum  etc.)  jedcnfcdls 

30  sehr  gut  u.  icohl  besser  stimmt  als  die  von 
skr.  kshetra  von  der  ]/  kshi  (sitzen,  wohnen 
etc.),  zumcd  da  die  Haide  loohl  schwerlich 
jemals  ein  sehr  verlockender  WoJinsits  war 
ti.  jedenfalls  urspr.  wohl  ein  von  frei  um- 

35  hers c h iv e ife n d e n  Nomadenhorden,  nicht 
aber  von  sesshaften  Ackerbauern   bevöl- 
kertes Feld  gewesen  ist. 
heien,  .s\  hi-jen. 
Heie,  Hei',  ml.  Name;  s.  Ilayo. 

40  heje,  hej',  hei',  a)  Schlag,  Stoss ,  Auf- 
pirall  etc.,  z.  B.  eines  schiveren  Schlägels, 
od.  eines  Bammblocks  etc.;  du  must  d'r  uog 
iuseu  "n  dügtitren  hej'  up  dun,  of  't  net  nog 
wat  sakktMi  wil;    —    mit  f'U  hej'  sat  't  fast; 

45  —  b)  ein  schicerer  Schlägel,  ein  Bamm- 
block, od.  auch  das  ganze  Rammgestell  incl. 
des  Schlägels  od.  Rammblocks ;  gif  ml  de 
hej'  inson  her  uii  lat  mi  de  päl  iuson  eu  up 
de  kop  gäfen ,    of    hr    den    net  in  de  grund 

50  geid  ;  —  se  sunt  mit  de  hej  au  de  färd,  um 
de  palen  in  de  grund  to  hejen.  —  Afries. 
hei  (Schlag,  Hau)  ;  nid.  hei  (Ramme);  mnld. 
(KU.)  heye  (fistuca;  pilum  ruidum) ;  nhd. 
Grimm,   Wb.,  JF,  813,  bz.   770  etc.)  heie, 

55  hege,  hage  (Schlägel)  ;  mhd.  heie,  hei ;  bai/r. 
hai  (dasselbe);  Schweiz,  huja  (Ramme),  ne- 
ben den  Verben :  huja  n.  heija  (rammen). 
Ausserdem  auch  (ni.)  heier,  haiier,  haier, 
hoyer  (trnsorium).      Vergl.  weiter: 

60      hejoii,    heen,    heien,    rammen,   flauen, 


HEJEN  HEEN  59  HEIKE  HEIK' 

schlagen,  stossen  etc. ;   he  hejd   de  palen  in  (fcn,    ohschon   es   mir   scheint ,    dass    hayr. 

de  grund;  —  de  grund   mut  erst  htgd  wor-  (Seh vi.,  II,  128)  haien,    h:u,    haier,   hoyor 

den  (gerammt,   hz.  mit  eingerammten  Pfäh-  (trusorium,    fistiica)    u.     gehai     (Weg     od. 

len  verschen  u.  fundavientirt  werden),  er  't  Cagung  von  eingeranuiden  Pfählen)  auch  wohl 

fundaraent  legd   worden   kan;    —    he    hejde  5  zu  hauen  gehören    könnte,    zu    welchem  luV 

(hejete,   rammte,    bz.  stiess,    schlug  etc.)    de  Jen  u.  heje  jedenfalls   begrifflich   doch  bes- 

päl  so  fast,  dat  gm  tein  perde  hum  d'r  wör  ser  stimmt  als  zu  heien    (vexiren),    od.   wie 

üttrekken    künden.    —    Nid.    heijen;    mnld.  Diez  meint  zu  mnld.  hijgheü. 

heijen ,    hijen     (fistucare,     fistuca    adigere;  heien,  s.  heuen. 

subagitare) ;   mfläm.  heyen,  hyen   (dasselbe).  10      heifeltje,  lieiifeltje,  heifelke  (Dimin.  von 

Vergl.  dazu  (s.  Grimm,  Wb.,  IV,  813  un-  nhd.  Haufe,  bz.  dem  Stamm  Häufet   von 

ter  2  heien)    schwäb.  heien,   huien,    hegen,  häufeln),  Häufchen,  kleiner  Haufe;  wi  wil- 

neben  geheien   u.  keien    (schlagen,  loerfen) ;  len  de  knikkers    up    heifeltjes   setten   un  se 

tirol.  heien  u.  geheien  u.  keien  (werfen,  fal-  mit  de  törnscheter   umsmiten ;   —   (fig.)   ein 

len  lassen);  hess.  (Vilmar)  heien,  geheien,  15  Idcines  Menschenkind;   't  is  man  so  'u  hei- 

geheigen    (plagen,  vexiren,    ärgern  etc.,    bz.  f'eltje.^ 

urspr. :    schlagen,    hauen).      Was   zunächst  hßiiö?  *'•  6  hei. 

unser  hejen , '  bz.  nid.  heijen  (rammen  etc.)  heike,  lieik',  haike,  hoike  u.  auch  hokke, 
betrifft,  so  ist  dies  wohl  von  heje,  hej'  (Stoss,  hok',  Mantel,  Ueberwurf,  Begenkleid,  Schä- 
Schlag;  Schlägel,  Bamme  etc.)  loeitergebil-  20  fermantel ;  Redensart:  de  heiken  up  beide 
det ,  wie  desgl.  auch  wohl  nhd.  heien  schulders  dragen;  —  de  heik'  na  de  wind 
(schlagen),  während  es  mir  scheint ,  dass  hangen;  —  Cowpos.  wind-heike;  (fig.)  Wind- 
die  oberd.  Verba:  heien,  huien,  hegen  (schla-  beutel.  —  Afries.  hokka  u.  lioythia  (rect. 
gen,  weifen),  bz.  hess.  heien  (vexiren)  u.  hoykia  oc7.  hoychia,  lioichia) ;  nd.  (Schütze, 
mnld.  hijen  (molestare,  vexare) ,  mnd.  (S  c  h.  25  I)  ä  h  n  e  r  t,  S  c  h  a  m  b  a  c  h  etc.)  heuke,  hoike, 
u.  L.)  beigen,  higen,  hieu  (zerren,  höhnen  heike,  hocke;  mnd.  (S eh.  u.  L.)  hoike,  heike, 
etc.)  nicht  von  dem  Subst.  heie,  sondern  aus  büke,  hoke;  nid.  huik;  7nnld.huycku.  hocke; 
älterer  Quelle  stammen.  Vergleicht  man  engl.  hake.  Daran  (Die z,  II,  335) :  af ranz, 
nun  aber  die  unter  heje  erwähnte  Form:  hoche  (langes  Gewand),  während  Diefen- 
hege,  bz.  dass  so  sehr  oft  der  Stamm  hage,  30  bach  das  mdartl.  franz.  huque  u.  sächs. 
hege  zu  hai,  hei  contrahirt  wird,  sotvie  fer-  büke  zu  kgmr.  hug  stellt.  Es  gehört  mit 
ner,  dass  unser  hikkeu  neben:  schlucken,  hök,  büke,  hokke,  buken  (=  nid.  buiken, 
schluchzen,  bz.  krampfhaft  hörbar  weinen,  nhd.  hocken)  etc.  zur  )/  kuk,  bz.  skr. 
od.  aufstossen  (cf.  snikkon,  snukken,  snuk-  kug,  kung,  od.  kuc,  kunc,  wovon  kuksli,  kuks 
kern  u.  snuk-up  =  engl,  bick-up)  auch  die  35  (cf.  taksh,  taks  aus  tak,  tag  u.  bbaksh  aus 
Bedtg.:  stossen,  schlagen  etc.  hat,  so  wäre  bhag)  eine  Weiterbildung  ist  u.  welche  nach 
es  auch  wohl  möglich,  dass  fries.,  nid.  he-  Fick  eine  Ablautform  von  kak  (cf.  I,  3G) 
Jen,  heijen,  hijen  (stossen,  schlagen  etc.)  aus  sein  soll,  die  er  auch  für  h^ge  (Umzäunung, 
mnld.  hijghen  (anbelare,  bippacare,  animam  Hecke  etc ,  cf.  unter  hage,  bäge,  hagen,  hä- 
celeriter  ducere  etc. ,  cf.  higen)  entstehen  40  gen  etc.  u.  auch  unter  hake) ,  bz.  ahd.  bag 
konnte,  loovon  (cf.  higen  in  der  Bedtg.:  hef-  ansetzt  u.  wobei  ich  wegen  des  auslautenden 
tig  verlangen  u  trachten,  od.  streben  nach)  g  u.  k,  bz.  des  inlautenden  g  u.  k  auch 
Diez  (II,  334)  afranz.  hie  (Gewalt,  Nach-  auf  bugen,  buk,  bukken  etc.  verweise.  Ver- 
druck), engl,  hie  (Eile  etc.)  ableitet  u.  wo-  gleicht  man  nun  aber  bei  Grassmann  y 
mit  er  auch  ags.  bige,  hyge  (Eifer,  od.  ei-  45  kug  (umschliessen,  umfassen),  köga  (Fass, 
gentlich:  mens,  animus  etc.,  da  es  mit  afries.  Kufe,  Behälter,  Kasten  etc.),  köstha  (Ein- 
hei;  ahd.  bugu,  Sinn,  Geist;  Andenken;  getceide,  Wanst),  kaksi  (Bauch  etc.),  bz.  bei 
aflfectus,  Freude;  goth.  hugs  etc.  identisch  Bopp  die  Wurzehi  kuk  (capere,  sumere), 
ist  ti.  mit  böge  etc.  zu  bugen  gehört)  für  kuc  (impedire,  includere,  conjungere;  iu- 
verwandt  hält  u.  tvovon  er  meint,  dass  da-  50  flexum  esse),  kuc  (curvare,  inflectere),  sowie 
von  auch  nfranz.  hie  (Ramme),  hier  (ram-  die  Wörter:  kuca  (mama),  kuks'i  (venter, 
men)  abstammen  könnte.  Wahrscheinlicher  Uterus)  etc.,  bz.  bei  Benf  ey :  kuk  (to  take), 
scheint  es  mir  jedoch,  dass  unser  heje,  hej',  kuksbi  (tbe  belly;  cavity;  caveru;  bay  etc.), 
hei  (Schlag,  Stoss;  Schlägel,  Ramme)  u.  he-  kuj  (to  be  crooked  etc.)  kuch,  kurich  (to 
Jen  etc.  vom  afries.  hei  (Schlag  etc.)  ab-  55  straiten ;  to  bend ;  to  crisp ;  to  souud  high ; 
stammt,  was  ebenso  tvie  unser  bei,  heu  (Heu)  to  be  crooked  etc.)  etc.  u.  bei  Justi:  cuf;ra 
zu  hauen  gehört,  tvährend  die  obigen  nhd.,  (Winkel,  Ecke  etc.  =  nnserni  hök),  kushi 
bz.  oberd.  Formen  heien,  huien,  hegen  (schla-  (Bauch,  Höhle)  etc.,  so  scheint  es  mir,  als 
gen  etc.)  ivohl  mit  mnld.  hijen  (molestare)  ob  für  die  Wurzeln  kak,  kuk  zunächst  die 
aus  einer  u.  derselben  Quelle  stanDuen  mö-  60  Bedtg.:     gr eifeii ,    fassen,    nehmen, 


HEIKEL 


60 


HEIL-BUT 


halten  etc.  als  urspr.  atuiowlimcn  sei  it. 
(lass  .''ich  hieraus  die  ro)i :  binden,  svhlics- 
sen,  ein-  u.  umschlie.'^scn  (sichern,  schUI::en, 
bergen  etc.),  von  allen  Seiten  durch  einen 
Kreis  od.  Hing,  W(dl  etc.  umgehen,  u.  so 
auch  die  von:  rundlich  od.  mit  einer  Krüm- 
mung, einem  Bogen,  Gcirölbe  etc.  ein-  u. 
umfassen  etc.  entwickelt  hat,  wobei  daini 
hieraus  weder  auch  die  von :  biegen  u. 
krümmen  etc.,  sowie  ans:  rundlich  erhaben 
etc.  auch  die  von:  Anhöhe,  Hügel  etc.,  od. 
der  liegriff:  erhaben ,  hoch  etc.  entstand, 
wie  auch  Fick  das  ahd.  Loh  (cf.  hög) 
d.uu  ,vfW//. 

heikel;  /.  q.  4  häkel. 

Heiko,  od.  Haiko,  ml.  Name.  Gei^chln. 
Ik'ikrii,  llcikcus,  Iltikena,  b~.  llaikcn,  Hay- 
ki'ii  etc.  Wohl  Koseform  von  ilayo,  Ilrio, 
Heip.  Vergl.  indessen  Förstemanu  un- 
ter Hall. 

hci-krasjp,  zornig,  ivild,  wüthcnd,  aufge- 
regt, ausser  sich  etc.;  liö  was  gaiis  lieikräsje 
im  hol  not  to  tüssen.  —  Xach  dem  Br.  n  d. 
Wb.  (II,  613)  bezeichnet  lieikrasie  od.  hei- 
kraasje  ein  jauchzendes  Lärmen  a. 
auch  einen  lustigen  ausgelassenen 
Menschen  u.  soll  es  von  der  Interj.  der 
Freude  hei  (s.  1  lioi)  u.  kuraasje  (Courage) 
zusammengesetzt  sein.  Vergl.  indessen  auch 
afries.  hei  =  ags.  higc ,  liyge ;  ahd.  liugu 
(mens,  animiis;  affoctus  etc.,  s.  unter  hejen) 
u.  zu  krasie  etc.  auch  mnd.  kraecz  (Wider- 
rede, od.  Geschrei'^  in  „siiiuler  kraecz  und 
weddeircden",  was  nach  Seh.  u.  L.  [II, 
.'iö'Jj  mit  kratz  [Kratz,  von  kratzen]  iden- 
tisch sein  .soll,  mir  indessen  eher  mit  Krächz 
in  Ge k  r  ä c h z e,  bz.  k r ächz c  n  [ags.  crä- 
cetten  etc  ]  connex  zu  sein  scheint),  od.  auch 
mnd.  krät  (Schrei)  kraten,  kratelon  (schreien, 
krähen,  wiehern),  was  sich  wohl  von  ahd. 
cliräjan  (krähen,  cf.  krcien)  ableitet  u.  wo- 
nach denn  lieikrasie  od.  lieikräsje  (mag  nun 
liei  die  Interj.  hei,  od.  wie  afries.  hei  aus 
hige  entstanden  sein)  nicht  =  fr eudige 
od.  laute  Co  u  r a g  e,  sondern  =  fr  e u- 
diges  u.  lautes  od.  an  i mir t es  Ge- 
schrei sein  würde. 

hei'  knräsje,  hei*  krasje,  gewähnlichcr 
fragender  u.  herausfordernder  Zuruf  eines 
streitsüchtigen  od.  zornigen  JMcnsclicn  an 
die  gegnerische  Barth  ei  n.  ivörtl.:  habt 
ihr  Courage;  hei'  krasje?  den  kfimd 
man  her,  den  wilKn  wi  insen  sön,  wel  bäs 
Word. 

licil,  Heil,  Gesundheit,  Wohl,  Wohlsein, 
Glück,  Segen,  Frlösung,  Bettung  etc.;  heil 
dl,  dat  du  dat  net  däii  hest;  —  he  drunk 
up  sin  heil ;  —  f'oi  heil  im  glük ,  od.  segeii 
in  't  neje  jär;  —  Iie  si'>cht  sin  heil  l»i  (iod, 
od.  in  de  tiücht;  —    ik  se  gi-n  heil  mür  für 


luiin ;  --  dat  is  diu  heil,  dat  du  kamst;  — 
wen  du  nii  iiet  hürou  wilt,  den  must  du  sül- 
feu  diu  heil  fersüken  ;  —  as  he  ferlägeu 
was,  do  kwani  he,  um  sin  heil  hi  nii  to  fer- 
5  söken ;  —  he  lied  sin  heil  bi  hör  feisöcht, 
man  't  wul  hum  bi  hör  iiet  lükkea  un  he 
hed  sük  blüt  'n  pAr  blaue  schiuien  häld.  — 
Nd.,  mnd.  heil;  nid.  heil;  )«/(/</.  lieyl ;  ahd., 
mhd.  heil  (Gesundheit ;  Glück;  Bettung)  n. 

10  ahd.  hedi,  liaili,  ludi;  amhd.  heile;  as.  hell 
(sanitas,  salus;  salvatin).  Fs  bezeichnet  den 
heil-  od.  gesund- Zustand ,  bz.  den  Zu- 
stand od.  das  Sein  von  heil  od.  ges  u  n  d 
(d.  h.  ganz,  unverletzt,  unverivundet  u.  un- 

15  versehrt,  nicht  caput  etc.)  etc.  u.  ist  heil  das 
substantivirte  Adj.  heil  (cf.  hei) ,  tvährend 
heili  mit  don  Suffix  i  in  der  Bedtg. :  Sein 
od.  Zustand  etc.,  ebenso  wie  heilig,  heil- 
sam,   bz.  heisam    u.    lielen  etc.   davon    loei- 

20  tcrgebildet  sind.  Wie  salus  bezeichnete 
daher  auch  heil  urspr.  nur  einen  körper- 
lich od.  sinnl.  unverletzten  Zustand  u.  da 
sowohl  salig  (selig),  als  die  Fndung  sal 
in    Trübsal,    Schicksal   etc.,    bz.    selig    in 

25  trübselig,  loeinselig  etc.  mit  sal  in  salus,  sal- 
vus  etc.  identisch  ist,  so  erklärt  sich  hieraus 
auch,  weshalb  das  Wo7-t  salig  od.  selig 
(sei  es  für  sich  allein,  od.  als  Fndung,  bz. 
als  Suffix)    dieselbe  (rrdbdtg.    hat    ivie  hei- 

30  lig  (cf.  auch  hillig,  hilg),  obschon  wir  die- 
ses Letztere  allerdings  nicht  in  derselben 
Bedtg.  wie  selig  in  trübselig,  weiiiseUg 
etc.  gebrauchen,  bz.  als  Suffix  den  Stämmen 
in    ähnlicher   Weise    anhängen,    wie  selig. 

35  Weiteres  vergl.  unter  hei,  helen  etc. 

heilaiul,  Heiland  (Christus),  Frlöscr,  Fr- 
retter,  Freiiiiachcr  von  Sünde  u.  Schuld; 
och  du  min  lefe  heilaiul,  ferbarme  di  afer 
uns ;  —    de   lefe   heilaud   mag  jo  't  wer  se- 

40  genon ;  —  wat  hod  de  lefe  heiland  net  all' 
f()r  uns  dän.  —  Ahd.  heilant,  helant;  mhd. 
lu'ilant,  lu'ilent:  as.  heljand,  hrleand,  h("'land; 
ags.  haeland,  helend ;  haelynd.  heilant  etc. 
=    salvator    ist    das   substaidioirte    Bartic. 

45  präs.  von  heilan,  bz.  helen  in  der  abstracten 
Bedtg.  salvare.  Die  Gothcn  dagegen  über- 
setzen in  gleicher  Weise  das  griech.  söter 
(Better,  Befreier,  bz.  Christus)  mit  nasjands, 
dem  Bartic.  ^j;v/.s.    von    nasjaii    (retten)    = 

50  ahd.  nerjan  (heilen  etc.),  was  vom  Bräter. 
nas  von  nisan  =  ahd.  nüsaii  in  ganisan  (ge- 
nesen etc.)  weitergebildet  ist. 

heil-biit,  Heilbutt  (pleuronectus,  liippo- 
glossus).  —  Mßäm.  heyl-,  helbot ;   nid  lioil- 

55  bot;  nd.  (B  r.'  Wb.)  hcilbutto;  dän.  liellc- 
but,  auch  holletlynder  u.  norw.  hellefisk  ge- 
nannt; engl,  liallibut,  haliliut.  Bezieht  sich 
die  Vorsglbe  auf  hrl  (heil,  ganz  etc.),  bz. 
engl,  hail,    hale  in  der  Bedtg.  „stark",   so- 

GO  dass   er   ivegen   seiner    Grösse   (er   ist  der 


ÄElLlG 


61 


HEISTERN 


grösstc  u.  schioerste  von  allen  Butten)  der 
ganze  (heile)  od.  starke  (vergl.  unter 
hei  a«c/i  die  Redensart:  lie  is  'u  lu'len  [gan- 
zen, tüchtigen,  derben,  starken]  kerel,  od. 
't  is  wat  lu'ls)  Butt  genannt  lourdei'  Oder  5 
ist  heil,  bz.  hail,  hei,  lial  identisch  mit  dein., 
schwed.  hal  (glatt,  schlüpfrig),  an.  hall; 
mnld.  hei  (dasselbe) ,  was  bekanntlich  mit 
ahd.  häli,  häle;  mhd.  haele,  häl  (verhohlen, 
verborgen;  heimlich  schleifend  u.  schlüpfend  ;  10 
schlüpfrig,  glatt)  zu  hehlen  (s.  unter  hal) 
gehört  u.  ivonach  denn  der  Heilbutt  sei- 
nen Namen  daher  haben  konnte,  dass  er 
nicht  rauh,  od,  nicht  steinigt  (wie  der 
Steinbutt)  ist?  15 

heilig  (saiictus),  heilig,  selig  etc.,  bz.  un- 
verletzlich, unverbrüchlich,  fest  etc. ;  de  hei- 
lige gest;  —  't  heilige  laiul;  —  de  heilige 
schritt ;  —  he  kan  iiich  heilig  worden ;  — 
diu  Word  raut  di  heilig  wäsen ;  —  ik  kau  20 
dl  heilig  fer&äkern,  dat  dat  war  is.  —  Nd. 
heilig;  nid.  heilig;  afries.  helech,  helich, 
heilich,  helch,  hilch  (cf.  hillig,  hilg);  nfries. 
hallig,  hellig,  hillig;  sr(i/.  hillig;  a/uZ.  heilag, 
heilac,  helac,  heileg,  heilig ;  mhd.  heilec,  hei-  25 
lic ;  md.  hillig ;  as.  helag ,  einzeln  auch  : 
heleg,  bälag,  halog;  ags.  häleg,  liälig.  In 
diesem  Worte  hat  sich  die  sinnl.  Bedtg.  des 
Stammwortes  heil  (cf.  hei)  loohl  am  meisten 
verwischt.  30 

lieiligdöin,  Heiligthum;  in  't  heiligdöm 
gän ;  —   dat  mut  di  'n  heiligdöm  wäsen. 

heilige,  Heilige;  de  lefe  heiligen  mögen 
uns  helpen ;  —  he  hörd  to  de  heiligen. 

heiligheid,  Heiligkeit.  35 

heillös,  heillos,  gottlos,  fürchterlich  etc.; 
dat  is  'n  heillosen  kerel ;  —  dat  geid  d'r 
heillos  her ;  —  he  gung  heillös  to  ker ;  —  'n 
heillosen  wind. 

heimät,  Heimath.     Zu  1  hem.  40 

heim-söken,  hemsölteii,  heimsuchen,  zu 
Hause  suchen  od.  besuchen;  he  hed  hum 
heimsöcht.  —  Zu  2  hem  =  ahd.  heimi; 
afries.  hem. 

hein,  Hof?  —  od.  Ansiedlang,  Verbleib-  45 
Stätte,  Wohnung  etc.  ?  —  od.  Hain  =  ge- 
hegtes Gehölz,  Gehege  etc.?  —  in  den  lie- 
densart. :  d'r  steid  gen  hi'is  of  hein ;  —  d'r  is 
gen  hüs  of  hein  to  sen,  tvofür  wir  auch  sa- 
gen: d'r  steid  gen  hüs  of  hof.  Da  hof  be-  50 
kanntlich  die  Bedtg  :  eingeliegtes,  eingefrie- 
digtes, umschlossenes  Etwas  hat,  od.  auch 
einen  timschliessenden  King  bezeichnet  (cf. 
appel-hof,  Apfelgarten,  —  hof  um  de  man 
etc.),  so  ist  es  mir  fraglich ,  ob  hein  wie  55 
nhd.  Hain  ein  Contract.  «;o?i  hageu,  hegen 
=  md.  hagin ,  mhd.  hagen  u.  demnach  mit 
hein  od.  hegen e  in  den  Orts-  u.  Bachnamen 
heinbah,  hegenebahe  (cf.  bei  Förstemann) 
u.  hein  im  mnd.  hein-holt  =   hege-holt  (cf.  60 


bei  Seh.  u.  L.  unter  hege-holt)  identisch 
ist,  bz.  mit  dem  folgenden  Vbm.  heinen  zum 
Stamm  hag  (cf.  1  häge  etc.)  gehört,  od.  viel- 
leicht eine  Nebenform  von  heim ,  bz.  hem 
ist,  wofür  KU.  sein  mnld.  heyn  hält.  Ver- 
gleicht man  indessen,  dass  mnld.  haeghe, 
bz.  mnd.  hage,  hege  (s.  unter  1  häge)  ne- 
ben sepes  etc.  auch  die  Bedtg.  domus  od. 
Wohnung  (cf.  auch  unter  gärden  u.  tun) 
]uit,  so  schei)it  es  mir ,  dass  sowohl  unser 
hein  als  das  mnld.  heyn  (sepes,  septum  etc.) 
ti.  mfläm.  heyn  (Hof,  Hof  statte ,  bz.  closture 
autour  les  niaisons ,  bois  ou  champs)  trotz 
der  dort  erfahrenen  Identificirung  mit  heym 
(Heim)  mit  nhd.  Hain  od.  Hein  von 
Hause  aus  identisch  u.  wie  dieses  aus  ha- 
gan,  bz.  hagene ,  hogene  (cf.  auch  afries. 
heyl  =  hagel,  —  ueil  ^  nagel  etc.)  con- 
trahirt  sind  u.  dass  neben  diesem  richti- 
gen heyn  im  mnld.  u.  mfläm.  auch  die 
Form  heyin  für  heyn  vorkam,  wie  bekannt- 
lich auch  das  „m"  in  kim  (Keim) ,  kimen 
(keimen  etc.,  cf.  kiiien)  u.  in  ahd.  scimo 
(Schein  etc.)  für  urspr.  „n"  steht. 

Hein,  ml.  Name  (Hein  Weers).  Geschln. 
Heine,  Heinen.  Wegen  dieses  Namens  als 
Verstümmehmg  von  Heinrich  (cf.  Heini  u. 
Heink),  bz.  auch  wegen  Hein  in  der  Bedtg. 
„Tod"  (friind  hein)  vergl.  Grimm,  Wb., 
u)iter  Hein  u.   Weiteres  unter  heunekled. 

heinen,  zäunen,  ein-  od.  befriedigen,  bz. 
mit  einem  hein,  od.  häge  (Zaun,  Hecke)  um- 
geben u.  einschliessen  od.  gürten;  umhei- 
nen  (umzäunen,  umschliessen ,  umgürten, 
umfriedigen  etc.)  —  Nid.  heineu ;  mnd.  he- 
genen,  heinen  etc.,  cf.  hägen. 

Ueini,  Koseform  von  Heinrich. 

Heink,  ml.  Name  u.  zwar  Contract.  aus 
Heinrich,  bz.  Heinrik,  Heurik,    cf.  Hinnerk. 

1.  heister,  s.  bester,  bester. 

2.  heister,  od.  hester,  ein  böses  zänki- 
sches Weib,  Xantippe.  Es  berüJtrt  sich  be- 
grifflich sehr  nahe  mit  häkster,  bz.  äkster 
(Elster)  im  flg.  Sinn  u.  wird  demnach  auch 
toohl  mit  mnd.  heister,  hegester  (cf.  Seh. 
u.  L.)  identisch  sein.  Möglicherweise  je- 
doch kann  es  auch  loie  das  folgende  hei- 
stern  zu  haest,  haist,  heist  (erregt,  aufbrau- 
send, hitzig,  zornig  etc.)  gehören ;  cf.  1  hast. 

heistei'n ;  i.  q.  beistern,  feisteru  etc.  — 
Mit  wfries.  (Jap  ix)  heysterjen  (jagen,  trei- 
ben, antreiben,  fort- ,  aus-  etc.;  sehr  hastig 
u.  eilig  sein,  rennen  etc.)  n.  auclt  wohl  mit 
dem  nid.  heistern  in  ontlieistern  (aus  dem 
Concept  kommen  od.  bringen,  sich  od.  Je- 
manden entsetzen,  verstören  [ontheistert  en 
ontroert,  entsetzt  u.  verstört  etc.,  cf.  ferbi- 
stern,  ferbisterd],  quälen,  plagen,  martern, 
verwüsten,  berauben  etc.)  ivohl  von  haest, 
heist  (hastig  erregt  etc.,  cf.  1  hast),   bz,  ein 


HEIT 


62 


HEKSE  HEKS 


Freq.  von  hacsten  (fostinaro  etc.).  </.  auch 
>uL  (Er.  ^yh.)  hoister-beister  (über  J Iah  u. 
Kopf,  in  Eile),  heistcr-bcisteru  (in  unor- 
dentlicher Eile  etwas  thun  o'l.  über  hin 
fahren).  5 

lu'it,  .>-■.  hoid. 

licitt',  Vater.  —  Mofries.  (Cad.  Mül- 
ler) hoite;  afrien.  heitlia  etc.,  cf.  Weiteres 
unter  1  h.  2  atte,  wonach  heite  icohl  für 
cito,  b-.  ette,  üte  steht.  10 

lleite,  llcit,  »//.  Name.  Geschln.  Ileits. 
—  Wie  der  Xanie  Atto,  Atte  mit  atte,  ette 
(Vater),  so  auch  wohl  dieser  mit  heite  conne.i\ 

heiter,  heiter,  fröhlich,  lustig  etc. ;  dat 
geid  d'r  heiter  her;  —  dat  sägt  d'r  lieiter  15 
(lusti(f,  schiin  etc.  u.  sowie  niöjo  auch  oft 
in  s a r k a s tische r  Weise  gebraucht)  üt. 
Dieses  Wort  =  ahd.  heitar,  lieiter;  whd. 
heiter;  as.  hedar;  ags.  hädor;  an.  heidhr; 
mßäin.,  mnld.  heyder  ist  Weiterbildung  von  20 
lu'id,  heit  (cf.  heid)  in  der  Bedtg. :  Schein, 
Glanz  etc.,  bz.  mit  diesem  der  ]/  clt  od. 
skit  (glänzen  etc.)  entsjjrosscn. 

lieitern,  heiter,  fröhlich  u.  lustig  tnachen ; 
dat  heiterd  hum  iiog  wer  wat  up.  25 

hek,  Hecli-,  Einfriedigung  od.  Zaun  von 
Latten  od.  Flanken ,  Verschluss ,  Schlag- 
baum, Gitter,  Gitterwand,  Gitterpfurtc  etc.; 
du  iiiust  dat  hek  digt  dün ;  —  d'r  inut  'n 
hek  um  to  mäkd  worden ,  dat  de  deren  d'r  30 
UL't  ütlOpoii  kihicn;  —  du  miist  de  hekken 
für  un  agter  in  de  wagen  setten ;  —  Re- 
densart: afer  hek  kamen  =  at'er  stur  ka- 
men (durch  Xachlässigkeit  verloren  gehen 
u.  umkommen) ;  d'r  dürd  niks  at'er  liek  ka-  35 
men;  —  Sprichw.:  wen  't  hek  fan  de  dam 
is,  den  löpen  de  sc]iai)en  aferal.  —  Avch 
der  SpiCjCl  od.  eigentlich  der  obere,  üusserste 
Hintertheil  eines  Schiffes  vom  Heckbalken 
bis  zum  Heckbord  ivird  liek  genannt.  —  40 
J^[it  häge  u.  nhd.  Hecke  zu  hag,  cf.  1  häge. 

hek-balke  (Nautik),  der  Hauptqucrbalken, 
tcelcher  am  obern  l'heil  des  Achterstevens 
die  beiden  Hauptthtile  des  Achterschiffs 
scheidet,  nämlich  den  iintern,  od.  den  ei-  45 
gentlichen  Spiegel  u.  den  obern  od.  das 
Heck. 

hek-bord,  der  Bord,  od.  Band  des  Hecks 
Oll.  oberer,  äusscrster  Hintertheil  eines  Schiffs. 

hekel.  hekeln  etc.,  s.  häkel  etc.  50 

hckse,  heks,  He.re,  Zauberin,  böses,  über- 
all Verderben  u.  Unheil  anrichtendes  Weib, 
böse  Sieben  etc.,  od.  auch  (namentlich  auf 
junge  Mädchen  angewandt) :  eine  sehr  kluge, 
scharfe,  gewandte,  behende  Person ;  dat  is  55 
'ii  heks,  od.  töfcrske;  —  d'r  lied  gewis  'n 
heks  wat  an  dat  kind  dän,  dat  dat  net  greien 
of  di'jen  wil;  —  't  is  so  'n  regten  olden 
heks  (od.  satan  etc.)  tan  'n  wif;  —  de  lütje 
heks    de    krigt    eo  herum,    er   man    't   wet,  60 


Sprichw.:  wen  de  si'unv  schind  un 't  rägent, 
den  bakken  de  lieksen  pannkök ,  od.  den  is 
in  de  heUe  hogtid ,  —  od.  ivie  der  Wan- 
gerooger  sagt :  won  de  sun  schint  un  't  riut, 
den  is  d'r  lielgedi  (hilgedag,  Festtag  etc.)  in 
de  liil ;  —  steid  de  karii  not  Stil  un  't  iiet 
schitlen  un  bottern  wil,  den  hebben  de  liek- 
sen  de  band  in  't  spil;  —  tüsken  de  Ry- 
suminer  un  de  Wirdummer  toren  hebben  de 
heksen  'n  line  schüren.  —  Ahd.  hagazussa, 
liagazissa,  hagazus,  contrahirt  u.  gekürzt: 
häzisa,  häzissa,  hazessa,  häzus,  liäzes,  häz- 
1ms;  mhd.  hegxse,  hexse,  liecse,  hacche, 
hacke  u.  hächel ;  ags.  hiigtesse ,  hegtisse, 
hägesse,  hägtes,  hägtis,  liäges ;  engl,  hag ; 
mnld.,  nid.,  nd.  etc.  heckse  od.  hexe ;  wfries. 
hickse  od.  hixse.  Ueber  die  Entstehung  u. 
Erklärung  dieses  Wortes  (cf.  Grimm, 
Mi/th.  992,  der  auch  eine  mnld.  Form: 
hagetisse,  haghedisse  aufführt,  —  H.  Leo, 
ags.  Glossar,  5S0  unter  hägesse  etc.)  sind 
die  Ansichten  verschieden  u.  weit  auseinan- 
der gehend.  Wenn  es  indessen  richtig  ist, 
dass  neben  ahd.  haga-zussa,  -zissa,  -zessa  «, 
ags.  hägtesse  etc.  auch  ein  mnld.  hagetisse 
bestand  u.  diesemnach  auch  ein  as.  haga- 
tessa  etc.  angenommen  werden  muss,  so  ist 
es  wohl  zweifellos,  dass  der  erste  Theil  haga, 
häg  mit  ahd.  hag,  ags.  häg  etc.,  Hag,  Ein- 
hegung, Umzäunung ;  dichtes  Gebüsch;  ein- 
gezäunter Wald,  Bark;  eingezäuntes  Feld 
od.  Grundstück,  Weide  etc.  (cf.  a?id.  haga- 
stalt ;  ags.  hagu-,  häg-steald ;  as.  haga-stald 
=  Besitzer  eines  kleinen  umzäunten  Grund- 
stücks, mercenarius,  Tagelöhner,  Knecht  etc., 
bz.  Hintersasse ,  Köthner  etc.,  der  auf  ein 
hag  gestellt  od.  gesetzt  loar  vom  eigent- 
lichen Grundbesitzer  od.  (irundherrn  u.  des- 
halb diesem  dafür  auch  dienen  u.  fröhnen 
musste,  daneben  als  Knecht  u.  Unfreier 
auch  wohl  ledig  blieb  u.  Hagestolz  [die- 
ses Wort  ist  nämlich  urspr.  dasselbe]  war) 
zusammenhängt,  wie  auch  M.  Heyne  (cf. 
Grimm,  Wb.,  unter  Hexe)  atinimmt.  Den 
zweiten  Theil,  bz.  das  Suffix  zussa,  zissa, 
zessa,  bz.  tesse,  tisse  betr.,  so  hält  etc.  Heyne 
es  verwandt  mit  ags.  tesu,  teosu  (damnum, 
interitus,  contentio,  praejudicium),  was  mit 
ags.  taesan  (vellicare),  taesel  (dipsacus),  taes 
(afflictio) ,  tesvian  (in  Nachtheil  bringen, 
schädigen,  verderben),  bz.  ahd.  zeisan  (vel- 
licare, zausen,  zupfen,  rupfen,  reissen),  zei- 
sala  (Distel,  Carduus,  vergl.  nhd.  Karde, 
Kardätsche),  nhd.  Zeisel  in  Z eiscl-Bär 
(Zottel-Bär)  etc.,  bz.  unser m  tas,  tasse,  tast 
(zascriges,  faseriges  Etwas)  ii.  nhd.  Zaser 
(Faser),  zasern  (fasern),  sowie  weiter  mit 
nhd.  zausen  u.  unserm  tüsen  (zausen, 
reissen,  zupfen  etc.)  tust  (Zotte,  Büschel, 
z.  B.  Haar,    Traube,    Aepfel   etc.,    cf.    das 


HEKSEN  63                              IIEL 

alte  nhd.  Zasel  =  Blüthenkätzchen,  lang-  heksen  -  spej' ,    die   speichelartige  Abson- 

gcstielte  Traube  mit  tvenig  Beeren,  od.  Blü-  derung  der  Aphrophora  spumaria,  aucJi.  ku- 

then   «.  Frucht.     Traube),    tiisterig  (zottig,  kiik-sprj  (Kuluksspi'ichd)  genannt, 

ivild,  loirr ;  sti'<rmiseh,  unruhig,  selir  bewegt  lieksere,    Hexerei,   Zauberei  etc.;    däi-  is 

etc.),  tiisen  (ivirbeln,  atilrmoi,  brause u ,    bz.  5  gcwis  lieksere  bi  in  't  spil. 

unruhig  u.  sehr  bewegt  sein ,    od.  heftig  be-  hei,  heil,  ganz  etc. ;  ilat  gat  (Loch,  Spalt, 

ivegen  etc.)    etc.    u.    auch    wohl    alul.    zessa  Biss,   Wunde  etc.)    is  wer  hei    (heil,    ganz, 

(aestus  maris),    ziissön    (brausen,  sich  brau-  geschlossen,  dicht  etc.);  —  't  glas  ful  up  de 

send  bewegen),  zussa  (lodix,  stragulum,   bz.  gruiid  un  biet'  dog  hei;  —  't  göd  is  all'  hei 

ein  rauhes,  saseriges,  zottiges,  haariges,  tvol-  10  bläfen    uu    d'r   is   niks  fan  stükkeu    (kaput) 

liges  Etwas,  od.  urspr.  ein  zottiges  Fell,  g^n  ;  —  he  is  sund  un  hei  (heil,  unverletzt 

Bärenfell  etc.)  etc.  zu  einem germ.  Stammvbm.  etc.)  wer  kamen;  —   he  is  d'r  nog  net  äfen 

tisan,  tas,  tusun  (davon:  tasan,    bz.  ags.  te-  mit  de  hele  hiid  fan  kamen;    —    d'r  is  gen 

san,  alul.  zesan,  neben  goth.  [teisan]  u.  [tai-  ea  helen  stä'  (Stelle)    an    de  ganse  rok  mer 

San],  bz.  mit  Uebergang  von  „s"  in  „r"  auch  15  to  finden;  —    de  hele    (gcuize,  totale)   appel 

wohl:    ahd.    zeran;    as.    teran;    goth.   tairan  is  ferröttd;    —    't    hele    geselskup   kwam  to 

[spalten,  reissen,  auseinander  gehen ,  auflö-  ben ;  —  he  hed  'n  helen  budel   (eine  ganze, 

sen,  zerstören,   zerreissen  etc.]   u.  mhd.  ze-  od.  grosse  Menge)  geld  nalaten ;  —    wen  ik 

reu  [zehren,  schwinden  etc.,  cf.  1  tären,  te-  dat  hüs  net  hei  allen  bewanen  kan,  den  wil 

ren]  etc.)  gehört.  Zu  der  dafür  anzusetzenden  20  ik  't  ök  net  hüreu ;  —    de  hele  büdel  ia  an 

gei-m.  y  tas  vergl.   skr.  dasyu    (hostis    etc.,  de  dönner  gän;  —  ^t  y/ord  Ml  (ganz,  vollstän- 

Feind,  feindlicher  Dämon,   Verderber,   Ver-  dig  etc.)  dül  un  mal  in  de  weit ;  —  hei  möi 

wüster ,    Quälgeist    etc. ,    od.    a  ruffian  thief  (vorzüglich  od.  sehr  schön) ;    —    dat    kumd 

etc.)  däsä  (Unhold,  Barbar  etc.),  bz.  die  y  d'r  hei  genau  up  an;   —    dat   kumd  mi  d"r 

das  (verschmachten;   verschmachten  machen,  25  hei  un  dal  (ganz  u.  gar)  net  up  an;  — -hei 

erschöpfen,  entkräften,   ermüden,  schwinden  sachtjes  (ganz,    od.  sehr  sachte) ;   —    d'r  is 

«.  sterben,    od.    wegzehren  etc.    machen)   u.  hei  gen  (gar  kein)  minsk  west;  —  ik  hebb' 

das    (anfeinden,    od.  laedere,    ferire),    die  't  hei  net  sen.     cf.    1  u.    2  gehel.    —   Nd., 

Bopp  auch  mit  daiis,    daüs    (mordere,    bz.  mnd.,  nid.,  mnld.,   afries.,   wfries.,  satl.,  as. 

beissen,  spalten,   schneiden  etc.,    cf.  y  bhid  30  heel,   bz.  hei;   nfries.   hiel    (totus,    integer, 

unter  biten)  vergleicht,  wobei  man  indessen  sanus) ;    as.  hei;    ags.   häl;    engl,   hail;    an. 

auch  annehmen  kann,  dass  die  y  daüs,  das  heill,  od.  heil;  norw.  heil;  schwed.  hei;  dän. 

urspr.  die  Bedtg. :   glänzen,  scheinen,  flam-  heel;  ahd.  hfil,  hail;  mhd.  heil;  gotJi.  hails 

men,  brennen,  dörren,  sengen  u.  so  ausdör-  (dasselbe).     Dieses   Wort,   dessen  sinnl.  Be- 

ren,    austrocknen,    dürsten,   verschmachten,  35  dtg.  doch  gewiss  die  von  ganz   od.   unge- 

umkommen,  sterben  etc.    (cf.  dörst,    dörsten)  trennt,    in    sich   eins  u.   geschlossen  etc.  ist 

hatte  u.  dass  sich  auch  die  Bedtg. :  erleuch-  u.  hierin  mit  ganz  (cf.   1  gans)    u.  mit  sa- 

ten  u.  weise,  od.  sehend  machen,  lehren,  un-  lus,  salvus,  soUus ,    bz.    dem  Stam)n  sal  von 

terrichten  etc.  der   y  daiis,    dans ,    das    (cf.  salig    etc.    loohl    zweifellos    zusammentrifft, 

auch  skr.  dasmä,  glänzend,   herrlich,  loun-  40  wird  gewöhnlich    mit  griech.  kalös  (schön); 

derbar  etc.    bei    Grass  mann    etc.    u.  bei  s/cr.  kalya  (praeparatus;  sanus;  diluculum,  or- 

Fick,  I,  103  y  das,  dans,   der  neben  skr.  tus  lucis  etc.)  von  einer  begriff  Holt  nicht 

daiusas,    Bath,     Weisheit  etc.    unter  andern  festgestellten    y    kar,    kal   abgeleitet.       Ver- 

auch  goth.  tass,  geordnet  etc.  u.  ahd.  zeseni  gleicht  man  indessen  die  Vocale  der  sämmt- 

ununterbrochen,  gerade  Linie  etc.  dazu  stellt  45  liehen  germ.  Formen  dieses  Wortes  zu  de- 

u.  wonach    denn   auch    ahd.    zeso,   gerade,  nen  von  heid,  het,    hem  etc.,    so   scheint  es 

recht,  dexter  etc.    dieser   y   angehört)    hie-  doch  sehr  fraglich ,    ob   hei ,    heil    etc.    mit 

von  herleitet,   wie  es  ja  überhaupt  klar  ist,  griech.  kalös  etc.    zu    derselben   ]/  kar ,  kal 

dass  dem  obigen  ags.  iesü^bz.  dessen  Stamm-  (urspr.  vielleicht:  brennen,  flammen,   glän- 

vbm.  tijsan  soioohl  als  auch  dem  ahd.  zessa  50  zen,    scheinen    etc.    u.    so  auch:  glänzend, 

etc.  etc.  formell  dieselbe   y  zu   Grunde  herrlich  u.  schön  od.  gut  u.  wohl  sein?,  cf. 

liegen  muss  u.  sich  aus  einem  germ.  Stamm-  lat.  caleo  etc.)    gehört   u.    man  dafür  nicht 

vbm.  tisan,  tas,  tusun  auch  alle  obigen  germ.  besser  eine  vielleicht  aus  ki  erweiterte  y  kir 

Wörter  formell  ableiten  lassen.  (urspr.  möglicherweise  ski,    bz.   skr.    gi    od. 

heksen,  hexen,  zaubern,  Hexen-  od.  Zau-  55  skhi,  ci,  erweitert  skir  etc.)    ansetzen    muss. 

herkünste  treiben  etc.;    he    kan    heksen;  —  Was  nun  mich  betrifft,   so  glaube  ich  diese 

lat  is  net,    as    wen   't  d'r  hen  heksd  is.  —  in  skhi  od.  gi  (halten,  bleiben,  tvohnen,  ru- 

Afries.  hexna,  hoxna  (behexen).  hen  etc.,  od.  urspr.    wohl:   greifen,   fassen, 

heksen-mester,    Hexenmeister,    Zauberer,  haben,  halten,  haften,  kleben  etc.,  cf.  habito 

Zauberkünstler.  60  von  habeo  u.  auch  y  rip,  lip,  greifen,  fassen, 


HEL 


64 


fiEL 


haften  etc.  von  ripere  ii.  lifen  in  blitou,  blci- 
bea  etc.)  zu  finden,  wovon  unter  andern 
auch  (juth.  hciva  m.  heims  (cf.  hilk  u.  hOin) 
stammen  sollen  u.  zu  deren  Bedty  :  halten, 
bleiben,  dauern  etc.,  bz.  nicht  vergehen  etc. 
(cf.  haltend,  fest,  dauerhaft,  hart  u.  dicht 
etc.)  auch  skr.  ?ila  (saxum,  petra,  lapis) 
stimmt  u.  tcovon  die  }  ^il  (Aehren  lesen, 
sammeln  etc.,  bz.  diese  greif  en,  fassen,  auf- 
greifen,  aufnehmen  etc.)  icohl  ein  De- 
nom.  sein  kann,  sofern  man  annimmt,  dass 
Vila  die  Bedtg. :  Haltendes,  Haftendes,  Blei- 
bendes etc.  od.  fassend,  /laltend ,  dauernd 
etc.  hatte.  Da  nun  aber  u\thrscheinl.  auch 
für  Haupt  u.  Kopf,  bz.  ahd.  hirni  (Ge- 
hirn, od  Gehirnschädel)  die  Grdbdtg.:  Ge- 
fäss,  Behälter,  od.  Fassendes  etc. 
(cf.  h8fd,  kop)  anzunehmen  ist,  so  loürde 
hiezu  auch  skr.  ^ira,  ?iras  (Haupt,  Kopf) 
stimmen,  tcobei  es  indessen  wahrscheinl.  ist, 
dass  91  aus  älterem  ^a  entstand  ii  dass  hei, 
liail  urspr.  die  Bedtg.:  haltend,  dauernd, 
fest  (u.  so:  dicht,  fest,  gesund,  stark,  ganz 
etc.)  hatte,  od.  dass  sich  aus:  greifen,  fas- 
sen, halten,  haften  etc.  die  Bedtg.:  heften, 
binden ,  schliessen  etc.  entwickelte  u.  hei 
hieraus  ebenso  wie  g  a  n  2  (cf.  1  gans  in  sei- 
tier  Witrzel-  Verwcoidtschaft  mit  lut.  pre- 
hendo)  ■<!ei)ie  Bedtg.:  totiis,  integer  etc.  er- 
hielt. Wegen  der  Ableitung  des  Wortes  hei, 
heil  von  einer  ]/  mit  der  Bedtg. :  greifen, 
fa.'<sen,  halten  etc.  u.  der  Bedtg  :  Behälter, 
Gefä.'<s,  od,  Fas.-<cndes  etc.  von  hirni  (Hirn, 
Gehirn)  u.  ?ira,  (;iras  (Kopf)  vergl.  auch 
afries.  hcli,  hele,  heila,  hui  (Gehirn,  Schä- 
del :  Kopf) ;  nfries.  (0  utzen) ,  hcl,  heli 
(Gehirn);  an.,  isl.  h;'ili  (cerebmm) ,  heil- 
iind  (Schädel-  Wunde,  Schädel-Bruch,  —  Ver- 
letzung) ;    norw.  heile  (Hirn,  Gehirn). 

1.  hei,  od.  helle,  hell',  hell,  bz.  hallend, 
tönend,  klingend,  durchdringend,  scharf; 
klar,  licht,  heiter  etc.;  'n  hilleii  klaug;  — 
'u  hellen  ^temni;  —  't  wil  net  hol  worden; 
—  'n  hellen  lücht.  Gebräuchlicher  ist  übri- 
gens heller,  holder  (s.  d).  —  Nd.  (Br.  Wb.) 
hell  fsonorus;  lucidus,  clarus) ;  mnd.  hei 
(clanis,  lucidus  etc.)  ».  hei  (argulus,  sono- 
rus  etc.)  ;  ahd.  hol  (in  gihöi ,  unliöl ,  missa- 
hel),  tönend,  laut;  glänzend  u.  helli  /»  ga- 
helli.  Mit  ahd.  heihui,  hölleii;  mhd.  hellen 
(ertönen,  hallen  etc ,  cf.  1  hälen)  u.  nhd. 
Hall  (Schall  etc),  hallen  zu  ahd.  halün 
(rufen  etc.  od.  Ton  machen  etc.),  od.  besser 
mit  diesem  zu  der  unter  halen  erwähnten 
y  kal. 

2.  hei,  od.  helle,  hell'  (Plur.  hellen), 
a)  Hölle.  Redensart,  u.  Sprichw  :  he  mäkd 
lium  de  hei  het;  —  he  häld  't  für  de  hcl 
(Hölle,  od.  Ort  wo  man  Etwas  birgt  u. 
versteckt':')   weg;    —    h6    schal    in    de    hei 


braunen,  dat  he  swart  word;  —  de  de  düfel 
to  friinde  hcd,    kau    ligt  in    de   hei  kamen ; 

—  b)  Loch,  Höhlung,  Vertiefung,  Sjxdt, 
Graben,   Wasserleitung  etc.;  dat  wator  hipd 

5  in  de  hell'  längs;  —  de  stads-helleu  mutten 
bi  strafe  fan  10  groscheu  binnen  14  dagon 
rein  mäkd  un  üthemmeld  worden;  — do  hei 
achter  miu  tun  steid  net  under  de  schau;  — 
c)  der    untere,    in    der  Hegel   fensterlose  u. 

10  dunkle  Baum  in  den  JlaJd-  u.  Pelde-Müh- 
len ,  der  als  Brrgeraum  für  allerhand  Sa- 
chen  zum  Mühle nbetriebc  dient;  sett  de  sak- 
ken  man  erst  under  in  de  hol  hen,  dat  sc 
mau  erst  bürgen  worden;    uaderhand  küuen 

15  wi  se  den  uptrekken    un    ua  baten  brengcn; 

—  d)  der  dunkle  Bautn  unter  dem  Werk- 
tische der  Schneider  (Hölle  der  Schneider), 
worin  die  beim  Zuschneiden  abfallenden 
Tuchrcstc  geworfen   werden ;    is    't    geweten 

20  fau  de  suider  wat  wid,  den  hed  he  ligt  6k 
'n  goden  hol ,  wiir  he  sin  juugens  'n  büks 
of  'n  west  üt  maken  kau ;  —  e)  der  dunkle 
Raum  vorne  im  Schiff,  wo  allerlei  Tauwerk 
u.  sonstige  Sachen    aufbewahrt  werden,    cf. 

25  Bobrik;  —  t)  das  Aschen  loch  u)iter  dem 
Herde  zum  Bergen  der  Asche,  cf.  helhäke. 
Zu  der  Bedtg.  sub  c),  d)    vergl.    auch  hille. 

—  Afries  hille,  helle  (Hölle);  wfries.  helle 
(Hölle);  nfries.  (0 utzen)    hei,    helle,    hille 

30  (Hölle)  u.  hei,  helle  (liefe  niedrige  Stelle, 
Höhlang,  Vertiefung) ;  s<dl.  hille,  od.  (cf. 
(Ehr  en  traut,  I,  100)  helle;  wang.  (Eh- 
rentraut, 1,  371)  hil ;  helg.  hei;  as  liel 
u.  helja,  hellea,    hella,    hell    (Hölle);    mnd. 

35  helle  (Hölle;  Flatz  hinter  dem  Ofen);  nid. 
hei  (Hölle;  Bergeort  von  angeJtaltenen  Gü- 
tern u.  Schiffen ;  Kasten  für  alte  od.  un- 
brauchbare Schrift  etc.);  ninld.  hei,  helle; 
ags.  hei,  hele,  helle,  hyle  (Hölle);  engl  hell 

■10  (Hölle;  Schneiders-Hölle;  Kerker,  Hunde- 
loch etc);  an.  hei  (die  Todesgöttin ;  Todten- 
reich  od.  Reich  der  He  l,  Unterwelt,  Hölle) ; 
norw.,  schwed.  hei;  ahil.  holla;  mJid.  helle; 
goth.  halja    (Hölle,    Unterwelt).     Die   Grd- 

45  bdtg.  dieses  Wortes  ist  Bergende,  Heh- 
lende, bz.  Bergeort  etc.  u.  gehört  dieses 
Wort  zu  helan  (hcltlen,  bergen  etc.,  cf.  2 
hälen),  icovon  auch  ahd.,  as.  haWa;  ags.  \iea\; 
engl,  hall;  an    hüll  etc.    (Halle,  Saal,    Vor- 

50  .saci/,  Haus,  Zelt  etc.)  in  der  Bedtg.  „Schutz- 
ort" od.  urspr.  wohl  ,.Rau>a  zum  Bergen", 
3.  hei,  od.  helle,  Hügel,  Anhöhe,  Erha- 
ltung etc.;  dat  land  sitt  fnl  hellen  un  dellen 
(Hügel  u    'l'häler,   od    Höhen  u.    Vertief  un- 

55  gen);  —  dat  geid  afer  hei  un  del.  —  Wang. 
(Ehrentraut,  I,  370)  hol  (Hügel,  Düne); 
mnld.  (KU)  hil,  hille  (collis).  Vergl.  mnld. 
(KU)  hol,  helle  (altus,  excellens)  u.  bei 
Fick    (III,  7(J)    hinter  hal  (treiben,  heben) 

60  das  Thema  hella /är  an.  hjaler,  hjalli  (Berg- 


I 


HELA  HOLA  65                               HELD 

Strasse),  norw.  hjall,  lijell  (in  verschiedenen  niscli  von  Jemandem  gesagt,  der  sehr  furcht- 
Bedtgn.,  cf.  Iv.  Aasen,  xcohei  man  ühri-  saui  ist  u.  gleich  das  Hasenpanier  ergreift), 
gens,  da  an.  lijalli  «wc/t  die  Bedtg.:  Berg-  —  Nid.  held;  mnd.  helt,  held ;  as.  helith, 
Terrasse,  od.  Terrasse,  Ahhang  etc.  liclidh,  helid;  fl?H/ta'.  hellt,  helid,  helet ;  mhd. 
hat,  an  eine  Verwandtschaft  mith^Wen,  nei-  5  helt;  ags.  hiiledh,  heledh  (Held,  Matin,  jun- 
gen etc.  denken  kann);  ags.  hyll,  hill;  engl.  ger  Mann).  Es  tvird  sehr  oft  (cf.  Grimm, 
hi\l  (Hügel),  —  hallu, /«/•  gofh.  halliis  (Fels)  Wb.,  unter  Held,  sowie  Weigand  etc.) 
die  mit:  lit.  kilnus  (hoch,  erhaben),  kalnas  im  passiven  Sinn  von  helaa  (hehlen,  ber- 
(Berg),  keliu,  kelti  (heben),  isz-keltas  (excel-  gen,  verhallen  etc.)  abgeleitet  u.  so  erklärt, 
sus);  lat.  excello,  excellens,  celsus ,  excelsus  10  dass  es  einen  Mann  od.  Krieger  bedeutet 
etc.  etc.  von  einer  u.  derselben  y  abstam-  der  (durch  eine  Biistung)  verhüllt  od. 
men.  Zu  diesem  hei  vergl.  hess.  (Vilmar,  bedeckt  u.  geschützt  ist  u.  dass  somit 
163)  helle,  hell,  tvas  meines  Erachtens  auch  helith  urspr.  einen  g eborg enen ,  ver- 
die  Bedtg.  Höhe,  Anhöhe  etc.  hat,  so-  hüllten,  bedeckten  u.  geschützten 
dass  die  Bergnamen:  0\ie\]e,Stevahe\le,  Burg-  15  Mann  u.  so  einen  gerüsteten  Krieger 
helle  etc.  =  Ohöh.e,  Stern  höhe,  Burg-  bezeichnet  habe.  Da  indessen  auch  von  äl- 
höhe  etc.  sind  u.  auch  Hellweg  hier  u.  in  testen  Zeiten  her  dieses  Wort  ausschliess- 
sonstigen  gebirgigen  Gegenden  Deutschlands  lieh  einen  kühnen,  tapf  ern  u.  furcht- 
nicht  einen  Todtemoeg,  od.  Weg  zur\\Q\\Q  losen  3Iann  bezeichnete,  bz.  einen  Jemand, 
in  der  Bedtg.  Hölle  od.  Schattenreich,  20  od.  ein  Wesen  etc.  der  od.  was  deckt, 
sondern  einen  Höhemoeg,  Weg  über  die  schützt  u.  verthei digt  od.  Berge, 
Anhöhen  u.  Berge  bedeutet,  während  das  Schutz  u.  Sicherheit  giebt,  so  glaube 
an.  helveg  (cf.  Grimm,  Myth,,  762 u.  Holtz-  ich  eher,  dass  man  dieses  Wort  im  activen 
mann,  Myth.,  85,  S7,  115,  186)  dagegen  den  Sinn  nehmen  muss  u.  dass  es  daher  entive- 
Weg  zur  Hei  (die  bergende  Todesgöttin)  be-  25  der  aus  der  dritten  Person  Präs.  helith,  hä- 
zeichnet.  Dies  stimmt  auch  dazu,  dass  in  ledh  von  helan  ('=  [er,  od.  es]  birgt,  deckt, 
Westfalen  so  viele  Heerwege  den  Namen  schützt,  sichert)  substantivirt  ist  u.  sonach 
Hellweg  führen,  xveil  diese  über  die  Hö-  den  Er  bezeichnet,  der  birgt  u.  schützt, 
hen  gingen  u.  durchaus  keine  Todtenwege  oder  es  ist  vielleicht  wie  j8gd  (=  as.  ju- 
waren  u.  also  dieses  Wort,  soweit  es  in  dem  30  guth ;  ags.  geögodh ;  ahd.  jugund ,  jugent), 
nordwestlichen  Deutschland  vorkömmt  iveder  d8gd  (=  afries.  duged  ;  ags.  dugudh ,  du- 
mit  helle  (Hölle,  od.  Unterwelt)  noch  (icie  geth ;  an.  dygdh ;  ahd.  tugid,  tuged,  tugund, 
V Um ar  meint)  mit  \\q\\  (hell,  licht,  klar  etc.)  tugiud  etc.)  etc.,  sowie  icohl  auch:  as.  he- 
etwas  zu  schaffen  hat,  noch  auch  mit  hellen,  lith ;  ags.  häledh ;  an.  huliz,  hulins,  bz.  hu- 
heldeii  (sich  neigen  etc.,  cf.  2  hellen),  ivovon  35  lit;  ahd.  helöt,  helaut  in  helith-,  häledh-, 
Adelung  den  Namen  Hellweg  ableitet.  \i\\\'\z-,\iG\Qi-,\\it\Ani-\xe\m.  (bergender,  decken- 
Vergl.  dieserhalb  auch  bei  Seh.  u.  L,  das  der,schützender,  unsichtbar  machender  Helm) 
mnd.  hei-,  helle-,  hilewech,  wo  es  auch  für  von  Hause  aus  ein  Contractum  des  Partie, 
unstatthaft  erklärt  ivird,  dass  dieses  Wort  mit  preis,  heland,  helind,  heleud  (hehlend,  ber- 
dem  nod-,  od.  doden-weg  identificirt  wird,  40  gend,  schützend  etc)  von  helan,  was  tvie 
da  es  eben  nur  die  grosse  allgemeine  hei\3ind  substantivirt  wurde  u.  demnach  einen 
Heerstrasse  bezeichnet,  die  ja  bekannt-  Jemand  bezeichnete,  der  barg,  deckte  u. 
lieh  früher  überall  mir  auf  den  Höhenzügen  schützte  etc.,  wie  ja  ein  richtiger  Held 
der  Berge  u.  Thäler  (in  den  norddeutschen  u.  Manu  dies  thut.  —  Vergleicht  man 
Ebenen  auf  den  Sandrücken  zwischen  den  Moo-  45  übrigens  das  Subst.:  ags.  häle;  an.  halr; 
ren  u.  Sümpfen,  tangen  genannt)  sich  hinzog.  goth.  hals  (Mann.,  vir),  so  könnte  man  auch 

helä,  hohl,  Ausruf  mit  der  Bedtg.:  halt  annehmen,    dass  ags.  häledh  urspr.  die  Be- 

u.  auch  als   Warnungsruf  od.  als  Buf,  um  dtg. :  mannhaft  etc.    halte   u.  mittelst  des 

Aufmerksamkeit  zu  erregen  gebraucht ;  holä!  Suffixes  „edh"  etc.   von   häle  etc.    abgeleitet 

hold  lasen,    mi    is  wat  wegfalleu  ;    —  helä!  50  wäre,  wo  es  dann  urspr.  einen  Mannhaf- 

(od.  holä!)    fall'  net;    —  holä!    dar   was  'k  tenu.  Tapferen,  bz.  einen  Held  im  wah- 

itold    fallen.     —      Vergl.    ivfries.    (Jap ix)  ren  Sinne  des  Wortes  bezeichnethabemvürde. 

hilla;  nfries.  (Outzen)  hilla,  hille  u.  nhd.  Nach  Fick  (III,  69)  gehört  übrigens  auch 

holla;  franz.  holä;  ital.  oVdetc.u.  Weiteres  häle,  halr,   hals  (Mann)   ebenso   tvie  häledh 

unter  eala  u.  1  ho  etc.  55  (bergend,    schützend  etc.)    ti.  häledh    (Held) 

hel-bär,  heilbar.  zu   helan ,    hal    (bergen ,    schützen   etc.)    u. 

held,    Held,    kühner  tapfrer  Mann,    od.  scheint  demyiach  auch  häle,  da  es  ivohl  vom 

überhaupt:  Kerl,  Mann,  bz.  vir.   —  he  is  'n  Präter.  hal  (barg,  schützte)  gebildet  ist,  urspr. 

gausen  held;  —  dat  is  jo  'n  held;    de  dürd  einen  Berg  er  od.  Schütz  er,  Beschüt- 

d'r  wäsen;   —   ^t  is  'n   held  in  't  feld    (iro-  60  zer  etc.  bezeichnet  zu  haben. 

J.  ten  Doonikaat  Koolman.     Wörterbuch.     II.  5 


HELDEN-DAD 


66 


HEL-HOLT 


lielden-däd,  UeUlenthat. 

helden-död.  lleMcntod. 

heldeu-stiik.  Hehlenstück,  Heldenthat. 

1.  helder.  .s.  hellor  (sonorus,  clarus). 

2.  helder,  '></.  heller,  das  dem  3Ieere  ent-     5 
stiegene,  bz.  durch  Anschlammtinu  des  Schlieks 
entstandene  Aussendcicltsland,  od.  das  Var- 
land  vor  den  Seedeichen  der  Küste,  der  i<n- 
eingedeichte   Seeanwuchs.      Dieses   Aiissen- 
deichsland   ist    nach    der   Seeseite   hin   mit  10 
Meersenf  u.  andern  Salzpflanzen,  weiterhin 
auf  den  höher  liegenden  Theilen  jedoch  fast 
ausschliesslich  mit  kweller,  od.  kwelder  (Gly- 
ceria  maritima  u.  Glyc.  distans)  dicht  beioach- 
sen  u.    wird   zum  Beweiden    u.  Heumachen  15 
benutzt,    da    der  kweller    od.    das    auf  dem 
lii'ldcr  wachsende  Gras  ein  sehr  vorzügliches 
Futter  liefert.  —  dar  lif?d  iiog  'u  diigtigen  hel- 
der für  de  dik,    de    bold  rip  is,    um   iiulikd 

to  worden ;  —  de  köjen  löpen  up  de  heller  20 
to  weiden.  —  Nid.  (provinz.  od.  mdartl.)  hel- 
der, dasselbe,  aber  auch  der  schon  einge- 
deichte Seeanwuchs ,  wovon  der  Seeort  „de 
Helder"  (Stadt  auf  der  äussersten  Spitze 
von  Nordholland  u.  vor  nicht  langer  Zeit  25 
noch  ein  kleines  Fischerdorf)  seinen  Namen 
hat.  Von  Jemandem  der  in  dieser  Stadt 
wohnt  heisst  es  deshalb  auch  nicht:  hij  wooud 
in  Helder,  sondern:  hij  woond  op  den  Helder. 

Wahrscheinlich  gehört  dieses  Wort  zu  30 
hellen  od.  helden  (neigen,  schräg  abhängen 
etc.) ,  weil  dieses  Vorland  am  Fusse  des 
Deiches  am  höchsten  liegt  u.  sich  nach  der 
See  hin  immer  mehr  abdacht,  hz.  nach  der- 
selben hin  schräg  abhängt  u.  immer  niedri-  35 
ger  wird,  wie  ich  denn  auch  glaube,  dass 
das  afries.  halde,  helde,  hilde,  was  Wiarda 
(afries.  Wb.,  pag.  169)  mit  Dossir  u n g  des 
Deiches  übersetzt,  gleichfalls  zu  diesem  Vbm. 
gehört  u.  mit  nhd.  Halde  begrifflich  iden-  40 
tisch  ist.  Vergleicht  man  nämlich  die  betr. 
Stellen  in  den  alten  westerlauwerschen  Ge- 
setzen, wo  es  heisst  (v.  Richthof  e n  afries. 
Gesetze,  pag.  416,  zweite  Spalte,  Zeile  7 
u.  0,  bz.  pag.  417,  zweite  Spalte,  Zeile  1),  45 
dass  die  hilde  dreiundsechzig,  bz.  achtund- 
funfzig  Fuss  breit  sein  soll ,  so  glaube  ich 
sicher,  dass  hier  hilde  od.  helde  mit  Dos- 
sirung  übersetzt  werden  muss  u.  eines- 
theils  etwas  Anderes  bezeichnet  als  die  50 
B ä r  m  e,  od.  B er  m  e  (cf.  2  barm)  genannte 
Sohle  des  Deiches,  anderntheils  aber  auch 
ein  ganz  anderes  Wort  ist,  als  afries.  halde, 
helde,  hiKle,  hielde  (Fessel,  Verschluss,  Ge- 
wahrsam etc.,  cf.  V.  Richthof en ,  804  u.  55 
Hettcma,  237,  240,  259  u.  dazu  260,  ^vo 
Letzterer  hilde  auch  mit  helling,  bz.  decli- 
vitas  at^K'Tis  wiedcrgicht),  was  ja  ebenso  wie 
unser  lüld,  hilt  (Griff ,  Handhabe  etc.)  zu 
halda  (halten  etc.,  cf.  holden)  gehört.  60 


helder-,  heller-gras,  das  auf  dem  helder 
od.  Vorlande  des  Deichs  wachsende  Gras 
u.  dasselbe  wie  kweller  od.  -kweller-gras. 
Es  wird  auch  guller-gras  genannt ,  welcher 
Name  wahrscheinl.  mit  1  gul  (weich,  mild, 
bz.  freigebig  etc.)  zusammenhängt,  tceil  eben 
dieses  auf  dem  helder  wachsende  Gras 
einerseits  viel  tv  ei  eher  u.  milder  (es  hat 
keine  harten  Stengel  u.  ist  wie  milde  od. 
sanfte  Wolle  anzufassen)  ist,  als  das  auf 
den  Wiesen  gewachsene  u.  andererseits  auch 
sehrfreigebig  icächst,  bz.  einem  sehr  üp- 
pigen, kräftigen,  milden  2t.  freigebigen  Bo- 
den  e)d  wächst. 

1.  helen,  n.  1  hälen. 

2.  helen,  .v.  2  hälen. 

helen,  heilen,  heil  ti.  gesund,  bz.  ganz  ge- 
schlossen u.  dicht  machen,  od.  ioerden,  sich 
schliessen  etc.;  he  held  dat;  —  dat  gat  od. 
de  rät  (Bi.s.s),  wunde  etc.  wil  net  helen  ;  — 
dat  held  (scJiliesst  etc.)  sük  fan  sülfst ;  — 
dat  held  ligt  wer  to.  Redensart:  dat  sal 
wol  wer  helen,  er  du  grötmoder  wordst.  — 
Afries.  heia;  sali.  (Hettema)  heila,  (Eh- 
rentraut, II,  207)  hälje;  nid.  heelen ; 
mnld.  heylen,  heelen;  nd.  heelen;  mnd.  he- 
len, heilen  ;  as.  heljan,  lieljen,  helean ;  ags. 
haelan,  hölan;  oigl.  lieal ;  ahd.  heilan,  hei- 
len ;  mhd.  heilen ;  goth.  hailjan  (sanare ;  sal- 
vare).     Zu  hei. 

heler,  Comparativ  von  hei ;  heier  as  dat 
güd  (od.  de  appels  etc.)  kan  d'r  dog  niks 
wesen.  Superl.  helste ;  ik  hebb'  de  helsten 
(die  am  ivenigsten  kaputten,  bz.  die  am  we- 
nigsten gelitten  haben)  d'r  üt  söcht. 

hellte",  helft,  Hälfte. 

1.  helgeii,  ,s'.  helling. 

2.  lielgeil,  mühen,  quälen,  schwer  arbei- 
ten, schleppen,  ziehen  etc. ;  he  was  kant  of- 
helgd  (vollständig  abgemattet  u.  erschöpft) ; 
—  he  helgd  sük  reinweg  dod ;  —  he  helgde 
sük  of,  um  mit  to  kamen ;  —  h6  helgd  dat 
mit  alle  kracht  na  bäfen.  —  Mnd.  (Seh.  u. 
L.)  helgen.  Wie  1  beigen  von  hellingen, 
so  ist  dieses  von  helligen  contrahirt,  was 
von  hellig  weitergebildet  ist.     cf.  2  hellig. 

helgen-bäs,  der  Meister  od.  Aufseher  auf 
den  Schiffswerften  od.  helgen,  hellingen. 

hel-liake,  helhük',  Schürhaketi  zum  Ein- 
äschern (inraken)  des  Feuers,  od.  auch  zum 
Reinigen  u.  Ausnehmen  der  heissen  Asche 
aus  dem  untern  Feuerraum  od.  Aschen- 
loche  (cf.  2  hei,  sub  f)  der  Brenn-  u.  Dampf- 
kessel. —  krig'  de  helhäk'  her  un  rit'  de  aske 
d'r  under  weg;  —  fig.  ein  böses,  zänkisches, 
herrschsüchtiges  Weib,  Höllendrache  etc.; 
't  is  'n  helhäk'  fan  wif. 

hel-holt  (Ganzholz,  bz.  ganz  u.  gar  od. 
vollständig  Holz),  hölzerner,  steifer,  unbe- 
holfener Mensch. 


HELLE 


67 


HELLING 


helle,  .S-.  liel. 

1.  hellen,  liell  werden  u.  machen.  —  't  hell'd 
up ;  —  he  hell'd  lium  dat  up.     (/.  1  liel  etc. 

2.  hellen  (assimilirt  aus  heldeii,  s.  unten) 
hängen,  Hang  u.  Neigung  liaben ,  neigen, 
sich  neigen,  überhängen,  eine  schräge,  ab- 
schüssige, schiefe  Ebene  bilden  etc. ;  he  helld 
d'r  na  heu  (neigt  dazu  hin,  hat  Hang,  Nei- 
gung u.  Trieb  etc.  danach,  od.  dazu) ,  um 
to  stälcn  un  to  rofeu ;  —  't  helld  d'r  ua  to 
(es  hängt,  od.  neigt  sich  dahin) ;  —  de  mür 
helld  afer;  —  dat  schip  helld  (das  Schiff 
hängt  über  od.  liegt  auf  der  Seite  etc.);  — 
dat  land  helld  na  de  se  to  of ;  —  de  grund 
helld  to  stark.  —  Wang.  (Ehr entraut, 
II,  69)  hei;  nfries.  helde;  nid.,  nd.  hellen; 
mnld.  heldeu  (iuclinare,  acclinare,  procliuare, 
reclinare,  propendere,  vergere) ;  mnd.  helden, 
hellen ;  as.  hcldjan ;  ags.  heldan,  hyldan  ; 
engl,  hild ;  an.,  norw.  halla;  dän.  haelde ; 
ahd.  (haldjan),  heldan ;  mlul.  helden  (neigen, 
auf  die  Neige  bringen,  od.  machen,  dass 
etwas  geneigt  ist)  u.  ahd.  lialdön  (abhängig 
u.  geneigt  sein,  sich  neigen,  vergere).  Mit 
ahd.  halda,  7nhd.  halde  (Halde,  Abhang); 
ags.  held;  an.  hallr;  dän.  haeld  (dasselbe) 
u.  auch  wohl  isl.  hallr;  norw.  hall  (Fels, 
Stein);  schwed.  hall  (Klippe,  FelsenstücJc, 
besonders  da,  wo  es  oben  auf  dem  Fels- 
rücken allmiilig  abschüssig  wird;  steinerne 
Platte)  etc.  zu  ahd.  hald ;  ags.  heald ;  afries. 
hald;  an.  hallr  (vorwärts  geneigt,  geneigt 
[zu] ;  abhängig,  abschüssig  etc.).  Wegen 
der  verschiedenen  Ableitung  von  hald  etc. 
cf.  Fick  (III,  71),  der  es  mit  hals  etc. 
von  einer  y  hal ,  kal  (percellere ,  recellere, 
be.  brechen,  schlagen ;  biegen)  ableitet,  wah- 
rend H.  Leo  (Ags.  Gloss.  Seite  251)  es  mit 
healdan  (halten  etc.,  cf.  holden)  verwandt 
glaubt  u.  M.  Heyne  (cf.  Grimm,  Wb. 
unter  Halde)  es  mit  griech.  klitos  etc.  u.  lat. 
cHvus,  bz.  ahd.  hlinä  (Lehne),  hlinan  (leh- 
nen, cf.  löueu  etc.)  von  einer  u.  derselben  y 
ableitet.  Zu  hlinan  (lehnen)  cf.  y  (Grass- 
mann) gri,  bz.  ^ar  (etwas  woran  lehnen, 
od.  zu  Etwas  hinrichten  etc.),  ivoraus  sich 
die  ßedtg.:  gerichtet  u.  geneigt  ivohin,  bz. 
die  von:  hängoid  tvohin ,  überhängend  etc. 
von  selbst  ergiebt,  soivie  weiter  aucli  die  von: 
(sieh,  od.  ein  Anderes)  stützen  looran  u. 
ivorauf  od.  einem  Etwas  Stütze  u.  Halt  ge- 
ben etc.,  wie  denn  auch  ved.  Qaraua  (stützend, 
haltend,  schützend  etc.)  ivohl  von  dieser  ]/ 
Vri,  ^ar  abzideiten  ist  u.  dann  auch  hald 
leicht  dazu  gehören  kann,  ivie  aucli  hold 
(geneigt  etc.)  u.  Huld  t«o/iZ  ^it  heldan  (sich 
neigen  ivohin  etc.)  gehört.  Die  Grdbdtg. 
von  ^ar,  gri  scheint  übrigens  bewegen  od. 
richten  (wohin)  zu  sein  u.  da  nun  diese 
Bedtg.  (cf.  y  pat,  fliegen,  bz.  sich  beivegen ; 


fliegen  machen,  schleudern,  werfen  etc.)  leicht 
in  die  von:  werfen  wohin,  od.  hinwer- 
fen etc.  übergehen  konnte,  so  ist  es  wohl 
zweifellos,  dass  q&r,  gri  (werfen  hin,  hin- 
5  tverfen,  zerbrechen  etc.)  dieselbe  y  ist,  wie 
gar,  (;ri  (etivas  tvoran  lehnen,  od.  richten 
ivohin  etc.). 

1.  heller,  helder,   hell,   bz.  sonorus,   cla- 

rus  etc. ;    'n    hellem    klang ;    —   'n    heilem 

10  stemm'  (eine  helle,  klingende,  sonore  Stimme) ; 

—  heller  lachen;  —  he  lacht  hum  heller 
(laut  schallend  u.  tönend,  bz.  heiter,  lustig, 
fröhlich)  wat  üt;  —  he  kreg  heller  (laut 
klingend,    od.    dass  es    schallt)    wat    för    de 

15  ners  (den  Hintersten) ;  —  he  hüe  (hauete, 
hieb  etc.)  d'r  heller  up ;  —  bi  heller  lechteu 
dag ;  —  't  wil  hei  net  heller  worden ;  —  'u 
heilem  (helle,  lichte  etc.)  klör ;  —  't  is  'u 
hellem  lücht;  —  dat  für  brand  heller;  —  'n 

20  heller  (helles,  reines  etc.)  gesigt;  —  't  is 
heller  dül  (rein  od.  vollständig  toll) ;  —  de 
wind  weid  d'r  heller  (tüchtig ,  bz.  die  Luft 
rein  fegend  etc.)  in.  —  Nid.  helder ;  nd. 
heller.     Zu  1  hei. 

25      2.  heller,  s.  2  helder. 

3.  heller,  Heller,  kleinste  Kupfermünze; 
bi  heller  un  peunink.  —  Mhd.  hallaere,  hal- 
ler, häller,  heller.  Mit  Auslassung  des  Wor- 
tes Pfenning  statt   „haier  phenning",  bz. 

30  mlat.  (denarius)  h  a  1 1  e  n  s  i  s,  d.  h.  zu  Schioä- 
bisch- Hall  geprägt. 

liellern,  hell,  klar  u.  heiter  werden  od. 
machen ;  dat  wer  hellerd  up ;  —  't  hellerd 
dör ;  —  he  hellerd  sük  up ;    —    du  must  di 

35  nog  erst  wat  uphellern  (dich  reinigen,  käm- 
men, scJimücken,  bz.  licht  od.  schön  Meiden, 
putzen  etc.). 

I.  hellig,  klingend,  stimmend  etc.;  cf. 
enhollig. 

40  2.  hellig,  müde,  abgespannt  etc.,  bz. 
hu)igrig  u.  durstig;    ik    bin    heilig    un  m8j. 

—  Wang.  (Ehr ent r  a  u t,  I,  94  etc.)  hellig 
(durstig) ;  mnd.,  nd.  heilich,  hellig ;  nid. 
hellig ;  mnld.  helligh  (lassus ,  fatigatus ,  agi- 

'15  latus) ;  mhd.  hellig  (dasselbe) ;  md.  hellig 
(sehr  durstig,  lechzend) ;  Schweiz,  hellig,  bal- 
lig (kraftlos,  lechzend) ;  elsäss.  hellig  (leer 
im  Magen);  Schwab,  ballig,  hellig,  höllig 
(lechzend,  matt);  bayr.  hellig   (müde,   abge- 

50  mattet)  ;  fränk.  hellig  (matt) ,  an  der  Eifel 
ballig  (trocken  im  Halse);  hess.  (Vilmar, 
163)  beleb,  helk  (welk,  dürr,  schlecht  ge- 
nährt, matt  von  Hitze  u.  Durst).  Es  ist 
identiscli   mit   dem  tmter  halster  erwäh)den 

55  nd.  ballig  (dürr,  trocken)    u.  von  hal,  bael, 

hei  (trocken  etc.,  cf.  halster)    loeitergebildet. 

helligen ,   nur  in   behelligen    (behelligen) 

u.    wohl    von    2    hellig    tveitergebildet.       cf. 

beigen. 

60      helling,    Schiff swerfte.      Vom   Plur   hel- 

5* 


HELM 


08 


HELFEN 


lingcn  (was  auch  in  der  Bedtg.  „Schtffs- 
icerfte''  gehrättchlich  ist,  weil  gewöhnlich 
mehrere  schräg  liegende  Gerüste  für  Schiffe 
auf  einer  u.  derselben  Werfte  sind)  ist  un- 
ser Collect,  lielijou  (Schiß's werfte)  contrahirt, 
con  dem  deshalh  auch  kein  Plural  gebildet 
tcird.  —  Nid.  lielliiig  ( Ueberhängcn ,  Nei- 
gen, Abhang,  Halde,  liöschung,  ablaufende 
Brustwehr;  Werfte,  Stapel;  Neigung,  Ge- 
neigtheit [sinnl.  u.  bildl.J ,  Trieb  etc.);  nd. 
(Br.  Wb.)  heilige,  aus  hellunge  (schräge 
Bichtung  einer  Tonne,  bz.  Abhang)  u.  bei- 
gen (kleine  hölzerne  schräg  liegende  Läufe 
vom  Ufer  ins  Wasser,  wo  die  auszubessern- 
den Schiß'e  hinaufgezogen  u.  abgelassen  icer- 
den) ;  mnd.  hellink,  lielliiige,  helge  (Schiffs- 
werfte)  =  heldinge  (Neigung  etc.)  von  bei- 
den, .s\  2  hellen. 

1.  heim,  auch  helmet,  holmt,  das  starke, 
schilfartige  u.  langhalmige  Dünengras  (ely- 
nuis  aveuariiis,  ariuido  aveimria) ,  womit  die 
alten  Dünen  bewachsen  sind  u.  die  kahlen 
Dünen  u.  Ufer  der  Inseln  bepflanzt  werden, 
um  dem  Verstäuben  des  losoi  Sandes  vor- 
zubeugen, bz.  die  Bildung  neuer  Dünen  durch 
Auffangen  des  Sandes  zu  fördern. —  Wang. 
hellem ;  nid.  beim.  Nebenform  zu  halm,  bz. 
7nit  diesem  desselben   Ursprungs. 

2.  heim,  Helm,  a)  schützende  Kopfbe- 
deckung der  Krieger;  —  b)  der  helmartige 
Aufsatz  auf  der  Destillirblase ;  —  c)  das 
Häutchen  um  den  Kopf,  welcJies  neugeborne 
Kinder  u.  Junge  zuweilen  mit  auf  die  Welt 
bringen  u.  ein  Tlieil  derjenigen  Haut  ist, 
worin  sie  im  Mutterleibe  eingeschlossen  wa- 
ren u.  was  nach  dem  Volksglauben  dem 
betr.  Kinde  Glück  u.  Wohlstand  bringt, 
weshalb  denn  die  auch  in  Holland  (cf.  auch 
Ho  Itzmann ,  Mylh.  201)  gebräuchliche 
Bedcnsart :  „bc  is  mit  'n  beim  geboren"  (cf. 
engl,  „be  is  boru  witb  a  caul"  u.  Weiteres 
in  der  Zeitschr.  für  Kthnol.  etc.  von  B  a- 
stia)i  u.  Hartman  n,  IV,  186  seq.)  von 
solchen  Menschen  gebraucht  xvird,  die  ohne 
ihr  besonderes  Zuthun  viel  Glück  in  ihren 
Unternehmungen  haben.  —  Afries. ,  nid., 
nd.,  engl.,  as.,  ogs.  heim;  mnld.,  mnd.  beim, 
helmet;  an.  hjälmr;  norw.,  dän.,  schwed. 
bjelni;  ahd.,  mhd.  beim,  belme;  goth.  bilms, 
od.  bilm. 

Dieses  Wort,  ivclches  im  ags.  auch  die 
Bedtg.:  diadema,  Corona,  velamen  «.  im  engl, 
auch  (provinz.)  die  von :  „Schuppen"  u. 
,,auf  einer  Bergspitze  lagernde  Wolke,  welche 
dieselbe  verhüllt"  (wegen  beim  =  linder  s. 
3  heim)  hat  u.  tcovon  ital. ,  aspan.  elmo ; 
nspan.  yeimo ;  prov.  elm ;  franz.  beanme 
(Decke);  abgel. :  span.,  x>ort.  alniet;  afranz. 
healmet ;  franz.  armet  (Pickelhaube)  ent- 
lehnt sind,  gehört  zu  belan  (hehlen,  bergen, 


schützen,  decken,  schirmen  etc.),  bz.  mit  die- 
sem zu  der  y  bal  (l)ergen ,  verbergen ,  be- 
decken, schützen  etc.),  cf.  2  bälen. 

3.  heim,  Puder,  Steuerruder,  Steuer,  bz. 
5  das  icomit  man  das  Schiff  u.  auch  das  Pu- 
der lenki  u.  regiert;  daher  auch  (auf  klei- 
neren Schiffen)  :  die  Puderpinne.  —  de  beim 
(od.  't  rör,  stur)  fan  't  scbip :  —  de  beim 
(od.  't  stur)  tan  't  rur.   —   Nid.  beim    (bet 

10  roer,  bet  stuur ,  cf.  Bobrik,  naut.  Wb.); 
engl,  beim  (Puder,  Steuer,  Steuerruder); 
wang.  (E  h  r  e  n  t  r  a  u  t,  I,  371)  bellem  (in 
btMlem-bolt,  Puderholz,  Pudersiange ,  bz. 
Steuerhoh,    Holz  od.  Stange  zum  Steuerii) ; 

15  an.  bjälm.  Ks  gehört  wohl  auch  wie  2  beim 
zu  belan,  bz.  der  //  bal,  toeil  das  Steuer- 
ruder die  Hut  u.  der  Schutz  des  Schiffes 
ist,  bz.  es  schirmt,  schützt  u.  bewahrt,  wenn 
es  auf  dem  Meere  treibt,     cf.    indessen  un- 

20  ter  2  balm  auch  das  ahd.  halm  ;  mnd., 
mnld.  beim  (manubrium)  n.  balmo  (Lenk- 
seil), womit  bolin  (ds  Ha  It  e  n  d  es,  od.  Len- 
kend es  auch  conncx  sein  kann. 

lleliiier,    ml.    Name.      Gcscidn.    Helmers. 

25  Wohl  =  ahd.  Heilmar,  od.  Ilelimar,  doch 
ist  auch  Ableitung  von  2  od.  3  beim  (cf. 
Körstema)in  hinter  Helm)  möglich. 

holiiier,    ein  seitlich  von  der  allgemeinen 
Ileerstrasse    (die   sich   auf  dem  Pande  der 

80  Jiohen  Geest  zwischen  der  Marsch,  bz.  den 
Ilammrichen  [cf.  bamrik]  u.  dem  Moore 
hinzieht)  in  die  Marsch,  od.  das  Moor 
hineingehender  Landweg ,  mitunter  pleona- 
stisch  auch  belmerwcg  genannt.  —  Nd.  (Br. 

35  Wb.)  behner;  innd.  (Seh.  u.  L.)  bclmen- 
dero,  belmcdcr,  balmdor,  belmede,  belmerde, 
helmer. 

helpeii  (belp',  —  belpst,  —  helpd  etc.;  — 
bulp,  bulpst  etc.;    —    [is,   od.  bed]  bulpen), 

40  helfen,  retten,  beistehen,  nützen,  dienen,  för- 
derlich sein,  fördern  etc. ;  bolp' !  belp' !  se 
willen  mi  wat  dOn ;  —  be  bulp  bum  üt  't 
water,  anders  was  be  ferdriinken ;  —  hö 
helpt  mi  üt  de  nöd ;    —    ik    wil   dl  helpen ; 

45  gä  mau  drist  d'r  up  lös ;  —  dat  kau  mi  niks 
belpen,  wen  'k  bum  d'r  um  frage ;  —  schre- 
ien helpd  (od.  bald  etc.)  net ;  de  büks  mut 
cf ;  —  bc  bulp  bum  wider;  —  be  bulp  bum 
in  de  slöt;  —  Sprichiv. :  help  di  sülfou,  den 

50  helpd  di  God.  —  Afries.  helj)a,  bilpa,  bulpa; 
satl.  belpa;  tvang.  bilp;  ivfries.  (Japi.r) 
helpjen,  bolpjen,  bolpen ;  nd.,  nid.  belpen; 
as.  belpan;  ags.  belpan ;  engl,  belp;  an. 
bjalpa;  norw.,  schwed.  hjelpa;    dän.  lijelpe; 

bö  goth.  bilpan;  ahd.  belfan,  belpban ;  mM. 
helfen,  belven.  Mit  lit.  szelpiu,  szMpti  (hel- 
fen) zu  einer  y  kalp,  karp  =  skr.  kalp ; 
zend.  karep  (sich  fügen,  richtig  sein,  pas- 
sen, dienen  etc.).     Vergleicht  man  dazu  skr. 

60  kalpa  (gleich,  ähnlich,  gestaltet  ti.  gebildet 


HEL-SAM  69  HEM 

wie  etc.);    zcnä.  kerejjta  ((jebüdct,   gestaltet,  dat  dat  gat  Itold  wer  held;  —  dat  is  helsäm 

geformt  etc.)    zn    unser  in  lik;    zend.    kelirp  twebak    (Zwieback    der    nicht    leicht    kcqjut 

(Körper,    Fleisch,    hz.    leibliche    Gestalt    u.  geht,  nicht  bröckelt,  od.  nicht  bröckelig  ist) ; 

Form  etc.)  =  kerefs   in  kerefs-gar  (fleisch-  —  heisame  stenkaleii  (heile,  ganze  od.  dichte, 

fressend);  hzv.  \iarp;  pars,  keret;  arm.  kQrp;  5  feste,    nicht  leicht   bröckelnde  Steinkohlen); 

lat.  corp-us  (dasselbe)   zu  nnscrm   Jike,    bz.  —    dat   is    lium    helsäm    (heilsam,   gesund, 

dass  unser  lik    auch  die  Bedtg.:   gerade,  dienlich  etc.). 

eben,  schlicht  etc.  sowohl,  als  recht  ti.  lielsen  ;   i.  q.  halseu.      Nur  in  be-helsen, 

richtig,  bz.  g eordnet,  ausgeglicheti,  befassen,   in  sicJi  fassen,  umschliessen  etc.; 

geschlichtet    etc.    hat    u.    demnach   die  10  dat  behelsd  nßt  föl. 

Bedtg.  richtig  sein,  passen  etc.  der  y  hel-sibbe;  i.  q.  fulsibbe;  s.  unter  sibbe. 
kalp,  karp  wohl  auf  der  siniü.  Bedtg.:  g e-  helsk,  höllisch,  teuflich,  verdamint,  fiirch- 
r  ade,  eben,  s  ch  licht  etc.  od.  eigentlich :  terlich  etc.  —  't  weid  d'r  helsk  in  ;  —  'n  hels- 
behauen  u.  glatt  sein  etc.  beruht,  so  ist  ken  stürm;  —  'n  helsken  ti'  watcr;  —  't  is 
es  klar,  dass  diese  y  karp  nicht  von  karp  15  'n  helsken  (od.  ferdomdeu,  dönnersen  etc.) 
(sehlagen,  hauen,  spalten,  schneiden,  be-  satan ;  —  helsk  (höllisch,  fürchterlich,  an- 
hauen, zurechthauen  etc.  u.  so  bilden,  for-  gemein  etc.)  gröt  od.  dül,  stark,  mui  etc. ;  — 
men,  bz.  glatt,  eben  u.  richtig  machen  etc.)  'n  helsken  bült  geld ;  —  he  is  d'r  helsk  (od. 
rticht  verschieden  ist  u.  beide  ebenso  wie  y  ferdomd  etc.)  up  fersäten;  —  't  fe  etc.  was 
kart  (hauen,  behauen,  beschneiden,  zuschnei-  20  helsk  grapsk,  od.  dür;  —  ik  hebb'  'a  hels- 
den,  formen)  blosse  Weiterbildungen  der  ]/  ken  dörst  od.  huuger  etc. ;  —  dat  perd  is 
kar  (schlagen,  hauen,  schneiden,  scheeren  mi  fSls  to  helsk  (ungeberdig ,  wild,  hitzig 
etc.,  cf.  auch  ]/  skar  voyi  scheeren,  —  etc.).  —  Afries.,  nid.,  nd.,  mnd.  heisch; 
skarp  von  scharf,  scharfen ,  —  skrap  mhd.  hellisch,  heisch.  Zu  2  hei,  suh  a). 
von  unserm  schräfe  =  kräfe  od.  karfe  etc.)  25  heiter,  .s.  halter. 
sind,  deren  Bedtg.:  machen,  loirken  etc.  liel  uii  dal,  ganz  u.  gar  etc.;  cf.  dal. 
od.  einrichten,  gerade  u.  recht  machen,  ord-  1.  hem,  Heim,  Haus,  Wohnung,  Wohn- 
nen  etc.  ebenso  wie  bei  tak  u.  taksh  aus  sitz  etc. ;  he  sitt  up  sin  egen  hem ;  —  d'r 
der  von:  schlagen,  hauen,  spalten,  schnei-  is  gen  hüs  of  hem.  —  Afries.  hem;  wfries. 
den  etc.,  bz.  behauen,  behobeln,  beschneiden,  30  (Jap  ix)  hiem ;  nid.  heim;  7nnld.  heym;  nd. 
zur  echtschneiden  etc.  entstand.  Wenn  nun  heem;  mnd.  hem,  heim;  ns.  hem;  ags.hkm; 
aber  tveiter  Fick  das  lat.  culpa  (Schuld,  engl,  home;  an.  heimr;  norw.  heim  u.  auch 
hz.  Veranlassung  eines  Schadens)  auch  zu  heem,  hiim;  schwed.  hem;  dän.  hjem;  ahd., 
der  y  karp  (Joelfen)  stellt,  so  kann  ich  ihm  mhd.  heim  u.  ahd.  heima;  7nhd.  heime;  goth. 
darin  nicht  beipflichten.  Vergleicht  man  35  haims.  Es  ist  mittelst  des  Suffixes  ma  (cf. 
nämlich,  dass  die  Wörter:  sollen  u.  arm,  främ  etc.)  von  einer  deutschen  y  hi 
Schuld  beide  von  skilan,  skal,  skulun  (Platz  nehmen  u.  greifen,  od.  Wurzel  fas- 
(schlagen,  hauen,  verwunden,  tödtcn  etc.)  sen  [wo],  halten  [wo] ,  bleiben,  ruhen,  ver- 
stammen, bz.  dass  sollen  (cf.  schal,  schö-  iveilen,  ivohnen)  iveitergebildet  =  idg.  ki, 
len)  weiter  nicläs  heisst  als:  (Jemanden)  40  bz.  ski;  skr.  kshi;  zend.  (Justi)  kshi,  shi, 
geschlagen,  verivundet  od.  g  et  ö  dt  et  ski  (ivohnen,  sich  nieder  lassen  u.  ansie- 
haben  u.  deshalb  zur  Zahlung  des  Wehr-  dein,  sich  setzen  od.  besetzen  wo  etc.),  die 
geldes,  bz.  zum  Ersatz  od.  zur  Busse  ver-  aus  ski,  ska  (greifen,  fassen,  halten,  neh- 
pflichtet  sein  —  i«.  Schuld  buchstäblich  men,  in  Besitz  nehmen,  sich  zu  eigen  ma- 
soviel  heisst  als:  er  schlug  od.  verwun-  45  chen,  hörig  machest,  beherrschen,  Gewalt  u. 
dete  u.  ist  deshalb  strafbar,  bz.  zur  Busse  Macht  haben  über,  besitzen  etc.,  cf.  setzen 
verpflichtet,  so  ist  es  klar,  dass  auch  das  =  Stelle  od.  Stätte  geben  etc.  aus  sitzen 
lat.  culpa  nicht  von  der  ]/  karp  (helfen),  =  ruhen,  od.  halten  loo,  bz.  besetzen 
sondern  von  der  ]/  karp  (schlagen,  spal-  aus  besitzen  u.  habitare  aus  habeo)  her- 
ten ,  schneiden,  verwunden  etc.)  abzulei-  50  vorging  u.  wovon  ausser  skia,  bz.  skr.  ska 
ten  ist.  (ruhen,  ivcilen)  u.  lat.  quie  (in  quies,  quie- 
hel-säm,  heilsam,  d.  h.  mit  dem  was  hei  scere,  qiiietus)  u.  skr.  ci  (nehmen,  aufneh- 
besagt  verbunden  u.  vereinigt  etc.;  dat  gat  men  u.  wo  hinlegen,  Stätte  geben,  schichten, 
schal  wol  bold  wer  digt  gän,  he  hed  nog  al  ordnen  etc.,  cf.  bei  Grassmann  der  Form 
'n  helsamen  hüd  (eine  heilende,  ganz  loer-  55  wegen  unter  2  ci  die  Verwandtschaft  mit 
deyide ,  gesundende  Haut,  bz.  eine  Haut,  kliya  u.  y  ski,  scheinen)  auch  wohl  zend., 
die  leicht  od.  bald  hei  od.  ganz  u.  dicht  skr.  gi,  bz.  qik  (liegen,  ruhen,  weilen,  hai- 
wird, od.  gut  heilt  u.  gesundet)  ;  —  ik  wil  ten  wo)  sich  herleiten.  Ob  nun  aber  goth. 
dl  'n  helsamen  salfe  (heilende,  die  Wunde  haims,  bz.  hem,  heim  bei77i  Vergleich  von 
schliessende   od.   gesundende   Salbe)    gäfen,  60  harsen  zu  idg.  karsan,  skr.  garshan  etc.  od. 


HEM  HEIM  70  IIEMMEL 

hund,  hurn  etc.   von  einer  y  mit  anlauten-  lieinds-inane ,   Hcnuhärnipl.    —    in  blote 

ilem  k,    hz.  skr.,    zend.    q,    rjricch.  k,  tat.  c         hcnidsmauen    för    de    dur    sitten,    dat   is  nii 
etc.     'nicht  fieaaer  mit  (/riech,  köme   (Dorf),^        so  gen  irrl)riik  mör  as  in  min  kinderjaren. 
lit.  kvmAS,  kä'xma'i  ((hi.'iScUie)  zur  y  ki,  /;,-.  ^i  heiuelik,  henilik  ,  licinolk,    heimlich,   in 

(ruhen,  weilen  etc.)  zu  .^teilen  u.  nicht  5  geheimer  od.  vertraulicher  Weise,  verstohlc- 
mit  skr.  kshönia  (sicherer,    behaglicher  Ort,         ner  Weise. 

od.   Sitz,    Wuhnsitz;   Friede;   Hast,   Ruhe  hemclikheid,   henilikheid ,    hemelkheid, 

etc.)  von  khsi,    bz.    ski    abzuleiten    ist    (cf.         Heimlichkeit. 

darüber  auch  G.  Cu  rt  i u  s,  pag.  145)  lasse  lieinke,  Heimchen,  Grille,    Cicade ;   hns-, 

ich  dahin  gestellt  sein.  Wegen  afries.  ham,  10  gras-hemke ;  —  ßg,  kleines  schwaches  We- 
hem cf.   1   u.  2  ham.  sen ;  'n  liemke  fan  'n  wicht.     Redoisart.  u. 

2.  lieni,  heim,  heim,  nach  od.  zu  Hause;  Sjn-ichw. :  nakcnd  as  'n  hemke;  — he  singd 
liem  gän,  hem  kamen  etc.  —  Hs  ist  gleich  as  'n  hemke  (ironisch).  —  Nid.  heimpje ; 
afries.  heme  u.  hem,  bz.  ahd.  heime  von  1  ninld.  heymken,  hecmkon,  hcymelken ;  mnd. 
hem,  wird  Jedoch  nur  selten  mehr  gehurt.  15  heimeke,  liemeke.  Anscheinend  Dimin.  von 
cf.  heimsüken,  liemclik  etc.  ahd.   heimo;    mhd.    heimc    (dasselbe),    doch 

henid  (Flur,  hemden),  Hemd,  Kleid,  was  nach  31.  Heyne  (cf.  Grimm,  Wb.,  unter 
man  zunächst  auf  dem  Leibe  trägt,  od.  über-  Heimchen)  mit  »r/.  liiemk,  oberd.  heymdi 
haujit :  Kleid,  Gewand,  faltiges  Gewand  etc.,  aus  heimlich,  heimamnch,  was  aus  muclieim, 
cf.  die  Composita.  —  he  sitt  in  't  blotc  hemd;  20  hz.  ahd.  müh-hoimö,  mftcliheiino  (Heimchen) 
—  Redensart,  ti.  Sjirichto.:  he  h4t  sük  't  umgesetzt  ist.  Das  ahd.  hcimo  bezeichnete 
hemd  fan  't  Iif  stälen ;  —  't  hemd  trilld  hnm  urspr.  wohl  blos  die  Hansgrille  u.  ist  dem- 
für  de  ners;  —  se  fragd  en  't  hemd  fan  de  nach  lieim-o  wohl  von  heim  (Haus)  weiter- 
närs;  —  't  hemd  is  en  nader  as  de  rok.  gebddet  in  der  Bedtg.:  Haus-Wesen,  Haus- 
Conijws. :    aferhomd,    körhemd,    undcrhemd,  25  Geschöpf. 

hemdkled,   hemdrok,   hemdslip,  hemdsmaue  1.  heniiuel,  öfter  auch  himmel,    Himmel; 

etc.  —  Afries.  hamethc,  liemethe,  hamede;  (personif.)  Gott.  —  de  sterons  an  d' himmel 
wfries.  liimd,  himhd;  satl.  harnend;  wang.  blinken  so  schön;  —  in  de  hemmel  kamen; 
(Ehr  e  n  trau  t,  I,  370)  hämmin;  tid.,  nid.  —  de  lefe  hemmel  mag  't  weten,  war 't  ble- 
hcmd ;  mnd.  hemde,  hemmote,  himedo;  mnld.  30  fen  is;  —  de  lete  hemmel  segene  jo  't  wer, 
hemde;  ahd.  homidi,  hemithi ;  mhd.  heraede,  wat  ji  an  mi  arme  blöt  guds  dun.  Sprichw.: 
liemde.  Was  die  Form  betrifft,  so  ist  tvohl  wen  de  hemmel  falld,  den  krigt  de  erde  'n 
anzunehmen,  dass  es  ans  dem  Präter.  ha-  regenmantel;  —  wen  de  himmel  falld,  den 
meth,  hemith  (bedeckt,  verhüllt,  bekleidet,  od.  liggen  wi  d'r  all'  nnder;  —  se  smet  'n  gat 
decket,  deckt)  von  einem  dem  goth.  liaraon  35  in  de  hemmel.  —  Afries.  himnl ,  hiniel ; 
(decken,  bedecken,  verhüllen,  einhüllen,  be-  tvfries.  himel,  hymmel ;  nfries.  hemmo];  satl. 
kleiden  etc.)  entspjrechendcn  Vbm.  ham-6n,  hemel ;  wang.  hemmel;  nd.  hemmel;  nhl. 
hem-6n  mit  dem  Suffix  e  od.  i,  i  (Etwas  hemol ;  as.  himil;  ahd.  himil,  himel;  mhd. 
etc.)  abgeleitet  wurde  u.  demnach  ein  Etwas  himel,  himmel  (indiimentnin ;  coehim,  aether; 
bedeutet,  ivas  deckt,  bedeckt  od.  verhüllt,  40  laqueare,  lacnnar;  Thronhimmel,  Baldachin), 
schützt,  ein-  u.  umschliesst  od.  einhegt  u.  —  Au.  himinn,  himins ;  isl.  hirain  (coelnm; 
einfriedigt  etc.,  loie  Ja  auch  a.s.  hjmo ;  ahd.  laqneare);  goth.  himins  (coelum).  Davon: 
hämo  ;  mhd.  harne  ;  ags.  hama,  homa,  ham ;  ahd.  himilizi,  himilezi,  himelze ;  mhd.  hi- 
afries.  hama,  homa  ((jicwand ,  Kleid,  Um-  melze,  himilz,  himelz  (Zimmerdecke ,  Zelt- 
hüllung,  Hülle,  Haut,  Balg  etc.,  cf.  lichäm)  45  decke);  mnld.  henielte,  ghehemelte  (convexi- 
zu  hamön,  od.  mit  diesem  zu  einem  voraus-  tas,  palatum).  Es  bezeichnet  ein  Etwas, 
zusetzenden  Wurzel- Vbm. :  hinian,  ham,  hu-  ioas  ein  Anderes  wölbend  überdeckt,  od.  ein- 
mnn  (umfassen,  umschlicssen  etc.)  gehört,  u.  umschliesst,  bz.  ein  Gewölbe,  Decke,  Dach 
über  dessen  Ursprung  u.  Wurzel  das  Wei-  etc.  u.  gehört  mit  goth.  hamön ,  (did.  hämo 
tere  unter  1   u.  2  ham  zu  vergleichen  ist.       50  etc.  (cf.  hemd)  u.  zend.  kamar  (krumm,  ge- 

hemd-kled,  das  der  Leiche,  bz.  einem  Ge-  tvölbt) ,  kamara  (Gürtel;  Gewölbe),  griech. 
storbenen  über  das  gewöhnliche  Hemd  ge-  kamära  (Gewölbe;  Schlafgcmach,  Himmel- 
zogene  weite  u.  faltige  Tndtenkleid.  bctt  etc.) ;    lat.  camera  etc.    zu    der  unter  1 

hemd-linnen,  feineres  Leinen,  wovon  man         ham  erwähnten  ]/  kam. 
Hemde  macht.  55       2    hcniniel,    blank,   rein,  reinlich,  sauber, 

hemd-rok,  Unterjacke,  od.  Brusttuch,  tvel-  glatt,  nett  etc.  —  hemmele  glasen,  Straten,  hu- 
chrs  unmittelbar  über  das  Hemd  angezogen  sen  etc.;  —  dat  siigt  dar  in  hüs  all'  so  liem- 
ivird.  mel  un  schön  nt ,    dat  man    wol  brei  fan  de 

hemd-slip,  Hemdzipfel,  Zipfel  an  einem  däi  ilten  kann  un  't  all'  gliinmd  un  spegeld 
Mannshemde.  GO  wat  d'r  is;    —    't  is  so  'n  hemmel  wif,    dat 


HEMMEL 


71 


HEMMELEN  HEMMELN 


mau  sük  freid,  wen  man  hör  ankikd ;  —  't  is 
hir  air  hemmel  un  schön  un  d'r  is  narg(!iids 
gen  stofje  to  finden ;  —  dat  wicht  goid  mt 
hing  net  hemmel  genug  mit  't  iiten  um ;  — 
de  meid  mut  hemmeler  worden,  wen  se  hlr 
blifen  wil.  —  Wfries.  (J apix)  himmel  u. 
(Vrije  Fries,  I,  174)  hemel ;  wang. 
(Ehren  traut,  I,  94  ii.  371)  hemmelk  od. 
hemmel  (in  hemmelkeit).  Weiteres  s.  unter 
2  hemraelen  u.  dem  folgenden : 

3.  hemmel ,  Reinigung ,  hs.  die  Rein-, 
Blank-  u.  Sauhermachung  in  ihrem  ganzen 
Umfange,  soweit  dies  durch  Waschen,  Ab- 
reiben, Bohnen,  Kämmen,  Bürsten  etc.  ge- 
schieht od.  geschehen  kann.  —  dat  kiud  hed 
fan  Jungs  up  au  sin  hemmel  un  fleje  (Rei- 
nigung u.  Pflege  etc.,  cf.  2  fleje)  net  had, 
darum  wil  't  ök  net  regt  dejen  ;  —  dar  word 
gen  hemmel  un  fleje  an  dän. 

1.  hemmelen,  hemmein,  himmeln,  sum 
Himmel  erheben,  in  den  Himmel  befördern, 
sterben  inachen,  ins  Grab  bringen;  nament- 
lich von  Aerzten,  die  Unglück  in  ihrer 
Praxis  haben  u.  viele  ihrer  Patienten  durch 
den  Tod  verlieren.  —  de  dokter  hemmeld 
menuig  hen;  —   he  hed  hum  hen  hemmeld. 

2.  hemmeleu,  liemmein,  reinigen,  sauber 
u.  rein  machen,  bohnen,  ivaschen,  reiben, 
bürsten,  kämmen,  od.  putzen,  schneiden  etc., 
hz.  sich  od.  ein  Etwas  so  machen,  dass  man 
(od.  es)  in  jeder  Hinsicht  sauber,  rein,  nett 
u.  ordentlich,  od.  gebührend  u.  wie  die  Ord- 
nung u.  Sitte  es  erheischt,  aussieht.  —  jung' ! 
gä  heu  un  hemmel'  di  erst,  er  du  bi  de  disk 
kumst;  —  de  rok  is  so  fül,  dat  he  erst  ör- 
dendlik  hemmeld  (od.  ofTaemmeld)  worden 
mut,  er  du  hum  wer  antrekken  kanst;  — 
de  däle  uphemmeln  (den  Schmutz  mittelst 
eines  nassen  Tuches  etc.  von  der  Diele  auf- 
nehmen, die  Diele  reinigen) ;  —  dat  der  mut 
wat  of-  od.  ferhemmeld  worden,  dat  d'r  wat 
bäter  grei  in  kumd ;  —  hemmel'  din  schö 
wat  up  de  matt'  of,  er  du  in  de  stuf  kumst; 
—  dat  hüs  mut  erst  dügtig  üthemmeld  wor- 
den, er  wi  d'r  intrekken  könen;  —  de  bal- 
ken,  bomen  etc.  mutten  ofhemmeld  (abge- 
bohnt,  abgeputzt,  mit  einem  scharfen  Instru- 
ment abgekratzt  etc.)  worden;  —  de  böm 
mut  üthemmeld  (ausgeputzt,  ausgeschnitten 
etc.)  worden;  —  sin  bärd  hemmein  (seinen 
Bart  zustutzen  u.  schneiden,  bz.  so  machen, 
dass  er  nicht  mehr  so  wild  u.  unordentlich 
aussieht) ;  —  (subst.)  wi  süut  fan  dage  an 
't  hemraeln.  —  Wfries.  (Jap ix)  himmeljen, 
hemeljen  od.  (Vrije  Fries,  I,  174)  he- 
melen;  nid.,  provinziell  (in  Gelder  l and) 
hemelen,  (Groningen)  hemmelen  (reini- 
gen, schoon  maken  etc.).  Wohl  mit  mnld. 
(KU.)  hemelen  (componere,  concinnare,  or- 
nare) ;  mfläm.  hemelen  (orner  et  parer)  ideti- 


tisch,  zumal  wenn  man  unsere  Zusammen- 
stellung (s.  2  hemmel)  „hemmel  un  fleje" 
vergleicht  u.  dabei  erwägt,  dass  unser  fleje 
zu  flejen  (componere,  ornare  etc.)  gehört. 
5  Das  Adj.  1  hemmel,  himmel,  hemel  hatte 
urspr.  vielleicht  die  Bedtg. :  geschichtet,  zu- 
sammengelegt, geordnet  etc.,  od.  die  von: 
zurecht  gemacht,  fertig,  bereitet,  geputzt,  ge- 
schmückt, geziert,  schmuck,    blank ,   paratus, 

10  ornatus  etc.  Da  nun  aber  diese  Wörter 
mit  1  hemmel  (Himmel) ,  bz.  1  hemmelen 
(himmeln)  schwerlich  verwandt  sind,  so  halte 
ich  dafür,  dass  der  Stamm  hemmel  od.  he- 
mel von  Hause   aus   mit   ahd.    hamal    (ver- 

15  stümmelt,  gestutzt,  verschnitten  etc.,  cf.  1  u. 
2  hamel)  u.  hemmelen  od.  hemelen,  xofries. 
hemeljen  etc.  mit  afries.  hemelja,  homelja 
(debilitare),  ahd.  hamalön  (verstümmeln,  stut- 
zen, verschneiden,  abhauen,  abschneiden)  = 

20  7ihd.  ha  mm  ein  (castriren ,  verschneiden 
etc.,  s.  unter  2  hamel)  identisch  ist,  weil 
sich  atis:  gestutzt,  zugestutzt,  verschnitten 
etc.,  bz.  stutzen,  zustutzen,  verschneiden,  be- 
schneiden, einkürzen  etc.  (man  vergl. :  Haare, 

25  Bart,  Hecken,  Bäume  etc.  schneiden,  od.  be- 
schneiden, stutzen,  einstutzen  etc.,  bz.  Je- 
manden zustutzen  etc.  u.  nhd.  Stutzer  = 
Zieraffe  etc. ,  od.  Jemand  der  seine  Haare 
u.    Bart   stutzt,    zustutzt,    beschneidet    etc.) 

30  leicht  die  Bedtg. :  zierlich,  schmuck,  sauber, 
glatt  etc.  (vergl.  auch  die  trop.  Bedtg.  von 
beschäfd  \mter  beschäfen),  bz.  die  von :  säu- 
bern, reinigen,  ausreinigen  etc.  entwickeln 
konnte    u.    auch    putzen    (Licht  putzen, 

35  Bäume  ausputzen  etc.)  =:  schneiden,  od. 
stutzen  ist,  bz.  wir  den  Raseur  auch  ja 
putser  nennen.  Vergleicht  num  nun  loeiter, 
dass  ahd.  hamal  (verstümmelt  etc.) ,  hama- 
lön etc.,    bz.    afries.    hemelja    (verstümmeln 

40  etc.),  sowie  auch  an.  hamla,  norw.  hemla 
(verstümmeln;  hemmen  etc.),  bz.  unser  ha- 
mel, homel  sämmtlich  Weiterbildungen  von 
ahd.  ham  (verstümmelt,  defect,  gestutzt  etc.) 
sind  u.  das  dän.  pyat  (Putz ;  Spitze),  Y^ynte 

45  (putzen,  schmücken,  reinigen)  mit  luiserm 
pünt  (Punkt,  Stich ;  Spitze),  pünten  (stechen ; 
sjjitzen,  zuspitzen,  zuschneiden) ,  ötpünten 
(ausstechen  etc.)  von  lat.  punctum,  pungere 
abstammt,    so  scheint   es,   als   ob   das  sonst 

50  überall  fehlende  norw.  (Iv.  Aasen)  hema 
(putzen,  rein  machen  etc.  =  dän.  pynte, 
pudse,  gjöre  reen),  hema  (Reinlichkeit,  Ord- 
nung etc.  =  dän.  reenlighed,  orden,  pyn- 
teligt  udseende)    auch   mit   ahd.   hamal  etc. 

55  u.  an.  hamla  etc.  auf  ahd.  ham  (verstüm- 
melt, gestutzt  etc.)  zurückgeht,  obsclwn  es 
auch  möglich  ist,  dass  diese  M'^örter,  sowie 
norw.  hama  (putzen,  schmücken  =  dän. 
pynte,  pudse)  mit  hama    (kleiden,  verhüllen, 

60  vermummen,  bedecken)  zu  ham  (Haut,  Kleid, 


HEMMELIG  IIEMMLIG  72  IIEN 

Balg  etc.,  cf.  hemd  ».  x.  unter  1  ham)  _c/e-  «h.  Iiampr;  »o/vc.rfä».  hanip;  sc/tifCfZ.  hampa; 
hören,  icohci  es  denn  aber  auch  xcieder  eben-  ahd.  hanaf,  hanof,  hamif,  lianif,  hanef;  mhä. 
sowohl  denkbar  wäre,  da.-^i  auch  unser  hom-  hanef,  haut';  /«^  cannabis;  r/r/ec/;.  kdiinabis; 
mol  (sauber  etc.),  hcnimcln  {säubern,  reini-  Ut.  kanapos;  j>r('».s>-.  knapios;  Islav.  ko- 
gen  etc.)  sofern  sie  von  Hause  aus  die  Be-  5  noplja;  bühm.  konope:  jjohi.  konop :  lett. 
dtg.:  ornatus,  oinaro  hatten,  mit  mnld.  kanjepes.  Ob  mit  Jat.  c&una.  (Schilf,  liohr 
(KU.)  lionielen  (compoacre,  oniare)  «.  he-  etc.)  n.  vielleicht  dem  skr.  kanapa  i Lanze 
meleii  (velare,  tcgere,  celare)  entweder  von  etc.,  sofern  dies  urspr.  ein  Bamb  m  -,  od. 
hemel  (Himmel,  /c  Decke,  cf.  1  hemmel)  sonst.  Rohr,  bz.  Bohr-,  od.  Schilfgnvächs 
od.  mit  hemd  u.  hämo,  ham  (Kleid,  Haut,  10  war)  u.  kanabha  (Fliege,  summendes  In- 
Decke) u.  goth.  liamon  (bedecken,  kleiden)  sect)  etc.  zur  y  kan  (rauschen  etc.)  ?  Vergl. 
vom  Stavimrbni.  himan,  liam  (tegore,  velare  dicscrhalb  unter  2  hän. 
etc.)  abgeleitet  sind.  hcinpoii.  henpen,  hänfen,  von  Hanf;  hem- 

hcmmcli;:.    lieiimilifi;,    licmmel^,    reinlich        peu  linnen. 
etc.     Zu  2  hemmel.  15       ]ioiil])-liillink,    Hänfling    (fringilla    canna- 

heniniolsk.  honimels,  liiininels, /(/Hi»i/j'.sr/j;        biiia);  (ßg.)  kleines,  zartes   Wesen;  —  't  is 
hemmel.sk  raui:  —    "t  is    fan    dage   'n   hem-         man  so  'n  hemplünink  fan  wicht, 
mels  wer  thimmli'<ches  Wetter).  —  Nid.  he-  hoinp-iilje,  Hanföl. 

melsch;  afries.  himulisk,  himelesk,  hiraelsch;  liemp-Siul,  Hanfsamen, 

wfries.    hymraelsch ;      nd.,    iiind.    hemraels,  20       heil,    ////(,  wohin,  in  der  Bichtung,  nach 
liomels.  einem    bestimmten    Orte    hin    etc.;    von   der 

henimen,  hemmen,  hi)iderH ,  in  der  Be-  Stelle,  vorwärts,  iveg,  fort,  vergangen,  ver- 
wegung  zurückhalten,  lähmen  etc.  —  wel  kan  flössen,  vorbei,  verloren  etc.  —  hen  lopen  ud. 
't  hemmen;  —  he  hemd  mi  (er  lähmt  u.  faren;  —  dat  ligt  na  't  Osten  hen;  —  du 
hindert  mich)  in  mm  dun.  —  Afries.  herama,  25  must  hum  dar  hen  wisen;  —  gä  hen  un  häl' 
hammen;  schivcd.  haemma;  dän.  haemme;  twebak ;  —  he  is  al  wat  hen  (schon  ziem- 
mhd.  hemmen.  Wie  an.  hamla  (Jiemmen,  lieh  weit  vorgerückt  im  Alter); —  dat  rekd 
hindern;  verstümmeln)  mit  ahd.  hamalon  net  hen;  —  't  geid  d'r  göd  heu  od.  längs; 
von  haml,  bz.  hamal  (verstümmelt)  u.  lam-  —  he  löpd  d'r  nog  so  stak  heu,  as  'n  korel 
men,  lemraern,  belemmern  von  lam,  so  ist  30  up  sni  lifs-heste;  —  't  geid  all'  hen  un  wer, 
hemmen  von  ahd.  ham  (verstümmelt,  ver-  od.  hen  un  werden,  heu  un  her; —  dar  geid 
krüppelt  etc.,  cf.  1  ii.  2  hamel)  weitergebil-  't  heu  mit  mester  Marks,  do  brogden  se  hum 
det  u.  heisst  hemmen  daher  eigentlich  soviel  na  't  karkhof;  —  wetst  du  net,  dat  de  tul 
als:  verstümmelt,  verkrüppelt  inachen,  lahm  hen  geid;  —  wat  heu  is,  is  heu;  —  hen  is 
machen  u.  so  lähmen,  hindern  etc.,  tvie  auch  35  siu  kracht;  —  siu  gcld  un  göd  is  all'  hen. 
die  Zusammenstellung  von  afries.  hammcth  —  Nd.,  mnd.  heu;  nid.  heen;  mnld.  hin, 
jeftha  hxmmuth  (gelähmt,  cf.  lammd  t-on  lam-  hen;  ags.  hiua;  alid.  hiua;  mhd.  hiue,  hin. 
men),  od.  chimmed  jeftha  lemed  dies  bcstä-  Davon  weitergebildet:  ahd.  hinana,  hinan, 
tigt.  Wegen  der  Ableitung  dieses  Wortes  hinnän;  inhd.  liinueu,  hinue;  «s.  hinana,  hi- 
von  mhd.  harne,  ham  (Fangnetz,  od.  Angel-  40  uan,  Innen;  ags.  hinaue,  heonane,  heonau, 
haken,  Hamen)  vergl.  Weigand.  Das  heonun,  heonon ;  lofries.  hinua;  mnld.,  nid. 
nid.  hammcw  (zurücklialten,  bz.  zurückrufen  henen ;  mnd.  heune,  hinue,  (von)  hinnen. 
u.  stehen  machen)  dagegen  loird  mit  mnld.  Fs  ist  wie  „her"  von  dem  Demonslrativ- 
(Kil.)  hemmen,  hummou  (niutire,  emutire,  Stamm,  bz.  Pronominal-Stamm.  hi  (cf.  he 
simplicem  edere  vocem)  von  der  Interj.  hem,  45  od.  he)  loeitergebddet  u.  drückt  eine  Be- 
hum,  bz.  dem  Schallstamm  hem,  ham,  him  wegung  von  dem  Sprechenden,  od.  nach 
(cf.  himeu  u.  hummel  u.  bei  Fick,  III,  einem  Fntf ernter en ,  od.  richtiger  wohl  des 
65  unter  ham)  abgeleitet,  wobei  es  auch  betr.  „Er"  (sei  dies  nun  eine  Person,  od. 
denkbar  ist,  dass  das  mhd.  u.  nhd.  hemmen  ein  sonstiges  Etwas,  wie  z.  B.  ein  Stein, 
sich  mit  dem  nid.  hemmen  (hem!  hem!  ru-  50  Wagen,  od.  Thier  etc.)  nach  irgend  einer 
fen,  um  Jemand  zum  Stehen  zu  bringen  u.  Bichtung  hin  aus,  toelche  Bewegung  an- 
ihn  aufzuhalten)  gemischt  hat.  scheinend  durch  das  Suffix  na  ausgedrückt 

heiiip,  henp,  lienncp,  Hanf. —  Sprichw.:  wird,  ivelches  wahrscheinl.  mit  der  Vernei- 
bi  henp  S|  ar  de  plog  net  un  \n  üah  (Flachs)  nungs-  Partikel  na  (cf.  nä  u.  net)  u.  mit 
net  de  eide  (Egge) ;  —  hemp  schämd  Buk  55  der  negirenden  Partikel  an  (cf.  un)  iden- 
net,  um  up  de  mcsfold  (Misthaufen)  to  was-  tisch  ist,  iveil  beide  eine  Bewegung,  bz.  ein 
sen ;  —  henp  un  ncttels  (Nesseln)  wassen  't  bewegen  u.  gehen  von  ivo  weg,  ein  entfer- 
Icfst  uj)  'n  fetten  grund;  —  hemp  is  täjer  nen  etc.  (ebenso  toie  ,,u-eg")  au.sdrücken  u. 
as  Alis.  —  Nd.  hemp,  hemiei);  mnd.  henuep;  von  Hause  aus  wohl  Bewegungs-  Wurzeln 
nW.  henuep,  hennip;  «(/.s.  hilnep;  engl,  hemp;  60  sind,    wonach    denn    hi-ua    soviel    bedeuten 


HEND  HENDE 


73 


HENNE-KLED 


würde  als:  Er  (Person,  Bing,  Etwas,  hz. 
Seiendes,  Wesen  etc.)  gehen,  sich  entfernen^ 
od.  Er  iveg  u.  fort  etc.  Von  den  Compo- 
sitis  mit  „hen"  loerden  nachstehend  mir 
einige  wenige  aufgeführt. 

liend,  hende,  bei  Hause,  nahe,  od.  dicht 
hei,  in  der  Nähe  etc.  —  der  is  hend  nog  trend 
(weder  bei  Hause,  od.  nahe  bei,  in  der 
Nähe  etc.,  noch  entfernt,  in  der  Entfer- 
nung, weit  herum  etc.)  wat  to  sen ;  —  fan 
hende  im  fan  ferren  tosamen  kamen.  — 
Afries.  hend,  heynd,  heind;  ivfries.  (Japix) 
heyn  ;  nid.  hende,  heinde  (dat  raakd  er  op 
heinde  nog  verre  op  toe) ;  mnld.  (KU.)  hende 
(prope,  vicinus).  Es  gehört  wohl  zu  einem 
Vbm.  henen,  heinen  (cf.  mnd.  heinen,  sub  1 
bei  Seh.  u.  L.)  =  hemen,  heimen  (wohnen, 
Heim  haben)  u.  bezeichnet  dann  das,  wo 
man  heind,  od.  wohnt,  od.  es  ist  von  hein 
=  heim  (Haus)  weitergebildet ,  loie  es  ja 
auch  möglich  ist,  dass  das  „d"  blos  wie  bei 
kerdel  (Kerl)  od.  gardeu  (Garn)  etc.  (cf. 
Seh.  u.  L.,  I,  469)  eingeschoben  ist  ti.  heinde, 
bz.  heimde  für  heime  (weder  h  e  i  m  e  od.  zu 
u.  bei  Hause,  daheim  etc.  noch  ferne)  steht. 

hen-däl,  hendäl,  hinunter,  7iach  unten, 
nieder loärts.  —  Wang.  (Ehrentraut,  I, 
94)  hendille. 

head-ferdig,  s.  haudferdig. 

hen-dÖD,  hinthun;  hingeben. 

hen-fägen,  hinfegen.  —  he  hed  dat  d'r  hen- 
1;  —  he  od.  de  wind  fägd  d'r  hen,  dat 
't  so  'n  ärd  hed;  —  he  hed  hum  en  (eine 
geharnischte  Epistel,  einen  groben  Brief 
etc.)  henfägd,  de  lie  net  för  de  spegel  stekd. 

lien-fürder,  hinförder,  förderhin,  in  Zu- 
kunft.    0.  L.  B.  heuforder. 

hen-fören,  hinführen ;  hinfahren. 

heil-toren,  hinführo,  in  Zukunft  etc.;  dat 
raut  hentoreu  net  wer  geschedeu. 

henge  ,  heiig',  Angel,  od.  eigentlich  das 
mit  einem  Auge,  od.  einer  Ocse  versehene 
u.  an  Thür  u.  Eenster  etc.  befestigte  Eisen, 
womit  man  Thüren  u.  Fenster  etc.  einhängt, 
damit  sie  drehen  können.  —  Mnd.  henge ; 
mnld.  henghe  (cardo,  ansa,  hamus). 

heDgsel,  Henkel.     Nebenform  zu  hangsei. 

—  Mhd.  hengel,  Henkel;  Thürangel. 
lien-hemmeln,  s.  1  hemmein. 

hen-in,  hinein.  —  heningän  (Ji'^ncin  gehen) ; 
heninbären  (hinein  bohren)  etc.  etc. 

hen-kamen,  hinkommen.  —  he  schal  wol 
henkamen;  —  he  is  al  'n  göd  ende  henkameu, 
hingekommen ,  od.  vorioärts  gelangt ,  vorge- 
rückt etc. ,  sowohl  im  Raum  als  in  der  Zeit; 
daher  auch:  bejahrt;  he  is  al  'n  henkamen 
(bejahrter,  ziemlich  alter)  minsk. 

hen-kamen,  Hinkommen,  Hingelangen  etc. 

—  wi  mutten  man   up  'n  göd  henkamen  sen. 
hen-könen,  hinkönnen.  —  he  schal  d'r  wol 


henkönen  (Jiin  od.  hindurch  können) ;  —  he 
schal  d'r  wol  mit  henkönen  (ausreichen,  sein 
Genüge  haben  etc.) ;  —  he  kan  d'r  mit  hen 
(hat  sein  Genüge,  hat  Geld  u.  Gut  genug, 
5  ist  alt  genug) ;  —  he  kan  d'r  wol  hen  (er  ist 
schon  so  alt,  dass  er  füglich  von  der  Bühne 
des  Lebens  abtreten,  sie  verlassen,  bz.  ster- 
ben könnte) ;  —  't  kan  d'r  so  wol  hen  (es 
ist  so  genug  damit). 

10       hen-läg,  nach  dem  was  „lag"  od.  niedrig 

ist  hin,  hinunter  etc.  —  't  geid  al    henläg. 

henne,  kenn',  Henne.      Sprichw. :   he    is 

net  so  lank  Stil ,   as  'n  henn'  'n  körrel   up- 

pikd ;    —    he  is  so  dün  as  'n  henn' ;    —    't 

15  ei  wil  kloker  wesen  as  de  henn';  —  he  löpd 
to  trippeln ,  as  'n  henn'  de  leggen  wil ;  — 
't  henntje  wul  leggen,  —  't  dürst  't  net  Seg- 
gen, —  kikd  agter  jo!  —  kikd  för  jo!  — 
't  lose  henntje  bedrügd  jo!    —   Es  ist  das 

20  Femin.  von  hän  u.  =  ahd.  haninna,  hen- 
niua,  henna,  heinna;  mhd.  henne,  als  Wei- 
terbildung von  ahd.  hanin,  henin. 

henne-bee,  hennebeje,  hennbeje,   henne- 
hei,    hennbei,    hennbee    (Plur.    hennebeen, 

25  hennebejen  ,  henbejen ,  henbeen  ,  hcnben), 
hentjebee,  hentjebeje,  hentjebei  (Plur.  hentje- 
bejen,  -been),  Himbeere.  —  Nid.  hindbei, 
hinnebei,  henoebei ,  hennebezie;  mnld.  hin- 
nenbesie;    ags.    hindberie;    engl,    hindberry; 

30  ahd.  hintperi ;  mhd.  hindbere ,  d.  h.  Beere 
der  Hindin,  od.  Hirschkuh  =  ahd.  hintä, 
ivas  mit  band  zum  Vbm.:  goth.  hinthan 
(greifen,  fassen,  fangen,  erbeuten,  erjagen 
etc.)  gehören  soll. 

35  henne-kled,  Todtenkleid,  Leichenkleid.  — 
Nid.  (v.  JDale)  hennekleed,  mdartl.  (Pro- 
vinz Drenthe)  hunnenklet;  mnd.  (Seh.  u. 
Ij.)  henen-,  henne-klet;  md.  (cf.  Stbg,)  heu- 
nenkleid,  od.  (cf.  A.  Holtzmann,  Myth., 

40  pag.  170)  hünen-,  heineu-,  hennen-kleed  ;  alt- 
nfries.  (Outzen)  hunneclede.  henne  etc.  ist 
dasselbe  Wort  tvie  in  Hünen- Grab  (u. 
nicht  identisch  mit  dem  in  den  fries.  Ge- 
setzen aus  hlen  entstellten  hen  in  henbedde 

45  =  hlenbedde,  Lehnbett,  Krankenbett  etc., 
cf.  V.  Richthofen,  pag.  206,  Zeile  12  u. 
28.,  29.  in  Spalte  1  u.  3) ,  ivovoti  es  doch 
sehr  fraglich  ist,  ob  es  urspr.  die  Bedtg.: 
Riesen- Grab   hatte   u.  nicht   auch   dieses 

50  Wort  lediglich  u.  buchstäblich  mit  Todten- 
Grab  zu  übersetzen  ist,  da  in  deyiselhen  nie- 
mals Riesen-  od.  sog.  Hünen- Leichen  ge- 
funden ivurden  u.  es  nach  Holtzmann 
(cf.  die  obige  Stelle)  auch  noch  fraglich  ist, 

55  ob  das  Wort  Hain  od.  Hein  als  Name 
des  Todes  loirklich  mit  dem  Namen  Hein 
(s.  d.)  identisch  ist,  sondern  nicht  vielmehr 
ein  blos  im  Volksmunde  erhaltenes  u.  mit 
heune,    hüne  etc.    «7s    Todter   identisches 

60   Wort  war.     Ist  dieses  richtig,  so  könnte  es 


RENN  IG 


74 


HER 


als  Tod,  Verwesung ,  Leiche  etc.  mit  skr. 
knü,  kuiiyatc  (stinkenj ,  kuiui  (Wange)  ku- 
napa  (Leichnam)  etc.  zur  (Fick,  I,  51)  \ 
kun,  knü  (stinken,  verwesen)  gehören,  wozu 
möglicherweise  (vencesen,  sterben  etc )  auch 
isl.  liiun  (torpor,  Erstarrung,  Tod?)  zu  stel- 
len ist.     Weiteres  s.  unter  liüiie. 

heniiig,  mittelmässig  gross  u.  stark,  halb- 
erwachsen etc.  —  'n  heiinifien  hüai,  bulle,  osse 
etc. ;  —  ik  was  nog  man  so  'u  heiinlg  wicht 
od.  so  'n  hennijjen  jung  tan  14  of  15  jareu, 
as  min  fadir  stürf. —  Wang.(Ehr entraut, 
1,  ii4)  hentJg. 

hensa,  s.  hensen. 

hen- scheden,  hinscheiden,  verscheiden^ 
sterben.  —  he  is  honschedt.  Auch  stibst. ;  bi 
sin  heuscheden  bint  (od.  sunt,  sind)  d'r  gen 
tränen   fergaten. 

honsen,  d.  i.  Jemand  unter  geioit^sen  theils 
lächerlichen,  theils  sogar  gesundheitsschäd- 
lichen u.  gewöhnlich  mit  einem  Trinkgelage 
verbundenen  Gebräuchen  in  eine  Gesellschaft 
aufnehmen,  od.  auch  auf  Scliiffen  Jeman- 
den taufen,  wenn  er  zum  ersten  Mcde  die 
Linie  passirt,  icobei  gewöhnlich  ein  Alt- 
Matrose  sich  als  Neptun  verkleidet  u.  die 
Taufe,  bz.  das  Begiessen  mit  Seewasser  an 
dem  Neuling  vollzieht,  der  obendrein  noch 
ein  gewisses  Stück  Geld  zum  Vertrinken 
zahlen  u.  selbst  einen  grossen  Becher  leeren 
muss.  —  Nd.,  mnd.  hausen,  hensen ;  nudd. 
bansen,  hensen.  Jemanden  in  die  Hanse 
(s.  unter  hans) ,  od.  eine  gescJdossene  Ge- 
nossenschaft, Gilde  etc.  (ds  Hanse  od.  So- 
cius  aufnehmen,  Um  zum  Hansen  machen. 
Wie  bekannt  herrschte  diese  Sitte  auch  bei 
den  von  Gl.  Störtebeker  u.  G  ödeke 
Michael  angeführten  Victualienbrüdern,  die 
früher  auf  der  Nordsee  ihr  Unwesen  trie- 
ben u.  von  mehreren  ostfries.  u.  groninger- 
ländischen  Häuptlingen  geschützt  wurden  u. 
Zuflucht  in  deren  Häfen  (so  Gl.  Störte- 
beker bei  dem  Häuptling  tenBroke  von 
Brokmerland  in  Marienhafe ,  wohin  von 
der  Leg  aus  das  sog.  Störtebekers  Tief  führte, 
was  auch  noch  Jetzt  in  die  Leg,  bz.  das 
Norder  Fahrwa.sser  ausmündet)  fanden. 
Desgleichen  ist  es  auch  geschichtlich  bekannt, 
dass  der  Becher,  der  von  einem  Neuling 
bei  seiner  Aufnahme  in  die  Genossenschaft 
der  Victualienbrüder  davon  seihst  iiensa  ge- 
nannt wurde  u.  Gl.  Störtebeker  selbst  auch 
seinen  Namen  davon  haben  soll,  dass  er  den 
Inhalt  eines  grossen  silbernen  Bethers,  der 
auch  hensa  hiess,  in  einem  Zuge  hinunter 
stürzen  konnte,  worin  ihm  nur  ein  Edel- 
mann in  Groningen  gleich  kam  u.  iroher 
denn  dieser  Becher  auch  die  Inschrift  führte: 
„Ik  Joncker  Sissinga  van  Groiiinga,  drouk 
dees  hensa,   in  een  flensa,   door  niyn  kraga 


in  myn  maga",  7vie  solches  von  Wiarda 
(ostfries.   Geschichte,  I,  37 J)   erivähnt  ist. 

hen-sigt ,  Hinsicht.  —  in  de  hensigt  best 

du  regt. 

5       hent,  erweitert  lienter  ?  —  Dieses  nur  in 

der  Bedens((rt:    't  geid  all'  hent    un    twent, 

od,  henter  un  twenter,   bz.  hent  afer  twent, 

—  henter  afer  twenter,  —  henter  di  twenter 
gebräuchliche   Wort  scheint   mir  ebenso  wie 

10  das  afries.  hent  od.  hentio  (cf.  v.  Richt- 
hofen,  der  es  mit  „?>/s"  übersetzt)  aus 
hento  (s.  d.)  gekürzt,  da:  „'t  geid  all'  hent 
un  twent"  soviel  besagt,  dass  Alles  hin  u. 
her,    od.    bis  loohin  u.  wieder   zurück  geht, 

15  bz.  sich  in  einer  schwingenden,  schtoanken- 
den  «.  unsicheren  Bewegung  befindet  tcie 
z.  B.  hei  einem  Wagen,  od.  Schiff  etc.,  wo- 
bei denn  auch  leicltt  die  Ladung  etc.  idter 
einander  hinstürzt  u.  Alles  in    Verwirrung 

20  geräth ,  wovon  es  aber  heisst,  dass  Alles 
hent  afer  twent  od.  henter  afer  twenter 
geht. 

lientje ,  Dimin.  von  henne.  —  häntje  un 
hentje. 

25  hento,  hinzu,  zu  hin,  bis  zu,  bis  zu  hin, 
bis  hinan,  bis;  — hentogilfeu,  hentodön;  — 
fan  hir  hento  Emden ;  —  hento  de  slots- 
kante  steid  't  all'  ful  wuter;  —  hento  'n 
örtje  heato  hed  he  rai  erlik  betäld;   —   dat 

30  is  dar  hento;  —  of  du  't  deist  of  uet,  dat 
is  (od.  steid)  dar  hento. 

hen-trekkcn,  hinziehen,  d.  h.  sich  od.  ein 
Anderes  bewegen  woliin. 

1.  her,  od.  her,  her,  von  wo  weg,  zurück 
35  etc.   —  hen  un    her  (zurück  zum  Ausgangs- 
punkt) is  glike  wid;    —    he  kiimd  d'r   her; 

—  kum  her !  —  gel  1  her !  —  fan  olds 
her;  —  wo  geid  d'r  her  bl  jo?  —  dat  hed 
d'r  mal  her  gän;  —    he    is   d'r  her    (er    ist 

40  fertig,  bz.  zu  Ende  damit) ;  —  't  is  d'r  all' 
her ;  —  dat  kunid  d'r  allen  fan  her,  dat  du 
net  uppasd  best.  —  Nid.  her  (her,  zurück, 
ivieder,  wiederum  etc.,  cf.  her-schcppen,  her- 
vormen  etc.) ;  ahd.  hera ;  mhd.  here,  her  u. 

45  ahd.  hara,  bar.  Mit  hen  u.  hir  derselben 
Abstammung. 

2.  her,  od.  her,  herrlich,  froh,  freudig 
etc.  —  he  was  d'r  so  her  (od.  hild,  bilde  etc.) 
mit,    dat  he  bei  net    wus',    wo   bog   he    für 

50  freide  springen  schul".  —  Nd.  (Dr.  Wb.) 
beer,  here  (lieb,  angenehm ,  froh).  Es  ist 
dasselbe  Wort  wie  nhd.  hehr  =  ahd.  her, 
lieri,  here;  mhd.  here  (hehr,  herrlich,  er- 
haben, vornehm  ;  stolz ;  froh,  freudig)  ;  mnd. 

55  here;  mnld.,  nid.  beer  (in  lieerlijk);  afries. 
her  (fraglich,  cf.  v.  lii c h  thofe  n  u.  s. 
unter  herskuj)  am  Schlüsse);  as ,  ags.  her 
(hehr,  vornehm  etc.);  an.  här  (hoch,  erha- 
ben etc.).  —  Wie  skr.  kila  zu  ki,  so  könnte 

60  es  vielleicht  zur  ]/  kshi  (herrschen,  mächtig 


HER  75  HERD 

sein  etc.)   gehören.      Oder  yehört  es  zur  y  machen,  wirken,  thun  etc.  der  y  kar  ebenso 

kir  (Jemandes   rühmend  (jcdenken ,  preisen,  wie  bei  taksh    auf  die  Grdbdtg. :    schlagen, 

rühmen   etc.),     einer    Ahlautform    von    kar  hauen,  behauen,    schneiden  etc.   zurückgeht, 

(tönen,    schreien,    rufen,   prahlen,    rüfimen  Iier-bür    (Herr-Bauer),    ein    Bauer,    od. 
etc.)  ?     Oder  ist  an  eine  Verwandtschajt  mit     5  Landwirth    der  seiner  Gebm-t  u.  Lebenstel- 

goth.  hais  (s.  unter  6  hei),    bz.  den  Zusam-  hing  nach  nicht   dem    eigentlichen   Bauern- 

menhang  mit  den   Wurzeln   qi    od.    gir,    gri  stände  angehört,    auf  seinem   Landgut    ein 

aus  kar,  car,  cra,   cnveitert  ^rä,   ^ri  (bren-  vornehmes   u.    herrschaftliches  Leben  führt 

nen,  flammen,  dörren,  kochen  etc.)   zu  den-  n.  sich  tim  die  Ackerwirthschaft   wenig  be- 
ken,  womit  auch  wohl  zend.  ^ri  (schön  sein,  10  kümmert,  sondern  zur  Betreibung  derselben 

glänzen  etc.),  ^rira  =  skr.  qrila,  (schön)  etc.  einen  „bomester"  hält,    roeshalb    denn  auch 

zusammenhängt  ?  ein    solcher    lier-biir     beim    echten    ostfries. 

3.  her,  od.  her,  u.  liere,  Herr,  Gebieter,  Gott  Bauer  nicht  gross  in  Achtung  u.  Ansehen 
etc.  —  min  her  is  net  to  hiis ;  —  de  lefe  her  steht. 

segene  jo  't  wer;  —  here!  min  tid;  —  here!  15       herd,  od.  herd,  Herd;   a)  Grund  u.  Bo- 

here!  help  uns;  —  Sprichw.:  so  de  her,  so  den,  Scholle,  Landgut,  Bauernhof,    Wolm- 

de  knecht ;    —    strenge    heren    regeren    net  statte,  Wohnung.  —  he  beböed  sin  egen  lierd  ; 

lank ;  —   mit   grote   heren    is    kwäd  kassen  —    he  wand  up  sin  egen  herd ;    —    he   wil 

(karsen,  Kirschen)  e.toa ,   se    smtten   en  mit  sin  herd  (od.  stä',  pläts)   ferköpen  laten ;  — 

de  stenen ;  —   grote  heren  krömen,  brengen  20  Sprichw.  :   egen    herd  is  gold  werd ;    —    b) 

de  lütjen  to  't  römen ;  —  heren  gebod  durd  Stelle   od.  Stätte   ivorauf  das   Feuer   ange- 

dre  dage  uu  'n    schoftid;    —    heren    brefen  legt  wird,  Feuerherd. —  se  sitten  mit 'n  ander 

sunt  lelk    to    lesen.    —    Afries.    liera,    her ;  bi  (od.  um)    de   herd   un  fertellen  sük  wat ; 

tcfries.  heare,  beere ;  nfries.  hiere,  hier,  her ;  —  böte  für  up  de  herd  an.      Compos. :  für- 

nld.  heer;  mnld.  beere,  beer;  nd.  beer,  her;  25  herd  (Feuerherd,  Feuerstelle  od.  L^euerstätte 

nind.  here,  her;  as.  herro,  hera;  a^s.  herra,  =  fürstä') ;  —  herd-stii' ;    —    herd-iser  etc. 

hearra;    ahd.    herro    u.  hero;    mlid.    herre,  —  Afries.  hirth,  herth,  herd;   wfries.  hird ; 

liijrre,  herr,  her  u.  here.     Es  ist  zusammen-  wang.  hirt;  satl.  (Ehrentraut ,  1,  190)  hed 

gezogen  aus  dem  Comparatiß :  ahd.,  as.  he-  (statt  herd,  cf.  ben  =  bern  unter  ha.rn) ;  nid. 

roro  von  ahd.,  as.  etc.  her   (hehr,   erhaben,  30  haard,  haart,  heerd,  beert ;  /»uW.  herd,  heerd, 

vornehm  etc.);  s.  2  her.  haerd;    nd.  heerd;    mnd.    hert,    herd;    ags. 

4.  her,  od.  her,  Heer,  Schaar ,  Menge,  heordh;  engl,  hearth ;  ahd.  herd  M.  honla; 
Kriegsheer  etc.  —  d'r  kwara  gans  her  bi  mhd.  hert  (Erdreich,  Erde,  Boden;  Boden 
'n  ander;  —  't  ganse  her  is  ferslagen.  —  als  Feuerstätte ,  Herd).  Fick  (III,  66) 
Afries.  here,  hiri  ».  heir;  ivfries.  heev,  heiv ;  35  nimmt  an,  dass  focus  (von  y  hha,  bhä, 
satl.  her;  nid.,  mnld.  heer,  heir,  her;  as.  sclieinen,  leuchten,  flammen  etc.  ?)  die  urspr. 
heri;  ags.  here;  an.  herr;  schwed.  h'a,r;  clän.  Bedtg.  von  herd  sei  u.  stellt  es  demnach  zu 
haer;  ahd.  hari,  heri;  mhd.  here,  her;  goth.  einer  germ.  ]/  bar  (brennen,  heizen),  die 
harjis  (versammelte  Volksmenge ,  Schaar,  wohl  =  lat.  cal  (in  calor,  calefacio  etc.), 
Volk;  Heer;  überwältigende  Menge).  Fick  40  bz.  skr.  gra,  gar,  /%.  kar,  kar  (cf.  I,  44) 
(III,  65  u.  I,  45)  stellt  es  mit  jjrcu.ss.  kuvja  ist.  Da  es  indessen  wahrscheinlicher 
(Heer ;  Krieg) ;  kslav.  kara  (Streit) ;  skr.  ist,  dass  herd  ur.'ipr.  die  Bedtg. :  solum,  od. 
kära  (Mord);  gära  (Verderben) ;  griech.  ka-  Grund,  Boden  (od.  Erde,  Er dre i ch  etc. 
rös,  kera  etc.  zur  y  gar,  kar,  bz.  skar,  ver-  als  Fundament  von  Allem,  wie  Ja  auch  der 
derben,  vernichten.  Vergleicht  man  in-  45  Name  der  Göttin  Hertha  mit  diesem 
dessen,  dass  das  Wort  schär  (Schaar,  Menge  Worte  zusammenhängt),  Stelle,  Stätte  (als 
etc.)  ebenso  tvie  Pflug- Schar  u.  Sehe  er  e  dasjenige,  worauf  Etwas  ruht,  sitzt,  ivohnt, 
zu  scheeren,  bz.  mit  diesem  zu  der  y  lagert,  bz.  als  dasjenige  was  ein  Anderes 
skar  (schlagen,  spalten,  theilen,  schneiden,  hält,  trägt  u.  ihm  als  Sitz  etc.  od.  als  Un- 
ver wunden,  tödten  etc.,  bz.  scheeren,  kahl  50  terlage  dient)  etc.  hatte  u.  auch  ja  ein  Herd 
machen,  entblössen)  gehört,  so  ist  es  zwei-  (als  Feuerherd)  nur  das  ist,  worauf  das 
feil  OS,  dass  auch  ahd.  hari  etc.  (Schaar,  Feuer  liegt  u.  ruht,  bz.  was  ihm  als  Unter- 
Heer, Abtheilung  etc.)  zu  der  y  kar,  skar  läge  dient  u.  es  trägt  u.  hält  etc.  u.  dcr- 
in  der  Bedtg.:  spalten,  schneiden,  theilen  selbe  als  solcher  mit  dem  Grdbegr.  bren- 
etc.  gehört  u.  dass  die  Bedtgn. :  Krieg,  55  nen  nichts  zu  schaffen  hat,  so  liegt  es  icohl 
Streit,  Zwist,  Verderben  etc.  der  obigen  näher,  um  auch  für  dieses  Wort  eine  y 
Wm'ter,  bz.  die  von:  verderben,  vernichten,  (od.  ein  Thema)  aufzustellen,  welche  (od. 
zerschlagen,  ruiniren,  verh,ecren  etc.  sich  welches)  dieselbe  sinnl.  Grdbdtg.  hat,  tvie 
auch  von  .selbst  aus  dieser  y  ergeben,  wie  die  ]/  od.  das  Thema  von  solum.  Ver- 
andererseits  ja  auch   die  Bedtg. :  fertigen,  60  gleicht  man   mm   aber  solum    (wovon  nhd. 


HERDE 


76 


HERDER  HEDER 


Sohle,  hz.  unser  säle)  in  seinem  Zusam- 
menhang mit  ahd.  sal,  od.  s;ila  (Haus,  Woh- 
nung, Saal),  goth.  saljan  (halten,  bleiben, 
od.  wohnen  u.  sich  aufhalten  wo,  sitzen  od. 
ruhen  wo  etc.) ;  lat.  soliuni  (Sitz ,  Stuhl, 
Thron),  kslav.  selo  (Grund,  Wohnung  etc.); 
griech.  si'\m-A  (Getiifel,  Verdeck,  Ruderbank); 
as,  sclmo,  ags.  scalma  (Lager,  Bett,  Bett- 
stelle, Gerüst  etc.,  cf.  bed-selni)  etc.  etc.  zu 
einer  y  sal,  sar  =  zend.  liar  (greifen,  fas- 
sen, halten,  erhalten,  unterhalten,  stützen, 
schützen,  hüten  etc. ,  hz.  erhalten ,  ernähren 
etc.)  gehört,  sowie  weiter,  dass  die  ]/  dhar 
neben  tenere,  ferre,  gerere,  dctiiiere,  susten- 
tare,  scrvaro  etc.  auch  die  von  putare  od.: 
hallen  dafür,  dafürhalten,  glauben,  meinen, 
denken  etc.  hat,  so  könnte  tvohl  zivischen 
hord  als  Haltendes,  Stützendes  etc.  u.  skr. 
^rat  od.  gräth  (der  IJndlaut  könnte  nach 
Grassma7in  auch  t,  d,  od.  dh  sein),  Ver- 
trauen, Glauben  etc.  ti.  lat.  credo  etc.  ein 
Zusammenhang  stidtfinden,  ivcnji  man  nicht 
überhaupt  annehmen  will,  dass  die  ]/  crath 
(cf.  bei  Grassm a  n  n,  der  aber  cräth  hin- 
zu.^tellt)  in  ihrer  Bedtg.:  trennen,  lösen  etc. 
eine  Weiterbildung  der  y  i;a.T,  rir,  ^ra,  ^ri, 
(zertrennen  etc.)  i.'it  u.  sich  aus:  trennen, 
lösen,  frei  machen ,  ablassen  von  etc.  dann 
weiter  die  Bedtgn.:  nachlassen,  sich  legen, 
ruhen  etc.,  soivie  ferner  die  von:  ruhen  in, 
sich  beruhigen  u.  ergeben  worin,  Vertrauen 
u.  Glauben  haben  zu  etc.,  tvährend  herd  od. 
herd-a  als  das  worauf  Etwas  ruht  od.  liegt 
etc.  von  ^rath  od.  grat  in  der  Bedtg.  „ru- 
hen'^  weitergebildet  sein,  od.  auch  unmittel- 
bar von  der  y  (;ar,  ^ri  (einem  Etwas  Halt 
u.  Stütze  geben,  etwas  woran  lehnen  u. 
stützen,  od.  legen  tcoran  n.  ivorauf ,  liegen 
u.  ruhen  machen  etc.;  sich  lehnen,  stützen 
u.  halten  an  Etwas  etc.,  wovon  (;rat  =  Ver- 
trauen etc.,  als  das  sinnl.  sich  lehnen 
woran,  sich  stützen  worauf  etc.  tcohl  wei- 
tergebildet ist,  locnn  es  nicht  eben  aus  dem 
Partie,  yarta,  ^rita  gekürzt  tourde,  bz.  ein 
Denomin.  davon  ist),  bz.  dessen  Partie.  II, 
Qrita  (wovon  icohl  das  Verbale  (;rit  ein  De- 
nom.  ist),  lehnend,  stützend,  ruhend  etc.  etc. 
abgeleitet  toerden  könnte! 

herde,  od.  herde,  Heerde,  Rudel,  Haufe 
etc.;  'n  ganse  hcrde  scliapcn.  —  iVW.  lierde; 
as.  (hcrda) ;  ags.  heordh,  herd,  hird ;  engl. 
hord ;  an.  lijürdli,  lijardhar;  schwed.,  dän. 
hjord ;  nfries.  (Outzcn)  jaarne,  lijaanie; 
süddän.  hjard ;  goth.  hairde;  ahd.  licrta; 
mhd.  lii  rte,  lii-rt.  Davon  :  afranz.  herde  ; 
pic.  herdc;  altwall,  hierdal  (Rudel,  Wild, 
Heerde).  Zunächst  ist  wohl  skr.  (;ardlia  od. 
<;ärdha  (Schaar,  Trupp)  zu  vergleichen,  jvas 
als  Adj.  die  Bedtg. :  stark,  kühn,  mächtig 
etc.  ti.  als  Subst.    auch    die   von:    Held    u. 


Heerführer,  od.  Anführer  der  Schaar  etc 
hat  u.  womit  denn  in  dieser  Bedtg.  auch 
das  mnd.  liorde  (Hirte,  s.  unter  hcrdor) 
stimmt.  Dieses  ^-ardha  od.  ^ärdha  wird  von 
5  Grassin  an  n  etc.  mit  (jardhas  (kühn  u. 
stark ;  JSIacht ,  Stärke ;  Schaar,  Heer)  von 
cardh  (sich  keck,  kühn  u.  stark  erweisen; 
subst.  der  Trotzende,  der  kecke  Feind)  ab- 
geleitet, tvührend  Fick   (I,  48)  auch  zend. 

10  karedha,  bz.  (Jnsti)  khiurcdhA  (Schaar)  zu 
^ardha,  ^ardhas  «.  hiezu  aus.'^er  Heerde 
u.  Hirte  auch  zend.  (^^avedha  (Art,  Gat- 
tung, od.  icie  icir  sagen  „slag"),  griech.  kör- 
thus    (Erhebung,  Haufe) ;    lit.  kerdius ,    bz. 

15  kerdjus  (Hirt);  kslav.  creda  (Heerde)  ver- 
gleicht. Hält  man  hiezu  nun  weiter:  ahd. 
licrta;  kslav. crGdA;  russ.  cerado  (vices,  Wech- 
sel) etc.,  so  scheint  es  mir,  dass  alle  obigen 
Formen  auf  eine  Grdform  skardha  od.  skar- 

20  dhä.  (cf.  bei  Fi  c  k,  I,  41  seq.  u.  an  sonst. 
Stellen  die  vielen  verschiedenen  Anlaute  = 
urspr.  sk  od.  k  ?<.  hei  Grass  mann  atisser 
skr  ^=  kr  auch  kfdhu ,  verkürzt,  verstüm- 
melt etc.,  wovon  er  glaubt,  dass  es  für  skrdhu, 

25  bz.  skardhu  steht  u.  wobei  er  «;// skrdhoyu, 
kärglich  etc.  verweist,  dabei  aber  glaubt, 
dass  dieses  Wort  sich  zunächst  an  ein  nicht 
nachiveishares  Subst.  skrdhas ,  bz.  skardhas 
lehnt)   zurückgehen    u.    dass    dieses    'Thema 

30  mit  der  ]/  dha  od.  dha  (cf.  credo  aus  cret-da, 
bz.  crat-dha,  od.  crath-dlia  =  Glauben  u. 
Vertrauen  setzen  worauf,  od.  geben  Einem) 
von  skar  (bz.  kar,  khar,  car,  gar,  skhar), 
schlagen,  hauen,    spalten,   schneiden,    schee- 

35  ren,  schinden  etc.;  scJiciden,  trennen,  ent- 
fernen etc.;  behauen,  formen,  bilden,  ge- 
stalten, machen,  toirken,  schaffen  etc.  toeiter- 
gebildet  ivurde.  Dass  nun  aber  aus  den  so 
verschiedenen  Bedtgn.  der   ]/  skar  alle  ohi- 

40  gen  Bedtgn.  des  Themas  skardha  od.  kar- 
dha  leicht  entstehen  konnten  (z.  B.  frech, 
kühn,  gewaltthälig  etc.,  od.  Held  etc.  aus: 
schlagen,  fechten,  verwunden  etc. ;  —  Schaar, 
Abtheilung  etc.  aus:  schneiden,  scheeren  etc., 

45  cf.  4  her;  —  viccs  vielleicht  aus:  scheiden, 
trennen,  entfernen,  entweichen,  tvcichen  etc. 
wie  ja  Wechsel  auch  mit  tvcichen  zusam- 
menhängt, od.  vielleicht  aus :  schlagen,  käm- 
pfen,   erschlagen,    bezwingen,    besiegen  etc., 

50  wie  auch  ja  vices  mit  vinco,  victor  etc.,  so- 
ivie mit  goth.  veihaii,  kämpfen  etc.  u.  ahd. 
wehsal,  Wechsel  etc.,  wihhan,  iveichen  etc. 
formell  zu  einer  y  gehört)  ist  klar,  obschon 
CS  schwerlich    mit   Sicherheit   nachzuweisen 

55  ist,  von  ivelchcr  ersten  Auffassung  die  alten 
Sprachbildner    dabei  ausgegangen  sind. 

lierdcr,  heder,  iiiidPr,  ilirte.  —  schäp-her- 
der  od.  scliäpheder,  Schafhirte.  —  Afries. 
herdore;  zcfries.  herder;   mnd.  herder;  nid., 

60  mnld.    herder,    harder;     an.    hirdhir;    ahd. 


HERDJE  HERDTJE 


77 


HERSKÜP  HERSCHUP 


hertäre,  hirtere ;  mhd.  hertaere,  herter.  WoJil 
direct  von  herde  (Heerde) ,  od.  Weiterbil- 
dung von  US.  hirdi,  herdi;  ags.  hirde,  liierde, 
heorde,  hiordc,  hyrde;  e)igl.  herd;  mnd., 
tnnld.  herde ;  goth.  hairdeis  ;  ahd.  birti,  hirte  ;  5 
mhd.  hirte,  hirt;  md.  harte  (Hirte),  ivoriiher 
das  Weitere  unter  herde. 

herdje,  herdtje  (Dimin.  von   herd),   klei- 
nes  eisernes  Gestell,   welches  auf  die  Herd- 
platte über    das  Aschenloch   (rakdobbe)    ge-  10 
stellt  ivird,  um  das  Feuer  darin  anzulegen. 

—  Nid.  haardje  (kleiner  Herd). 
lierd-plate,  Herdplatte. 

Lerd-stä'  herdstäe,  Herdstätte,  Herdstelle, 
d.  i.  Hof  stelle,  Bauerngut,  Herd.  —  he  wil  15 
sin  herdstä'  ferköpeii  laten.  —  Afries.  hirth- 
stidi,  hertlistcde,  herdsted  (Wohnstätte,  Haus- 
stelle, Hof  stelle ,  laris  domus) ;  nid.  haard- 
stede ;  ahd.  hertstat  (Herdstätte,  Herd). 

herelk,  s.  herlik.  20 

lieren,  s.  beheren  etc.  u.  ferbären  etc. 

lieren-perd  (Herren-  od.  Gottes-Pferd), 
Libelle,  Wasserjungfer. 

lier-gods-bestje  (Herr- Gotts-Thierchen), 
Sonnenkäfer.  25 

lier-gods-blüd;  i.  q.  Gods-blöd,  s.  un- 
ter blöd. 

bering,  s.  häring. 

her-jasses,  ber-jeses  etc.,  .s.  jasses. 

her-kamen,  herkommen ;  hergekommen.  —  30 
wilt  du  wat  herkamen ;  —  he  is  dV  her- 
kamen; —  dar  is  he  nich  bi  herkamen,  da 
ist  er  (seinem  Herkommen,  bz.  seiner  Ge- 
hurt u.  Abstammung  nach)  Glicht  bei  herge- 
kommen, d.  h.  er  ist  es  bei  seinen  Eltern  35 
als  Kind  besser  gewohnt  gewesen. 

her-kamen,  Herkommen,  Herkunft,  Ge- 
hurt etc.  —  fan  mm  herkamen  word  fau  dage 
uiks ;  —  fan  sin  herkamen  is  lie  'n  bu- 
rensSn.  40 

her-knnist,  Herkunft,  Abstammung,  Ge- 
hurt. —  fan  herkumst  is  he  'n  hollander ;  — 
Wiederkunft,  Wieder-  od.  Zurückkommen; 
up  sin  herkumst  könen  wi  net  töten  od. 
wagten.  45 

her-lik,  lierlik,  li^relk,  herrlich,  glanz- 
voll, prächtig  etc.  —  dat  sügt  herlik  üt;  — 
he  läfd  herlik  un  in  freid^n;  —  herlik  wer 
(lierrliches    Wetter) ;    —    dat  smekd  herlik ; 

—  'n  herelk  stük  flesk.     Zu  2  her  mit  Be-  50 
Ziehung  auf  3  her. 

herlikbeid,  herlikheid,  berelkheid,  Herr- 
lichkeit, grosse  Freude,  Glanz,  Pracht  etc. ; 
herrschaftliches  od.  adliges  Gebiet.  —  dat  was 
jo  'n  herlikheid,  as  se  mi  saggeu ;  —  dat  is  55 
dar  jo  'u  herlikheid  in  hüs;  —  de  herlik- 
heid Lütshörg. 

Herman,  ml.  Name,  gekürzt  Harm,  dessen 
„a"  sich  übrigens  auch  aus  der  alten  Form 
Hariman,  Ilarman  erhalten  haben  kann.     Ob  60 


jedoch  der  Name  Herman  ein  Compos.  von 
liari,  heri  (cf.  4  her)  u.  man  ist,  ist  sehr 
ztveifelhaft,  namentlich  beim  Vergleich  des 
Namens  des  Cheruskerfürsten  Hermann  od. 
Arminius,  da  dieser  auch  mit  aryaman,  air- 
raiiie,  bz.  Irmin  etc.  (s.  unter  ilre)  connex 
od.  identisch  sein  kann. 

llero,  Here,  Herre,  ml.  Name.  Geschln. 
Heren,  Herren.  Wohl  auch  wie  3  her  mit 
2  her  connex,  bz.  wie  dieses  aus  dem  Com- 
par.  berero  contrahirt  u.  substantivirt. 

bers,  bersk,  b^rske,  berscb,  hesk  u. 
(Oberledingen)  ge)*k,  Gersch,  Girsch,  Geis- 
fuss  (aegopodium).  —  Dithm.  heers;  bre- 
misch (cf.  Br.  Wb.  unter  heers)  geerseln; 
holst,  jörs. 

bersk,  bersk,  herrisch,  tvie  ein  Herr  u. 
Gebieter,  befehlshaberisch,  dickthuig  etc.  —  hö 
tred  so  regt  bersk  up;  —  't  is  so  'n  regten 
herskeu  kerel.  —  Nid.  heersch ;  mhd.  herisk, 
herish,  berscb. 

bersken,  bersken,  herrschen.  —  h6  wil  al- 
tid  afer  'n  ander  bersken.  —  Nid.  heerschen ; 
ahd.  herisön,  heresön,  herresön ;  mhd.  her- 
sen;   später  berschen,  herrschen. 

herskup,  berschup  od.  herskap  etc.,  Herr- 
schaft; a)  hochstehende  Person,  od.  Person 
die  ihrem  Stande  nach  Herr  ist,  bz.  Herr 
titulirt  wird.  —  min  lefe  herskup,  dat  könd  ji 
wol  dön,  man  mit  unse  lütje  Itie  is  dat  'n  an- 
der ding ;  —  't  is  so  'n  regten  herskup ;  — 
he  löpd  uet,  as  so  'u  herskup ;  —  b)  Herr 
u.  Frau,  gegenüber  der  Dienerschaft.  —  unse 
herskup  is  uet  to  hüs ;  —  c)  Oberhoheit, 
liegiment,  Regierung,  Oberbefehl  etc.  —  under 
sin  herskup.  —  3Ind.  herschop ;  nid.  heer- 
schap ;  ahd.  herscaft,  herscaf ;  mhd.  herschaft, 
Herrenwürde,  Herrenstand ,  Herren-Macht, 
od.  eigentlich :  hehrer,  hoher,  erhabener,  stol- 
zer, vornehmer  Stand,  hehre  etc.  Würde  od. 
Beschaffenheit,  Art  u.  Weise  (cf.  skup  = 
ahd.  scaft  (ds  das  was  geschaffen  ist  u.  be- 
steht, bz.  ein  Sein  hat  etc.),  daher  auch: 
Hoheit,  Herrlichkeit;  Stolz,  Hochmuth,  od. 
stolzes  Sein;  Herrenbesitz;  Herrschaft;  ma- 
gistratus;  Herr  u.  Frau  gegenüber  der  Die- 
nerschaft. Verschieden  von  diesem  mit  ahd. 
her  (cf.  2  her)  zusammengesetzten  Worte  ist 
das  ahd.  heri-scaft,  beriscaf;  mhd.  hers- 
capht,  berschaft  u.  as.  beriscepi,  heriscipi, 
was  als  Compos.  von  heri  (Heer,  Schaar, 
bz.  Kriegsheer,  cf.  4  her)  u.  scaft  od.  scepi 
den  Stand  od.  das  Sein,  Wesen  u.  Bestehen, 
bz.  das  Dasein  u.  Vorhandensein  eines  Hee- 
res (od.  dessen  ivas  heri  bedeutet)  bezeichnet 
u.  daher  loörtl.  soviel  als  Heer-Stand 
(Kriegerstand,  Militär  etc.),  od.  auch  Heer- 
wesen u.  zugleich  auch  das  Bestehen  u. 
Geschaff'ensein  eines  Heeres  od.  einer 
Schaar   (eines   heri    ivas   in  Wirklichkeit 


HERTOG  HARTOG 


78 


hes 


da  ist  od.  eine  seiende  Menge)  besagt,  wie 
es  denn  auch  einestheils  mit:  militia,  Krie- 
geischaft  etc.  «.  andererseits  mit:  Heer- 
schaar  u.  Volksmenge  etc.  (als  daseiendes 
u.  sichtbares  Heer  od.  vorhandene  Menge) 
überset::t  wird  u.  im  an.  herskapr  auch  die 
Bedtg.:  Kriegsart,  KriegsfUhrung  etc.  hat. 
Das  afries.  herskipi  betr.,  so  übersetzt  v. 
Richthof  e  n  es  mit  Herrschaft  im 
Sinn  von  iniperiiini,  indem  er  es  für  ein 
Compos.  von  her  (hehr,  hoch,  erhaben  etc.) 
u.  scepi  Itält  u.  mit  ahd.  hOrscat"  idcntificirt. 
Vergleicht  man  indessen  die  betr.  Stellen  in 
den  Büstringer  Gesetzen  a)  pag.  122,  Zeile 
2-5  seq.  ICO  es  heisst:  „ac  skilu  wi  use  lond 
wera  luith  egge  and  mith  orde  etc.  with 
(wider,  gegen)  thene  stapa  heim  and  with 
theno  rada  skeld ,  and  with  thet  uuriuchte 
herskipi  (also  Neutr.  wie  as.  heriscepi)"  — 
u.  b)  pag.  539,  3  seq.,  wo  steht:  „umbe  etc. 
thet  wi  him  (ihm,  d.  h.  dem  Könige  Karl) 
etc.  riuchtere  herskipi  bikande;  tha  letho- 
gade  hi  (er,  der  König  Karl)  us  fon  etc. 
tha  deniska  kininge  etc.  and  fon  allere  un- 
riuchtere  herskipi",  so  scheint  es  mir,  dass 
unter  „thet  uuriuchte  hcrscipi"  (wogegen  sie 
mit  Schwert  u.  Degen  ihr  Land  bewahren, 
schützen  u.  vertheidigen  sollen)  etc.  das  un- 
gerechte, od.  Unrecht  u.  Böses  ausübende 
Heer,  od.  die  Kr ieg s schaar  der  Nor- 
mannen (bz.  die  feindlichen  Scliaaren  u. 
u.  Horden  im  Allgemeinen)  zu  verstehen  ist 
ti.  dass  in  der  folgenden  Stelle  wuhrscheinl. 
nur  von  der  Herrschaft  od.  Imperium  die 
Bede  ist. 

hei'to^,  hartog,  Herzog.  —  Afries.  her- 
toga,  hertiga ;  as.  heritogo ;  ags.  herrtoga ; 
an.  hertogi;  ahd.  herizogo,  herizoho,  hore- 
zogo  ;  mhd.  herzöge,  Heerführer,  Herzog,  dux. 

Iicr-ut,  heraus;  hinaus.  —  he  smet  hum 
to  't  hüs  heriit. 

lien'lt-bandisen,  heraus-,  od.  hinausjagen. 

herüt-bannen  ,  herausbannen,  herau.'ibe- 
fchlen  (durch  einen  Befehl,  od.  drohende 
Worte),  heraustreiben;  liinausbannen ,  hin- 
au.ibefi'hlen,  loegbannen,  vertreiben  etc.  —  ik 
wil  st^n,  of  ik  dar  net  nog  wat  (z.  B.  Geld, 
od.  Geldeswerth  von  einem  Schuldner)  herrtt- 
bannen  kau ;  —  ik  heb'  hum  tu  't  hus  lu  rüt- 
band. 

hprfit-;2;äfen,  herausgeben. 

Iipriit-sniiten,  hinauswerfen. 

bcs  (selten ;  meistens  hesterig) ,  heiser, 
raucus.  —  Nid.  heosch;  mnld.  heesch;  mjläm. 
hecs,  heesch  ;  wang.  hus,  hoes ;  mnd.  hesch, 
heak,  heisch;  as.  hes;  ags.  bäs;  oigl.  hoarse; 
Schott,  hess ;  an.  häss  ;  isl.  häs  ;  norw.  haas ; 
dan.  haes;  schwed.  hes;  ahd.  heis;  mhd. 
heis  u.  heiser,  haiser  (heiser,  raucus ;  schwach, 
mangelhaft).  —  Die  Ableitung  von  der  y  käs 


(husten,  cf.  host  etc.)  ist  abzuweisen,  denn, 
es  erfordert  wie  6  hei,  heid,  beide  eine  y 
mit  dem  Vocal  „i"  u.  ka)in  demnach,  falls 
goth.  hais  wirklich  mit  G  hei  zur  y  (;i,  bz. 
5  ki  (brennen,  dörren  etc.)  gehört,  formell  so- 
loohl  hiezu ,  als  auch  beim  Vergleich  von 
heid,  beide  etc.  od.  anderen  Wörtern  mit 
anlautendem  „h"  zu  einer  j/  ki,  ski,  erwei- 
tert   (^is    od.  kis,   kis,  skis,    bz.  skr.  ki,  ski, 

10  kshi,  khi,  ci,  ^i  etc.  erweitert  kis  etc.  gehö- 
ren. Fraglich  bleibt  es  aber,  ob  man,  wie 
bei  lat.  ravis,  ravus ,  raucus  von  der  y  ru 
(tönen,  rauschen,  knarren  etc. ,  bz.  ein  u)i- 
organisches    Geräusch     u.    Getöse    machen) 

15  ajinehmen  inuss,  dass  auch  hes  einer  Schall- 
wurzel (vergl.  dieserhalb  skr.  bös  unter  his) 
entstammt,  die  auch  die  Bedtg. :  kratzen, 
rauh  macJien  etc.  (vergl.  unter  guaucn  das 
griech.  chuauö)    entwickeln  konnte,    od.    ob 

20  man  beim  Vergleich  des  ahd.,  mhd.  heis, 
heiser  (s.  oben)  anzunehmen  hat,  dass  hes  od. 
heis  urspr.  die  Bedtg. :  schivach,  matt  etc. 
hatte  u.  dieses  Wort  sich  auf  die  schwache, 
matte,  krankhafte,  gebrechliche,  mangelhafte 

25  Stimme  bezog,  wie  Ja  bekaiudlich  ein  3Iensc]i 
der  heiser  ist,  nur  eine  matte,  schwache  etc. 
Stimme  hat,  i«  welchem  Fall  dann  die  ]/ 
kshi  (vernichten ;  hinschwinden,  abnehmen 
etc.)  anzusetzen  ist,  od.  auch  ^i  (zerschmet- 

30  tert  am  Boden  liegen,  todt  sein,  hinsinken, 
liegen  etc.),  od.  auch  qish  (zurückbleiben; 
zurücklassen ,  ablassoi  etc.,  bz.  hinsinken, 
ermatten,  ruhig  liegen  u.  werden  etc.),  die 
mit  ^'ish    (ferire,    laedere,    occidere  etc. ,    cf. 

35  Bopp)  u.  kau  (stechen,  schneiden,  vernicJt- 
ten) ,  kas,  kis  (schlagen,  stechen,  verwun- 
den etc.)  wohl  auf  ]/  ka,  ki  od.  kä, 
ki  (schärfen,  wetzen,  spitz  und  stechend 
machen  etc.,  cf.  Fick,    I,    54   ii.   da.'ielbst 

40  M«iey  kisdha,  kisdhara,  (stachligt  [bz.  bor- 
stig, rauh,  starrend  etc. ,  wie  der  Bart 
od.  die  Granne  etc. ,  bz.  ein  Igel  etc.],  auch 
toegen  bester)  zurückgehen.  Dass  man  übri- 
gens, sofern  man  den  Zusammenhang  mit  y 

45  V^is,  kas  (stechen,  bz.  verwunden,  ritzen,  rauh 
machen  etc.)  ablehnt,  beim  Vergleich  des 
formell  mit  heis  übereinstimmenden  goth.  hais 
von  der  y  ki  (brennen,  dörren,  bz.  heiss 
ioerden,  dürr,  trocken  u.  durstig  werden,  er- 

50  müden,  ermatten,  erschlaffoi  etc.,  cf.  6  hei 
u.  unter  dörst,  dürsten,  tvomit  die  y  ki,  bz. 
(;i,  am  Boden  liegen,  bz.  Jiinsinken  etc.  auch 
tcohl  identisch  sein  kann)  auch  daran  den- 
ken kann,  dass  heis    od.  heiser    urspr.  blos 

55  die  Bedtg. :  heiss  od.  trocken,  dürr  etc.  hatte, 
zumal  man  bei  der  Heiserkeit  (als  aus  Er- 
kältung [od.  eigentlich  aus  Verhitzung,  bz. 
dass  man  vorher  heiss  ivar]  entspringend) 
nicht  allei)i  oft  fieberhaft  u.  heiss  ist,    son- 

GO  dem    auch    an     Trockenheit    u.    Dürre    im 


ttESEL 


79 


HET-BREISK  HETBREUSK 


Halse  leidet  u.  hierdurch  auch  die  Stimme 
nicht  allein  matt,  sondern  auch  heiser  u. 
rauh  klingt. 

Zum  Schluss  sei  noch  bemerlt,  dass  M. 
Heyne  (cf.  Grimm,  Wb.,  unter  heisch 
=  heiser,  rauh  von  Stimme)  an  eine  Ver- 
wandtschaft mit  skr.  kesara  (Mähne,  Haar), 
lat.  caesaries  (als  das  rauhe  od.  starrende 
etc.)  denkt,  was  von  Fick  (I,  51)  mit  skr. 
ke^a,  kesa ;  lit.  kasä  (Haar) ;  lit.  kasa  etc. 
(cf.  unter  1  här  ain  Schlüsse)  zu  einer  Ab- 
lautform kis  der  y  kas  (kratzen,  stechen, 
jucken  etc.)  gestellt  wird,  ivährend  er  zu  y 
käs  (husten)  bemerkt,  dass  solche  auch  viel- 
leicht mit  kas  (kratzen)  zusammenhängen  mag. 

Hesel,  weitläufig  gebautes  Kirchdorf  im 
Stickhaiiser  -  Amt  an  der  Poststrasse  von 
Aurich  nach  Leer,  bz.  nach  Oldenburg,  be- 
züglich dessen  nach  Kern  u.  Willms  (cf. 
pag.  7)  der  Volksmund  singt:  wet  ji  wol, 
war  Hesel  ligt?  —  Hesel  ligd  ia  't  runde; 
—  Hesel  is  dat  supers  loog,  dar  siipt  dat 
folk  as  hunde.  Es  ist  tvahrscheinl.  iden- 
tisch mit  dem  in  der  Urkunde  von  988  (cf. 
ostfries.  Urk.-Buch  von  Dr.  Fr ie dl a en- 
der Nr.  3)  zusammen  mit  Ripesholt 
(jetzt  Reepsholt)  genannten  H a s a  1  i u g e, 
sowie  entweder  mit  dem  in  der  Urkunde  48 
genannten  H  a  r  s  1  a  od.  H  a  s  s  e  1 1,  od.  mit 
dem  daselbst  genannten  Holse,  sowie  zweifel- 
los mit  dem  in  dem  Werdener  Heberegister 
(Index  bonorum  etc.  monast.  Werdensis,  von 
Dr.  Crecelius)  öfter  genannten  Hasla, 
zumal  pag.  22  neben  Hasla  auch  Tim- 
b  e  r  1  a  e  (Timmel) ,  H  o  1  a  ii  1  a  e  (Hollen) 
M.  Filii sni  (Filsum)  etc.  genannt  wird, 
tvobei  wegen  der  Form  Holse,  bz.  Hosle 
statt  H  a  s  1  e  auch  auf  das  in  der  Urkunde 
No.  48  von  1319  mit  dein  jetzigen  Jem- 
gum  identischen  Gommegum,  bz.  Gemme- 
gum,  Jeminghem  veriviesen  tvird ,  icas 
im  Werdener  Heberegister  als  Giminghem 
(cf.  pag.  22,  wo  auch  G  e  r  z  h  e  m  [J  a  r- 
sum],  Borzhem  [Borsum]  ?<.  Petting- 
hem  [Petkum,  od.  Petjum,  Petjem] 
enoühnt  werden)  vorkömmt. 

Hester,  weibl.  Name  =  Esther. 

hester;  i.  q.  2  heister. 

hester,  bester,  heister,  ein  junger  Baum 
od.  Strauch,  Baum-Pflänzling.  —  Nd.  hee- 
ster,  eester,  heister  (Strauch;  auch  Pflänz- 
ling von  Eichen  u.  Buchen) ;  mnld.  eester, 
ester,  heester,  hester  (frutex,  talea,  arbuscu- 
lum);  mfläm.  eester,  ester,  heester  (Schoss, 
Schössling,  Pflänzling)  u.  eester,  heester 
(Obstgarten,  poraarium) ;  nd.  (Br.  Wb.) 
hester;  mnd.  heister,  hester;  mhd.  heister 
(junger  Eichen-  od.  Buchenbaum;  Knüt- 
tel); Hess.  (Vilmar)  heister  (junger  Wald- 
baum, namentlich  jedoch  nur  Buche).  Fick 


(J,  54)  vergleicht  es  zu  zend.  (jizhdra,  c/\zh- 
dara  (stachlig,  Stachel  tragend);  griech. 
kl'sthos,  kfstharos,  bz.  ki'stos  (straucharti- 
ges Gewächs  mit  rosenrothen  Blüthen,  Cist- 
5  röschen,  Pflanze  mit  Stacheln  besetzt,  lat. 
cistt.ios,  Staude),  als  Verwandte  von  kis,  lj:as 
(schlagen,  stechen,  bohren  etc).  Dass  übri- 
gens das  griech.  kis,  kios  (Kornwurm,  Holz- 
wurm, als  stechende,  bohrende  ITiiere),  wenn 

10  nicht  direct  mit  der  y  kis  (stechen),  so  doch 
wie  diese  mit  ka,  ki  (schärfen,  cf.  unter 
hes) ,  zusammenhängt,  scheint  wohl  fast 
sicher,  doch  ist  es  auch  möglich,  dass  es  zur 
y  kslii  (vernichten,  verderben,   zu   Grunde 

15  richten  etc.)  gehört,  weil  diese  Thiere  Korn 
u.  Holz   vernichten   u.    verderben.      Wegen 
ka,  ki    (schärfest,  wetzen)   sei  übrigens  noch 
bemerkt,  dass  dies  durch  Reiben  od.  Strei- 
chen (über  Etwas  hin)  geschieht  u.  da  nun 

20  schaben  od.  reiben  synonym  ist,   so  ist 

ka,     ki    auch   von  ska,    ski,    erweitert  skäv 

(cf.    Schafen),  bz.  ska,  sku    (cf.  Fick,    I, 

236)  nicht  zu  trennen,   wie  auch  skr.  kshi 

=  ski  (cf.  Fick,  I,  236)  ist. 

25  hesterig,  hestei'g,  hestrig,  heiser.  —  Nid. 
hecsterig.     Zu  hes. 

hesterigheid,   hestergheid,  hestrigheid, 
Heiserkeit. 
bet,  s.  hed. 

30  bet,  et,  gewöhnlich  't,  es.  —  Nid.  het; 
afries.  hit.     Neutr.  von  he  =  afries    hit. 

bet  (flect.  heter,  hetstej,  heiss,  sehr  warm, 
brennend,  erhitzt,  hitzig,  leidenschaftlich,  bz. 
entbrannt  auf,    od.    leidenscliaftlich  worauf 

35  versessen,  heftig,  stark  etc.  —  de  sünne  schiud 
so  het;  —  dat  is  'n  heten  dag;  —  ik  büa 
so  het ;  —  dat  hei  is  het  (heiss,  erhitzt  etc.) ; 
—  dat  äten  is  nog  to  het;  —  'u  het  fer- 
laugen  hebbon  wärnä;    —    he    is  d'r  so  het 

40  up,  z.  B.  up  de  besit  fan  dat  wicht  od.  dat 
hüs  etc. ;  —  'n  heton  stri J  striden ;  —  'u 
hetern  (heftigere)  kolde  as  fan  dage  hebbeu 
wi  nog  net  had.  —  Sprichw. :  he  blast  liet 
un  koid  üt  enen  niuud ;  —  d'r  is  giii  für  so 

45  het,  of  't  water  kan  't  ütdön.  —  Afries., 
rdd.,  nd.,  as.  het;  m)id.  het  u.  höt,  hoit; 
ags.  hat;  engl,  hot;  an.  heitr;  norw.  heit; 
schwed.  het;  dän.  hed  u.  heed ;  ahd.,  mhd. 
heiz.     Die  dafür  anzusetzende  germ.  y  hit 

50  ist    in     derselben    Weise    von    hi    =    idg. 

ki  od.  ki,  ski,   skr.    ei    (der   y   von   6  hei) 

weitergebildet,   wie  skr.  cit   (scheinen,    er- 

scheifien ,    sichtbar   werden ,    erglänzen  etc., 

bz.  blicken,    sehen  etc. ,    cf.  Gr assman  n) 

55  von  ci,  bz.  ki,  ski,  od.  skid,  skad  (cf.  helen 
am  Schlüsse)  von  ska,  ski. 

bet-breisk,  betbreusk,  heissgährig,  heiss- 
brühig,  bz.  durch  innerliche  Gährung  (cf. 
breien,  breucn  ti.  breierig  etc.)  heiss  od.  er- 

60  hitzt. 


HET-DRULE  HITDRULE 


80 


HETTE  HITTE 


het-drulp,  hitdrule,  Hitzbeule,  Hitzblatter. 

lieteu.  hcisstii,  rufen,  nennen,  benennen, 
Namen  geben ;  (jerufen  od.  genannt  iccr- 
den ;  sagen,  befehlen ;  \w  bed  hiim  'n  scliö- 
jer  heteu ;  —  he  heil  sin  kind  Peter  heten; 

—  he  hetd  sük  Jan;  —  lie  het  Peter;  — 
dat  het  sük  (heisst  od.  nennt  sich,  hz.  kann 
genannt  werden)  iusen  'ii  niüjeii  dag  t'aii  dage; 

—  dat  liet  sük,  wen  'k  wil;  —  he  hed  im  't 
legen  beten  (a.  er  hat  mir  gesagt,  da-'^s  ich 
löge;  —  b.  er  hat  mir  gesagt  od.  befohlen, 
da.-<s  ich  lügen  solle)  ;  —  wel  bed  di  dat  lie- 
ten,  dat  du  dat  dOa  dürst,  od.  dat  du  drü- 
ben gän  schult?  —  ik  beb'  dt  dat  net  be- 
ten ;  —  be  beide  (betede)  buni  (er  hiess 
ihm,  rief  ihm  zu,  sagte  od.  befahl  ihm)  an 
sin  wark  to  gän.  cf.  ferbeten.  —  Africs. 
heta;  wang.  (Ehrentraut,  I,  37)  bait ; 
satl.  heta;  tcfries.  hielten;  nfries.  biete; 
nid.,  nd.  beleu ;  as.  betau ;  ags.  batan  ;  an. 
heita;  norw.  heita;  schwed.  heta;  goth.  bai- 
tan ;  ahd.  heizan,  baizsan,  beizen ;  mhd.  bei- 
zen; amd.  beitan.  Auch  hiefür  ist  eine 
germ  y  bit  anzusetzen,  die  wie  die  y  hit 
von  bei  wohl  auch  aus  bi  =  idg.  ki  od. 
ki,  ski  erweitert  sein  wird  u.  eine  idg.  Form 

kid  od.  kid,  skid  voraussetzt.  Erwägt  man 
tiun  aber,  dass  alle  ^V'örter  mit  der  Bedtg.: 
rufen,  od.  sprechen  etc.  auch  Schallwurzeln, 
bz.  Wurzeln  mit  der  Bedtg. :  rauschen  ,  tö- 
nen, einen  Schall  verursachen  od.  hören 
lassen  etc.  zurückgehen,  sowie  dass  dieser 
Schall  durch:  hauen,  schlagen,  spalten,  reis- 
seii,  bersten,  brechen  etc.,  od.  wie:  knistern, 
prasseln  u.  sonstige  Töne  (man  vergl.  nur 
das  Singen  vom  Theewasser,  bz.  das  Tönen 
u.  Bauschen  einer  Gasflamme  n.  die  un- 
mittelbare Verwandtschaft  der  Wörter:  fra- 
gor  u.  frango  ;  —  an.  braka,  pra,sseln,  kra- 
chen etc.  u.  brika,  brechen,  reisseii  etc.,  — 
brestr,  Gekrach  etc.  u.  bresta,  bersten,  reis- 
sen,  spalten  etc.,  —  ahd.  sing;in,  singen,  tö- 
nen, klingen,  auswendig  sagen ,  hersagen, 
einen  singenden  knisternilen  Ton  verarsaclien 
etc.  u.  san^jan,  seugan,  tnadien  dass  etwas 
singt  od.  knistert,  Brand  stiften,  sengen  etc., 
sowie  auch  die  verschiedenen  M'arzeln  ghar 
H.  gar  mit  ihren   Ablautformen  ghir    u.  gir, 

—  gbur  !/.  gur  elc.  unter  galui,  gold  u. 
gar)  auch  durch  brennen  u.  flammen  etc. 
entsteht,  so  glaube  ich  nicht  fehl  zu  gehen, 
wenn  ich  eine  nahe  Beziehung  zwischen  die- 
ser germ.  y  hit  m.  de)i  idg.  Wurzeln  skad, 
skid  (reissen,  springen,  spalten,  brechen, 
beissen,  kauen  etc.),  bz.  deren  Grdformen 
Bka,  ski  (die  hauptsächlich  im  Germanischen 
.■<o  stark  im  Anlaut  vertreten  sind,  tcährcnd 
sie  im  Sanskr.  u.  Zend.  sehr  häufig  das  an- 
lautende „s"  abwerfen  od.  sonst  modificirt 
sind)  annehme   u.    eben  glaube,   dass    aus: 


schlagen  ,  spalten ,  brechen ,  bersten ,  reissen 
etc.  sich  die  Bedtg. :  Geräusch  machen,  od. 
rauschoi,  tönen,  schallen  etc.  u.  hieraus  ne- 
ben:  sengen,  brennen  etc.  ivicdcr  die  von: 
5  schreien,  rufen  etc.  entwickelt  hat  u.  icobci 
ich  zur  Prüfung  dieser  Ansicht  eine  T't?/- 
gleichung  der  vielen  von  einer  Basis  ska 
ausgehende  Themata  bei  Fick  (I,  230  bis 
244)  empfehlen  möchte,    wozu    zunächst   er- 

10  wähnt  sei ,  dass  er  pag.  241  vo)t  der  Basis 
ska,  ein  'Thema  skad,  skand  nicht  allein  für 
lat.  candere  etc.,  sondern  auch  für  an.  lieitr, 
bz.  unser  het  aufstellt,  wofür  dieses  indessen 
formell  nicht  2)asst,  weil  het  ebenso  wie  he- 

15  ten  ein  Thema  kid  od.  skid  voraussetzt. 

hetje,  kleine  od.  kurze  Weile,  Weilchen, 
kurze  Zeit  der  Buhe  od.  des  Aufenthalts, 
kleine  Pause,  Augenblick,  kurze  Unter- 
brechung in  der  Zeit,  Zeit- Intervall  etc.  — 

20  't  is  all  (stets,  immer)  um  't  hetje,  dat  be  iu- 
sen iifen  bi  ml  inkikd ;  —  't  is  upstüuds  rein 
dül,  dat  't  all  um  't  hetje  brand.  —  Nid. 
(provinz.,  z.  B.  in  Groningen  u.  Gelder- 
land) hetje,  bot  je.      Es   ist  ein  Dimin.  von 

25  einem  obs.  bet,  wie  setje  (kleine  Weile)  von 
Set  (Weile  etc.).  Wie  nun  aber  Weile 
(als  Zeitlang  od.  Dauer  der  Zeit  nach)  = 
Ruhe- Zustand  (von  io  eilen,  od.  bleiben 
u.  ruhen  xvo)  ist,    od.  ein  Etwas,  bz.  einen 

30  Zustand  bezeichnet ,  tco  die  Zeit  weilt  u. 
ruht  u.  dasselbe  Wort  ist  wie  an.  bviia 
(Buhestätte,  Lager,  Bett,  od.  Weil-  u.  Buhe- 
Stelle),  ferner  unser  set  (als  Weile,  od. 
Zeitdauer    etc.)     auch    mit    an.    setr    (Sitz, 

35  Aufenthalt,  Verweilung  wo,  Niederlassu)ig, 
Untergang,  od.  Zustand  ivo  sich  Etwas  )iie- 
derliLsst  u.  setzt,  bz.  zur  Buhe  brgicbt)  u. 
auch  in  fast  allen  sonstigen  Bedtgn.  mit  dem 
engl,  set  stimmt,    bz.  auch    mit    nhd.    Satz 

40  identisch  ist,  so  glaube  ich,  dass  der  Stamm 
bet,  bot  (von  hetje,  botje)  aus  ülterm  bat 
od.  bat  (cf.  set  =  Satz;  —  bed  =  bad, 
bat;  —  of  =  af  etc.  ?<.  Weiteres  unter  bot) 
entstand    u.   dass    dieses    eben    die    Bedtg.: 

45  Weile,  od,  Zeit  u.  Zustand  wo  etwas  ruht 
etc.  hatte.  Vergleicht  man  nun  das  an. 
hätta  (ordnen,  einrichten,  bestellen,  bz.  stel- 
len, setzen,  zusammensetzen,  schichten,  legen, 
auf  einander  legen,  Lage  u.  Srhicht  machen  ; 

50  Schicht-  od.  Buhezeit,  Pause  etc.  [cf.  scboft 
etc.]  machen,    sich    zur  Buhe    begeben ,    bz.       i 
Lage  od.  Sitz,  Niederlassung  [cf.  oben  set, 
bz.  an.  setr]  nehmen,  od.  machen),  so  könnte 
unser   hetje   als  Zeit    od.  Zustand   wo    Et- 

55  was  tveilt  u.  ruht,  bz.  Pause  od.  Schicht 
macht  etc.  wohl  damit  conne.c  sein.  cf.  un- 
ter bot. 

bette,  bitte,  Hitze.  —  J/ri&s.  bete,  bette ; 
wfries.  liiette;  nfries.  biet;   satl.  hatte;  nid. 

GO  bette,  bitte;    mnld.  beyte,    bitte;    nd.,  mnd. 


HEÜ  HOl 


81 


HIGEN 


hette,  bitte;  as.  het;  ags.  hat;  engl,  heat; 
alt.  liiti;  scJnocd.  lieta,  lietta;  noi'iv.  hite  u. 
auch  Iiote,  lieta,  liaota,  liaata,  liottaa;  däii. 
hode;  ahd.  hoizi,  liaizi,  liaizo  it.  liizzöa,  liizza, 
hitza,  liiza;  vihd.  h'v/.ze,  liitze.  Die  Form ot 
gehören  theils  zu  höt,  theils  sind  sie  wohl 
direct  von  der  für  het  uufgestcUten  germ. 
y  hit  mit  ,,a"  ivcitergebildet. 

heu,  hoi,  hei,  hai,  Heu.  Spridnv.  beim 
Regemvetter  tcährend  der  Heu-Ernte:  fer- 
darft  dat  hou,  den  wast  de  kul.  —  Africs. 
ha,  hai,  he;  ivang.,  satl.  hö;  nfrics.  hau; 
wfries.  hae,  hea;  nltl.  \\ooi:,  ninld.  hoy,  hoiiw, 
houwe,  liauw ;  nd.  (D  ähncrt ,  Br.  Wh. 
etc.)  heuj,  höji",  hüye,  hau;  mnd.  hoi,  hoig, 
houwe,  liaw,  hau;  as.  houwe;  ags.  heg,  liig; 
engl,  hay;  an.  hey;  noriv.  höy;  scliiocd., 
dän.  liö;  ahd.  hawi,  hewi,  houwe,  hau;  mhtl. 
houwe,  höuwe,  howe,  hou,  liöu,  heu;  goth. 
liavi.  Zu  hauen  als  das  Ge-  od.  Abge- 
hauene. 

heu-,  hei-bSn,  Heuhoden. 

heu-,  hei-boi'g,  ein  Äljdach  zum  Bergen 
des  Heus. 

heu-,  hei-hülte,  Heuhaufen. 

heuel-,  heiel-tid,  Heuzeit,  Heuerntezeit. 
—  Afries.  hätid. 

heuen,  heien,  Heu  machen,  bz.  das  ge- 
schnittene Gras  in  der  betr.  Weise  bear- 
beiten, damit  es  trocknet  u.  zu  Heu  wird. 
Auch  subst. :  't  was  in  't  heuen,  es  tvar  in 
der  Heumache-  od.  Heuernte-Zeit. 

liea-,  liei-krodde,  Grassamen,  od.  eigent- 
lich die  krodde  (s.  d.)  vom  Heu. 

hib,  od.  richtiger  hipe,  hip,  grosses  star- 
kes Gartenmesser  mit  gekrümmter  Spitze, 
welches  namentlich  zum  Ausputzen  u.  Be- 
schneiden der  Bäume  u.  Gesträuche  ge- 
braucht ivird.  —  Nid.  (Weiland)  heej) ; 
mnld.  heepe  (falx  arhorea,  —  putatoria,  sil- 
vatica) ;  mnd.  hepc,  hep,  heppe,  heipe,  hiepe ; 
ahd.  liappä,  heppa,  habbä ;  vihd.  hepe ;  nhd. 
Hippe  u.  mdartl.  häpe,  hepe,  heppe,  hep- 
perl,  heben  (Sichel,  krummes  Gartenmesser, 
krummes  Handbeil).  Davon  (Diez,  II, 
329) :  franz.  happe  (Halbkreis  von  Eisen, 
Krampe),  liapper  (greifen,  packen  etc.),  welch 
Letzteres  jedoch  loahrscheinlicher  aus  liap- 
pen  hervorging  u.  dann  von  happe  zu  schei- 
den ist.  Dass  übrigens  ahd.  happä  als 
Schneide-  Werkzeug  mit  kappen  zu  der  y  kap 
od.  skap  (hauen,  schneiden  etc.,  cf.  Fick, 
I,  2-38)  gehört,  ist  ivohl  ztveifellos. 

hibbel,  auch  hipsel,  alberne,  närrische, 
läppische  Person ;  —  't  is  'n  hibbel  (od.  hip- 
sel) fan  'u  wicht ;  —  so  'n  hibbel  (od.  hip- 
sel) as  dat  wicht,  heb'  'k  min  läfond  nog  net 
sen;  —  du  malle  hibbel,  od.  hipsel  (du  Thö- 
rin,  du  alberne  ditmme  Gans).  —  cf.  nd. 
(Br.  Wb.)  Hibbel  (als  Frauenname  ti,.  auch 

Doornkaat  Koolman.    Wörterbuch.    II. 


als  Schimpfname  in  der  Bedtg.  Thor  in, 
od.  alberne  tändelnde  Person) ;  mnd.  Ilehel, 
bz.  liebele,  ivus  wohl  ein  Dimin.  von  liebe 
(cf.  Ilcbe  etc.)  ist  u.  als  solches  leicht  iit 
5  den  Begriff  des  Kleinlichen  u.  Tänilelnden, 
bz.  einer  tändelnden  u.  albernen  Person 
übergehen  konnte.  Vergleicht  man  indessen 
weiter  nd.  (Br.  Wb.)  hevein,  hebeln  (tän- 
deln,  in  Kleinigkeiten  genau   sein  u.  Alles 

10  pedantisch  od.  tvie  ein  Hypochonder  behan- 
deln, soivie  weiter  nd.  (Br.  Wb.)  hibberu, 
od.  hibbeln  (Kleinigkeiten  tadeln,  immer 
Etivas  zu  erinnern  haben ,  wofür  tvir  den 
Ausdruck  „hik-hakken"  gebrauchen),  hibbe- 

15  rer,  hilibertaske  etc.  u.  weiter  bei  Schütze 
hcebeln  etc.,  sowie  bei  ihm  u.  Dähne rt 
auch  hibbeln  u.  dazu  wieder  unser  hipsel, 
so  scheint  es  mir,  dass  sich  diese  Wörter 
einestheils  mit  dem  Zeitwort  heften,  bz.  nd. 

20  heven  (heben,  sich  erheben  u.  aufspringen)  u. 
andererseits  auch  mit  nd.  (Br.  Wb.)  hippen 
(Jiüjjfen,  micare,  saltare  etc.,  cf.  die  Ablaut- 
form: hupsen,  hopsen,  bz.  unser  huppeln, 
huppel    u.    nhd.    Hopser   etc.)    vermischt 

25  haben. 

Hibbo,  Hibbe,    ml.  Name.     Geschln.  Hib- 
ben.     cf.  För Stern a n n ,  pag.  660. 
Hidde,  s.  Hiddo. 
hidde,  s.  hide. 

30  hidden;  i.  q.  hak-hörn  od.  hak-horntje  = 
Fersen-Horn  etc.,  d.  h.  ein  aus  Hörn  ge- 
fertigtes Geräth ,  tvelches  man  hinter  die 
Ferse  in  den  Schuh  steckt  u.  hält,  damit 
die  Ferse  od.  Hacke  daran   niedergleitet  u. 

35  man  auf  diese  Weise  leichter  mit  dem  Fuss 
in  den  Schith  hineingelaiigt.  —  hidden  steht 
toohl  für  hidden-i,  od.  hidden-ding  etc.,  da 
es  für  die  hidden  od.  Fersen  (cf.  hide 
etc.)  bestimmt  ist. 

40  Hiddo,  Hidde,  ml.  Name;  Geschln.  Hid- 
den. cf.  Heddo  u.  bei  För  st  e  mann  den 
Stamm  H  i  d. 

liide,  od.  hide,  hidde,  Ferse;  —  en  up  de 
hidden  sitten,    Jemanden   verfolgen.   —    Ob 

45  dieses  sonst  überall  fehlende  Wort  aus  hilde 
u.  ilieses  mit  eingeschobenem,  „d"  aus  hile 
entstand? 

lügen,  liörbar  u.  schwer  athmen,  keuchen 
etc. ;  —  he  htgd  un  püst  fan  nod.  —  Nid.  hij- 

50  gen  (keuchen,  schnauben  etc.) ;  mnld.  hijghen 
(anhclare,  hippacare,  aniraam  celeriter  du- 
cere) ;  nd.  (Schambach)  hieben  u.  hiche- 
pachen,  cf.  hachpachen ;  mnd.  hieben,  higeu ; 
nhd.  heicken.     Zunächst  sei  erivähnt,    dass 

55  heichen  (cf.  Grimm,  Wb.  IV,  795)  mit 
heuchen  u.  hauchen,  sowie  auch  mit  keicheu, 
keuchen,  hauchen,  mhd.  kCichen  (cf.  küchen) 
von  Hause  aus  für  identisch  erklärt  ivird 
u.    dass   Diez   (II,    334)   das    afranz.  hie 

60  (Gewalt,    Nachdruck)    von   nid.    hijgen    (s. 


IHK 


82 


HILDE  HILLE 


unter  liejou)    u.    dieses  mit  ags.  lüge,    hyge 
(Eifer);  enijl.  hie  [eilen  etc.)  von  einem  mit 
tinserm  higon    identischen    Vom.    higim    ab- 
leitet, rcelches    im  a/;s.  jedoch  nicJit  existirt. 
Zunächst  sei  nun  aher   crwälmt ,    dass   alle     5 
diese  Wörter  wohl  auf  eine  onomatopöische 
Schaltwurcel  zuriirkfjehen  u.  dass  allen  obi- 
gen  Verben  ein  (rrdvbm.  liigaii,  hag.  luiguu, 
bz.  hichan,    hach  etc.    —    n.  kichaii,    kach, 
kuchun    zu   Grunde    liegen    muss,    da    sich  10 
hieraus  nur  allein  neboi  h  eich  en  u.  hau- 
chen etc.,  bz.  k eichen  u.  keuchen  etc. 
auch    unser   hach    in   hachpacheu  u.  icang. 
haclije  (keuchen),  sowie  das  formell  von  lü- 
gen nicht  zu  trennende  hugon    u.  hügcn  er-   15 
klären  las.'ien.      Sodann    sei    erwähnt,    dass 
tat.  aninuis  u.  goth.  anaii  (athmen,  hauchen) 
etc.  mit  skr.  an,  anati   (athmen,  weiten,  bla- 
sen; schnappen,  lechzen  etc.)  auf  die  Schall- 
wurzel  a,  an  (die  nur  ein  unbestimmtes  Ge-  20 
rausch ,  bz.  ein  Rauschen ,  Säuseln  etc.  od. 
einen  Hauchlaut   etc.    nachahmt)    zurückge- 
hen   u.    dass   sich   hieraus   also   auch  nicht 
allein  die   formelle,   sondern   auch    die   be- 
griffliche  Verwandtschaft   von  ags.  lüge  od.  25 
hyge;  as.  hiigi ;  africs.  hei   (mens,  aninüis) ; 
as.  huggjan  ;  ags.  hicgan,  hycgan;  goth.  hug- 
jan  (denken  etc.),  bz.  unserm  hugen  (denken 
an,  si)tnen  auf,  trachten  u.  verlangen  nach) 
«.  hSgen  (denken,  gedenken,    sich  erinnern,  30 
sich  freuen  etc.)  mit  higen  «.  nhd.  h eichen 
u.  hauchen  ergiebt.     Da  )iu)i  aber  einer- 
seits k  eiche  n,  keuche  n ,  k  a  u  c  h  e  n  (cf. 
küchen)    u.  andererseits    auch    mnd.  gichen 
(cf.  mnd.  gischen  u.    hischen  etc.    bei   Seh.  35 
M.  L.    u.  daselb.st   unter  hieben  etc. ,   sowie 
bei  mir    unter  gigel)    nicht   .von    higen,    bz. 
highen,  lüchen  zu  trennen  sind,  ferner  auch 
Fick  die   Wörter  Hohn  u.  höhnen  (cf. 
hon)  mit  lat.  cachinnus  etc.    u.   griech.  kag-  40 
cha3    (Lacher)    etc. ,    bz.    skr.    kakk,    kakh, 
kakkhati  (lachen)   zu   einer  y  kak  (lachen) 
stellt  u.  diese   auch  wieder  unserm   g'ichcln 
u.  nhd.  kichern    etc.,   sowie   zweifelsohne 
auch  dem  mnd.  higen,  heigen   (höhnen,  zum  45 
Besten    haben,    auslachen  etc.)    zu    Grunde 
liegt,  ferner  dazu  auch  ivieder  unser  schak- 
kern   (laut  lachen)   m.   nhd.  schäkern  be- 
grifflich u.  lautlich  sehr  nahe  stimmen,    so 
glaube  ich,  dfiss  man  allen   diesen   Wörtern  50 
eine   idg.    Schallwurzel   skak    (gekürzt    aus 
skaka,    als    eine  Hettuplicatio)i    von  ska,    .n". 
unter  beten)  zu  (rrundc  legen  muss,  aus  der 
sich  beim    Vergleich  der  von  Fick  unter  1 
u.  2  skak   (T,   :.'30  seq.)   aufgeführten  For-  55 
men  auch   die   obigen    Wörter   sowoJtl  for- 
mell als  begrifflich  ableiten  lassen. 

Ink.     Ahlaufforin  von    1  hak  u.  sgnani/m 
mit  liik,  pik,  tik,  kik  etc. 

Ink-liak,    Zänker,   streitsüchtiger  Mensch  OO 


der  auf  Jeden  einhackt.  —  Mit  gehikbak 
(Gehackc,  Gezanke  etc.)  u.  nd.  (Dähne  rt) 
iükkhakk  (gemeines  Volk,  Gesindel)  etc.  zu 
bakken  etc. 

hik-hakken,  wiederholt  od.  andauernd 
hacken,  beisscn,  hauen  etc.;  fig.  mit  schar- 
fen Worten  streiten,  zanken,  keifen;  se  bik- 
kakUen  up  'nauder  lös,  as  'n  pär  bäntjes; 
—  wat  bell'  ji  alticl  mit  'nander  to  bikhak- 
ken.  —  Nd.  (Dann  eil)  bickhackcii.  cf. 
bikkrn,  kikken,  kikkakken  etc. 

hik-liakkere,  wiederholtes  od.  anhallendes 
Gehacke  u.  Gezanke  etc. 

lükkon,  mit  einem  scharfen  od.  spitzen 
Etwas  auf  ein  anderes  Etwas  stossen  u. 
schlagen,  bz.  überhaujjt:  hacken,  hauen, 
schlagen,  .ttossen,  aufstossen  etc.,  od.  auch 
als  Ablautform  von  bakken  m.  als  lautmalen- 
des Wort  durch  einen  Stoss  etc.  einen  kick- 
senden 'Ton  hervorbringen,  in  welchem  an- 
slcdt  des  Vocals  „a"  der  Laut  ,,i"  hörbar 
tcird.  wie  in  bikken,  pikkeii,  tikken,  kikken, 
kinkon  etc.,  iceshalb  denn  hikkcn  auch  als 
lautmalendes  Wort  das  stossweise  erfolgende 
Schluchzen  bezeichnet,  wofür  wir  sonst  die 
Wörter:  snikken,  siükkera,  snükkern  od. 
snukkorn,  snukup  (cf.  nid.  bik,  mnld.  hick 
[siiigultus,  convul.-io  ventriculi]  =  [D  i e  z, 
II,  335],  afranz.  hoquet;  wall,  bikett;  bret. 
hak,  hik ;  engl,  hiccoiigb,  bickup  etc.  u.  nid. 
bikken,  mnld.  hicken,  hicksen  [singultire] 
etc.)  gebrauchen.  Daher:  bikken  -  bikken- 
sündag  (der  zweite  Ostertag ,  wo  die  Kna- 
ben  mit  den  Eiern  bikken  od.  Einer  auf 
das  Ei  eines  Andern  pickt  u.  schlägt ,  um 
es  kaput  zu  schlagen);  —  't  is  up  't  bikken 
(es  ist  aufs  Schlagen,  od.  Stossen  etc.,  bz. 
so,  od.  soioeit,  dass  der  Schlag  od.  Stoss  etc. 
erfolgt),  welche  Redensart  dann  aber  zveiter 
in  der  Bedtg.:  es  ist  uinniltelbar  bevorste- 
hend etc.,  od.  in  der  von:  es  ist  gleich  mit 
der  Geduld  zu  Ende,  od.  soweit ,  dass  ich 
gleich  dreinschlage  etc.,  gebraucht  wird,  ivie 
z.  B.  't  is  up  't  bikken,  dat  br  kamd,  od. 
dat  't  sleid,  —  dat  de  dönner  sük  hören 
lett  etc. ;  — •  't  was  up  't  bikken,  dat  ik  hum 
hl  de  ören  kreg,  od.  hum  eii  up  de  kop  gä- 
icn  harr'  etc. ;  —  ik  heb'  di  je  segd,  dat  't 
up  't  bikken  was  un  dat  du  nu  prügel  kregst, 
wen  du  't  wer  di'-st  de.  —  Xd.  (Dähnert, 
Br.  Wb.  etc.)  bikken;  mnd.  lückon  (mit  dem 
Schnabel  hacken,  auf  Jemanden  loshacken, 
ihn  scharf  tadeln  etc.)  ;  nid.  bikken  ;  mnld. 
bickeii,  hicksen  (singultire  etc.),  s.  oben.  Die 
y  ist  übrigens  dieselbe  wie  von  bakken  «. 
auch  wohl  identisch  (nämlich  kak  od.  skak 
etc.)  mit  der  von  kikken,  kinken  etc. 

lülil.  s-.  2  bikb\ 

1.  lülde,  s.  hille. 

2.  liilde,  hillo,  Iiild,  liill,  froh,  freudig 


HILDE  HILLE 


83 


HILGENHOLT 


erregt,  voller  Freude  etc.;  unruhig,  r/eschäf- 
tig,  eilig  etc. ;  —  he  was  d'r  so  hilde  (froh, 
Isolier  Freude  etc.,  hz.  so  gestimmt,  dass  er 
sich  dessen  freute,  darüber  jubelte  u.  viel 
Lärm  u.  Aufhebens  davon  machte)  mit,  od. 
afer  (z.  B.  mit  der,  od.  über  die  Geburt  eines 
Sohnes)  dat  he  liel  ntH  wuss',  wo  hög  he  wol 
für  freide  springen  schull';  —  he  is  gans 
hild  mit  sin  brtid ;  -  dat  is  so  'u  hill'  wark 
mit  liör  beiden,  dat  se  gewis  nog  insen  man 
un  frö  worden ;  —  he  hed  't  so  hill,  dat  he 
't  hei  net  wagten  kan,  dat  man  mit  hnm 
prötd ;  —  dat  is  fan  dago  'n  hillen  (unruJii- 
ger,  geschäftiger,  od.  heisser,  anstrengender, 
mühevoller,  beschioerlicher)  dag  west ;  —  dat 
is  'n  hill  (beschwerliches,  anstrengendes, 
viele  Arbeit  etc.  erforderndes ,  bz.  nöthiges, 
eiliges)  wark,  wat  he  dar  nnder  de  banden 
hed.  —  Auch  als  Subst. :  he  mäkd  d'r  so  'n 
hilde  (so  viel  Aufhebens  etc.,  od.  drokto, 
Spektakel  etc.)  fan;  —  he  hed  allid  so  'u 
hilde  mit  sin  kinder,  dat  he  't  hei  hast  net 
wagten  kan,  dat  he  anders  wat  deid.  — 
Nfries.,  dithm.  hilde,  liill;  nd.  (Br.  Wb., 
Dähnert  etc.)  hild;  mnd.  hWde,  hiUe  wird 
au  schliesslich  mit :  geschäftig,  eilig,  bz.  eif- 
rig, rasch,  geschäftig  etc.  übersetzt.  Wenn 
man  indessen  zu  den  obigen  u.  im  Br.  Wb. 
etc.  vorkommenden  Redensarten  auch  noch 
einzelne  von  Seh.  u.  L.  angezogene  Be- 
legstellen vergleicht  (z.  B.  also  de  strit  uppe 
dem  hildesten  was  etc. ;  —  de  vor  sick  hefft 
wat  hyldes,  den  süth  nie  hastygen  yagen  etc.), 
so  scheint  doch  sicherlich  diesem  Worte  eine 
andere  Bedtg.  zu  Grunde  zu  liegen,  tooraus 
sich  die  von  geschäftig  etc.  ergab,  od.  dass 
möglicherweise  sich  zwei  urspr.  verschiedene 
Wörter  mit  einander  gemischt  haben,  die 
übrigens  beide  auf  dasselbe  Stammvbm.  zu- 
rüclcgehen.  Ist  es  nun  aber  richtig  (cf.  H. 
Leo,  244)  dass  as.,  ags.  hild;  an.  hildr; 
ahd.  hiltja  (Kampf,  Streit  etc. ,  cf.  dieser- 
halb  ahd.,  as.  winnan,  toben,  lärmen,  schreien, 
heulen;  kämpfen,  streiten,  sich  abmühen  u. 
abarbeiten,  sich  anstrengen  etc.)  zu  liellan 
(tönen,  hallen,  klingen,  rauschen,  bz.  ein  Ge- 
räusch machen ,  unruhig  sein ;  sich  rasch 
bewegen ,  eilen ,  bz.  sich  mühen  u.  anstren- 
gen etc.)  u.  mit  diesem  zur  ]/  hal ,  bz.  kal 
(sonare  etc.,  cf.  halen,  1  hei  u.  1  heller  u. 
tvegen  der  sonstigen  Bedtg n.  auch  galra  etc. 
von  y  ghar)  gehört  (Fick  stellt  es  freilich 
mit  halda,  geneigt  etc.  zu  einer  ]/  hal,  bre- 
<chen,  schlagen  etc.,  ob  indessen  mit  Becht?), 
so  lassen  sich  davon  sowohl  die  Bedtgn.  : 
laut,  jubelnd ,  fröhlich,  heiter ,  froh ,  voller 
Freude  etc. ,  als  auch  die  von :  laut ,  lär- 
mend, unruhig,  geschäftig  etc.,  bz.  eilig  etc. 
für  hilde  ohne  Weiteres  ableiten,  während 
man  andererseits  auch  annehmen  kann,  dass 


ein  Adj.  od.  Adv.  hildi ,  woüi  auch  nicht 
in  der  Bedtg. :  froh,  heiter  etc.  (die  ich  lie- 
ber wie  in  1  heller  direct  von  hellan  ablei- 
ten möchte),  so  doch  in  der  von:  beschwer- 
5  lieh  etc.  od.  laut,  lärmend,  unruhig,  geschäf- 
tig, eilig  etc.  auch  vom  Subst.  hild  (Kampf, 
Streit  etc.)  entstand,  indem  ja  hieraus  auch 
die  Bedtgn. :  mit  Kamptf,  Anstrengung  u. 
Mühe    verbunden,     beschwerlich,     mi'ihsam 

10  etc.  sowohl,  als  auch  die  von:  streitend,  lär- 
mend ,  laut ,  geschäftig  etc.  leicht  hervor- 
gehen konnten. 

liile,  hil,  Ferse  (calx)  etc.   =  2  hakke  u. 
hide;   he  sitt  hum  up  de  hilen  as  de  düfel ; 

15  —  up  de  hilen  lopen  (auf  den  Hacken,  od. 
Absätzen  gehen).  —  Afries.  heia,  heila ;  nfries. 
(Outzen)  häjel,  häjel  (hägel,  heile,  häile) ; 
wang.  (Ehr  e  )i  traut ,  I,  371)  hil;  ags. 
hei;  engl,  heel;    nid.  hiel ;    mnld.  hiele;  an. 

20  haell ;  norw.,  dän.  hael.  Beim  Vergleich 
der  contrahirten  Formen  von  1  hagel  u. 
nagel  etc.  könnte  dieses  Wort  auch  leicht 
ein  Contract.  von  hagal,  liaegal,  bz.  einem 
vom  Thema  hag,    hah   weiter  gebildeten   ha- 

25  gila,  hahila  sein,  wie  denn  Fick  (III,  59) 
es  auch  unter  hanha,  hanhila  zu  hag  (cin- 
gere)  stellt.  Da  indessen  ein  Contract.  aus 
hagila,  hahila,  bz.  hanhila  durchaus  nicht 
erwiesen  ist,  so  könnte  dieses  Wort  bei  dem 

30  dafür  angenommenen  Grdvocal  „a"  auch  mit 
lat.  calx  zur  ]/  kal  (schlagen,  stossen, 
stampfen  etc.,  s.  unter  2  hakke)  gehören, 
wie  auch  H.  Leo  (pag.  43,  Zeile  11)  es  mit 
lit.  kulnis  (Ferse)  u.  calx  zusammenstellt. 

35  hilen,  auf  den  Fersen  od.  Hacken  (hi- 
len, cüs  Hintertheil  des  Fusses)  gehen,  rück- 
über  gehen ;  —  he  hild  (er  geht  auf  den  Fer- 
sen od.  Absätzen  u.  nicht  auf  dem  ganzen 
Ftiss ,   bz.  auf  dem   Vordertheil  desselben); 

40  daher  auch:  nach  hinten  über  hängen  u. 
liegen,  z.  B.  von  Schiffen,  die  mit  dem  Hin- 
tertheil tiefer  liegen ,  cds  mit  dem  Vorder- 
theil ;  —  dat  schip  hild,  od.  hild  agter  afer.  — 
Nid.  hielen  etc.,    cf.  Bobrik,   naut.    Wb. 

45  unter  Hiel,  hielen. 
hilg,  heilig;  s.  hillig. 
liilge  ,    Heilige.      Sprichw. :    Allerhilgen  ! 
stigt  de  winter  up   de    wilgen.    —    cf.  rum- 
melhilgen. 

50      hilge-dag,  hilgdag,  heiliger  Tag;  kirchli- 
cher Feiertag ;  winachten  (od.  karstid),  ostern 
un  pinkstern,    dat    sunt   de  böge  hilgdagen. 
1.  hilgen ,    Plur.    von    hilge.    —    Afries. 
heliga,  s.  bei  v.  B i c h thofen. 

55       2.  hilgen,  s.  hilken. 

Hilgen-hfir,    eine  Ortschaft   in  der  Nähe 
von  Hage  u.  Berum,  s.  unter  Baltrum. 
hilgen-göd,  Heiligen-,   od.  Kirchen-Gut. 
hilgen-holt,    Gehölz  tvas  zum    Unterhcdt 

60  der  kirchlichen  Gebäude  dient. 

6* 


HILGENLAND 


S4 


niLK  HILLIK 


Hilsenland,  Helgdand.  Davon  der  (wohl 
(tltr)  Volk>:iciiii :  't  haiigcl  ia  de  kaut,  as  't 
hik'enland :  —  grün  is  't  laiul ,  röd  is  de 
kant ,  wit  is  't  Strand ;  dat  sunt  de  farfeii 
t'aii  't  lIilj,'tMiland. 

liilptMi-uian.  Kinhenrorstelier.  —  Afries. 
lielgeua-mon ;  </.  bei  r.  Uichthofen  un- 
ter heliga. 

llil^Pii-ridP,  Hils(MU'i(lei'-sil.  Ortschaft 
an  der  Kiistr,  ron  wo  aus  man  bei  der 
Ebbe  :u  Watjen  nach  Xorderne;/  fährt. 
Weiteren  eraehe  unter  IJaltnuu. 

Ililk,  hillik,  eheliche  Verbindung ,  Ver- 
nuihlunij,  Heirath  :  —  wen  he  de  stü'  krigt, 
dar  kau  \u'  'n  bilk  up  d(Mi ;  —  hv  lied  'n 
godeu  liilk  däu.  —  Mofrioi.  (Cad.  Mül- 
ler) liililcke,  liilcke;  nid.  hijlik;  mnld.  hy- 
lick,  hielick;  nd.  hillik;  mnd.  Iiilirh,  hillik; 
hesa.  hileli;  ahd.  liileih;  mhd.  hileioli ,  iea<i 
ein  Compos.  ron  hi,  b.:.  ahd.  hiwi,  higi  (Ehe) 
u.  leili,  leich ;  ndid.  loich  (Spiel,  {lespieltc 
Melodie,  S))iel  zum  Tanz  u.  (resang,  Ge- 
xang)  ^  golh.  laiks  (Tanz);  an.  Icikr  (Spiel, 
UnterhaÜung,  Saitenspiel) ;  vorw.  leik  (Spiel, 
Tanz  etc.);  schwed.  lek;  dän.  leg  (Spiel 
etc.);  ags.  I;"ic  (ludus,  cerfauien,  praeda,  do- 
mim,  sacriticinm,  hostia)  etc.  i.-it  k.  demnach 
urspr.  wörtl. :  Khe-Spiel,  —  Tanz,  —  (resang, 
od.  Ehe-Lustbarkeit,  Ehe-Festlichkeit  (cf. 
horhtid)  etc.  bedeutet.  —  Ahd.  leih ;  goth. 
laiks  etc.  gehört  mit  mhd.  leichen  (aufspjrin- 
gen  etc.;  mit  Jemandem  sein  Spiel  treiben 
etc.) :  goth.  laikau  (springen,  hüpfen,  tanzen, 
frohlocken  etc.) :  ags.  läcan  (springen,  flie- 
gen, schwimmen,  icogen,  flackern) ;  an.  leika 
(ludere)  etc.  nach  Fick  (I,  195  u.  III, 
3.59  seq.)  zu  einer  idg.  y  rig  =  skr.  rej, 
rejati  (hüpfen,  beben,  zittern  etc.;  bz.  [cf. 
G rassmann]  erschüttern,  in  Bewegung  ver- 
setzen, erregen ;  sich  zitternd  bewegen,  sich 
hin  u.  her  od.  auf  u.  nieder  bewegen  etc.) 
u.  stammt  nach  Fick  nhd.  leicht  (cf. 
licht  Oll.  ligt)  auch  von  mhd.  leicheu,  bz. 
goth.  laikan. 

Die  erste  Si/lbe  hi ,  bz.  das  ahd.  hiwi, 
higi  (was  auch  in  Heirath  =  ahd.  Inrät 
fd.  h.  rät,  od.  Zurüstuug  zur  Ehe,  Ehebe- 
reitung etc.,  cf.  rädj  steckt)  betr.,  so  gehört 
dies  zu  ahd.  hiwau,  lii.jan ,  hian ;  )nhd.  hi- 
wen,  hijfn,  hien;  as.  hiwjau  /»  gi-hiwjan 
(hrirathen,  woher  auch  wohl  nid.  hu  wen, 
heirathen  etc.  u.  huwelijk ,  neben  hijlick, 
trotz  Kilian,  der  diese  Wörter  von  hou- 
WPU  =  houden  [halten,  cf.  holdou]  ableitet), 
welches  selbst  wieder  von  einem  'Thema  hiwa 
=  goth.  heiva  (Haus  od.  Wohnung ,  Nie- 
derlassung, Hauswesen,  Hausstand,  bz.  Fa- 
milie etc.)  in  heiva-frauja  (Hausherr,  nd. 
Herr  des  Hauses,  bz.  des  Hausstandes, 
der  Familie   etc.)    mittelst   der  Endung  jan 


(machen  etc.)  tceiter  gebildet  ist  u.  dem- 
)iach  wohl  urspr.  entweder  die  Bedtg.:  ein 
Haus,  eine  Niederlassung  etc.,  bz.  einen 
Hausstand  od.  eine  Familie  machen  u.  grün- 
5  den  etc.  hatte,  od.  wahrscheinlicher  noch  die 
ron:  Gemeinschaft  od.  Hund  maclien  (mit 
Jemandem),  sicli  vergesellschaften  u.  vereini- 
gen od.  zusammenthun,  um  ein  gemeinschaft- 
liches (ranze  od.  eine  Genossenscitaft  u.  Ver- 

10  einigung  (sei  es  einen  Staat,  eine  Gemeinde, 
eine  Familie  od.  eine  Ehe)  zu  bilden,  da 
das  lautlich  mit  civ  in  tat.  civis,  civicus,  civi- 
tas  etc.,  i^owie  mit  civ  in  skr.  (;iva  (s.  un- 
ten sab  h)  stimmende  germ.  hiv  nicht  allein 

15  nach  dem  obigen,  sondern  auch  nach  den 
nachfolgenden  Wörtern  zu  urtheiloi  trohl 
dieselbe  Bedtg.  hat  v:ie  die  J/  bhad,  bhaud 
von  hate,  hateu  etc.  od.  auch  wie  die  germ. 
y  gad  von  gade,    gadeu  u.  güd  etc.      Vergl. 

20  dieserhalb  zundchst: 

a)  ahd.  hiwo,  hio ;  mhd.  hiwe,  hije,  hige, 
hie  (Gatte,  Hausgenosse,  Knecfit) ,  Plur. 
hiün,  hum,  hiweu,  lueu  (Gatten  ,  Mann  u. 
Frau,    weibl.    u.    mxinnliche   Dienstboten  = 

2.'5  Verbundene  od.  Angehörige  etc.);  mnd. 
(Seh.  u.  L.)  hie,  hige,  licie  (Knecht,  Höri- 
ger), higeniau  (Mann,  der  Knecht  od.  Höri- 
ger ist) ;  Plur.  hyeu  (Laien);  ags.  hivan 
(familiäres,  domestici) ;    engl,   hive   (Bicnen- 

30  stock,  Bienenschwarm,  Schwärm,  Gesell- 
schaft), to  hive  (sicJi  zu.'iammen  gesellen,  zu- 
sauDnen  Jtausen  etc.);  afries.  (I  luv.  von  hiu 
od.  hiw,  Inwe)  hiuua,  hiona,  hina  (beide 
Ehegatten;    Gesinde,  Hausgenosse)!)    u.  hi- 

35  gen  in  sinhigen  =  ags.  sinhivan  ;  as.  siiilii- 
wun,  sinhiun  etc.  (conjugcs);  a)L  hjön,  hji'in 
(Eheleute,  Hausleute,  Familie  etc.)  etc.,  so- 
icie  ahd.  hlwä,  hiä;  mhd.  hiwe,  liije,  hige, 
hie;  as.  hiwä  ((rattin):  —  ahd.  hiwiski,  ht- 

40  wisgi,  hiwischi,  higisgi,  hiiske,  hiesce;  amhd. 
hiwiske  (Familie,  Geschlecht,  Hausgesinde, 
Haushaltung) ;  afries.  hiskthe;  nfries.  hiske; 
as.  hiwisci ;  ags.  hivisce;  an.  hyski  (Familie) 
n.  icohl  auch  mnd.    (cf.    Seh.  u.  Ij.    tmter 

45  hie  etc )  higesche,  Plur.  higeschen  (familiae 
inaucipiorum) ;  —  an.  lij'  (od.  hi,  d.  i.  hjü) 
in  hy-vig  (Tödtung  eines  Hausgenossen  od. 
Familiengliedes),  hy-byli  (Hausstand,  Haus- 
wesen, Haus  u.  häusliche  J£inrichtung  etc.) 

50  etc.  ti.  ferner: 

b)  ,s/iT.  civa  (prosper,  fansfus,  secundus; 
Sahst.:  felicitas,  prosperitas;  auch  Name  des 
Gottes  Civa  od.  Siva),  tcoher  skr.  raiva 
(was  Bezug  hat  zu  g  i  v  a ;  ein  Verehrer  voth 

55  ^.  i  v  a) ;  qcvA  (Glück,  Glückseligkeit,  Heil, 
Freude  etc.,  cf.  Ben  feg),  wonach  y  ^ev 
(to  worship)  wohl  ein  Denom.  von  (;eva  ist, 
da  Ben  feg  dies  auch  mit:  Hail,  honiage, 
an    e.xclamation    or    salutation    addressed  to 

no  the  deities  iviedergiebt.     Sodann  vergl. 


HILK  HILLIK 


85 


HILT 


c)  2H  s/iT.  «;iva,  (.eva  (ivas  Fick  mit: 
traut,  freundlich,  fjiitif/  [cf.  god  ron  gaden 
u.  auch  bäte,  baten,  bäler  etc.]  übersetzt) 
noch  zend.  (Justi)  (;evi  (passlich,  dien- 
lich, nützlich  etc.,  cf.  gadelik  u.  dazu  ags. 
sael,  Si\],  se\  [gute,  lassende,  glückliche  Zeit; 
Glück,  Heil,  Wohlsein  etc.],  sei,  sael  [gut, 
tücJitig ,  passeud  etc.]  u.  saelaii  [binden, 
schliessen,  fest  machen,  fesseln],  somie  tihd. 
selig  =  unserm  salig)  -u.  kslac.  sivil  in 
po-sivü  (benignus)  u. 

d)  zu  ahd.  hlwä  (Gattiu)  auch  lett.  sewa 
(Weib). 

Vergleicht  man  nun  aber  wedde  (Wette, 
d.  h.  Vertrag,  Pact  etc.)  von  goth.  vidan 
(binden)  u.  nhd.  Pacht  in  der  Bedtg.: 
Miethe,  Heuer  etc.  aus  pactum  von  pango, 
bz.  y  pag  (binden,  fesseln  etc.) ,  so  scheint 
auch  ags.  hjT  (Heuer,  Pacht,  Miethe  etc., 
cf.  hur)  u.  liyrjan  ;  7nd.  huren  (heuern,  pach- 
ten, miethen  etc.),  bz.  dessen  Thema  hj'ra 
od.  hiu-ra  (cf.  oben  an.  hy  =:  hiu)  dersel- 
ben y  loie  die  oben  erwähnten  Wörter  an- 
zugehören u.  dann  auch  (cf.  Fick,  III,  7G) 
wohl  mit  Recht  das  Thema  hiura,  hiurja  = 
hiw-ra  für: 

e)  an.  h5'rr  (glücklich,  froh,  munter  etc.), 
hyrast  (froh  werden) ;  isl.  hyr  (laetus,  mitis ; 
tepidus),  hyra  (benignitas ;  calor),  liyri  (gra- 
tificare,  Dienste  beweisen,  zu  Willen  sein; 
calefacere,  ivärmen,  od.  behaglich  u.  ange- 
nehm machen  etc.,  cf.  bann  hyriz  vid  th'ad 
^=  60  laetatur ,  od.  det  behaget  hann  over- 
maade  vel),  hj'dega  (benigne),  hyrlegr  (be- 
nignus) etc.  (cf.  dazu  auch  bei  Aasen  norw. 
hyr  1 — 3,  soivie  1  u.  2  hyra,  unter  tcelch 
Letzterem  er  auch  eine  Form  lijura  u.  kjura 
anführt);  ags.  hiore,  heöre,  hyre,  Iure ;  ahd. 
hiuri,  bz.  mhd.  gehiure,  gehiur  (familiaris, 
vertraut,  heimlich,  nicht  nnheimlich,  ge- 
heuer, sicher,  lieblich,  angenehm,  behaglich 
etc.),  mhd.  gehiuren  (behaglich,  glücklich  u. 
selig  etc.,  od.  gelten  er  machen,  beseligen, 
beglücken  etc.);  as.  hiuri  in.  unhiuri  (u7i- 
sicher ,  unheimlich,  unbehaglich,  un-  od. 
nicht  geheuer);  mnd.  (Seh.  u.  L.)  hure 
(lieblich,  angenehm,  froh  etc.)  etc.  von  dersel- 
ben germ.  ]/  hiv  abgeleitet  werden  zu  müssen. 

A7im.  Beim  Vergleich  von  isl.  hyra,  od. 
hj'ri  (gratificare,  bz.  Wohlthaten  n.  Dienste 
beweisen,  zu  Willen  sein,  od.  [Jem.]  die- 
nen etc.)  sei  bemerkt,  dass  wir  hur  sowohl 
in  der  Bedtg.:  Dienst,  als  auch  in  der 
Bedtg. :  Sold,  Miethe,  Pacht  etc.  gebrauchen 
u.  dass  man  dieses  Wort  sonach  cinestheils 
in  der  Bedtg.  „Dienst''''  u.  anderntheils  in 
der  von:  „Grntification"  od.  „Vergütung"  u. 
„Lohn"  für  Dienste  auch  unmittelbar  von 
hyra  ableiten  kann.  —  Ferner  sei  noch  zu 
der  Bedtg.:    warm   u.  Wärme   von   an., 


isl.  hyrr  od.  hyr  u.  hyra  bemerkt,  dass  diese 
wahrscheinl.  aus  der  von:  sicher  etc.,  od.' 
a  )i g  c  n  e h  m  u.  bcliagl i ch  hervorging. 
Hilkc,    u-hl.    Name.       Wald    Dimin.    von 
5  Ililie  od.  Ililla,  Ililda. 

liilken,    liil^pn.    heirathen ,  ehelichen.  — 
Sdtl.  hilkje;    mnd.  hiligen,    hilliken,  büken; 
)dd.  hijlijken;   mhd.  hih'ichen.     Zu  hilk. 
liille,  liilde,  liill',  abgelegener  u.  dunkler, 

10  mit  losen  Brettern  od.  Stangen  belegter 
Baum  über  den  Ställen  unter  dem  sc/iräg 
cd)fallenden  Seitendach  einer  Scheune.  Der- 
selbe tüird  oft  zum  Bergen  der  Futtervor- 
räthe  (Heu  u.  Stroh),  meist  aber  ziem  Auf- 

15  heben  von  augenblicklich  nicht  gebrauchten 
u.  zurückgestellten  Sachen  gebraucht.  Auch 
zieht  sich  das  Gesinde  mitunter  bei  Tage  da- 
hin zurück,  um  daselbst  zu  ruhen  od.  Kurz- 
weil  zu    treiben,    ivoher  die  Redensart:  „'n 

20  dag  up  de  hill'  sitten"  auch  wohl  fig.  einen 
geschäftslosen  u.  verlornen  Tag  bezeichnet. 
—  Nd.  hille,  bilde;  m)id.  bilde,  hille,  beide; 
nfries.  hill ;  nid.  (Geldern)  hild ;  mnld.  (KU.) 
bilde.     Dieses   Wort  gehört  zu  2  bellen,  hel- 

25  den  (eine  schräge,  abschüssige  Fläche  bil- 
den, schräg  ab-  od.  überhängen  etc.)  u.  Jtatte 
urspi'.  die  Bedtg.:  Pferderaufe,  ivegen 
der  schräg  ablaufenden ,  bz.  schräg  über- 
hängenden Riegel  u.  Form.     Weil  nun  aber 

30  die  Raufe  (clathrum)  auch  zugleich  ein 
Futterhehalter  ist  u.  darin  den  Pferden 
Heu  u.  Stroh  u.  Gras  vorgeworfen  ivird, 
so  ging  diese  Bedtg.  weiter  in  die  (cf.  KU.) 
vorc:    pabulatorium,    promptuarium ,    foenile, 

35  bz.  in  die  von:  Aufbeivahrungsort  con  Heu 
u.  Stroh  etc.,  sowie  ferner  (als  Heu-  u. 
Strohlager ;  od.  weil  die  lullen  abgelegen  u. 
dunkel  sind)  in  die  von:  dormitorium  über, 
cf.  auch  (Aasen)  norw.  hjell. 

40      llillertl,  Ilillei'k,  s.  Hillrich. 
liillig,  s.  bilg  u.  heilig. 
hillik,  s.  hilk. 

liilliks  -  lorwärden ,    Heiraths  -  Cautelen, 
Ehepacten  etc.,    cf.   förwärde.    —    Nid.  bu- 

45  welijks-voorwaarden. 

Hillmei',  od.  Hilinei*,  ml.  Name.     Geschln. 
Hilhners.    cf.  Helmer,   od.  auch  die  Stämme 
Hail  u.  Iliid  etc.    bei  F ör ste miinn. 
HilUich,    Hilliik,   Hillerk,    llillerd,    ml. 

50  Name.  Geschln.  Hillricbs,  liillerks,  Hillers, 
Hillern.  cf.  die  Stämme  Hail  u.  Hild  etc. 
bei  F ör stemann. 

hilf,  Heft,  Griff  etc. ;  —  hilt  tan  de  spä',  't 
mest  etc.     Sprichio.:    d'r    sitt   gen   gud  hilt 

55  up  de  spä',  fig.  angewandt  auf  Jemand  der 
faul  im  graben  ist  u.  den  Spaten  nicht  fleissig 
gebraucht.  —  Nid.  (provinz.,  cf.  van  Dale) 
hilt;  mnld.  hüte,  hielte;  mnd.  hüte;  ags.  hilt, 
bylt;  engl,  hilt;  an.  hjalt,  hjült;  ahd.  belzä ; 

60  mhd.    heize    (Schwertgriff' ,    Heft).      Davon 


IIIMA  86                           HINDEREN 

(Dies,  II,  2ö) :  span.  dsa  u.  afrav::.  holt,  liinip-lianipere,  Stiimpori,  Pfuscherei  etc., 

heux    (Scliirertgrifft ,    cnlieldir    (mit    ciiicin  bs.  st iinijicrhiiftes,  gebrechliches,  vuingelhaftes 

Schicerti/riß'  verse/tc»)-      Xtich  Fiele    {III,  Gcthuc  od.  Werl:  etc.,  ah  Bezeichnung  von  Ah 

72)  mit  hals  u.  2  liellen  etc.,    soioic  ufries.,  lern,  was  schlecht  u.  stümperhaft  geht  u.  id; 

as.  lialt  (lahm)  zur  selben  ]'  hal,  bz.  kal.  5  —  't  is  all'  emer  liimphampeiv.  —  Nd.  hirap- 

llima,    od.    Ilinii;    u-hl.   Xame.      Dimin.  hamperije. 

Himke.     cf.    den    Stamm    Ilaiiii,    bz.    unter  lliiidcr,  lie- od.  Yerhinderting.  Abhaltung, 

diesem  das  Fem.  llvhmx  (urspr.  [nach  h\\fd,  Hinderniss,  Belästigung,  Last,    Beschwerde 

s.  unter   hilk]    icohl   Heiiiiä)    bei    Forste-  t'^c. ;—  wen  du  geu  liinder  liest,  den  kam  fan 

mann    iconach    dieser   Name    wohl    urspr.  10  middag  wat  her;  —  dat  kan  grn  hinder  für 

im  Gegensatz  zu  Hainio  (als  Haus-Herr,  od.  di  wäscn,  um  dat  to  don  ;    —    ik  hebb'  gen 

J/rt«/i,  dem  das  Heim  gehört  etc.,  bz.  Sohn  hinder  tan  "t  äten,    bz.    fan    min   mage    od. 

u.  Kind  des  Heims)  die  Bedtg.:  Heim-Frau,  fan  dat  spcktakel  etc.;  —  ik  hebb'  so  'u  liin- 

od.  Frau  u.   ITc/ft,  weibliche  Fcrson  (Toch-  der  an  't  üge;  —    ik  fill  luugends  gen  hin- 

ter)  des  Heimes  u.  Hauses   etc.   gehabt   ha-  15  der  of  last.  —  <S}j;-/c/i!ü.;  kiiider  raaken  hinder, 

ben  l-an)i.  d.  h.  a)  Kinder  machen  u.  verursacJicn  Be- 

him-boi'stig,    asthmatisch,    an  Athcmnoth  hinderung  u.  Abhaltung,    bz.  machen,    dass 

u.  Fngbrüstigkeit  leidend  etc.;  cf.   himeu  u.  man  zurück-  u.  abgehalten  wird,  z.  B.  vom 

borstig,  bz.  ämborstig.  Ausgehen    od.   von  Lustbarkeiten  etc.  —  w. 

hinien,  pfeifend  od.  mit  krankhaftem  Ge-  20  b)  sie  machen  Last  u.  Beschwerde  etc.  etc. ; 

rausch  athmen    wie  beim  Asthma,    od.    wie  —  t'ol'  kinder,    föl  liinder.    —    Nd.,    mnd., 

engbrüstige,  schicindsüchtige,  an  Athcmnoth  nid.,    mnld.,    afries.  hinder    (impedimentum, 

leidende  Leute  thun  ,  ächzen,  keuchen  etc.;  obstaculum,  remora,  damnum) ;  isl.  liindran  ; 

he  himd  so,  as  of  hc  hei  gen   lücht   krigen  norw.,  schiced.,  dän.  hinder  (dasselbe).     Fs 

kan  ;    —    de  borst  himd  huni  so,   dat  lie  't  25  ist  entweder  aus  dem  Prä2)us. :  ahd.  hintiu-, 

wol  nich  lauk   mür    maken    schal.    —    Nid.  hindar,  hintir,  hindir,  hinter,    hinder;    mhd. 

hijmen ;    mnld.    himmen,    himen    (suspirare,  hinter,   hinder;    gofh.    hindar;    ags.    hinder 

anhelare) ;  nd.,  mnd.  himen,  keuchend,  pfci-  (hinter),  od.  aus  dem  daraus  comparativisch 

fend,  laut  athmen.   Onoinatopöisch  wie  higen.  iveiter  gebildeten  Adj. :  ahd.  hintaro,  hintiro, 

Himke.  <.  Hinia.  30  hindere;  mhd.  hioder  (hintere ;  Subst. :  mhd. 

liiininol.  >.   1  hemmel.  hinder  =  Hintere,  podcx  ,    cf.  nhd.  After 

hiiup-hanip.  Gebrechlicher,  Stümper,  Hin-  unter  2  achter);  di/r/es.  hindera  etc.  substan- 

kender,    Humplcr ;   gebrechliches,    stünqicr-  tivirt,  wie  das  Subst.  heil  aus  heil  ft/.  hei). 

haftes  Ftwas;  —  'n  himphamp  tau  'n  kerel,  Das  ahd.  hintar  etc.   (wovon    auch   hindern 

od.  fau  'n  ding.    —    Nd.   (Schütze,    Br.  35  ii.  wonach  die  eiste  Annahme  wohl  die  wahr- 

Wb.    etc.)  himphamp    (derartiges,    tcas    ge-  scheinlichste  ist)  betr.,  so  />/  dieses  mit  nhd. 

brechlich,  unvollkommen,  stümperhaft  u.  un-  hinten    =    ahd.    hintana;    mhd.    hiudene, 

zweckmässig  ist,  od.  gemacht  ist).  binden;  goth.  hindana  (hinten,  jenseits) ;  as. 

himp-hainpen,   hinken,  humpeln,  stossend  bi  hindan  (a  tirgo,  post) ;   ags.   hindan   von 

u.  stockend  gehen,  gebrechlich ,  stümperhaft  40  dem  Adv.  hina  etc.    (cf.  hcn)  weitergebildet, 

u.  schlecht  gehen  etc.,  von  Menschen,  Thieren,  wie  achter  t'O»  apa    u.  da  nun  heu  =  nhd. 

M^agen,   Geschäften  etc. ;  —  he  himphanipd  hin  auch  die  Bedtg.:    weg,   fort,    getrennt 

d'r  hen  ;  —  dat  himphanipd  d'r  so  wat  hen.  von,  bz.  die  von:  vergangen,  od.  zurück- 

—  I\Iit  humpeln  u.  engl,  liimii,  himple  (hin-  liegend  etc.  hat,    so  erklärt  sich  leicht,  wes- 

ken,  lahm  gehen);  schalt,  hamp  (to  stutter),  45  halb  durch  hindar,    hintar    u.    hintana    etc. 
sowie  auch  icohl  goth.  hamfs  (s.  »/i<er  liampe         das  zurückliegende ,  bz.  dasjenige,  was  hin 

etc.)  wohl  von  einer  u.  derselben  ]/,   obschon  u.  vergangen  ist,  bezeichnet  wird, 

man  auch  annehmen  kann,  dass  die  germ.y  hinderoil ,  hindern,  ab-  od.  zurückhalten, 

himp,  bz.  idg.  kamp  ('s.  «»<<■/•  hampel)  urspr.  aufhalten,     hemmen,     iMSt,     Beschwerde, 

blos  die  Bedtg.:  &eTno\ere,  vAcWhirc  etc.) hatte,  50  Schmerz,  Aerger  etc.  machen  etc.; —  de  dik 

wie  ja  himi^-hAmYicn  ((ds  liedujil.  von  y  hhwp)  hiuderd  dat  water,    dat   't   net    afer  't  land 

eigentlich  blas  ein  Bewegen  hinu.  her,  bz.  von  löpd;  —  dat  blök   hinderde  huni  in  't  lopen; 

einer  Seite   zur   andern  bezeichnet,  zvoraus  —  de  mage  hinderd    ml    al    lank,    sodat    ik 

sicfi  denn  weiter  die  von:  unsicher,  sclucan-  hast  hi-I  gen  äten  mer  mag;    —    de  kiise  is 

kend,  schlecht  u.  gebrechlich  gehen,    bz.  die  55  hol  un  hindord  mi  bi  't    äten ;    —    dat   ene 

von:   hinken,    lahmen,   humpeln  etc.    weiter  ög  hinderd  mi  so,    dat    ik   mit  't   ander  6k 

fortgebildet    hat.      Hält    man    diese    Bedtg.  hast  net  sen  kan ;  —  dat  hinderd  (verdriesst, 

fest,  so  dürfte  auch  an.  od.  isl.  hampa  (ma-  ärgert,  schmerzt  etc.)    mi  so,    dat    de  junge 

nibus  volvere,  terere)  wohl  ebensogut  als  un-  net  ördendlik  lerd  un  fördtkumd,  dat  ik  d'r 

ser  hampeln  d((mit  connex  sein.  60  's  nagts  mitunder    hast   hrl   net   fan    slapen 


ätl 


HINDERK  87                              HINGST 

kan.    —    Africs.   hinderja;    arjs.    lüiiilarjan;  »um  sich   nun  aber   die  Form  an,  so  muss 

aJid.  (lintarjan),  liiiitiren,  liiiitraii,  hiiulcren;  man  heim    Vcrfjlcich  von  ahd.  furist  (Fürst) 

mhd.  lindern;    )dd.,  nd.    liiiulercn,   hindern.  von  fiiri,  für  (vor,  voran  etc.)  univiUkilrUch 

Zu  ahd  hintar  etc.  (hinter,  .lurilck  etc.,  cf.  denken,  dass  auch  liciigist,  bz.  dessen  Thema 

liinder)  *.  loörtl.  soviel  (ds  h inte r  od.  z u-  5  liangista,  hagista  ein  superl.  Siibst.  ist,  tvas 

rück  michen,  hz.  machen   od.  bewirken,  von  einem  tStammrbm.  haga    od.  hagi,    hag, 

dass  Etuns  hinter  bleibt.  heg  (nasal,  luvng,  lieng)  weitergebildet  tvurde. 

Hindert,  s.  Hinrich.  Vergleicht  man  niDi  aber,    dass   das  Pferd 

hinderlfv,   hinderlich,   hemmend,  störend,  einerseits  vor  allen  andern  Hausthieren  sehr 

beschwerlich,  lästig,  ärgerlich  etc.  10  klug,  geschickt  u.  anstellig  etc.,  andererseits 

llillgstj  Beugst,  ml.  ungeschnittenes  l'ferd.  aber  auch  für  die  Menschen  (namentlich  in 

Sprichw.:   Irög  hingst,   trüg  rün !    t'rög  hän,  cüter  Zeit  noch  mehr  als  j^tzt)  sehr  passend, 

frog  kapim  ! —  yl/Wes.  hängst,  liengst,  hingst,  od.  passlich,    nützlich,    dienlich,    branchbar 

hanxt,  liinxt;    ivfries.  liynst;    ivang.  liingst;  etc.  ist  u.  Jedem  behagt,    od.    angenehm   u. 

srti/.  hängst,  längst;  «/r«es.  hingst;  nd  hingst;  15  recht  ist  u.  ferner  auch  ein  sehr  gefügiges, 

mnd.  hingest    hinxt,   hengest;    nid.   hengst;  zahmes,    sanftes   u.  mildes  Wesen    hat,    bz. 

ags.  hengest;   an.  hesfr ;    norw.,    dän.  liest;  vorzugsweise  ein  Thier  ist,  woran  man  sein 

schwed.  ]iÄst ;  ahd.  heugist,  heingist,  hengest;  Behagen,  seine  Freude  etc.  hat,  od.  toas  Be- 

mhd.  hengest,  hengst;  ö/räH^.  chengisto.    Es  hagen    u.    Annehmlichkeit    etc.    schafft,    so 

hatte  urspr.    die   allgemeine  Bedtg.    Pferd  20  setze  ich  für  hangista    od.  hagista  ein  Ety- 

(Hengst  u.  Stute,  sowie   auch   Wallach)    u.  mon  haga,  hagi    od.  hag  an,    was   mit    an. 
hat  sich  erst  spät  zu  dem  heutigen  Begriff        hagr,  hög   (geschickt,  klug,   dexter,  sollers, 

verengert,   tvie    anch    noch    Cad.    BI aller  SiVtiücio&u^  etc.),  hixgr  (das,  was  Einem  j^asst, 

dieses   Wort  mit  Pferd  übersetzt.     Daneben  bz.  der   Vortheil,  Nutzen,  Geivinn  etc.),  haga 

findet  sich  nun  noch  auf    Wangerooge  25  (accommodare,  ordinäre),    högr  (mitis,  placi- 

das  Wort  (Ehrentraut,  11,1)  hinkel  in  dus,    facilis);    ags.    hagjan    (passend   u.   ge- 

derBedtg.Pferd,  tvas  indessen  unvertvandt  schickt  sein,  convcniren  etc.),  hög  (geschickt, 

scheint ,   falls  es  nicht  etwa   aus  einem  Di-  klug  etc.) ;  ahd.  hagan    (angenehm ,    od.    be- 

min.  hinxtele,  hinkstle  entstand,  was  wenig-  haglich  u.  passend  sein,  recht  sein,  behagen) 

stens  ebensogut  möglich  ist,  als  die  Contract.  30  etc.,  bz.  unserm  hagen  (angenehm  sein,  Ver- 

dcs  nord.  hest,  hast  aus  hengist,   wovon  es  gnügen  maciien,  freuen,  b  eh  ag  e  n  etc.)  etc. 

mir  übrigens   noch  sehr  zweifelhaft  scheint,  zur  ]/  hag   (passen,   genehm    u.  recht  sein, 

ob  dies  überhaupt  mit  hengist  venvandt  ist,  behagen  etc.)   gehört  u.    demnach  eine  ähn- 

zumal  man   bei  an.  hestr,    schwed.   hast  ja  liehe  Bedtg.  tvie  an.  hagr,   bz.  eine  zu  hag 

auch  ebensogut  an  einen  Zusammenhang  mit  35  u.   hagan    stimmende    Bedtg.    gehabt   haben 

an.   hastr,    ags.    haest,    mnd.   haste ,    heste,  muss  u.  zweifellos   cds  Adj.   od.  Adv.    auch 

heyste  etc.,    ahd.  heist    (rasch,  eilig,  heftig  den  andern  germ.  Sprachen  eigen  war.    Als 

etc.)  denken  kann,    was   sowohl  formell  als  Supjerl.  dieses  hagi,    od.  eines  mit  an.  hagr 

begrifflich  für  heslr  als  Pferd  in  der  Bedtg.  identischen    hag    (bequem,    geschickt,    recht, 

„Ren  71  er"    sehr   gut  cds  Etgmon   (cf.  die-  AO  passend,  dienlich,  nützlich  etc ,  bz.  geschickt, 

serhalb  hors   u.   auch  31  ax  Jahns,   Boss  klug  etc.)  würde  min  hagista  als  S übst,  sehr 

u.  Reiter,  I,  14  seq.)  passt,   loorüber   Wei-  wohl    von    den    unvüchsigen    u.    einfachen 

teres  unter  2  hast  zu  vergleichen  ist.     Was  Sprachbildnern  zur  Benennung  des  Pferdes 

nun  aber  loeiter   das   Wort  hengist   betrifft,  gebraucht  sein  können,    da   alle    die  in  hag 

so   stellt  Fick   dessen    Thema  hangista   zu  45  liegenden  Bcdtgn.   ganz    besonders    u.    vor- 

hag,  bz.  idg.  kak  (cingere),    indem  er  es  zu  zugsiveise  für  dies  edle,  fromme  u.  nützliche 

(cf.  III,    5'J)   lit.   kinkan ,   kinkyti  (Pferde  Liebling sthicr    der    Menschen    zutreffen    u. 

gürten,  anschirren)  vergleicht  u.  das  Pferd  dieses  von  den  einfachen  Naturvölkern  noch 

(cf.  1,  36  etc.)   als   das  Gegürtete,    Ge-  viel  lebhafter  empfunden  loard,  als  von  den 

schirrte,  od.  Ang e spannt e  etc.  deutet.  50  Gebildeten  der  Jetztzeit. 

Da  hiebei  nun  aber    das  Suffix    ista,    esta.  Zum    Schlüsse    ivegen    dieses    jedenfalls 

bz.    ist,     est     unerklärt    bleibt     u.     hengist  schon   sehr   alten   Wortes   noch   die   Frage, 

auch  ein    ausschliesslich  deutsches   Wort  ist  ob  das  Wort  hengist  etwa  hen-gist  u.  nicht 

(Andere  denken  auch  an  einen  Zusammen-  heng-ist  zu  theilen   u.    die  erste  Sylbe    han, 

hang  mit  slav.  kun',  lit.  kuinas,  Pferd,  wo-  55  hen,  hein  (cf.  die  ahd.  Form  heingist)  viel- 

bei  indessen   die  zweite  Hälfte   gista   auch  leicht  ein  Gontractum  von  hagan,  hegan  ist, 

vollständig    unerklärt    bleibt),    so    halte   ich  soivie  ob  die  Endung  gist  od.  gista  sich  von 

dafür,  dass  es  auch  nur  aus  dem  Deutschen  einer  ]/  ji,    erweitert  jish    (cf.    zend.    ji  = 

erklärt   tverden   kann   u.    ihm   lediglich  ein  skr,  ji  aus  gi,  gvi  «.  zwar    1)  ji,  loben;  — 

deutsches  Etymon  zu   Grunde   liegt.     Sieht  60  2)  ji,  überivältigen,  erobern  etc. ;  —  u.  3)  ji, 


IIINGSTEN  88  IIISEL 

verlange)),  liebo),  h)-ii))stig  sei)i  etc.,  —  so-  Hendrik,  ^fsr/J».  Hendriks.   Die  ostc^iiUie 

)cie    1    u.    2   jish    u.  jisti  etc.    hei  Justi)  hin,  hen  ,  liein  ka))n  sowohl  aus  hajan  als 

ableite))  läs.-t.     Be-iiglicli  lian,  hen,  liein  aus  aus  lieini  (Vf.  hcin)  oitstandc»  sein.   Vo-rß. 

liagan,  hegan  u-ih-de  daun  zu  er)cäf/e))  sei»,  die  St<i)ni)ie    hagan    u.    haim    hei    Törsie- 

ob  dies  mit  hag  u.  hagan   ('ei)if)-iedigen,  he-  5  m  a  «  n  u.  daselbst  auch  Ilnganrih  luto-  ric. 

gen  etc.)  cu)-  ]'  hag,    Ik.  kak   (cingere  etc.,  —  Ein  e^se))fester,   kräftige)-,  kongcsundcr 

s.  ehe))),    od.  zur  ]'  hag   rou  behagen    u.  Mrtisrh  irirdhicr „''n\^[[ev\\W\m)i'YY genannt. 

an.  hagr  (s.  obct)),    od.  gar  )nit  lat.  cachin-  hl|)ke,  Hiipochondric,  Mdanclolie ,  Gril- 

nai i  etc.  z)ir  y  kak    (lachen,  wiehern  ,  hin-  lenJcranlheit  etc. ;  —  lie  hed  't  hipke.    Zuri- 

nire  etc.)  zusa)n)nenhängt.  10  fellos  aus  IL/pochondrie  rerstü))v)ielt. 

hiiigsten,  beschälen  od.  decken  lassen.  —  liipsol ;  i.  q.  hihbel. 

Satl.    (Ehrentraut,    II,    207)    liingstje  liir,    hier,   an  dieser  Stelle;  hieher  etc.; 

(brünstig  sein,    .<<pirlen  etc.,  von   der  Stute).  't  is  liir;    —    knmm'  hir.    —    Afries. ,  satl. 

hingst -hol'dliii^    (obs.,    ('ad.    Mülle)-)  hir;    tvfrics.  hier;    goth.,  an.,  cgs.  her;    as. 

Hittincister.     Wü)-tl.  ,,Pferde-lIäuptling",  rf.  15  lier,  liir;  ahd.  liiar,  liier,  hia,  Le ;  »»/jr/.  hier, 

hingst  u.  das  engl,  capitaiu  of  horse.  Mit  her  u.  hen  dcr.'iclben  Abstannnnng. 

hin<;st-l'Ulio ,    ein  als  Hengst   verschnitte-  bis,    Pferd;    mei.'^t  I)inii)i.  'iisko    (Pferd- 

ues  Pferd.  chen) ;  —  'n  lütjet  liiske;  —  da  irr:  his-fäl  od. 

hingst-wed,    das  Laub  .schie)-lingsartiger  hüs-fal    (Pferd.     Fohlen,    l'üllen) ;    ivang. 

Pflanzen,    welches   zmn    sog.    lirfulpad    (in  20  (Ehrentraut,    II,   1)    hOsfuIle   (Füllen). 

Aurich)  gebraucht  2ri)-d.  Vergl.    bei  M.  Jahns    (Btss  u.  Heiter,  I, 

hink,  lah)n,  krüpi)el ,  hinkend:    dat  prrd  If  seq.)  unter  liess  auch  btgr.  lieiss,  heiss- 

is  hink;  't  hed  gewis  'n  spiker  in  de  föt.  lein  etc.    u.  wfäl.  hysz  in  der  Bedtg.:   Fül- 

hinken.  hi)tken,  lalwien,  gebrcchlicJi  gelten  len,  der  allerdings  vieles  nicht  ZusavDuoi- 
(auch  flg.),  a)tf  einem  P\isse  sich  hüpfend  25  gehörige  unter  hess  a))fi:hrt ,  indessoi  doch 
u.  springend  fo)-tbcicegen  etc.  —  Nd.,  nid.,  auch  der  Ansicht  ist,  dass  diese  W<»-ter 
)nnd.  hinken  (dasselbe,  ))ind.  auch:  sich  zu-  mit  hess  u.  an.  hestr  (s.  )inter  hingst)  wohl 
rückziehen  etc.);  innld.  hincken  (claudicare,  mit  hiist  od.  licht  zusanDnengehören,  bz.  dem- 
nutare,  vacillare  gressii,  titubare)  ;  wfries.  selben  Sta)n)nvb)n.  angehören  u.  ivohl  auf 
hinckjen ;  ahd.  hinchan,  hinkan,  hinchen;  30  die  Bedtg.:  gehen,  laufen,  rennen,  eiloi  etc. 
)tihd.  hinken;  cf.  skr.  khaiij ,  od.  khang,  zurückgehen  können,  worüber  Weiteres  nn- 
khag  (liinken).  Da  ein  Hinkender  von  einer  ter  2  hast  u.  hisel  zu  vergleiche)i  ist.  — 
Seite  i)i  die  andere  fällt ,  hz.  sich  hin  und  Sieht  mati  sich  idirigcns  skr.  hesin  (equus) 
her  beicegt  u.  schicankt  etc. ,  so  ist  die  ]/  an,  bz.  dass  dies  niit  hesa  (hinnitus) ,  ku)-d. 
khanj  od.  khang  von  khag  (agitare,  com-  35  hise,  tviehe)-t  (cf.  auch  Pott,  II,  zweite 
movere,  bz.  freq.  bewegen,  schütteln,  durch-  Abth.,  :}!)8  seq  )  vo)i  der  ]/  lies  (hinnire, 
einander  rühroi  u.  nnschoi  etc.,  cf.  bei  od.  iiho-haupt  einen  ScJiall  verursachen,  od. 
Benfeg  khaj  =  to  churn,  bez.  to  move  to  ein  Geräusch  machen,  einen  imartikuJirtoi 
and  fro)  nicht  verschieden.  Nach  griech.  To)i  hören  lassen  etc.  u.  so  auch:  bridlen, 
skäzo  (kinke)t)  u.  an.  skakkr  (schief  od.  40  schreien  od.  toben  etc.,  cf.  hesa-kratu  [mäch- 
hinkend),  skaka  (schwingen,  bz.  hin  und  tig  bridlend  etc.]  bei  G)-ass)nann)  abstanimt, 
her  bovegen  u.  schlagen)  etc.  ist  dafür  wobei  den)i  allerdings  eine  Laut coschiebimg 
wahrscheinl.  eine  idg.  }/  skag  anzusetzen,  nicht  Statt  gefunden  hätte,  od.  das  skr.  hes 
die  auch  icohl  unsc)-)n  Schaken ,  schakeln,  selbst  für  khcs  od.  kes  (cjf.  lird  für  krd  od. 
schok,  schukeln  etc.  (s.  d.)  zu  Grunde  liegt,  45  klird)  stehen  )nüsste,  so  kan)i  auch  his  da- 
weil  aus:  hin  u.  her  bovegoi,  schwingen  etc.  mit  connex  sein. 

a)ich  die  Bedtgn. :  schlagen,  stos.^e)i  etc.,  bez.  1.  hiscl  od.  hisel,  Einne,  Pille,  Einnsaal 

verrücken,    von    der   Stelle    bovegoi,    e)it-  od.    Wasserlauf  auf  dem   Straiide ,    pleon. 

führen  etc.  etc.  hervorgehen.  auch  hiselrille  genannt.  —  Wang.  (Ehren- 

hiiiko-pink.   ]iink!ej)ink.    liiiikopank,  ein  50  traut,  I,  H70)  heizel.     Wie  Tx'inne,  rin- 

Hinkotder ,    od.  auch  ein   Wankender ,    ein  nen  u.  re)i)ien  zu  der  y  ar    (sich  bewe- 

de))i  Concurs  u.  Fall   Naher   etc.    —    Nid.  gen  vor,  gehen,  laufen,  sich  o-heben,  trei- 

hinkepink ;    )nnld.    hinckepinck,    hinckepoot  hen  etc.),  so  gehört    auch  dieses   Wort  wohl 

(daudus,  loripes) ;  hinckepincken  (claudicare,  7nit  his  u.  hast    (s.  t;nter  2  hast)    zu  einon 

uniro  i)ede  salfare).  55  u.  demselben  Staminvbin.   hisan    (se   movere, 

liinrich.  llinrik,  llindrirli.  llinrikus.  Hin-  ire,  currerc). 

riks.    lllndrikiis.    Iliniierk,    Hindcrk    (ml.  2.  hisel  od.  liisel  (Borkum)  Beif,  pruina 

Name),    Heinrich.      Geschln.    Ilinrichs,  od.  eigentlich  der  gefrorene  Niederschlag  u. 

Ilindrirhs,    llinaerks,     Ilinderks,     llinners,  Begen,  der  sich  an  den  Ziveigeti  der  Bäume 

Hüners,    Hiunerssen,    Hünerssen.    —    Nid.  GO  (de  hörnen  hint   [od.   sunt]   füll   hisel)  fest- 


HISELN 


HOD 


seist  u.  mit  einer  Eisrinde  urnffieht.  Vergl. 
unter  2  giseln  das  mnld.  (KU.)  hijsel, 
vifläm.  liyselo  (ffelicidium,  pluvia  glaciata  vel 
glacialis)  u.  weiter  das  vind.  (Seh.  n.  L.) 
hiselen  (eisregnen,  glatteisen,  pruiiiare),  ivo- 
nach  es  wohl  mit  mnd.  giessel  identisch  sein, 
könnte.  Da  indessen  africs.  ]iacht  =  acht, 
soioie  unser  heite  tvohl  =  eito,  etle,  äte  ist 
u.  überhaupt  ein  „li"  oft  vor  vocalischen 
Anlaut  tritt,  so  kann  auch  KU.  Hecht  ha- 
ben, wenn  er  hijsel  als  für  ijsel  stehend 
annimmt  u.  demnach  mit  ijselen,  hijselen 
(pluere  minutam  glaciem,  sive  pruinam  gla- 
cialem) ,  nebst  ijscl  (stiria  glacialis),  ijsen 
(glaciare,  gelare)  zu  ijs  (Eis,  cf.  is)  stellt. 

hiseln  (Borkum),  glaiteisen,  Eisregnen 
etc.  =  giseln ;  s.  unter  2  hisel. 

lüsel-rille,  s.  1  hisel. 

liisen  od.  liisen ,  hissen,  ziehen,  reissen, 
in  die  Höhe  ziehen,  winden  od.  heben  etc.; 
—  de  perde  hisen  god  an ;  —  hise  datt  au  wat 
starker  an ;  —  he  hisde  dat  up  de  wagen 
od.  hön  (Boden) ;  —  his'  hum  up ;  —  körn 
od.  seils  (Segel)  etc.  uphiscn.  —  Nd.  hie- 
sen,  hissen;  nid.  hijschen,  früher  hijsen  od. 
hijzen ;  an.,  bz.  isl.  hisa  (funibus  attollere); 
norw.,  schtved.  hissa;  rfä«.  hcise;  engl,  hoise 
od.  hoist;  schott.  heis,  heys  hceze  (to  lift 
op).  Davon:  ital.  issare ;  span.,  port.  izar; 
franz  hisser  (in  die  Höhe  ziehen).  Wohl 
mit  2  hast,  his,  hisel  etc.  zu  einer  germ.  ]/ 
his,  die  aus  der  allgemeinen  Bedtg.:  bcioe- 
gen  (cf.  rennen  etc.  xi.  risen  von  y  ar,  ri)  auch 
die  von:  zielten  od.  heben  etc.  entwickelte. 

his-fäl,  hiske,  s.  his. 

Hiske,  ivbl.  Name.  Wohl  Dimin.  vom 
alten  hiwa  (Gattin,  Frau  od.  Magd),  da 
dies  nach  hiwo  (s.  unter  hilk)  zu  urtheilen, 
auch  die  letztere  Bedtg.  gehabt  haben  miiss 
u.  überhaupt  nur  eine  Person,  die  zum 
Hause  gehörte,  bezeichnete. 

hissen,  hitsen,  hetzen,  in  Hitze  od.  Zorn 
u.  Eifer  bringen,  reizen,  aufstacheln  etc.; 
he  hissd  (od.  hitsd)  hum  up ;  —  he  hissde 
hör  tegon  'n  ander  an ;  —  sid)st. ;  kanst  du 
dat  hissen  net  laten  un  raust  du  uog  mer 
unfräden  stichteo  ?  —  Nd.  hissen  ;  mnd.  his- 
sen, hitsen,  hessen;  nid.  hitson ;  mnld.  his- 
schen,  hitschen,  hetsen  etc.,  alles  von  ahd. 
(hazjan,  hezzan)  hezzen;  tnhd.  hetzen  u.  dies 
von  ahd.  haz,  cf.  hat. 

histörjc,  Historie,  Geschichte,  Geschichts- 
buch; —  dat,  od.  he  is  de  düpte  fan  de 
historje;  —  ik  bin  in  d'  histörje  kamen, 
d.  h.  in  die  Schidklasse,  worin  das  biblische 
Historienbuch  gelesen  ivird. 

hitse,  hits,  Hitze.  Es  ivird  namentlich 
auch  in  der  Bedtg. :  feuriger  od.  röthlicher 
Ausschlag,  Entzündung,  sowie  in  der  von: 
Zorn,  Eifer  etc.  gebraucht. 


1.  hitsf^n,  Ä.  hissen. 

2.  Iiitscn,   heizen ;   —  iuhitscn,  einheizen. 

—  Alid.  (heizjan)  heizen,  heiss  machen. 
liitsig,    hitzig,   rosig,   entzündet;  zornig, 

5  eifrig  etc. 

bitte,  s.  hctte. 

1.  Iio  od.  ho,  Ruf  inn  Halt  zu  machen  u. 
sich  vorzusehen,  bz.  Halt  zu  gebieten ;  —  ho  ! 
fair  net;  —  ho!  perd,  wilt  d'  stän;  —  ho! 

10  mantje,  so  geid  dat  net;  —  ik  segg'  di  fan 
liö!  —  Nid.  ho  (dasselbe).  Davon,  bz.  von 
franz.  ho  auch  nid.  oho,  nhd.  ohö,  sotcic 
das  mit  la  zusammengesetzte  höht  ?f.  nhd. 
ho  IIa.     Vergl.  aucJi  he  u.  hdä,  sowie  Wei- 

15  teres  unter  eala. 

2.  lio  od.  lio  u.  auch  wo  od.  wo  (Frage- 
zvort),  wie,  auf  welche  Weise  etc. ;  —  ho  is  dat 
gelegen,  od.  mit  di  ?  —  ho  gröt  is  dat  land ; 
— •  ho  so?    wat  wilt  du  dar  mit  seggen?  — 

20  ho  denn,  a)  wie  dann ;  —  b)  wie  denn?  od. 
wie?  —  Nid.  hoe;  afries.  hü,  ho;  wfrics. 
hö ;  nfries.  ho;  as.  hwö;  «(/s.  hvu,  hü;  ahd. 
hweo,  weo,  wea,  wio ,  wia,  wieo,  wie  n. 
wuo;  mJul.   wie;   amd.   hwö;  md.  we;    goth. 

25  hvaiva,  uh(s  (cf.  Ernst  Schulze)  aus  hve 
u.  aiva  zusammengesetzt  ist. 

Iiobbe,  ein  köpf-,  Höcker-,  od.  hügelartig 
aus  dem  Wasser  hervorragendes  od.  auf 
demselben  schtvimmendes  Stück  lockerer,  moo- 

30  riger  mit  Sumpf  gras  be-  u.  durchwachsener 
Erde.  —  Dasselbe  loie  höfel  u.  hubbel. 

lioch-,  llOgtid,  Hochzeit  od.  Vermählungs- 
fest etc.  Sprichiv. :  na  hogtid  gan  un  fad- 
der  stau  un  kindelber  gefen,  hed  mennig  biir 

35  fan  d'  pläts  of  drefen.  —  Afries.  hachtid, 
haochtid ;  satl.  hagtid ;  wfries.  hoagtid ;  nid. 
hoogtijd ;  mnld.  hoghe- ,  hooghtyd;  as.  hö- 
get'id;  ags.  heähtid;  ahd.  hohgezit,  höchge- 
zit,  höchzit.     Es  Jieisst  wörtlich :  hohe,  er- 

40  habene  Zeit  u.  lourden  unter  Hochzeit 
früher  überall  ii.  auch  hier  (cf.  v.  Richt- 
hofen,  ajries.  Wb. ,  sowie  Kern  u. 
Will  ms,  pag.  106,  sub  Nr.  lÜOO :  Gode 
yfft    di    olin    frohlyke    Paaskhochtyde)    alle 

45  hohen  iveltlicheu  u.  kirchlichen  Feste  ver- 
standen, loie  denn  auch  noch,  jetzt  in  Hol- 
land, dies  Wort  nur  in  diesem  Sinn  ge- 
bräuchlich ist  u.  für  Hochzeit  im  moder- 
nen Sinn  das  Wort  bruiloft  (cf.  brüloft)  ge- 

50  braucht  ivird.  Das  von  Ki  l.  neben  hoogh- 
tyd angeführte  u.  von  ihm  fälschlich  (cf. 
auch  Stbg.)  damit  identificirte  heughtyd 
ist  mit  unserm  högetid  identisch  u.  dort 
Weiteres  zu  vergleichen. 

55  hud,  Hut,  Kopfbedeckung,  od.  das,  ivomit 
man  den  Kojif  bedeckt,   schützt  u.  schirmt; 

—  dar  mut  man  de  hod  für  ofsetten,  z.  B.  vor 
einem  Mann,  den  man  hochschätzt,  od.  auch 
ror  Allem,   ivas  Einem  Respekt  einflösst   u. 

60  was  Ehrbezeigung  verdient,   ivie  denn  auch 


HO-DANIG  90                             HOEDEN 

ein  früherer   hies.    Amtiiiniin    (jetzt   Amts-  höddclko.  liödtlsol.  Iiodfije.  liödjo,  kapsel- 

hduptman»)    von    iinseriii   Düiit/crhditfcn    zu  färniiiicr  Sclint^-Ih'ckd  auf  r/cifcn,  Strick- 

!>uffcn   iijleyte,    dass    man  thtcor,    seiner  bc-  nadeln  de.;  leinener  od.  lederner   Ueherzit(j 

sonderen     (riite    wegen ,     den    Hut    ziehen  zum  Schutz  für  wunde  Finger.     Zu  luulen, 

müsse.    —    Afries.,    itfrics.,    stitl.,  nd.,  ngs.,  5  hz.  hod,  (/.  liüdje. 

engl,  höd ;  nid.  liood ;  nhd.  liuot,  Ji6t,  liuat;  liüdc,    Hut,    ühhat,    Schutz,    Gewahrsam 

mhd.  luiot  (Hut,  Midzc,  Kopfhedeckung  un-  etc.:  —  wils  up  diu  liödo ;  —  du  must  dat  in 

ter  dem  Helm,  Helvi,  Drckel,  l'iherdeektDig  diu    liödo    iirmeii;    —    dat    stüid    uiulor    sin 

eines  Zeltes).     Mit  hödc,  liüde  zu  IkkIcii,  hz.  höde.  —  Afries.  höde,  liüde  n.  hodriio,  hii- 

desselben     Ur^^prungs.      Xcbcn    höd    kömmt  10  dono ;    )dd.  lioede;    nd.,    mnd.    liode,    linde; 

anih    )Hich    eiti    afries.    hat;    ags.    liät    od.  alid.  liuota ;  mhd.  huote.     Mit  bilde  zu  dem 

hact;  engl,  hat;  nfries.  hat,  halt;  a)i.  hattr,  folgenden: 

hOttr,  liotta;  norw.,  schwcd.  liatt;    dän.  liat  höden    (höde,    hödst    od.  hödst,    liodt   od. 

in  der  Bedtg.  Hut  (iiikuis)  vor,  womit  viel-  hödt  etc.;  —   hödde,  höddst,  höddt  etc.;  — 

leicht    auch   mhd.    haeze,    liäz;    bagr.    häsz,  15  bin  od.  heb'  hödt;  —  hödend),  hüten,  n-ah- 

liaz  (Hock,  Kleid,  Kleidung)  als  Bedecken-  reu,  behüten,  bewahren,  schützen,  beaufsich- 

des  u.  Schützendes  idodisch  ist,   da   liaeze  tigen,  in  Acht  od.  Obacht  nehmen  u.  haben 

leicht  aus  hezze  od.  haze ,    bz.  dem  für  hat  etc. ;  —  höd'  di,  dat  dn  dat  net  wer  deist ;  — 

anzusetzenden  Thema  hata  cntstehoi  konnte  schapen  höden ;  —  he  mnt  't  hns  höden  (a. 

(/.  auch  das  von  liilt  weitcrgcbildete  ags.  hil-  20  das  Haus  hüten  u.  bewahren  od.  bewachen 

tcn  die  Bedtg.:    Anzug,    Kleidung  etc.    Iiat  etc.;  —  b)  zu  Hause  sitzen  u.  bleiben,  z.B. 

u.    das   Vbm.  hättjan    (cum    cute   dctrahere)  wegen  Krankheit).  —  Nd.  höden ;  7nnd.  ho- 

von  hat    weitergebildet   ist.      Da    nun   aber  den,    huden ;    idd.    hoeden ;   mnld.    hoeden; 

hod  seiner  Form  nach  (cf.  flöd  am  Schlüsse,  hneden;  ((fries.  liuda,  htida,  hz.  liudia,  hudja; 

sowie  güd,    fögen    etc.  etc.)    ein    Substantiv.  25  wfries.  lioedjen ;    as.  huodjan ,  büdjiin ,  liuo- 

Priiter.    von    einem    Stammvbm.    hadan    od.  dan ;   ags.  hedan;  a}id.  huotaii,  huoten,  luia- 

hadhan  ist,    bz.  auf  eine  }'  had,  hadh'  od.  ten,  hueten  ;  mhd.  huoten,  hüeten ;    md.  hu- 

hath  zurückgeht  u.  auch  liat  bei  dem  steten  ten.     Es  ist  zweifellos  mit   hod    (mag   man 

Wechsel  von  auslautendem    ,,d",    „t",    „th",  dies  nun  als  B ed eckendes   od.   Schilt- 

„db"  leicht  aus  halb   od.  hadh,  had  entste-  30  zendes,    bz.    als   Decke    od.    Schutz, 

hen  konnte,    so    dürfte    diese   germ.  y   had  Schirm    etc.     neJimen)    eines     Ursprungs, 

vielleicht  mit  der  y  skad  von  scliadde  (Sehat-  weil  die  Bedtgn. :   tegere,  cavere,  tueri,    cu- 

ten)  identisch ,    bz.  mit   diesem  aus  der  für  stodire  etc.  gegenseitig  (cf.  lu'id  etc.   u.  ags. 

so   viele    Wörter   (cf.  hiid,    biis  etc.,    sowie  hydan,    bergen,   schützen,    bewahren  etc.    u. 

schau,  schö,  schude,  schür  etc.)  anzusetzenden  35  byd,  Rhede  od.   Hafen  etc.  von  y  sku,  wo- 

y  ska,  sku    {decken,  bedecken,    bergen,  ver-  von  auch  schau,  schauen,  schö,  schul,  schür, 

hidlen ,    schiUzen,    schirmen    etc.)    erweitert  schüre,   schude  etc.   k.   ahd.    scuwo   [Schat- 

scin,  obschon  es  auch  möglich  ist,  dass  aus  tcn]  de.,  sowie  die  ]/  var,    von  waren  etc.) 

ska  sowohl  skad  als  skat  (cf.  z.  B.  skr.  cat  stets  in  einander  übergehen.     Bezüglich  der 

aus  idg.  skat,  verhüllen,    bedecken,    verber-  40  y  sei  noch    bemerkt,   dass  M.  Hegne  (cf. 

gen,    verstecken,    hüten,    bewahren  etc.   für  Grimm,   Wb.  IV,V.)7S)  Hut,  hüten  zu 

liadai;,  huod  etc.  u.  skr.  chad,  bz.  idg.  skad,  skr.  chad,  hz.  skad  (cf.  schadde)  stellt,  iväh- 

od.  skadb,  bedecken  etc.  für  hat)    durch  ta,  rend  H.  Leo  ags.  büd  (od.  wie  er  schreibt 

da,  dha  erweitert  tcurden.     cf.  Weiteres  un-  „hod'')  mit  bodnia  (Wolke,  cf.  wulke  u.  wulle, 

ter  höden.  45    Wolle),    sowie  byd    (Haut)    nebst  hydan    it. 

Zu  höd  sei  noch  bemerkt,  dass  die  alten  hedan,  .sowie  beodo  (uinbraculum)  etc.  zu 
Friesen  einen  auf  eine  Stange  gesteckten  einem  Stammvbm.  heüdan  (tectum  esse),  bz. 
Hut  aucli  als  Wahrzeichen  aufpjhuiztm  u.  skr.  kad,  kam],  kund  (tueri,  servare)  stellt 
als  Feldzeichen  gebrauchten  u.  der  Hut-  u.  auch  goth.  betlijo  (Kammer)  u.  a)i.  he- 
od.  Bannerträger  davon  iiudcn!  genannt  50  ilbinu  (Beizrock)  etc.  damit  für  connex  hält, 
wurde,  —  sowie  ferner,  dass  hod  hei  uns,  was  schiocriich  Alles  richtig  ist,  da  büd 
hz.  hord  im  nid.  auch  ein  Steinkohlen-Mass  (Haut)  zu  einer  germ.  y  liud,  —  hod  da- 
ist, icelches  0  hies.  Tonnen  von  plm.  300  gegen  nach  meiner  Meinung  (cf.  höd)  von 
Jfu)id  enthält,  rcobci  ich  indessen  zugleich  einem  Stamnivhm.  hadan  od.  hatban,  bz.  zu 
auf  mnd.  (Seh.  u.  L.)  bot,  bunt  n.  hude,  55  einer  germ.  y  had,  idg.  skad  od.  vielleicht 
bz.  lioedo  (s.  daselbst  unter  liüt  suh  4)  ver-  skath,  od.  skat  =  skr.  cat  {die  übrigens 
weise.  von  Grassmann  mit:  sich  verstecken,  sich 

lio-daiii^,    wie    lieschaffen,    wie   gestaltet,  hinivegthun    de.     übersetzt    wird,    toährend 

wie  etc.:  —  bodaniw  js  dat?  —  dat  is  düs-,  F ick  sie  mit:  bergen,  verstecken  etc.  loieder- 

od.  süs-,  od.  sodanig.     cf.  2  ho   u.  danig.  GO  giebt)  gehört,  wobei  noch  erwähnt  sei,  das8 


HOEDER  HUEDER 


91 


HOF 


10 


15 


Ficli  (111,  61)  für  ags.  hoadlior  (recopta- 
ciilum),  (joth.  liethjo,  sowie  für  alid.  liiiota 
(Hut)  eine  gcnn.  ]/  hatli  (bergen)  außlellt 
u.  diene  zu  gricch.  kotule  (Höhlung,  Hu/t l es), 
kötulos  (Näpfchen,  Scitälchen  etc.,  cf.  koi), 
kopke  n.  tat.  cavus,  caveo  etc.  u.  unser  kau 
u.  schau  etc.);  lat.  castinus,  castillus,  hz. 
skr.  cat  (bergen  etc.)  vergleicht,  wä/ircnd  er 
gerade  umgekehrt  afries.  hat;  an.  hattr 
(Hut,  s.  unter  höd)  etc.  zu  tat.  cassis,  bz. 
idg.  skad  (bedecken,  cf.  III,  60)  vergleicht. 

liöder,  liiider,  Hüter,  Bewahrer,  Beauf- 
sichtiger etc. ;  —  Eedeusart. :  't  hüs  is  'n  hö- 
der  werd;  —  na  'u  hüder  kurod  'n  rüder. 

liOdje,  hötje,  Hütchen.     Dimin.  von  höd. 

hol'  (de,  dat) ,  Hof,  eingefriedigter  u.  ge- 
schlossener Baum,  Garten,  ländliche  Be- 
sitzung od.  Wohnung,  Gehöfte  etc..  Alles  toie 
im  Hochdeutschen.  Häher:  karkhof,  appelhof 
(Apfelgarten),  hof  um  't  hüs,  binnenhof,  hof  20 
um  de  man  etc.;  —  lie  jagd  hum  fan  hüs 
un  hof;  —  he  hed  gen  hüs  of  hof;  —  d'r 
is  gen  hüs  of  hof  to  sen  ;  —  au  de  hof  fan 
de  könig  gän  ;  —  't  hof  fan  spanje ;  —  't 
gerigtshof  etc. ;  —  Sprichw. :  fan  'n  gröt  hof  25 
geid  föl  of;  —  'n  hof  um  de  man,  dat  kau 
uog  gän,  man  'n  hof  um  de  sünn'  dar  schreien 
frö  un  kinder  um.  —  Afries.  hof  (auch  ge- 
tveihter  Hof,  bz.  Tempel,  ivovon  die  4  hoven 
od.  Kirchen  in  Brökmcrland,  ctls:  Maria- 
howe  [Jetzt  Mai'jeuhafe,  Meienhafe,  Marjen- 
hove  =  Marienhafe],  Utengrahowe  [jetzt 
Engerhafe,  Engerhove] ,  Victorisliowe  [jetzt 
Victor  hur]  u.  Lambertushowe  [frühere 
Lambertus  -  Kirch  e  zu  Aurich]  be- 
nannt sind);  nd.,  nid.,  as.,  ags.,  an.,  ahd., 
vihd.  hof;  tvfries.  hoaf;  nfries.  hof,  höf, 
haaf  elc. ;  schoit.  hoif,  hoff,  hove,  houff,  hufe. 

I)ie  urspr.  Bedtg.  is:   eingefriedigtes   od. 
begrenztes,  von  einem  andern  Etwas  (Wcdl,  40 
Bing,  flauer,  Hecke  etc.)  umgebenes  u.  um- 
schlossenes Etwas,    tvoraus  sich  edle  sonsti- 
gen Bedtgn.  (cf.  unter  gärden,    2  harn  etc.) 
von  selbst  ergaben.  Dass  es  daher  mit  griech. 
kepos  (Garten)  (u.  möglicherweise  auch  mit  45 
lat.  Campus,    sofern  dies   urspr.    ein    einge- 
friedigtes   Stück    Land    u.    nicht    blos    das 
flache  Feld,    od.  die  Ebene  etc.  bezeichnete) 
einer  y  kap  angehört,    ist   wohl   zweifellos. 
Wahrscheiidich  ist  dies  nun  aber  dieselbe  y  50 
wie  von  ]iebben  etc.,    da,  sich  aus:   greifen, 
fassen,  fahen,  festhalten  die  Bedtgn. :  festen, 
fesseln,    binden,    gürten,    schliessen  etc.,   bz. 
umgreifen,    umfassen,    umschliessen  etc.    od. 
he-  u.  einfassen  etc.    von    selbst    ergeben   u.  55 
Hof  ja  nichts  anderes  bezeichnet,  als  einen 
von  einem  Etwas  um-,    be-  od.  eingefassten 
Baum. 

höf  (Plur.  hüfen) ,  Huf,  od.  der  Horn- 
sclmh,  ivelcher  die  tveichen  Tlieile  des  Fasses  60 


30 


35 


vieler  Thiere  schützend  umfasst  u.  umschliesst. 
—  Afries.,  satl,,  ags.,  nd.  liöf;  nid.  hoef; 
as.  höf,  huof;  engl,  hoof;  a n.  hoÜr ;  scliwed. 
hof;  (Hin.  hov;  ahd.,  mhd.  huof.  Die  Ver- 
gh'ichung  mit  aslav.  kopato  (uiiguhi)  ab- 
weisend (iceil  der  lange  Vocal  nicht 
stimmt  u.  dies  dircct  von  kop  =  y  kap 
[fassen  etc.]  tveitergebildet  zu  sein  scheint), 
halle  ich  dafür,  dass  es  ebenso  loie  höf, 
hob,  huob  in  an.  höf  (Mass,  Mass  -  halten, 
Besonnoilieit)  ;  norw.  hov ;  schwed.  hof;  ags. 
höf  (modus,  medium,  bz.  das  tvas  sich  ge- 
ziemt, od.  Jemcuidem  geziemt,  gebührt  u. 
zukommt  etc.) ;  goth.  hob  in  gahöbains  (conti- 
nentia,  Selbstbeherrschung ,  Entludtsamkeit, 
od.  das  Musshalten,  sich  in  Schranken  hal- 
ten etc.,  cf.  tinter  höfen  a7n  Schlüsse  des 
Weitern);  as.  höfa;  aJid.  huoba,  huopa, 
höba;  mhd.  huoba;  nhd.  Hufe  (ein  ge- 
loisses  Mass  Land,  bez.  ein  durch  Gräben, 
Hecken,  Wälle  etc.  eingefasstes,  umschlosse- 
nes u.  abgegrenztes  Stück  Feld)  aus  dem 
Präter.  huob  bez.  huof  der  von  der  y  haf  = 
idg.  kap  (greifen,  fassoi,  nehmen,  fahen, 
halten,  tragen,  heben  etc. ,  d.  h.  festhalten 
u.  tragen,  dass  Etioas  nicht  fällt,  od.  Einem 
etwas  Halt  u.  Stütze  geben,  indem  man  ein 
Eticas  setzt  od.  hebt  toorauf)  stammenden 
Verba:  haban,  hapan  etc.  od.  hafjan  (cf. 
hebben  u.  heffen,  wobei  zu  bemerken  ist, 
dass  der  Lautverschiebung  des  lat.  od.  idg. 
„p"  nach,  das  Vbm.  haban  eigentlich  hafan 
lauten  müsste)  hervorging  u.  dass  dem- 
nach höf  (ungula)  als  urspr.  Substantiv. 
Bräter.  von  haban,  hafan  (haben,  bz.  greifen, 
fassen,  halten,  tragen,  heben  etc.),  bz.  von 
hafjan  (Griff-,  od.  Fass  thun,  greifen,  halten, 
heben,  herausgreifen  u.  heben,  nehmen,  aiif- 
nclimen  etc.,  cf.  lieffen)  ivohl  dasjenige  be- 
zeichnet, tvas  grifft  hielt  u.fasste,  od.  trug  etc. 
(also:  ein  Greifendes,  Fassendes,  Haltendes, 
Tragendes  etc.,  bz.  ein  Etwas,  tvas  fasst  od. 
befasst  u.  in  sich  befasst  od.  umschliesst  etc. 
u.  so  auch  als  Hornscltuh  des  Fusses  diesen 
schützt  etc.,  od.  auch  das,  tvas  den  Fuss 
hält,  trägt  ti.  stützt  etc.),  tvobei  man  bei  der 
Bedtg. :  Klaue,  Huf  von  ungula  zunächst 
an  ein  greifendes  u.  haltendes  Etwas  denken 
kann,  falls  man  nicht  etwa  von  der  Bedtg. : 
heben,  erheben,  atif heben  etc.  ausgehen 
u.  so  höf  als  das  deuten  toill,  worauf  sich 
das  Thier  erhebt  u.  aufspringt  etc., 
loelcJie  Deutung  für  höf  auch  ja  zulässig 
ist.  Dass  das  „f'  in  höf  wegen  der  Iden- 
tificirung  mit  „b"  od.  „p"  in  den  sonstigen, 
derselben  y  entstammenden  Wörtern  keinen 
Anstoss  geben  kann,  darüber  vergl.  auch  die 
unter  1  tt.  2  bedarf  «.  l  u.  2  bedarfen  an- 
geführten, M^örter. 

Zum  Schluss   sei  übrigens   noch  bemerkt, 


IIO-FARD  IIOFARDIG  92                              IIOEFEL 

dass  Fick  a)  tmitcr  hüf  (Huf)  mit  zcml.  nh^nlclten,  wie  Fick  (er  stellt  [TU,  62] 
(;afa  (Iloni,  Huf):  skr.  ^aplia  (Huf);  hU.  luibodii  unter  hafja,  \\öi  [heben]  auf,  ohne 
ganiba  etc.  aus  einer  idy.  Grdform  kapa  hesiimmt  c«  sagoi ,  oli  dies,  hz.  (joth.  liau- 
ableitet,  ohne  indessen  der  }'  zu  (jedenken  l>ith  dazu  (/ehört  u.  ob  er  Haupt  als  ein 
u.  h)  das  nltd.  Hufe  mit  lat.  campus  u.  ü  Etwas  deutet,  tvas  sich  über  ein  Anderes 
(jriech.  kcpos  (einciehecftes  Land  etc.)  zu  erhebt  ete.)  dies  anscheinend  thut.  Bezüg- 
einer y  kanip  (hicfjen,  krümmen)  stellt,  zu  lieh  des  lat.  Caput  u.  a(/s.  hcafod  etc.  ist 
deren  Ahhiutform  kuji  auch  unser  3  liop  ge-  wohl  anzunehmen,  dass  dies  mit  ags.  liea- 
hört  u.  wozu  auch  liöf  (cf.  2  li6p  am  iola,  liafola,  od.  licatVIa;  griech.  kepliale 
Schlussr)  be.'^ser  stimmt  als  zu  skr.  ^apha.  1**  (T^'>iif);  skr.  kapala  (.S'cAd/f,  Scherbe,  Schä- 
liri-fäi'd,  liölärdi^,  .s.  höiffrinl  otc.  drl,  craiiium)  zur  y  ki\p  (fassen,  greifen, 
liöf-lilad.  Inirkoblad  i  I'lur.  Iiöfhladon)  Huf-  nehmen,  halten,  heben,  tragen,  cf.  hebbcn, 
l'hitt,  bz.  Uußultivh  (TiissilaLTO  jiotasitcs  oft".  liochtcn,  licftou  etc.)  gehört,  da  die  urspr. 
et  Tuss.  Fart'ara).  Bcdtg.  von  cajjut ,  bz.  ka])äla  u-ohl  zweifel- 
lii)fd ,  liöfd  Uli.  lioft  I  I'lur.  lififilon,  hnf-  15  los  die  von:  Gefäss,  Behält  er  etc.,  bz. 
teil),  ;\)  Haupt,  Caput  (auch  ßg.  als  Ifau]>t  Fassendes  ete.  (u.  so  auch  Hohlgefüss 
od.  Oberhaupt,  bz.  der  an  der  Spitze  .'itcht  r/c,  </.  kop,  kopke  etc.)  w<.  M^egen  hcaiod,  od. 
u.  der  Erste  u.  Oberste  i.'^t,  od.  auch  als  lieäfod  u.  baubith  etc.  vergl.  ((uch  Cr.  Cur- 
Oherstes  n.  Spitze  etc.):  —  förbjTfd,  —  ach-  tius  (pag.  1-iS)  u.  H.  Leo  (pag.  578)  u. 
terhnfd;  -  faniilieiihßfd,  —  be  is  't  höfd  20  Andere. 
liir  in  hi'is;  —  't  hAfd  tan  de  stad,  —  lie  hol'il-feil,  s.  unter  hßfd. 
stoid  an  "t  liöfd  od.  hAfd  fan  de  reuerung ;  hoCdliii^,  Hiiujitling.  —  Afries.  hnveding, 
MUU'v'i]  (Hau jil fehler)  etc.:  —  b)  eüie  Ufer-  liavilinü;,  haiidini^  u.  liavedling,  havdling; 
hefestigu)ig  vo)i  Steinen,  Holz,  od.  Jieisig  nfrics.  ludiling  od.  büvding  (Führer,  An- 
('^(j/jrr ;  stenlirifd,  balkonbilfd,  risbßfd),  ?t'e/cÄe  2ö  führer,  IIäiij>tling ,  JMagnat,  Besitzer  einer 
kopfitrtig  aus  dem  Wasser  hervorragt,  bz.  Burg  u.  adligen  Herrschaft,  bz.  Benennung 
halbicreisförmig  v<n-springt  a.  in  das  Wn.<i-  eines  frics.  Adligen);  «/(.  liüfdingi  (princeps, 
ser  (älinlich  wie  eine  Buhve  od.  slenge,  iiiagnas).  JJie  fries.  Hdujitlinge  gingen  zum 
jedoch  in  der  Hegel  höher  ii.  kürzer)  hinein-  Thcil  aus  den  alten  Priestern  u.  J{ichtern 
ragt,  um  das  Ufer,  od.  l^esondcrs  gefähr-  30  od.  Asoga's  (cf.  äsoga),  zum  TItril  aber  auch 
dete  Stellen  zu  schützen.  —  Afries.  liäved  (wie  der  ganze  frics.  Adel)  aus  dem  Stande 
frec^  ha ved  ?)  havd,  häfd,  häd;  ?o/r />?.<?.  haed,  der  freien  Grundbesitzer,  od.  den  Besitzern 
haa,  hoot ;  nfries.  band,  bond,  liocd ;  7V(tng.  von  alten  u.  sog.  adlig  freien  Grundstücken 
haud;  mofries.  (('ad.  M ü  1 1 er)  hAudo;  nid.  hervor,  die.,  allmälig  reich  u.  mächtig  ge- 
hnofd ;  nd.  hiifd,  liöved,  liovt;  iinid.  hovet,  3')  tcorden  ,  sich  weder  an  die  Beschlüsse  der 
höft,  hoeft,  hoved;  as.  liübid,  hnbbid  ;  ags.  Upstallsbornibclion  Vcrsa)nmlungen,  noch  an 
heafod;  engl,  liead ;  an.  hötiidh  od.  luifut;  die  Anordnungen  a.  Befehle  der  vom  Volke 
norw.  hövud ;  dä)i.  liiivod;  sclured.  hufvud ;  erwählten  Biclder  kehrten,  od.  auch  oft  von 
goth.  baubith;  ahil.  houl)it,  baul)it ,  boupit,  den  andern  freien  Bauern  freiwillig  zu 
haupit,  liOpit,  boubot,  boibet;  )nhd.  hnubet;  10  Häuptlingen  u.  Schutzherren  erkoren  wur- 
md.  liübct,  liouvet.  .It/s.  hiafod  u.  an.  hö-  den,  loie  dies  aus  der  im  frics.  Archiv  von 
fudli  =  bafudh  od.  bafa(W</.  a».  liöfn,  haf-  Ehren  traut  (I,  ol'i)  angeführten  Stelle 
iiar,  Hafen)  u.  vielleicht  auch  afries.  \\av9{\  licrvorgcld,  dir  folgcndcrmas^^en  lautet:  iim 
("i.  oben)  entspricht  genau  dem  lat.  caiuit,  wäh-  (bimsiilven  Jbaro  (nändich  13')5)  is  Edo  Wim- 
rend  in  den  andern  Formen  das  urspr.  „a"  45  kcMin  (Häuptling  von  Wittmund)  van  deu 
in  den  Umlaut  „an"  od.  „ou"  überging,  da  Itichtoron  der  Uustriiig,  Oistring  und  Wau- 
cs  doch  .schwerlich  geht,  um  diese  deutschen  g''i'S,  nomptiik  van  llillort  van  Laureiis, 
Wörter  für  die  Bezeichnung  des  Hauptes  Tanno  Ibon  tho  Sambdl,  M(Ster  Olrick  tho 
od.  Kopfes  von  einander  zu  trennen  u.  aus  Kniplmson,  Jungo  IIe(blo  tho  Wclens  etc. 
verschiedenen  Ouellen ,  bz.  von  vrrscliiede-  50  erwclet  und  angcnluinu'U  mit  synen  Naka- 
nen  Wurzeln  (dizulciten.  Sind  indessen  die  iiioling(!  flio  ein  Capitein  und  Ilovct  de  lande 
Formen :  goth.  baubith  etc.  u.  ags.  lieafod  und  luidc  vortbostacn  und  tho  rogcron,  Wente 
etc.  von  einander  zu  trennen.,  so  ist  es  je-  de  Richter,  wcreu  dos  aniptcs  inoode  und 
denfalls  richtiger,  um  die  Stämme:  Jiaub,  avd'dratich,  unime  der  gemeinte  ungchorsam- 
lioul)  etc.  mit  dem  von  Haub  in  Haube  53  heit  willen,  dat  neuumt  geboir  geven  woldfl' 
(cf.  hüfe)  von  demselben  Stannnvbm.,  bz.  noch  in  krich  noch  im  frede. 
derselben  y  abzuleiten,  ids  sie  mit  höf,  bz.  lli^Cd-pin,  Haiijd-.  od.  Kopfschmerzen, 
a.t.  bufa;  ahd.  hnoba  etc.  (s.  unter  höf)  aus  hofd-sakc,  liöt'dsakc,  Haujdsache. 
hafan,  baban,  od.  hafjan  (cf.  bebben  u.  hef-  1.  höt'el,  Hügel,  Anhöhe,  Erhöhung,  Er- 
ica), bz.  dessen  I'räter.  huof,  huob,  hüf  etc.  00  hebung,  Höcker  etc. ;  —  höfels  un  bargen  be- 


HOEFEL  ^    93  IIOEFEN 

jägnen  sük  net,    man    wol  minsken ;    —    de  usus) ;    mnd.    beliof   (dasselbe) ;   ags.    I)eh6f 

höfels  sligten.    —    Nd.  (Dühnert)   liövel ;  (Incvnm  etc.);  etujl.hvhooi' (Vortheä,  Ntitzen), 

mnd.  Lovel;  nhl.  heuvel;    mahl,  hovel,  liou-  hohovc  (l'ortheil,  Interesse,  Bequemlichkeit) ; 

vel ;    mild,    luihel,  hühel,  huvel ;    as.    huvel.  ((frics.  hiliöf,    Ix'liöf  (hehufsani ,    hehülflich, 

Wohl  zweifellos  mit  dem  folgenden  \\M{i\  zu  5  dienlich,  nützlich,  iiotliwendicj  etc.)  etc.  von 

heben  (hob  etc.),  cf.  heften.  einem  Stamm:  liöt",  lioef,  huof,  ln'if,  hüb  etc., 

2.  hüfel,  od.  liöfel,  Hebel,  Hebebaum  etc.,  der  mit  an.,  ags.  liöf  (Mass  etc.)  k.  goth. 
s.  hefel  sab  b).  hüb  (i)i  gahöl)ains,  s.  unter  liof),  sowie  auch 

3.  höfel,  Hobel,  Geräth  zum  Schlichten  mit  dem  l'rütcr.  liof,  huob,  nhd.  hob  von 
od.  Wegschaffen  von  Unebenheiten  u.  Hau-  10  hafjan,  hcfjau  (heben,  nehmen,  fassen  etc., 
higl'citen.  —  Nd.  hövel;  mnd.  ]\ovo\;  mnlil.  cf.  heffen),  od.  auch  ev.  mit  dem  urspr, 
hovel,  hoevel ;  mhd.  hovol,  linbel ;  md.  liu-  Präter.  hnob,  liuop  etc.  von  luiban,  hapan, 
bei;  an.,  bz.  isl.  liefill;  norw.  hovel,  hyvel;  rect.  bafau  (hcdjen  etc.,  cf.  hebb(Mi  u.  s.  un~ 
dün.  hövel,  hövl ;  schioed.\\i){we[.  Auch  die-  ter  liuf)  identisch  ist,  soivic  aucJt  mit  huob 
ses  Wort  gehört  zu  heften  (heben),  jedoch  15  in  ahd.  bi-huobida  (prae^umtio)  etc.  Da 
nicht  in  cler  Bedtg.:  hoch  macJien,  od.  sich  nun  aber  das  Brüter,  von  heften  im  nid. 
erheben,  steigen  etc.,  .sondern  in  der  von:  hief  lautet,  so  erldärt  sich  hieraus  auch 
greifen,  nehmen,  auf-  od.  wegnehmen,  wohl  ags.  hefe  in  behefe,  bz.  dessen  Iden- 
entfernen  etc.  u.  bezeichnet  es  buchstäblich  tität  u.  Synonymität  mit  afries.  behöf  (s. 
ein  Nehm-Ding,  od.  ein  Etwas,  loomit  20  oben).  Was  nun  aber  speciell  hvtien  =  ags. 
man  Etwas  entfernt  u.  beseitigt.  höfjan  etc.  betrifft,  so  leite  ich  dies  von  höf 

höfeln,  hobeln;    of-,    weg-,  bchöfcln  ;    —  in  ags.  behöf,  engl,  behoof  (lucrum,  bz.  Ge- 

dat  niut  behöfeld  worden.  ici)ni,    Nutzen,     Vortheil    etc.),    bz.  höf    in 

höfen,    müssen,    nöthig  haben,    brauchen,  afries.  beliöf  =  nhd.  behuf   etc.    ab,    was 

nöthig    od.    erforderlich    sein,    bz.    so    sein,  25  als    urspr.    Bräter.    von    haban ,  hafan ,  bz. 

dass  ein  Mass,  eine  Noth,    od.  ein  Bedürf-  hafjan  (haben,  besitzen  etc. ,    od.  heben ,  er- 

niss  etc.  vorliegt  utn  Etwas  zu  thun ;  ~  höfst  heben    [z.  B.  Geld,    Zoll],    greifen,  fassen, 

du  nog  net  na  de  schöl?  —  ik  hftf  net  drin-  nehmen,  halten,  behalten,  in  Besitz  nehmen, 

ken,  ik  hebb'  gen  dörst;  —  ik  höf  gen  äten  erwerben,  gewinnen   etc.)    dasjenige  bezeich- 

hebben;  —  he  bfifde  dar  je  uet  hen  to  gan,  30  net,  was  man  schon  hat  u.   besitzt  (cdso  die 

he  kun  d'  närs   je    in    hüs    holden ;   —  dat  Hahe  u.  der  Besitz),  od.  griff,  fasste,  nahm, 

h8fd  net,  dat  de  dam  mäkd  word.    Sprichw.  hielt,  behielt,    erivarb,    gewann    etc.,    sodass 

(einem   appetitlosen   habituellen  Säufer   iro-  höf  als  Subst.    zunächst   die  Bedtg.:    Habe 

nisch  als  Entschuldigungsgrund  in  den  Mund  u.  Besitz,  bz.  die    von  lucrum,    ocl.    Nutzen 

gelegt):  war  'n  drüp  sitt,  dar  bOfd  gen  kör-  35  u.    Vortheil  etc.  hatte,    od.    als  Adv.  in  Be- 

rel    to    Sitten,      cf.    behöfen,    wanhöfen   etc.  zug  auf  andere  Gegenstände   dasjenige   be- 

—  Nid.  hoeven,   behoeven ;    nd.  (Br.    Wb.)  zeichnet  tvas  nützlich,  vorthcilhaft,  dienlich, 

höven,  behöven;  m»fZ.  hoven,  behoven;  a/>v>.5.  passUch  ,    zweckentsprrechend   u.    brauchbar 

hövja,    bihövja;    wfries.    hoaven  ,    hoavjen  ;  loar,  woraus  sich,  denn  für  höfjan  etc.  »)  die 

ags.  höfian    od.    höfjan   in   bihöfian    (egere,  40  Bedtgn.:    in    Besitz    nehmen,     od.    an    sich 

dpcere  etc.,    bedürfen,  brauchen,  nöthig  ha-  nehmen    u.    gebrauclien    etc.,    od.  die   von: 

ben;  nöthig,  dienlich,  nützlich,  passlich,  ge-  Nutzen  haben  u.  machen   (wovon  für  sich), 

ziemend  u.  erforderlich  sein;  sich  geziemen,  benutzen,  gebrauchen,    verbrauchen ,  verzeh- 

IMssen  etc.);   engl,    hoove,  in  behoove    (ge-  ren,  bedürfen,  nijthig  hcdjen   (cf.  1  n.  2  be- 

biihren,  sich  geziemen  u.  schicken,  sich,  pas-  45  darfen)    etc.    —     u.    b)    die   von :     Geicinn, 

sen;  nothwendig  sein  etc.);    dän.    (be)höve;  Nutzen  u.  Vortheil  Jiaben  (wovon),  od.  nütz- 

schwed.  (be)höfva;    hochd.    (Grimm,    Wli.  lieh,    dienlich   u.    vorthcilhaft   sein,  nützen, 

I,  1343)   be-huben    (egere,    opus    habere)  u.  dienen,  passen  (für) ,    (sich)   passen,    gezie- 

behufen  (indigere)    etc.      Mit    nhd.    Behuf  men  u.  schicken,  bz.  passend,  geziemend,  ge- 

(Bedarf,  Bedürfniss  etc. ,  bz.  das,  was  man  50  bührend  u.  notlnvendig   od.    erforderlich    u. 

gebraucht   od.   ivas  einem  passt    u.   dienlich  nöthig   sein  etc.    von   selbst   ergeben.      Was 

'  ist),   bell, uf  (zum  Zweck ,   zum    Gebrauch,  nun  aber  weiter  das    ags.,    an.    höf    (Mass, 

I  bz.  der  Passlichkeit    u.   DienlicJikeit    hcdber  Masshalten,    EntJialtsamkeit)   u.  goth.  gahö- 

etc.) ;  mhd.  behuof  (Geschäft,  Gewerbe;  Be-  bains    (s.    unter    höf)    betrifft,    so    stammen 

darf,  Bedürfniss) ;   nid.  behoef  u.   behoefte  55  diese   Wörter  von  liaban,  hafan,  haben,  hal- 

(Bedürfniss,  od.  Bedarf,    Gebrauch,  Nutzen  ten  etc.,    (refl.)  sich   haben    od.   gehaben,   u. 

etc.,  cf.  behßfte),  behoeftig  (=  behöftig,  be-  benehmen  etc.,  od.  (refl.)  sich  lialtcn  u.  nicht 

dürftig    etc.),    behoeve    (ten    behoeve ,    zum  gehen  lassen,    sich  enthalten    (Eines).      Als 

Nutzen,  zum  Dienste,    zum  Gebrauch  etc.);  iveiter    hieher   gehörige   Wörter   seien   noch 

^  mnld.  behoef  (egestas,  necessitas,  indigentia,  60  angeführt:  schiocd.hof (Gebühr, Zukömmniss, 


HOF-ISER  HOFISDER 


94 


HOEGE 


Bedarf,  Behuf  etc.;  geziemendes  u.  gehiihr- 
liches  Verhalten  u.  Benehmen,  Mässiguni/, 
j\J(isshiilten  etc.,  cf.  an.  höf  etc.  unter  liOt), 
hotVa  (Gebühr,  das  gehörige  Mas,'^,  der  An- 
stand,  das  icas  Eiiiem  geziemt,  gebiilirt  u. 
zukommt);  hüfvas  (gebüliren,  geziemen  etc.); 
hurtig  igelmhrend,  geziemend,  a)iständig,  )iett, 
höflich  etc.),  hüfsa  (geziemend ,  nett  u.  gut, 
od.  ■'tauber  u.  ordentlich  machen,  [Jeman- 
den] gc!iittet  u.  artig  machen  etc.) ;  —  norw. 
hov  (Abpa.'isung,  passende  Zubereitung ;  das 
3Ia.-<shalten  etc.,  cf.  unter  hüf),  hova  (ab- 
})a.ssen,  jjassend  u.  geziemend  machen  etc.), 
höva  (abpassen ,  das  Bassende  u.  Bichtige 
treffen,  treß'en,  richtig  zusammenfallen  ?<. 
treffen,  zu  einander  ^Jf/swc»  u.  stimmen,  har- 
moniren  etc.),  höv  (passend,  treffend,  stim- 
mend etc.) ;  höve  (Treff',  Zufall)  etc.  aus 
welchem  Allen  klar  hercorgeht,  dass  das  an., 
ags.  büf  (Mass,  i\Iassh(dtrn)  mit  dem  Stamm 
hof,  hüf,  hat'  in  behof,  bz.  mJid.  behuof  etc. 
H.  in  hötjan,  bL'höfjan,  bz.  höt'ea,  nhd.  be- 
kleben, behufen  etc.  identisch  ist  u.  hof 
(Mass,  Masshalten)  =  Zukömmniss,  Ge- 
bühr, gebührendes  u.  geziemendes  Betragen 
etc.  (cf.  dieserhalb  auch  hören  [tragen  od. 
greifen,  fassen,  heben  etc.]  von  heran  [tra- 
gen etc.]  u.  gehören  [sielt  zutragen,  ereig- 
nen; Jemandem  zukommen  u.  gebühr  c  n] 
zu  liabaii,  hafau,  hiiob,  huof,  hof  u.  zu  höf 
[Mass,  Gebühr,  bz.  das  Gebühroide  u.  Ge- 
ziemende] u.  höfjan,  l)fliöfjin  etc.)  ist,  bz. 
zu  hahan,  hafun  (greifen,  fassen,  nehmen, 
haben,  hiüten,  tragen,  heben  etc.  etc.)  gehört. 

liöt'-iscr.  ht'ifisdor,  Hufeisen. 

liül'-napcl,  Hufnagel. 

hof-singer,  Grasmücke,  d.  i.  Hof-  od. 
(Jartrn-Sanger. 

Jlöf-smid,  Huf  Schmidt. 

bog  (Jlect.  höger,  högste) ,  lioch ,  erJutben 
etc.;  —  bog  un  lag;  —  dat  land  ligd  liüg  un 
dröge;  —  'n  bögen  hOni,  törn;  —  dat  is  nii 
to  liög  (das  ist  mir  zu  hoch  u.  erhaben  etc., 
bz.  zu  gelehrt  etc.) ;  —  böge  lue  (holte, 
hochstehende,  vornehme  Leute):  —  be  wil 
to  liüg  henüt;  —  bog  faa  ärd  (hoch  von 
Art,  bz.  erhaben,  rorneJim ,  stolz  etc.  von 
Art  u.  We.^en)  ;  —  h6  steitl  liüg  in  achtung 
un  ansen :  —  bog  uu  giütsk  düii  (hoch,  er- 
liaben,  stolz,    vortieJuii    ii.   gross  etc.  tliun) ; 

—  hö  dfinkt  sük  to  hüg  un  klük;  —  hüge 
prisen  (hohe,  theure  Preise) ;  —  dat  i)rüd  is 
hüg  an  pris  ;  —  dar  gcid  'n  hügen  wise  up 
(da  gellt  eine  holte  Weise,  od.  Melodie  auf, 
was  flg.  auch  von  Kiicas  gesagt  wird,  ivas 
hoch  u.  theuer  zu  stehen  kötnmt  u.  viel  Geld 
kostet) ;  —  bog  un  dfir  l)Oswüren ;  —  dat 
Word  büg!i  tid ,    dat  du  na  de  schul  kumst ; 

—  b("'  bed  't  hügnödig ;  —  dat  sunt  böge 
(hohe,    od.  ^tn gewöhnliche,    theure    etc.)    od. 


hüghcnde  tiden ;  —  dat  geid  d'r  fan  afend 
hüg  (hoch ,  festlich ,  freudig  etc.  od.  ver- 
schivetiderisch  etc.)  her;  —  höger  up ;  — 
fan  hüger  luind  (ron  hoher,  bz.  höherer,  od. 
5  mächtiger  obrigkeitlicher  Hand)  is  nii  dat 
anbefälen ;  —  't  is  up  't  högste  {Höchste, 
jieusserste  etc.);  —  do  bögen  (Hohen,  Vor- 
itehmen.  Oberen  etc.)  willen  't  all'  to  seggen 
liehben  un  an  sük  riten.    —   Besondere  lie- 

10  densarten:  sük  up  't  hüge  piird  setton  (sich 
Andern  gegenüber  erheben,  sie  von  oben 
herab  od.  rcrilchtlich  ansehot  u.  behandeln 
etc.,  z.  B.  lic  sett  sük  glik  up  't  böge  perd, 
wen  'u  ander  wat  segt  of  deitl ;  —  du  brükst 

15  dl  net  gl'ik  up  't  hüge  perd  sotten  un  an- 
dere lue  niinachton  etc.);  —  wi  hebbcn  't 
hüg  un  lüg  mit  'n  ander  had ,  od.  beprütd, 
forhandeld ;  —  't  böge  wörd  (das  hohe,  od. 
theure,  schtvere,  schioer  wiegende   Wort,  bz. 

20  das  Geständniss,  od.  Schuldbckcnntniss)  niiit 
d'r  berät.  —  Africs.  häch,  hag,  bz.  bog ; 
Compar.  hagera,  bägra;  Superl.  hägost,  hfi- 
gist,  liüglst;  (t/n'es.  hat'g,  heag,  herg  ;  nfries. 
(Outze n)  hugh ;    S(dl.   bäg ;    wang.    hoch ; 

2")  nd.,  nid.  boog;  mnd.  ho,  buch,  böge;  innUl. 
ho,  boo,  hoogb ;  as.  büb ;  ags.  beäh,  boä, 
beb;  Compar.  lieähra,  hearra,  hörra,  byrra; 
Superl.  heöbsta,  böhsta,  b}iista;  engl,  higb 
u.  früher   (nach  KU.)    higo,    beyge;    ahd. 

30  hüb,  baob,  hü;  mhd.  hüb,  buch,  liö  ;  goth. 
hauhs;  a/i.  här,  hä,  hätt;  norw.  bog;  schived. 
liüg;  dän.  büj.  Wohl  zur  y  kuc  (curvaro, 
intlcctere,  bz.  biegen,  krümmett,  wölben,  etc.), 
tcozu  es  locnigstens  Fick  (III,  70)  mit  lit. 

35  kankas  (Heule),  kaukar  (Anhöhe)  stellt,  cf. 
auch  bokko,  hök,  buk,  buken  etc. 

liog-beiid,  hoch  gebeint,  mit,  od.  auf  ho- 
lten Füssen,  hochbeinig  etc.,  fig.  auch  stolz 
etc.,  od.  theuer,   wo  Alles  hoch  (im  Preise) 

40  steht  u.  rar  ist;  —  't  stoid  so  bügböiid;  —  dat 
(Irr  is  so  bügbönd;  —  hv  lupd  so  bügbönd; 

—  dat  sunt  u|)stünds  sülke   liügbende  tideii, 
dat  olle  wark  bod  um  sük  d'r  dür  to  tilän. 

hö^'-drafeiid.  (sinnl.  u.  fig.)  hochtrabend. 

45  liÖg*',  Sinn,  Wille,  Wollen,  Wunsch,  Hoff- 
nung, Lust,  Behagen,  Vergitügen,  Freude 
etc. ;  —  dat  goid  so  rogt  na  <i\n  böge  (das  geht 
so  recht  nach  seinem  Sinn,  bz.  so  wie  er  es 
will,  wünscht  u.  hofft,  od.  so  wie  u.  dass  es 

50  ihm  Vergnügen  u.  Freude  ntacht) ;  —  all' 
wat  hv  schall  un  mut,  dat  dcid  he  mit  tä- 
gensiii,  man  all'  wat  hö  wil,  dat  (h'id  hr  mit 
liOge  (cum  animo)  un  möge;  —  ik  mns'  dar 
güster  afoiul  tagen  min  böge  (od.  tilgiii  niiii 

55  sin ,  —  tagen  't  sin  etc.)  un  möge  drinkon  : 

—  liö  bed  so  regt  sin  böge  an  de  kindcr. 
Nd.  böge;  mhd.  böge,  böge,  hege,  bage;  nl'l. 
liengb ;  mnld.  hoiiglif',  hoglie    (mens,  sensiis, 
intellectns;  consolatio;    spes;   dolectatio,  vo- 

GO  Inptas,  laotiti.i) ;   afrirs.  bei    (cf.    der   Form 


HOEGEDAG 


d5 


IIOEGEN 


werfen:  heia,  höhen;  heia,  hegen;  hoia, />cm- 
gen  etc.);  ahd.  huf^u,  iiukii;  mhd.  liu;j;i', 
hüge;  md.  hoge  (Sinn,  Geist,  Andoiki'n ; 
atfectus,  Freude);  goth.  hugs  (=  gricch. 
noüs) ;  as.  hugi ;  ags.  liyge,  hige  (animiis, 
mens,  Denkart,  Sinn,  Hers,  Mutli) ;  an. 
luigi  (Sinn ,  Gedanke)  u.  hugr  (Sinn ,  Ab- 
sicht, muthiger  Sinn,  Mnth) ;  norm,  hug, 
mich  hog,  hang,  hau  (Sinn,  Gedanke;  Lust, 
Verlangen  ,  Begehren  etc.) ,  hugge  (Freude, 
Trost  etc.),  hugs  (Sinn,  Besinnen,  Nachden- 
ken, Gedächtniss,  Erinnerung) ;  schioed.  liog, 
hug  (tüie  norw.  hug) ;  dän.  hu  (Sinn ,  Be- 
lieben, Wille).  Vcrgl.  Weiteres  unter  hü- 
gen  u.  hugen.  —  Zu  lioge  sei  zum  Schluss 
noch  bemerkt,  dass  nind.  hoge  etc.  (cf.  Seh. 
u.  L.),  nd.  (cf.  Schütze,  II,  14UJ  hüge 
mich  die  Bedtg. :  Lustbarkeit,  Festlichkeit, 
Fest  u.  loang.  (Ehr entraut,  I,  372)  hBg 
die  von:  Hochzeit  =  Freudenzeit,  od.  Fest- 
lichkeit, Festtag  etc.  haben  u.  ferner:  dass 
dän.  hygge  (Sorgfalt,  Schutz),  hygge  (be- 
loahren,  beschützen),  hygglig  (heimlich,  ru- 
hig, sicher) ;  schwed.  hygga  (sich  wozu  hal- 
ten u.  an  Jemand  anschmiegen,  seinen  ScJiutz 
suchen,  od.  Trost  suchen  bei  Jemand),  hygg- 
lig (angenehm,  niedlich,  nett,  behaglich,  ge- 
fällig, vertraulich  etc. ,  bz.  wo  man  gerne 
ist),  mit  an.  hyggligr  (sinnig,  nett,  verstän- 
dig, cf.  högelik),  hygginn  (verständig  etc.), 
hyggja  (Verstand,  Einsicht  etc.)  etc.  auch 
mit  högo  etc.  (jedoch  in  der  Bedtg.  S  i  n  n) 
connex  sind  n.  ihre  verschiedenen  Bcdtgn. 
aus  der  von:  sinnen,  denken  (denken 
woran,  achten  worauf,  sorgen  wofür,  Etioas 
in  Obacht  nehmen  etc.),  überlegen  etc. 
von  hyggja  u.  huga  (cf.  högen  ii.  hugeu) 
entfalteten. 
h8ge-dag,  a)  Gedenk-,  Erinnerungs-Tag ; 

—  b)  Freuden-,  Fest- Tag.  —  Engl,  hoke-, 
hock-day.     Zu  högen,  bz.  högo,  cf.  höge-tid. 

högelik,  högelk ,  erfreulich,  angenehm, 
vergnügt,  heiter,  froh  etc.;  —  dat  is  'n  höge- 
liken  sake;  dar  kan  mau  sük  regt  afer  freien ; 

—  högelk  un  t'ergnögd  bi  'n  ander  sitten.  — 
Nid.  heugelijk;  ninld.  heughelyk;  mnd.  hö- 
gelik (jucundus,  hilaris) ;  ahd.  hugelih  ;  mhd. 
hügelich  (erfreulich) ;  schwed.  h}  gglig  (an- 
genehm etc.)  etc.,    cf.   Weiteres  unter  böge. 

llSgcn,    a)  denken,    erinnerlich  sein  etc.; 

—  dat  mag  rat  net  högen  (od.  denken),  dat  is 
al  to  lank  her;    —    dat   bögd   mi   net  raer; 

—  b)  Lust,  Freude  u.  Vergnügen  haben 
an,  freuen,  Freude  u.  Vergnügen,  machen, 
angenehm  sein  etc.;  —  dat  liilgde  hum  so,  dat 
he  net  wus',  wo  he  sük  für  blidskup  wol  l'i- 
ren  schul' ;  —  dat  schal  hum  högen ,  wen 
he  dat  hörd,  dat  sin  dogter  in  de  kram  ka- 
men un  he  grötfader  worden  is;  —  he  högd 
sük  föl  mer  afer  sin  kindskinder,  as  afer  sTn 


egen  kiiider;  —  wat  büst  du  bliksem  für  'n 
undogd  (Taugenichts),  dat  du  di  afer  'n  an- 
dermans  unglük  bögst;  —  dat  is  'n  hoghö- 
gende  (hochfreudige ,  od.  hoch  erfreuliche, 
5  sehr  angenehme  u.  viele  Freude  erweckende) 
büskiip  (Botschaft),  di  du  mi  brogd  (ge- 
bracht) best.  —  cf.  gebogen  (Gedächtnis.'^), 
—  ferhugen  (erfreuen)  etc.  u.  hugen  (sin- 
nen etc.),  soivie  nd.  bögen;  mnd.  bogen;  nid. 
10  heugeu;  mnld.  heuglien,  hoghen  (mominisse 
etc. ;  sperare ;  laetari,  gaudere  etc.) ;  afries. 
bugja  (denken,  gedenken,  sich  erinnern) 
wfries.  buwgjen  ;  tifries.  huvfggje  (dasselbe) ; 
as.  buggjan ;  ags.  hycgan,  bicgan  u.  hogjan 
15  (denken,  nachdenken,  sinnen  u.  denken  auf, 
beabsichtigen,  gedenken,  hoffen) ;  an.  hyggja 
(denken,  aufpassen ,  Acht  geben,  betrachten, 
beobachten,  denken  an,  bedenken,  ersinnen, 
aussinnen,  besinnen  etc.)  u.  huga  (überle- 
20  gen,  erwägen,  bedenken,  ersinnen),  sowie 
hugga  (erfreuen,  trösten);  norw.  hyggja, 
huga  u.  hugga  (wie  an.);  schwed.  liugas 
(Lust  haben  zu  etc.),  hugna  (Freude  ma- 
chen etc.),  bugsa  (erdenken  etc.)  etc.,  s.  nn- 
25  ter  böge ;  goth.  hugjan  ;  ahd.  hukkan,  hucken, 
bucgen,  huggen,  hugen,  bogen;  viJnl.  hngeü, 
hügen ;  nid.  bogen  (denken,  meinen;  geden- 
ken, sinnen ;  seinen  Sinn  richten  tvorauf, 
trachten  wonach,  bz.  Lust  u.  Neigung  ha- 
30  ben,  gelüsten,  verlangen,  begehren). 

Was  dies  Vbm.  betrifft,   so   ist  es  seiner 
Form    nach    tvohl   von    hugs,    bz.  hug,  hog 
(Sinn  etc.,    cf.  unter  böge)  durch  jan  abge- 
leitet,   ivährend    dieses    selbst,     bz.    dessen 
35  Thema  huga  (Sinn,  Verstand,  Einsicht  etc., 
vergl. :    er  hat  keinen  Sinn  dafür,  sieht  od. 
bemerkt  es  niclit,  hat  keine  Einsicht,  bz.  es 
ist  in  n.  bei  ihm  nicht  hell,    od.    es  scheint 
u.  sieht  nicht  bei  ihm  liinein,  es  ist  dunkel 
40  in,  für  u.  bei  ihm,    er    bemerkt    u.   erkennt 
nichts  etc.)  wahrscheinl.  zur  idg.  y  kuk  od. 
skuk  =:  skr.,  zend.  quc    (brennen,  flammen, 
glänzen,  hell  sein   n.  machen,    leuchten,   se- 
hen u.  erkenne)i  machen  etc.)  gehört,  wovon 
45  ze)id.  guka  (was  als  Adj.  die  Bedtg. :  glän- 
zend,   leuchtend ,    hell    u.    sichtbar  machend 
etc.   u.  als  S übst,  die  von :  Erleuchtung,  Er- 
hellung,   Licht  u.  Sehkraft  etc.,  sowie  [von 
deren  (rrdbdtg. :  brennoi,  flammen  etc.  aiis- 
50  gehend]  auch  die  von  :  Nadel,  od.  Stechendes 
etc.    [cf.    Brennnessel,    od.    urtica,    als   mit 
Stacheln  beivehrtes  u.  so  stechendes  u.  bren- 
nendes   Etwas  etc.]  hat,    sowie  ferner    das 
synonyme  skr.,    ved.    ^.uci   u.    (}ukra,    sowie 
55  goka,  'Was  neben:  Licht,  Flamme  etc.  auch 
noch  die  Bedtg. :   Leiden,  Schmerz,  Beküm- 
merniss  etc.  hat,  loie  desgl.  auch  schon  eine 
y  cuc  von  Bopp  etc.   mit  der  Bedtg.:   do- 
lere,  moerere,  lugere  aufgeführt  wird,  wobei 
60  dan}i  wohl  anzunehmen  ist,  dass  die  Bedtg. : 


HOGEN  HOEGEN                     96  IIOK 

schmerzen   etc.  att^  brennen    (vf.  ahd.  höglik,  hö^lik,  liogelk,  hö^^elk,  höcli- 

eitar  =  nhd.  Eiter  von  eit  [ignis,  rogiis]  u.  lieh;  stol::,  rontehm  etc.;  —  hö  h^A  sük  d'r 

Weiteres  unter  attor)    hervorging,    während  höggi'lk  afi-r  fi  iwiiiidcrd,    od.  freid  etc.  ;  — 

die  Bedt;).:   Sinn    od.    Verstand,    Einsicht  In-  diiukd  sük  so  hogolk;    —    ht*'    word    mi 

etc.  von  biiga    (s.    unter  Loge),    als    wahr-     5  fuls  to  lui.iri;olk  im  sti)lt. 

nehmendes    Etwas    wohl    aus    der   von:  hö^liklieid,  liii^^plkhoid :  i.  q.  höglicid. 

flläncen,    hell    sein  u.  machen,  erhellen    (es  liöij-lllitd.  llochinuth.  Stolz  etc.;  —  hogniöd 

erhellt  daraus)  sichtbar  u.  sehen  machen,  zu  kuiml  tiir  de  fal. 

Gesicht    u.  zur    Wahrnehmung    bringen  etc.  liri^-inödi^,  hocInniUhig. 

od.  aus  der  subst.  Bedtg.:    Licht,  Klarheit  10  li«n:-nödi^,  hochnüthig. 

u.  so:  Erken)itniss    od.   Mittel,    Sinn,    Ver-  h(»;:;-rii^d ,    niit  einem    holwn    liücl'cn  od. 

mögen  etc.  um  Etwas   zu    erkennen    u.  ein-  einem   Buckel  versehen,  bz.  den  ]\ücken  hoch 

zusehen    (es  geht  ihm  ein  lÄcht    auf   ^^    es  gehoben  tragend  etc.;  —  In"-  is  wat  hogriigd  : 

wird    ihm    erllürlich,    verständlich   etc.,    er  —  högriigdo  ptTde;  —  hc  löpd  so  högrügd. 

sieJit  es  ein  etc.)  hervorging,    wo  dann  viel-  15  Iiö^slo,  höclistc;  Hüchstc. 

leiiht  aus  (ilanz  etc.    (cf.  bilde,  glad  etc.)  liö.ijsti'i'it,  x.  unter  sclu'innoiors. 

auch    die    Bedtg.:    Freude   etc.    hervorging,  litt^te,  liiiilfte,  Höhe,  Anhöhe,  Erhebung, 

die  Ja  auch  das  ahd.  hiign  fr/,  böge)  schon  Hügel  etc.;  —  sakkcn  in  de  högte  trekken  ;  — 

hatte.  up  de  liogtc  fau  de  bargen  ;  —   bc  is  up  de 

ho«;en,  liö^en,    höhen,    hoch  machen  etc.;  20  bögte;  —  dat  büs  bed  tl'  luigte  nog  net;  — 

—  ui)bogon,  ferhogcn  etc.  dat  steid  up  'n  liögte;    —    de    liögten    in  't 
lio-^enjiliid,  wie  od.  auf  welche  Weise  ge-  hwu]  matten  wi  insen  ofgrafen  laten.  —  Nid. 

)iannt  od.  gesagt  u.  geheissen,  i)i  aller  Weise,  booute;    nd.    bögte;    mnd.    bogede,    bocbte; 

ilurcliaus  etc.;  —  d'r  is  bügenA,md  gen  niinsk  ahd.  böbida,  böliitlia  etc.;   goth.  banbitlia. 

west;  —   d'r  is  hogen:und    niks   to   sen.    —  20  ho-lio,  od.  liö-ho,  ilas  redupl.  ho  (s.  1  bo); 

Nid.  boegenaanid.  —  bobo!  so  geid  dat  net. 

hö^er, //ö/ur;  —  dat  miit  of  liuger,  of  liiger,  hoike,  lioik,  .s\  lieike. 
en  fan  l)oiden  ;    —    nn!    wen  't  den  net  ho-  ho-jänen.  Iio-jiippeii,  vor  Hunger,  Lange- 
ger of  liiger  kan,    den  man  to,    den    mut   't  iveile  od.  Schlaf rigkeit  gähnen;  —  wat  sittst 
gän  as  "t  kan.                                                       30  du  dar  al  to  bojänen  un  to  gajjen  V  wen  du 

liö^er-baiid ,  a)  rechterhand,  nach  rechts  mfij  un  slaprig  l)üst,  den  gä  to  hedde.  Da- 
hin etc. ; —  liügcrhand  up  gän  ; — bogerhands  von  wird  (od.  wurde  früher)  der  Jüngsle 
dtwiken  (nach  rechts  hin  ausweichen) ;  —  Beisitzer  eines  Gerichts  scherzhaft  ein  lio- 
h)  höhere  od.  mächtigere  Hand,  Gottes  Hand,  jän  genannt.  —  Nd.,  mnd.,  nid.,  mnld.  bo- 
Schicksal,  Obrigkeit  etc.;  —  wat  fan  högei'liand  35  Janen,  was  ivoJil  für  büg-janeu  (den  Mund 
kumd,  dar  mut  man  sük  under  bügen ;  —  Jioch  u.  weit  aufsperren,  cf.  jänen  u.  jap- 
't  is  hum  fan  bügerliand    andän,    a)    es    ist  pen)  steht. 

Htm  von  höherer  Hand,  bz.   (rott,  Sehickscd  liü-jäiisk.  gälinisch,  zum   (räJmen  geneigt 

angethan ;   —   b)    es   ist   ihm  von   Obrigkeit  etc.;  —  ik  word'  so  hojäiisk,    (hvt   ik   gewis 

wegen    kund   gethan ,    od.    befohlen  u.  auf-  40  'n  stük  äten  liel)ben  mut. 

gelegt.  Iiok,  s.  liuk. 

hö^er-uj» ,    Jiöher    Jiinauf,    weiter    hinauf  hok,  a)  Spitze   (LMndspitzc,    Ljundzunge), 

etc.;  —   lie  wand  bügorup;   —   du    must  de  Ecke,   Winkel,    Bichtung,    Gegend    etc.,    cf. 

strate  högerup  gän.  egge,  börn,  Ord  etc  ;  —  d'  liök  fan  liOgum  (die 

llof:e-ti<I,    Ereudeuzeit,    Erntezeit  etc.  —  45  in  die  Oster-Ems  hineinragende  Ljundspil-r 

]\lnld.  (KU.)  lienglie-,  hogiietijd.  beim  frühern  Logum,  einer  vorzeitig  in  dir 

hu^-fälMl,  hufärd,  Hoffart,   Stolz,  Dünkel  knimhörn,  od.  krnndiük  [die  Bewohner  von 

etc. ;  —  lie  stinkd  fan  bögfärd  ;  --  (f.  Hollen.  krunibürn    sagen    krumhauk    od.    kiunibonk 

—  Nd.  (Dähnert  etc.)  boogford;  mnld.  u.  heissen  daher  auch  krunibauksters  od. 
boogbvaerdye;  ahd.  böbfart ;  7nhd.  böclitart,  50  krumbürners]  belcgoten,  durch  die  Sturm- 
höfart  (Stolz,    Vraiht;  Hoffart,    Vebermuth).  jhttheu    verschlungenen    Ortschaft) ;     —    de 

lio^C-fiiiMli;?,  liö^jferdi;?,  liöfärdi^,  luff'är-  büken  fan  't  liolt  d'r  ofstäken ;  —    de  wind 

tig,  stolz,  übermüt/iig  etc.  —    ..V(/.  boogfür-  woid  i'it  de  süder  buk;  —    dat  durp  ligd  lui 

dig;  nid.  boovaardig;    mnld.  lioogbvaerdigb,  de  audere  bök  (Seite,  Gegend  etc.)  ben  ;  — 

lioovaerdigb;  «Af/.  böbfi-rtig;  w(/tr/.  böcbfertic.  55  wen  du  de  strate  lik  üt  geistun  den  um  de 

liii^KPlk-  s.  büglik.  hök    dreist,    den    must    du    in  't    darde  liüs 

luiglioid ,    /fochheit,    Vornehmheit,  Stolz,  gän;    —    be    steid    up    de  bök    un  kikd  na 

hohes  vornehmes  .ftolzes  We.^en  ;  —  be  wet  für  beide  kanten  üt;  ■ —   boksten    (Eck.stein,  cf- 

bögbeid    n»"'t,    wo    he    sük    tiren   sal ;  —  he  hörnHint) ;  —  de  büken  fan  de  strate ;  —  si 

barst  fau   bögbeid.                                                   GO  knind  nrt  in  de  büken  un  bürns  (von  Haus- 


HOKEL  97  IIOEKER 

frauen,  Dienstmädchen  etc.,  die  nicht  in  die  ken   ein   in ecJcern  de s  Wesen   bezeichnet, 

Ecken  u.   Winkel  der  Wohnungen  kommen  od.  mit  buken    (hocken)    etc.  zu  der  tmter 

ii.  nicht  Alles  gehörig  nachsehen   u.    reini-  hok  etc.  erwähnten    y   kuc    (biegen,   krüm- 

gen) ;  —  he  sitt  in  de  hok  bi  't  für  to  sla-  men,  ivölben  etc.),  loie  auch  Boc k  mit  b o- 

pen ;   —    smit  ^t    in  d'  bök;    —    b)    Angel,  5  cken,   bücken   (cf.  buk,   bukken  etc.)   u. 

Thürangel,  Fischangel ,  besonders  die  grosse  biegen    ivohl    zur    ]/    bhug    (biegen   etc.) 

Schellfischangel;   —    hengen  un   büken   fan  gehört. 

de  döre;  —  't  es  up  de  buken  stäken.  —  liOker,  Höker,  Kleinhändler.  —  Nd.  (Br. 
Nid.,  mnld.,  hoek  (angulus,  hamus) ;  nd.  Wb.,  Bahn  er  t  etc.)  hükcv  tLhokev  (Einer, 
(Br.  Wb.)  huuk;  mnd.  buk,  buk  (angulus);  10  der  allerhand  Essioaaren,  besonders  fette 
wang.  (Ehren  traut,  I,  370)  bauk  (An-  Waaren,  Speck  etc.,  Salz,  Getreide  etc.  im 
gel).  Wohl  ztoeifcllos  mit  schwed.  buk  Kleinen  verkauft);  mnd.  (Sch.u.L.)  hake, 
(Bucht);  zend.  (Justi)  kugra  (Winkel,  baker  (Kleinhändler  mit  Lebensmitteln  u. 
Ecke).,  lit.  kaukas  (Beule)  etc.,  sowie  buk,  dergl.,  als  Butter,  Käse,  Speck,  Schmier, 
huke,  buken  u.  vihd.  bouc;  an.  baugr  (Hü-  15  Seife  etc.)  u.  boke,  boken  ,  boker  (Klein- 
gel), nhd.  Höcker  etc.  zu  der  bereits  un-  händler,  Krämer,  penesticus);  mnld.  (KU.) 
ter  beike  u.  bog  (s.  am  Schlüsse)  erwähnten  hoccker  ,  huecker ,  hucker  (caupo ,  propola, 
y  kuc  (biegen,  krümmen,  ivölben  etc.,  cf.  institor) ;  engl,  buckster  u.  (cf.  KU.)  früher 
auch  hake,  hak),  wobei  ich  toegen  des  Ab-  auch:  lioukester  (Höker,  Kleinhändler) ; 
lautes  „k"  u.  „g"  in  diesen  Wörtern  auf  20  schwed.  hökere ;  dän.  höker;  tihd.,  bz.  vid- 
die  Wörter  bügen  u.  bukken  verweise.  artl.  u.  älter  hochd.  (cf.  Grimm,  Wb.  IV) 
Bern.  Wie  die  Volksnamen:  Hessen  bocke,  bocke, boke,  bock,  böko,  höker,  bocker, 
u.  Chatten  bekanntlich  identisch  sind ,  so  hucker,  hecker,  hockler ;  mhd.  hucke  (Klein- 
würde zu  diesem  bök,  liuk,  bauk  nicht  al-  händler,  Krämer,  besonders  Einer,  der  mit 
lein  formell,  sondern  auch  begrifflich  der  25  Esswaaren,  als  Eier,  Butter,  Käse  u.  son- 
Name  des  fries.  Volksstammes  der  C  h  a  u  c  i  stigen  Esswaaren  handelt)  etc. 
od.  C  h  a  u  k  e  n  stimmen,  weil  dieses  Wort  Wenn  man  die  obigen  Formen,  nämlich 
sehr  gut  die  Bedtg.:  Spitze  od.  Anhöhe,  nd.  häker  u.  höker,  soioie  neben  nhd.  hocker, 
bz.  Landspitzen-  od.  Landzungen-  bucker  auch  becker  u.  mnd.  hake  u.  boke 
Bewohner  gehabt  haben  kann,  ivie  ivir  30  vergleicht,  so  scheint  es  fast ,  als  ob  diesen 
auch  jetzt  die  Beioohner  von  krumhök  zweierlei  Stämme,  nämlich  hake  ofi  haka  «. 
od.  kr  umhörn  ja  auch  krumhoks  ter  s  boke  od.  hoka,  buka,  gekürzt  hak  u.  bök 
etc.  (s.  oben)  nennen  u.  dann  auch  zu  erwä-  od.  hok,  buk  zu  Grunde  liegen ,  wie  denn 
gen  ist,  dass  egge  (=  nhd.  Ecke)  nicht  auch  im  Br.  Wb.  häker -yon  hake  of?.  hake 
allein  die  Bedtg. :  Spitze,  Schärfe  etc.,  son-  35  (Haken)  abgeleitet  ivird  (als  das,  woran  die 
dem  auch  die  von:  Kante,  liatid  etc.  u.  Waaren  zum  Verkauf  vor  dem  Ijaden  aus- 
hök  ebenso  icie  örd  auch  die  Bedtg. :  Ge-  gehängt  loerden)  u.  andererseits  hocke,  höcko 
gend,  Landstrich  etc.  hat,  sodass  man  das  (cf.  unter  hocke  im  Grimm'' sehen  Wb.) 
WortQ\idM.Q,i  nicht  allein  mit  Landspitzen-  als  von  nhd.  hocken  (cf.  buken)  abstam- 
od.  Halbinsel- Leute,  sondern  auch  mit  40  mend  angesehen  u.  so  gedeutet  loird,  dass 
Rand-  od.  Uferleute,  bz.  Leute,  die  bocke  ein  Etwas  od.  Wesen,  Person  etc. 
eine  „bauk"  genannte  Gegend  bewohnten,  bezeichnet,  das  etc.  sich  allerlei  Waaren 
od.  überhaupt  auf  einem  bauk  sesshaft  loa-  aufhockt  u.  sie  auf  dem  gekrümmten  Bü- 
ren (cf.  wurthsaten ,  wovon  der  Name  des  cken  herumträgt  u.  feilbietet,  toie  ein  Tröd- 
Landes  Wursten),  übersetzen  kann.  45  ler  dies  thut.  Vergleicht  man  indessen, 
hokel,  s.  1  häkel.  dass  die  Höker  ausschliesslich  Leute  sind, 
höken,  junge  Ziege,  Zicklein,  Böcklein.  die  nicht  hausirend  herumgehen,  son- 
—  Mofries.  (Cad.  Müller)  höhken;  nd.  dem  einen  festen  Stand  u.  blos  einen  klei- 
höke ;  mnd.  hoken,  buken,  bz.  hoyken,  hou-  noi  Laden  haben,  so  ist  bei  dem  Vergleich 
ken  (Böcklein,  od.  Bock  von  Ziegen  u.  Scha-  50  der  M^örter :  kramer,  kreraer,  bz.  nhd.  Kr  ä- 
fen).  Entioeder  mit  skr.  kokdi  (Wolf),  kuk-  mer  von  kram  in  der  Bedtg.  Bude  od. 
,  kubha  (Fasan),  kukkuväc  (Art  Antilope)  urspr.  ivohl  Zelt  (cf.  kram),  soivie  nid. 
,  etc.  von  der  aus  ku  (sonare,  od.  ein  unar-  winkelier  (Krämer  od.  Kleinhändler)  von 
i  ticulirtes  Getön  u.  Geschrei  machen,  schreien  winke!  (Winkel,  Ecke,  bz.  Kramladen  etc., 
1  etc.)  durch  Beduplic.  u.  Kürzung  vou  kuku  55  c/.  winkcl)  loohl  eher  anzunehmen,  dass\\o\<.Q, 
entstandenen  y  kuc  (einen  durchdringenden  boker,  höker,  huke,  buker  in  der  Bedtg. 
.  Ton  von  sich  geben),  bz.  der  davon  erweich-  Krämer  od.  Kleinhändler  (bz.  nid. 
1  ten  y  kug  (tönen,  piepen,  winseln  etc. ,  cf.  winkelier)  von  bök  ii.  buk  (Ecke,  Winkel, 
Fick,  I,  49,  50),  sodass  dieser  Name  sich  kleiner  Verschlag,  kleiner  Baum,  abge- 
auf  das  Meckern  bezieht   u.    hoken,   hu-  GO  pferchter  Stall,   kleines  Gelass  etc.,  cf.  buk 

J.  ton  BoOTukaat  Koolmau.    "Würterbuch.    II,  7 


nOEKERN 


98 


HOLD 


V.  hük)  weitcrgchihlet  ist  u.  hlos  eine  Per- 
son hezekhnet ,  die  in  einem  hok  (Winkel, 
Ecke)  od.  huk  (kleiner  Baum  etc.)  Waaren 
feil  hält  n.  verkauft.  Wa.-<  nun  aber  weiter 
rfrtN  nd.  lüikel  u.  nhd.  mdartl.  hokcl,  hz.  5 
mnd.  hake  (Kleinhändler ,  h:.  Person,  die 
mit  gesalzenen  Waaren,  als  Fischen,  He- 
ring, Speck  etc.  handelt)  betrifft,  so  ist  da- 
für ((/•*  Ausgang  wohl  das  mnld.  (KU.) 
hack  (salsamcntarius ,  salarius)  anzusetzen,  10 
ivas  indessoi  selbst  wieder  mit  mnld.  (K i  l.) 
hack  (ncgotiator  mercis  vilioris)  identisch 
ist  u.  mit  hak  (Gehacktes,  Zerkleinertes,  klei- 
nes Zeug,  Kleingut  etc.,  od.  Geringes)  zu 
hakkeil  gehört,  iveil  dies  aus  haka  od.  haki  15 
gekürzte  Wort  urs^ir.  hlos  eine  Person  (Et- 
tcas,  Wesen  etc.)  bezeichnete,  welche  hackt 
od.  zerkleinert  n.  zertheilt  etc. ,  bz.  ivelche 
mit  hak  (mit  Stücken ,  Brocken,  Abfällen 
etc.,  od,  mit  Hackfleisch,  als  met,  hütspot  20 
etc.,  od.  überhaupt  mit  kleinem  Zeug  u.  ge- 
ringen, icetihlosen  u.  billigen  Dingen,  cf.  1 
hak  sub  b)  handelt. 

hökern,  hOkern,  den  Höker  od.  Klein- 
händler machen,  mit  geringen  Waaren  han-  25 
dein,  in  Kleinigkeiten  od.  kleinen  Parthiccn 
verkaufen  etc. ;  —  he  hökerd  wat  herum ;  — 
se  hukeril  dat  wer  iit;  —  lio  liökerd  d'r  mit 
herum ;  —  he  ferhökerd  sin  göd. 

1.  hokke;  /.  q.  heike,  hoike.  30 

2.  liokke.  Iiokk",  ein  (auf gerichteter)  Hcmfe 
von  Korngarben,  od.  Torf  etc. ;  —  't  kurn 
etc.  steid  in  hokken.  —  Nd.  hokke;  mnd. 
hocke,  hake ;  7ihd.  (mdartl.)  hock ,  hocke, 
Imcke  (Haufe  von  Getreide,  Heu  etc.  auf  35 
dem  Felde).  Die  allgemeine  Bcdtg.  ist 
„Haufe"  (cumiilus)  u.  gehört  es  demnach 
mit  nhd.  Höcker  u.  Hügel,  bz.  deren 
Stämme  liock  n.  liug,  soioie  mit  hog,  hok, 
hük  etc.  u.  auch  huken  (hocken)  zur  y  kiic  40 
(biegen,  krümmen,  ivölbcn,  sich  bogenförmig 
od.  rundlich  gestalten  etc.). 

hokke-iiiolen,   liokniolen ,    Mantel-Mühle, 
Mühle  mit  einem  Mantel,    od.  einer  Beklei- 
dung von  Holz  od.  Bohr  etc. ,    cf.   1  hokke  45 
=  iieike. 

liokkeii,  Getreide  od.  Torf  etc.  zum  Trock- 
nen in  hokken  od.  Haufen  setzen,  tvobei  die 
Garben  schräg  gegen  einander  gestellt,  die 
Torfsoden  aber  einzeln  aufeinander  gelegt  50 
11.  geschichtet  werden;  —  dat  körn  is  hokk'd; 
—  de  türf  mut  nödig  hokk'd  od.  uphokk'd 
worden. 

hokkor,  ein  Jemand,  der  das  Iiokkon  thul. 

hok-mulen,  .s.  hokkemölen.  55 

1.  hol,  hohl;  —  all'  wat  liol  is,  is  6k  lös 
(leer),  man  all'  wat  hol  is,  hed  ök  'n  rand, 
of  is  tan  'n  wand  of  'n  hüll'  umgiifen,  as  't 
holle  fan  'n  ei  fan  de  Schill';  —  dat  hiis  is 
keller-hol,   d.  h.   das  Haus  hat,   soweit  es  60 


reicht,  einen  Keller,  od.  hohlen  von  3Iauern 
u.  Gewölben  umgebenen  u.  eingefassten 
Baum  ;  —  de  appel  is  hol  (der  Apfel  ist 
hohl,  d.  h.  er  besteht  nur  aus  der  äusseren 
Schale,  die  einen  hohlen  od.  leeren  Baum 
umfas.-it  u.  um.'^chliesst ;    —    'n   hollon  bom ; 

—  de  grund  is  hol  im  lös  (von  trocknem 
lockeren  Erdreich,  in  das  man  bei  jedem 
Schritt  tief  einsinkt);  —  dat  holt  is  hol 
(concav)  iitstäken;  —  du  miist  dat  nog  'n 
bitjo  holler   (concarer  od.  tiefer)    ütschafen ; 

—  he  sügt  so  holügd  (liohläugig)  üt;  —  dat 
water,  bz.  de  se  steid  so  hol  (wenn  die  See 
stürmisch  bewegt  ist  u.  tiefe  Wellenthäler 
hat) ;  —  dat  schip  ligd  up  hol  water  (auf 
unruhigem  Wasser);  —  de  wind  weid  so 
hol  (icic  aus  einer  Höhle  od.  einer  tiefen 
Schlucht  kommend);  —  he  hed  so  'n  hollen 
stimm;  —  dat  klingd  so  hol,  wen  he  siugd. 
Die  Bedensart:  „dat  geid  hir  hol  (stürmisch, 
laut,  lustig)  her"  (z.  B.  bei  einem  Gelage 
etc.)  ist  entlehnt  von  der  hohlstehende  n, 
starkwogenden ,  stürmisch  bewegten  See.  — 
Kid.,  nd.,  afries.,  ags.,  ahd.,  mhd.  hol;  an. 
holr.  Es  gehört  mit  2  hol  «.  fcrhalen  (ver- 
hohlen, verborgen  etc.)  zu  helan  (cf.  2  häleu) 
u.  bezeichnet  eine  Beschaffenheit  von  Etwas, 
was  höhlenartig  tief  ist,  tvie  eine  helle,  bz. 
dessen  Itincres  ganz  od.  theilweise  durch 
eine  Hülle  umgeben  u.  verdeckt  ist,  wie 
ein  hol. 

2.  hol,  Höhhing,  Vertiefung,  Loch,  Höhle 
etc. ;  —  he  ful  in  'n  hol :  —  hir  'n  hol  nn  dar 
'n  dol ;  —  dat  land  sitt  ful  hollen  nn  dol- 
len ;  —  't  hol  fan  de  band  od.  de  föt ;  — 
in  de  holen  (od.  hollen)  fan  de  bargen ;  — 
de  holen  (O.  L.  B.  png.  loS),  die  Schor)i- 
steine,  od.  BauchJiöhlen ,  Baueltlödier.  — 
Afries.,  nid.,  mnd.,  ags.,  ahd.,  an.  hol  (ca- 
verna,  sj)elunca,  Höhle,  Loch,  Oeffnung)  u. 
ahd.  holi;  an.  bolä;  engl,  hole  {Höhlung, 
Höhle,  Ijoch ,  schlechte  Wohnung  etc.,  cf, 
gat) ;  mhd.  hüle  (Höhle).  Davon:  afranz. 
beule  (Bordell),  houlier,  holier  (Besucher 
desselben),  holerie  (unkeusches  Wesen)  u. 
nfranz.  hulote  (Höhle  eines  Th  irres). 

holä,    Halt;    —  holä!    dat    geid    so   net; 

—  holä !  fal  net ;  s.   1  ho. 
1.  hold,  geneigt,  zugeneigt,  hold,  gewogen, , 

günstig  etc.;  —  he  is  mi  gans  net  hold ;  —  dat  i 
wer  (Wetter)    wil    uns  hei    net    hold  wesen. 

—  Afries.  hold,  houd;  nid.  lioud;  mnld. 
hold,  huld,  houd;  mnd.  holde,  holt;  as., 
ahd.  hold;  mhd.  holt  (geneigt,  günstig,  gnä- 
dig, ergeben):  ags.  hold  (dasselbe  u.  auch:, 
a)igcnehm,  lieb);  an.  liollr  (ergeben,  treu);, 
golh.  hnltbs  (gnädig).  Davon:  afries.  holda, 
bouda  (Freund,  Geliebter ;  Blutsfreund,  Ver- 
wandter); ahd.  holdo;  mhd.  holde  (Freund, 
Geliebter;   Dienstmann,    Lehnsmann;   ahd. 


HOLD  99  HOLKEN 

auch  geü'ms) ;  ahd.  holdii:,  »ihd.  hoUe  (Fremi-  kan  di  't  net  fiUon  ;    —    hold  't   miil   (liaJts 

diu);  ahd.  Holdä  (eine  Göttin,  cf.  Grimm,  Maul,  halt  es  verschlossen,  schweig) ;  — hold 

Mi/th.,  344  seq.)  etc.     Es  gehört  mit  afries.  ui)  to  singen    (höre  auf  zu  singen) ;    —    du 

helde,  hulde;    nid.  liulde;    mnd.   liulde;    as.  miist  hum   god    in  't  uge   holden;    —    hold' 

huldi;  ahd.  huldi,  huldhi;  mhd.  hulde;  mhd.     5  diu  oge  d'r  up.  —  Afries.  halda  ;  hild,  hal- 

holAe  (Geneigtheit,   Wohlwollen,  Freundlich-  den;    tofries.  (Jap ix)  hiiden;    satl.^  halda; 

Tceit,  Huld;  freundliche  Erlauhniss;   Erge-  loang.  (Ehr entr aut,  1,37) 'h.()\,\n\,\i\\(ii\; 

henheit,  Treue);   ags.   hylde,   hyldo   (Huld,  nid.  houden,  hield  etc.;   nd.   holden,  hellen, 

wovon  nhd.  huldigen)  etc.  u.  nhd.  Halde  holen;  mnd.  holden;   as.  haldan,  held  etc.; 

etc.  zu  ahd.   haldjan,   heldan    (neigen   etc.),  10  ags.    healdan,    heöld   etc.;    engl,   hold;    an. 

s.  unter  2  hellen.  halda,  holt  etc.;  schwcd.  hälla;    dän.  holde; 

2.  hold,  Halt,  Festigkeit,  Bestand,  Dauer  ahd.  haltan,  haldan;  mhd.  halten,  halden 
etc.;  —  dat  hed  gin  hold  mei";  —  wi  mutten  (halten,  in  Stand  halten,  erhalten,  bewahren, 
d'r  mer  hold  an  gefcn;  —  dat  göd  is  to  mör  festhalten  etc.);  goth.  haldan  (halten,  hewah- 
(nütrhe),  dar  sitt  gm  hold  in;  —  in  God  15  reu,  hüten,  weiden).  —  Formell  u.  begrijf- 
schal  man  sin  hold  hebben  un  söken.  Com-  lieh  Hesse  es  sich  leicht  von  skr.  (Grass- 
pos, iuhold  (Inhalt),  \)C\\o\\\.  (Behalt)  etc. —  mann)  Qardh  (sich  keck,  kühn,  stark  er- 
Afries.  hald  {in  iuliald,  Inhalt);  nid.  houd  (in  loeisen,  hz.  keck  etc.  u.  stark  sein),  bz.  ^ardha 
in-,  be-houd);  »(7irf.  holtj  halt,  bz.  holdt,  hold  (stark  etc.;  Schaar,  Heer,  Heerde  etc.,  cf. 
(Halt,  Hinterhalt,  Versteck,  Befestigung ;  20  herde),  ^.ardlias  {dasselbe  u.  auch  Macht, 
das  Halten,  Abhalten;  der  Inhalt)  etc.,  cf.  Stärke  etc.),  (jardhia  (stark,  fest)  etc.  ab- 
holden, leiten,  weil  sich  hieraus  die  Bedtgn. :  stark, 

holden,  hollen  (ik  holde,  helle,  holl,  —  fest  u.  haltend  sein,  od.  die  Eigenschaft 
du  holdest,  hollest,  holist,  —  he  holdod,  hol-  haben  um  zu  halten  u.  zu  schützen  etc.  so- 
led,  holld,  hold  etc.;  — ik  hnW  od.  [seltener]  25  ivohl,  als  auch  die  von:  Heerde  haben  u. 
hol,  —  du  hüllst  etc.;  —  heb  od.  büu  hol-  besitzen,  Vieh  halten  u.  weiden  etc.  (falls 
den,  od.  hollen),  halten,  greifen,  fassen,  haf-  pascere  die  urspr.  Bedtg.  von  goth.  haldan 
ten,  festhalten,  kleben,  sitzen  etc.;  behaltoi,  ist)  von  selbst  u.  ganz  imgesucht  ergeben. 
an  sich  halten;  beioahren,  erhalten;  wofür  holder,  holler,  beholder,  Halter,  Schi^'- 
halten,  meinen,  dünken  etc. ;  richten  etc. ;  —  30  mer,  Schützer,  Behalter,  Erhalter  etc.,  bz. 
holl'  hum,  anders  löpd  he  weg;  —  de  spiker,  Einer  der  Etwas  hält  etc.  —  Sprichw. :  de 
od.  nagel  kan  dat  net  holden,  (halten,  od.  holler  kumd  de  erste  drunk  to. 
tragen,  bz.  festhalten);  —  dat  papir  wil  an  hold-fasl,  holfast,  Haltfest,  d.)  Mensch  der 
de  wand  net  hollen  (halten,  festhalten,  bz.  fcstliält  u.  nicht  so  leicht  Etwas  los  u.  fah- 
fasscn,  sitzen,  kleben  etc.  od.  sitzen  etc.  blei-  35  reu  lässt;  — -  't  is  jo  'n  holfast;  —  b)  Eisen- 
ben) ;  —  dat  fat  hold  (fasst,  befasst,  enthält  klammer,  Krampe  od.  Haken  zur  Befestigung 
etc.)  dre  anker;  —  dat  bök  hold  huuderd  od.  zum  Festhalten  von  Pfählen  etc.;  —  d'r 
bladen;  —  dat  tau  is  fast  genug,  um  de  last  mut  'n  goden  holfast  in  slän  worden,  de  hum 
to  holden  un  to  dragen;  —  he  hold  (liält  hold.  —  Sprichw.  zu  ü) :  he  is  fan  kniphusen 
oder  trägt  etc.)  sük  regt  lik;  —  de  stender  40  un  holiast,  d.  h.  er  ist  ein  Geizhals. 
hold  (hält,  trägt,  stützt  etc.)  de  b5n,  bz.  de  hol-fast,  s.  holdfast. 
mür;  —  'n  daler  hold  30  stüfer;  —  piirde  holke,  hölke  (Dimin.  von  2  hol),  kleine 
od.  fe  holden;  —  he  kan  hum  't  wol  holden  Höhlung  od.  Vertiefung,  kleines  Loch,  kleine 
\  (er  kann  es  ihm  wohl  halten,  ist  ihm  wohl  Höhle,  kleines  Versteck  etc. ;  —  holkes  un  dol- 
gewachsen  etc.);  —  he  kun'  sük  net  hollen  45  kes,  od.  holkes  un  dölkes;  —  he  hed  dar 'n 
für  lachen;  —  he  hed  dat  geld  hollen;  —  holke  under  de  trapp'. 
hold  dl  fast,  dat  du  net  fällst;  —  dat  band  1.  holkan  od.  ]\\i\ken,  hold  machen,  höhlen, 
wil  net  holden  ;  —  dat  god,  od.  flesk  etc.  hold  etc. ;  —  he  holked  dat  ut ;  — ■  de  appel  is 
sük  net  (hält  sich  nicht,  dauert  nicht  aus,  gans  üthölked.  —  Nd.  hölkeu ;  mnd.  holken ; 
hat  keinen  Bestand,   vergeht  bald  etc.) ;  —  50  schwed.  holka. 

'  he  hold  sin  kinder  god ;  —    he  hold  perde ;  2.  holken,  versteckt  od.  heimlich  thun,  ein 

'  —  he  hold  sük  up ;    —   de  wind   hold  sük  verstecktes,  heimliches,  hehlerisches,  diebisclies 

•altid   in  't  westen;  —   he   hold   dat   in    de  unredlicJies  V er ständniss  mit  Jemandem  un- 

höchte,   of  lik  üt,    bz.    na  't  Osten   hen   (er  terhalten,  sich  heimlich  ti.  flüsternd  bereden 
hält,  od.  richtet  das  in  die  Höhe,  od.  gerade  55  etc. ;  — •  wat  hei  ji  dar  wer  mit  'n  ander  to  hol- 

aus,  bz.  nach  Osten  hin);   —    he   kan  niks  ken  un  to  tolken.  —   Nd.  (Br.   W B.)  hol- 

bi  sük  holden  un  mut  't  altid  all'  ütplappern  ken.  —  Dieses  Wort   hängt  zweifellos   (cf. 

wat  he  wet;  —  wat  holst  du  d'r  fan,  is  dat  holker)  mit  holke  (kleine  Holde,  kleines  Ver- 

rocht    of  net;    —    wen  du  di  al  links  holst  steck  etc.)  zusammen  u.   kann   urspr.   wohl 
dich  immer  links  Imltst  u.  wendest  etc.),  den  60  die  Bedtg.:   Versteck  haben  u.  halten,  bz.  in 


i 


HOLKER 


100 


HOLT 


einem  VersteJc  od.  einer  Diehshühic  tvoJmen 
ete.  (u.  so:  den  Hehler  spielen  u.  machen, 
Hehlerei  treiben,  rerstecl't  it.  Jicinilich  thun 
etc.)  f/chaht  haben,    cf.  tolkon. 

Iioiker,  ein  Diebsliehler  od.  Betreiber  von 
unredlichen  u.  das  l.icht  scheuenden  Ge- 
werben etc.;  —  wen  de  holkors  lui  tolkcrs  bi 
'n  audor  sunt,  den  bröou  sc  not  fol  gOds  to- 
rcgt;  —  holkers  un  tolkevs  (unredliches  Ge- 
sindel). —  Xd.  (Jir.   WB.)  holker. 

hol-kibd,  liolkifd,  hohlwangig,  od.  eigent- 
lich hohlkieferig,  in  Folge  des  Anxgehcns 
der  Zähne  in  den  Kiefern,  od.  kibben. 

Holland,  Holland  od.  das  Königreich  der 
Niederlande.  Eigentlich  bezieht  ><ich  der 
Name  nur  auf  die  beiden  Provinzen  Nord- 
u.  Süd-Holland.  Das  Sprichwort:  „nu  is 
Holland  in  nöd"  ivird  allgemein  auf  alle 
Verlegenheiten  (bz.  wo  man  sich  nicht  zu 
rathen  u.  zu  helfen  iveiss)  angewendet.  Den 
Namen  Holland  betr.,  so  soll  er  (cf.  W. 
Arnold,  Wanderungen  deutscher  Stämme 
pag.  506)  aus  holtland  (d.  i.  Waldland) 
entstanden  sein. 

Holländer,  Holländer,  Niederländer.  — 
Sprrichw.:  hö  gcid  d'r  dör,  as  'n  Holländer; 

—  de  Holländers  sunt  kwud  ßöse,  schlimm, 
schlau),  pass'  iip,  wen  du  mit  liür  to  dun  best. 

liolland>ik,  holländisch.  —  Sprichw.:  dat 
geid  up  sin  hollandsk;  bold  undcr,  bolil  bufen. 

1.  liollcn,  s.  holden. 

2.  liollen,  holden,  höhlen,  hohl  machen, 
vertiefen  etc.;  —  hoU'  dat  nog  "n  bitjed  mi'T 
iit.  —  Ags.  holjan ;  ahd.  liolOn ;  nid.  hellen; 
m)dd.  holen. 

Hollen,  ein  Icleines,  armseliges  Kirchdorf 
im  Amt  Stickhausen,  wovon  es  ]tcis-'<t:  Hollen 
mut  nog  fan  höfärd  undergän,  sä'  de  päp, 
as  d'r  al  wer  'n  bür  mit  neje  holsken  in  de 
karke  kwam. 

1.  Iioller,  s.  holder. 

2.  holler,  hohler  etc.;  s.  1  hol. 
holloi't,  Jlalt,  Feierabend  etc.;  —  m  mat- 
ten hollert  makea.     Zu  holden. 

hoUiglieit,  Höhlung,  Vertiefung,  Ein- 
senkxntg  etc.;  —  d'r  is  so  'u  bolligheid  in  de 
miir;  —  iu  de  holliVheid  fan  't  land. 

hol-ö^d,  hohläugig;  —  he  sügt  so  holugd  üt. 

Ii0l-l)i|»0  (Hohlpfeife),  Schachtelhalm,  equi- 
setum ;  —  dur  stän  to  fol  holpipen  in  't  land, 
as  dat  dat  'n  godcn  gruud  wc^en  kan. 

Iiolskc  ((/.  /.  hoU-scho,  cf.  hanskc),  Holz- 
schuh. 

holster,  Holfter,  a)  ledernes  Futteral  zum 
Einstecken  der  Pistolen  (pistolcn-holster) ;  — 
b)  lederne  Umhüllung  der  Zagstränge  zum 
Schutz  der  Pferde  gegen   das   Wundreibeti ; 

—  c)  Bauchhöhle,  Wanst,  Magen  etc. ;  —  he 
kan  't  air  in  sin  holster  bargen ;  —  d)  gros.scs 
iveites  Maid;  —  wen  he  sin  holster  apen  deid, 


den  mut  man  bang  worden,  dat  he  en  up- 
frett;  —  e)  (rrossmaul,  Grobmaul,  od.  grobe, 
grobmäulige  unmanierliche  Person;  —  *n  hol- 
ster fan  'n  wif.  —  Nd.,  nid.  holster  (Futte- 
5  ral,  lleisesack,  Ranzen) ;  golli.  hulistr  (Hülle, 
Decke,  Schleier) ;  ahd.  hülst  (eine  Art  Decke)  ; 
an.  hulstr  (Futteral) ;  ags.  heolstor,  heolstor 
(tenebrae,  latebra,  antrnm,  caverna).  3[it 
ahd.  hulid,  hulith  (velamentum)  etc.  zu  hüllen. 

10  —  Aus  ahd.  hülst  ent>itand  mit  Einschicbung 
eines  „f"  für  „s"  das  spätere  halft  u.  huli- 
ter,  bz.  nhd.  Holfter. 

holt,  Holz  als  Stoff  od.  Material;  Wald; 
Sarg;  —  'n  schap  fan  ekeu  holt;  —  de  köl- 

15  rabi  is  in  'l  holt  schateu  (der  Kohlrabi  ist 
i)is  Holz  geschossen,  d.  h.  holzig  od.  hart 
geworden);  —  he  is  so  mager  as  'n  slük 
holt ;  —  he  is  in  't  holt  gän ;  —  nastens 
worden  d'r  gode    eken    un    büken    in  't    Be- 

20  ruiner  holt  ferköfd,  dar  must  du  um  den- 
ken, dat  wi  d'r  wat  fan  krigon;  —  he  is  güster 
stürfen  an  kumd  fau  afend  in  't  holt;  — 
he  is  in  'n  swart  fräfen  eken  holt,  mit  sül- 
fer    beslagen ,    begrafen;    —    de    dodehoUen 

25  (Todtcn-Särge)  worden  iit  nodholten  (Noth- 
hölzer,  d.  i.  eichene  Bretter  von  bestimm- 
ter,  zu  den  Särgen  passender  Länge  u. 
Breite)  makd.  —  Afries.,  sath,  nd.,  as., 
ags.,    engl.,    an.,    norw.  holt;    nfries.  hoalt, 

30  hout ;  nid.  hont ;    ahd.,  mhd.  holz. 

Es  lüird  von  Fick  (III,  72)  u.  Andern 
(cf.  Grimm,  Wh.  IV,  1763)  mit  kslav. 
klada  (Balken,  Block,  HoU)  zur  ]/  hal,  bz. 
kal  (cf.  2  hellen  u.  hilt),  schlagen,  brechen, 

35  biegen  etc.  gestellt,  indem  sie  annehmen, 
dass  holt  urspjr.  das  im  Walde  geschla- 
gene u.  gefällte  zum  Brennen  u.  Bauen 
dienende  Etwas  bezeichnete.  Da  indessen 
das    Wort  holt   möglicherweise  scJion  so  ur- 

40  (dt  ist,  dass  es  schon  vor  der  Zeit  entstand, 
ehe   die   Menschen   Werkzeuge   hatten,    um 
Bäume  zu  schlagen    u.   zufallen,    so  kann 
damit  urspr.  auch  alles  das  hezeicltnctsein,\ 
loas  durch   Windbruch   im   Walde   brach  ti.i 

45  niederstürzte ,  also  sowohl  die  vom  Winde 
gebrochenen  u.  gefällten  Bäume,  als  auch 
die  davon  uhgehrocliencn  Zweige  n.  lieisrr. 
tvo  dann  das  ^Vort  holt  ursjjr.  lediglich  lUc 
Bedtg.:  Bruch   gehabt   hätte,  woraus  sidi 

50  dann  leicht  beim  Vergleich  von  1  briik  die 
Bedtg.:  Gebüsch  u.  Wald  (welche  (an- 
scheinend die  älteste  ist,  cf.  W.  Arnnlil. 
Wanderungen  etc.,  pag.  506)  leicht  rut- 
wickeln  konnte  (d.  h.  locnn  Wald  ivirkli<l: 

55  mit  wild  u.  nicht  etwa  mit  walten  cmi 
nee  ist),  da  bei  einem  Windbruch  der  Br  ml 
(od.  das  gestürzte  Holz)  sämmtlich  wlh 
durcheinander  u.  übereinander  liegt.  J!' 
züglich  des  Wortes  holt  (dessen  „t",  bz.  „// 

GO  aus  älterem  „d"  entstand  u.  wovon  es  auci 


HOLTE 


101 


HON 


[lar  nicht  sicher  ist,  äass  es  mit  dem  so 
vereinzelt  stehenden  Icslav.  khwla  üherhaupt 
vcncandt  ist)  sei  indessen  noch  erivähnt, 
dass  II.  Leo  es  mit  ags.  hold  (Leichnam, 
od.  eigentlich  das  die  Knochen  bedeckende 
u.  schützende  Fleisch,  od.  die  äusserliche 
Hülle  if.  Bedeclciimi  des  Körpers  etc.,  cf. 
hama  in  lilihama  [LeicJinamJ  u.  skr.  pala 
[caro ;  stramoii]  von  y  pal  [servare,  tiieri], 
als  Weiterbildung  von  y  pa,  pi  [greifen, 
fassen,  hcdten,  sichern,  schlitzen  etc.],  hz. 
pä,  pi  [idem  u.  auch:  herrschen,  regieren, 
walten,  Macht  haben  etc.],  cf.  pa  [regens], 
päti  [rex  dominus]  u.  pitar  etc.)  =  au.  hold 
(Fleisch);  norm,  hold  (dasselbe  n.  auch 
Häute)  zu  ht'lau  (celare  etc.,  cf.  2  hälen) 
stellt  u.  holt  in  der  Bedtg.  „Wald"  als  das 
V er  hehlende,  Versteckende,  bz.  das 
Verborgene  u.  Dunkle  od.  das  Be- 
deckende u.  Schützende  von  helan 
ableitet.  Hält  man  indessen  diese  Bedtg. 
fest,  so  wäre  zu  holt  auch  ved.  chardis 
(Schutz,  Schirm  etc.)  zu  erwägen. 

holte,  Höhlung,  Vertiefung  etc.  —  Nid., 
mnld.  holte. 

holten,  hölzern,  von  Holz;  —  'n  holten 
däle;  --  (fig.)  steif,  ungelenk;  —  he  steid 
dar  so  holten  hen ;  —  he  lr)pd  so  holten. 

holterig,  holterg,  holzig,  holzfaserig  etc. ; 

—  de  kölrabi  word  holterg.  —   IStld.  houterig. 
holtje,     Hölzchen,    Stäbchen    etc.     Das 

Sprichw.:  „na  sunt  't  holtjes  an  den  sunt 
't  smoltjes"  hat  im  Allgemeinen  die  Bedtg.  : 
,Jetzt  sind  sie  hart  u.  ungeniessbar  u.  nach- 
her sind  sie  loeich  u.  schmelzend"  u.  ward 
urspr.,  da  smoltje  (Diinin.  von  smolt,  Schmalz) 
nach  dem  Br.  Wb.  auch  eine  Art  kleiner 
Schmalzbirnen  bezeichnet,  wohl  auf  die  erst 
■unreifen  u.  harten  u.  später  butter- 
weichen u.  schmelzenden  Früchte 
dieser  Birnsorte  bezogen,  od.  es  tvurden  die 
kleinen  loilden  Holzbirnen  im  Gegensatz  zu 
smoltjes  auch  holtjes  genannt.  —  Nid.  houtje. 
holt-mager,    so  mager  it.  dürr  toie  Holz. 

—  Wang.  holtmoger. 

holt-stek,  holtvvinkel,  Holzgeschäft,  Holz- 
handlung. 

homeie,  Hoheitszeichen,  od.  eigentlich  der 
äusserste  mit  den  Landes-  u.  Hoheits-Zei- 
chen versehene  Schlag-  od.  Zollbaum,  der 
die  Grenze  gegen  das  Nachbarland  ab- 
vchliesst.  —  Nd.  (Br.  Wb.)  hameine,  ha- 
raeide,  homeine;  mnd.  (Seh.  u.  L.)  ha- 
raoide,  homeide,  hogemeide,  hameie,  homeine  ; 
mnld.  harameye,  hameyde,  hammenboom  (re- 
pagulum,  obex,  vectis  etc.);  mhd.  hamit,  bz. 
hamita. 

homel,  s.  1  hamel. 

honi-ende,  s.  hamende. 

1.  hon,  Huhn.     Im  Singular  fast  obs.  u. 


nur  im  Plural  hüner  allgemein  gchräuch- 
lich,  lüonebcn  auch  honer  u.  honder  vor- 
kömmt. —  Redensart,  u.  Sprichio.:  he  geid  mit 
de  höner  to  rik;  —  kloke  hüaer  leggen  hör 
5  cier  6k  wol  in  de  netteis;  —  bi  gebrek  fan 
höner  nimd  de  bür  uk  mit  kreien  förlof;  — 
wen  man  „sjü"  segd,  den  mend  man  de  hö- 
ner air ;  —  höner  hebl)en  man  'n  lütjen  kop, 
se  slapen    hold  üt;    —   achterna   kakeln   de 

10  höner ;  —  de  höner  leggen  dör  de  krop  un 
de  kujen  melken  dör  de  hals.  —  Nd.,  mnd. 
hun ;  nid.  hoen ;  as.  hun ;  ahd.  liuon,  huan, 
hon ;  mhd.  hiion.  —  Der  Form  nach  ist  es 
das  substantivirte  Präler.  eines    obs.   Vbms. 

15  hanan  (singen  od.  krähen) ,  worüber  Wei- 
teres unter  1  hän. 

2.  hon,  Hohn,  Spott,  Schmach,  Kränkung, 
Verachtung  etc. ;  —  dat  is  hon ,  wen  he  so 
sprekd ;   —    schal  dat  hon  wesen,    of  is  dat 

20  din  ernst?  —  he  hed  mi  hon  andän ;  —  mit 
hon  up  en  dal  kiken.  —  Nd.,  mnd.  hon; 
nid.,  mnld.  hoon  (frans,  fallacia,  probrum, 
dedocns,  infamia,  indignatio ,  injuria,  ira) ; 
wfries.    huyn ,    huyne ;     ahd.    höna    (Hohn, 

25  Spott).  Dass  es  auch  afries.  lebte,  geht  aus 
afries.  häna,  bz.  höna  od.  hena  (a.  Kläger, 
d.  i.  Gehöhnter,  Gekränkter,  Verletzter,  Be- 
schimpfter etc.;  —  b.  Verklagter,  d.  i.  Höh- 
ner od.  Schimpfer,  Kränker  etc.,  cf.  0.  L.  B., 

30  jJrt^.  673,  hoene  u.  mnd.  hone)  u.  henan 
(höhnen ,  cf.  honen)  hervor ,  es  sei  denn, 
dass  diese  Wörter  Ableitungen  des  Subst. 
höna,  bz.  des  goth.  hauns;  cts.  heän  (niedrig, 
verachtet  etc.),    bz.    ags.  heäne,   hyne;    (did. 

35  liöni;  mhd.  hone,  hoene  (verachtet,  in  Nie- 
drigkeit, Schmach  u.  Schande  lebend,  durch 
Schmähung  an  der  Ehre  kränkend,  un- 
freundlich, zornig,  hochfahrend,  übermüthig, 
böse)  sind,  wovon  auch  (od.  von  hönjan  etc.  ?, 

40  cf.  honen)  ahd.  hönida  (Schmach,  Schande, 
Uebermuth,  hochfahroides,  verletzendes  We- 
sen) ;  as.  hönda  (Schmach,  Schimpf) ;  afries. 
hänethe,  hende  (Verletzung,  Kränkung ;  An- 
klage loegen  dessen)  ;  lofries.  hoente  (Betrug) 

45  etc.  Was  mm  ahd.  höna,  bz.  goth.  hauns 
etc.  betrifft,  so  stellt  Fick  (II,  327)  sie 
mit  lett.  kaunas  (Schande,  Schmach,  Hohn; 
Scham)  u.  kslav.  kyja,  kyt  (uicto)  zu  einer 
y  ku  (erniedrigen),    die  mit  der  für  hauen 

50  von  ihm  angesetzten  y  ku  sehr  gut  iden- 
tisch sein  kann,  da  sich  aus  hauen,  bz. 
schlagen,  erschlagen,  verletzen,  tödten  etc., 
od.  niederschlagen,  zu  Boden  schlagen,  fäl- 
len etc.  sehr  leicht   die  Bedtg. :    erniedrigen 

55  etc.,  cds  auch  die  von:  verletzen,  verwunden 
etc.  in  der  s  i  n  n  l.  Bedtg. ,  toie  im  afries. 
hena  (cf.  honen)  u.  (trop.)  die  von:  krän- 
ken etc.  entwickeln  konnte.  Da  indessen 
toeder  im  Skr.  noch  sonst  eine  y  ku  in  die- 

60  sen   Bedtgn.    belegt    ist    u.    auch    die    von 


HONEN  HOENEN 


102 


HOP 


//.  Leo  (pag.  45G)  für  ags.  lieüuau  ange- 
setzte y  kun  (oorrngari  etc.)  sich  in  dieser 
Bedtg.  weder  findet,  noch  begrifflich  son- 
derlich dazu  stimmt,  so  halte  ich  eher 
dafür,  dass  die  für  liOua  u.  htt.  kaunas 
anzusetzende  y  huu  od.  kun  entweder  mit 
der  aus  kii  (souarc,  gemere,  bz.  ein  unarticu- 
lirtes  Geräusch  mucfien  u.  so  auch:  schreien, 
heulen,  lärmen,  toben,  schelten,  schmähen 
etc.)  erweiterten  y  kun  (sonare)  identisch 
ist  (cf.  bei  Fick,  1,  33  y  kak,  lachen, 
wiehern,  wozu  er  ausser  lat.  cachinnari  etc. 
auch  ahd.  huoh;  mhd.  liuoch ,  Hohn,  S2)ott 
etc.,  huohön;  mhd.  liuoheu,  verspotten,  ver- 
lachen, verhöhnen  etc.  stellt,  wonach  liuoli  ein 
rräter.  von  einem  altern  Vbm.  halian  ist, 
während  kak  ebenso  wie  kuk  [cf.  Fick,  I, 
40  seq.]  aus  einer  redupl.  Form  kaka  der 
Schallwurzel  ka,  ablautend  ki ,  ku  hervor- 
ging, zu  denen  auch  unsere  Interjcctionen 
od.  Ausrufe:  ha,  ho  etc.,  redupl.  haha,  hihi, 
hoho  etc.  gehören,  welche  Ja  zum  Thcil  auch 
Lach-  od.  Spott-Bufe  [cf.  2  ha  u.  1  ho,  so- 
icie  halia  etc.  u.  das  onomatop.:  lia-ha-ha- 
ha,  —  hi-hi-hi-hi]  sind  u.  woraus  auch  die 
alten  Frage- Fronomen  od.  Interrogativa : 
ka,  ki,  ku  =  lat.  qua,  qui,  quo,  —  germ. 
hwa,  hwi,  hwu  etc.  zweifellos  hervorgingen), 
od.  dass  das  Thema:  hauna  od.  kauna  aus 
einer  von  ska,  sku  erweiterten  y  schau,  skun 
(ef.  schaden  etc.,  sowie  schinden,  schände, 
sehenden ,  schund  u.  auch  nhd.  h  u  n  z  e  n, 
aushunzen ,  verhunz en  zu  böhm.  hun- 
tovati,  cerhunzen  etc.,  huntowati,  schlachten, 
erschlagen,  tödten  etc.,  —  sowie  Weiteres 
unter  hauen  am  Schlüsse,  bz.  die  dort  an- 
geführten Stelloi  bei  Fick)  hervorging. 

liunen.  honeii,  lieiien,  höhnen,  verhöhnen, 
spotten,  lachen  etc. ;  —  he  liönde  hum;  —  he 
hfuid  m\  iit.  —  Africs.  hena  (höhnen,  ver- 
letzen, verwunden,  schädigen  etc.);  tvfries. 
luiyiijeu;  nid.,  mnd.  honen;  »(/.  liüncn;  ags. 
hönan,  hynau;  ahd.  liönjan,  hönan,  honen; 
mhd.  hoenen.     Zu  2  hün. 

liiiner,  Flur,  von  1  hon. 

liöucr-huk.  llühnerstedl. 

liöuci'-iii'rs,  llüliner- Arsch.  Fedcnsart: 
he  is  nJit  so  nesgirig  as  'n  höneruers  (wer 
sich  den  ansieht,  versteht  sie). 

hönei'-i'ik,  Stange,  auf  welcher  die  Hüh- 
ner des  Xdchts  sitzen. 

höiike,  hdnko.  Hühnchen. 

liuiike-bec;  /.  q.  lienncbi'e. 

hünni;:;,  Honig.  Redensart. :  dat  is  hön- 
nig  für  hum  (flg.,  das  iM  ihm  etwas  sehr 
Angenehmes  u.  Liebliches) ;  —  dat  smekd 
as  hOnuig  (von  besonders  leckeren  Gerich- 
trn) ;  —  cn  hönnig  um  de  muud  striken 
(Jemandem  schmeicheln,  bz.  Süssigkeitrn  sa- 
gen etc.).  —  iV'rf.  honnig;  mnd.  hounich;  nid. 


houig;  afries.  huuig;  wfries.  huyuig;  nfries. 
höuniug,  liouuiug;  satl.  huning;  wang.  hu- 
nig ;  as.  houeg ,  lianeg ;  ags.  hunig ;  engl. 
honey;  an.  hunaug;  norw.  huniug;  dän.  hou- 
5  ning;  schwed.  houing,  hilning;  ahd.  honag, 
houuk,  honek,  honang;  mhd.  honec,  houic, 
honich.  —  Fs  ist  eine  ähnliche  Wortbildung 
wie  köyig  u.  müsste  die  Grdform  demnach 
kau-aka   sein.      Fick  (III,  78)   vergleicht 

10  den  Stamm  kan  od.  das  'Thema  kana  zu 
skr.  kauij,  tvas  ausser  tenuis,  exilis,  parvus 
auch  die  Bedtg.:  granum  hat  u.  meint,  dass 
honanga  (Honig)  eigentlich  körnig  od. 
körniges   Ftwas    bedeute,    während    ich 

15  eher  glauben  möchte,  dass  honauga  mit  skr. 
käuaka  (aurura,  d.  i.  Glänzendes,  Goldiges, 
Goldgelbes,  bz.  ein  Etwas  W((s  glänzt  u. 
blinkt,  od.  blank  ist)  identisch  sei  u.  der 
Honig  ursjir.   wegen   seiner  goldigen  u. 

20  goldgelben  Farbe  mit  diesem  Namen 
belegt  ist,  bz.  als  glänzendes  u.  g ol d i- 
ges  Etwas  aufgefasst  wurde.  Da  indes-n'n 
die  y  kan  7iicht  allein  die  Bedtg.:  glän- 
zen, sondern  auch  die  von:   lieben,   be- 

25  g ehren  etc.  (Grassmann  übersetzt  sie 
auch  mit:  befriedigt  sein,  freudig  sein,  er- 
freut sein;  etwas  sich  gef edlen  lassen,  Ge- 
f edlen  finden  an  Etwas,  sich  dessen  er- 
freuen; Jemandem  gefallen  etc.)  lud,  so  ist 

30  es  auch  möglich,  dass  der  Honig  von  den  Al- 
ten als  ein  liebliches  u.  begehrcnswerthes,  od. 
erfreuliches  u.  angenehmes  Etwas  aufge- 
fasst wurde,  zumal  da  der  Honig  loegen 
seines  lieblichen  u.  süssen  Geschmackes  von 

35  Thier  u.  Mensch  sehr  gesucht  ist  u.  Ja  ein 
Land,  wo  3Iilch  u.  Honig  fliesst,  für  ein 
besonders  glückliches  u.  gesegnetes  Land  ejcdt. 
Dass  diese  Deutungen  des  Wortes  houauga 
(d.  h.  entweder  die  von  :  glänzendes ,  goldi- 

40  ges  Etioas,  od.  die  von:  liebliches,  süsses, 
mildes,  angenehmes ,  erfreuendes  u.  begeh- 
rensicerthes  Etwas)  Jedenfedls  viel  zutreffen- 
der sind,  als  die  von  kör ni ges  Etwas,  ist 
doch  gewiss   u.  dürfte   dies  wohl  von   Nic- 

45  mcindem  bestritten  iverden. 

hönni^-koke.  Honigkuchen. 
höiiiiij;-sot,  honigsüss  (auch  flg.);    —   he 
kan  so  höunigsot  dön. 

hilnsk,  höhnisch;  —   'u  hönskcn  täl;   — 

50  'u  hfinsken  kerel. 

hön-sprake,  hönsprjik,  Hohnsprache,  höh- 
nische, kränkende  Bede  etc.;  —  dat  is  hou- 
spräk  fan  hum  etc. 

lldot.  ml.  Name.     Geschln.  Hoots   u.  H6- 

55  tiug,   IliUing.      Vergl.    bei   Förstemann    i 
(7()'i)  die  Namen:   Ilotbert,   Hotgilda,  Hot-    • 
niliu,  Hotrad,  Hotting,  Hotto ,    welche  er  zu 
aud  shilt.     cf.  itbrigens  hot.  j 

1.  h(»|t,  s.  hapc. 

60      2.  liüj),  auch  hopel,  Beif,  Bing,  Band  etc. 


IIOP 


103 


HOP 


von  Eisen  od.  Holz,  hz.  halhirten  Weiden, 
die  um  die  Fässer  geschlcu/en  tvcrdcn;  —  is- 
dern  of  holten  liopen  (od.  banden ,  ringen 
etc.)  um  'n  fat  slan ;  —  tlrif  de  hup  nog 
wat  au,  dat  he  faster  shitt;  —  he  hed  ^u  5 
hidiing  hopcn  od.  hopels  (Weideureifc ,  hz. 
Fassreife,  Tonncnhändcr)  fau  Holland  un- 
derwägs.  —  Nid.  hoep  (Fingerri)ig ,  lieif 
ohne  eingelegte  Steine;  Holz  reif  um  ein- 
Fass,  in  letzterer  Bcdtg.  auch  hoepel) ;  mnld.  10 
hoep,  hoepe,  hoepel  (orbis,  circnlus,  annu- 
lus;  chxulus  sive  viuciilum  dolii);  africs.  hup 
(lieif,  Ba)id,  hz.  der  das  Land  lüie  ein 
Hing  umgehende,  einschliessende  u.  schützende 
Deich,  der  ivegen  seiner  Bedeutsamlceit  für  15 
das  Land  u.  seiner  Kostbarkeit  toegen  aucli 
„the  gcldene  hüp"  hiess ,  wofür  mnd.  „de 
gülden  wall  un  bandt"  steht) ;  nfries.  (0  n  t- 
zen)  höp  (Beif,  Tonnenreif) ;  engl,  hoop 
(Beif,  Bing,  Bügel  etc.).  —  Fs  ist  ein  von  20 
3  hüp  verschiedenes  Wort  u.  würde  sich 
leicht  aus  dem  Bräter.  hüp,  hz.  hob,  höf, 
huop  etc.  von  haban,  hapan  (hahen,  fassen, 
halten  etc.,  cf.  hebbcn  u.  höf)  herleiten  las- 
sen, tveil  der  Beif  etc.  dasjenige  ist,  loas  25 
ein  Etwas  zusammenhält ,  bz.  ein-  u.  nm- 
fasst  etc.  II.  ja  auch  1  hafen,  haft  etc.  da- 
her stammt.  Man  kann  nhrigens  bei  höp 
auch  an  die  Bedtg.:  biegen,  krümmen,  rund- 
lich gebogen  sein,  sich  loölben  etc.  denken  30 
(cf.  ahd.  pouc  «.  pouga,  ags.  bcäh  [Bing 
etc.]  von  piokan  etc.,  cf.  bugen),  ivo  es  als- 
dann mit  3  höp  von  derselben  ]/  abzuleiten 
wäre,  ZU'  der  Fick  auch  nhd.  Hufe  stellt 
u.  zu  welcher  auch  nhd.  Huf  (cf.  höf  am  35 
Schlüsse)  lautlich  hesser  stimmt  cds  zu  skr. 
gapha  etc.,  zumal  man  bei  Huf  in  der 
Bedtg.  Klaue  auch  an  die  Bedtg.:  krüm- 
men, biegen  etc.  denken  kann,  eine  Bedtg., 
die  anch  jedenfalls  dem  zend.  ^afa  (Hörn,  40 
Huf)  zu  Grunde  liegt ,  was  wohl  jedenfalls 
mit  skr.  cjapha  zur  y  kap,  kamp  (cf.  griech. 
kamptö,  biegen,  krümmen  etc.)  gehört.  Die- 
selbe Bedtg. :  krümmen,  biegen,  sich  krüm- 
mend od.  rundlich  u.  gebogen  ausweiten,  od.  45 
in  gebogener  Linie  sich  um  Etwas  herum- 
ziehen etc.  liegt  auch  ivohl  dem  schott. ,  bz. 
Orkn.  hope  (schmale  Bucht);  isl.  hop  (re- 
cessus  maris) ;  an.  hopa  (zurückweichen,  bz. 
ausbiegen  etc.)  etc.  zu  Grunde,  eine  Bedtg.  50 
die  anscheinend  auch  dem  ags.  höp  (s.  un- 
ter hapen,  hopen  u.  bei  Seh.  u.  L.  unter 
1  höp)  zu  Grunde  liegt. 

3.  liöp,  Häuf,  Haufen;  loeitergebildet : 
höpe,  Haufe  u.  hüpeu,  hupen,  Haufen  (so-  55 
ivohl  Sing,  cds  auch  Flur,  von  höp ,  höpe) ; 
—  't  ligd  all'  up  en  höp ;  —  wi  hebben  de 
budel  in  dre  höpen  deld ;  —  Bcdensart:  he 
terd  fan  de  grote  höp  od.  bült  etc.  (er  zehrt 
schon  von  dem  Vermögensstock,  greift  schon  60 


sein  Vermögen  an,  lebt  nicht  mehr  hlos  von 
den  Bevenücn,  ivofür  wir  auch  die  Bcdois- 
art  gehrauchen:  he  terd   fau  de  böge  böm) ; 

—  tu  hup  kamen  (zusammen  kommen) ;  —  to 
höp  gäfen  (zusammen  gehen);  —  to  höp  lö- 
])Cn  (zusammen  laufe > t) ;  —  to  höp  stän 
(zusammen  stehen);  —  to  höp  neien  (zu- 
sammoi  nähen);  —    to    höp    brengen    etc.; 

—  de  grote  höp    (od.  höpe)    wet  net  bäter ; 

—  -  dar  stän  'n  hei  höpen  (ein  ganzer  Haufe, 
eine  ganze  Menge  etc.)  rainsken  bi  'n  an- 
der; —  'n  holen  höpen  minsken  wassen  fan 
dage  in  de  stad ;  —  de  rügen  hed  'n  höpen 
(od.  hupen)  water  anbrogd;  —  d'r  is  fau  't 
jär  'n  höpen  bült  (eine  ganze  Menge,  bz. 
ungemein  viel)  körn  wussen;  —  he  hed  'n 
höpen  bült  kinder.  —  Compos.  stenhöp,  erd- 
höp  etc.  etc.  —  Afries.  häp ;  lofries.  heap ; 
nfries.  hüp ;  as.  höp ;  ags.  heäp  ;  engl,  heap  ; 
nd.  hoop;  mnd.  höp,  hope,  hoppe,  hupe; 
nid.,  mnld.  hoop  (cumnlus ,  accrvus ,  agger, 
congeries,  strues ;  agmen,  caterva,  multitudo, 
congregatio,  globus) ;  ahd.  houf,  häuf;  mhd. 
houf  u.  ahd.  hüfo,  huffo;  mhd.  hüfe,  häuf; 
an.  höpr;  schvied.,  norw.  hop;  dän.  hob 
(Haufe,  3Ienge  etc.).  Mit  kslav.  kupü;  lit. 
kaupas  u.  küpu  (Haufe) ;  zend.  kaofa  (Berg ; 
Höcker  des  Kameeis);  apers.  kaufa;  hzv. 
köf  (Berg,  Erhöhung,  Höcker,  Buckel);  osset. 
kupb  (Hügel)  etc.,  sowie  griech.  küphos  (ge- 
bogen, gekrümmt  etc.),  küphos  (Krümmung, 
Bucht,  Buckel)  etc.  etc.  von  einer  y  kup 
(biegen,  ivölben,  krümmen,  od.  iirspr.  ivolil 
sonare,  wobei  sich  einerseits  aus  To  n,  G  e- 
räusch,  od.  Schall  machen  etc.  die  Be- 
dtg.: reden,  sprechen  (cf.  Bopp,  Gloss. 
88,  zweite  Spcdte)  etc.,  od.  singen,  klagen, 
heulen,  jammern  etc.  (cf.  goth.  hiufan;  as. 
hiovan ;  ahd.  hiufan,  hiuban,  hiupan ;  ags. 
heäfau,  heöfan,  klagen ,  jammern  etc.),  an- 
dererseits aus  rauschen  die  von:  sausen,, 
brausen,  .stürmen,  aufbrausen,  zornig  iver- 
den,  iüüthen,  toben  (cf.  bei  Bopp,  pag.  88, 
erste  Spalte  J/  kup  [ii'asci],  zu  der  er  auch 
unser  hape,  hope  stellt,  .sowie  lat.  cupio), 
aufwallen,  brodeln,  kochen,  aufkochen,  sich 
heftig  u.  stark  bewegen,  quellen-,  hervorbre- 
chen,  aufsteigen ,  sich  erheben,  eine  rund- 
liche Erhebung  bilden  (cf.  ahd.  hiufila. 
Backe,  loeibliche  Brust  etc.);  —  huf;  goth. 
hups ;  ags.  hyp ;  nid.  hupe,  Hüfte,  .sich 
krümmen  u.  xvijlben  etc.  u.  endlich  aus: 
sich  erheben  u.  auf  steig  en  etc.  auch 
die  von:  scheinen,  glänzen  (cf.  Bopp,  obige 
Stelle  u.  Weiteres  bei  Fick  u.  Andern)  u. 
noch  viele  andere  Bedtgn.  entwickelt  haben, 
wie  z.  B.  die  von :  springen ,  aufspringen, 
hupfen  etc.,  da  auch  die  Stämme  hop,  hup 
(cf.  die  nachfolgenden  Wörter  dieses  Stam- 
mes) sich  von  dieser  y  herleiten. 


HOP  104                          HÖRE  HÖR 

1.  liop.  Dieaes  Wort  drüclit  eine  hüp-  fau  hopen-stük  uüt  so  gröt  im  stark  as  de, 
fende  od.  auf-  u.  niedergehende  Beweijung,  de  dar  näst  steid.  —  Es  ist  wohl  aus  liöp 
od.  eigentlich  wohl  nur  eine  einmalige  u.  (Häuf,  Haufe)  u.  un,  b^.  uud  -|-  stük  ^m- 
ziemlith  rasche  Bewegung  ron  unten  nach  sammengesetzt,  sodass:  .,fau  hopen-stük'*  so- 
oben,  bz.  eine  Erhebung  u.  eine  steigende  5  viel  besagt  als  von:  Haufe  u.  Stück. 
Bewegung,  od.  ein  sich  Erheben  u.  Aufsprin-  hO|»pelil,  liuppeln,  schaulceln,  bz.  freq. 
gen  etc.  aus  u.  ixt  dies  der  Stamm,  bz.  nebst  hi'ipfot,  od.  sich  auf  u.  nieder  bewegen,  cf. 
hup  (aus  urspr.  kup,   sich  auf  u.  niederbe-  liüppen. 

icegen,  od.  aufwallen,  aufsteigen  etc.,  s.  un-  \io\)ye\-,  od.  \m\)\)c\-i)eTa,  Schaukel-Pferd; 

ter  2  liöji  am  Schlüsse)    die  ]/    von   2  liop,  10  —    he    sitt    up    't    huppeljierd    uu    ridt    ua 

hoppeln,  huppehi,   huppen  etc.     Dieses  hop  spanjeu. 

lebt  nur  in  dem  Kinderliede:  „hop  nun  perd  liO|)pen,  hoppen,  mit  Hopfen  versehen,  bz. 

ua  de  nUilen  to,    anders    niks    as    hafer    im  kochen  u.  würzen;  —   dat  her  is  net  stark 

strö,  hafer  un  strö  un  kaf-kaf-kaf,  den  lOpd  genug  liopd. 

nun  perdje  in  draf-draf-draf",  welches  Vater  15       liopperi^,  liopperg ;  i.  q.  hoppig. 

u.  Mutter  singen ,    icenn    sie    ihr  Söhnchen  lioppig,    a)  hopfig,    mit    Hopfen    gewürzt 

auf  dem  Knie  ausreden,  bz.  hüpfen  lassen.  etc.;    —   dat  ber  smekd  net  hoppig   genug; 

2.  Iiop,  auch  hoppen,  Hopfen;  — de  göd  —  b)  locker,  schwammig  u.  trocken  wie 
her  wil  maken,  dürd  hoj)  un  molt  net  ter-  Hopfen,  als  Fehler  bei  Bäben,  Kohlrabe, 
saken ,  un  wil  he  d'r  'n  kroms  solt  in  ka-  20  Moorrühoi  etc.,  die  zu  stark  aufgetrieben 
ken,  mag  huni  't  uog  beter  smaken.  —  Nid.,  sind  u.  zu  lange  gestanden  hidten  u.  in 
engl,  hop;  mnld.,  mnd.  hoppe;  nd.  hoppen;  Folge  dessen  inwendig  im  Fleisch  schwam- 
ahd.  hopho,  hopt'o;  mhd.  hophe,  hopfo.  Der  mig  u.  saftlos  geworden  sind;  —  wen  de  kül- 
Namc  dieser  Pflanze  ist  wie  mnld.  hoppe  rabi  erst  hoppig  worden  is,  den  dögd  se  net 
(Wicdc-Ifojjf) ,   bz.  ahd.  hoöa,  hophii,  hoppo;  25  mer  töm  äten. 

7/i/tf/.  hopho  etc.  in  witu-hotlä  etc. ;  <(».  veidi-  1.  hop-sak,   Hopfensack  von  grobem    lo- 

hoppa;    nid.  weedhoppe    (dasselbe   u.    soviel  ckern  Leinen;    —    hopsakken    sunt    god  to 

als  Waid-  od.  J agd-Hüpfer)  von  1  hop  felis. 

loeitergebildet  u.  bezeichnet  ein  sich  er-  2.  hop-sak  od.  hiip-sak  ?  —  Sprichw.  : 
Jlebendes,  aufsteigendes,  klimmen-  30  mit  list  brengd  mau  'n  ei  in  'n  hop-,  od. 
des,  kletterndes  Etwas,   ivobei  man  in-  hup-sak. 

dessen    nicht  tvie   bei  hoppe   in  weedhoppe  hör,  Jiär,  Dreck,  Schlamm,  Graben-  od. 

an  ein  wirkliches  auf  spring  <tn  u.  hüp-  Gruben-Erde  etc.;  —  de  hör  up  de  wal  snii- 

fen,    sondern    nur    an    die  im  Stamm  hop  ten  un  afer  't  land  brengen  lateu.  — Africs. 

liegende  Bedtg.  der  Erhebung  u.  steigenden  35  hör,  höre,  horre;  nd.  (Br.  Wb.)  haar,  hör, 

Bewegung,  bz.    die  Bewegung    von   u  n-  lioor;  m)id.  hör,  har;    as.   horo,  horu;    ags. 

ten   nach   oben  hin    denken   darf,    wie  horu,  horh;  ahd.  horo;    mhd.  hör    (Sumpf- 

diese  auch  un.'^crmkWm-ai)  (Name  des  E2)heus  boden,  Schlamm,  Schmutz,  Dreck,  Koth). 

u.  anderer  Schlingpflanzen)  zu  Grunde  liegt.  hör,    Ör,    ihr,    ihm,    sie   (auch  possessiv), 

hopel.  Beif,  Fassreif;  s.  2  hop.  40  Dativ  des  Sing.  u.  Accus,  des  Sing.  u.  Plur. 

hu|ieln,  mit  einem  hopel  od.  Beif  spielen,  von  he  (er)  ;    —    ik  heb'    hör    (ihr,    ihnen) 

bz.  ihn  vermittelst  eines  Stocks  (indem  man  segd,  dat  se  kamen  mut,    bz.  rautten;  —   ik 

entweder   den    Beif  fortwährend   damit    an  heb'  hör  net  frägd ;  —  wen  ji  hör  mit  bren- 

der  Hinterseite  schlägt ,    od.    den    Stock    in  gen  willen,    den  is,    od.    sunt  se    uns  wilka- 

einen    vermittelst    Bänder    mitten    drin    be-  45  men ;    —    to  hör  (Ih)ien)    gesegd ,  dat  is  'n 

festigten  Bing  steckt)  ra.sch  forttreiben ;  —  18geu ;  —  dat  hörd  hör  (das  gehört  ihr,  od. 

känid  jungens,    lät'  w'  hengän    un   tagen  'n  ihnen,  bz.   dieser  Person,    od.   diesen  Per- 

ander  hoj)cln.  —  Nid.  hocpclen.  sonen).   —    Afries.  hiri;    icfries.    her,    har; 

1.  hoppn  od.  höpen,   s.  hapen  «.  1  hop.  nid.  haar  etc. 

2.  Iiopcu  od.  höpen,  s.  2  u.  3  hop.  50      hördelko.  s-.   2  hörntje. 

3.  ho|»en  o'/.  liöjion, /iÄ!(/en;  ^ — he  hopd 't  hör-döni.  Hurerei,  Ehebruch  etc.;  —  hör- 
ene  up  't  andere ;  —  he  höpd  tosameu,  wat  dum  drifen.  —  Afries.  hördom ;  nid.  hoerdom 
he  man  kan;  —    he  höixl  geld  up  geld;  —  etc.    Zu  afries.  hör,  s.  unter  höre. 

de  'n  geweten  hcd  as  'n  felsken  hase  un  de  höre,    hör,    Hure.      Sprichw.:  sc  stinkd 

armen  uu  verlägene  lue  schind  un  fild,  war  55  as  'n  höre;  —  horen-seggen  is  half  gelagen 

he  man  kan  un  durd,    kan  sin  geld  un  göd  (gelogen);    —   büst  du  hör  of  def;    liest  du 

wol  hopen  un  fennirdern.     Zu  3  höp.  geld,  man  hed  di  lef;  —  junge  hören,  olde 

hopen-stük  od.  Iiöpen-stük,  Masse,  In-  biidosüsters ;  —  hören  un  böten  spriikcn  al- 
hult,  l'mfang  etc.;  —  he  (od.  dat  der)  is  tid  fan  hör  ärc ;  —  hören  un  schelms  sunt 
mi  to  gröt  fan    hopen-stiik ;    —    de    osse    is  00  ligte  fracht ;    —   darum  gen  hör  goschullen. 


HÖRE  HÖR 


105 


HOEREN 


wen  't  kind  man  götl  is;  —  de  mit  woten 
'n  hör  ninitl  is  'n  schelm,  of  word  en;  — 
de  uäring  wil  hebbeu ,  mut  mennig  hör  jüf- 
fer  uömon ;  —  he  lett  sük  föriit  betalen,  as 
de  hören  dat  dön ;  —  dat  is  hören-insUig  un 
höreu-schergärn ;  —  'n  apenbaren  hör  is 
nümmer  so  süm,  as  'u  hemelken ;  —  ik  bün 
de  erste  uig  im  ok  de  leste  nig,  dat  is  aller 
hören  tröst  un  feruutschüldigung ;  —  hören 
uu  defen  sunt  gen  fründe  fan  de  dag ;  — 
de  sük  mit  hören  befätd,    mut   geld    weten ; 

—  de  weteudlik  'n  hör  tröed  (heirathet), 
mut  sük  mit  'n  hör  ferdragen  un  dürd  not 
klagen  ;  —  menuig  hör  is  bilter  as  'u  dwatje, 
wen  se  fiks  is,  achtd  se  up  't  ditje  un  datje. 

—  Nd.  hoor;  mnd.  höre,  horre;  7ihl.  hoer; 
mnld.  hoere;  ags.,  acngl.  höre;  engl,  whore; 
an.  höra ;  noriv.,  schwed.  hora ;  dün.  höre ; 
alid.  huorrä ,  huarra ,  huora, ;  mhd.  huore. 
Mit  afries.,  an.  hör;  alid.  huor,  huar,  hör 
(aasserehelicher  Beischlaf,  Ehehruch,  Un- 
zucht, Hurerei);  gotth.  hörs;  an.  hörr ;  isl. 
hör  (Hurer,  Ehebrecher,  Buhler)  ivohl  ent- 
standen aus  dem  Präter.  hör,  huor  eines 
verlornen  Vbms.  haran,  ivas  möglicherweise 
die  Bedtg. :  fliessen ,  strömen ,  giessen ,  od. 
FlüssigJceit  ausgiessen  it.  ausströmen,  pissen 
etc.  hatte  u.  auch  das  Stammvhm.  von  nhd. 
Harn  (aus  harana,  harna?)  war,  tvohei  den 
huor  sich  zunächst  auf  das  Ergiessen,  hz. 
den  schon  geschehenen  Erguss,  od.  Ausfluss 
des  männl.  Samens  (daher  huor,  hör  sowohl 
Hure  r  als  E  r  guss-  Per  so  n  etc. ,  als 
auch  Unzucht  etc.,  als  Erguss-Sache, 
loobei  man  auch  zugleich  noch  an  Sodomi- 
terei  denken  könnte)  bezogen  haben  inüsste, 
ganz  wie  auch  griech.  moichös  (Ehebrecher) 
mit  mingere  (cf.  migen)  zur  ]/  mih  gehört 
u.  auf  der  Bedtg. :  semen  eiFundere  beruht. 
Man  kann  aber  auch  (cf.  dieserhalb  1  här, 
hase,  1  bar,  boren  ic.  nhd.  Beere  =  ahd. 
peri  etc.,  goth.  basi  von  y  bhaksh)  davon 
ausgehen,  dass  entweder  ein  älteres  Vbm. 
hasan  in  haran ,  od.  ein  davon  stammendes 
Präter.  hos,  huos  in  hör  etc.  überging,  wel- 
ches Vbm.  urspr.  die  Bedtg. :  reiben,  scha- 
ben ,  kratzen ,  stechen ,  jucken  etc.  hatte  u. 
mit  1  här  etc.,  sowie  vielleicht  auch  mit 
ahd.  hasan  (politus)  hasanön  (polire)  zu  der- 
selben y  kas  gehörte,  wozu  Fick  (cf.  1,49) 
auch   griech.    kässa    (für   kas-ja) ,    kasälbe, 

,  kasaüra ,  kasöris  (Hure) ;  skr.  kacchura 
(krätzig,   unkeusch)   etc.  stellt,  während  er 

:  dagegen  goth.  hörs ;  ahd.  huora  etc.  zu  lat. 
cärus  u.  skr.  cäru  (lieb,  lieblich,  angenehm 
etc.)  etc.  vergleicht  u,  dafür,  bz.  für  lit. 
kahrs  (lecker,  lüstern) ,  kahre  (Leckerheit 
etc.) ,  kahriba  (Begierde ,  Gelüste) ;  kslav. 
kurüva  (Hure)  ein  Thema  käru  (lüstern; 
Subst.  Hurer)  aufstellt  u.  dies  (cf.  II,  314 


seq.)  von  einer  y  kä  (suchen,  begehren)  ab- 
leitet, ivelche  er  I,  34  unter  ka  (cf.  skr. 
kam,  kan  u.  can)  aufführt  u.  wonach  denn 
goth.  hörs  urspr.  einen  begehrlichen,  lüster- 
5  neu  Menschen  bezeichnet  u.  afries.  hör;  ahd. 
huor  etc.  die  Bedtg.  Lüsternheit  etc.  gehabt 
haben  müsste.  Da  mm  aber  ahd.  huora 
(Hure)  jedenfalls  mit  huorön  (huren)  von 
huor  (Unzucht,  Buhlerei  etc.)  weitergebildet 

10  ist  u.  demnach  mit  kslav.  kurüva  nicht  ein 
u.  dasselbe  Wort  sein  kann,  ferner  auch 
hör,  huor  (cf.  log,  fogen,  fögen  etc.)  seiner 
Form  nach  ein  Präter.  von  einem  Wort 
haran    od.    hasan  ist,    so   halte    ich   es  für 

15  wahrscheinlicher,  dass  es  nicht  mit  kära,  bz. 
der  y  kä  verwandt  ist,  sondern  ebenso  tcie 
1  här  u.  griech.  kassa  etc.  (s.  oben)  zur  y 
kas  (kratzen,  jucken  etc.)  gehört. 

1.  hören  od.  hrtren,  huren;  —  he  hörd 

20  aferal  herum ;  —  hören  un  snören.  —  Afries. 
höra;  nd.  hören;  nid.  hoeren ;  a/uZ.  huorön, 
huarön;  mhd.  huoren  etc.  Zu  afries.  hör; 
ahd.  huor  (Unzucht,  Hurerei  etc.),  s.  unter 
höre. 

25      2.  hören,  s.  hörn. 
3.  hören,  s.  hörnen. 

liören,  hören;  a)  den  Sinn  des  Gehörs 
haben,  einen  Laut  (Schall,  Ton,  Buf  etc.) 
vernehmen ,    bz.   mit   dem    Ohr   aufnehmen, 

30  auffangen,  auffassen  etc. ,  indem  die  Schall- 
toellen  das  Trommelfell  treffen  u.  in  Schwin- 
gungen versetzen,  die  sich  iveiter  nach  dem 
Gehirn  fortpflanzen  u.  diesem  Kunde  geben ; 

—  he  is  döf,  he  kan  net  hören ;  —  he  hed 
35  hum  ropen  od.  singen   hören,    bz.  hörd;  — 

he  hörd  't  donnern  (er  hört  es  donnern, 
vernimmt,  dass  es  donnert  etc.);  —  ik  heb' 
hörd  (vernommen),  dat  du  fröger  'u  net  wast 
un  uu  schind  't,    as   of  du  fan  'n  net  'n  et 

40  worden  büst ;  —  nu  hörd  insen ,  wo  he  fan 
sük  präld;  —  hörst  du  't  dat  't  sleid;  — 
Sprichw.:  de  net  hören  (hören,  gehorchen 
etc.)  wil,  de  mut  fölen ;  —  de  fader  un  mo- 
der  net  hörd,    mut  't  kalfsfel  hören;    —    b) 

45  gehören,  angehören,  eigen  sein,  zukommen, 
gebühren,  passen ;  zu  Hause  gehören,  wohn- 
haft u.  sesshaft  sein  etc. ;  —  dat  hüs  hörd  mi ; 

—  dar  mag  hum  wol  de  darde  del  fan  hö- 
ren;   —   dat  hörd  hum  half  mit  an  od.  to; 

50  —  wat  dl  d'r  fan  hörd  (eigen  ist,  zukömmt, 
gebührt  etc.),  dat  schast  du  ök  hebbeu;  — 
he  hörd  to  min  familie ;  —  dat  hörd  (ge- 
bührt, passt,  .schickt)  sük  net,  dat  du  aferal 
de  handje-förmeier    bist;    —    dat    hörd    sük 

55  net  för  junge  lue,  dat  se  sük  aferal  in  de 
förgrund  stellen;  —  du  hörst  in  de  ach- 
terste bank;  —  du  hörst  hir  net  hen ;  — 
he  hörd  in  Emden  to  hüs ;  —  dat  hörd  un- 
der  sin  bewind  etc.   —   Afries.    hera,   höra 

60  (rect.   hörja) ;    satl.    hera ;    wfries.   hcarren ; 


HOEREN  106  HÖRN  HÖREN 

nd.  hörcu;    »uuJ.   hören;    nid.   lioorcn ;    as.  rc»,  vernehmen,  merken  etc.)   zu   einer  aus 

hörjau,  hörcan,  liürreou;  ags.  hyraii,  lu'-ran;  skii,  skav  durch  Aphäresis   entstandenen  y 

hierau ;  ciifil.  liear;  «».  heyra;  tionc.  liüyra;  kii,  kav  gehört,    die   möglicherweise   ebenso- 

schiced.  böra;  dän.  höre:  ahd.  hürran,  liür-  wohl  unserm  hüs  als  liiul    ii.  schiide,  schau, 

reu,  hörau,  hören ;  amhd.,  amd.  hören;  mhd.     5  schauen,    sdiiir    etc.,    sowie   lat.    caveo    etc. 

hoereu;    goth.  liausjan,  hausjon.    —    Es   ist  etc.  (cf.  Fick,  II,  Gl  n.  271  u.  1,213)  zu 

von  einem  Stamtn  liaus    mit  jau  weitergehil-  Grunde    liegt    u.    looriiber    unter  hüs,    hüd, 

det,  der  formell  mit  an.  haus  (Schädel,  d.  i.  scliau,  schür  etc.  etc.    das  Weitere  zu   ver- 

Gehäusc,   Behidter,    Gefäss ,   bz.  fassendes,  gleichen  ist. 

haltendes  od.  umfassendes  u.  umschliessen-  10  lioreii-buk  (llurcnhock) ,  Hurcr,  Person, 
des  iYiffl.v),  Ictt.  käuss  (Napf,  Schale)  etc.  die  viel  huret:  —  du  bist  'n  regton  horen- 
stimmt,  welche  Wörter  von  Fick  (cf.  I,  buk  (auch  als  Schimpfwort). 
51  V.  III,  79  etc.  etc.)  nebst  skr.  ko^a,  liorcn-kiiid,  Hurenkind,  Bastard. 
kosba  (Behälter  etc.)  n.  hüs  (Haus),  sowie  lioren-kram,  Hurenkram,  Hurenwirth- 
lat.  curia  zu  einer  y  kus  gestellt  sind,  die  15  schaß  etc. 
tcohl  mit  skr.  kus,  kubh  (amplecti)  identisch  lioi'erder,  Hurcr,  Buhler. 
ist  u.  da  nun  der  Stamm  haus,  bz.  dessen  horero.  Hurerei,  Buhlerci  etc. 
Thema  hausa  von  hausjan  urspr.  vielleicht  horereii ,  huren,  die  Hurenhäuser  besu- 
den  Sinn  des  Gehörs  od.  blos  das  Ohr  (als  chen,  das  Hurenhandwerk  treiben  etc. 
das,  was  die  Schallwellen ,  od.  den  Schall  20  lioi'erster,  Hurcr  in,  Buhlerin. 
aufnimmt  n.  auß'asst,  od.  in  sich  aufnimmt  liril'-hüs.  Hurenhaus.  Sprichw.:  de  d'r 
u.  beschliesst  etc.)  bezeichnete ,  so  wäre  es  cn  l'öt  in  't  hörhüs  sottd,  scttd  de  andere 
sehr  leicht  möglich,  dass  hausa  als  hörender  in  't  gasthüs  (Armenhaus). 
od.  vernehmender  Sinn,  od.  als  Ohr  von  liörig,  gehörig,  liörsdui,  gehorsam,  hörig, 
Hause  aus  mit  an.  hauss  (Schädel,  Hirn-  25  gehörig;  hörsam,  leicht  zu  hören  ti.  zu  ver- 
schale, od.  Gefäss,  Behälter)  identisch  ist  nehmen. 
u.  überhaupt  nur  ein  Etivas  bezeichnete,  liOr-klnd;  i.  q.  horenkind. 
tcas  den  Schall  aufnimmt  u.  (sei  es  als  Ge-  lioi'ii,  hören,  Hörn; —  sin  horns  ütstekeu ; 
hör,  bz.  Gehör-  Organ  u.  den  Ton  auffas-  —  Me  sett  hum  de  hörns  in  de  sid  (auch 
Sender,  vernehmender  u.  auffangender  Sinn  ^0  fig.  im  Sinn  von:  ihn  stacheln  ti.  antreiben, 
od.  als  Ohr)  .'somit  tirspr.  blos  ein  Gefäss,  od.  auch  im  Simi  von:  ihm  scharf  entge- 
eine  Schale,  od.  einen  Behälter  (gleichviel  gentreten  etc.);  —  de  bull'  nimd  iium  up 
ob  schalenförmig,  rundlich  hohl,  od.  tricli-  de  hörns;  —  en  liörns  upsotten  (auch ßg.) ; 
terförmig  tiefj  bezeichnet  hat  u.  somit  hören  —  man  mut  not  to  fOl  up  de  hörns  nemou ; 
von  Hause  aus  soviel  bedeutet  als  Gefäss  od.  35  —  hö  mut  sin  hörns  nog  erst  wat  oflopeu, 
Ohr  haben,  bz.  das  fassende  u.  aufneh-  ör  lie  mak  word;  —  hö  hlasd  od.  stödt  iu 
mende  Organ  besitzen,  was  hören  od.  auf-  't  liorn.  —  Nd.,  nid.  lioorn,  hören;  afries., 
nehmen  macht.  Vergleicht  man  übrijCns  as.,  ags.,  an.,  dän.,  schwcd.  hörn:  afries. 
gotli.  auso,  ahd.  öv'd  etc.  (Ohr;  Oehr;  Ilen-  auch  hoorn;  ivfrics.hoarn;  wang.  liön  ;  satl. 
kel,  Griff  etc.)  als  mit  lat.  audire ;  kslao.  40  liöden ;  helg.  lu'irn;  nfries.  hörn;  ahd.  horu, 
umö  (Sinn,  Verstand);  skr.  avi  (achtend,  horiu,  lioren ;  ?«/*(/.  horu ;  goth.  ]nmn\  (meist 
beachtend,  sehend,  merkend,  hörend  etc.,  bz.  gekrümmte,  spitze  Hervorragung  od.  Aus- 
beachten, bemerken,  hören  etc.)  etc.  zur  y  wuchs  von  harter  Masse  am  Kopfe  vieler 
av  (sich  sättigen,  erfreuen,  gern  haben;  he-  Thiere;  harte  hornartige  Masse  od.  Bil- 
achten ,  aufmerken,  merken  u.  hören  auf  45  düng;  vorragende  Spitze,  Land-  od.  Berg- 
Etwas;  begünstigen,  helfen)  gehörend  u.  spitze,  Promontorium;  Mondsichel,  krum- 
aus  avas,  od.  avis  hervorgegangen  (die  aus  mes  Blasinstrument  etc.).  Mit  lat.  cornu; 
u  od.  ü  entstandene  y  av  hatte  übrigens  ir.,  kgmr.  corn ;  cambr.  qorn;  galat.V^ktnoxi 
von  Hause  aus  die  Bedtg.:  bewegen  [sich,  (Hörn),  sowie  griech.  keras  (Hörn);  zend. 
od.  ein  Anderes],  die  aus  der  Bedtg. :  sich  50  (;rva  (Nagel,  Hörn)  ;  npers.  rurnü  (dasselbe) 
betcegen  vor,  gehen  u.  kommen  zu,  erreichen,  wahrscheinlich  zur  y  rar,  (,Mr  (rumpcre,  di- 
erlangen  etc.,  die  von:  greifen,  fassen,  neh-  v\.\m\)Cve,([\\^T'm<iQvc,  bz.  verletzen,  verwunden, 
men,  vernehmen,  merken,  sehen,  hören  etc.,  niedermachen,  zerbrechen  etc.),  zu  welcher 
sowie  die  von:  zu  sich  nehmen,  essen,  trin-  auch  tvohl  skr.  ^ara,  garu  (Waffe,  Pfed, 
ken,  sich  sättigen  etc.;  greifen  nach  Etwas,  55  Donnerkeil),  (;aravya  (Pfeil),  ^aräru  (Zer- 
verlangen,  begehren,  gern  haben,  lieben  etc.,  störer,  Verderber);  griech.  keraunös  (Don- 
sotvie  weiter  auch  die  von:  halten,  tragen,  nerkril)  etc.  gehören  ti.  wonach  denn  das 
schützen,  fördern  etc.  entwickelte) ,  .so  kann  Wort  Hörn  ttrspr.  ivohl  als  ein  vcr- 
man  auch  annehmen,  dass  der  Stamm  hnus,  letzendes,  verivundcndes  Etwas,  bz. 
bz.  hausjan  (hören)  mit  griech.  a-koiiö  (hö-  60  als  eine  spitze,  scharfe,  stechende  Stossioaffe 


HOERN 


107 


HOERST  HORST 


der  Thiere  zum  Niedermachen  u.  Vernich- 
ten des  Gegners  aufgefas^t  ist. 

hörn,  Spitze,  Ecke,  Winkel,  Landspitze, 
Promontorium;  Strecke,  Bichtung,  Gegend 
etc. ;  —  de  liürns  fan  de  tafel ;  —  sett  dl 
in  de  hörn ;  —  he  wand  in  de  hörn  fan  de 
dii<;  —    in  de  hörn  fan  't   für   (Herdecke) ; 

—  't  hus  ligt  in  de  westerhörn ;  —  wen  wi 
nog  'n  hörn  (Strecke,  hz.  Ausweitung  in 
den  Baum  hinaus)  wider  gän ,  den  kamen 
wi  bi  dat  andere  hiis  tohanden;  —  he  wand 
in  de  krumhöru  (cf.  krumhuk  unter  hök);  — 
he  snidt  hiim  d'r  'n  dügtigcn  hörn  (Ecke,  hz. 
Stück)  of. ;  —  Afries.  herne,  hörne ;  lofries. 
(Jap) ix)  herne  harn;  vfries.  heern,  hürn, 
hjaarn,  jaan;  %cang.  hen  (statt  liern);  nid. 
hörn;  mnJd.  hören;  nd.  hörn;  mnd.  horue; 
ags.  hyrne;  an.,  nono.  hyrna;  dän.  hjörne; 
schwed.  hörn.  —  Dies  Wort  ist  entweder 
von  Hause  aus  identisch  mit,  od.  ei)ie  Ab- 
lautform von  hörn,  tcie  dies  aus  an.  hyrndhr 
(gehörnt)  hervorgeht.  Vergl.  indessen  franz. 
carne  (Winkel,  Ecke);  afrans.  carne  (Thür- 
angel  =  uns.  hök)  u.  mnld.  hören  (anguhis), 
lüas  Diez  (II,  238)  von  cardo  ableitet,  wo- 
bei indessen  auch  ivieder  zu  erwägen  ist, 
ob  dies  afranz.  Wort  nicht  mit  galat.  kär- 
non  (Hörn,  bz.  Spitze  etc.,  cf.  unter  hörn) 
zusammenhängt  u.  mit  cardo  formell  nichts 
gemein  hat. 

liörn-llaser ,  Hornbläser ;  hier  bis  vor 
Kurzem  Name  der  Nachtwächter ,  weil  sie 
ein  grosses  gekrümmtes  messingenes  Hörn 
trugen,  auf  zvelchem  sie  durch  einen  Stoss, 
od.  mehrmalige  Stösse  in  dasselbe  die  Stun- 
denzahl laut  verkündeten;  —  't  is  tid  to 
bedde!  de  hörnblaser  kumd. 

hoi'ud  od.  hörend,  gehörnt,  mit  einem 
Hörn  od.  mit  Hörnern,  bz.  Spitzen  etc.  ver- 
sehen ;  —  dat  der  is  nich  hörnd ;  —  hörnde 
dinger  etc.  —  cf.  ahd.  hornaht,  horuoht  (cor- 
nutus)  M.  hörnen  (Hörn,  od.  Hörner  haben; 
mit  Hörnern  versehen  sein  etc.). 

hörnen,  hören ,   von  Hörn,  hörnern  etc. ; 

—  'n  hören  kwildop;  —  'n  hören  spitse  etc. 
hörnetje,  hörntje,  hördelke,  Homiss.  — 

Nd.  hörnt,  hornke,  hork,  hormk,  holmk; 
mnd.  hörnte,  hornente,  hörnetje;  nid.  hor- 
zel ;  mnld.  hörnte,  horusel,  horsel ;  ags.  hyr- 
net;  engl,  hörnet;  ahd.  hornuz,  liornoz,  hor- 
naz;  mhd.  hornuz,  horniz,  huruiz,  hurnuz, 
harniz,  harnliz.  Da  das  ahd.  horno-bero 
neben  Hör nträg er  auch  die  Bedtg.  cra- 
bro  od.  Homiss  hat,  so  loird  hörnet  od. 
hornuz  etc.  auch  oft  von  hörn  abgeleitet  u. 
Hörn i s s  als  ein  gehörntes  Wesen  ge- 
deutet, icegen  der  starken,  hornähnlichen 
Fühler  od.  Fresszangen.  Möglicherweise 
indessen  hängt  dieses  Wort  nicht  mit  hörn, 
sondern  mit  ahd.  hären,  heren  (clamare),  od. 


besser  noch  mit  tinserm  luirren,  hurreln  (sur- 
ren, sumsen,  sausen,  rauschen  etc.)  zusam- 
men, wie  Bremse  mit  brimmau  (cf.  brum- 
men) u.  Hummel  mit  Jiummen  (sumsen). 
5  hörn-llint,  Eckstein.  Fig.  od.  iron.  ein 
alter  Vcnvandter  des  Hauses,  der  schon 
Jahre  lang  den  warmen  Eckplatz,  bz.  den 
Ehrenplatz  in  der  Ecke  des  Herdes  inne 
hat  u.  denselben  unbeweglich  beJuuqjict,  ohne 

10  denselben  einem  Andern  zu  überlassen  u. 
abzutreten. 

hörn-loper,  Gratsparren,  od.  Walmspar- 
ren,  bz.  das  Sparrholz  (jüffer),  welches  am 
Schciinendach  das  schräge  Hinterende  drei- 

15  eckförmig  abschlicsst  u.  den  Winkel  des 
„spers"  bildet. 

hörn  -  schef ,  schief  eckig ,  schief  winklich, 
kein  richtiges  Quadrat  od.  Viereck  bildend; 
—  dat  hüs  is  hörnschef  böed ;  —  de  disk  is 

20  wat  hörnschef. 

liörn-schun,  schiefeckig  etc. ;  auch  übereck, 
diagoncd;  —  hörnschün  afer  de  disk. 
liörn-tand,  Eckzahn. 
hörntje  (Dimin.  conlwvn),  kleine  Ecke  etc. 

25       liörntje,  hörnte  (Dimin.  von  hörn),  Hörn- 
chen,   Hörnchen,    kleines   halbmondförmiges 
Gebäck  od.  Weissbrödchen,  kleines  Hörn  etc. 
liörntje,  s.  hörnetje. 
hors,  s.  ros. 

30  hörsk,  hurisch,  hurerisch;  —  'n  hörsken 
kerel. 

hörst,  hörst,  höst,  Horst;  a)  Gebüsch, 
Gestrüpp  etc. ;  —  b)  eine  (früher  ivohl  mit 
Gebüsch   etc.  bewachsene)   sandige  Anhöhe, 

35  bz.  ein  hochgelegenes  Stück  Grünland,  z.  B. 
bei  Norden  etc. ;  —  dat  ligd  up  de  hörst ;  — 
he  wand  up  de  hörst;  —  de  köjen  weiden 
up  de  hörst.  —  Dcüier  die  Ortsnamen :  Sand- 
hörst, Horsten  etc.  etc.  —  Nd.  (D  ä  h  n  e  r  t) 

40  hörst  (ein  buschigtes  Stück  Land  mit  Mo- 
rast umgeben,  ein  erhöhter  Ort  im  Walde) ; 
mnd.  hörst,  hurst,  host  (niedriges  Gestrüpp ; 
Kriippielbusch;  das  zu  einem  Busch  zusam- 
mengeioachsene    Gras    an    der    Seite    eines 

45  Sumpfes;  ein  wilder  tvüster  Ort,  Bruch, 
Bruchland,  bz.  mit  Gestrüpp  etc.  bewachse- 
nes Land) ;  nd.-hess.  (Vilmar)  host  (Staude, 
Stengel);  nd.-götting.  (Schamb ach)  host 
(Busch,  Büschel;  Gebüsch,  Gehölz;  eine  he- 

50  loachsene  kleine  Erhöhung  im  Sumpfe;  Trupp, 
Haufe);  ahd.,  mhd.  hurst,  hörst  (Gebüsch, 
Gesträuch,  Busch);  ags.  (H.  Leo,  505,  10) 
hyrst ;  engl,  hurst  (Wäldchen,  bewachsener 
Hügel) ;  Schweiz,  hurst  (Strauch),  hürst  (Ge- 

55  büsch,  Dickicht).  Es  ist  ivohl  (cf.  z.  B. 
bariien  =  branneu ,  sowie  ahd.  hros,  ros, 
ors ;  as.  hros,  hors ;  ags.  hors  =  nhd.  Boss 
etc.)  zweifellos  identisch  mit  an.,  isl.  hriöstr 
(aspretum,  glabretum,  bz.  eine  unebene,  un- 

60  fruchtbare,  ivilde  Stätte) ,   tvomit  auch  viel- 


I 


nORWAL  HARWAL 


108 


HOT 


leicht  der  Name  des fries.  Gaues  Rüst rin- 
gen od.  Hr  inst  r  i  (cf.  E  h  r  e  n  trän  t,  TI, 
26S  in  der  Note)  cusamvienJiäntjt.  Die  (rrd- 
hedtg.  des  Wortes  hurst  od.  hriust ,  liriost, 
liriöst  betr.,  so  tvird  (cf.  w;ild  von  wild)  da- 
mit nrs2)r.  wohl  nnr  eine  n-ildc,  iviiste,  nn- 
fruchtbare,  bs.  nncnltivirte,  blos  mit  Gcstrilpp 
beicachscnc  Gegend  bezeichnet  sein,  wobei 
man  selbstredend  soivohl  an  ein  hartes  u. 
trockncs,  dürres,  n)ifrnchtbares  etc.,  als  auch 
an  ein  rauhes,  loi'des,  wüstes,  unebenes,  zer- 
klüftetes Erdreich  denken  kann  u.  da  nun 
sowohl  für  luirst  als  für  liriust,  bz.  die 
Verba:  luirsan  od.  hriusan  eine  ^  hurs,  0(/. 
lirus  angesetzt  werden  muss ,  so  stelle  ich 
borst  etc.  zu  der  von  Fick  I,  53  aufge- 
stellten y  krus  (rauh,  hart  sein;  stosscn, 
stechen)  u.  verweise  wegen  hyrst  aucJi  noch 
auf  das  von  L.  Ettmüller,  pag.  50 i  da- 
für aufgestellte  lircostan,  sowie  xcciter  da- 
selbst n»/ lireösiiu,  sowie  pag.  473  auf  hyrst- 
stau  (friuere)  unter  gleichzeitiger  Verweisung 
auf  IL  Leo  (cf.  pag.  3G'J  seq.)  hreösan  u. 
(pag.  5'J5j   hyrst  u.  hyrstau  od.  hyrstan. 

liorwal,  liiirwal,  Drcckwcdl  (cf  lior),  od. 
die  zu  einem  Wall  aufgeschichtete  schlam- 
mige Erde,  welche  beim  Reinigoi  eines  Gra- 
bens etc.  auf  die  Kante  desselben  geworfen 
u.  später  über  das  Land  gebracht  wird,  weil 
dieselbe  in  der  Regel  einen  guten  Dünger 
abgiebt;  —  de  liorwal  mut  rrst  dürfresen  uii 
förjürs  afer  't  Jand  brogd  worden. 

hospes.  Wirth,  Hauswirth.  Dieses  lat. 
Wort  (wovon  Hospiz,  Hospital  u.  auch 
S2)ital  =  nd.  spittel)  ist  hier  i)i  den  nie- 
dern  Volkskreisen  sehr  gebräuchlich  u.  wird 
nur  von  einem  Hauswirth,  nie  aber  von 
einem  öffentlichen  Gastwirth  gebraucld;  — 
min  hospes  is  not  to  liiis;  —  wen  mm  lios- 
pes  't  man  lidon  wil,  den  etc.  ~  Mit  kslav. 
go&podi  (Herr)  aus  idg.  ghas-puti  (d.  i. 
Speise-  od.  Brod-Herr)  von  y  ghas,  essen, 
cf.  gast  u.  pati  =  goth.  fadi,  Herr,  cf. 
fader. 

liöst,  Husten;  —  de  höst  kwäld  nii  so; 
—  bi  junge  lue  dürd  de  höst  not  lauger  as 
8  dage  sitten.  —  Nd.  hoost;  mnd.  liöste; 
nid.  lioest;  satl.  host;  wang.  host;  ags.  hvüsta; 
engl,  (mdartl.)  wlioost;  Schweiz,  wustou ;  an. 
hösti;  schwed.  hosta;  dän.  hosten;  ahd.  lux- 
osto,  huasto;  mhd.  huoste.  Mit  (Fick,  1, 
49)  lit.  kosu,  kosti  (Husten) ;  lett.  käset  (Ha- 
sten); kslav.  kasili  (Husten);  skr.  käsa  (das- 
selbe) zu  käs,  käsati  (husten),  welches  icahr- 
scheinlich  aus  der  Schall-  od.  lautmalenden 
y  ku  (cf.  skr.  ku,  tönen,  seufzen)  -4_  as 
(sein)  zusammengesetzt  u.  zu  käs  contrahirl 
ist,  sodass  käs  urspr.  soviel  heisst  als  „laut 
sein".  Möglich  ist  es  indessen  auch,  dass 
die  Schallwurzel  iai,  kva  blos  durch  „s"  wei- 


tergebildet ist  u.  sonach  käs  für  kvas  steht, 
wozu  die  germ.  u.  sonst.  Formen  (cf.  z.  B. 
bei  Fick,  II,  74  kvaso,  Korb  zu  kslav. 
kosi,  kosa  u.  dass  das  formell  u.  begrifflich 
5  auch  ivohl  mit  ku,  kva,  kvas  als  onomat. 
Wurzeln  verwandte  griech.  koäx,  lat.  coaxo, 
qua.xo,  quacken)  Jedenfalls  besser  stimmen. 
I)ass  skr.  käs  aus  einer  Schcülwurzel  her- 
vorging, bz.  ein  2'on-malendes  Wort  ist,  da- 

10  für  spricht  auch  zend.  tut;  (husten),  lat.  tus- 
sis  etc.,  icas  Fick  (I,  V5)  zu  skr.  tus,  to- 
sati  {tönen)  stellt. 

Iiösten,  husten;  —  he  hostd  un  kuücht 
altid. 

15  liüster-kökje,  ein  kleiner  Kuchen,  bz.  ein 
Bonbon  zur  Stillung  des  Hustens. 

hot?  —  Vergl.  die  Redensart:  ene  fau 
jo  niut  hot  holden  (einer  von  Euch  muss 
Sta)id  hallen,    bz.    still  stehen,  bleiben,  zur 

20  Stelle  bleiben,  darf  sich  nicht  entfernen  etc.) 
uu  to  hüs  blifen ;  —  de  mut  man  wol  hot 
holden  (dem  muss  man  wohl  Stand  halten) ; 
—  he  wil  nich  hot  holden  (er  will  nicht 
Stand  halten,  bz.  Glicht  herhalten,  sich  nicht 

25  ruhig  verhalten  etc.) ,  dat  ik  hum  't  d'r  üt 
iiämeii  kan.  —  Desgl.  ferner  die  Alliteration 
,.hot  un  pot"  in  der  Redensart:  't  is  all'  en 
iiot  un  en  pot,  welche  meist  im  wegwerfen- 
den. Tone  von  Menschen  gleichen   Schlages 

30  gebraucht  icird  u.  soviel  besagt,  dass  der 
Eine  ebensogut,  od.  ehensoschlecht  wie  der 
Ändere.  —  Was  nun  das  letztere  hot  in 
der  Zusammenstellung  mit  pot  (Topf ,  Ge- 
fäss  etc.)  betrifft,  so  kann  es  wohl  mit  dem 

35  deutschen  hotte,  hutto  (Gefäss,  ^velches  man 
auf  dem  Rücken  trägt ,  bz.  hölzernes  Ge- 
fäss, Butte,  hölzerner  Tragkorb  etc.);  mnld. 
hoiiQ;  franz.  hotte  (corbis  dossuaria) ;  nhd. 
hotze  (Wiege)  etc.   identisch  sein,   doch  ist 

40  es  auch  möglich,  dass  es  blos  die  Bedtg. : 
Masse,  dicke  Masse,  Niederschlag,  Satz, 
Bodensatz  etc.,  od.  Mischmasch,  Gemenge, 
(rcinüse  etc.  (cf.  z.  B.  't  is  all'  en  hütspot, 
od.  en  pot-nat  etc.,  bz.  engl,  hotch-potch,  od. 

45  hodge-podge)  Jiat  u.  mit  nid.  hot ;  nd.,  mnd. 
liotte  (grronnene  Milch,  käsigter  Thcil  der 
Milch  etc.)  eins  ist,  was  wohl  ebenso  loie 
nd.-hess.  hotte  in  „Schwing- Hotten^'  (wol- 
lige od.  flockige   Flachsabfälle)   mit  hottcüi 

50  (schwi)igen,  hin  u.  her  bewegen,  schaukeln 
etc.,  cf.  liotjen)  zusammenhängt.  —  Das  erste 
hot  indessen  betr.,  so  vergl.  unter  hetje  das 
an.  hätta  (Schicht  od.  Pause  machen,  die 
Arbeit  einstellen  n.  Stillstand  derselben  cin- 

55  treten  lassen.  Halt  machen  etc.),  weil  in  hot 
auch  die  Bedtg.  des  Haltens  loo,  bz.  des 
Stillstehens  loo,  od.  des  Verweilens 
u.  Bleibens  etc.  liegt ,  wobei  ich  wegen 
bot  aus  hat  a)i  unser  of  aus  af   (ab)    erin- 

60  nere.     Vergleicht  man  übrigens  das  mit  an. 


HOETELE 


109 


HOTJE  HUTJE 


hätta  (einrichten,  bestellen;  Schicht  machen 
etc.)  connexc  hättr  (Art,  Weise,  Beschaffen- 
heit, Character  etc.),  so  könnte  auch  das 
zweite  hot  in  liot  un  pot  als  Bezeichnung 
von  Menschen  eines  Sclilages ,  hz.  gleicher 
Art  u.  gleichen  CJtaraJders  etc.  tool  gleicli- 
falls  hiemit  identisch  u.  nur  ivegen  des  Reims, 
bz.  tvegen  der  Alliteration  mit  pot  zusam- 
mengestellt sein. 

liötele ,  a)  geringe  werthlose  Kleinigkeit, 
Weniges  etc. ;  —  gif  ini  'n  hötele  faii ;  — 
b)  Lumperei,  faide  schlechte  Geschichte, 
Pfuscherei  etc.;  —  mit  de  höteleen  must  du 
nii  fan  de  hals  blifen ;  —  mit  sükke  liöte- 
leeu  brnkst  du  mi  nOt  kamen;  —  wat  liest 
du  mi  dar  nu  wer  för  höteleen  mäkd ;  — 
't  is  altid  so  'n  hötele  (Pfuscherei,  od. 
schlechte  faule  verworrene  Wirthschaft,  Trö- 
delwirtschaft etc.)  bi  hum  west  uu  he  is 
iiüit  wider  kamen.  —  Es  ist  7vahrscheinl. 
dasselbe  Wort  ivie  nJul.  Hudelei,  cf.  hö- 
telkräm  u.  das  folgende  : 

liötelen,  höteln,  sich  ohne  Erfolg  u.  nutz- 
los mit  kleinlichen  od.  lumpigen  Sachen  be- 
schäftigen, seine  Zeit  mit  Lumpereien  ver- 
bringen, trödeln,  niedere,  schlechte  u.  pfu- 
scherhafte Arbeit  machen,  Sachen  verpfu- 
schen u.  verderben,  sich  venoickeln  u.  ver- 
loirren  in  Etwas  etc. ;  —  he  deid  niks  as 
höteln  un  krigt  sin  läfend  nilcs  toregt;  — 
he  liötold  d'r  wat  mit  herum  un  kumd  d'r 
niks  mit  wider;  —  wat  liest  du  dar  nu  wer 
toregt  höteld  ?  —  he  höteld  un  dröteld  net 
so  laiik,  bit  dat  d;  tid  hen  is;  — ■  de  budel 
is  ferhöteld;  —    he    höteld    sük  d'r    in  fast. 

—  Nid.  hoetelen  (pfuschen,  hudeln);  vinld. 
hoetelen  (inartificialiter  sc  gerere,  ignaviter 
aliquid  agere;    frivola  agere,    sordida  agere; 

—  cauponari,  ox  rebus  vilissimis  quaestum 
captare) ;  mfläm.  hoetelen  (belistrer,  fatrouil- 
1er,  faire  quelque  chose  leutemant,  comme 
'n  ayant  point  de  hafte;  —  faire  profit  et 
gaigncr  de  chosos  viles  et  de  petit  pris). 
Bezüglich  dieses  anscheinend  von  einan 
Vbm. :  hoetcn  stammenden  Frequentcdivums 
ist  ma)i  allerdings  nicht  sicher,  ob  der  Stamm 
hol,  hoet  bei  dem  betr.  Vocal-  Wechsel  n. 
dem  zvecJiselnden  Auslaut  t,  d,  dh,  th  in 
den  nd.,  fries.  Wörtern  (cf.  hOd ,  höden, 
bögen,  hören  etc.,  sowie  baut,  geten  etc.)  mit 
hud  in  nhd.  hudeln  identiscJt  u.  demnach 
höteln  od.  nid.  hoetelen  loirklich  dasselbe 
Wort  wie  lind  ein  ist,  od.  einem  nhd.  hu- 
zeln  entspyriclit.  Vergleicht  man  indessen 
H u  del  u.  hudeln  im  G r i m m ' sehen 
Wb.,  sowie  die  zu  hoetelen  gehörenden  mnld. 
Wörter :  hoeteler  (homo  iners,  operarius  iners, 
ineptus  in  arte  quam  exercet;  homo  nihili, 
inanis  sordidus,  levis,  nequam,  scurra;  — 
caupo  sordidus),  hoetelwerk,  hoetelrije  (opus 


frivolum,  frivola,  ineptiae,  turpis  quaestus, 
sordidum  hierum)  etc.  so  scJieint  es  zweifel- 
los, dass  der  Stamm  hoetel  von  hoetelen  mit 
nhd.  Hu  del  u.  mJid.  huder  in  huder-wat 
5  (Liimpenkleid  od.  zerlumptes  Kleid)  %oirk- 
lich  identisch  ist  u.  demnach  auch  hoetel 
urspr.  die  Bedtg. :  Lumpe ,  Fetzen ,  Lappe 
etc.  hatte.  Da  nu)i  aber  huder  zweifellos 
wieder   mit    hader,    bz.    ahd.  liadarä;    mhd. 

10  hader,  hadel  (Lumpen,  Lappen;  später  auch 
Streit  =  nhd.  Hader)  verwandt  u.  des- 
selben Ursprungs  ist,  so  muss  mhd.  huder 
ivohl  für  huoder  stehen  und  diese  Form 
aus  älterem  hadar   in  ähnlicher   Weise  her- 

15  vorgegangen  sein,  toie  ahd.  muotar  2i.  unser 
moder,  nid.  moeder  aus  älterm.  matar  od. 
mätar.  Vergleicht  man  nwn  -weiter,  dass 
Fick  (III,  61)  ags.  headhor  (receptaculum), 
goth.   hetlijö    (Kammer)   mit   cüid.  huota   u. 

20  )nhd.  hüeten  (cf.  hud,  höden)  zu  einer  germ. 
y  hath  (bergen)  =  skr.  cat  (bergen,  ver- 
stecken, bz.  bedecken,  verhüllen  etc.)  stellt, 
so  ist  auch  mhd.  huder,  nJid.  Hu  del  u. 
hudeln  mit  ahd.  hadarä  gleichfcdls  zu  skr. 

25  kantha  (Flicken-  od.  Lappenkleid),  lat.  cento 
(ivas  aus  cdlerlei  Flicken  u.  Lappen  zu- 
sammengesetzt ist,  Flickwerk,  Lumpenwerk 
etc.) ;  griech.  kentrön  (dasselbe)  zu  stellen 
u.  kann   das   mit   mnld.  hoeteler   identische 

30  mnd.  huteler  demnach  auch  nicht  mit  nhd. 
h ü t e n  verioandt  sein,  ivozu  Dr.  L übbe n 
(cf.  huteler  bei  Seh.  u.  L.)  es  anscheinend 
stellt.  Denn  dass  diese  beiden  Wörter  wirk- 
lich identisch  sind,   geht  schon  daraus  her- 

35  vor,  dass  beide  auch  durch  soeteler,  bz.  su- 
teler  (Sudler)  erklärt  tverden  u.  dass  sie 
mit  nhd.  hüten,  bz.  unserm  höden  unver- 
wandt sind,  sowie  daraus,  dass  sie  bei  einer 
Ableitung  von  höden,  bz.  ahd.  liuotan,  mnld. 

40  hoeden  dann  gerade  umgekehrt  im  nd.  hu- 
deln «.  im  nhd.  hutein  lauten  müssten. 

höteike,  höttelke,  kleiner  Lappen  um 
einen  xounden  Finger,  bz.  ein  von  Flicken 
u.    Lappen   genähter   Fingerling,    der   über 

45  einen  lounden  Finger  zum  Schutz  gezogen 
loird.  —  Es  scheint  mir  von  höddelke  inso- 
fern verschieden,  dass  es  nicht  mit  die- 
sem zu  höd  IC.  höden,  sondern  mit  engl. 
liottle  (Fingerling)  zu    dem   Stammwort  hö- 

50  tel  von  hölelea  (s.  d.),  bz.  dem  mnld.  hoe- 
tel =  nhd.  Hu  del  in  der  Bedtg.:  Lappen, 
Flicken  etc.  gehört,  bz.  ein  Dimin.  davon  ist. 
hötel  -  krtim ,    lumpigter  ,     nichtsnutziger, 
iverthloser    Kram,     Pfuscherarbeit,    nichts- 

55  nutzige,  faule  Sache  etc.;  —  dat  is  all'  hö- 

telkräm,    wat  nargends    to  to  briiken  is;  — 

mit  de  höielkram  wil  'k  niks  to  don  hebbeu. 

höteln,  s.  hötelen. 

hotje,  hutjo,  hurtje,   eine   kleine   Fracht 

GO  od.  Quantität  Torf,  od,  sonstiger  Dinge,  die 


IIOTJEDRAF 


110 


HüBBEL 


man  wohl  auf  einmal  in  einem  Tragl'orh 
auf  dem  Buchen  fortschaffen  kann,  bz.  ein 
kleiner  M'acjen  roll  Torf,  %cie  sie  die  sog. 
morhäntjcs  in  ihroi  kleinen  u.  engen,  sarg- 
ähnliclten  Wagen  zur  Stadt  bringen;  — ■  't 
is  je  man  so  'a  hotje,  wat  hr  dar  up  de  wa- 
gen hcd ;  —  ik  lu-li'  'n  liotje  türf,  od.  'n 
hotje  hei  (Heu)  kot'd.  —  Wohl  zweifellos 
Dimin.  i'on  nhd.  Hotte  (Tragkorb,  liücken- 
korb,  bz.  Behälter  etc.),  s.  unter  hot.  Uebri- 
gens  fuhrt  f  api.r  unter  hottjen  (cf.  liotjcn) 
auch  ein  liot  i)i  der  Jiedtg.:  Wagen  auf, 
ironach  dann  hotje  auch  ein  kleiner  Wa- 
gen sein  kann. 

hütje-draf  od.  hiUjo-di-af,  hurtjc-di-aC, 
Schaukeltrab ;  —  hO  ridt  in  'n  hotje-draf; 
s.  (bis  folgende: 

Ilotjoii,  hiitjon.  liui'tjcii,  schwingen,  schüt- 
teln, schaukeln,  in  schaukelnder ,  bz.  auf- 
u.  niedersteigender  Bewegung  reiten  «.  ge- 
hen, od.  fahren,  hin  u.  her  bewegen,  von 
einer  Stelle  auf  die  andere  legen  etc.;  — 
he  hotjed  dat  hen  un  wer,  bz.  all'  dör  'n 
ander;  —  he  hotjed  up  un  dal;  —  he  hot- 
jed d'r  hen;  —  hü  hotjed  d'r  wat  mit  herum; 
—  he  hutjed  od.  huitjcd  (fährt  lang.sam 
schaukelnd,  bz.  in  langsamem  Trab)  wer  na 
hiis  ben.  —  Vergl.  ntd.  hotsen,  hutsen  (stos- 
sen,  schütteln,  bz.  auf  u.  nieder,  od.  hin  u. 
her  fuhren),  ivovon  Diez  (II,  335)  das 
franz.  hocher  (schütteln  etc.)  ableitet  u.  wo- 
i'on  auch  engl,  hotch  (schütteln,  hinken, 
Inunpeln ,  sich  sprungweise  bcivegen  etc.), 
hotclu'l  (ungeschickt  u.  stolperig  gehen,  hin- 
ken etc.)  stammen.  Ferner  vergl.  auch  un- 
ser hütscln  u.  irfries.  hottjen  (tvetzen,  schär- 
fen, schleifen  etc.,  od.  eigentlich  nach  Ja- 
pi.x  hin  u.  her  bewegen  n.  ziehen).  Ver- 
gleicht man  nun  im  Gr  im  m^  sehen  Wh.: 
unter  Hotte  weiter:  Schweiz.,  bern.  hottel 
(Kutsche,  Wiege),  hottern  (schütteln,  rütteln 
etc.),  schwäb.  liottern,  hotschein,  liotsciicn 
(zittern)  etc.,  so  ist  loohl  zweifellos,  dass  al- 
len diesen  Wörtern  ein  Stamm  hot  mit  der 
Bedtg. :  Stoss  od.  Vorwärtsbewegung  etc.  zu 
Grunde  liegt,  woraus  sich  fi\r  hotten  die 
Bedtg.:  stossen ,  rütteln,  schütteln,  hin  u. 
her  bewegen,  schaukeln,  schwingen  etc.  von 
selbst  ergiebt  u.  wobei  man  für  hotte  //;  der 
Bedtg.:  corhis  dossuaria  (s.  unter  hot)  auch 
annehmen  kann,  da.'<s  es  ebenso  ivie  hotzc 
(Wiege)  urspr.  die  Bedtg. :  Schwing-Bing, 
od.  „Etwas,  ivas  man  durch  einen  Schwung 
auf  den  Rücken  schwingt  u.  hebt",  hatte,  ivie 
auch  dem  nid.,  nd.,  nhd.  holte  (geronnene 
Milch)  u.  hotten  (gerinnen,  durch  schütteln 
u.  schaukeln  sich  scheiden  etc.)  jedenfalls 
die  Bedtg.:  Stoss,  Erschütterung,  bz.  stossen, 
schüttern,  schütteln  etc.  zu  Grunde  liegt. 
Was  nun   aber   den  Stamm    hot  selbst  be- 


trifft, so  dürfte  dieser  wohl  mit  dem  Rufe 
hot,  womit  man  die  Pferde  vorwärts  treibt, 
von  Hanse  aus  identisch  sein,  wie  Ja  auch 
wir  hot  in  dem  Kinderreime:  hot,  hot,  mm 
5  perd  na  de  mölen  to  in  der  Bedtg.:  vor- 
wärts gchrauchcn  u.  er  auch  sonst  ebenso 
wie  hü  (cf.  hotperd  ?<.  hüperd)  in  derselben 
Bedtg.  gebräuchlich  ist  u.  somit  ein  Trei- 
ben an,  od.    V o r w ä r tstreibe n  bezeich- 

10  nct,  xooraus  sich  auch  die  Bedtg.:  stossen, 
od.  Stoss  (als  Vorwärtsbewegung)  leicht  ent- 
wickeln konnte.  Vergl.  dicserJudb  nhd.  hot- 
ten (ds  Fuhrmannswort  in  der  Bedtg.: 
treiben,    antreiben,    forttreiben    etc.,    soivie 

15  weiter  in  der  von:  corwärts  kommen  u.  ge- 
hen, gelingen,  glücken,  die  hotten  auch  im 
nid.  u.  mnld.  (cf.  KU.)  hat,  sowie  weiter 
isl.,  bz.  an.  liott  (equisouum  clamor),  liotta 
(equisonum  clamare)  etc.     Formell  wird  nun 

20  aber  hot  als  Ruf  od.  Zuruf  zur  y  kand, 
kad  (vocare,  clamare  etc.)  stimmen,  die  hier- 
aus beim  Vergleich  mit  hot  u.  hotten  auch 
wohl  die  Bedtg.:  commoveri,  perturhari,  ter- 
reri  etc.    entwickeln   konnte,    toonach    doni 

25  die  für  haten  angesetzte  y  hat  =:  skr.  kad 
von  Hause  aus  mit  kad  (vocare  etc.)  iden- 
tisch sein  würde.  Vergl.  dieserhalb  unter 
hop  (aas  als  Zuruf  dieselbe  Bedtg.  hat  wie 
hot,  z.  B.    in  hop,    hop,    min    perd  =:  hot, 

30  hot,  min  perd)  den  loahrscheinlichen  Zu- 
sammenhang mit  y  kup  u.  darüber  Wei- 
teres unter  3  hup,  ivie  sich  auch  allerlei 
Bedtgn.  aus  der  Grdbdtg.  sonare  entwickel- 
ten ti.  wonach   man   auch    annehmen  muss, 

35  dass  die  für  schwed.  hot;  an.  hot  (Drohung, 
Drohworte);  an.  livata  (vorwärts  treiben), 
livät  (Änreizung  etc.);  ahd.  hwaz  (scharf, 
heftig);  nhd.  wetzen  (schärfen  etc.)  anzu- 
setzende y  kud,   bz.  skr.  cud,  cvad ;   germ. 

40  hvat,  ebenso  wie  germ.  hvath;  skr.  kvath  (sie- 
den, kochen,  bz.  aufbrausen,  brodeln  etc.,  cf. 
3  hüp  am  Schlüsse)  mit  y  kad  (sonare  etc.) 
von  Hause  aus  auch  identisch  ist,  od.  dass 
der  Stamm  hot  (cf.  auch  wfrics.  hottjen  (wct- 

45  ze}i,  schärfen)  urspr.  mit  kud,  bz.  cud  u.  germ. 
hvat  od.  hut  (antreiben,  erregen,  schärfen  etc., 
cf.  Fick,  III,  !H  seq.)  identisch  ivar. 
liöting,  .S-.  unter  Iloot. 
hot -perd,    hotperdje,   hotjcpfrd    (Kin- 

50  derspr.),    Pferd,    Pferdchen,    Reitpferd  etc., 
Pferd  zum   Tndien  u.  Reiten  etc. ;  —  he  iicd 
'n  lütjed  hotperdje  krcgen. 
hoväi'd,  iKtverdig,  s.  hOgfärd  etc. 
Iiovd,  .s.  liAfd  etc. 

55       hilvol,  s.  iiufel. 
Iiövou,  s.  höfen. 

llii,  Ausruf  zum  Antreiben  der  Pferde. 
hultltd,     rnebenheit,    Höcker,    Erhöhung 
etc. ;  —  't  is  all'  fiil  hublx'ls  un  knnl)l)els.  — 

GO  Mlil.  hol)heI;  inhd.  hubel  etc.;  .s.  unter  1  höfel. 


HUBBELEN  HUBBELN 


111 


HUEFE  HUFE 


liul)l)elen,  hiibbeln,  ahwecJiseJiid  auf  ii. 
nieder  steigen,  sich  loellenfönnig  erheben  u. 
bewegen  etc.;  —  dat  huhhekl  uii  hulibeld  all' 
up  un  dal.  —  Nid.  liobbelen.  Es  gehört  zu 
hiibbel,  bs.  höfel,  berührt  sich  selbstredend 
aber  auch  mit  huppen,  luippcln,  hoppeln  etc., 
weil  die  Wurzeln  hup,  hub,  huf  u.  haj), 
hab  etc.  =  idg.  kap  n.  kup  von  Hanse  aus 
identisch  sind. 

hubbelig,  hnbbclg,  uneben,  höckerig,  wel- 
lenförmig, abwechselnd  hoch   u.  niedrig  etc. 

—  Nid.  hobbelig. 

hiibei'i":,  hiibeni  etc.,  s.  liüforn,  hüfeng  etc. 

buchten,  liucliteni  od.  hugtern,  sehnlich 
verlangen,  hoffen,  ivarten  etc.;  —  he  sitt  al 
to  huchtern  un  to  wachten.  —  Zu  hugen 
(sinnen,  denken  an,  trachten  nach,  verlan- 
gen etc.). 

lliul  (Flur,  huden).  Haut,  Fell,  Balg;  — 
Redensart. :  he  trekd  hum  de  hiul  afer  de 
ören ;  —    d'r  is  gen  hixd  of  slüt  in  de  rok ; 

—  elk  mut  sin  egen   hüd   to  markt  dragen ; 

—  he  sitt  in  gen  gesunden  hüd  (er  ist  nicht 
gesund) ;  —  he  sitt  in  gen  goden  hüd  (er 
taugt  nicht,    hz.  ihm    ist    nicht    zu   trauen). 

—  Afries.  hüd  (neben  hed,  hede,  cf.  3  beide) ; 
nd.  hüd;  mnd.  hüd,  hüt;  nid.  huid;  mnld. 
huyd ;  ahd.,  mhd.  hüt;  as.  hüd;  ags.  hyd; 
an.  hüd.  3Iit  lat.  cutis;  griech.  skütos 
(Haut)  u.  lat.  scutum  (Schild)  etc. ,  sowie 
mit  unserm  schude,  schul,  schür  etc.  zu  der 
y  sku,  bedecken,  verhüllen,  timhüllen,  um- 
scldiessen  etc. 

hüd,  hüt,  heute. 

1.  bilde,  heute ;  —  hüden-dags  (heut  zu  Tage, 
cf.  nid.  hedendaagsch).  —  Afries.  hiude, 
hioda,  hyoda;  wfries.  joed,  joe;  mnld.  he- 
den,  huyden,  huyd;  mnd.  hudene,  huden, 
hude ;  as.  hiudu;  ahd.  hiutu,  hiuto,  hiuta; 
vthd.  hiute  ;  md.  hüte.  Contrahirt  aus  afries. 
hiudega;  as.  hudigu,  hodigo;  ags.  heodaeg; 
ahd.  (hiü-tagü),  an  diesem  Tage.   cf.  2  heden. 

2.  hiido,  Gewahrsam,  Versteck,  heimlicher, 
verborgener  Ort,  Höhle  etc. ;  —  he  hed  gud 
wat  in  de  büde  (er  ist  tüchtig  begütert,  hat 
sich  gut  loas  zusaminengespart  etc.);  —  ik 
heb'  'n  hüde  up  de  perdebön  in  't  hei  mäkd, 
war  ik  min  appels  in  upbarg  un  ferstäke. 
cf.  iramen-hüde,  Honigwabe.  —  Mit  höde 
zu  höden. 

hiidel,  Kloss,  Mehlkloss.  —  Sprichio.: 
ende  göd,  alles  god,  morgen  äten  wi  hüdels; 

—  he  is  wüpsig,  as  Berend  Heykes  sin  hüdels. 
hiiden,  hüten  etc.;  s.  höden. 

bilden,  häuten. 

hüder,  Hüter;  s.  höder. 

hiiderig,  hfiderg-,  hautreich,  viele  Häute 
habend,  mit  Häuten  durchzogen  etc.;  —  dat 
is^  so  'u  hüderg  stük  flesk ,  dat  de  düfel  't 
biten  kan. 


huderik,  huderk,  liüderk  (auch  rüderik, 
rüderk),  Gundelrebe,  Erd-Epheu  (Glocoma 
hederacea,  od.  Hedera  terrostris).  —  Nd. 
(Schütz  e)  huderich ,  (DäJtnert)  huder 
5  u.  (bei  Lübeck)  hederik.  Im  nhd.  heisst 
sie  auch  Hederich  u.  ist  das  Wort  loohl 
von  lat.  Iledera  weitergebildet. 

budi;^,  häutig;  dün-,  dik-hüdig  etc. 
liiidi^,  heutig;  hüdigen  dags.    cf.  1  hüde. 

10  bfidje,  bfitje,  Häutchen,  kleine  od.  dünne 
feine  Haut,  Fellchen,  dünne  Schede  etc. 

hildjen,  liiltjen,  a)  die  Häutchen  od.  dün- 
nen Felle  abziehen,  dünn  schälen,  die  obere 
Haut   (od.    Binde,    Ueberzug,    Kruste   etc.) 

15  dünn  abnehmen  etc.;  —  du  niust  dat  för- 
sichtig  liüdjen;  —  he  hudjed  dat  dün  of; 
—  b)  den  bereits  im  vorigen  Herbst  uinge- 
Xifiügten  Acker  im  Frühjahr  dünn  u.  leicht 
pflügen,  u.  eggen  u.  so  die  Kruste  od.  obere 

20  Haut  lockern;  —  dat  land  brükd  man  blot 
hüdjed  worden  un  den  küu'  j'i  't  körn  d'r  so 
in  seien. 

hüfe,  büfe,  a)  Haube;  —  se  is  under  de 
hüfe  kamen ;  —  Dimin.  hüfeke,  hüt'ke ;  —  he 

25  ritt  hör  't  hüfke  fan  de  kop;  —  b)  Bienen- 
korb; —  c)  Decke,  Schuf ztuch  od.  Umhül- 
lung eines  Tuch-Ballens;  —  d)  Behältniss 
od.  Facli,,  bz.  ein  Beutel,  ivorin  man  sein 
Geld  od.  seine  Schätze  aufbewahrt ;  —  he  hed 

30  wat  in  de  hüfe  (er  hat  tvas  zurückgelegt,  ist 
wohlhabend  etc.).  —  JMofries.  (Wiarda, 
pag.  201)  huve ;  nfrics.  huw,  höw ;  nd.  huve, 
huwe;  mnd.  huve;  nid.  huif;  mnld.  huyve ; 
ags.  hüfe;    an.    hüfa;    norw.  huva;    schwed. 

35  hufva ;  dän.  hue ;  schott.  how ;  ahd.  hübä ; 
mhd.  hübe  (Mütze,  Haube,  Mitra).  Davon 
afranz.  liuvet  (Mitra).  Es  ist  sehr  zwei- 
felhaft, zu  loelcher  y  dieses  Wort  gehört, 
bz.  mit  ivelchen  Wörtern   der  (Uteren  Spra- 

40  chen  es  verwandt  ist.  Vergleicht  man  in- 
dessen, dass  unser  hüferen,  idd.  huiveren 
im  mnld.  in  den  Formen  huyveren  u.  kuy- 
veren  belegt  ist,  so  scheint  es  fast  zweifel- 
los, dass  auch   hüfe   mit   küfe    (cf.   küfeke, 

45  küfke,  Häubchen),  bz.  nid.  huif  mit  )dd. 
kuif,  mnld.  koyffe  «.  so  tveiter  mit  dem  ital. 
cuffia,  scuffia;  sjjan.  cofia;  franz.  coiffe  etc. 
(Diez,  I,  149)  immittelbar  zusammenhängt, 
dessoi  Herkunft  gleichfalls  zweifelhaft  scheint, 

50  trotzdem  Diez  es  von  ahd.  kuppa,  kupha 
(Mitra,  Kojjfbeäcckung)  u.  dies  aus  Icd.  cuppa 
(Gefäss,  Becher,  Behälter)  ableitet,  tvonach 
übrigens  Fiek  cdid.  hüba  auch  mit  Recht 
mit  skr.  ka-kubh    (Kuppe,    Gipfel),    kumba 

55  (weiblicher  Kopfpmtz,  Kopf  etc.);  griech. 
kuphe,  kube,  kümbe  (Kopf)  zu  einem  idg. 
kumbha,  kubha  (Kuppe,  Haube)  stellt,  zu 
dem  auch  dann  skr.  kumbha  (Topf,  Krug, 
Urne);  zend.  khumbha  (Topf);  griech.  küm- 

60  büs  (Gefäss,  Becher,  Behälter  etc.,  cf.  nhd, 


IIFEFEN  112                           IIUKELN 

Humpen   u.  unser  kiinime) ,   kübas  (Urne  Iiu<jeii ,    hü^en,   sinne»,    denken,   hoffen, 

etc.)  (fehüren  müssen.  Uehn'fjens  ist  uuch  Fick  sclimer^lich   verlanffcn  ,    .<<ehnsüchtig  worauf 

(cf.  III,  7S)  tcef/in  altfl.  hnhii  -weif elhaft,  (hl  mtrten   etc.;    —    wat    sittst    du    to   liugen? 

er  es  auch  für  möglich  hält,  dass  es  su  einrr  —    lu'  sitt  to  hugeii    im  to    hapeu;    —    dat 

germ.  ]    luif,    hup  =  skr.  kup    (cf.  hop    u.  5  pörd    hügd    na    de    liafer;     —     ik    heb'    al 

unter  3  hC^\^]  gehört,  u-ozu  er  auch  lat.  cupio  l;xnk    säten    to  hugon,    dat    du    kwarast.    — 

u.  cunibiTO  .■itellt.    Sollte  indes.'ien  nicht  auch  Afries.    hugja    (denken  ,    erinnerlich    sein); 

hiitV  mit  hiid,  schade   u.  lat.  cavea,   caveo,  icang.  hügje  (hoffen)  etc.;  s.   Weiteres  unter 

b:.  unserm  kau,    schau  etc.  etc.    zu    der   ]/  bogen. 

sku,  skav  (bedecken,  verhüllen  etc.)  gehören,  10      buk.  hok,  Loch,  kleine  elende  Wohnung, 

zumal  da  es  sehr   leicht    möglich    ist,    da.'<s  kleiner  abgesperrter  dunkler  Raum  od.  Ver- 

das  „f"  in  ahd.  hiifi    aus    ältcrm  w,    hz.  v  schlag,  Koben,  Stall  etc. ;    —    se  wauen  dar 

hervorging,  anstatt  aus  «;•>;/>/•.  p  od.  bh '?  in  so  'n  liitjet  huk;  —    't  is  man  so  'n  lüt- 

hiifen.  a)  hüllen,  mit  einer  hüte    (s.  hüfe  jet  luik  tan  'n  hüs;  —  dar  bi  de  sid  is  nog 

sub   (?)    od.    einem    Schntztuch    umgeben    u.  15  so  'n  huk,  dar  kan  't  wol  liggeu :  — de  kin- 

dariu  einpacken;  —    hüfe  dat  hxken  in;  —  der  slapen    all'   bi"  'n  ander    iu    en  huk;  — 

du  must  dat  god  bätcr  inhüfeu;  —   b)  sam-  de  dOf  sitt  iu  't  huk;  —  swm-,  hunde-,  hö- 

sammcln,  si>a>en,  zusammenbringen  etc.;  —  ner-,  enter-huk  etc.  —  Nid.  hok;  m nid.  hock 

he  hüfd  dügtig  wat  bi  'n  ander.  (ovile,  septum,  cors,  cavea);  ivang.  (Ehren- 

hiileren.  hüborcn,  hiifeni,  hüberu,  beben,  20  traut,  I,  370)  hek (Schaf stall)  etc. —  Wohl 

zittern,  sclmudern.  frösteln  etc.;   —    he  hü-  mit  buken,  hök  etc.  zu  der  unter  bog  ?<.  hök 

ferd  fan  kolde;    —    lu"'    hüferd  d"r  für,    um  erwähnten  ]/  kuc  (biegen,  krümmen,  wölben 

dat  to  dön  :  —  he  hüferd  (bebt,  sclirickt  etc.)  etc.),  sodass  es  ursjtr.  eine  Höhlung  od.  Ver- 

d'r  für  torüg.  —  Nid.  huivercn;  mnld.  huy-  tiefung,  Einbiegu)ig  etc.,    bz.  einen   Winkel, 

veren,  kuyvi-reii.  Beide  letzten  Formen  setzen  25  od.  eine  Ecke  etc.  bedeutete, 

eine  ]/  skup  od.  skubh  (bewegen  vor,  od.  wo-  buk,    Zäpfchen  im  Habe ;    —    de  buk  is 

hin)  voraus,  die  auch  unserm  schufen,  schuf-  mi  swullen,    od.  schaten ,    das  Zäpfchen  ist 

fohl  etc.  zu  (irundc  liegt,  weil  schüfen  (seh ie-  vtir  geschwollen,    od.  geschossen  ii.  dadurch 

ben)  doch  )iiehts  Anderes   besagt,    als  sich,  verlängert   u.  gesunken;    —    de   buk  ligten, 

od.  ein  Anderes  bewegen  irgend  wohin.    Da  30  das  Zäpfchen  heben,   —  fig.  Jemanden  be- 

nun  aber  jeder  liuck   u.    Stoss   entweder  trügen  u.    ihn    rein    ausziehen.    —    Nfries. 

eine  Bewegung  ist  u.  macht,   so  ist  für  hü-  huk,  hück;    ivang.  buch;    nid.   luiig;    mnld. 

Irren    (sich  frequent.    bewegen)    ein    urspr.  buj'cli,    huyg;     norw.,    dän.    huk;    süddän. 

hnfan,  bz.  skufan,  skubhan  anzusetzen,  was  (Outzen)  huug;  nd.  (Schütze,  Br.  Wb.) 

von  der  y  skubh  =  skr.  ksbubh  (bewegen,  35  huuk ;  mnd.  buk.     Es  ist  jedenfalls  mit  bök 

schicenken,  zittern  etc.,  bz.  stossen,  .schüttern,  (Ecke,  Spitze  etc.)    u.  büke ,  buken  einerlei 

.schütteln)    abgeleitet  ist.      Vergl.    dieserhalb  Ursprungs,  da  es  entweder  die  Bedtg.:  Spitze^ 

Fick,    1,   335  unter   skubh    das    Weitere,  Spitzes  etc.,  od.  Ausbiegung,  rundliche  Ef' 

u-elche   y    auch    tvohl  unserm   scliul)ben  u.  habenheit.    Beule,    Höcker    etc.    hat.      Im 

nicht  allein  unserm    schüfen,   scliuti'cln   etc.  40  Grimm'' scheu   Wb.    wird   das  gleiehbedeu- 

zu  Grunde  liegt.  tende  Hauch,  bz.  beuch,  buch  zu  sät.  kä- 

luiforig.  liüierg:,  hiiber^,  hüfri^  etc  ,   be-  kud,  käkuda   (Mundhöhle ,    Gaumen)    kaka- 

herig,  zitterig,  frostig,  schauerlich,  schaurig  laka    {Kehlkopf,    Schildknurpel)    verglichen, 

etc.;  —  ik  bün  so  liüferg,  't  is  nüt  as  of  ik  bz.  als  diesem  entsprechend  angegeben,  was 

de  kolde  afor  't  lilfend    heb'.    —    Nid.    hui-  45  mir  jedoch  sehr  fraglich  zu  sein  scheint. 

verig.  huke,  liük",  liuiko.  die  kauernde  Stellung, 

liürerin^,  Iiüferen,    Schauderti ,    Zittern,  das  Niederhocken    od.  Niedersitzen  mit  zu- 
Beben   etc.;  —    d'r   geid   mi    so  'n    hüferen  sammengebogenen    K)iieen    u.    gekrümmtem  \ 
afer  't  liifeiul.  Bücken  ;  —  In'-  sitt  up  de  huke,    er  sitzt  in  ' 

hülke.  N.  unter  hüfe.  50  kauernder  Stellung  etc.  —  Nd.  huuk,  hurk; 

hilft,  hilft,  Hüfte  (coxa).  —    Wang.  huft;  nid.  liuik,  hurk;  nfries.  buk;  f/ri».  hug  etc.,  ' 

mnd.  liuf;    )dd.  hupe,    huppe,    lieupe,  beu]);  (/.  bukon. 

ags.  byp,  liype;  oigl.  hip;  (^i.  buppr;  norw.  hllkeln,    ei)i  surrendes,   dem    Tone   „hu-' 

hupp;    ahd.,   mhd.  huf;  goth.  liups.   —    Es  hu-hu**  entsprechendes  Gcräuseli  machen  mit- '\ 

liegt    diesem     Worte    entweder   die   Bedtg. :  55  telst  des  sog.  hukel-,  od.    runimel-pots,  eines ' 

Einbiegung,    Vertiefung,  Höhle  etc.,  od.  Er-  Hörn    od.    sonstigen    Gefässes,    welches  mit 

höhung,   Vorragung  etc.  zu  Grunde,  die  sich  einer  Blase,    worin    ein    Biet   od.    Bohr  bc- 

beidc    aus    dem    Begriff  des    rundlichen  festigt    ist,    id)crzogen    tvird,    an    dem    man 

ergehen.      Wegeu  der  |/  vergl.  unter  3  höp  mit  angefeuchteten  Fingern  od.  Händen  auf- 

«.  bei  Fick,  II J,  77.  CO  «.  niederstreicht  u.  dadurch  einen  surrenden 


IIÜKEL-POT  113  HUELLE  HÜELL' 

Ton  erzeugt,   den  wir  eben  mit  hukelu  he-  hele  nagt  mit  't  kiud  sitten  must  to  hukke- 

zeichnen,  loährend    in    Hindelopen    (West-  forsseii ;    't    wul   hei    uii   dal  net  slapen.  — 

friesl.)  dafür  das  Wort  goefjen  (gespr.  gut-  Die  Entstehung  u.  Zusammenstellung  dieses 

Jen)  gebräuchlich  ist.  Es  ist  ein  schallnach-  Wortes    betr. ,   so  glaube  ich ,    dass  es  von 

ahmendes  freq.    Vbm.    m.   gehört   mit  mhd.  5  einem    früheren  Rufe   „hukkel  fors"   iceiter 

hiiclien  (hauchen  etc.,  cf.  Grimm,  Wb.)  u.  gebildet  ist  u.  dieses  soviel  heisst,  als  „schau- 

mnd.  (Seh.  %i.  L.)  hük,  huck  (Eule)  etc.  zu  kele  stark",  da  hukke  od.  hukkel  jedenfalls 

der  aus  ku  (cf.  Fick  I,  49  seq.)  erioeiter-  mit  hukkeln  connex  sein  dürfte, 

ten  y  kuk  od.  kug.  hukkeln,  sich  auf-  u.  nieder  steigend,  od. 

liQkel-pot,  od.  ruiuilielpot,    der  Topf,  bz.  10  schaukelnd   bewegen,    hinkend   gehen,    sich 

das  Gefäss  od.  Hörn,    toomit   die  Knaben  langsam  im  wiegenden   Gange  fortbewegen 

am   St.    Martins  -  Abend   bei   den   Häusern  etc.;  —  he  hukkeld  d'r  so  wat  hen.     Freq. 

herumgehen  u.  indem  sie  damit  hukeln,  dazu  von  1  hukken,  bz.  huken. 

folgendes  Lied  singen:  hukelpot  wil 'n  örtje  1.  hukken,   s.    huken,    bz.  dal-,  up-huk- 

hebben,  dürd  't  net  seggen;  hei!   um  t'er  fif  15  ken  etc. 

sesse,    geid    't    up   't    allerbeste;    't   schipke  2.  hukken    od.    liokken,    in    einen    Ver- 

fan  Onken,   lett  sin  seilke  stinken,    hed  sin  schlag  od.  kleinen  Stall  (s.  huk)  bringen  u. 

seil   wol   in    den   top,    gäfd   mi  'n   Örtje    in  sperren;  —  de  höner  mutten  hukd,   bz.  in-, 

d'  rumraelpot.     Die  Juden  haben   'n    Ochs  od.  uphukd  worden. 

geschlacht't,   haben' s   Fleisch   in's  Salz  ge-  20      liuk-sak,  Brei  aus  gestampften  Kartoffeln 

bracht;   de  hüd  was  fet,    dat  flesk  was  ma-  mit  Mehl. 

ger,  dar  wassen  d'  Juden  trürig  afer.  —  hnle,  liül',  kleine  Anhöhe  od.  Erdhügel, 
Oder  auch  (statt  „Die  Juden"  etc.):  hir  Erdhaufe  etc.;  grosser  Erdklumpen,  grosse 
wand  de  rike  man,  de  uns  wol  wat  gäfen  Erdscholle  etc.  cf.  nd.  (Br.  Wb.)  huU,  bz. 
kan,  föl  kan  he  gäfen,  lank  sal  he  läfen  un  25  grashuU  (erhöhter  Hasen;  Grasbüschel,  der 
kumd  he  den  to  starfen ,  sal  he  de  himmel  über  die  Umgebimg  vorragt  etc.),  wovon 
arfen.  ■*  Frisch  glaubt,  dass  es  aus  nhd.  Hügel 
buken,  hukken,  hurken,  hocken,  kauern,  contrahirt  sei,  tvonach  denn  hule  od.  hüP  in- 
sich  zusammen  biegen  u.  krümmen,  bz.  mit  dessen  ivohl  eher  ein  Contract.  von  hufel 
zusammengebogenen  Knieen  u.  gekrümmtem  30  od.  huvel  (cf.  1  höfel)  ist. 
Bücken  sitzen  etc. ;  —  he  hukede  dal ,  dat  hulen  od.  lullen,  heulen,  laut  schreien  od. 
se  hum  net  sen  schulden ;  —  däl-huken,  od.  weinen,  bz.  dumpf  tönen  u.  rauschen,  sau- 
dälhukken,  niederhocken.  —  Nid.  liukken,  sen,  brausen  etc. ;  —  he  sitt  to  hulen ;  — 
hurken,  hokken,  huiken ;  mnld.  hucken;  nd.,  dat  geid  d'r  hen,  dat  't  hüld  un  brumd;  — 
mnd.  huken;  isl.  hoka,  hüka;  schwed.,  norio.  35  de  wind  hüld  in  de  schörstein,  bz.  dör  de 
huka;  dän.  huge;  schott.  huke;  hess.  (Vil-  lücht  etc.  —  Mit  nd.  hulen;  nhd.  heulen, 
mar)  buchen;  bayr.  (Seh melier)  hocken,  bz.  älterem  hewlen,  hiielen  u.  »n/td  hiuweln, 
hucken.  Mit  lieike  etc.  u.  hok,  huk,  hük  hiulen  von  ahd.  hiuwela,  hüwela;  mhd.  hiu- 
sur  y  kuc  (biegen,  krümmen  etc.).  wel,  hüwel  (Eule),  welches  selbst  wohl  wie- 
hukje,  huktje,  kleiner  Koben,  kleiner  40  der  eine  Weiterbildung,  bz.  ein  Dimin.  von 
Winkel,  kleine  Ecke  etc.;  —  he  sitt  in  't  ahd.  hüwo,  hüo ;  7nhd.  hüwe  (Eule,  Uhu) 
huktje.  Dimin.  von  huk.  ist.  hüwo  selbst  gehört  ivohl  zu  der  unter 
hukke-t'Oi'SSeu ,  hukkefossen,  mit  einem  hukeln  (s.  am  Schlüsse)  erwähnten  y  ku 
Stuhl,  auf  dem  man  sitzt,  in  der  Weise  (schreien,  heulen,  bz.  ein  unartikulirtes  Ge- 
schaukeln, dass  man  einmal  dessen  Vor-  45  rausch  machen,  od.  unartikulirt  tönen  etc.). 
derfüsse  u.  dann  loieder  dessen  Hinterfüssc  Vergl.  auch  (Diez,  II,  837)  afranz.  hu, 
so  heftig  auf  die  Diele  aufschlagen  lässt,  bz.  liuer  (schreien),  huard  (Schreier),  huette 
dass  der  Stoss  den  Körper  der  darccuf  sitzen-  (Eule)  etc. 

den  Person  ziemlich  stark  erschüttert  u.  diese  hulen-trop,  Brummkreisel,  hohler  Kreisel 

Erschütterung   ein  von  ihr  in   den  Armen  50  mit  einem  Loch,  wodurch  beim  Kreisen  ein 

gehaltenes   kleines   Kind   einigermassen   be-  dumpf  heulender  od.  surrender  Ton  entsteht, 

täubt,   um  solches   in  ähnlicher  Weise  wie  huler  od.  hüler,  a)  Heuler,  Schreier  etc.; 

durch  Wiegen  in  den  Schlaf  zu  lullen.    Die-  —  b)  Singschwan, 

ses  sog.  hukkeforssen   war  hier  früher  sehr  hülke,  s.  hülleke. 

allgemein  u.  wurde  bei  unruhigen  u.  heftig  55       1.  hülle,  hüll',  a)  Haube,  namentlich  eine 

schreienden  Kindern  besonders  in  dem  Fall  einfache,  wie  sie  die  Dienstboten  u.  Weiber 

(als  letztes  Mittel  sie  in  den  Schlaf  zu  brin-  auf  dem  Lande  tragen ;  —  sett'  dog  lefer  'n 

gen)   angewandt,    loenn    dies    iveder    durch  hüll'  up  un  löp  's  morgens  net  altid  so  mit 

Wiegen ,   noch  auf  sonstige  Weise  bemerk-  de  rüge  kop  herum ;  —  se  is  under  de  hüll' 

stelligt  werden  konnte;  —  'k  hebb'  hast  de  60  kamen;    —    b)    (jig).)    Kopf ,    Schädel   od. 

Doornkaat  Koolman.    Wörterbuch.    II.  g 


HÜELLE  HUELL'  114            HUND 

Wanst  etc.;  he  hed  de  hüll'  ful   (er  ist  he-  humpel,  hiimpel,  hümmel,  iV/^ö/ii*»!;,  ^u- 

soß'cn);  —  c)  (desgl.)  Sinn  etc. ;  he  hed  wat  höhe,  Höcker  etc.  —  cf.  emjl.  liump  (Höcker, 

in  de  hiiir,   mau   wat  't  is,   dut   segd  he  jo  Ihtckel). 

net.  —  Xd.  liuUe,  hülle;  mnd.,  mnid.hwWQ;  humpelen,    huinitolii;   gebrechlich   gehen, 

ahd.  hullä;  mhd.  hülle,  hüUe  (velameu,  Kopf-  5  hinken  etc.;  —  dat  humpeld  d'r  so  wat  lieu ; 

tuch  der  Frauen).     Zu  hüllen,   od.  mit  die-  —  he  mut  humpeln.  —  cf.  himp-hampen  u. 

sem  u.  holstt I  --«  n/j(?.  helau  etc.,  (/.  2  hälen.  bei  Weigand  nhd.  humpeln,   humpen,  bz. 

2.  hülle.  Iiiiir,   auvh  liülte,    kleiner  Hit-  unser  humpen  u.  humpe. 

gel,  Erhöhung  etc.;  —  dat  land  ligd  in  hül-  humpelcr,  liuinplcr,  Hinkender,  Gebrech- 

leu ,    b;.   in  hülten  uu  büken.     Wohl   iden-  10  licher  etc.  —  Xld.  hompelaar. 

tisch  mit  hule.     cf.  indessen  auch  engl,  hili ;  hunipcu,  schneiden,  hauen,  kürzen,  stutzen, 

ags.    hyll    od.    hill  (eollis) ;    an.,    isl.  liiaHr,  verstümmeln  etc.  —  3Inld.  hompen.     cf.  un- 

liiall  etc.   unter  ';>  hell.  tcr  hampe    das  goth.    hamfs    u.    loeiter  (bei 

hülleko.  hülkc,    eine  kleine  Haube.     Di-  Weigand)  unter  humpen  u.  dazu  unser 

min.  von  1  hülle.  15  humpeln. 

Iiiilleii,  hüllen,  decken,  bergen,  wickeln,  huud,   Hund.     Auch  Schimpfwort,      lie- 

schleiern  etc.;    —    he  hüld  lium  god  in;  —  dcnsart  u.  Sprichw.:  de  'u  hund  smiten  wil, 

he  ferhüld  dat.  —  Xld.,  muld.  hüllen;  ahd.  kan  ligt  'u  sten  (od.  knüppel)  finden;  —  'n 

huljati,  linlhui,   hallen;    mhd.    liüllen;    goth.  siegten  hund,  de  sui  her  t'errad;  —  de  luind 

huljan  ;  as.  hulljau.     Mit  gleichbedeutendem  20  in  de  pot  finden    {nach  beendigter  Mahlzeit 

(ifries.  hella,  hiella,  liala  (in  hihella  etc.)  u.  kommen);  —  l)hvfii'nde  liunden  biten  uet;  — 

1   liülh'  etc.  zu  ahd.  helan,  cf.  2  hälen.  de  hund  de  sl()])d,    bitt    nüms;    —    war    eu 

liiillH',  hülp,  Hilfe  od.  Hülfe,  liath.  Aus-  hund  an  pisd,  dar  pissen  se  alle  an;  ^ — wen 

weg,  Rettung  etc. ;  —  mit  üods  hülp ;  —  ik  twe  hiinden  sük  um  'n    bunk    striden ,    löpd 

wet  gen  hülp  etc.  —  Nid.  liulp ;    nd.  hülp;  25  de  darde  d'r  mit  weg;  —  „dat  is  je  'u  huud 

mnd.,  mtdd.  huipe   u.  helpe;    afries.  lielpe;  fan  perd,"   sä'  de  junge,   do    red   he   up  'u 

wfries.  holpe ;    as.  helpa,  lielpe,  hulpi ;    ags.  hatte;  —  he  is  gans  up  de  hund  kamen  (er 

h'lpe ;    engl,    help ;    an.    hialp ;    dün.  hjälp ;  ist  in  seinen   Verhältnissen  ganz   zurilckge- 

alid.  hill'a,  hilpha,  helfa,  lielpha,  belpfa    ».  kommen,  bz.  vollständig  verarmt);  —  eu  up 

(einzeln)  luilfa;  mhd.  hilfe,  lii-lfe;  md.  hülfe.  30  de  hund  helpen    (Jemanden  dazu  verhelfen, 

Zu  helpcii.  dass   er   verarmt   od.    verdirbt   etc.);   —    't 

hiilit-sel,  Hosenträger.  schal  hum  bekamen   as   de  huud  't  grasfrä- 

hiilse,    Hülse    (ilex    aquifolium).  —    Nd.,  ten;  —    he  is  d'r  up  ferstiferd,  as  de  hund 

m)td.   hülse,    hüls;    nid.    hülst;    ahd.    hulis,  up  de  dode  kO;  ~  he  is  bdcend,  as  de  bunte 

hüls  (ruscus,  myrtus  silvcstris,    Mäusedorn,  35  hund;  —  he  schudeld 't  of,  as 'n  pudelhuud ; 

Stechpalme,     Walddistel).       Davon    franz.  —  wen  de  hund    weg    is ,    gän    de    scliapen 

honlx,  lioux  etc,  cf.  Diez,  II,  337.  aferal;  ~  wen  de  hund  drumd,  den  is  't  fan 

hiilsel,  Hülle,  bz.  ein  Et^vas,  jvorin  man  brod;  —  't  half  hürd  de  huiul  half;  —  dat 

ein  anderes  Etwas  hüllt.  kumd  In  de  hunden  hör  wünsken  uet  to  pas, 

liülte,  .s.  2  hülle.  40  dat  de  kalfer  starfen;  —  he  hed  mi  net  mal 

liultor,  holler; —   he  kwam  liulter-pulter,  'n  hund  to  bade  stürd ;  —    he  hed  sin  egen 

od.  hulter  di  pulter  hl  de  trap  heruuder.    cf.  will',    as  de  hund,    wen  he  in  de  pütte  sitt ; 

lialtei-.  —  jungens  un  liundc  gan  lik    dör    de  weit; 

liuiii,  ihm,  ihn ;    —    „dat    was  hum,"    sä'  —  twalf  buren  uu  en  inuul  sunt  dartein  rä- 

At-öm,    do  harr'  he  'n  rött'    bi  d'    Stert.  —  45  kels;  —  wen  't  up  is,  shin  de  liunde  sük  um 

Afries.  him  ;  nid.  hem ;  ags.  hym ;  engl,  him  de  bunken  ;  —  se  läfen  mit  'naiuler,  as  hund 

etc.     Zu  he  (er.).  un  hatte;  —  d'r  sunt  mer  bunte  hunden  as 

hiuiiiiiol,  Hummel.  —  Nhl.  honimel ;  ahd.  ön;  —  dar  kreid  gen  hund    of  hau   na;  — 

huinbal.     Zu  liummen  —  nid.  hommcn  (hum-  de  knüppel  ligd  bi  de  hund;  —  dat  fet  drift 

meii,  humsrn,  sumsen),     cf.  mos-imme.  50  bafen,    al  is  't  ök   man    fan  'n  doden  hund; 

liummer,  liuinber,  Hummer,    ein  grosser  —  hunde  un  ädellue  makcn    gen    dür   agter 

Seekrebs.  —  jV/r/.,  «(/.  hunimer ;  «».  humarr  ;  sük  to;  —  de  'n  hund  largt,  mut  de  bat  för- 

dän.,  schiecd.  hnmmer;  norw.  hummar.    Mit  lef  nämen;    —    de  sük  für  'n  hund  ferhürd, 

dem  gleichbedeutenden  b(t.cämn\ixvusu.griech.  mut  knaken  frätcn  ;    —    kumd    man    afer  d' 

kämaros  zur  ]/  kam  (krümmen,  wöWen).  55  hund,    kumd    man  ök  afer  de  stert;  —    dar 

Iiiimpc.  liunil»,  Tlieit,  Stück  etc.,  od.  Ecke;  gifd  't  mer  hunde   as  bunken;    —    d'r    lopd 

—  hr  liLil  (Fr  'n  goden  hump  of  bäten ;   —  gen  huud  söfcn  jär  dül ,  of  he  word  cndclk 

snid  hum  man  'n  dügtigcn  hump  of;  —  Nid.  schaten;  —  he  is  net  as  'n  hund,    de  nt  de 

honip;    7nnld.    (KU.)    hompe    (pars  abscissa  kette  kumd;  —  'n  olden  hund  is  kwäd  blaf- 

otc).     cf.  humpeu  u.  hampe.  GO  feu  leren ;  —    't  is  'n  gemeueu  huud  fau  'n 


HUND 


115 


HUENE  HUEN' 


kerel;  —  du  swmhund,  wilt  du  wol  maken, 
dat  du  fürt  kumst?  —  cf.  rOdhuud.  —  Nd. 
hund;  yild.  lioud ;  afries.  hiiiid,  liond;  satt. 
hund;  wang.  hmi;  ivfrien.  huyfa;  nfrtes.  hün; 
as.,  ags.  huud;  engl,  höuud ;  scJiott.  hund; 
an.  hundr;  norw.,  scluoed.,  dän.\\\\i\i\.:,  ahd. 
liunt,  hund;  mhd.  hunt;  gotJi.  hurids.  —  Es 
wird  geivöhnlich  mit  dem  gleichbedeutenden 
skr.  qvan,  gun  u.  ^uni ;  zend.  ciiui ;  griech. 
kuöii  (Genit.  kunös) ;  tat.  cauis  etc.  zusam- 
men gehalten,  bz.  mit  diesem  von  der  y  ^ü, 
Qva,  bz.  Qun,  gvan  (schwellen,  sich  ausdeh- 
nen, dick  u.  stark  werden,  zunehmen,  ivach- 
sen,  gedeihen  etc.,  cf.  Fick,  I,  59  u.  III, 
78,  sowie  Grassmann,  pag.  1409)  abge- 
leitet, indem  Fick  annimmt,  dass  das  Thema 
hunda  von  hun  =  skr.  quü,  qva,n  durch  das 
Suffix  da  erweitert  ist.  Vergleicht  man 
indessen  das  Thema  hunda  von  hundei'd, 
bz.  dass  dessen  „d"  od.  „t"  auch  einem 
urspr.  „t"  entspricht,  sowie  dass  das  germ. 
hund  ganz  allein  für  sich  steht ,  so  könnte 
man  leicht  zu  der  Ansicht  kommen,  dass 
beim  Vergleich  des  goth.  hunda  (hundert)  = 
lat.  centum,  griech.  katon  (in  'ekatou),  skr. 
Qata,  zend.  gata,  2^a>'s.  cat,  kurd.  qad,  cambr. 
caut  etc.  auch  germ.  hunda  (Hund)  aus  einer 
idg.  Grdform  kata,  kanta,  od.  kata,  kauta 
hervorging,  die  ausser  den  obigen  Wörtern 
auch  dem  goth.  handus,  sowie  dem  unter 
hand  (cf.  dieses)  erwähnten  goth.  hinthan 
(capere)  etc.  zu  Grunde  liegt  u.  deren  y  kat 
od.  kat  entweder  eine  blosse  Weiterbildung 
einer  aus  ak  od.  ak  umgesetzten  y  ka  od. 
ka  ist,  od.  als  Denominativ  von  zu  ka,  kan, 
hs.  ka  etc.  gehörendem  kata  etc.  angeschen 
i  werden  muss.  Wegen  ka  od.  ka  (schärfen, 
wetzen,  erregen  etc.)  aus  ak  od.  ak  vergl. 
\  lat.  cätus  zu  acus  etc.  (cf.  agge,  egge  etc.) 
]  u.  Alles  was  Fick  (I,  4  u.  II,  4  etc.)  un- 
!  ter  ak,  bz.  ak  anführt,  soioie  dass  die  Be- 
dtgn. :  schürfen  u.  erregen,  bz.  scharf,  spitz 
etc.  aus  der  Grdbdtg.:  bewegen,  od.  ge- 
hen hervorging  u.  dass  sich  hierccus  auch 
die  Bedtgn. :  kommen  zu,  erreichen,  greifen, 
fassen,  nehmen,  zu  sich  nehmen,  essen  (cf. 
'  zend.  a§  in  der  Bedtg. :  erreichen,  erlangen 
etc.  u.  essen  etc.),  sowie  weiter  aus :  be  tv  e- 
gen  vor,  dringen  vor  etc.  auch  die 
von:  scharf,  spitz,  bz.  vorragend  etc.  ent- 
wickelten, ivobei  es  dann  auch  ivohl  gestat- 
tet ist ,  für  die  germ.  (u.  soiveit  auch  an- 
dere idg.  Formen  damit  connex  sind)  Wör- 
!  ter:  haud,  handa,  hinthan  etc.  (s.  unter  hund) 
jl  u.  hunda  (Hund),  hunda  (Hundert)  eine  aus 
ka  od.  ka  =  urspr.  ak  od.  ak  entstandene 
y  kat  od.  kat  (mit  der  Nebenform :  kath, 
kad  etc.,  cf.  Fick,  I,  56)  aufzustellen,  die 
j  eben  aus  der  Grdbdtg.:  bewegen  (sich  od. 
'     ein  Anderes)    auch   die  Bedtg. :   erreichen, 


greifen  etc.  u.  dann  weiter  auch  die  von: 
fangen,  fest  halten  u.  fest  machen,  fesseln, 
binden,  vereinigen  etc.  entivickelte ,  wonach 
dann  Hund  als  der  Greifer  od.  Fan- 
5  g er  etc.  u.  hunda  (Hundert)  als  urspr.  eine 
Vereinigung  u.  Masse,  Menge,  Viel- 
heit etc.  aufgefasst  sein  könnte,  wie  dies 
bereits  unter  liand  (s.  am  Schlüsse)  ausge- 
führt tvorden  ist,    ivobei  zu   dieser   Bedtg, 

10  von  hund  (als  Greifer  etc.)  auch  lat.  catus, 
catulus  etc.  zu  vergleichen  sind. 

liunde-biten,  Ilundebeissen ;  —  Redensart : 
dat  geid  um,  as  't  hundebiten. 

hunde-blöme ,    a)    Hunds- Camille ;   —    b) 

15  Löwenzahn,  sonst  (Norden  u.  Umgegend) 
auch  perdeblöme  genannt. 

liunderd,  a)  hundert;  —  b)  Hundert.  —  Be- 
densart:  de  büdel  in  't  hunderd  jagen  (die 
Wirthschaft   od.    Geschichte  etc.   ins  Wilde 

20  jagen,  die  Einigkeit  stören ,  Zwietracht  u. 
Verwirrung  hervorrufen  etc.).  —  Afries. 
hundred ,  liunderd ,  hondert ;  as.  hunderod 
etc.  Wegen  der  Weiterbildung  von  goth. 
hund ;    ahd.  hunt ;    as.  huud  (centum)  vergl. 

25  Grimm,   Wb.    unter  Hundert.     Wegen 
hund,  bz.    hunda   =    centum  etc.   s.   unter 
hund  u.  hand. 
Imndje,  Hündchen. 
Imndje-draf,  kurzer  Trab,  Trab  nach  Art 

30  kleiner  Hunde. 

liundjeii,  a)  kurz  traben,  traben  nach  Art 
kleiner  Hunde;   —    b)   schwimmen   loie  ein 
Hund. 
lumds-tunge,  od.  liundetunge,  lanzettblätt- 

35  riger  Wegerich. 

hiine,  heue,  kenne  (Todter,  Leiche?),  cf. 
henuekled  u.  hünenbedde. 

hiine,  hün',  grosser  starker  Mensch,  Biese 
etc. ;  —  't  is  'n  hün'  fan  'n  kerel.  —  Mnd. 

40  hune  (dasselbe);  nd.  hiine;  ahd.  hiin ;  mhd. 
hiune ;  md.  hüue  (dasselbe  u.  auch :  Hunne, 
Ungar).  —  Wie  bereits  unter  henneklöd  er- 
XV ahnt ,  ist  es  sehr  fraglich,  icelche  Bedtg. 
dieses   Wort  urspjr.  hatte,   bz.  ob  nicht  (von 

45  y  kun,  verwesen  etc.  ausgehend)  die  Bedtg. : 
Leiche,  od.  Gestorbener ,  Todter 
etc.  die  urspr.  war  u.  dass  dann  später  (von 
der  Vorstellung  des  Biesenhaften  der 
Hünen-Gräber    u.    des   Schreckens    etc. 

50  den  die  unter  Attila  in  Europa  einfallen- 
den Hunnen-Schaaren  verbreiteten,  ausge- 
hend) bei  der  lautlichen  Aehnlichkeit  von 
hiune  od.  hün,  hiine  mit  hunne  (dem 
Volksnamen  der  Hunnen)  das  anscheinend 

55  schon  ältere  hiune  u.  norddeutsche  heune, 
hene  (cf.  beden  =  goth.  biudan  von  y  bhud) 
sich  nicht  blos  lautlich,  sondern  auch  be- 
grifflich damit  identificirt  hat.  Vergleicht 
man  übrigens  den  Umstand,  dass  die  haupt- 

60  sächlich   in    Norddeutschland    od.    Nieder- 

8* 


nUENE  HUEN' 


116 


HUNK 


deutschland  vorkommenden  H ü  n  en-  Gr  ä- 
ber  im  Ganzen  zu  der  Anzahl  der  Gestor- 
benen verhält nissmässi;]  selten  vorkommen, 
bz.  dass  es  Jedenfalls  nur  Personen  van  be- 
sonderem Ansehen  «.  sehr  hervorrajender 
Stellung  gewesen  sind,  die  in  einem  Hil- 
nengrabe  bestattet  sind  u.  für  die  man  es 
der  Mühe  icerth  erachtet  hat,  ihnen  ein 
sog.  Hünenbett  od.  Hünengrab  (d.  h.  ei- 
nen turaulus  mit  inwendig  aufgerichteten 
Stein  -  (Quadern  u.  darüber  aufgeschütteter 
Erde)  )nühsam  zu  erricliten,  so  muss  man 
fast  annehmen,  dass  es  nur  die  Könige 
od.  Geschlechts- Aeltesten,  bz.  Stammväter 
des  Geschlechts,  od.  Jedenfalls  doch  nur  die 
Hau.fherren  u.  Familienväter  ivaren,  welche 
in  solchen  Hünenbetten  begraben  sind.  Ist 
dies  nun  aber  richtig,  so  würde  möglicher- 
weise das  Wort  liiune ,  hüne  in  hüuenbed 
mit  ahd.  hiwo,  hio  (Gatte,  Plur.  hiixn  etc., 
s.  unter  hilk)  conne.r  sein  können  u.  ein 
huucn-bed  od.  hiinen-graf  urspr.  u.  zunächst 
ein  (rrab  des  G  attc  n  od.  Ma  nnes  u. 
Familienvaters  bezeichnet  haben,  zu- 
mal ma)i  auch  annehmen  kann,  dass  von 
hiüu  =  an.  lijön,  lijiin  (Familie)  auch  ein 
hiiiiio,  od.  hiune  mit  der  Bedtg.:  Familien- 
Person  (bz.  Hausherr  od.  GescMechtsvater 
etc.)  weitergebildet  ist  u.  dann  später  dieses 
hiune  mit  dem  formell  nahezu  stimmenden 
liune  od.  hunne  (Hunne  od.  Ungar)  ver- 
wirrt wurde.  Da  nun  aber  ferner  die  Grä- 
ber der  hiunen  od.  Gatten  u.  Familien- 
rat er  sich  Jedenfalls  durch  ihre  Grösse 
vor  denen  der  Frauen  u.  des  Gesindes  (bz. 
der  Hörigen  u.  grossen  Ma.'^se  des  Volks) 
ausgezeichnet  haben,  so  war  es  auch  leicht 
möglich,  dass  die  Hünen  grab  er  (als 
urspr.  Gatten-  od.  Hausherrngräber)  auch 
bei  der  Nachicelt  wieder  die  Vorstellung 
erweckte,  als  ob  daselbst  Biesen  begraben 
seien  u.  dass  hievon  das  Wort  hüne  selbst 
wieder  die  Bedtg.  li iese  erhielt,  zumal  Ja 
auch  früher  die  Ansicht  im  Volke  allgemein 
verbreitet  war,  dass  vordem  ein  riesen- 
haftes Geschlecht  die  Erde  bewohnt  habe 
u.  auch  die  zum  Theil  aus  grossen  u.  mäch- 
tigen Steinen  errichteten  Hünengräber  selbst 
auf  ein  grosses  u.  .starkes  Geschlecht  als  Er- 
bauer derselben  liinzuweiscn  schienen. 

Zum  Schlu.'ise  sei  zu  liünebod,  bz.  nid. 
Imnnebed  noch  die  Frage  aufgcicorfen,  ob 
dieses  Wort  auch  mit  mnd.  hunne,  honne ; 
ahd.  liunno  (centenarius,  d.  i.  Vorsteher  einer 
Hundertschaft,  von  ahd.  hunt  etc.  in 
der  Bedtg.:  hundert,  s.  tinter  hund)  con- 
ne.c  sein  kann  u.  ein  hunnebed  ursjyr.  das 
Bett  od.  Grab  eines  liunno,  od.  centurio,  bz. 
eines  Hauptmanns,  Befehlshabers,  od.  Rich- 
ters u.  angesehenen  Mannes  bezeichnet  habe, 


wobei  es  ja  auch  möglich  ist,  dass  der  Volks- 
name der  Hu  n  n  e  n   sich  später   auch  hie- 
mit  wieder  begrifflich  verwirrt  hat,  nament- 
lich in  Bezug  auf  die  Hünenbetten. 
5      hiinen-bed    od.    hlinen^raft,    Hünengrab. 

—  Xld.  (provinziell,  z.  B.  Groningen,  Drenthe 
etc.)  hunnebed ;  6'.  unter  hüne  u.  hennekled. 

Uunger,    Hunger,   heftiges  Verlangen   od. 

Begierde,    bz.    Bedürfniss    nach  Speise.    — 

10  Redensart,  u.  Sprichw. :    he  hed  hunger  as 

'n  wulf;  —   hunger   mükd    raue   boneu   s6t. 

—  Xd.  luinger;  nid.  honger;  africs.  luinger, 
honger ;  wfries.  honger ;  as.  liungar,  hunger  ; 
ags.  hungor,  liungur,  hunger;  engl,  schwed., 

15  dän.  hunger;  an.  hungr;  ahd.  hungar,  hun- 
kar,  huncar,  hunger;  mhd.  luinger;  goth. 
huhrus,  statt  hugr-us  (cf.  tintcr  hungern  das 
goth.  huggrjau  u.  ferner  goth.  mäht  =  magt 
von    magan),    ivas   ich    als   ausschliessliches 

20  germ.  Wort  lieber  direct  von  goth  hugjan, 
bs.  ahd.  huggan,  hugan  etc. ;  as.  huggjan 
etc.  in  der  Bedtg.:  verlangen,  begehren  etc. 
(cf.  bogen  M.  hugen)  ableite,  als  dass  ich  es 
mit  Fick   (cf.  III,    78)   zu    der  mit   kuk 

25  (krümmen  etc.,  cf.  I,  .36)  identischen  y  kunc 
(zusammenziehen  etc)  stelle. 

hungeren,  hungern,  hungern,  heftiges  Ver- 
langen od.  Bedürfniss  nach  Speise  haben, 
schmachten  etc.  —  Nd.  hungern ;  nid.  hon- 

30  gern;  afries.  hungera,  &^.  hungerja;  ivfries. 
hongerjen  ;  as.  hungrjan;  ags.  hyngran,  hin- 
gran ;  engl,  hunger;  an.,  norw.  hangra;  dän. 
hungre;  ahd.  (hungarjan),  hungiren,  hunge- 
ren, hungerön ;  mhd.  hungern ;   goth.  huggr- 

35  Jan.  Auch  das  nid.  houkeren ,  bunkeren 
(was  dieselbe  Bedtg.  hat,  wie  unser  buchten, 
huchtern  n.  hugen)  ist  wohl  von  hunger, 
bz.  ahd.  hunkar  abgeleitet  u.  sotuit  mit  hun- 
gern von  Hause  aus  identisch. 

40      hnngerig,  hnngerg,  hungrig. 

hunger-lider ,  Hungerleider,  armseliger, 
elender  Mensch  etc. 

hunk,  a)  Ecke,  Winkel,  heimliche,  ver- 
borgene Ecke,    sicherer    Aufenthalt,    Frei- 

45  .Stätte,  Asgl  etc.,  z.  B.  bei  manchen  Kinder- 
spielen als  krigerspolen,  kn'ipafersid  etc.,  wo 
derjenige,  welcher  icieder  in  hunk  ist,  von 
dem  betr.  kriger  od.  Greifer  nicht  mehr  ge- 
fasst  werden  darf  u.  frei  ist;    —   b)  Stelle, 

50  Stätte,  Platz  etc.,  od.  Haus  etc. ;  he  wil  net 
fan  hunk;  —  he  geid  bold  tan  hunk.  —  Im 
nid.  bedeutet  honk  sowohl  eine  Stelle  od. 
Ecke,  von  wo  man  ausgeht,  als  auch  die 
Stelle  od.  das  Ziel  u.  ausser. "ite  Ende,  wohin 

55  man  zu  kommen  trachtet,  bz.  das  Asyl,  ico- 
hin  ma7i  flüchtet  etc.,  u.  wird  es  daselbst 
auch  in  der  Bedtg. :  Ruheplatz ,  Haus  etc. 
gebraucht,  wie  denn  auch  Jap  ix  das  tofries. 
honcke,   honck  mit:   Haus,  feste    Verbleib- 

60  Stätte,  Stätte  wo  man  sich  sammelt  od.  wo- 


HÜNK-SMITEN 


117 


HURTJE-DRAF 


I 


hin  man  flüchtet,  Zuflucht,  Schutzort,  siche- 
rer Verbleib  etc.  übersetst.  Vcrr/leicht  man 
nun  diese  sämmtlichcn  Bedlgn. ,  so  liegt  es 
sehr  nahe,  um  bunk,  lionk  als  eine  Neben- 
form von  buk,  liok  (Stall,  Stätte,  Koben 
etc.  od.  Winkel,  Ecke  etc.,  wo  man  Etwas 
sicher  stellt)  anzusehen,  zumal  da  dieses 
Wort  mnld.  u.  mnd.  fehlt  u.  also  wohl  neue- 
ren Ursprungs  ist. 

hank-siiiiten,  s.  unter  kci. 

hünsken ,  durch  sanfte  freudige  od.  Icla- 
gende  Töne  seine  Freude  od.  sein  Verlan- 
gen äussern,  loie  dies  von  Hunden,  Pferden 
etc.  durch  leises  Bellen  n.  Winseln  od.  wie- 
hern etc.  geschieht ;  —  de  liund  (bz.  dat  i^erd) 
hünsked  al,  wen  he  (bz.  't)  rai  mau  hörd. 
—  Nd.  (Br.  Wb.)  liienskea;  wang.  hüuskje. 

hup.  Ausruf  mit  der  Bedtg. :  auf,  empor 
etc.,  z.  B.  wenn  man  ein  Ki)id  od.  eine 
Last  etc.  in  die  Höhe  hebt  u.  ivorauf  setzt. 
cf.  hop  und  huppeln,  huppen  etc.,  sowie 
jup  etc. 

hupen,  häufen;  —  hüpd,  od.  hupt,  ge- 
häuft; s.  hop,  hopen. 

hii-perd,  hüperdje ;  i.  q.  hotperd. 

hüpken,  Dimin.  von  huppen;  —  he  hüp- 
ked  d'r  hen. 

huppeln,  hoppeln,  hüppeln,  Freq.  von: 

huppen,  Juipfen,  springen,  sich  in  die  Höhe 
erheben  etc.;  —  he  hüpp'd  d'r  up.  —  Ägs. 
hoppan ;  mhd.  hupfen,  huppen,  huppen,  hop- 
fen,  hoppen.  Von  einer  germ.  y  hup,  huf 
=  idg.  kup,  cf.  3  hop  etc.  u.  Fiele,  III,  77. 

hup-sa,  Hopsa.     Interject.  loie  hup. 

hül'-bur,  Pachtbauer,  Bauer  der  einen 
Platz  auf  eine  bestimmte  Anzahl  Jahre  ge- 
gen Zahlung  einer  bestimmten  Summe  ge- 
pachtet hat.  —  Sprichw. :  'n  hurbür  Sünder 
geld,  is  'n  def  an  't  feld. 

hurdel,  s.  hurrel. 

hiire,  liür,  Heuer,  Pacht,  Pachtgeld, 
Miethe,  Miethlohn;  Dienst  etc.;  —  land  in 
hur  od.  to  hur  ütdön;  —  he  mut  dar  'n 
dügtigen  hur  betalen;  —  de  pläts  deid  per 
dimd  17  riksdaler  hur;  —  he  hed  'n  goden 
hür  kragen  (d.  h.  a)  er  hat  eine  gute  Pacht 
od.  Miethe  bekommen,  —  u.  b)  er  hat  einen 
guten  Dienst  bekommen) ;  —  he  is  in  d' 
hür  gän.  —  Wenn  Jemand  in  die  Ehe  geht, 
so  wird  von  ihm  scherzhaft  gesagt:  he  is 
in  de  lange  hür  gän.  —  Nid.  huur ;  mnld. 
huere ;  mnd.  hure ;  afries.  here ;  wfries.  hiere ; 
satl.  hire ;  ags.  hyi- ;  engl,  hire ;  norw.,  schwed. 
hyra;  dän.  hyre.  0.  Schade  stellt  dieses 
Wort  (cf.  md.  huren)  mit  an.  hyrr  (warm 
etc.)  zusammen,  ohne  sich  indessen  auf 
die  begriffliche  Verivandtschaft  von  hüre 
u.  hyrr  einzulassen  u.  verweise  ich  dieser- 
halb  auf  das  unter  hilk  (s.  daselbst  sub  d) 
Gesagte.     Vergl.  auch  H.  Leo  (594)  unter 


hyr  die  Bezugnahme  auf  an.  hyra,  od.  hj'ri 
(gratificare),  weil  man  hüre  od.  ags.  hyr  etc. 
aucli  so  deuteyi  kann,  dass  es  urspr.  blos 
die  Bedtg.:  gratificatio  Jiatte. 
5  liiiren,  heuern,  pachten,  miethen  etc.;  — 
'ii  pläts  od.  folk  hüren ;  —  he  hed  de  pläts 
W(!r  inhürd ;  —  he  hed  sük  bi  'n  andern  in- 
hürd.  —  Nd.  huren;  mnld.  hueren;  nid. 
liuren;     afries.     hera;    ags.    hyrian;     engl. 

10  hire  ete. 

hurke;  i.  q.  büke. 

hür-plats,  Pacht-Platz,  Pachtgut,  Platz 
od.  Hof,  der  verpachtet  ist. 

hurra,  hurrä,  hurrah.     Die  von  hur,  od. 

15  hurr  (s.  unter  hurrel  am  Schlüsse)  weiter- 
gebildete Interj.  =  schwed.  hurra. 

hurrel,  hurdel ,  Windsbraut ,  sausender 
Windstoss,  Wirbelwind;  kurzdauernder  Lärm 
u.  Zank  etc. ;  —  d'r  kwam  mit  'u  mal  so  'a 

20  hurrel  up,  dat  man  hast  gen  stau  holden 
kun' ;  —  't  was  man  so  'n  hurrel,  de  tüsken 
hör  ütbrök;  't  kwara  bold  wer  toregt;  — 
he  kreg  so  ^n  lütjen  hurrel  (zorniges  Auf- 
brausen,  bz.  einen  kleinen  Zorn-Anfall)  in 

25  de  kop.  —  Nid.  borrel  (Stoss,  Puff;  klei- 
ner Zank  etc.).  Der  Stamm  hur  od.  hurr 
ist  ein  lautmalendes  Wort,  ivelches  zunächst 
ein  dumpf  hallendes  Geräusch  od.  einen 
dumpif  schwirrenden,  surrenden  Ton,  bz.  ein 

30  surrendes  u.  schwirrendes  Geräusch  bezeich- 
net, dann  aber  auch,  tveil  dieser  Ton  durch 
rasche  Bewegung  der  Luft,  eiligen  Flug 
eines  Pfeils,  od.  rasches  Auffliegen  von  Vö- 
geln  (z.  B.  von  Bebhühnern)   etc.    entsteht, 

35  loeiter  in  die  Bedtg.  des  wilden  Eennens  u. 
der  eiligen  Bewegung,  bz.  des  Stürmens  etc. 
übergeht.  —  Zu  diesem  Stamm  hur  u.  hurr 
gehören  demnach:  mhd.,  nhd.  hurren  (sich 
rasch,  bz.  sausend  u.  schwirrend  bewegen) ; 

40  nhd.  hurri  (Zusammenstoss ;  Zank,  Streit) 
u.  hurlen  etc.  (cf.  Grimm,  Wb.),  wobei 
es  nicht  ausgeschlossen  ist,  dass  selbst  auch 
in  „Horniss"  der  Stamm  bor,  hur  steckt 
u.  dieses  Thier  (ähnlich  ivie  Hummel  von 

45  hummen  (humsen,  summen,  sumsen)  seinen 
Namen  von  diesem  lautmalenden  Stamm 
hur  od.  hurre  hat,  worüber  unter  börnetje 
das  Weitere  zu  vergleichen  ist.  Zu  hur,  od. 
hurr ,  wovon  auch  engl,  hurly  (Tumult  etc.) 

50  u.  Schott,  burl  (the  act  of  scolding) ;  schwed. 
hurra  (schwirren;  Hurrah  rufen),  hurra 
(Freudengeschrei,  cf.  hurra)  etc.  cf.  (Bopp, 
Gloss.  comp.)  die  f  kur  (sonare). 
hurreln,  hurdeln,  brausen,  sausen,  wir- 
bt» beln,  in  iviederholten  kurzen  Stössen  stark 
wehen  etc. ;  —  de  wind  faugd  an  to  hurreln. 
—  Engl,  burl  (strudeln,  loirbeln,  heulen). 

hurrel-wind,  ein  brausender  Windstoss, 
eine   Windsbraut. 

60      hurtje-draf,   ein  kurzer,  schneller  Trab, 


HURT  JEN                          118  HUSKE  HUESKE 

bz.  eine  stossweise  erfolgende  Fortbetcegung.  Bobrik,  naut.  Wb.)  huising;  mnd.  husinge, 

Vergl.  das  folgende :  husinch.  —  Zu  hisen  =  nid.  hijzen  (ziehen 

hurtjen,  sich  m-^ch  stoss-  od.  S2)ri(ngiceisc  etc.)  stimmen  die  Formen   nicht  n.   kann  es 

bewegen,    in    einem   kurzen    schnellen    Trab  deshalb  dazu  nicht  gehören,    wohl    aber    zu 

gehen  od.  reiten  ::.  fahren;    —    he   hurtjed  5  einem  Stamm   hiis   od.    hi'ise ,    wobei   indes- 

d'r  hen.  —    Dasselbe    wie   liotjen,    indessen  scn   a)i    eine  Fortbildung    von    hüs   (Haus) 

damit  rcohl  unverwa)idt,  da  es  eher  mit  engl.  schwerlich  zu  denken  ist.     Eher   scheint  es 

hurtle,    stossen  etc.  (ron  hurt,    stossen,  ver-  mir  möglich,    dass  es  ein  urspr.  von  Schif- 

letzen  etc.);    7nhd.    liurt,    hurte    (stossendes  fern    u.  Fischern  gebrauchtes   u.   gebildetes 

Losrennen) ,     hurten     (stossend     losrennen,  10   Wort  ist,  iceil  es  nur  bei  den  seefahrenden 

stossen) ;    nid.   hört    (kurzer  Stoss) ,    horten  Völkern  der  Nordsecküste  vorkömmt.    Sollte 

(stossen);  mnd.  liurte  (Sto.ss,  Anprall),  hur-  daher  hüsing   od.  husiuge  etc.    nicht   urspr. 

ten  (stossen)    verwandt    zu    sein   scheint   u.  diejenige   dicke    u.    starke  Leine   bezeichnet 

tcohl  ein  Freq.  od.  Iterat.  von  Letzterem  ist.  haben,    ivomit  die  huscn    od.  Ha  u  s  en   (= 

Von  hurt  ist   auch  icohl  nhd.  hurtig  wei-  15  (did.  hüso;  mhd.  hüso  [der  Fisch  acipenser 

tergebildet.      Von  \\WTt,  >>:.  kelt.,kgmr.\\\svCi\\  huso];    mnld.    liuys    [antacacus,    csox    etc.); 

(Stos.y ,  hyrdhu ,  liyrdliio  (blossen)  entstand  mnd.  huson    [cchymus];    norw.    hysa   [gadus 

(Diez,  I,  4.34),    ital.    urfare;  prov.  urtar;  ae.Lrlcfinus]  etc.)  gefangen  wurden,  zumal  da 

franz.  heuvter;  afranz.  hüTtcr  (stossen);  ital.  diese   „husen''    genannten   Fische  gross    u. 

urto;  franz.  heurt  (Stoss)  etc.  20  schwer  sind    u.  also   auch  ein  starke  Leine 

hüs,    Haus.    —    Redensart,   u.  Sprichw. :  erforderten  ? 

wen  man  wat  fan  hum    hcbben    wil ,   den   is  hiisen,  hausen;  —  a)  Haus  od.  Wohnung 

he  sin  läfend  uet  to  hi'is;   —    schone    husen  haben,  wohnen,    sich  aufhalten  etc.;    —    b) 

ferdenen  gen  geld;  —  'n  lu'is  ful  doLCters  is  unrthschaften  etc. ; — c)  Haus  machen,  bauen 

'n  keller  ful  sür  ber;  —  't  is  'n  diihnaiiswark,  25  etc.  —  Compos.:  ierhiisen,  die  Wohnung  od. 

wen  man  gen  bas  in    sin    egen    hüs    is ;    —  den   Wohnort  wecJiseln ,    verziehen   etc. ;    — 

wat  deid  man  mit  'n  hüs,  wen  man  gen  wif  umhüsen,  umzielicn  etc. 

hed;   —   he   is  aferal  to  lu'is;  —    he  is  dar  hfisen-blase,  Hausenblase,  d.  i.  Leim  aus 

ni't  in  to  hüs;  —  he  hed  'n  infal  as  'n  old  der  Luftblase  der  Hausen  u.  anderer  ver- 

liüs;  —    wel  kau  für  'n  unglük,   wen  't  hüs  30  icandten  Fischarten.    Wegen  „Hausen''  s. 

ful  is.  —  Africs.,  as.,  ags.,  ahd.,  mhd.,  an.  Weito-es  unter  hüsel. 

hüs:   irfries.  huwz  ;   nfries.  hüss  ;   )td.,  dän.  hüsen-büsen-saterdag,  Je;- .Sow^o/^c/kZ  iw 

hnus;  idd.  huis;  engl,  house;  norw.,  schived.,  Ostern,  als  der  Tag,    tco  es  im  Hause  sehr 

Schott,  hus.  —  F ick  (IJI,  70)  vergleicht  es  eilig,  unruhig  u.  stürmisch  hergeht,  toeil  an 

zu  skr.  kosha  (Behälter  etc.),  deren  richtige  35  diesem  Tage    an    Haus    u.    Hof   die    letzte 

Form  kofa  indessen  eine  y  kiu;  (umschlics-  Hand  gelegt  wird,  damit  am  Osterfeste  alles 

sen,  umfassen  etc.)  voraussetzt ,    die  strenge  rein  u.  blank   ist.    —    Fs    ist  aus  hüsen  in 

genommen    zu    liüs    nicht    stimmt.      Da  in-  der  Bedtg.:  „wirthschaften"  u.  h\i?,cn  in  der 

dessen    die    y    ku^-    (cf.  Benfeg)  auch  in  von:  stürmen,  eilen  etc.    u.  saterdag  (Sonn- 

der  Form  kus  vorkömmt,  so  würde  luis  hiebst  40  cdjend)  zusammengesetzt, 

an.  hauss  (Schädel)  etc.  hiezu  stimmen  u.  hüs  hüs-festing,  hfisfesten,  Obdach,  Wohnung, 

demnach  ursjtr.  ein   ein-   u.    umschl ies-  Unterkunft  etc.  —  Nid.  huisvesting. 

send  es   Etwas   bedeuten.      Möglich   ist   es  liüs-gorrid.  Hunsgcräth,  Mobiliar, 

indessen   auch,    dass    das  Thema    luisa    od.  hüsliold.   IlaushaU. 

hüsa    mit    hüd    zur    y    sku    (bedecken,  um-  45       hi'ishüldcii,  hi'ishollon,    haushalten,  rcirth- 

scliliessen  etc.)  gehört.  schaften  etc.;  —    lir  Cersteid  net  to  hüshol- 

lius-bakkpn,  hausbacken ;  —  n)  zu  Hause  den;  —  mit  de  minsk  is  gen  hüsholdeu  mit 

od.  selbst  gebacken;  —  hüsl)akken  l)röd;  —  (mit  dem  Menschen    ist    kein  Haus  zu  hal- 

b)  gewöhnlich,  (dltäglich,  philisterhaft ,  tri-  ten,    bz.  nicht  mit  zusammen    zu  wohnen  u. 

vial  etc. ;  —  'n  büsbakkeu  kerel.  50  zu  toirthschaften,  od.  nicht  gemeinschaftlich 

hus-bnnjer,    Einer,  der  das  Haus  hüten,  zu  verkehren  u.  umzitgelicn). 

bz.  dnheiiii  bleiben  viuss ,  icenn   die  andern  hüsholder,  hushollei',  Haushalter,  Wirth- 

Hausgcnossen  ausgehen  u.  sich  ein   Vergnü-  schafter  etc. 

gen  miK  hen.  hi'isholdorskc.  Iiftshollerskc,  Haushälterin, 

hi'is-diir,  Hnustliür.  55    Wirlhsckafterin. 

hiisol.    hiisoliii,    liiiseln,    busling,   dicker,  hüsh(»l(ling,     liüsholdcn  ,     Haushaltung, 

starker  Bindfaden ,    dünnes  festes   Seil    od.  Wirlhsi  hnft. 

Tau,  dünne  Leine.  —    Nfries.  hüsing,  hüs-  liüs-lmlt    (llausholz) ,    hölzerner    Todten- 

ling;  .y////.  hysom;  r/rj«.  Iiy-sing,  liy>sing;  norw.  sarg.  —   Auch  bei  ('ad.  Müller. 

hyssing;  engl,  housing,  houseline ;    nid.   (rf.  60       liiiskc.    hüske,    huskeii,  liüsjc,  hüsje,    a) 


HUS-LAGE  119  HUEVE  HUEVEREN 

Häuschen,   od.   kleines  Haus;   —    'n  lütjet  —  he  hütseid  d'r  al  mit  horum;  —  ho  hüt- 

hüske,    od.    hüsje ;    —    Compos.    mai-hüske,  sohl  mi  to  föl  um  od.  herum  (er  Meibt  nicht 

raaihusje,  (Laub-,  Garten-Häuschen. ,    Gar-  ruhig  sitzen,  —  setzt  sicJi  zu  viel  u.  zu  oft 

ienlaube.  —  Sprichw.:  elk  hfisken  hed  sin  von  einer  Stelle  auf  die  andere, —  bz.  wech- 
krüsken;   —    'n  hüskeu  klen    uii    dat  allc'n  ;     5  seit  zu  oft  seinen  Wohnort  od.  sein  Geschäft, 

—  b)  Abtritt,  Abort,  auch  gemak,  od.  beste  —  loirft  sich  bald  auf  dieses,  bald  wieder 
kamer  genannt;  —  he  sitt  up  't  hüske  to  auf  jenes  Geschüft  etc.);  —  he  hütseld  all' 
brillen;  —  c)  Kernhaus  des  Obstes;  —  de  ögenblik  um;  —  de  meid  hütseid  im  to  föl 
appel  hed  so  'n  grot  hüske; —  d)  Futteral;  (wechselt  den  Dienst  zu  oft,  bz.  hält  nir- 
cf.  brilhuske  =  Brillen- Futteral;  —  e)  Tute,  10  f/cnds  lange  aus  etc.),  sülke  wichter  kan  'k 
od.  Dilte;  —  'n  hüske  mit  rosinen;  —  he  in  min  lu'isholding  net  bruken.  cf.  umhüt- 
deid  dat  in  'n  papiren  hüske;  —  f)  der  sein.  —  Nid.  liutselen.  Freri.  von  liutscn, 
Raum  zioischen  den  auseinander  gehaltenen  hotsen,  cf.  hotten,  hotjen. 

Knieen,    wenn    man  sitzt,    bz.    der  Schooss  2.  hütseln  (Subst.) ,    ein  Spiel  um  Geld, 

einer  niederhockenden  Mutter,  wohin  kleine  15  loobei   die  von  zwei   Theilnehmern    zusam- 

Kinder  sich  flüchten  u.  bergen ;  —  wel  kumd  mengelegten    Münzen   von    einem   derselben 

erst  in  min  hüske?  zwischen   den   beiden   aufeinander  geschlos- 

hüs-lage,   Abgabe,   die   auf  einem  Hause  senen  Händen  längere  Zeit  geschüttelt  (hüt- 

liegt.     cf.  Umlage.  seid)  u.  dann  rasch  in  die  Höhe  geworfen 

hus-lök,  Hauslauch   (serapervivum  tecto-  20  werden.    Diejenigen   der  auf  die  Erde  fal- 

rum,   od.  sedum  majus).  lenden   Münzen,    tvelche   mit   dem  Wappen 

hfisnian  (Plur.  hüslüe)    ein  dem  mittleren  od.    dem   Bildniss    nach    oben   liegen,   ge- 

Bauernstande   (ein   Bauer  auf  einem  pläts  hören  dem  hütseler  od.  Schütteier,  loährend 

od.  Hof  in   der  Marsch  wird   nie  hüsman,  die  mit  der  Schrift  nach  oben  gekehrten  dem 

sondern  stets  einfach   biir   genannt)    ange-  25  anderen  Mitspneler  zufallen, 

hörender  Hofbesitzer,  od.  Besitzer  eines  mit-  hiitspot,    a)    ein    Gemenge   verschiedener 

teigrossen  Bauernhofes,   namentlich  auf  der  kleiner  Fleischstücke,  bz.  die  Fleischabfälle 

Geest.    —    Sprichiv. :   pantje  warm  !    pautje  der  geschlachteten  Thiere,  welcJie  zusammen 

warm !  mäkd  meunig  hüsman  arm.  in  einen  Topf  geioorfen  u.  darin  eingesalzen 

Der  Plur.  hüsKie  (Hausleute)  hat  übrigens  30  werden;  .—   wi   hebben  nog  wat  hütspot  in 

auch  die  Bedtg.  „Hausgenossen",    cf.  auch  de  keller  stän,   dar  kanst  du  to  tan  middag 

warfsman.  wat  fan  in  de  röfen  kaken;    —    b)   ein  Ge- 

hfismans-beslag,  das  Wirthschafts- luven-  misch  od.  eine  Sammlung  verschiedener  Ge- 

tar  eines  hüsmans.  genstände,  die  keinen  grossen  Werth  haben, 

hua-rdi,  Hausrath,  Hausge7-äth.  —  S2}rich-  35  bz.  ein  Mischmasch  von  Sachen;  —  he  hed 

wort :  'n  kwad  wif  is  't  slegste  stük  hüsräd  de  ganse  hütspot  för  'n  bitjo  geld   köfd ;  — 

wat  ömand  hebben  kan.  dar  best  du  de  ganse  hütspot.  —  Nid.  huts- 

hiit,  s.  hütte.  pot;   engl,  hotchpotch ,  hodgepodge,  hogge- 

liiiting,    Eothschtoänzchen   (sylvia  phoeni-  pot.   cf.  bot  in  der  Zusammenstellung  mit  pot. 

curus).    —    Nd.  (Dann eil)  hütik,   hüting.  40       MtU,h\it(masc.),  Hütte,  kleines,  geringes, 

hutje,  Imtjedraf;  i.  q.  hotje,  hotjedraf.  ärmliches  Haus,  bedeckter  Schutzort  etc.;  — 

1.  hütje,  kleine  Hütte.     Dimin.  von  hütte.  he  wand  dar  in  so  'n   lütjen    hütte;    —    he 

2.  hütje.  Dieses  in  der  Zusammenstel-  böed  sük  'n  groten  hüt ;  —  't  sunt  all'  emer 
hing  mit  mütje  gebrauchte  Wort  ist  loahr-  hütten,  de  up  't  mör  bi  de  swarte  weg  stän. 
scheinlich  identisch  mit  1  hütje,  da  unter  45  Compos.  erd-,  stro-hütte  etc.  —  Ahd.  hutta  ; 
„hütje  un  mütje",  od.  „hüfje  mit  mütje**  das  mhd.  hutte,  hütte;  nd.  hütt;  nid.  hut;  mnld. 
ganze  Hauswesen ,  bz.  der  ganze  Haus-  hutte  ;  engl,  hut ;  norm.,  schiocd.  hytta  ;  dän. 
stand,  od.  auch  dasselbe,  loofür  der  Deutsche  hytte;  franz.  hutte;  span.  huta  —  Das  ahd. 
den  Ausdruck  „Kind  u.  Kegel"  gehraucht,  hutta  (loas  später  ins  nd.,  nord.  etc.  ein- 
verstanden wird,  wie  z.  B.  in  der  Redens-  50  drang)  loird  vielfach  mit  hüd,  hüs  etc.  von 
art:  se  trekken  mit  hütje  un  mütje  weg;  —  der  y  sku  (decken,  bedecken  etc.)  abgeleitet, 
he  jagd  hütje  mit  mütje  to  de  dör  herüt  etc.  während  Fick   (III,  7S)    es   zu   skr.  kuti 

—  Im  loang.  sagt  man  statt  dessen:  hütti  (Hütte,  Halle,  Schuppen),  kuti  (Hütte),  ku- 
mit  mütti  u.  auch  nd.  (Dähnert  etc.)  u.  tira  (niedere  Hütte),  kuteva  (Hidte)  etc.  ver- 
mnd.  (Seh.  u.  L.)  ivird  hüt  un  müt,  bz.  55  gleicht,  ivelche  Wörter  mit  skr.  kuti  (Krüm- 
haite  MW  mutiQ  in  derselben  Bedtg.  gebraucht.  mung ,    Biegung,   Wölbung    etc.)    loohl   (cf. 

1.  hiitselii,  schaukelnd  hin  u.  her  bewe-  kamer  u.  unter  kate)  zu.  der  ]/  kut,  kötati 
gen,  schütteln,  hin  u.  her  werfen,  von  einer        (sich  krümmen  etc.)  gehören.  i'   .  ■u. 

Stelle   auf  die   andere   bringen,    die  Stelle  liiive,  hüveren,  liUvern,    liiiyei'ig- >etc.,   s. 

(Sitz,  Wohnung,  Dienst  etc.)  ivechseln  etc.;  60  hüfe,  hüfereu  etc.  ,^.iji  '\'.w  ;..; 


120  IDEE 


I 

(der  Vocal). 

Die  Wörter,   welche   mit  dem  Vocal   „i"  etc.  hervorgegangen  u.  gehört  das  Wort  idel 

anfangen,   trenne   ich  deshalb   von  den  mit  mit  ahd.  cit  (rogus,  ignis),   eitar    (Gift  etc., 

dem  Halbvocal  od.   Consonantcn   J"  hegin-  cf.    atter)    etc.    «.    griech.    aithö    (brennen) 

nenden,  iceil  da.'f  ^"  sehr  häufig  aus  ursj^r.  zur  }'  idh,  iudh,    brennen,   glänzen,    schei- 

«g"    (cf.  jicht  =  Gicht,   —  jid  =  gat,  —     5  ucn  etc. 

jegen  =  gogeu  etc.  etc.)  erweicht  ist.  Dass  ider,  jeder;  ideren,  Jedermann.  —  Nid. 
aber  tiament'ich  die  mit  langem  „i"  begin-  ieder;  afries.  eider,  aidor,  äthor,  äder,  eidar; 
nenden  Wörter  oft  auch  mit  einem  J"  aus-  wfrics.  yder;  engl,  either;  ags.  aegdher. 
gesprochen  werden,  hat  darin  seinen  Grund,  Mhd.  ieder,  ider;  contrahirt  aus  mhd.  iwe- 
iceil  in  diesem  Fall  das  lange  „i"  aus  zwei  10  der,  icweder  =  ahd.  eohwedar,  coweder, 
urspr.  verschiedenen  Vocalen  entstand  u.  zu  ioweder.  Das  ags.  aegdher  indessen  aus 
einem  meist  gedehnten  „[''-Laut  contrahirt,  aeghweder  u.  das  afries.  eider  etc.  atcs  aie- 
od.  dass  das  „i"  vor  einem  andern  Conso-  hwcdcr,  cf.  v.  liichthofen,  afries.  Wb.,700. 
nannten  zu  J"*  tcurde ,  wie  aus  den  nach-  Das  ags.  aeghweder  ist  wohl  Zusammen- 
stehenden Wörtern  das  Weitere  zu  ersehen  15  Setzung  aus  ao  -j-  ge  -|-  hweder  u.  scheint 
ist  H.  auch  unter  ^j"  verglichen  werden  mag.  demnach  das  afries.  aiehweder  für  ü  -|-  ge 

Dass  übrigens  auch  der   Vocal  „i",  eben-  -f-  hweder  zu  stehen,   tvo   a,    ac    mit   ahd. 

sowohl    wie    die   andern    Vocale ,    ein   sehr  eo,  io  =  nhd.  je  (=  e  in  emaud)  identisch 

schwankender  Laut    ist    u.   immer  icar ,   ist  u.  das  ge  im  ags.  eagehweder   die   Vorsetz- 

ghichfalls  aus  den  unter  diesem  Buchstaben  20  partikcl  ge  ist,    die  auch  im  nhd.  je  glich 

aufgeführten  Wörtern  ersichtlich,  sowie  auch  (=  ahd.  eogalih,  cf.  elk)  steckt, 

aus  ihn  Wörtern,  icorin  derselbe  als  Inlaut  Das    Wort   Jeder    ist   daher   identisch 

erscheint.  mit  j ewe der.      Was  je,   bz.   ahd.  eo,   io 

Iho.  Ibe.  Ilibe,  ml.  Name.    Davon  Geschln.  etc.  ist,  ist  unter  7  Ji,  ('maiul  u.  2  et  zu  er- 

Ibon,  Ihben  u.  Ibeling,    icelch  Letzterer  in-  25  sehen.     Das   ahd.  hwedar  =  goth.  hvathar 

dessen  auch  als  ml.  Name  vorkömmt.  (nhd.  weder)  loird  zwar  als  Frage-Prono- 

Derselbe  ist  wahrscheinlich  mit  Ebo  nahe  men  in  der  Bcdtg. :  toer  von  beiden,  od.  von 

verwandt,  sowie  dieser  mit  Abbo  etc.  u.  ge-  zweien  etc.   gebraucht.      Da    indessen    nhd. 

hören    desgl.    auch    vielleicht    die    Namen:  toer  (cf.  wel)  nur    die  Bedtg.:    einer,    eine 

Ippo,  Jibbo,  Jabbo  etc.  dazu.                            30  unbestimmte    Person,    irgend   Jemand    etc. 

cf.    bei    För  Stern  ann   unter    II),     der  (d'r  is  wel  west  =  es  ist  Jemand  da  gewe- 

auch   eine    Verwandtschaft   dieses   Stammes  sen)  hat,   so  heisst  hweder   eigentlich  soviel 

mit  dem  Stainm  p]  b  ((.  Ab  für  möglich  hält.  als:  einer  von  zweien  u.  da  eo,   io  die 

icht,  ichts,  jichts,  ichtens,  ihts  etc.,  ir-  Bedtg.:  je,  immer,  eicig,  dauernd,  ununter- 

gend,  irgends,  irgend  tcas,  etwas  etc.;  s.  ets.  35  brocken,  in  einem  fort,  stetig,  stets  etc.  hat, 

iddelk,  .s.  eddelk.  so  bedeutet  eo-hweder  soviel  als:  immer  od. 

Ide,    ml.  Name.     Wohl  gleich  Edo;   s.  d.  stetig  einer  von  zweien.     Insofern   als  nu)i 

u    unter  Ibo    ivrgen   des   Vocalwechsels.     cf.  aber  in  der  Bede  „dass  einer  von  zweien 

auch  Förstemann  unter  Id,    wozu    auch  immer   etwas   thut   od.  gethan  haben  kann" 

Idsc  ('s.  d.)  gehört   u.  wonach  beide  Namen  40  auch    die    Voraussetzung    liegt,    dass    alle 

der  y  idli,  glänzen  etc.  entstammen  können.  beide    (od.  jeder    von    ihnen)    inimer  u. 

iiIpI,^  eitel,    leer,  nichts  als,    blos  etc.;  —  zugleich  etwas  thun,  so  bildete   sich  aus 

dat  is  ulel    sfrö,    das    ist   leeres   Stroh,   bz.  je   od.    immer   einer   von  zweien   (= 

nichts  (ds  Stroh;  —   dat   sunt   al  man  idele  ahd.  eo-hwedar  u.  nhd.  jeder)  der  Begriff 

worden,  war  'k  iiiks  up  gute;  —  'n  idel  ge-  45  von:    alle    beide,  jeder    von  beiden, 

spgge    (i'in    eitles    od.    leeres,    unniäzcs  Ge-  jeder    von    allen,    Jedermann,    alle 

rede);  —  he  word  so  v\v\  (eitel,  dünkelhtft,  od.  Jeder   ohne   Unter  schied,  einer 

/inß'ärtig,  prunksüehtig  etc.).  —  Davon :  t'ev-  so    gut    als    der    andere  etc.    aus.     cf. 

idelii    (vereiteln,  zu  nichte  machen  etc.);  —  auch  lat.  uter,  was  sowohl:  loer  von  b  e i- 

\y\y\\uni\  ( Fitelkeit,  bz.  Leerheit,  Nichtigkeit).  50  den    etc.,    als    auch    beide    ohne    Aus- 

Form:    afries.  idel,  idle;    »nid.,  nd.  idel;  nähme  etc.  bedeutet, 

wfries.,  nid.  ijdel;    as.  idal,  idil ;    ags.  idel;  Da  h  =  urspr.  k,  c  (cf.  z.  B.  lat.  coniii, 

ahd.  ital.  idal ;  mhd.  itel.  griech.  keras    =    nhd.  Hörn)  u.    auch   lat. 

Der  Begriff  leer,  frei  von,   blos   etc.  q  oil.  qu  (in  qua  ^  aind.  ka)  aus  urspr.  k 

ist  aus  rein,  lauter,  klar,  glänzend  55  entstand,  so  ist  ahd.  hw  (bz.  hu)  =  lat.  qu 


IDJE  IT  JE                          121  IG 

u.  =  ainä.  k.  Das  aliä.  liwe-dar  (aus  hwa-  (regsam,  strebsam,  fleissig  etc.)  erklärt  wer- 
dar  =  goth.  hvathar)  entspricht  demnach  den  zu  müssen  u.  (da  goth.  ith  [aber,  tvenn 
einem  lat.  quatar  od.  quatarus  =  aind.  ka-  etc.]  u.  id  [zurück,  re]  =  lat.  it  [in  iterum] 
taras,  loas  eine  Comparativbildung  von  ka  u.  =  ags.  ed  [cf.  etmal  u.  eddelk]  u.  an. 
(==  lat.  qua,  goth.  hva)  ist,  wie  bei  Bopp  5  idh  ist)  mit  goth.  ithan  (gehen,  sich  bewe- 
(cf.  Gramm.  II,  pag.  24,  31  u.  203,  nebst  gen  etc.)  u.  wohl  auch  mit  goth.  iMia,  (Präter. 
dem  über  ka  im  vorhergehenden  Faragra-  von  j?aggan,  gehen)  verwandt  zu  nein  u.  zu 
phen  385  Gesagten)  weiter  verglichen  wer-  der  )/  at  (cf.  itan,  es.se«,  vo7i  y  ad),  gehen, 
den  kann  u.  wobei  noch  zu  bemerken  ist,  betvegen  etc.  zu  gehören.  Da  nun  aber  in 
dass  auch  lat.  uter  (cf.  Fick,  II,  77)  loahr-  10  Eifer  derselbe  Grdbegriff  der  Bewegung, 
scheinlich  für  cuter,  bz.  quter,  quater  steht  des  Begens  u.  Strebcns,  bz.  der  Er- 
u.  demnach  mit  ahd.  hwedar  etc.  gleichen  regung.  Auf  r  egtcng  (=  innerliches  Be- 
Ursprungs ist.  toegtsein)    etc.    zu    Tage    tritt,    so    halte 

Idje,  Itje,  tvbl.  Name.     Dimin.  von  Ida.  ich    dafür,    dass    diesem   Worte    auch   eine 

Idse,  Itse,  od.  Idze,  ml.  Name.     Gcschln.  15  Betvegungs-  od.  T  hat  ig  keits -Wurzel 

Idsen,  Itzeu  u.  Idsiuga,  Idzinga.  (cf.  dieserhalb  lat.   ago  von  }/  ag,  bewegen. 

Dem  alten  Geschlecht  der  „Idzinga"  ge-  treiben  etc.)  zu  Grunde  liegen  muss.  Diese 
hörte  früher  Norden  u.  Norderland  u.  nah-  y  könnte  nun  aind,  ap  (bewegen  vor,  kom- 
men einzelne  Mitglieder  desselben  auch  schon  men  zu,  erlangen,  erreichen  etc.,  treffen,  p>as- 
an  den  Kreuzzügen  Theil.  Es  starb  1439  20  sen  etc.)  od.  äp  =  zend.  ap  sein,  die  auch 
mit  Hyma  Idzinga,  welche  eine  Tochter  des  dem  goth.  ibns,  afries.  ivin,  iven  (für  ifin) 
letzten  Häuptlings  von  Norden  (Eberhard  u.  ahd.  eban  (cf.  äfen)  zu  Grunde  liegen 
Idzinga)  ivar,  aus.  ivird,  indem  Äug.  Fick  (vergl.  Wb.,  zweite 

Dass  Idse    od.    Itze   eine  Verstümmelung  Aufl.,  pag.  340)  dafür  eine  Grdform  apina 

von  Edzard  ist,    ivie  Stbg.  bemerkt,    kann  25  ansetzt,   wobei   das  urspr.  „p"  regelrecht  in 

ich  nicht  einräumen,  da  der  Geschlechtsname  „f''  (cf.  fader  von  y  pa)  übergehen  musste. 

Idzinga    auf   ein   hohes  Alter   des  Namens  Auch  das   aind.   ap    (Wasser   =  bewegtes, 

Idze  od.  Idzo  hinweist    u.    neben  Edzardsna  loogendes ,   strömendes,  fliessendes   etc.)   u. 

(Geschln.  von  Edzard)  in  der  ältesten  ostfries.  ap-as  u.  lat.  opus  (Arbeit,  Verrichtung,  Thä- 

Geschichte  vorkömmt.  30  tigkeit),    nebst   lat.    opus    (nöthig,  geschickt, 

Die  Form  Idse,  bz.  Idso  scheint  eher  aus  dienlich,  passend  etc.)  u.  griech.  epö,  epomai 
Idiso  entsprungen  u.  zum  Stamm  Idis  (fe-  (beschäftigt  sein  [womit  u.  um  etwas] ,  be- 
mina,  virgo)  zu  gehören  (cf.  Forst  ein  an  n  sorgen,  behandeln  etc.;  folgen,  mitgehen, 
unter  Idis),  der  mit  idel  zur  y  idh,  indh,  nachgehen,  verfolgen,  ergreifen  etc.)  etc.  ge- 
brennen, glänzen  etc.  gehört,  wonach  Idso  35  hören  zu  derselben  y  ap  (f.  fügt  sich  dem- 
(Idiso)  die  Bedtg. :  „Glänzender"  hat.  nach  das  mit  dem  Suffix  er  vom   Stamm  if 

Wegen  Idis,  bz.  ags.  ides  (Frau)  cf.  ags.  gebildete  Wort  ifer  od.  ifer  sowohl  etymolo- 

Glossar  von  Bouterwek  u.  H.  Leo.  gisch  als  begrifflich  sehr  gut  zu  dieser  y  ap. 

ifer,  Eifer,  Eile,   Ucbereilung,  Erregung,  Dass  das  Wort  ifer    erst   so  spät  in  der 

Leidenschaft,   Zorn,    Hitze  etc. ;  —   he  sitt  40  Schriftsprache  auftaucht,   beweist  nichts  ge- 

ful  ifer  =  ful  für ;  —  he  kwam  so  in  ifer,  gen  diese  Ableitung,   da  es  jedenfalls  schon 

as  he  hörde,    dat  se    sin  bröer  unrecht  dön  vorher  mdartl.  gelebt  haben  muss,   bevor  es 

wulden,  dat  etc. ;  —  he  hed  dat  in  ifer  segt  in  Schriften  vorkommen  konnte  u.  weil  mög- 

un  dän;    —    d'r  is   gen   ifer    (od.  furtgang)  licherweise  diejenigen  Handschriften  der  Vor- 

b!  hum.  45  seit  auch  sehr  leicht  verloren  gegangen  seilt 

Nach  Grimm  tauchte  ifer,  eifer    (aemu-  können,  worin  es  schriftlich  niedergelegt  war. 

latio ;  zelus)  erst  im  15.  Jahrhundert  in  Ober-  ifern,  eifern,  eilen,  streben,  sich  bemühen, 

deutschland  auf  (wie  desgl.  auch  mnd.  ive-  streiten  etc.,  bz.  eifrig  u.  thätig  sein,  erregt 

ren),  wovon  unser  nd.  ifer  ;  nid.  ijver;  schwed.  sein  u.  werden  etc. ;  —  sük  beifern ;  —  sük 

ifver;   dän.  iver    entlehnt  sein  soll.     Woher  50  ferifern  (sich  ereifern  u.  aufregen,  in  Zorn 

es  gekommen,  lässt  auch  Grimm  unerklärt,  gerathen  etc.) ;   —    he    iferd    d'r  tilgen ,    er 

lüie  desgl.   auch   Fick.      Seine    Verwandt-  eifert  (strebt  u.  spricht  heftig)  dagegen  etc.; 

Schaft    mit    an.  idhja    u.    dem  ahd.  eit    (cf.  —  he  iferd  för  siu  fründ,  er  eifert  (streitet 

atter  u.  idel)  liegt  doch  wohl  zu  fern,  trotz-  lebhaft  u.  heftig  etc.,  bz.  bezeugt  ein  grosses 

dem  Grimm  dafür  plaidirt.    Auch  scheint  55  Interesse  etc.)  für  seinen  Freund.  —  Nid. 

mir  das    an.  idhja    (Beschäftigung,    Arbeit,  ijveren;  mnd.  iveren. 

Mühe  etc.)  u.  idlina  (arbeiten  etc.)  etc.  ebenso  ifi'ig,  ifei'g?  e^/V•^^,  strebsam,  thätig,  fleissig 

wie  das   Wort  wiiinan  ^  ahd.  winnan  (mü-  eilig,  erregt,  heftig,  zornig  etc. 

hen,  .streben,  arbeiten,  kämpfen  etc)  aus  der  ig,  ig,  Endung  vieler  Adject.    u.  Adverb. 

Grdbegr.:  bewegen,  regen,  streben  etc.  60  (als  z.  B.   von   ewig,    enig,    weinig,    gidsig, 


IG                                122  IK 

godig,    modlg  etc.,    icie   bei  Adelung   n.  ning,  hz.  chuninga  (König)  =  sät.  jan-a-ka 

Andern    das    Weitere   zu    ersehen),    die  im  könnte     demnach     übersetzt     werden:     Ge- 

ahd.  H.  uihd.  it.  eersiehiedenen  andern  germ.  schlecht-zu-gehörend,    bz.    gehörend- 

Spraehen    in   der   Form  ag,  eg,  ig,  ing,  ac,  z n- G e seh l echt   n.    Stamm  =    Stnm- 

ec,  ic,   ine,   oh,    ich    (cf.  ahd.  cinag,    einac;     5  mcs-An g ehör iger,  Geschleehts-Ver- 

mhd.    eincc,    einic,    cininc;    as.    onag;    ags.  wandt  er  ete.,  od.  auch  so,    dass  das  G  e- 

aeneg,  aenig;    afries.  onicli,    onig    =  einig;  schlecht    u.    der  Stamm    zu  ihm  gehört 

—  ahd.  üwig,  ewig;  mhd.  ewig,  ewic;  afries.  u.  von  ihm  ausging  etc. 

cwch,    ewig;    as.    ewich   =    ewig:    —    ahd.  I»g^j   '"'•  ^^nme.      Geschln.    Iggcn  u.  Ig- 

muotig;    mhd.  niuotic ,    nmotec;    as.  mödag,  10  gcna. 

müdpg,  mödig;  goth.  imulags;  ags.  müdig  =  WahrscheinlicJi  mit  Iko  (cf.  die  Namen 
vtuthig  ete.)  u.  wahrscheinl.  auch  noch  in  Iko,  Igo,  Icbo,  Ihho,  Ihcho,  Yge  etc.  bei 
andern  Formen  vorhiimmt  u.  ebenso  wie  die  Forste  mann  unter  ic)  desselben  Ur- 
Endung ig,  ing,  eng  etc.  (in  künig  od.  kij-  Sprungs  u.  vielleicht  auch  mit  dem  Geschln. 
nink  [=  ahd.  cliiining,  cuning,  kuuiiic,  cliu-  15  Eggen,  die  sämmtlich  ebenso  ivie  Agge  u. 
nincb,  kunig,  kiiuic;  amhd.  chunich;  mhd.  der  ahd.  Name  Egge,  Ecke  (Name  eines 
künic,  kunec ;  ags.  cyning;  afries.  kining,  J\/es'e«,  der  von  Dietrich  von  Bern  erschla- 
kinig,  keneng,  keneg;  an.  konungr  etc.],  gen  wurde)  n.  der  ags.  Name  Ecg-laf 
boyiing,  beninga,  beiienga  etc.),  bz.  ang,  ing,  (Vater  des  Ili'inferdh)  etc.  mit  egge  (Hand, 
uug  —  auc,  iuc,  unc  etc.  eine  Ang  ehör  ig-  20  Kante,  Schneide,  Schärfe,  Spitze,  Schwert- 
keit  u.  Vertvandtschaft  —  ein  Ha-  schneide,  Bergspitze  etc.  =  spitzes,  vor- 
ben  u.  Bes  it  z  en,  bz.  des  Eigenseins,  stehendes,  vor-  od.  aufragendes  Etwas)  = 
od.  der  Eigenheit  u.  Beschaff  enheit  afries.  eg,  ig,  ags.  ecg  etc.  verwandt  sein 
ete.  ausdrückt  u.  tcahrschcinl.  auch  dasselbe  dürften. 
Wort  ist,    tcie  ang,  iiig  etc.  selbst,     cf.  ing.  25  i^s,  igts ;  i.  q.  iebts  ti.  cts. 

Wie  bei  Bopp  (s.  Gramm.  III,  422)  zu  ik,  ich.  —  Afries.  ik;  as.  ic;  ags.  ic;  an. 

ersehen  ist,    glaubt    derselbe  ig,    ing  etc.    in  ek;    goth.  ik;    ahd.  ih,  ich;    mhd.  ich;    lat. 

köuig  als  aus  aka  (a-ka)  entstanden  ansehen  ego;  griech.  egö ;  zend.  azem;  skr.  aliam  etc., 

zu  müssen,  während  ich  (cf.  unter  ang,  eng  denen  sämmtlich  ein  urspr.ngh'Am  (cf.  Bopp, 

etc.)    diese  Endungen  lieber  auf   die  y  ak,  30  Gramm.,    1,     Vorrede,  XIX   u.  daselbst  in 

ank  (=:  akb,  ali,  anli  etc.)   zurückführe,  da  §  23)  zu  Grunde  liegt,  während  das  franz. 

sich  die  in  ang,  ing  etc.,  bz.  ag,  ig  etc.  lie-  je  u.  übcrhauiJt  die  rom.  Formen  (cf.Diez, 

gende  Bedtg.  der  Angehörigkeit  u.  des  1,240  unter  io)  aus  dem  lat.  ego  entstanden. 

Eigenseins   etc.    ebenso    wie    bei    egen  Da  das  ra  nach  Bopp  (s.    Gramm.,  II, 

(eigen,  angehörig  etc.)   ohne  alle  Schwierig-  35  101)  Endung    u.    tvahrscheinl.    aus    ma  ge- 

keit  von  der  y  ak  (bewegen  u.  dringen  vor,  kürzt  ist,  loic  unser  m  in  bessern,  bossem  etc. 

gehen  u.  kommen  zu,    erreichen,    erlangen,  u.  ferner  dieses  ma  in  der  Wortbildung  die 

ergreifen,  in  Besitz  kommen  von  Etwas,  sich  erste  Person  bildet,   sowie  auch   der  Stamm 

aneignen,   nehmen,  fassen,  halten,  erhalten,  von  lat.  mens  u.  tinserm   mi,    min  etc.    ist, 

bekommen,    behalten,    haben    etc.)    ableiten  40  so  nehme    ich  für  aham  etc.    eine  Grdform 

lassen.  agliama  ((n.    Indem  nun  aber  das  erste  „a" 

cf.  auch  unter  isk,  isk  u.  weiter:  air.  ic,  der  Pronomiiudstamm  „a"  (cf.  Fick,  I, 
icp  (=  ine,  anc)  kommen  (zu),  gelangen  pag.  1)  der  ersten  I'erson,  also  das  Ich 
(wozu  u.  wohin),  erreichen,  erlangen  etc.,  selbst  schon  bezeichnet  ti.  aucli  die  Endung  ma. 
die  wohl  mit  ak  (beicegen  vor,  dringen  vor  45  auf  die  eigene  Person  od.  das  Ich  sich  be- 
u.  ein  etc.)  u.  skr.,  zend.  ac  (beivegen  vor,  zieht,  so  ist  in  dem  aus  a  -}-  gha  -f-  ma  zu- 
kommen zu,  erreichen  etc.)  identisch  ist.  sammengesetzten  Worte  aham  der  Begriff  der 

Ist  übrigens  ig,  iiig  als  Kürzung  von  iga,  eigenen  Person  anscheinend  zweimal  enthal- 

inga  aus  aka  entstanden,  so  erklärt  sich  der  ten  od.  dem  Begriffe  nach  reduplicirt,    wo- 
darin    liegende   Begriff'   der   Angehörig-  50  durch  vielleicht  urspr.  toie  bei  vielen  sonsti- 

keit,  der   Verbindung,    des  Ilaftens  gen  Wurzelreduplicationen  der  schon  in  „a" 

od.    des   Verbundenseins    toomit    ete.  liegende  Begriff  blos  verstärkt  od.  noch  deut- 

auch  aus  aka,  ioeil  dies  von  a  (=  von,  ab,  lieber  gemacht  werden  sollte. 

zu  etc.,  cf  4  u.  5  a)  ic.  ka  =  lat.  qua,  quo  Was    nun    aber    das  mittelste   Wort  gha 

etc.  zusammengesetzt    ist    u.  somit    (weil  ka  55  betrifft,    so  ist   dies  eine   Verstärkungsparti- 

=    quo    eine    V erbindun g s-  Partikel  kel  wie  unser  ge    ^'h  gcbalsk,  gedö  etc.    (cf. 

ist,  cf.  un  =  und  u.  6k  =  auch)  die  Bc-  Fick,  I,   7S)  =  ahd.  ga,  ka  (cf.  Schade, 

dtg.  des   Verbundenseins    n.    der    An-  ahd.   Wb.,  155  unter  ga),  ge,  ke,  gi,  ki  etc. 

gehör  ig  keit,    bz.    der    Absta  m  m  u  n  g  etc. ,     die    man    richtiger    loohl    eine    V  e  r- 
wovon  etc.  sich  auch  hieraus  ergiebt.   chu-  HO  mehr  ungs- ,    od.    (zwischen   zwei  Wörter 


IK  123  IK 

gestellt)  eine  V  er  hin  dun  g  ft  -  Partikel  nen-  tiglceit    in    die   zu   aichenden    Gewichte   u. 

nen  sollte,    ganz   wie   das    aind.  ka  =  lat.  Masse  hineinstösst   od.    schlägt    od.    hinein- 

quc  u.  das  lat.  co,  com,  cum  etc.  (cf.  Fiele,  hrcnrit ;  —    ik-kamcr,  AichJcammer ;    —   ik- 

I,  32  unter  ka) ,    die    man    mit  nhd.  und,  amt,    Aich-Amt   =    a)  die  Aich-Jichörde  u. 

auch,  zu,  mit,  nehst,  sammt  etc.  über-     5  b)  die   Aich  -  Wahrnehmung    (dat    ikamt   is 

setzt.     Diescmnach  bedeutet  das  ganze  Wort  liura  updragen) ;  —  ikcr,  Aicher,    die  Aich- 

aghama    nun  eigentlich  soviel  als:   ich   mit  Person;  —   ikmester,   Aichmcistcr  etc.;   — 

ich  —  ich  — f-  ich  od.    ich    u.   ich    zu-  \k\?i(\.QY,das  Aich-Eisen,  der  Aichstcmpel  etc. 
sammen,  wodurch  vielleicht  angedeutet  wer-  Was    nun  das  Wort  ik  betrifft,    so  halte 

den   sollte,    dass   aham    das   wahrhafte,  10  ich  dafür,    dass   es   ein    Etwas   bezeichnet, 

toirk liehe  u.  alleinige  Ich=^  meine  was  man  einem  Gewicht,  Mass  etc.  inhaf- 

Selbstper son    par    excellenco,    od.    Ich  tirt,  eins  chlägt,   einprägt  od.  zu  ei- 

ganz  allein  u.  ausschliesslich,  Ich  gen  macht  u.  giebt,  ebenso  wie  dies  bei 

selbst  etc.  sei.     Dieser  Vorgang  lässt  sich  den  alten  Marken  an  den  Häusern,  od.  son- 

meiner  Ansicht   nach  auch  sehr   gut  durch  15  stigem  Eigenthum    auch    der    Fall    loar    u. 

die  Annahme  erklären  u.  rechtfertigen,  dass  dass  in  Wirklichkeit  das   Wort  ik  mit  dem 

in  dem  Pronomial-Stamm,  „a"  überhaupt  nur  mark   (Merk)    u.  mal    (Zeichen  etc.)    seiner 

der  Begriff  von  einer  unbestimmten  Person-  Bedeutung  nach  ganz  gleich  ist,  loährend  es 

lichkeit  (bz.  eines  Seienden,  od.  Etwas  andererseits   in  Abstammung   u.    Grdhegriff 

etc.,  cf.  wicht)  lag,   od.  dass  derselbe  iirspr.  20  (als  Haftendes ,  Haltendes   etc.)   viel- 

nur    die    Bedtg.:    Person,     Wesen    etc.  leicht    mit    ek    zusammenfällt.     Diesemnach 

(gleichviel  welches)  überhaupt  hatte,  was  eben  scheint  mir  nun  trotz   Grimm' s    Beden- 

dadurch  bestätigt   zu   werden  scheint,    dass  ken  das  ahd.  eihhöa ,  eicliun ;    mhd.  eichen 

von  diesem  „a"   (cf.  Fick,    Ferd.  Justi  {=  a)  in  Eig  enthum  übergeben,  zu- 

u.  Andere)   auch   noch   andere   Pronomina  25  sprechen,  zueignen,  in  Besitz  neh- 

gebildet  icerden,  wie  z.  B.  zcnd.  aem  u.  skr.  m  en  u.  geben  etc.  u.  b)  Getcichte  u.  Masse 

ayam  etc.  (cf.  Ferd.  Justi  etc.  u.  Bopp,  von  Obrigkeit  loegen  eichen,  bz.  aichen) 

Gramm.  II,  109  seq.)    u.    dass   auch  ayam  ganz  dasselbe  Wort  wie  unser  iken  u.  nid. 

durch  Einschiebung   der  Verbindungs-Par-  ijken,    tvenn   man    dieses    in   der  einfachen 

tikel  „y"  zwischen  a   u.    am    (also   a-y-am)  30  sinnl.  Bedtg.:   merken,    mit  einem  Merk 

gebildet  lourde.  od.  einer  Marke  ver sehen,  kennzeich- 

Diesemnach  würde  nun  a-gha-ma  or?.  das  nen,  signiren  etc.    u.   das  Subst.   ik  od. 

mit  „a"  als  Person,   Wesen  etc.,  durch  ike    in   der    Bedtg.:   Merk-Ding,    Zeiche n- 

gha  =  CO  etc.  verbundene  mA  eben  meine  Ding   (sowohl  als  Geräth  als  auch  als  Sig- 

Person  od.  das  Ich  bezeichnen,   tvie  ja  35  tium,  womit  man  Etwas  merkt  u.   zeichnet) 

ma  nicht  allein  Stamm  des  pers.  Fron,  mi,  etc.    nimmt.      Vergleicht   man    nämlich    die 

sondern  auch  des  Possess.  min  ist.  alte  liechtsgeioohnheit,  dass  eben  durch  das 

ik,    das    Aich- Zeichen,    bz.    das    einge-  Einhauen    der  persönlichen  Marke    in  das 

stochene,    eingeschlagene    od.    auch    (in  hol-  anzutretende   Eigenthum   die    Uebergabe   u. 

zernen  Geräthen)  eingebrannte  Mal  od.  Zei-  40  Besitznahme    desselben    geschah    u.    später 

chen,    loomit    obrigkeitlich    beglaubigt   wird,  durch  das   Unterfügen   derselben   unter  den 

da,ss  ein  Gewicht,  Mass  od.  Fass  genau  so  betr.  Kaufcontract  statt  der  Namens-Unter- 

schtcer  u.  gross  ist,  wie  es  dem  Gesetze  nach  schrift  etc.,  so  erhellt  leicht,  dass  mit  diesem 

sein  soll;   —    de   ikmester    let  't   ik  d'r  up  merken,    bz.    dem  Eitthauen,    Einstechen, 

slän    (od.  brannen) ,    as    he  de  mät  namäten  45  Eingraben  etc.  der  persönlichen  Marke,  bz. 

un  rigtig  funden  harr';  —  ik  biu  twifelacli-  mit  ahd.  eihhön  etc.  sich  von  selbst  die  obi- 

tig,  of  de  mat  wol   richtig  is;    man    kan  d'r  gen  Bedtgn.   der  Uebergabe   u.    des   in  Be- 

wenigstens  hei  gen   ik  mer  up  sen.  —  Nid.  sitznehmens    eines  Etwas  verbinden  musste, 

ijk  (dasselbe);  mnld.  iccke  forf.  jecste),  ycke,  während  andererseits  das  aichen  od.  nie r- 

hycke ;  tul,  mnd.  ike  (vasis  mensura  et  capa-  50  ken  u.  s  t  e mp e  l n  der  Gewichte  u.  Masse 

citas,    mensura  capacitatis  et  ponderis  justi ;  von    Obrigkeits   tvegen   mit     dem    officiellen 

Signum  sive  nota  justae  mcnsurae). — •  Vbm. :  Stempel  geschah   u.    nur   als  Beweis  dienen 

Iken  (nd.,  mnd.  iken  ;  nid.  ijken ;  mnld.  iecken,  sollte,   dass  das  betr.  Mass   u.   Gewicht  etc. 

ycken,  hycken ;  hess.  eichen,  eichten,  ichten ;  mit  dem  gesetzt.  Mass  u.  Gewicht  verglichen 

p)omm.  ikken  ;  Schweiz,  icha,  ichta  etc.)  eichen  55  u.  damit  übereinstimmend  gefunden  sei.  ^  So- 

od.  aichen,  d.  h.  ein  verificirtes  Gewicht  od.  viel  ich  weiss,  versteht  man  hier  unter  iken 

3Iass  mit  dem  ik  od.  Ai ch zeichen  versehen,  auch  niemals    etwas  anderes,    als   dass   der 

was   eben   durch  stechen,    stossen,  schlagen  obrigkeitliche  Stempel  dem  betr.   Gewicht, 

od.  einbrennen  in  der  Weise  geschieht,  dass  Mass  od.  Fass  etc.    nach   geschehener   Ver- 

man  den  Aichstempel  zum  Zeichen  der  Bich-  60  gleichung   u.   richtigem   Befund   eingeprägt 


m 


124 


ILEN 


od.  eingebrannt  wird  u.  ist  es  noch  Nie- 
mandem eingefallen,  das  Xachwiegcn  «. 
Nachmessen  selbst  mit  dem  Worte  iken  rw 
bezeichnen.  Ist  iken  übrigens  =  steclicn, 
stossen,  so  könnte  es  vielleicht  mit  jOkel 
((•/.  dieses)  u.  mit  iigel  (Jgel)  u.  äkol  zur  y 
ak,  vordringen,  vorstossen,  eindringen  etc. 
gehören. 

Mit  Jken  =  ahd.  eihhön ,  bz.  Ikd  =  (ge) 
a  i  c  h  t  in  der  liedtg. :  g  e  merk  t,  in  a  r  k  i  r  t, 
mit  einem  Mal  od.  Zeichen  etc.  verschen 
etc.  scheint  mir  auch  unmittelbar  verwandt: 
das  an.  cikdli,  eykdh,  oikdh  od.  eikt,  tcas 
einen  Zeitraum  von  3  Stunden  bezeichnet, 
od.  tvahrscheiidicher  eine  blosse  Marke 
(od.  ein  blosses  Merkzeichen)  tvar,  wodurch 
die  Zeit  von  einem  Mittag  zum  andern  in 
8  gleiche  Zeiträume  (ülinlich  rcie  bei  uns  in 
24  Stunden)  von  3  Stunden  eingetheilt  wurde. 
Denn  wie  aus  einer  Abhandlung  von  Finn 
M a g  n  ussc  n  über  die  Eintlteilung  des  Ta- 
ges bei  den  alten  Scandinaviern  (cf.  die 
Uebersetzung  desselben  in  der  Zeitschr. :  de 
vrije  Fries,  Leeuicarden  lS4:i,  II,  58  seq.) 
hervorgeht,  geschah  die  Eintheilung  des  Ta- 
ges, bz.  der  Zeit  derselben  urs2)r.  in  der 
Weise,  dass  man  eben  wie  bei  einer  Son- 
nenuhr den  auffallenden  Schatten  eines  er- 
habenen u.  spitzen  Gegenstandes  beobachtete, 
u.  nach  Verlauf  von  3  Stunden  ein  3Ierk- 
2 eichen  (Einschnitt,  Funkt,  Strich  etc.) 
machte,  icclches  dafjsmark  (Tagesmerke)  ge- 
nannt wurde  und  tcoraus  hervorzugehen 
scheint,  dass  es  eben  die  oiktr  (od.  Mar- 
ken-Einschnitte etc.  auf  einem  Brett 
od.  Stein)  tcaren,  loodurch  der  24-stündige 
Tag  in  8  gleiche  Theile  zerlegt  wurde. 

Nehmen  wir  nun  iken  in  der  Bedtg.: 
merken  u.  vergleichen  wir  unter  mark  u. 
marken,  dass  dessen  Grdbdtg.  wahrscheinl. 
neh m e n,  gre if  en,  halte n,  f  a s s e n  etc., 
bz.  haften  etc.  ist,  so  erklärt  sich  auch 
das  mit  ahd.  nihhön  verwandte  ahd.  ureichi 
(proprium,  qiialitas,  substantia)  «7s  Eigen- 
thum,  bz.  als  das  Erfasste  u.  aus  Et- 
was heraus  Geno  m m  ene  etc.  sowohl, 
abi  auch  in  der  Bedtg.:  Eigenschaft, 
als  das,  loas  einem  Etwas  anhaftet 
u,  eigen  ist.  cf.  unter  jichtea  loegen  ur- 
eichi etc. 

In  Form  u.  Grdbegriff  (nämlich  hal- 
ten etc)  stimmt  zum  Stamm  ik  am  besten 
ek  =  ahd.  cili,  eich  etc.;  «h.  eik;  nfries.  ik 
etc.  u.  ist  dort  das  Weitere  zu  vergleichen. 
Zum  Grdbegriff:  steche n,  präge n,  s t o s- 
s  c  )i  etc.  vergl.  indessen  das  im  Folgenden 
erwähnte  lat.  ico. 

Zum  Schluss  noch  die  Frage,  wie  sich 
der  Name  des  Hirsches  .  .  eiktliyruir  (rf. 
G  ri  m  m ,    Mgth.,  778)  zu    dem    obigen  an. 


eikt,  eikdh  etc.  verhält  u.  ob  darin  nicht 
das  Wort:  an.  hyruir  (Ilürner)  steckt,  too 
denn  eikt  vielleicht  die  Bedtg.:  Stoss, 
St i c h  etc.  od.  Zacke ,  Sj; / tze  (=  Ste- 
5  chendes,  Scharfes  etc.),  bz.  zackig, 
ästig  etc.  hat.  Da  7iun  aber  merken, 
bz.  mit  einer  Marke,  einem  Zeiche n  od. 
31  al  etc.  versehen  auch  =  prägen, 
c i  n p r ä g en,  e i tist  o s s e n,   e i nste c h e n 

10  etc.  ist,  so  kann  man  übrigens  aucJi  anneh- 
men, dass  dem  Verb,  iken  die  sinnl.  Be- 
dtg. :  stechen,  stossen,  schlage  n, 
hauen  etc.  zu  Grunde  liegt  u.  dass  dem- 
nach ikeu  u.  dits  entsprechende  ahd.  eihhön 

1.5  u.  an.  eikt  etc.  mit  dem  lat.  ico,  ici,  ictum 
etc.  (cf.  Fott,  Wurzelwb.,  III,  138)  un- 
mittelbar verwandt  ist,  worauf  auch  mnd. 
(Seh.  u.  L.)  ike  (a.  spitzes  Instrument, 
Lanze ;  —  b)  Instrument,  womit  man  die  Ge- 

20  fasse  sticht  u.  ihren  Inhalt  misst  [cf.  peilen 
etc.]  od.  nach  ihrem  Inhalt  bestimmt)  hin- 
zudeuten scheint.  Zu  ico,  ictum  etc.  u.  mnd. 
ike  cf.  (Fick,  II,  31)  griech.  aikmo  (Spiess), 
wonach  ]/  ik  wohl  Ablautform  von  ak    (ef. 

25  griech.  akö  u.  lat.  acus  etc.)  ist. 

ikel,  ikkel,    unsauberes ,  schmutziges,  ge- 
meines  Weibsbild,  Ilure,  gemeine  Vettel  etc. 
Wohl   dasselbe    wie  nikkel  u.  dort  das 
Weitere  zu  vergleichen. 

30      iken,  aichen;  s.  unter  ik. 

ik-kumer,  Aich-Kammer,  Aich-Baum. 
ik-niester,  Aich-Meister. 
Iko,    IkP,   ml.    Name.      Geschln.   Iken  u. 
Ikena.      Davon   tvuhl   tveibl.    Name:   Ikke, 

35  statt  Ikka,  Ika. 

Wegen  Iko  etc.  s.  unter  Igge,  Eiko,  Inka 
etc.  «.  cf.  bei  Förstcmann  unter  ic  die 
Namen :  Ico,  Ige,  I  k  k i a  etc. 

1.  ilc,  il  (I'lnr.  ilen),   Igelkolbe;  sparga- 
40  nium. 

Es  ist  das  contrahirte  nhd.  Igel   in  der 

Bedtg.:    stach ligtes    Etwas    u.    ist    sie 

von  der  stachligten   Frucht  so  benannt. 

Von    diesem  il    od.  ihl    kömmt    angeblich 

45  der  Name  des  Klosters  Ihlow  (d.  h.  ihl-owc 
:=  Igelkolben -Aue,  tveil  in  der  sumpfi- 
gen u.  wasserreichen  Gegend  viele  \len  wuch- 
sen; cf.  Sund  ermann,  ostfries.  Sagen, 
16)  her. 

50  Wegen  igel  s.  unter  ägcl  m.  cf.  holst. 
Idioticon  von  Schütze,  II,  190  das  Wort 
lilo. 

2.  ile,  il,  Eile.  —  Ahd.  IIa;  mhd.  ile 
(Eile,  Eifer);  nid.  ijl ;  (/.  unter  2  ilcn. 

55      1.  ilen.     Flur,  von  1  ile. 

2.  ilen,  eilen,  schnell  gehen,    eifrig  vor- 

tvürts  streben  etc.  —    Ahd.  ilan,  ilen,  illan; 

mhd.  ilon;  as.  iljan;  nid.  ijlon. 

Dass  die  Wörter  ilc  u.  ileu  auf  die  Grd- 

60  bdtg.:    bewegen,    regen    (sich  regen    u. 


IL-GAT 


125 


IN 


thätig  sein,  sich  befleissigen  etc.),  gehen 
(vor ,  wohin  etc.),  vorioärt s strebe n  etc. 
zurückgehen ,  ist  ziveifellos  u.  möchte,  bei 
dem  steten  Wechsel  von  „r"  u.  „1",  dafür 
die  y  ir  als  Nebenform  von  ar  (beioe  g  e  n,_ 
gehen  etc.)  anzusetzen  (cf.  Fott,  Wur- 
zelwb.  II,   3  seq.   u.  77  etc.)  sein.     Dazu: 

il-gat,  (Eil-Loch)  Flug-Loch  im  Bienen- 
körbe etc. ;  —  (scherzh.)  After. 

i-16f,  ei-löf,  li-lüf,  Epheu.  —  Mnd.  iw- 
löf,  ifflöf.  jE".*."  ist  zusammengesetzt  aus  \  = 
iwi  etc.  u.  lüf  u.  hat  die  Bedtg.:  immer- 
grünes, ausdauerndes  Laub,  wie  un- 
ter epha  weiter  zu  vergleichen  ist. 

ilt  I  i.  q.  alt. 

im  od.  imnie,  Imme,  Honigbiene ;  —  he 
stekd  as  'n  im ;  —  he  is  f  ileinig  as  'n  im ; 
—  he  is  flüg  as  'n  im. 

Mit  nid.  ijm  ;  geldr.  imme ;  mnld.  imme ; 
mnd.  imme  etc.  (Honigbiene)  u.  nhd.  Imme 
etc.  aus  ahd.  impi,  mhd.  imbe  (Biene,  Bie- 
nenstock, Bienenschwarm,  Bienenstand)  ent- 
standen, wie  emmer  =  nhd.  Eimer  aus 
eim-,  bz.  ein-par. 

Es  bleibt  fraglich,  ob  der  ziveite  Theil  des 
Compositums  impi,  nämlich  pi,  ebenso  ivie 
pi  in  pior,  bior  (Bier  =  Trinken,  Getränk, 
Nahrung  etc.)  mit  pi  im  lat.  api-s  identisch 
ist  ti.  zur  y  pa,  pi  (trinken,  schlürfen  etc., 
wozu  auch  lat.  bibo  etc.)  gehört  (daher  auch 
skr.  ma(ihu-i)a  =  wörtl.  Honigtrinker 
als  Name  der  Biene;  cf.  Pott,  Wurzclwb. 
I,  192)  u.  so  das  ahd.  impi  loörtl.  Ein- 
tri  n  ker,  E  i  n  schlürf  er  etc.  bedeutet,  od. 
ob  der  Stamm  pi,  bi  (wovon  auch  ahd.  pia, 
biä ;  7nhd.  bie ;  nid.  bij,  bije ;  ags.  beö ;  engl. 
bee;  an.  by;  dän.  bi  etc.  nebst  ahd.  plan, 
bian  u.  mhd.  bin  ti,  ahd.  pini,  bini,  pine; 
mhd.  bine  =  nJid.  Biene)  mit  ahd.  pim, 
bim  (=  nhd.  bin,  d.  h.  [ich]  lebe,  ivohne 
etc.)  u.  ags.  beön  (seitt,  wohtien,  leben,  sess- 
haft  sein  etc.),  sotvie  ferner  mit  höen  (bauen, 
hervorbringen,  erzeugen  =  sein  u.  leben 
machen),  bur  (Wohmmg,  Haus,  Dorf  etc.) 
zur  y  bü,  bhü  gehört. 

Was  mich  betrifft,  so  halte  ich  das  Eistere 
für  das  Wahrscheinlichste,  ivährend  Grimm 
die  letzte  Ansicht  vertritt  u.  die  Biene  als 
die  Bauende  deutet.  Nach  Fi  c  k  (I,  156) 
soll  übrigens  das  ahd.  piä,  biä  etc.  zu  der 
unter  ban,  bannen  erwähnten  ]/  bha,  bhan 
(sonare  etc.)  gehören  und  demnach  urspr. 
die  Summende  (cf.  hummel  etc.)  bezeich- 
nen. 

im-borst,  s.  inborst. 

Imel,  ml.  Name.  Geschln.  Imels.  —  Da 
die  Tochter  Karls  des  Grossen  statt  Emma 
auch  Imma  genannt  wird  u.  Emma  zur  y 
am  (Ijewegen,  regen,  thätig  sein  etc.)  gehört 
(cf.  Emma,  Emo  «.  emsig) ,  so   dürfte  Imel 


auch  eine  Nebenform  von  Amcl  sein,  zumal 
auch  unser  inge  :=  nhd.  Anger  ist. 

imel,  imer,  Brocken,  Körnchen,  Geringes, 

Geringstes  etc. ;  —    he  wil  mi  gön  imel  faii 

5  gäfen;  —    ho  is  so  'n  gitserd,   dat  he    gen 

imel  misten  kan;   —    d'r   is   gen  imel  in  de 

schöttel  bläfen.     Dimin  : 

imelke.    Nebenform  von  3  emer. 

Imke,   wbl.  Name  statt  Irameke.     Dimin. 
10  von  Imme. 

imke,  Bienchen,  kleine  Biene.  Dimin. 
von  im,  bz.  imme. 

imker,  Bienenvater,  Bienenpfleger,  Bie- 
nenzüchter. —  Auch  geldr.  imker. 
15      im-körf,  Bienenkorb. 

1.  imme,  s.  im. 

2.  Imme,  Immo,  ml.  Name.  Geschln.  Im- 
men. Mit  vorschlagendem  „j"  auch :  Jimme, 
Jimmo,  Jimmen. 

20       Wohl  mit  Emo  u.  Emmo  (cf.  Imel)  connex. 

immen-hüde  (harrl.),  eine  aiisgeleerte  Ho- 

nigioabe.     Wörtl. :  ein  Biene ti -Behälter 

od.  Versteck  u.  Aufenthaltsort  für 

Bienen  u.  wohl   so  zu  verstehen,    dass  es 

25  diejenige  von  Honig  entleerte  Wabe  ist, 
worin  die  Bienen  den  Winter  über  verbor- 
gen gelebt  u.  welche  sie  nach  u.  nach,  be- 
huf  ihres  Unterhalts ,  von  Honig  entleert 
haben. 

30  immen-küke,  imkok  (Bienen-Kuchen),  Ho- 
nigwabe. 

immer,  jümmer,  immer,  allezeit,  jederzeit 
etc.;  —  immer  un  ewig.  —  Nid.  immer;  ahd. 
eomer,  iomer,  iamer ;   mhd.  iemer,  imer,  im- 

35  mer  (immer,  für  immer,  irgend  einmal). 
Davon : 

immers,  jiimmers,  irgendwie;  —  wen  'k 
jümmers  kan,  den  wil  'k  dat  dön. 

Das  ahd.  eomer  ist  Zusammensetzung  von 

40  eo,  io  =  nhd.  je  (s.  unter  7  ä  m.  2  emer) 
u.  mer  (mehr,  häufiger  etc.)  u.  dient  Letzte- 
res wohl  nur  zur  Verstärkung  des  schon  in 
eo,  io  etc.  (=  je,  immer)  liegenden  Grdbe- 
griffs,  zumal  das  ahd.  mer  auch  (zeitl.)  die 

45  Bedtg.:  fortan  u.  das  entsprccheyide  goth. 
maiza  die  Bedtg. :  älter  =  von  länger  er 
Zeitdaue r  etc.  hat. 

impost,  Eingangssteuer,  Eingangszoll ;  — 
up  de  stenkalen  ligd  gen  impost;  —  dat  göd 

50  deid  gen  impost. 

Mit  franz.  impöt  (Auflage,  Tribut  etc.) 
von  lat.  impositus,  impostus. 

im-schul ,  immenscliül ,  Bienen-Schauer, 
Bienenstand,     cf.  schul. 

55  in,  in,  ein,  hinein,  inwendig,  innen,  bin- 
nen; umgeben  u.  umschlossen  von  etwas, 
zwischen  etc.;  —  in  hüs,  in-  od.  zu  Hause; 
—  ingän,  ein-,  hinein- gehen;  —  ingäfen, 
ein-    od.    hin  ein- geben;    —    kämd    in, 

60  kommt  herein  =  binnen;  —  dat  schip 


IN- AKNEN                            126  IN  D'  STAE'  IN  STAE' 

kumd  in,    das  Schiff  kommt   ein   od.  bin-  aufstacheln,  anfeuern  etc.  sum  Streite,     cf. 

)tan;  —  dat  fald  iu  de  arten,   das  fällt  in  böten. 

od.  zwischen  die  Erbsen;  —  dat  hart  sitt  in-l)ötoi*,  Einheizer ;   Aufwiegler. 

iu  de  borst;    —    raidden   in   de  bOm  sitt  'n  in-brök,  Einbruch. 

hol;    —    he  sitt  d'r  middon    iu    (=  mankeu     5  in-budel ,    Mobiliar,  bz.  das,  was  an  be- 

od.  tüskcn  elc.) ;  —    he  geid  mit  gewald  up  weglichen   Sachen    sich    im   Hause    befindet 

de  feaud  in,    er   geht   mit  Gewalt   auf  den  =  ingod;    —    he  wil  sin  hele    inl)üdei    fer- 

Feind    ein    od.    zu,    los    =    gegen  den  kopou  latou.  —  Nid.  inboedel,  imboedi'l,  im- 

Feind.    —    Ahd.  in  (in,  ein,  hinein);  ahd.,  boel;    m)dd.  (KU.)  inboel;    afries.   iubodel ; 

mhd.,  goth.  in   (in,  an,  auf,  zu,  bei,  gegen)  10  mnd.  imbül.     cf.  büdel. 

u.  inu  (hinein);  ags.  in  (in,  an,  auf  fu.  des-  ili-biitpii,  eintauschen,  einwechseln. 

halb  auch  durch  ou  =  nhd.  an  vertrete)ij ;  in-dachti^,  eingedenk. 

ein,    herein,    hinein);     afries.    in  (in,    zu,  in-il&^cw,  cinrufen,  vorladen,  zum  Gericht 

hinein);    tcfries.  ijn;    tdd.  in;    engl,  in  (in,  tagen. 

an,  auf,  bei,  aus,  nach,  unter,  zu  etc ;   ein,  15  in-delon.  eintheilcn. 

herein,    darin    etc.);    an.  i    (in),    inn    (ein,  ill-dolfen,  eingraben,  hineingraben. 

hinein).  ill-deiiK  indem,  währenddem,    inzwischen, 

Dass  auch  dem   Worte  in    ebenso  ivie  au  mittlerweile  etc.;  —  lie  kwam  indem. 

eine    ursjjr.    Bewegungswurzel    zu    Grunde  In-deiiimern,  einschlummern, 

liegt,    ist  schon  dort  gesagt    u.    auch  wegen  20  in  d"  liand  fallen,    besser    ausfallen,    bz. 

der  wecliselnden  Form    von  an,  in,  uu    da-  besser  kommen,    als    man  enoartet  hat;    — 

selbst  ilas  Weitere   zu  vergleichen.     Da  die  dat  gmvigt    fau   de  kö    is  mi  nog  wat  iu  d' 

Form  in  indessen    sehr   constani    in  unsern  haud    fallen.      Gegensatz    von :    ilt  d'   band 

Sprachen  erscheint  u.  auch  das  lat.  iu  schwer-  fallen. 

lieh  davon  verschieden   ist,   so   leite    ich  in  25  in-dik,  innerer  Deich,  Binnendeich, 

direct  von  der  aus  „i"  (bewegen,  gehen  etc.)  in-iikcu,  eindeichen,  einjioldern,  mit  einem 

erweiterten  y  in  ab,    worüber   das   Weitere  Deich  umgeben. 

bei  Pott   (Wurzelwb.  I,  657  u.  II,  zweite  in-disig  (cf.dhig),  bis  ins  Innerste  hinein 

Abth.,  Li)  zu  vergleichen  ist.  —  bz.  durch  u.  durch  (od.  ungemein,  stark, 

in-arnen,    einwurzeln,  eingreifen  etc.;  —  30  sehr  etc.?   cf.  iublide)   störrisch,    unfreund- 

dat  kwäde  is  al  to  diige  bi  hum  inarnd;    s.  lieh  etc.,   z.  B.  vom   Wetter,   vom  menschli- 

1  arnen.  chen  Gemüth  etc.;   —    't  is   so  regt  indisig 

in-bären  .    einbohren,   hineinbohren,    ein-  kold;  —   he  hed  so  'n  regten  indisigen  na- 

dringen,  hineindringen  etc.;  —  he  bärd  d'r  tür;  —  't  is  'n  indisigen  kerel. 

man  so  uiiferhulgon  up  in.                                35  in  d'  niot'  gan,  entgegen  gehen. 

in-bilden,  einbilden,  vorstellen  etc.  in  d'  niöt  kamen,    entgegen  kommen,    be- 

in-bildniig,    inbildin«:;,    inbilden,   Einbil-  gegnen^ 

düng  etc.  —  Sprichw. :   inbilden  is  sliinmer  in-dökcn,  eindrücken,  durch  Druck  (z.  B. 

as  de  dardedägsche  kolde.  mit  dem  Finger)    eine   Vertiefung    (dök)    in 

in-blnden,  einbindoi,  einknoten  etc.;  —  40  etwas  machen,  durch  Druck  einbiegen  ii. 
(fio)  f^^i  '«s  Gedächtniss  einprägen,  ein-  vertiefen.  Furtic.  indaken,  eingedrückt,  ein- 
schärfen etc.  gebogen  etc.  cf.  dazu  0.  L.  li.,  pag.  727  u. 

in-blide ,    sehr  (od.  ungemein ,    stark  etc.)  731  indaekcn. 

froh  u.   heiter.    —  jN7(7.  inblijde.     cf.  mnld.  in-dön,    einthun,    einheimsen,    einbringen, 

in  in  der  Bedtg.:  valde.                                     45  einlegen,  hineinlegen  etc.;    —    kCirn    indüu; 

in-bilren,  einnehmen,  einheben  etc.;  —  he  —  gcld  in  de  biil  döu  etc.;  —  ins  Gedächt- 

hed  liunderd  gülden  inbörd.  niss  hineinlegen,    erinnern,   einprägen,    er- 

in-borst,    iniburst,  inbo.st,    Denkungsart,  mahnen  etc.;  —   ik  heb'  hum  't  anders  nog 

Gemüthsart,  Gesinnung,  Charakter,  inneres  so  dügtig  indän,   man  de  sliingel  hed  't  dog 

Wesen,  Eigenart,  Sinn  etc.;  —  he  hed  mau  50  wer  fergilteu. 

"n  slfgten  inborsf,  er  hat  nur  eine  schlechte  in-drift,    Eintrift,   Trift   od.  Fahrweg  in 

Denkungsart ;  —  'n  goden  inborst  dürd  man  Etwas  hinein ;  —  d'r  is  g(Mi  indrift  bi  dat  hüs. 

bi  hum  wol  t'erwachten,   wen  he  wat  na  sin  in-drögen ,   eintrocknen,  vertrocknen,  zu- 

tader  ärden  deid.  —  Nid.  inborst.  sammenschrumpfen,   schwinden  etc.;   —   de 

Es  ist  Compos.  von  in  u.  borst  (Brust)  55  appels  sunt  hei  iiulrAgd;  —  de  sake  indrö- 
u.  geht  auf  die  innere  od.  inwendige  gen  laten,  die  Sache,  bz.  einen  liechtsa)i- 
llrust,  bz.  das,  was  der  Mensch  in  der  sprach  schivinden  lassen  u.  nicht  weiter  ver- 
Brust hat  u.  hegt.  folgen. 

in-biiteu,  einheizen,  einlegen; —  du  kaust  in  d'  stä',  in  stä',  auf  der  Stelle,  sofort; 

in  de  dunis  wul  wat  inbüten;    —    anreizen,  CO  —  ik  bin    in    d'    stä'  wer   hir;    —    an    der 


IN-DUKEN 


127 


ING 


Statt,  anstatt  etc.;  —  in  d'  Stil'  fau  lium 
kwam  sm  fader ;  —  in  de  stä',  an  der  Stätte, 
hs.  in  dieser  Stelle  etc. 

in-diiken,  eintauchen. 

in-düsken,  sanft  einschlafen,  langsam  u. 
unvermerkt  entschlafen  etc. ;  —  he  is  so  sagt 
indüshed  od.  weg-düsked. 

Ine,  s.  Ino. 

ine,  in,  Granne,  Äehrenspitse ;  —  de  garst 
is  uet  god  körud;  de  inen  süiit  to  lank  blä- 
fen.  Daher :  in-korn  =  G r  a  n  nen-  Kor  n, 
im  Gegensatz  t;o»  knubbekorn,  bz.  knub be- 
garst, 'welch  Letztere  glatte,  dicke,  rund- 
liche Aehren  hat. 

Die  richtige  Form  ist  ihne  u.  das  „i"  eine 
Schwächung  von  „ä"  (cf.  z.  B.  inge  =  An- 
ger), sodass  ihm  die  Form  ahne,  od.  voll- 
ständig ahana  zu  Grunde  liegt,  die  wir  im 
goth.  ahana,  ahd.  agana,  nhd.  Agen  vor- 
finden ,  trotzdem  dies  die  Bedtg. :  S}} reu 
hat.  Denn  dass  die  Grdbdtg.  von  dem  goth. 
ahana  etc.  sp  itz,  seh a rf,  steche  n  d  etc., 
bz.  das  od.  die  Spitze  etc.  ist,  geht  aus 
dem  gleichbedeutenden  lat.  acus  hervor,  was 
mit  acus,  acer  (Spitze  —  spitz,  scharf,  ste- 
chend etc.)  u.  auch  mit  goth.  ähs,  ahd.  ahir, 
ehir  =  Aehre  (d.  h.  Spitze,  cf.  är)  zu  der 
y  ak  gehört,  cf.  Aug.  Fiele,  Sprachein- 
heit der  Indogerm.  Europa's,  127  wnierakanä. 

Inen,  s.  Ino. 

in-en,  inein,  in  einem,  unaufhörlich,  un- 
unterbrochen etc.;  —  dat  geid  inen  so  weg, 
od.  inen  so  fürt. 

in-eus,  ineins,  auf  einmcd,   zugleich  etc. ; 

—  de  beide  schäpen  kwammen  inens  binnen, 
die  beiden  Schiffe   kamen   zugleich  binnen; 

—  he  was  d'r  inens  wer ,  er  war  auf  ein- 
mal u.  ganz  unerwartet  loieder  hier. 

in-enten,  einimpfen;  —  pokken  inenten, 
(Schutz-)  JBlattern  einimpfen. 

in-fal,  Einfall,  Einsturz  etc. ;  —  dat  was 
'n  infal  fan  belaug;  —  dat  is  'n  infal  as  'n 
old  hüs ;  —  't  is  hir  altid  so  'n  söten  infal 
west,  es  ist  hier  (zu  Hause)  stets  so  ein 
süsser  Einfall  gewesen,  d.  h.  es  kömmt  hier 
stets  u.  gern  viel  unenvarteter  Besuch.  — 
Auch  von  unerwartet  u.  plötzlich  einfallen- 
den Gedanken  u.  Ideen;  —  he  hed  altid 
sük  ferrükde  infallen. 

in-fin,  durch  u.  durch  fein  (zart,  hübsch, 
anständig,  manierlich,  gesittet,  fromm; 
scharf,  eindringend,  iveise  etc.),  sehr  fein, 
überfein,  überklug,  spitzfindig  etc. ;  —  dat 
god  is  so  regt  infin;  —  dat  is  so  infin 
as  'n  menisten  borstlap;  —  he  kan  so  regt 
infin  dön,  er  kann  so  recht  durch  u.  durch 
fein  u.  anstündig  etc.  thun ;  —  he  is  net  so 
infin  (spitzfindig  etc.)  as  de  düfel.  cf.  das 
nid.  in-fraai  =  durch  u.  durch  schön,  sehr 
schön  etc. 


in-loi',  Einfuhr. 
in-fiircn,  einführen. 

iu-loren,  im  voraus;  —  he  is  mi  infSren 
räkd  od.  kamen. 
5      in-fril'en,  s.  in-wrifen. 

ing,  Endung  vieler  Wörter  u.  Namen, 
die  vielfach  durch  eng,  ung  vertreten  wird 
u.  worüber  Weiteres  unter  ang  ^m  ersehen 
ist.     In  sehr  vielen  Fällen  wird  beim  Spre- 

10  chen  das  „g"  verschluckt  u.  nur  en  gehört. 
Vergl.  z.  B.  boyefi  statt  boying,  boyung  — 
meneii  statt  meuing,  menung  (Meinung),  he 
hed  sin  menen  net  segd  etc.  Vergl.  wegen 
dieser  auch   oft   mit   ig    (s.  d.)    identischen 

15  Endung  die  holländischen,  deutschen  u.  son- 
stigen WöHerbücher.  Ferner  Bopp,  Gramm. 
III,  422,  wo  er  ing  =  ig  als  aus  inga,  iga 
(cf.  auch  Max  Müller,  Vorles.  II,  555 
ivegen  ing,  ig  in  könig)   gekürzt   ansieht  u. 

20  dies  auf  eine  urspr.  Form  aka  zurückführt. 
Was  die  Endung  ka  =  ga  anbetrifft,  so 
drückt  sie  ebenso  wie  unsere  Vörsetz- Par- 
tikel ge  u.  das  entsprechende  lat.  que  u.  co 
ein  Hinzut  h  u  n,  eine  V  er  m  ehr  ung,  bz. 

25  eine  Verbindung  (mit  Etwas)  u.  so  auch 
eine  Angehörigkeit  u.  ein  Eigens  ein 
u.  Besitze 71  (von  Etwas),  bz.  Haben 
etc.  aus.  cf.  Benfey,  Orient  u.  Occident, 
II,  82  ivegen  ka  =  ga.    Wegen  ing  cf.  auch 

30  Max  Müller,  Vorles.  II,  13  seq.  u.  s. 
am  Schlüsse  dieses  icegen  aka.  Nach  Gei- 
ger (Urspr.  der  Sprache,  69)  ist  die  En- 
dung ung  =  skr.  anc  u.  soll  dieselbe  wärts 
bedeuten,   was   doch   nur  soviel  sagen  will, 

35  (ds  „sich  bewegen  tvohin",  bz.  kommen 
u.  gehen  zu  etc.,  xoodurch  auch  ivieder  (cf. 
unter  aug)  der  Begriff  des  g esellens,  an- 
s  chli essen  s  u.  verbindens  (mit)  etc. 
entsteht. 

40  Dass  der  Name :  Ing,  Ingo,  Inguio  u.  auch 
unser  Inka  (cf.  Grimm,  Myth.,  320  u.  auch 
Förstemann  hinter  Ingo)  sich  sehr  gut 
aus  der  ]/  ig,  ing,  bewegen,  regen  etc.  (cf. 
Pott,   Warzehvb.,  III,  429  u.  daselbst  auch 

45  inga  =  beweglich,  icunderbar  etc.  u.  =  Ge- 
berde, Anstellung  etc.  u.  =  Kenntniss,  Wis- 
sen etc.  vom  Grdbegriff:  betvegen  vor,  ein- 
dringen, erkennen,  sehen  etc.,  tvie  bei  der  y 
ak,  Auge,    cf.  öge)    od.   von   der   y   ic,  ine 

50  (cf.  air.  ic  =  ine,  anc,  bewegen,  gehen,  kom- 
men, gelangen,  erreichen,  erlangen,  greifen, 
nehmen  etc.,  in  Schleicher ,  Chrestom., 
248  u.  bei  Aug.  Fick  in  seinem  vergl. 
Wb.,  pag.  22  die  y  ik,  bz.  ig,  zu  eigen  ha- 

55  ben,  mächtig  sein,  Macht  u.  Gewalt  haben 
über,  herrschen  etc.  u.  pag.  1  die  y  ak  1,  2 
t«.  3,  wovon  ik  eine  Nebenform  ist  u.  dazu 
skr.  pati,  Herr,  Gebieter  etc.  von  y  pa, 
fassen,  nehmen,  greifen,  halten  etc.  etc.)  ab- 

60  leiten  lässt   u.    die  Bedtgn.   derselben   sehr 


INGE 


128 


INGEWAD  INGEWAT 


gut  zu  dem  Namen  eines  Gottes  u.  Königs 
od.  VoJks-Ahuhenn  etc.  j>a-ssen  u.  Veran- 
lassung geben  konnten,  ist  sehr  leicht  einzu- 
sehen. 

inge,  Anger,  grüne  Flur,  Wiese,  Gras- 
land. —  AhJ.  angar;  mhd.  andrer;  nfries. 
(0  utze  n)  eng,  inge ;  an.  eugi ;  norw.  enge ; 
dän.  eng;  schwed.  üng;  ags.  inge;  engl,  ing ; 
ioallis.  inge. 

Dass  der  Name  der  Angeln,  bz.  der 
von  Tacitus  erwähnten  Aügriy&vii  in  West- 
falen, sowie  der  Landesnamc  Engern  damit 
zusammenhängt,  ist  unter  Engelland  zu  ver- 
gleichen. Es  beweist  dies  aber  auch,  dass 
die  Form  angar,  angra  auch  in  Nieder- 
deutschland vorkam  u.  der  Stamm  ang  erf<t 
später  zu  eng,  ing  geschwächt  ist.  Demnach 
i.'it  es  daher  auch  höchst  icahrscheinlich, 
dass  ttnser  bei  Greetsiel  liegendes  Gut  An- 
gewiT  od,  Angerwer  in  seinem  erstoi  Theil 
das  Wort  Anger  enthält  u.  dass  dies  im 
Gegensatz  zu  den  sonstigen  im  Emsgau,  bz. 
dem  allen  Ems-Delta  vorkommenden  vielen 
wi'ien  (cf.  3  wer  als  natürlicher  od.  künst- 
licher Hügel,  bz.  Anhöhe,  die  Wehr  u.  Schutz 
gegen  die  Fluthen  etc.  gewährt,  od.  gegen 
Ueberströmungen  gesichert  ist)  urspr.  ein 
grüner  mit  Gras  bewachsener  Hügel  war, 
der  eben  vom  alten  angar  seinen  Namen 
trägt.  Zu  bemerken  ist  hiebei  auch  noch, 
dass  nach  Grimm  die  Angern  überhaupt 
hoch  tt.  trocken  liegen  u.  cdso  den  Ge- 
goisatz  zu  unsern  gröden,  mcden  u.  ham- 
riken,  soivie  den  Marsch-  u.  Moor -Wie- 
sen bilden  u.  könnte  dieser  Umstand  gerade 
zu  der  Benennung  „Angewer"  die  Vei'an- 
lassung  gegeben  haben. 

Das  Wort  angar  stimmt  formell  mit  an. 
angr  (Bucht)  u.  lat.  ancra-s  (convallcs,  cf. 
Fick,  III,  11)  u.  gehört  demnach  wahr- 
scheinl.  mit  ags.  anga  (Spitze)  u.  angel,  an- 
ker  etc.  zur  y  ac ,  aric  (biegen ,  krümmen, 
icölben  etc.),  wonach  man  auch  annehmen 
kann,  dass  angar  ursjir.  die  Bedlg.:  rund- 
liche Erheb  u  n  g  od.  Wölb  u  n  g  (Hü- 
gel, Anhöhe,  hochgelegene  Fläche  etc.)  hatte, 
tcas  zu  GrivDii's  Angabe  stimmt,  dass  die 
Angern  hoch  «.  trocken  liegen  u.  somit 
in  einem  Gegensatz  zu  den  Auen  stehen. 
Beim  Vergleich  von  an.  angr  m.  lat.  ancras 
könnte  man  indessen  auch  annehmen,  dass 
angar  urspr.  die  Bedtg.:  Thal,  Thal- 
ebene, Niederung  (u.  so  weiter  auch 
Flachland)  hatte  u.  also  im  Gegensatz  zu 
Bergland,  Hochland  etc.  stand,  da  die 
Thäter  auch  Buchten  u.  Einschnitte,  bz. 
concave  Flächen  zwischen  den  Bergen  sind. 
Möglicherweise  indessen  gehört  das  Wort 
Anger  gar  nicht  zur  y  ac,  aric  (biegen 
etc.),  sondern  zu  der  ]/  a^-,  ari^"  (gehen,  sich 


bewegen  vor  od.  wohin,  kommen  zu,  errei- 
chen, erlangen,  fassen,  nehmen  zu  sich,  es- 
sen, goiiessen  etc.),  wie  ja  auch  an.  via 
(Gras,  Weidcjjlatz) ;  goth.  viuja  (Weide, 
5  Futter)  as.,  ahd.  wunja  etc.  «.  ahd.  wunni 
(Wiese,  Wiesenland)  etc.  zu  ahd.  winnan 
(sich  bewegen,  regen,  thätig  sein,  sich  mühen 
etc.,  bz.  erreichen,  erlangen,  gewinnen  etc., 
cf.  winnen)  gehört. 

10  inpedomsel,  ingedomte ,  a)  Eingeweide; 
—  b)  das  Hausgcräthe,  bz.  aller  im  Hause 
od.  innerhalb  der  vier  Wände  befindlicher 
Hausrath.  —  Nd.  (B r.  Wb.,  Schütze) 
ingednmt,  ingedome,   ingedomete,  ingedonite, 

15  ingedompte,  ingedonte;  mnd.,  mnld.  (KU.) 
ingbedom  u.  auch:  inghcdoe  u.  ingedoera; 
mhd.  ingetuonie;  md.  mgetnme  (Eingeweide, 
Vermögen,  eingebrachtes  Gut).  —  Zu  ingc- 
dömt,  bz.  ingedom  bemerkt  Schütze: 

20  a)  Hausrath,  sammt  tvas  in  Kisten  u. 
Kasten  ist;  Eingebrachtes.  Auchin- 
gedümte göder  =  eingebrachte  Güter; 

b)  Ei ng eioeidc  im  Schlachtvieh ; 

c)  Gefülsel  im  Gebratenen  u.  Gebackenen 
25          =  tvas   man  hinein  thut  od.  legt; 

ferner  ad  a) 

(lib.  meni.  civ.  Hamb.  1402) :  „Ing e- 
dorne,  alse :  Kiste ,  Scheppe ,  Stole, 
Benke,  Bedde,  Küssen,  Decken,  Laken, 

30  Grape,  Kctele,  Kannen  unde  Vate,  nichts 

uthgenamen  grot  ot'te  kleen.'' 

Es  scheint  tvörtl.  das  (in  Etwas,   bz.  ins 

Haus   od.    die   Hauswirthschaft    von    der 

Braut)    Ei  ng  ethanene,    Eingelegte, 

35  Ein-  od.  Hinein- Geg  eben  e  (=  Mit- 
gabe, Mitgift),  E  i  n  gebrachte  etc.  zu  be- 
deuten (von  dön,  thun,  geben  etc.,  bz.  mhd. 
ingetuon,  hinein  thun  etc.),  zumal  auch  ahd. 
tuom,  tom,  duam,    duom    (That,  Handlung, 

40  Werk,  Verhandlung,  gerichtliche  Verhand- 
lung,  Gericht,  Urtheil  etc.  =^  goth.  doms; 
as.,  agx.  dorn  etc.  (cf.  dorn)  vom  ahd.  tuon, 
as.,  ags.  dön  etc.  abst((mmt  u.  wie  desgl. 
auch  unser  dinncWi  =:  thümlich  in  eigcn- 

45  thümlich,  irrthümlich  etc.  u.  dorn  =:  thum  in 

Eigenthum,  licichthum  etc.  etc.  (cf.  dieserhalb 

dum  etc.  u.  dun)  zu  diesem  Verbum  gehören. 

Die  Bedlg.   E i n g e w ei d e ,  bz.  das,  was 

i  n  w  e  )i  d  i g  i  m  B  a  u  c  h  sitzt,  ist  demnach 

50  keine  urspr.,  sondern  es  hat  sich  diese  erst 
später  aus  dem,  loas  inwendig  im  Hause 
ist  u.  so  zu  sagen  von  den  Wänden  um- 
schlossen wird  (als  Inneres,  Imo en- 
dig es)  herausgebildet. 

55  ingewad,  ingewut,  ingowand,  ingewant 
(dat,  das),  Eingeweide,  bz.  die  inner n  Theile, 
als:  Herz,  Magen,  Gekröse,  Gedärm,  Wanst 
etc.  des  menschlichen  u.  thierischen  Körpers, 
bz.  eines  Körpers  überhaupt.     Plur.  (de)  in- 

GO  gewanden  od.  ingewautcn,  (die)  Eingeweide. 


INGEWEIDE 


12{) 


IN-KIK 


Auch  vom  Inwe n d i (j cn  od.  I n ner n 
überhaupt ,  z.  B.  in  de  ingewaiulcn  fan  de 
ürde  od.  fau  'n  hüs.  —  Nid.  iugcwand ;  mnd. 
ingcwät,  ingewant,  ingewende  (a.  Eingeweide; 
1).  intestina  des  Hauses,  Haiisrath  etc.).  cf. 
das  folgende: 

ingeweide,  Eingeweide;  jedoch  nur  vom 
Eingeweide  der  Tliiere.  Zu  beiden  vergl. 
gewand,  gewäd  etc.  tc.  geweide,  sowie  auch 
ingedBmsel. 

in-gö(l,  alles  Gut,  hz.  alles  Mobiliar,  was 
sich  im  Hause,  bz.  innerhalb  des  Hau- 
ses befindet  =  in-biidel ;  —  he  wil  sin  in- 
god  (Flur,  ingöder)  ferkopen  laten ;  —  't  in- 
gOd  is  all'  beschrafen,  das  Mobiliar  ist 
sämmtlich   (vo)i  Gerichtswegen)  beschrieben. 

in-gi'im,  Ingrimm,  innerer  Grimm,  inner- 
liche Erbitterung,  Grimm,  der  ans  Herz 
frisst;  —  he  wet  sük  fan  ingrim  net  to  la- 
ten. cf.  gram  u.  grim,  xowie  goth.  iugram- 
jan,  in  Zorn  setzen,  erbittern,  erzürnen. 

ingrimmig,  ingrimstig,  ingrimmig,  durch 
n.  durch,  bz.  sehr  u.  überaus  grimmig,  sehr 
böse  u.  bitter,  sehr  nnfreundlich  u.  rauh, 
innerlich  erbittert  u.  erzürnt,  voll  Verdruss, 
bz.  sehr  verdriesslich  etc.;  —  he  sügt  so 
ingrimmig  iit ,  dat  man  hast  bang  för  hum 
worden  sul ;  —  so  'n  ingrimstigen  (unfreund- 
lichen u.  abstossenden)  kerel  as  dat  is,  dar 
is  hei  net  mit  um  to  gän ;  —  ingrimstig  kold, 
ingrimmig,  bz.  bitter  kalt,  angreifend  kalt; 
—  dat  wer  (Wetter)  is  so  ingrimstig  (un- 
freundlich u.  rauh) ;  —  ik  wurd'  so  ingrim- 
stig dül ,  ich  wurde  so  schrecklich  böse,  bz. 
fürchterlich  erzürnt;  —  he  is  so  ingrimstig 
fül  etc.,  er  ist  so  fürchterlich  (abscheulich,  Ab- 
scheu u.  Widerwillen  erregend)  schmutzig  etc. 

ingrimstig  ivird  hier  auch  von  der  Wäsche 
gesagt,  tvenn  sie  nicht  w e i s s  u.  rein,  son- 
dern etwas  dunkel  u.  trüb -seh  m  utzig 
aussieht,  bz.  kein  helles  u.  fr  eundliches 
Ansehen  gewährt,  wie  dies  namentlich  der 
Fall  ist,  wenn  sie  im  Winter  in  Folge  des 
fehlenden  Sonnenscheins  nicht  ordentlich  ge- 
bleicht ist,  od.  loe.nn  sie  überJiaupt  nicht 
rein  u.  gut  gewaschen  tourde;  ferner  auch 
wenn  das  Zeug  so  schmutzig  ist,  dass  es 
überhaujit  kaum  wieder  rein  v.  weiss  zu 
waschen  u.  zu  bleichen  ist  (dat  god  [Zeug, 
Wäsche]  sügt  so  ingrimstig  üt,  dat  man  hast 
hei  net  sen  kan,  of  't  wiisken  [gewaschen] 
is,  of  net ;  —  dat  göd  hed  so  'n  ingrimsti- 
gen [schmutzig-grau]  klör  etc.).  —  Sodann 
gebrauchen  ivir  den  Ausdruck  „ingrimstig" 
auch  von  einer  schmutzig -grauen  u. 
trüben  Hautfarbe,  bz.  von  s  elten  u.  od. 
nicld  ordentlich  gewaschenen  Händen 
(Ohren,  Gesicht  etc.),  worin  sich  der  Schmutz 
so  recht  fest  gefressen  hat,  sodass  sie  kaum 
rein  zu  waschen  sind   (din   hande   [bz.   ge- 

J.  ten  üoornkaat  Koolman,     Wörterbuch.    II. 


sieht  etc.]  sen  so  ingrimstig  üt  etc.) ,  alles 
liedtgn.,  die  vom  Begriff:  trübe,  unfrcund- 
l  i  c  h,  a  b  s  t  o  s  s  e  n  d  etc.  ausgehen. 

in-li.ilig,  inlialsk,   habsüchtig,  hegehrlich, 

5  gierig,  geizig,  -unverschämt  etc.;  —   't  is  so 

'n  inhälsken  kerel,  dat  he  sm  folk  hast  gh\ 

äten  günnen  is.     Zu  inhalen  =  einholen,  an 

u.  zu  sicJi  holen. 

in-liam,  Einbucht,  Einschnitt,  ins  Land 
10  hinein  gehende  Bucht  des  Meeres.  —  Auch 
lud.  inham.     (/.  3  ham. 

in-liok,  eine  nach  innen,  hz.  in  Etwas 
hinein  gehende  Ecke,  bz.  Winkel;  —  Ge- 
gensatz von  Cithok  =  nach  aussen  vorsprin- 
15  gcnde  Ecke. 

iu-ho](l,  Inhalt. 

in-liol(len,  einhalten. 

in-liolten,  Inncn-Hölzer,  inivendig  sitzende 

Rippen    eines    Schiß's,    aucli    KrummUöher 

20  (krum-holten)    genannt;    —    dat    schip    hed 

gode  eken  inholten ;    —  fig.    auch   von  den 

Rippen,  bz.  dem  Brustkasten  des  Menschen ; 

—  d'r  Sitten  gen  gode  inholten  in  hum  = 
er  ist  engbrüstig,  schwachbrüstig,  brustkrank, 

25  schivindsüchtig,    bz.  innerlich  ungesund  etc. 

Inka,  wbl.  Name.    Ob  ein  ml.  Name  Inko 

noch  vorkommt,   ist  mir  unbekannt.  —  Der 

Name   ist    durch   das  lobl.  „a"  vom  Stamm 

ing,  ink,  bz.  ik  etc.  (cf.  För stemann  un- 

30  ter  ic,  Ingo)  iveitergebildet ,  der  mit  dem 
Suffix  ing,  ig  von  könink,  bz.  könig  (cf. 
ing)  identisch  sein  dürfte,  wonach  denn  auch 
der  Name  Iko  zu  vergleichen  ist. 

Nach  der  unter  ing  angeführten,  im  Adj. 

35  inga  liegenden  Bedtg. :  beweglich ,  reg- 
s a m  etc.  u.  w u nderba r  etc.  ist  nun  der 
obige  lobl.  Name  entioeder  mit  Emma  (s.  d.) 
sgnonym ,  od.  derselbe  hatte  die  Bcdtg. : 
Wunderbar e ,    od.   auch    (da  inga  auch 

iQ  die  Bedtg.:  Kenntniss,  Wissen  etc. 
hat)  Kenntnissreiche,  Wissende, 
Weise  etc.  etc.,  edles  Bezeichnungen,  die 
sehr  gut  auf  die  afries.-germ.  Mädchen  u. 
Frauen  passen. 

45  in-kamen ,  a)  einkommen,  eingehen,  bin- 
nenkommen, hcrcinkouunen;  —  dat  schip, 
bz.  gold  sal  morgen  inkamen  ;  —  wnl  ji  wat 
inkamen?   wollt  Ihr   etuHis   hereinkoinmen? 

—  h)  Einkommen ;  —  c)  eingekommen,  ein- 
50  gegangen,  hin)iengekommen,  hereingekommen ; 

—  dat  schip  is  inkamon  etc. 

in-kilp,  in-kep,    Einschnitt,    Einkerbung. 
in-lijtj)en,   inkepen,    einhauen,    einschnei- 
den, einkerben. 
55      in-kappen,    ein-,    bz.   hinein-kappcn   od. 
schlagen  etc. 

in-kik,  kurzer   Besuch;   —   ik  kam  mau 

äfeu  up  'n  inkik  bi  di  för;    —    ik  wul  man 

äfen  'n  lütjen  inkik  holden.  —  Wörtl. :  Ein- 

60  guck,  Inspection,  um  zu  sehen,  wie's  geht; 


IX-KTTvEX  130  IN-LICHTEN 

cf.  inl{iken.      Mau    ffiif/t  statt    dcx^ini  auch:  in-kuleil.    cinfjrahcn,    einscharren    =    in 

kik-in,  xcic  z.  B.  in  der  licilcnaart:  du  iiiust  eine  Griihc    (külo)    machen  ?/.  bringen  ;    — 

in't  11]! 'n  ..kikin'",  man  up 'n  „sprckan"  kamen.  >vi  hobben  hnm  iiiknlij.    wir   li.tlwn  ihn  l>e- 

in-kikcn.  ein-,  li-.  hincin-ipiclm,  nil.riii-,  prahrn  etc.;    —    kortiittVls  inkülcn,    Knrtnf- 
bc.  hineinsehen ;  —  k'it  mi  ifr  üfeii  inkiken  ;     (i  fein  einscharren  ((jeffcn  den  Frost)  etc. 

—  wen  "k  mörgon  wör  in  d'  stad  kam,  wil  in-kiimst,  Kinkommcn ,  Hereinkommen, 
'k  äfon  bi  dl  iiikikon,  leenn  ich  morgen  wie-  J'Jinknnft  etc.;  —  bi  sin  inkumst ;  —  be  heil 
der  cur  Stailt  komme,  will  ich  ehen  bei  dir  ßl  inknmsteu  (Einki'infte). 

einsehen,  b~.  vorsprechen.  ill-küpoii,    etwas  in  einen  Bottich  (Kufe) 

inkiksk,  einyuckisch  ^^  frei  u.  offen,  10  machen  od.  setzen, 

unrerdcckt  etc.  od.  ^—  wo  man  leicht  hinein-  in-kuponi,  Ilcringe,    Pökelfleisch  n.  son- 

sehen  u.  alles  beobachten  n.  erspähen  kann,  stige  cingr^ialrcne  Lrbensmiltel    beJinf    einer 

tceil  alles  frei  n.  offen    od.    unrerdcckt   ist;  längeren  Dauer  u.  Haltbar icit  durch  einen 

—  do  fonstors  sunt    so  inkiksk,    dat,  man  't  Böttcher  (knpor)    od.   Fassbin/lcr  in  Fässer 
fan  dp  strät  nt  't  all"  sön  kan,  wat  d'r  in  biis  15  cinschliessen  n.  ei)ibi)iden  lassen. 
förgfid;  —  do  tun  is,    b:.    ligd    so  inkiksk,  iii-laden,     einladen    (zum    Fest   etc.;    ins 
dat  etc.,  der  Garten  ist  —  bz.  liegt  so  frei  Schiß'  die   Waaren). 

V.  (ffen  (ef.  spöi),  dass  etc.  ill-la^JO,   Einlage. 

in-kipi»(Mi,   einschneiden,    cinkürzen,    ein-  in-laii|2;<Mi,    einlangen,   liineinlangen ,  ver- 
hauen, einkerben  etc.                                            20  abreichen  etc. 

ill-kliil^en ,    ein-klingen  ,    anklingen,  ein-  ill-l;U,  Finla.'^s. 

schellen  etc.;  —  d'r  is  inkliuigen,  es  ist  ge-  in-latcn,  ein-,  hinein-lassen  etc. 

schellt.  in-l('(l  nd.  inldf.  die  Füllung  des  Feder- 

in-kliiij;«Mi.  iii-klinkon    u.    auch    Itcklin-  bclts  (Federn  u.  Daunen).  —  Nd.(Br.Wh.) 

^on  .    eiiitrncknen  .    einschrumpfen ,    kleiner  25  inlid,  das  innere  Bett,  worin  sich  die  Dau- 

werden ,   zusammenschrumpfen ,    schirinden ;  neu    befinden    u.    welches    in    den    äussern 

—  wen  do  stönon  drütcon  un  brand  worden,  Uebcrzug  eingeleitet  od.  ei n gelassen 
den  klinkon  so  nog  diigtig  in;  —  dat  liolt  wird;  (Schütze)  uilede,  das  innere  lederne 
is  to  dägor  inklungon;  —  dat  dikko  kind  Polster  eines  Kissens,  tvelchcs  in  den  Ueber- 
srhal  nog  wo!  boklingon.      cf.  2  klingen.         30  zug  gesteckt  wird;  pomm.    (Dähnert)  in- 

in-klinkoii ,    a)    s.    inklingon;    —    b)  ein-         lidd,  das  innere  Bett,    worüber    ein   Ueber- 
scltlagen.    einnieten,    Niete    hineinschlagoi ;         zug    von    besserm    Zeug  gezogen    wird;    im 

—  c)  (die  l'hür)  in  die  kliiiko  schlagen,  südl.  Hannover  (Scham  back)  inlät  = 
einkli)iken:  —  do  dür  was  man  inklinkd  un  a)  der  Einlass;  —  b)  etwas  Fing  cleg- 
nöt  sfliuteld.     cf.  klinke  «.  klinken.  35  tcs;  —    c)  Jedes  Stück  Inbett,   welches  mit 

in-krin;on,  einkriegen,  einholen,  erreichen,         Federn  gestopft  ist,    im  Gegensidz  zu   dem 
hineinholen ,  einheimsen ,    hinein    bekfunmen         Uebcrzug,  worin  es  eingelassen  wird, 
etc.;  —  ik  kan  linm  not  inkrigen,  ich  kann  Die  letzte  Form  „\u\iiV' gehört  zu  Ma-len, 

ihn  nicht  einliolen;  —  ik  barr'  bum  bold  ein-,  bz.  hineinlassen  u.  ist  es  das  in  den 
wör  inkrägen,  ich  hätte  ihn  bald  (bz.  bei-  dO  Uebcrzug  Eingelassene.  Die  andern 
nahe)  wieder  eingeholt;  —  ik  liöb'  min  bnt  Formen  „inled,  inlid"  etc.  indessen  kommen 
g«*id  inkrägon,  ich  habe,  mein  Getreide  gut  icohl  von  inlödon  -^  alt:  inlldan,  ein-,  bz. 
eingeheimsct;  —  ik  beb  min  roggo  d'r  tan  hineinleitcn,  nach  innen  leiten  u.  führen. 
d'  barfst  möi  bi  drOgn  wer  inkrägen,  ich  Zu  erwähnen  ist  indessen  auch  das  nid. 
habe  meinen  Koggen  diesen  Herbst  schön  45  leide  —-  logdc,  legode  (legte,  legete)  —-  nd. 
bei  trocknem  Wetter  in  die  Erde  bekam-  ledo  (cf.  bei  Schütze  unter  lede),  ivofür 
mcn ;  —  't  is  so  nat,  dat  man  bäst  hol  gön  ivij-  kurzweg  auch  lä'  u.  lö'  (u.  die  Nieder- 
körn in  't  land  inkrigen  kan;  —  ik  was  so  länder  lei)  sagen  (ik  lä'  dat  weg,  ich  legte 
mili,  dat  'k  't  büs  hast  hol  not  wör  inkrigen  das  weg) ,  sodass  die  Form  inlede  auch 
kun,  ich  war  so  müde,  dass  ich  das  Haus  50  mit  (das)  Eingelegte  übersetzt  loerden 
fast   gar    nicht   leieder  erreichen  konnte  —         könnte. 

wofür   wir   auch  sagen:   ik  was  so  mBi  un  in-lp^,  Einlage,  das  ein- od.  hineingelegte 

of,  dat  'k  büs  hast  net  wer  halen  (holen)  kun.         Geld,  der  Schoss;    —   he  hed  siu  iiileg  not 

in-krimpen ,  einschrumpfen,   sich  zusam-        botäld.  —  Nid.  inleg. 
menziehen  etc.  55       in-le^^oii,  einlegen,  hineinlegen,  einsargen. 

in-kroj»]»cn,  in  sük  kroppcn ,    einfressen,  in-le^f^cn,    Einlegen,   Einsargen;  —  de 

einschlucken,  hinunterschlucken,  in  steh  f res-        hole  familie  is  to  't  inloggen  n8gd. 
sen,  in  sich  verheissen  od.  bei  sich  verdauen  in-licliten,    klar,    deutlich,    erkennbar    v. 

etc.;  —  bö  raut  ful  ferdröt  un  arger  inkrop-  rerständlich  machen,  Licht  u.  Klarheit  in 
pen.     cf.  kroppon.  GO  eine  Sache  bringen,  aufklären   etc.;  —    de 


INLICIITUNG  INLICIITING  131  IN-PENNIGD 

sakc  mut  rrst  nog  bäter  inlicht  worden,    cf.  (hinnen ,    hinein    etc. ,   kämd  binnen)  verr/li- 

inlüchton.  c/ien  toerden  ma(j ,    da   ivir    dieses  atich  als 

inllclitiiii^,    inlichtiii^,    inlichteri ,    Änf-  Subst.    mit    der    Bedtg.:     Heim,     Gemach, 

Tclärung  etc.;  --  hi'  lied  nii  nog  i^rn  inlicli-  Wohnung  etc.    gehrauchen,    ivovon    wir  sa- 

ten  gät'en,  er  hat  mir  noch  keine  Auf Idärung  5  gen:    kämd    in  min    binnen    —    ik   gung  in 

gegehen.  min  binnen  =    ich  ging  in  mein  Haus,  hz. 

in-ligger,  EinNeger.      SpecieU:    ein  zeit-  Heim,  Gemach  etc.     AeJmlich  hat  auch  das 

tveiliger  Mitheivohner  eines  Hauses  od.  einer  md.    Snhst.    inno    die   Bedtg.:    Innigkeit 

Stube,  der  entweder  gar  keine  od.  doch  nur  od.  eigentlich  innerliches  Wesen  u.Sein, 

eine  geringe  Miethentschädignng  zahlt.  10  Inwendigkeit  etc.,  ohschon  es  von  mhd. 

in-löj),  a)  Einlauf,  Zuspruch,  Besuch  etc.;  inne    (innen,    inwendig)    u.  inne   (innig,  im 

—  dar  is  altul  so  föl  inlop  in  't  hiis;  —  mhd.  mnckeit,  Innigkeit)  nichtver.ichieden  ist. 
b)  Eingang  etc.;  —  de  inlop  is  bi  de  std  Zu  Ino  sei  übrigens  noch  bemerkt,  dass 
fan  't  bns,  der  Eingang  ist  an  der  Seite  nach  Strackerj an  (jeverl.  Bersonenna- 
des  Hauses.  15  wen,  pag.  IG)  dieser  Name  soivohl  loic  auch 

In-lopeii,  a)  einlaufen,  hinnen  laufen  etc.;        Enno    aus    älterem   Agino     (contrah.   Aino) 

—  b)  eingelaufen ;  —  c)  einholen,  erreichen         entstanden  sein  soll. 

etc.;  —  ik  schal  hnm  wol  bold  wer  inlopen ;  in-ögsteii,  einernten;  s.  unter  ogst. 

—  ik  kun  't  hiis  hast  net  nier  inlopen,  ich  in-paliiien,  ein-  od.  hineinziehen,  an  sich 
konnte  das  Haus  fast  nicht  mehr  erreichen;  20  ziehen  u.  reissen,  einholen  etc.;    —    'n    tau 

—  d)  eingeholt,  erreicht  etc.;  —  ik  harr'  inpalmen,  ein  Tau  einholen;  --be  palmd  't 
(hatte)  hum  al  gau  wer  inlopen ;  —  e)  ein-,  all'  in,  er  zieht  Alles  ein  u.  zu  sicii.  hin,  rafft 
bz.  hineinlaufen,  einrennen,  etc.;  —  he  is  d'r  u.  reisst  alles  an  sich. 

inlopen    (z.  B.  ins  Haus  od.   Wasser  etc.);  in-paseu,    mit   den   Füssen    eintreten  od. 

—  't    hüs    inlopen,    das    Haus    einrennen,  25  einstampfen  etc. 

hz.  einstürzen,  umtverfen,  erstürmen  etc.; —  in-pennd,   eingezapft,   eingesteckt,    verrie- 

f)  ein-,  hz.  hineingelaufen,  eingerannt,  ein-  gelt  etc.;  —  de  balken  mntten  inpennd  wor- 
gestürzt  etc.;  —  se  hebben  't  hus  (de  dör,  de  den;  —  de  dör  is  inpennd,  die  Thür  ist  ver- 
mür  etc.)  inlopen,  sie  haben  das  Haus  (die  riegelt,  hz.  durch  einen  Zajtfen  (pen)  rer- 
Thür,  die  Mauer  etc.)  eingerannt.  30  schlössen,      cf.  pen  u.  pennen   u.  inpennigd. 

in-lös,  auch  iiilössiiig',  inlössefi,    Einlass  in-pennen ,    a)    einzapfen,    Holz,    durch 

etc.;  —  ik  kun  gen  inlös  od.  inliissoii  krl-  Zaj)fen  (pen)  mit  einander  verbinden  (tra- 
gen, ich  konnte  keinen  Einlass  bekommen  bem  injungere)  u.  zusammenschlicssen,  indem 
=  ich  ko)inte  nicht  frei  (offen,  ungehin-  die  Zapfen  (pennen)  des  einen  Stücks  in  das 
dert)  hinein.  Zu  lös  =  los,  frei,  offen  35  andere  eingelassen  iverden,  um  beide  Stücke 
etc.,  cf.  lössing  =  Entlastung,  Entleerung,  mit  einander  zu  ferpennen  (verzapfen)  u.  so 
Befreiung  etc.  u.  =  Oeff'nung.  zu  verbinden;   —   b)  einen  Zapfen  (pen)  in 

iii-middels,  inmittelst,  inzwischen,  mittler-  etwas  hinein-  od.  vor  etioas  stecken  u.  so 
weile,  währenddein  etc.;  —  ho  kwam  inmid-  verschliessen  u.  verriegeln ;  —  c)  einschlies- 
dels  hir.  40  sen,  heschliessen ,  eindämmen,  umschliessen, 

in-möbels,  das  innere,  hz.  im  Hause  he-        einfriedigen;    '—  land  inpennen,   Land  ein- 
findliche  Mobiliar,    die  Haus-Möbel ;   s.  in-        friedigen. 
bilde!,  ingöd  etc.  in-pennigd,    a)  eingedämmt   (vom  Lande, 

Ino,  Ine  od.  Ilino,  ml.  Name.  Dimin.  hz.  einem  Grundstück);  ringsum'  von  einem 
(ml.  u.  whl.)  Inke,  Ihnke;  Gcschln.  Inen,  45  Damm  od.  einer  Erhöhung  umgehen  u.  so 
Ihnen,  Ihnken.  Wenn  ich  nicht  irre,  auch:  nicht  auf  Ab  Wässerung  liegend,  loeil 
kommt  auch  ein  whl.  Ina  vor.  cf.  Forste-  es  rings  umher  höher  als  in  der  Mitte  u.  so 
mann  unter  In,  wo  er  ags.  Ine  u.  nhd.  .abgeschlossen  ist  u.  nicht  abwassern  kann; 
Ihn(e)  zum  ags.  inn  (doraus)  legt,  sowie  auch  —  dat  is  'n  inpennigd  stük  land ;  —  dat 
den  Namen  Inno.  Ino  bedeutet  demnach  50  land  ligt  so  inpennigd,  dat  't  hei  not  ofwa- 
Hausherr  od.  Insasse,  In- Mann  tcrn  kan;  — h)  verschlossen,  dicht,  undurch- 
etc.,  da  das  ags.  inn  entioeder  ebenso  ivic  lassend,  steif  u.  hart;  —  de  erde  is  inpen- 
das  an.  inn  (ein,  hinein)  u.  goth.  inn  (cf.  nigd,  die  Erde  ist  dicht  u.  undurcldassend 
innana,  innan;  inngaggan,  ein-,  hineingehen  =  nicht  locker  u.  lose;  —  dat  is  hir  so  'n 
etc.)  eine  von  in  (in,  ein,  hinein)  erweiterte  55  ferdomden  inpennigden  grund,  dat  man  se 
Form  u.  als  Subst.  mit  der  Bedgt.:  Inne-  hast  mit  de  spä  f/S[/)a<e?!^  net  lös  bräken  kan. 
res  (inn  hat  auch  die  Bedtg.  Gemach),  In-  —  ad  a)  ist  zu  bemerken,  dass  man  ein  Stück 
wetidiges  etc.  gefasst,  od.  eine  Kürzung  Land,  ivas  niedriger  liegt  als  die  Umgebung 
von  inni  =  ahd.,  goth.  inna  (innen,  inwen-  oft  absichtlich  eindämmt  (inpennd,  s.  inpen- 
dig,  hinnen,  im  Innern)   ist,   loomit  binnen  GO  nen)  u.  inpennigd  hält,   damit  das  von  der 

9* 


IN-POLDERN  132  INSEL 

höher  hegenden  Umgehung  nhflicssende  Was-  2.  in-sago,   Einschen,  Einsicht,   Untcrsu- 

srr  nicht  über  dasselbe  hinfliesst  n.  es  nicht  chung  etc.;   —    dfir  mut  avi  inson  'n  insriüo 

unter  Wasser  setzt,    u.    ist    in   diesem  Fall  na  holden,  of  de  köphrrf  wol  wiulJelk  (statt 

gewöhnlich    eine    Wasscrschöjifmiihle    dulci  würdelk,   wirklich)   so  liult ,    as  liö  uns  dat 

angebracht,    um     bei    anhaltend    rcgnigtem  5  setrt  lied ;    —    dar  fan  dat  ])ük  hob'  ik  iiog 

Wetter  das  betr.  Grundstück  trocken  halten  gen  insage  namcn,  von  dem  Ihiche  da  habe 

zu  können.  ich    noch    keine  Einsicht  genommen  =  ich 

in-poldoni,    Aussendciclisland   mit  einem  habe    mir    den  Inhalt  desselben    noch  nicht 

Deich  umgeben  u.  so  zu  ei)icm  ■po\der  machen.  angesehen.     Zu  sen,  sehen;  cf.  sag,   sah  n. 

in-potoii.  einsetzen,  einpjlanzen  etc.  10  saggen,  sahen. 

in-|irtMitoii,  eindrücken,  einprägen  etc.  iii-sato,  Einsassc,  Eingesessener. 

iii-|>r(i|)|)eii.  ein,  bz.  hineinpfropfen.  iu-scliikkolk, /»//.w??i,  /o/^sv/)?;,  verträglich 

in-radcn,  sich  versehen  u.  versorgen  (mit  etc.;  —  't  is  'n  rogt  inscliikkolk  kiiul.      Zu 

Etwas) ,     cinthun  ,    einlegen ,    einscldiessen,  schikkcn  =  fügen. 

hineinthun  etc.    u.    zwar:    a)    Vorrath   (na-  15       in-si'Iidstern,    cinschustcrn,  einsetzen,  zu- 

mentlich  Lebensmittel  od.  das,  vas  zum  Un-  setzen,  verlieren  etc. ;  —  ilc  heb'  niin  ganse 

terhalt  dient)  einthun  u.  aufspeichern  (körn  büdol  d"r  lii  inschösterd. 

etc.  inraden ,   sich    versehen     mit  Korn,  bz.  in-scliiineii,  einblasen,  eingeben;  — kwäd 

Korn    einthun)     und   b)    Geld    (in    Etwas  inschünen,  Jiöses  eingeben,   zum  Bösen  an- 

mit)  hineinthun  od.  einlegen,  wie  dies  z.  B.  20  treiben  n.  verleiten;    —    hO.   liod    nii  dat  iu- 

hei  einer  Wette   od.    einem    Wettstreit    sehr  schund,  dat  ik  nun  moderappcls  onuksoii  siiT. 

häufig  geschieht,    indem    der    Wettende   od.  insel  fi'/itr.  insels),  Insel.  — il///f/.  insele, 

die    den    Wettstreit    cntrirenden    Bersonen  insel,  isele.      Aus    lat.  insnla ,    wovon    auch 

herumfragen,  ob  Jemand  mit  inraden  u.  sei-  ital.  isola  u.  franz.  Sie. 

neu  Thcil  an  der  betr.  Wettsumme  im  Fall  25       Wenn  Bott    (s.   Wurzelwb.    I,  8Sj)  das 

des  Verlustis  mit  einschicssen  loill;  — ■  wen  lat.  insula  erst  als  in-salo  C=  im  Meere,  bz. 

d'r  wel  mit  mi  inraden  wil ,    den   wil  ik  de  im  Wasser)  deutet,   so  ist  es  wohl  zweifel- 

wedde  ingän;    um  't  allön  to  stän,    darto  is  los,  dass  dieses  salo  uicht  dircct  von  griech. 

nn  de  bedrag  to  bog.     cf.  raden  u.  namcnt-  salos  (^^  Schicenken,  Wogen)  hergeleitet  wer- 

lich  auch  räd  in  seiner  sinnl.  Bedtg.  30  den  kann,    obgleich    allerdings    das   griech. 

in-rakon,  a)  ein-,  bz.  hineinziehen,  ein-  salos  u.  saleiö    wurzelhaft   mit   dem  lat.  sal 

scharren  etc.,   namentlich  das  Feuer  in  od.  (cf.  solt  etc.)  sowohl,    als  auch  mit  unserm 

unter  Asche,    damit   die  glühenden  Kohlen  sol  (s.  d.)  u.  dem  deutschen  Sole  (in  Salz- 

nicht  ausgehen  od.  völlig  ausbrennen.    Dies  Sole   =   Salzwasser)    u.    dem  lat.   in-siilsns 

geschieht  namentlich  des   Abends,    um   den  35  (ungesalzen)   k.    unserm  sülte  (Sülze)    n.  so 

folgenden    Morgen   gleich  Feuer   zu    haben  ferner  auch  wohl  mit  sula  im  Worte  iiisuki 

n.  ist  idjcrhaupt  nur  beim   Torfbrennen  an-  verwandt  ist   ii.  zu   einer    J/    sar  (bewegen, 

loendhar;    —   du  kanst  't  für  man  iiirakcn;  wogen,  fliessen  etc.;   beivegen,  gehen,  laufen 

't  is  taihn  (10)  i'ir,  un  börgertid  to  bcdde  to  etc.;    bewegen,  ivchen ,    hin  u.  Jier   bewegen 

gän ;    —    b)    hineintreffen,    hincingcrathcn,  40  od.  schwingen,  schwenken,  schlagen  etc.  etc.) 

hineinkommen  etc.;   —    ik  was  d'r  hast  in-  =  sri  «.  =  sal,  sli  etc.  (cf.  Ben  feg,    Skr. 

räkd,   ich  loäre  da  beinahe   hineingeralhcn,  Dict.  unter  sar,  sal,  sri)  gehört,  wovon  auch 

bz.  hincingeffdlen;  —  ik  rük  d'r  midden  in,  das  skr.  sara  (  Wasser,  Teich,  See,  Sedz  etc. 

ich  traf  da  mitten  drin  od.  hinein.  etc.,  cf.  Ben  feg.  Skr.  Biet.  1022  u.  dazu 

ins,  iiison,  eins,  einmal,  mal,  bz.  einst,  45  1038    auch    noch    sAra   =  srid    n.    mehrere 

einstmals  etc.;    —    ik  kwam  ins   fan   Grün-  andere  Wörter  von  derselben  J/,  soioie  ferner 

gen  etc.,  ich  kam  einmal  (bz.  uud)  von  Gro-  Bott,  Wurzehob.  II,  658  seq.)  sich  ableitet, 

ningen  etc.;    —    kum    ins    (od.  insen)    her,  Dass  nun  Bott  (s.  Wwzelwb.,  II,  (id?)  spä- 

komm  mal  her;  —  wen  kumst  du  nu  insen  tcr  einen  unmittelbaren  Zusammenhang  mit 

bi  mi,    loann  kömmst  du  nun  mal  zu  mir;  50  dem  griech.  s?l\os  verwirft,  würde  richtig  sein, 

—  7n(d,    einmal,    doppelt;   —  ins  so  fT)l  —  doch  kann  ich  ihm  niclit  darin  beipßiclden, 

so  gröt  —  sowid;  —  nog  ins  sogröt  etc.,  «oc/t  wenn  er  einen  Zusammenhang  von  sula  mit 

'n  mal  so  gross.  Nebenform  von  Ons  =:  afries.  dem   Vbm.  esse  {}/  as)    vermuthet,   trotzdem 

enes  u.  ensen  etc.;  s.  bei  v.  liichthofen.  su  im  lat.  sum  u.  sunt   (cf.  sunt)  allerdings 

in-säd,  Einsaat.  55  mit  esse  von  einer  u.  derselben  }/  sta)nmt  u. 

1.  in-sage,  Ein-Sage,  Einspruch,  Einrede  Bott  auch  sul  in  Consul  u.  consulo  etc.  zu 

etc.;  —  insage  don,  Einspruch  erheben;  —  dieser    y    zu    .^teilen    scheint.      Ich  mcincs- 

ik  wil  d'r  gm  insage  up  maken,  ich  will  keine  thcils  halte  nämlich  den  ZusammcnJtang  von 

Einrede   dagegen   machen,      cf.  gesag,    Ge-  sula  in  insula  mit  dem  skr.  sara,  bz.  der  y 

heiss,  Befehl  etc.  ti.  npsage.     Zu  seggen.  00  sar  u.  unserm  sol  (^^  a)  Kielwasser  [^=  das 


IN-SETTEN 


133 


IN-WIL  IN-WILS 


beioegte  u.  brodelnde  Wasf^er  etc.]  n. 
b)  der  sumpfUjc,  feiicMe,  tveiche  JLifenschliek, 
der  stell  aus  dem  Salzwasser  absondert  u. 
niederschläfft  etc.)  u.  dem  ahd.  sol  (Sole, 
Kothlache,  Suvijif)  für  am  nächsten  liegend 
H.  das  „u"  in  insula  ebenso  wie  das  „o"  in 
sol  für  eine  Scliwäclmng  aus  urspr.  „a", 
sodass  insula  tvörtl.  ein  im  Wasser  lie- 
gendes, bz.  vom  Wasser  umgebenes  Et- 
loas  bedeutet. 

in-setten,  ein-,  hs.  lünein-sctscn,  einpflan- 
ze)i ,  einlegen,  einmachen  etc.;  —  sük  war 
iusetten  ;  —  'n  stük  iusetteii,  s.  B.  ins  Kleid; 

—  bomen  iusetten,  Bäume  einpflanzen ;  — 
bonea  insetten,  Bohnen  eiiimachen ;  —  in- 
sett'de  bouen,  eingemachte  Bohnen. 

iusgelik,  iiiSÄlik,  insglikeii,  desgleichen, 
imgleichcn,  gleichfalls,  ebenso,  dasselbe  etc. ; 

—  ik  wünsk  jo  insgelik  toi  gelük  iin  sogen 
in  't  neje  jär ;  —  he  is  insgliks  liir  west, 
er  ist  gleichfalls  hier  geivescn.  —  Nid.  ins- 
gelijk,  iusgelijks.  Die  Vorsglbe  ins  ist  zu- 
sammengesogen aus  iu-des,  tvie  mhd.  ins  aus 
iu-es  u.  ist  des  gleich  mit  dem  Artikel  des, 
den  icir  gewöhrüicj^  in  der  Aussprache  zu 
„s"  verstümmeln. 

in-slag,  Einschlag  =  a)  eingeschlagene, 
od.  umgeschlagene  Kante  od.  Saum,  Kalte; 

—  b)  die  Querfäden  beim  Geioebe,  dessen 
Kette  schergärn  heisst;  —  c)  Math,  Anlei- 
tung, Anweisung  etc.;  —  ik  heb'  hum  'n 
goden  inslag  gäfeu;  —  d)  der  Anfang  des 
Schulunterrichts  nach  beendeter  Kerienzeit, 
100  die  Schüler  so  zu  sagen  loieder  in  Kes- 
seln u.  Banden  geschlagen,  bz.  dem  Unter- 
richt u.  der  Schulzucht  unterworfen  loer- 
den,  nachdem  sie  die  Kerien  über  davon 
ent schlag en  u.  frei  loaren.  —  inslag  im 
letztern  Sinn  ist  Gegensatz  von  ütslag  (Ent- 
schlagung,  Kreigcbung,  Entlassung  etc.),  loie 
wir  von  den  eingespannten  Pferden  auch 
sagen:  „dn  kaust  de  perde  man  ütslan",  bz. 
de  strengen  ütslan" ,  tvenn  dieselben  ausge- 
spannt werden  sollen  «.  loonach  dorn  inslag 
soviel  heisst  als:  „Einspannnng"  u.  ütslag: 
„Ausspannung" ,  weshalb  die  Kinder  beim 
bevorstehenden  Eintritt  der  Kerien  dann 
auch  freudig  singen :  inslag !  ütslag !  mor- 
gen is  de  leste  dag. 

in-slagoii,  inslan,  ein-,  bz.  hineinschla- 
gen, einhauen,  nach  innen  schlagen  etc. ;  — 
he  hed  d'r  dügtig  inslan;  —  de  bliksem 
schal  d'r  inslagen ;  —  he  hed  d'r  dügtig  wat 
inslan,  z.  B.  in  den  Bauch;  — •  de  swet  is 
hum  inslan;  —  ferner:  gerathen,  arten,  ge- 
deihen etc. ;  —  de  juug,  —  dat  körn  etc.  is 
god  inslan  etc.    Vergl.  Weiteres  luiter  slagen. 

in-solteii,  insoltjeii,  einsalzen,  einreiben 
etc.;  —  flesk  insolten;  —  \vi  willen  hum  't 
wer  insolten,  ivir  loollen  es  ihm  ivieder  ein- 


reiben =  ihm  das  loas  er  uns  gethan,  ivie- 
der vergelten.  —  Auch  einsalzen  =  in  Salz 
setzen,  um  es  vor  Verderbniss  zu  betoahren 
u.  so  überhaupt:  bewahren,  gut  auf  lieben, 
5  sparen,  nicht  sofort  gebrauchen ,  zurüclde- 
gen,  behcdten  etc.;  z.  B.  beim  Kartenspiel, 
loenn  Jemand  eine  gute  Karte  nicht  sofort 
gebraucht,  wenn  er  Gelegenheit  hat,  einen  Stich 
damit  zu  machen ;  —  he  hed  sin  as  insoltjed. 
10  iii-soiien,  insunon,  eine  Sühne  in  einer 
Sache,  bz.  ztvischen  zwei  streitenden  Par- 
theien beioericstelligen ,  (einen  Streit)  beile- 
gen, sühnen;  —  de  sake  is  wer  insönd,  die 
Sache  ist  wieder  beigelegt,  bz.  gesühnt,  cf. 
15  sön  ti.  sonen. 

iii-sprake,     Einsprache,   Einrede,    Ein- 
spruch,  Widerspruch  etc. 

in-spräken,  iiispreken,  einsprechen,  hin- 
einsprechen etc. 
20      iii-stappen,  ein-,   bz.  hinein-stapfen,  hin-' 
eintreten  etc. 

iii-stippen,   einstippen,  eintunken,  eintau- 
chen. 

in-taiige  (Plur.  intangen),  nach  innen 
25  gehender  Anker  von  Eisen  od.  Holz,  wo- 
durch eine  äussere  Wand,  bz.  äusserer  Bal- 
ken etc.  an  ein  innen  fest  liegendes  Etivas 
befestigt  u.  vernagelt  loird.  So  werden  z.  B. 
die  Cayungen  u.  sonstige  Ufer-  u.  Küsten- 
30  befestigungen  mit  eisernen  od.  hölzernen  in- 
tangen versehen,  damit  sie  nicht  nach  aus- 
sen  hin   ausweichen.     Zu  tauge  =  Zange. 

iii-teen,  intejen,  in-tüen,  einziehen. 

internerd,  verschlossen,  unbeugsam,  trotzig, 
35  eigensinnig ,  stolz,  eingebildet,  hochmüthig 
etc.  —  „'t  is  so  'u  internerd  un  stolt  ding" 
loird  von  solchen  Mädcheii  gesagt ,  tvelche 
ihrer  Herrschaft  keine  od.  keine  ordentliche 
Antwort  geben  u.  derselben  einen  unbeug- 
40  Samen  Trotz  u.  Stolz  entgegensetzen.  Es 
ist  das  mit  lat.  internus  verwandte,  bz.  dem 
deutschen  interniren  entstammende  nhd. 
inter  nir  t. 

in-tog,  Einzug. 
45      in-tunen,  einzäunen. 

in-Avaneii,  einivohnen  etc. 

in-waner,  Einwohner. 

in-we\\{[ein,einive7iden,Eimoand machen  etc. 

in-wendsel,   Einwand;   —    dat  sunt   all' 
50  man  inwendsels,  das  sind  alles  nur  Einwände, 
bz.  leere  Ausflüchte. 

in-weniien,  eingeivöhnen. 

in-wike,  eine  nach  innen,  bz.  ins  Land 
od.  Moor  h  i  n  e  i  n  gegrabene  wike  od.  Ne- 
55  ben-Canal,  der  sich  von  der  Haupi-wlke  ab- 
zweigt. —  Pomm.  (Dähnert)  iumke,  Ein- 
bucht, Busen  ins  Land  hinein.  —  Nid.  in- 
wijk  =  inham  etc. 

iii-wil,  iii-Avils,    in    der  Weile,  während 
GO  der  Weile  od.  Zeit,  loährcnd  dem,  inzwischen 


IN-WIN^^EN                         184  IS 

etc.;  —  iu-wil  ik  ilat  de,    währenddem    ich  Die  Grdhdtg.  ist:  beiocgev,  regen  (er- 

das  that;  —  hö  was  inwils  liir,  er  icar  in-  regen,  aufregen  etc.;    bewegt   u.  erregt  sein 

zwisclicn  hier.     cf.  wil,    Weile,  Zeit  etc.  etc.,  cf.  unter  winuen   ».  waden)    u.  bewe- 

in-winucii.  cingewinnen,  einholen  etc. ;  —  gen  ist  =  gehen,    .^ich    erheben   etc., 

dat  heb'  'k  bold    wer   inwunneu,    das   habe  5  bz.  eine  Bewegung   von  irgend   einer  Stelle 

ich  bald  wieder   cingcwonncn;   —   ik   schal  aus  nach  irgend  einer   beliebigen  Seite   hin 

liuiii  wol  bold  wer  inwiiiuen,  ich  werde  (soll)  machen.     Diesemnach  ist  wohl  die  ]/  ar,  bc- 

ihn    wohl    bald    wieder  einholen ;— ferner  wegen,    gehen  etc.  anzusetzen,    loovon    auch 

auch:  einwerben,  anwerben,  einmiethcn  etc.;  ags.  yrnan    (in  on-yrnan,   aufspringen,  auf- 

—  he  hed  &111  folk  up  't  neje  wer  inwiimion,  10  gehen,  sich  erJicbcn),  bz.  iniaii  (gehen,  sich 
er  hat  sein  Gesinde  aufs  neue  wieder  ein-  erheben  etc.,  cf.  Pott,  Wurzelwb.,  II,  5 
gemiethet,  bz.  eingeworben,  cingedungen  etc.  seq.)  sich  ableitet.  Als  fernere  Verwandte 
cf.  winnen,  ütwiniion  etc.  der  y  ar,  ir  etc.  si)id   unter   andern   vielen 

iii-wrifen.    infrifen,    einreiben;  fig.    ver-  noch  zu  vergleichen:  zend.  ir,  sich  erheben, 

gelten  etc.;  —    dat  wil  'k  hum  insen  bi  ge-  15  aufgehen  etc.  u.  ir,   bewegen,  in  Bewegung 

iägenheid  wer  inwrifen.  setzen  (sich  od.  ein  anderes),  gehen,  machen 

iper,    Ulme:   —   tpernbom,    Vlmenhaum.  etc.  (cf.  Ferd.  Justi,^Handwb.  der  Zend- 

—  Xld.  ijp,  icp;  ijpcnboom;  mnld.  (KU.)  sjn:,  56  u.  59)  u.  skr.  ir  =  v'vav,  gehen,  be- 
ijpcii-,  cipou-,  jipeii-boom,    wo)nit   auch  das  wegen,   stossen,    schütteln,    werfen  etc.,    cf. 

'bei  KU    vorlommende  jipelijue   (tilia  nias)  20  Ben  feg,  Skr.  Biet.,  10')).     Dass  aber  auch 

wohl  im  Stamm  jip  connex  ist.     Mit  franz.  Zaf.  errare,  erro,  error,  erratus  etc.,  sojr/e  (n(.ser; 

ypreaii    (Diez,    II,    139);   S2)an.   olmo    de  iro,  ir,    irre,  irr,  verkehrt  —  mal,  ferbi- 

ipre  von  ihrer  Abstammung  aus  Ypcru  in  sterd  etc.  (tr  in  do  kop;   —    ik   ward   gaus 

Westjlandern ,   woher   auch  unsere  Bedens-  ir  etc.);   ire,  Irre   (ik  biiii  hei  in  d'  ire    = 

art :   he  siigt  iit  as  de   dud   fan  Ypern ,   die  25  in  't  wilde ;  —  he  is  in  (V  ire  kamen) ;  —  iren, 

gebraucht  wird,  wenn  Jemand  in  Folge  eines  irren  =  dören,  dwalen,  walen  etc. ;  —  irig, 

Schreckens    od.    einer   Ohnmacht   kreide-  irrig  =    mul,    dwalsk    etc.    (irig  in   de  kop 

weiss  aussieht.  =  irrsinnig)  u.  goth.  air '/As  fZ/TC,  erroneus), 

iponi,  ulmcn,  von  der  Ulme  etc. ; —  ipern-  airzitha  (error,  Verführung,  Irrlhum);  airz- 

holt,    Ulmenholz.  —  Nid.  ijpern;    s.  iper.  30  jan    (irreführen  etc.)    etc.    nebst    ahd.    irri 

Ipiio,  Ippe,    nü.  Name.      Geschln.   Ippen.  (com  rechten   Wege  abgekommen ,    unsicher, 

Wohl    mit  Ibo,    Ebo,  Eppo    ».  Jibbo    eines  schwankend,  verirrt  etc.  =  ferdwäld)  u.  irre, 

Stammes,     cf.  dicserhalb  bei  Forst emanii  er re  (Zorn,   Verirrung,  Irrthum);   irran  (in 

unter  ib,  tco  er  auch  den  bei  Adam  v.  Brc-  Verirrung  bringen,  irre  machen,  irren,  stö- 

men  vorkommenden  Namen  Yppo  aufführt.  35  ren  etc.  =  as.  irrjau,    irrean  etc.)    etc.  etc. 

ipske,  od.  ibsko ;  /.  q.  imelke,  spirke  (cf.  ebensowohl  wie  das  goth.  airiis  (Bote)  etc. 
imcl,  spir)  etc.,  nämlich:  Körnchen,  Brock-  sich  von  der  ]/  ar,  ri,  ir  ableiten,  ist  zwei- 
chen, Kr  um  eichen.  Geringstes  etc. ;  —  d'r  feilos,  da  die  Grdbdtg.  dieser  Wörter  sämmt- 
is  gen  ipske  afer  bliifen;  —  he  kan  gen  lieh  auf  dem  Begriff :  beweg  e  n ,  gehen  etc. 
ipske  misten,  er  kann  nicht  das  Geringste  40  beruht  u.  Iren  (irren)  soviel  heisst  als:  b  c- 
missen.  Es  ist  ein  Dimin.  von  einem  obs.  loegen,  gehen  irgend  wohin  =  zioeck- 
Stamm  ip,  ipe  od.  !ps,  Ipes ,  der  vielleicht  los  umhergehen  u.  wandern,  ebenso 
die  Bedtg.:  Ettoas  u.  so  als  Dimin.  die  wie  auch  die  y  \r  neben  bewegen,  gehen 
von:  geringes  Etioas,  kleines  Et-  etc.  die  von  schütteln,  schioi n gen, 
IV as  etc.  halte.  Diesemtiach  vergleiche  ich  45  schioanken  =  hin-  u.  herbeioegen 
das  von  Grimm  aufgeführte  epper,  eppes  etc.  hat  tt.  das  ahd.  irri  auch  mit:  schwan- 
(ali(iuis,  aliquid)  für:  etwer,  etwas,  tvo-  kend,  unsicher  etc.  übersetzt  loird. 
nach  dann  ipcs  für  ippes  od.  eppes  stehen  is,  ist,  d.  h.:  hat  Sein.  Auch  nid,  is  für 
würde.  ist  u.  ags.  ys,  was  mit  lat.  est,  griech.  esti, 

h'P,  zornig,  heftig,  leidenschaftlich  erregt,  50  Iit.  esti,  aslav.  jesti,  russ.  etj,  böhm.  gcst  etc. 

aufbrausend;    Subst.:  Jähzorniger,  Brause-  aus  der  Grdform  asti  entstand  u.   mit  dem 

köpf  etc.;  —  he  is  'n  regten  Ire.  —  Afries.  Suffix  ti  von  der  y  as,  sein,    exisliren  etc. 

ire   (by  ira  mode    =    im  Zorne);    irst    (er-  weitergebildet  ist.    cf.Bopp,  vergl.  Gramm, 

zürnt).  — •  As.  irri;    ags.   yrre    (Aufregung,  I,  235  u.  II,  376  etc. 

Zorn,    u.    [AdJ.J    aufgeregt,    tvild,    zornig);  55       Wie  indessen  unser  war    (wahr  =  wirk- 

yrringa  (wild,  zornig)   u.  auch:    eorre    (ira-  lieh,   gewiss)    auf   der   Grdbdtg.:    seiend, 

tus);    irsung  (iracundia) ;    engl,  ire   (Zorn);  existirend.  Sein   habend  etc.   beruht 

irchü  (zornig,  wüthend) ;  irascihle  (zum  Zorn  u.  ebensowohl    wie    das  nhd.  tvar  u.  unser 

geneigt,  reizbar).  —    Lat.  ira    (Zorn,   Auf-  was  (=  exisfirtc,  lebte,  hatte  Sein  etc.)  zum 

regung  etc.).  00   Vbm.  waseu    (sein,  leben,  cxistiren  etc.)  ge- 


IS 


135 


IVER  IVERN 


hört,  so  stanu'.d  auch  das  polii.  isty,  istiiy, 
istuo  (=  geivixs,  wirlclkh,  wesentlich  etc.) 
mit  dem  ohiycu  osti,  asti  etc.  von  derselben 
y  as,  ivcgcn  welcher  hei  Vott  (Wttrzclwb. 
II,  zweite  Abtii.,  pag.  2:!S  bis  270)  das  ITtv'-  5 
tere  verglichen  iverden  mag. 

is,  Eis.  —  Bedensart. :  uj)  old  is  früst  't 
ligt;  —  ua  Icchtmt'S  trocd  de  fos  't  is 
uet  mer;  —  up  d'  lütje  niimmers-dag  ('= 
Nimmer s-Tag),  wen  de  kalfor  up  't  is  dan-  10 
seu.  —  Nid.  ijs ;  mnld.  (KU.)  eys,  ijs; 
ahd.,  mild,  is ;  ags.  is ;  nfries.  is ;  an.  iss 
(IHur.  isar).  Wie  Grimm  meint,  soll  es 
mit  dem  Worte  Eisen  (ferrum  ^=  Har- 
tes od.  Glänzendes,  cf.  iser)  ii.  ferner  15 
mit  goth.  ais  (Erz,  Metcdl)  u.  lat.  aes  etc. 
etc.  verwandt  sein,  worilber  Weiteres  unter 
2  ären  zu  ersehen  ist.  Das  zend.  igi  (Eis) 
gehört  demnach  nicht  hieher,  scheint  jedoch 
mit  jökel  =  ags.  gicel  venoandt.  cf.  jedoch  20 
Fiele,  I,  30,  der  es  mit  zend.  i^i  von  einer 
y  IS  (gleiten)  ableitet. 

iselk,  s.  islik. 

1.  isen,  eisen  =  Eis  schlagen  u.  brechen 
etc. ;  od.  im  Eise  arbeiten,  mit  Eis  sich  be-  25 
mühen  etc.;  —   wT  sunt  fan  dage  an  't  od. 

bi  't  isen;  —  wi  hebben  hum  wer  lös  is'd; 
—  dat  schip  lös  isen.  Auch  zu  Eis  wer- 
den, g  efrier en  etc.  in  glad-isen  ('t  lied 
glad-isd).  30 

2.  isen,  grausen,  schaudern  machen,  er- 
schrecken, Schrecken  u.  Furcht  empfinden 
etc. ;  —  dat  is'd  mi  d'r  för.  —  Ahd.  agison, 
egison ,  ekison ;  mhd.  eisen  (erschrecken, 
Schrecken  u.  Schauder  empfinden) ;  mnld.  35 
(KU.)  eysen,  ijsen  (horrere  etc.);  nid.  ijzen; 
hess.  (Vilmar)  eisen;  nd.  (Br.  Wb.)  aisen 

u.  (Schambach)  eisen,  escn  (schaudern 
etc.).  ^  Zu  goth.  agis  (Furcht  etc.).  cf.  aisk 
M.  islik,  soiüie  fresen  =  fürchten.  40 

iser,  isder,  Eisen;  —  Bedensart:  man 
mut  't  isder  smäden  as  't  nog  het  is;  — 
man  kan  gen  isder  mit  banden  breken;  — 
be  is  'n  kerel  fan  isder  un  stäl.  —  Nid. 
ijzer.  Äs.,  ahd.  isaru ;  mhd.  isern,  iser ;  45 
goth.  eisarn ;  an.  isarn ;  ags.  isern,  afries. 
isern ,  iser ,  isrn ,  irsen ,  irscr.  Statt  an. 
isarn  auch  iarn ,  wozu  nfries.  jaarn  stimmt. 
Daneben  ahd.  isan,  isen ;  mhd.  isen ;  ags. 
isen  =  7ihd.  Eisen,  cf.  wegen  der  Grd-  50 
bedtg.  (als  Glänzende s  etc.)  unter  is  u. 
im  Beowidf  von  31.  Heyne  unter  Inig.,  wie 
desgl.  auch  unter  harnas. 

isig,  eisig;  —   dat  is  je  isig  kold;    —  'n 
isigen  lüclit,  eine  eisige  Luft.  —  Nid.  ijsig ;  55 
ags.  isig ;  ahd.  isec  (eisig,  voll  Eis). 

is-jökel,  Eis^- Zapfen.  —  Mnd.  isjokel 
(auch  iskekel ,  iskegel) ;  ags.  (is)  gicel,  des- 
sen g  aus  j  verdichtet  ist,  od.  wie  dies  mit 
j  auch  in  unscrm  jökel  der  Fcdl  ist,  ein  un-  60 


organischer  Vorschlag  vor  icel  ist.  cf  die- 
srrhalb  ags.  gif,  gyf  =  urspr.  if  (cf.  engl. 
if)  =  ahd.  iba,  ubi,  oba ;  mhd.  obe,  ob  = 
afries.  cf,  jef  etc.  tinter  of  (=  ob,  tcenn, 
oder)  u.  wegen  icel  od.  jökcl  s.  unter  die- 
sem Wort  das  Weitere.  Das  ags.  gicel,  bz. 
icel  steckt  auch  im  engl,  icicle  ^=  icc-icle.  cf. 
jökel. 

isk,  isk,  mit  Aphaeresis  sk.  Endung  = 
nhd.  isch  in  Adjectiven  u.  Substantiven, 
lüie  z.  B.  .  .  schelmsk  (schelmisch),  gladsk 
(glatt,  gleitend,  glattartig),  fretsk  (fresssüch- 
tig, gefrässig),  bigelöfsk  (abergläubisch)  etc. 
—  marsk  (Marsch  =  marisk,  meerisch, 
sumpfig,  tvässerig  etc.),  minsk  (Mensch) 
etc.  etc. 

Sie  ist  =  mit  cdid.  isc,  iscb ;  as.  isc ;  ags. 
isc ;  goth.  isk  u.  isks  (cf.  ahd.  meunisc,  men- 
uisch ;  as.  mannisc ;  gotJt,.  manuisks ;  ags. 
mennisc  =  human  us,  d.  h.  dem  Mensch  ge- 
nannten denkende n  Wesen  e n t sp r e- 
chend  u.  angepasst  od.  an  gehörig 
u.  eigen  etc.  [als  Weiterbildung  von: 
manna,  y  man,  denken  etc.]  =  menschliche 
Person,  od.  eigentlich  =  Denkender); 
afries.  isk  (z.  B.  in  agripinisk) ;  an.  skr  statt 
iskr  (in  racnskr  =  liumanus)  etc.,  dem  im 
Subst.  noch  ein  a  od.  o  (anscheinend  mit 
der  Bedtg.:  Person,  Wesen,  Geschöpf) 
angehängt  wurde,  was  indessen  später  (cf. 
an.  menska  =  humanitas  u.  afries.  man- 
uiska,  as.  mennisco ;  cüid.  mannisco  =  mhd. 
meuscbe,  mensch)  loicder  abfiel.  Nach  Ana- 
logie von  abulg.  isku,  isky  (in  mazisku,  ma- 
zisky  =  mätndich,  —  plutisku  =  fleisch- 
lich, —  nebesisku  =  himmlisch)  =  slavo- 
deutsch  iska  (cf.  Schleicher,  Com2).,  478); 
lit.  iszka  u.  goth.  iska  (in  barniska  =  kin- 
disch); ital.  isco  H.  lat.  iscus  (dem  auch 
wohl  iscum  u.  griech.  iskos  in  hibiscum  = 
griech.  ibiscos  =:  Eibisch,  Ibisch  [cf.  ahd. 
iwa,  dän.  ibe  =  nhd.  Eibe]  entsprricht)  etc. 
scheiid  es  indessen,  als  ob  auch  die  En- 
dung isc  im  Adj.  mannisc  (s.  oben)  eine 
Kürzung  von  der  vollen  u.  urspr.  Form 
isca  ist,  sodass  auch  hier  das  ScJduss-Si 
ebenso  loie  im  Subst.  Mensch  (=■  urspr. 
manniska)  später  abfiel. 

isk,  iskeii,  cf.  esken,  eisken. 

isk,  isker,  cf.  3  csk. 

islik,  hclk,  gräulich,  fürchterlich,  schreck- 
lich, abscheulich  etc. ;  —  dat  is  je  iselk ;  — 
iselk  kold;  —  iselk  slim  etc.  —  Nid.  ijsselijk; 
mnld.  (KU.)  eyselick,  ijselick;  ahd.  akislih, 
egislih,  ekislih ;  mhd.  egeslich,  eislicb ;  as. 
egislic,  eislic,  ags.  ageslic,  cf.  aisk. 

Itze,  Itseii  etc.,  s.  unter  Idse. 

iuj)  =  jup,  up  etc.,  s.  unter  up. 

iver,  ivern,  s.  ifer. 


136  JAGD 


(der  Halbrocal  Jot). 

j    toird   deshalb    ein    Ilalbvocal  genannt,  10  Otfried  die  Formen  jo,  ja  u.  scliioed.  ja, 

^ccil  er  bald  dem  Consonanten    „g"    n.   „k"  jo,  soivie  iveiter  Fick,  III,  243. 

(cf.  jid,  jiclit,  jiitrcn,  Janen  etc.    ii.   auch  im  Jabbo,  Jabbo  u.  Jabo,  ml.  Name;  Geschln. 

fries.  Archiv  von  Ehrentraut,    I,    218)  Jubbcn.     FjS  ist  (mit  vurschlagendem   j,    (/. 

tt.    dann   auch  wieder    dem  Vocal   „i"  ent-  unter  j,  u.  den  nachfohjenden  Wörtern  wohl 

spricht,   tcie   dies   schon  unter  dem  zu  ver-  15  derselbe  N'ame   toie  Abbo,    tcährend  Sjabbo 

gleichenden   Vocal  „i"  bemerkt  ist.     In  vie-  wahrscheinlich   loicdcr  aus  Jabbo    (mit  gc- 

len  Fällen  Jedoch  ist  er    auch  blosser   Vor-  zischtem  j)    entstand,     cf.   auch  Jibl)0   und 

schlag,   der  indessoi  stets  der  Dehnung  od.  StrackerJ an  (Jeverl.  Fersoncnnamen,  pag. 

der   Brechung    eines    einfachen     Vocals    in  26,  Nr.  72),  der  es  zu  f>ab  (geben)  stellt. 

zwei  Lauten  seinen  Urspru)ig  verdankt,  wie  20      ja-bröer,  Ja-Bruder    (qiii  omnibus  assen- 

dies  z.  B.  /»  jadder,  jfikol  u.  andern    Wor-  titur) ;    daher    auch:    ein    unselbstständiger, 

tern  der  Fall   ist    u.    auch    im  africs.  sehr  scJtwacher ,   loillenloser  JMoisch,    der   keine 

häufig  geschalt,  wegen  dessen  afries.  jelmissc;  eigne  Meinung  hat  od.  sie  nicht  zu  äussern 

(Almosen),  jelne  (File),  jelre  (Erle)  etc.  bei  wagt;   —    't  is  m'oI  'n  goden  kcrel,   man  't 

V.  Kichthofe  n   im  afries.   Wb.   unter  cl-  25  is  'n  ollen  ja-broor,  de  gin  minsk  tagen  ka- 

misse,    eine   u.    elre  etc.    verglichen   werden  men  diird.     cf.  jäcii. 

mögen.     Wegen   Vorschlagung  eines  j  auch  Jacht,  jat'litern  etc.,  .s.  jagt  etc. 

im  sl avischen  cf.  Pott,    Wurzclwb.,  II,  jaddc,  jedde  u.    (cf.   scliarre  =  schaddo, 

76    u.   ferner    wegen  j  u.  y  für  g  in  Bd.  Schatten)  jarre;    water-jadde,    Ackerspörgcl 

III,  54.  30  (spergula   arvensis).       Derselbe   heisst  auch 

ja,  ja,  tja,  die  reine  Affirmation  od.  Be-  gärnwindc ,    uägcnkne    etc.      Sie    hat   zwei- 

Jahungs- Partikel  j  a,  icobci  die  zweite  Form  theilige,  vielgegliederte  Stengel  (daher  inigen- 

eben  tiur  das  mit  grösserem  Nachdruck  gc-  kno)  u.  quirlständige,  fadoiförmige  Blätter, 

sprochcne  einfache  ja  ist  u.  die  dritte  (nüm-  woher  ivohl  der  Name:  gärnwinde  von  garn, 

lieh  tja)    mit  noch  stärkerem  Nachdruck  u.  35  Garn.     Vergleichen  tcir  jicht  =  Gicht,  jid 

vermehrter    Ungeduld    ausgesprochen   tvird,  (afries.  jeth)  =  gat  etc.,  so  steht  jaddo  viel- 

sodass  man  ja  als  den  Positiv,  ja  als  Com-  leicht  für  gM\dc,  was  möglicherweise  /»/<  gad- 

parativ    u.    tjii    als     Superlativ    bezeichnen  der  (Gatter,  Gitter)    zum   Vbm.  gadon  (vcr- 

kön)ite,  wie  z.  B.  in:  ja!  ik  wil  kamen;  —  einigen,  verbinden,  verknüpfen,  verschlingen, 

ja!    du   liest  't  je   wol  hürd  ,   dat  ilc  kamen  40  durch,  u)n,   od.  i)i  einander  scJtlingen,  win- 

wnl';    —    tjä !  kanst  du  not  hoicn?  'k  heb'  den  etc.)  gehören  könnte,  mit  dem  auch  nhd. 

dl  al  twemäl  toropon ,    dat  'k   kamen   wul' !  Gatte  u.  gatten    (cf.   gade)    connex    ist, 

—  Auch    Subst.:  ik    lieb'  Iiuni   't   j  a  gafeu  weil  eben  diese  Pjkotze  ein  wir  r  es  u.  viel- 

etc.  ver  Schill  ng  ene  s  Gewächs  ist.      Verglei- 

Als  Nebenformen  von  jd  etc.  sind  auch  je  45  chen  wir  edier  jepke,   j«3i)ko    =    wipke,    so 

u.  jo  gebräuchlich    u.   zwar  auch   mit   ver-  könnte  es  auch  mit  wed  (Unkraut  etc.)  con- 

schiedenem  Nachdruck  (ds  je,  je  w.  tje,   wo  nex  sein. 

das  „e"  toie  im  nhd.  Jetzt   ausgesprocJien  jadder,  s.  jidder. 

wird;  z.  B.  je!    'k  wil  kamen;    —   je!    wat  '^ixt'w,  Jähen,  Ja  sagen,  bejahen,  zustimmen 

lofst  du  wol?  —  tje!  mrust  du  den,   dat  'k  50  etc.;  —   he  jäed,  bz.  jä'd  altid;   —    de  olde 

dat  ni't  net  so  göd  döii  kan,  as  duV  jäbröer  deid  d'    mund    not  .anders    apon,    as 

M'rgcn  jo  =  ja  c/.  die  liedrnsart:  do  dat  um  to  jäen.  —  Das  „h"    im  nhd.  bejahen 

jo  Mich  wer;   —    du  must  mi  dar  jO  nrt  bi  /,s'^    unorganisch    u.    eingeschoben,    ivie    bei 

kamen  etc.,    loo    es   allerdings   nur   (ds  Be-  Grimm  unter  bejahen  zu   vergleichen  ist. 

kräftigungspartikel  u.  iiicht  als  reine  Affir-  55  Mit  dem  ahd.  jelian    (sagen,   sprechen,    be- 

malion  gebraucht  ist.    —    Africs.   io,  bz.  je,  kennen,  he'püien,  zustimmen  etc.,    cf.  jiditeu 

ge ;  ags.  ia,  gea  (cf.  v.  liichtho  fcn  unter  u.  bichten)   lud  ea  dircct  nichts  gemein,    da 

ie);  engl,  yea;  as.  ia,  bz.  ja;  an.  ia,  bz.  dieses  anscheinend  auf  goth.  jah  zurück- 
ja;  ahd.  ja,  ja;  goth.  jai,  ja.  Vergl.  auch  geht,  toähroid  jäen  von}ii  weitergcbildcl  ist. 
Seh  melier,    II,    202,     sowie  ferner   bei  GO      ja^'l,  od.  ja^t,    Jagd,  Jagen  des    Wildes 


JAGDNET 


137 


JAGTSK  JAGSK 


etc.  =  Verfolgung  des  Wildes  od.  sonstiger 
Beute,  um  es  zu  greifen  u.  zu  erlangen;  — 
he  is  up  de  jagd  na  fögels,  fisken,  wild,  geld 
etc.  etc. ;  —  he  is  helsk  (höllisch)  up  d'  jagd 
fersilten.  —  J.7tfZ.  jagid ;  jh/j*^?.  jaget,  jait,jeit; 
nid.  jagt.     Zu  jagen;    cf.  auch  jagt  etc. 

jagdnct,  ein  langes,  die  ganze  Breite  eines 
ahzutreihcnden  Gewässers  (Weiher,  Canal, 
Tief,  Meiner  Fluss  etc.)  einnehmendes  Fisch- 
netz, in  welches  die  Fische  durch  IHätschern 
im  Wasser  (mittelst  der  sog.  Pulsstöcke) 
hineingetrieben  od.  gejagt  werden. 

jagen,  Jagen;  (jage,  jagst  [jachst],  jagt 
[Jacht]  etc.;  —  jog,  jögst,  jög  etc.;  —  jagt 
od.  Jacht  [gejaget]  u.  jagt,  jagd  etc.) ;  — 
de  wulken  jagen  dor  de  Uiclit;  —  de  wind 
Jacht  dat  water  afer  de  dik ;  —  he  jög  hum 
mit  de  pitsk  üt  't  hiis ;  —  dat  schip  (de  wa- 
gen, —  dat  pürd  etc.)  jagd  d'r  hxngs,  dat  't 
so  'n  ärd  hed;  —  he  is  hen,  um  hasento  ja- 
gen ;  —  he  jög  hum  de  dägen  in  't  lif ;  — 
he  jagt  't  al  dür  de  käl,  wat  he  ferdend.  — 
Sprichic:  de  'n  ander  jagen  wil,  de  mut 
sülfst  löpen.  —  Nid.  jagen  (joeg,  gejaagd 
etc.);  ahd.  jagön;  mhd.  jagen  (jagen,  trei- 
ben, schnell  bewegen,  eilen),  cf.  auch  S c hm  el- 
ler,  II,  265  etc.  ivegen  der  verschiedenen 
Formen  u.  Bedtgn.  Vergl.  bei  Pott,  Wur- 
zelwb.,  I,  2S7  die  y  ya,  od.  yä  (bewegen, 
gehen,  treiben  etc.),  Grassmann  y  yah 
(eilen  etc.)  u.  Schleicher  com}].,  102  die 
y  ja,  ivelch  Letztere  eine  Nebenform  von 
ga  (gehen  etc.)  ist,  während  ya  (cf.  Ben- 
feg, Skr.  Dict.,  738)  von  y  „i",  gehen  etc. 
entstand.     Vergl.  auch  Fiele,  II,  200. 

jagen,  statt  gägeu  (gegen).  —  Nid.  jegen, 
jegens.     Davon: 

jägeiicn,  gegenen.  Nur  in  be-  od.  hijä- 
geueu,  begegnen,  behandeln  etc.;  —  he  is 
mi  nich  bijägend;  —  lie  bijägend  sin  folk 
mau  sk^gt,  er  behandelt  sein  Gesinde,  bz. 
seine  Untergebenen  nur  schlecht.  —  Nkl.  be- 
jegenen.  Es  ist  das  von  ahd.  gagan  (gegen, 
wider  etc.)  weiter  gebildete  ahd.  gaganjan,  ka- 
gaunen,  gagancn,  gagenen,  kegineu ;  amhd. 
gagenen,  entgegenkommen,  entgegen  treten, 
begegnen  etc.  Wegen  des  Stammioorts  jagen 
s.  unter  gägeu. 

jagei',  ein  Ftwas  (Person,  Wesen,  Ge- 
schöpf, Ding  etc.)  loas  j  a  g  t,  treibt,  eilt  etc. ; 
daher:  a)  ein  schnellsegelndes  für  die  Fil- 
fahrt  bestimmtes  Schiff ;  z.  B.  härings-jager, 
ein  Schnellschiff,  welches  die  büseu  begleitet 
u.  den  ersten  Fang  der  ganzen  Ilerings- 
flotte  rasch  an  den  bestimmten  Markt  be- 
fördert; —  b)  der  Junge,  tvelcher  die  Pferde 
vor  der  trekschüte  reitet  u.  treibt;  —  c)  ein 
Segel  an  der  zweiten  Verlängerung  des  Bug- 
spriets, dem  sog.  jagerstok.  Dieses  Segel 
kömmt  nach  Bobrik  nur  auf  Schmucken, 


Kuffen  u.  Ilukern  vor  u.  vertritt  auf 
diesen  dasjenige  Segel,  ums  auf  andern  Schif- 
fen klüver  heisst.  Sodann,  loird  d)  eine  mit 
Eisen   beschlagene   hölzerne  Schaufel   auch 

5  jager  genannt,  ivahrscheinlich  weil  sie  zum 
Wegschaffen  u.  Austreiben  des  UnrcUhs  (z.  B. 
in  den  Stallungen  u.  Gossen)  gebraucht  ivird. 
Auch  gab  es  früher  eine  ostfries.  Münze  (cf. 
0.  L.  B.,  907)  die  jager  hiess. 

10  Jäger,  Jäger.  —  Ahd.  jagari,  jagere  ;  mhd. 
jilgere,  jegere,  jegcr  etc. 

jagere,  Gejage,  Gehaste,  Geeile  etc.;  — 
dat  is  so  'n  jagere.  Das  der  Form  nach 
identische  ahd.  jagerie    hat  die  Bedtg. :  Jä- 

15  gerei,   Verfolgung  etc. 

jäger-stOl,    Jägerstuhl.    —    Schcrzh.  Ee- 
densart:  stak  de  dum  in  de  närs  un  mak  'n 
jägerstöl. 
jägner,    Gegner,    Widerpart.     Zu  jagen, 

20  bz.  jägenen. 

jagt,  Jacht,  in  verschiedenen  Bedtgn.  ge- 
braucht, als:  a)  Eilen,  schnelles  Treiben  etc., 
Flucht,  Fliegen,  Fliehen;  —  d'r  sitt  so  'n 
Jacht  in  d'  lücht   (von   den   schnellsegelnden 

25  Wolken),  bz.  in  't  water  (vom  Wasser, 
wenn  es  rasch  fliesst  u.  strömt);  —  he 
hed  so  'n  jagt  up  't  läfend,  er  ist  so  eilig, 
eifrig,  hitzig  etc.,  brennt  vor  Eile 
u.  Eifer  etc.; —  b)  vom  br ünstig  sein, 

30  weil  in  der  Brunstzeit  die  Thiere  sehr 
unruhig  u.  hastig  sind  u.  vielfach  umher- 
jagen od.  birsen,  loie  z,  B.  Pferde,  Kühe 
etc. ;  daher  jacht  auch  =  Brunst;  —  he  hed 
de  jacht  up  't  läfend ;    cf.  jagtig,  jagtsk  u. 

35  jagtcrn ;  —  c)  von  einem  Schnellsegler,  einem 
Jachtschiff;  —  he  hed  sük  'n  lütjen  jacht 
buen  laten.  —  Nid.  jacht  etc. 

jagtern,   jachtern,  jiclitorn,    Jochtern, 
Jnchtern,  j achtern,  sich  spielend  u.  neckend 

40  u  m  h  er  t  r  eib  e  n  u.  jagen,  Jagd  auf 
einander  machen,  um  sich  zu  haschen  u. 
fassen,  ivild  umherrennen  etc.,  toie  dies  von 
Kindern  u.  namentlich  Mädchen,  jungen 
Leuten   beiderlei  Geschlechts ,  jungen  Pfer- 

45  den  u.  Binder n  in  der  Weide,  od.  Thieren 
in  der  Brunstzeit  etc.  geschieht;  —  de  kin- 
der  (bz.  hunde)  jachtern  (juchtern  etc.)  mit 
'n  ander;  —  de  perde  jachtern  in  't  land 
herum;  —  't  junkfolk  jachterd    gern  mit  'n 

50  ander.  —  Es  ist  ein  Freq.  von  jagen  u.  von 
jagt  weiter  gebildet.  Daher  Subst. :  gejach- 
ter,  gejuchter  etc.  (de  kinder  maken  so  'n  ge- 
jachter;  —  't  is  so  'n  gojachter  dür  't  hüs 
etc.)  u.  jachtere    =    spielendes    u.    necken- 

55  des  Jagen,    Fliegen  u.  Hennen.      Auch  bei 

Schütze  (holst.  Idiot.)  u.  S c h a m  bach  (nd. 

Wb.)  jachtern  u.  sonst  auch  (cf.  B  r.  Wb.  u. 

Dähnert)  j achern.    Vergl.  auch  nid.  iagten. 

Jagtig,  Jachtig  u. 

60      jagtsk,  Jagsk,    hastig,  eilig,  hitzig,  brün-' 


JAGT-  od.  .TACflT- WEIDE  138  JAMMERN 

stig  etc.,  d.  h.  von  dem  ,,w»s  jagt  hesafft"  hals  (</.  jank  Jt.  jauken)  od.  hüngl  die  erste 

bese>:senu.erfasstod.eingeii(>»iiiieit  etc.;  Jacht  Silbe  yak  gar  wegen    der  liedtg.    Gier  etc. 

hallend  etc.  —  (/.  die  Kndungcn:  ig  ».  isk.  od.  g icr  i g  se i n,  vcrlangeii,trachten 

yd^t-   od.   jaclit-wpidc .    das  Absteige-    ii.  nach  etc.  mit  der  y  yak  cusammen,  die  (cf. 

l-jütree-Ziinmer ,    od.    die    allgemeine    Gast-  5  P ott,  Wiir::chvb.,  II,  -weite  Abtii.  ölH)  eine 

Stube  eines   Wirthshanses ,    wo:u  Jeder  ein-  Nebenform  eon  ir  ((/.  öskcii)  ist':"     cf.  auch 

kehrende  Gast  den  freien  Zutritt  hat.    Die-  jakke-piis. 

scs  aus  jagt  (Eile  etc.)    u.  wi'ide  (liabitatio)  jakluilscii ,    heftig   u.   .■<tarJc   nach    Etwas 

zu.sammcngcsetzte  Wort    ist    eine   seltr   jias-  verlangen  u.  trachten,  heisshitngrig  u.  gierig 

sende   Bezeichnung    des    allgemeinen    Gast-  10  sein  etc.;  —  he  jakhalsil  d'r  na. 

simmers,  indem  dies  in  Wahrheit  eine  „Eile-  jäkjp,  Jiuhchcn;  s.  jak. 

Weide''  (Stätte,  Ortod.Aufenthalt)  jakke-püs ;   i.    7.  jaklials    u.    setzt  dieses 

ist,  indem  dahinein  Alles  Jagt  u.    eilt  u.  mit  piis  (Katsc)  zusammengesetzte  Wort  an- 

darin    nur    einen   flüchtigen    Aufent-  scheinend  ein  mit  yAwkcw  synonymes  u.  ident. 

halt    )iimmt    u.    nur    hurzc    Zeit    (in    der  15   Verb,  jakken  coraus. 

Eile)  rastet.  jak-slip,  Schooss  der  Jaclce. 

Jak,    Jacke,    ein    kurzes    Obcrkleid   ohne  Jakub ,    Jakii]» ,    ml.    Käme    Jacob.   — 

Schösse    od.    doch   nur    mit   ganz    kurzen  Sprichw.  :    .,wat    imit   man   uOt  all'  hören," 

Schössen,    loährend    ein    Bock    stets    lange  sä'  de  dofe  Jakub. 

Schös.'<e  hat.  JJas  Dimin.  jakje  od.  jaktje  20  iammar,  Jammer,  drückendes  u.  behistigcn- 
bezeichnet  ein  kurzes  Oberkleid  für  ivcibl.  des  Schmerzgefühl,  z.  B.  im  Kopf;  —  ik 
Personen  u.  lourde  solches  hier  früher  im  harr'  (hatte)  tan  morgen  so  'n  Jammer;  — 
Bürger-  u.  Bauernstande  ganz  altgemein  ge-  lautes  Wehklagen  in  Folge  grossen  Schmer- 
tragen, 7cührend  es  Jetzt  immer  mehr  dem  zes  u.  herben  Verlustes;  —  man  hürd  dar 
kl("'d  (dem  langen  weiblichen  Kleide)  weicht  25  niks  as  jammcr  un  suchten; — ferner  auch: 
u.  fast  nur  noch  vom  geringeren  Stande  zu  Herzeleid,  Elend,  Kummer  etc.;  —  se  hed 
Hause  getrugen  icird.  —  JVW.  jak ;  ^'////Z.  jack ;  al  f'ul  Jammer  un  elend  bclafd;  —  dat  is 
scÄurJ.  jakka;  f/ä/?.jakke ;/;•«;<-?.  jaquc;  .S7;a».  jammcr,  das  ist  Schade,  bz.  traurig,  zu  bc- 
jaco  ;  ital.  gxüico.  —  Es  soll  nach  Ducange\s  dauern  etc.  —  Nid.  Jammer;  mnld.  Jamer; 
Vermuthung  (cf.  Diez,  I,  unter  Giaco)  30  ahd.  Jamar,  Jämer,  ämar,  amer ;  mhd.  Janicr, 
seinen  Namen  zufiülig  von  einem  Iliiupt-  amcr;  afries.  iamer;  ags.  geomor,  gconier 
ling  von  Beauvais  Namens  Jaque  erhalten  (Jammer)  n.  ahd.  Jämar,  ämar;  as.  J;unar, 
haben.  Da  indessoi  der  Grdbegriff:  Decke,  giam^iv,  jixmor  (schmerzlich,  leidvoU) ;  schwcd. 
Bedeckung,  Hülle,  Schützendes  etc.  jaemmer  (Jammer).  Davon: 
viel  natürlicher  als  zu  Grunde  liegoid  an-  35  Jammern,  jammern,  heulen,  ivcJtklagen, 
zunehmen  ist  (cf.  unser  wäd  u.  gewäd,  Ge-  kläglich  schreien  etc.  u.  zwar  gebräuchlich 
wand,  Kleid  etc.  von  goth.  vidan,  binden,  von  JSlensch  u.  Thier,  wie  namentlich  auch 
verbinden,  knü2)fen,  .stricken  etc.),  so  ist  viel-  von  den  Katzen  zur  Brunstzeit,  wie  das 
leicht  da-^  griech-iöge  (Schirm,  Schutz,  Decke,  hess.  jimmern;  —  ferner  das  Subst.:  ge- 
Hüllc)  zu  vergleichen,  toas  mit  Jük,  bz.  tat.  40  Jammer,  Geheule,  Geklage,  anhaltendes  kläg- 
Jugura  u.  Jüngere  etc.  zur  y  yng  (fesseln,  liches  Geschrei  u.  Gewinscl  etc.  von  Mensch 
binden,  verbinden,  zusammeidn'nden ,  ver-  u.  Thier  (ik  kan  dat  gejammer  uet  langer 
einigen  etc.,  cf.  Joch  =  Ges])ann)  gehört,  in  d'  uron  iitholden),  sowie  die  AdJ.:  jammer- 
icährend  y  yug  selbst  eine  Erweiterung  von  bärtig,  beklageiisicerth,  ganz  erbärmlich  etc. 
y  yu  (binden  etc.,  (f.  Ben  feg,  Skr.  Diel.,  45  (dat  sucht  dar  nu  Jammerliartig  üt)  ti.  jam- 
7-13)  ist.      Wegen   des  Scheltworts  schubbe-  moritk  (Jämmcrliclt). 

jak  (von  schubbeu  =  reiben,    kratzen  etc.)  Bern.     Wenn    man   die   obigen    Formen 

^=^  Jemand,  der  die  Jacke  schubbt  od.  reibt  vergleicht,  so  scheint  es  als  sicher  angenom- 

u.  scheuert  etc.    vergl.    bei  Schütze    in  men  werden  zu  dürfen,    dass    das   „j"    aus 

seinem   Idiotikon    unter  Jakk,    wo  mit  die-  50  „i"  (wie  in  J e,  J emals.  Jemand  etc.,  cf. 

Sern  Wort  ein  Scheuer-  od.  lieib- Pfahl  emand  etc.)    entstand   u.   dass  ia   in  iamar 

(cf.  schurpäl)  bezeichnet  wird.  eine  Brechung  von  „ä"    in    ämar    ist.      Da 

Jak.    Selten  <ds  ml.  Name,  aber  als  Ge-  nu)i  ferner  das  ahd.  ämaron ;  mhd.  ämcren, 

schlechtsname    (z.  B.  Johann    Jak)   häußgrr  ämern    (Scclensehmerz   emjißnden,   sehmerz- 

vorkommend.      Doch   wohl  eher  von   Jacob,  55  lieh  verlangen,    bz.  traurig  u.  klagend  sein 

bz.  franz.  Jaques  gekürzt,    als    aus  Johan  etc.)  u.  das  an.  anira  (Jammern,  heulen  etc., 

verdorben.  von  Katzen)  dieselben  Wörter  sind,  wie  das 

jak-lials,  ein  ausgehungerter,  gieriger,  bei-  neuere  Jammern,   so  scheint  es  mir  zweifcl- 

telhaf Icr,  verkommener  u.  dabei  frecher  Wi<  hl.  haft,  ob  das  „ä"    in  ahd..  ämar  wohl  urspr. 

Steht  jak-hals   vielleicht  für  älteres  jank-  00  lang  war,  zumal  beide   Wörter  anscheinend 


JAN  139  JANHAGEL 

mit  dem  an.  ama  (belästigen,  beschwerlich  sin  slafe  is,  kumt  seiden  wer  d'r  fim;  7- de 
sein  u.  werden,  Last,  Beschwerde ,  Druck  erst  an  d'  janever  fersläfd  is,  de  is  mit  is- 
u.  Mühe  machen,  placjen,  drücken  u.  qua-  (lern  ketten  banden.  —  iiVt</tsc?;  bäten  han^d 
len  etc.)  zusammenhämjen  u.  dieses  kein  'n  kann',  binnen  wand  'n  man,  de  liet  Jan. 
langes  „a"  hat.  Die  ]/  von  ama  etc.  ist  5  de  frett  körn  un  türf  bi  fracliteii,  suj)d  wa- 
ani,  (f.  äniel  u.  Fick,  III,  :2U  a.  I,  J'J.  ter  bi  dragten,  liäld  tan  de  strat  de  Mxc,  de 

Jan,    ml.    Name.      Davon:    weibl.    Name        dfir  gän  bi  gause  bopen;  mäkd  sc  fcrgrclld, 
Janna   u.  Dimin.   Jantje.      Geschln.  Jansen,        uimd  hür  liör  geld,  nn  lett  se  lüi)en. 
Janssen,  Jenssen.  Jan  Baihörn;  —  dat  is  ferbäterd  dör  Jan 

Es  ist  die  nd.  Form  des  nhd.  Johann,  10  Baihörn.  Zu  dieser  Redensart  soll  ein 
wie  unser  Jans  die  des  nhd.  Johannes  tim  1550  zu  Lübeck  lebender  Buchdrucker 
=  griech.  Joannes  u.  ist  der  Name  J  0-  dieses  Namens  Veranlassung  gegeben  haben, 
hann  aus  dem  hebr.  Joclianan  (d.h.  Je-  indem  er  angeblich  bei  einer  neuen  Äujlage 
hovah  schenkt,  od.  ist  gnädig)  ent-  des  A-B-C-Buchs  dieses  dahin  verbesserte, 
standen.  Wegen  Jehovah  cf.  Braun,  Na-  15  dass  er  dem  auf  der  letzten  Blattseite  abge- 
turgeschiclde  der  Sage,  I,  unter  Jalio,  Jao  bildeten  Hahn  ein  Nest  mit  einem  Ei  zu- 
etc.     cf.  Jocliem.  fügen  «.  unterfertigen  Hess.      Ob  diese  Er- 

Der  Name  „Jan"  ist  in  Ostfriesland  sehr  Zählung  richtig  ist,  lasse  ich  dahin  gestellt 
volksthümlich,  denn  ausser  in  den  mancher-  sein,  doch  will  ich  bemerken,  dass  auch 
lei  Anecdoten  u.  Erzählungen  von  „mal-  20  dem  Candidaten  u.  zeittveiligen  Schulmeister 
Jan"  u.  „klök-Jan"  („mal  Jan"  istdernär-  Hier onimus  J obs  (cf.Jobsiade,Cai).28) 
rische  Johann,  der  [anscheinend]  alles  die  gleiche  Verbesserung  desselben  zugeschrie- 
verkehrt  macht  u.  auf  den  Kopf  stellt ,  oh-  ben  ivird  u.  möglicherweise  die  Redensart 
schon  er  schliesslich  bei  jeder  Gelegenheit  auch  schon  früher  dadurch  entstanden  sein 
den  „klök-Jan"  [klugen  Johann]  überlistet  25  kann,  dass  dem  Namen,  bz.  dem  Worte  bal- 
u.  anführt)  lebt  derselbe  in  sehr  vielen  volles-  hörn  der  Begriff  des  bösen,  schlechte  n, 
thümlichen  Redensarten  u.  Sprichwörtern,  schlimmen  u.  verkehrten  etc.  von  al- 
tvie  z.  B.:  dat  is  net  für  Jan  un  alle  man !        ten  Zeiten  her  anklebt,   ebenso  ivie  unserm 

—  he  steid  as  Jan  fan  feren  (ferne);  —  baldäd,  balörig  etc.  So  sieht  auch  Vil- 
he  is  bold  wer  bäfen  Jan;  —  al  mit  der  30  mar  in  seinem  hess.  Idiotikon  den  Namen 
tid  kumt  Jan  in  't  wams  un  Gret'  in  d'  „Balhorn"  als  von  bal  =  ci/t*?.  balu  (per- 
büks,  od.  (oariirt) :  al  mit  der  tid !  dar  kön'  niciosus,  malus)  u.  hörn  gebildet  an  u.  deutet 
ji  drist  up  räken,  kumt  Jan  in  't  wams  un  es  als  böse  (schlimme,  verkehrte  etc.)  Spitze, 
Gretje  in  de  wäken;  —  „sligtweg  Jan,  Winkel,  Ecke  od.  Ort.  Dass  hörn  in- 
he  sal  dog  man  achter  de  plög,"  sä' de  bür,  35  dessen  auch  als  Hörn  gefasst  u.  gedeutet 
do  let  he  sin  jung'  düpen;  —  Jan  wil  wol,  werden  kann,  ist  selbstredend  u.  vielleicht 
man  dürd  net;  —  Jan  wul  sin  bür  brüdea        wahrscheinlicher. 

un  et  net;  —    dat  is  anders  wat,    as:    Jan  Janen,  gähnen,  gaffen,  das  Maul  aufsper- 

kum  in  un  et  wat;  —  erst  anstäkeu!  sä'  ren  etc.;  —  he  stcid  to  jänen.  Daher:  hö- 
blau-Jan  (auch  eine  volkstJmmliche  Figur  40  jänen,  gähnen,  bz.  das  Maul  tveit  u.  hoch 
■wie  „mal- Jan",  doclt  mehr  dem  Argen  zu-  aufrcissen  in  Folge  von  Müdigkeit,  Hunger 
gewandt)  as  he  na  d'  galg  förd  worden  sul ;         u.  Schlaf.      Sodann  hat  jänen   ebenso    wie 

—  de  't  döa  kan  (sä' mal -Jan)  de  gäf '  mi  gapen  die'Bedtg.:  das  Maul  aufsper- 
'n  sülfern  ortje;  —  dar  geid  't  heu,  „sä'  ren  wonach,  verlangen  u.  begehren 
mal- Jan,"  do  harr'  he  sin  mör  (Mutter)  iör  45  wonach  etc.;  —  he  jänd  d'r  na,  er  hat 
d'plög;  —  „dat  was  nich  gans  mis,"  sä  Jan,  Verlangen  u.  Gier  danach.  Auch  nd.  jä- 
as  he  sin  mör  't  en  ög  ütsmäten  harr' ;  —  nen,  bejänen  (=  begapen),  hojänen  etc.  (cf. 
„'t  is  mis,"  sä  Jan;  do  harr'  hum  'n  hund  Schütze,  Br.  Wb.  etc.);  engl.ja.Y/ü;  nfries. 
in  't  holten  ben  bäten.  jäne   u.    hojanen    (cf.    Outzen).      cf.   nid. 

janäver,  janever,  jenäver,  Genever,  d.  h.  50  geeuwen  u.  ahd.  giwen  etc. 

Destillat  von  Wachholder  =  lat.  juniperus,  Es  steht    (mit  zu  j  erweichtem  g,    %vie  in 

■woraus  das  ital.  ginepro  ;  span.  enebro ;  port.  jagen  etc.)  für  gänen,   gannen  =   ags.  geo- 

zimbro  (cf.  Diez,  I,  214:) ;  franz.  genievre  non ;    ahd.  ginen;    mhd.  geinen;    nhd.  gäh- 

(Wachholder)  u.  so  ferner  das  nid.  genever,  nen  etc.    u.    ist  wegen   anderer  Formen  u. 

jenever.  55  der  ]/  das  Weitere  unter  gannen  zu  vergleichen. 

Dazu   die   warnenden  Sprichwörter :   Ja-  cf.  auch  gapen,  jäpen,  jappen  etc.  ii.  jänup. 

ncver  !    Janever!    wo    langer,    wo  lefer;    wo  jangst  of?.  j'ankst;  i.  5.  jank  ;  —  de  jangst 

langer,  wo  mer ;  to  lest  deid  he  sar ;  —  Jan-  is  so  gröt,  dat  he  't  snöpen  hei  net  laten  kan. 

evers  (Wortspiel  mit  dem  Namen  Jan  Evers)  Janliagel,    od.   Jan  rap  an  sin  mät,   das 

magt  is  gröt ;  he  is  de  stärkste  Jan ;  de  erst  60  gemeine  Volk,  der  Föbel  etc. 


JANHINNERK                        140  JAR 

Janhinnpi'k ;  i.  q.  2  maljan.  nun   aber   der  Name  des  die  TJiüren  u. 

jank.    Gier,  heftiges   Verhiiu/eu,  Lüstern-  Thore  (Ein-  u.  Burch-Gängc)  behütenden 

heit,  Gelüste  etc.; —  de  jank  ("o«?.  jangst  etc.)  u.  bewachenden  Gottes  Jamxs  mit  dem  Worte 

stcid  hum  altid  na  d'  jauöver;  —  he  hed  so  janiia    tvoJd    loimittelbar  ::usammen]iängt  u. 

'n  jank    (jaugst)    na    d'    briid    etc.      cf.  das    5  einer  u.  derselben  y  cntspross,  ist  sehr  ivahr- 

fohlende:  scheinlich    u.    leiten    auch  Benfey  u.  An- 

jankcn,   begieriij  sein,    heftig   verlangen,  dcre  (cf.  Skr.  Dict.,  7:>S  unier  ya.)  den  Na- 

litstern  sein  etc.;    —    lie  jankd  na   't   ätcn  men  des  Janus  von  der  y  ya  gehen,  ge- 

etc. ;  —  de  hiind  jankd  na  sin  her.  —  Auch  hcn  zu  etc.  ab,  während  Bojip  Of-  GIoss. 

subst.:  dat  janken  (Verlangen  nach,  —  Bct-  10  comp.,  300)  das  tat.  jauua  von  dem  von  der 

teln  um  etc.)  im  grOmon  um  't  iiten  hed  hei  ]/  yä  u.  ana  (^=  an,  in,  ^u  etc.)  gebildeten 

geu  ende.  skr.  yana   (itio,  incessus,  ingrossus  etc.)    ab- 

Da  die  Hunde  etc.  ihren  jank  durch  heu-  leitet,  loelches  Wort  auch  bei  Ben  feg   (cf. 

Jen  u.  loinseln  bekunden,   so  hat  jaukcn  Skr.  Dict.,  741)  u.  bei  Pott  (s.  Wurzelwb., 

auch  die  Bedtg.:  zv in  sein  etc.  —  Xld.  jixn-  15  I,  zweite  Abth.  96'))    weiter  verglichen  wer- 

geleu  «.  JAwken  (begehren,  betteln,  wimmern,  den  kann,   tco  der  Letztere  auch  über  den 

heulen  etc.,  z.  B.  om  ecn  ambt  janken) ;  jan-  Namen  Janus  spricht.     Vergl.  auch  Fick, 

ker  (Lüsterer,  Wollüstiger  etc.,  daher  auch:  II,  200. 

Vcuusjanker) ;  ?h«W.  ('/v //.j  janckon,  jancke-  jap,  das  Aufsperren  u.  Oeffnen  des  Mun- 
lou  (gaunire,  vagire,  latrare  etc.),  Jancker  20  des;  —  he  kan  gen  jap  mer  don,  er  kann 
(gaunitor,  latrator  etc.) ;  }ifries.  janko  (win-  den  Mund  (od.  das  Maul,  den  Schncüjel) 
sein,  heulen,  wehklagen) ;  satl.  (Ehren-  nicht  mehr  aufsperren  =  er  ist  völlig  er- 
traut, II,  :^0:S)  jankje  (gierig  sein);  nd.,  schöpft,  cf.  jappcn  «,  das  folgende: 
mnd.  janken  (begierig  sein,  verlangen,  win-  Japen,  od.  japcn ;  i.  q.  gapeu.  cf.  nid. 
sein  etc.).  Wohl  (tls  urspr.  lautmalendes  2~)  jx^i),  Seh  )iitt  (bz.giihnende,  klaff  ende  Wunde) 
Wort  mit  lat.  gannire  eines  Ursprungs,    cf.  durchs  Gesicht. 

Fick,  II,  S4.     Vou  janken  auch  (cf.  Diez,  jappcii,  das  Maul  aufsperren,  nach  Luft 

II,  o3!>)    wohl   das  franz  jangier    (klaffen,  schnappen    (he    ligt    to  jappen,    bz.  he  kan 

klatschen  etc.)  =  rt/nn(i.  jangle,jjroi'.  jangla  not  mijr  jappen  =   er   liegt   in   den   letzten 

etc.,  sowie  das  engl,  jangle  (heulen,  belfern,  30  Zügen);  das  Maul  vor  Hunger  u.  Gier  weit 

kreischen,  zanken,  hadern;   ein  unharmoni-  aufsperren,  gierig  nach  Speise  etc.  Verlan- 

sches  Geräusch  machen  etc.).  gen  u.  schreien  (de  junge  spräen  jappen  na 

jäiisk,  gähnisch,  zum  Gähnen  geneigt  etc.;  de  olden).  —  Nd.  (Dähnert)  gappen ;  mnd. 

s.  jiuion  u.  ho-jänsk.  japen,   jappen.      Zu  jäpen  etc. ,    cf.  janken. 

jan-snutc,   Maulaffe.     Zu  jäucu ;   s.  jap-  35  Von  jappen  (gähnen,  gaff'en,  klaffen  etc.) 

snute  u.  gapenbek.  das  engl,  jap;  franz.  japper;  prov.    japar 

Jäll-up  (Gähn-auf)  im  Bäthscl:  grfin  un-  (kläffen,  bellen  etc.,  von  Hunden),  wie  nhd. 

ner,  blau  baten  —  iär  uuner,  liir  bäten;  —  kläffen   von   klaffen  =   gähnen  etc. 

mit  fer  liiren  stipstappen  nn  en  holten  Jänup.  Vergl.  zu  jäncn  (gähnen)  u.  jappen  (schnap- 

.lauwärje,  od.  .laiinewarje,  Januar;  der  -iO  pen,  das  Maul  aufsperren  etc.)  auch  das  aind. 

erste  Monat  des  Jahres.  —    Sprichw.:  dan-  jänjabhyätai  etc.  in  Benfey,  Orient  u.  Oc- 

sen  de  müggen  in  Jannewärje,  den  word  de  cidcnt,  I,  013. 

biir  'n  bädeler;    —    greit   dat   gras  al  in  d'  jappcnl,   ein  gieriger,    betlelhafter ,  win- 

Janncwärje,    den  wast  't  hele  jär  siegt;    —  sclndcr  Wicht  od.  Hund  etc.;   —    't   is   'n 

warm  wer  in  Jannewarje    brengd    de  bür  'n  15  mbarmlikon  japperd  fan  'n  kerel. 

mager  jär.  i^*- ■>    Ja)»  -  snfite;     i.   q.    jän-snüte.      cf. 

Das  lat.  Januarius  tvird  von  Janus  ab-  Schütze,  Idiotikon  unter  Jap  etc. 

geleitet  (der  Jani  monsis   od.  Januarius  ivar  jiir,  Jahr  =  Zeitabschnitt  des  Kreislaufs 

ihm  geheiligt),  der  als  eine  altitalische  Gott-  der  Erde  um  die  Sonne,  bz.  Zeit,  innerhalb 

heit  unter  andern   auch  ein   Vorsteher  (od.  50  ivelcher  die  Erde   den  Lauf  tim  die  Sonne 

Wächter)    der   Himmeisp f  orten   und  der  macht.  —  Afries.   jer  od.  ier;  as.  ger,  iar ; 

Strassen-  u.  Haus-  Ei n gänge  war.     Die  ags.  gcar,  ger;  engl,  year;  n?^Z.  jaar;  tvfries. 

Form  Januarius   liegt   aber  noch  näher  zu  jier;    nfrics.   jer,    ir,  jir;    satl.  jir;    an.  är; 

janua   (Tliür ,  Eingang,  Zugang,  od.   Oeff-  ahd.,  mhd.  jär;  goth.idr;  zend.yXre;  apers. 

nung,  Darciigang)    u.    da    nun    der  Monat  55  yära. 

Januar  seit  N  u  m  a  der  erste  Monat  des  Jah-  Das  Wort  jär  bedeutet  so  viel  als :  Lauf, 

res  ist  u.alsi)  (dii  Eingang  des  Jahres  steht,  Gang,    Umlauf,   Kreislauf   (der  Sonne,   bz. 

bz.  der  Er  offner  des  Jahres  ist,  so  liegt  der  Erde)  u.  gehört  entweder   zur  ]/  yä  = 

es  .sc/tr  nahe,    das  Wort  Januarius  ah  eine  urspr.  „i"    (bewegen,   gehen  etc.),    od.  nach 

Weiterbildung   von  janua  anzusehen.     Dass  GO  dem  skr.  paräri,    paraäri    (voriges  Jahr)   zu 


JARIÜ 


141 


JAUELN  JAUERN 


urtheilen  zu  der  ]/  ar  (betoegen,  gehen  etc.), 
toozn  auch  das  goth.  ara,  ahd.  aro  etc.  (Ad- 
ler), loie  unter  adler  ii.  arenrl  ::ii  vergleichen. 

Das  griech.  öra  (Zeit,  ZeitahscJutitl  etc.) 
ivird  gleichfalls  zu  dem  send,  yärc  gchallcn 
u.  loürde  hei  der  Ableitung  von  der  ]/  ar 
(wozu  das  an.  nr  [Jcdir]  ebenso  genau  stimmt, 
toie  das  an.  ar  [Ruder,  aratrinii]  von  ]/  ar) 
anzunehmen  sein,  dass  das  „a"  von  y  ar 
eine  Brechung  zu  ia  (cf.  dieserhalb  jam- 
mern =  an.  amra)  erlitt.  Vom  griech.  öra 
ivird  bekanntlich  auch  das  lat.  liora  (cf.  fir 
u.  tirlösje)  abgeleitet.  Als  Beleqstellen  cf. 
Bopp,  Gramm.  I,  95,  —  II,  210  u.  III, 
SO;  ferner:  Ferd.  Justi,  Uandb.  der 
Zendspr.,  246,  b;  —  Bopp,  Gloss.  comp., 
308  unter  yä;  —  Zeitschr.  für  Völkerpsy- 
chologie von  Lazarus  u.  St  ei  n  thal, 
III,  322  sub  Nr.  17;  —  Pott,  Wurzclwb., 
1,  288  —  u.  II,  77  sub  361,  tvo  eine  Ent- 
stehung der  Form  yar  von  der  y  ar  (be- 
wegen) als  möglich  zugelassen  wird.  cf. 
auch  unter  2  iir  «.  loeiter  Fiel:,  111,213. 

Die  urspr.  Formen  yära  u.  ära  würden 
demnach  entweder  von  ]/  ya  mit  dem  Suf- 
fix ra,  od.  von  der  y  ar  mit  dem  Suffix  a 
weitergebildet  sein. 

jai'ig,  jährig,  einjährig ;  —  dat  word  mor- 
gen jarig,  dat  min  fader  aferläden  is;  — 
volljährig,  grossjährig ;  —  lie  is  jarig  wor- 
den. —  Afries.  jerich,  jerech  etc. 

1.  jarre,  s.  jadde. 

2.  jari'e,  s.  jir. 
jas,  Ueberrock,  namentlich  die  dicke  Jacke 

der  Schiffer  zum  Ueberzichen.  —  Nid.  jas; 
Vbm.  jassen,  einen  lieber  rock  tragen,  mit 
einem  jas  bekleidet  sein;  ferner  auch:  ha- 
sten, j  ag  en,  spielen  (auf  Karten  das 
sog.  jas  /"=  Jage-  od.  Ilasche-Spicl?] -Spiel, 
woher  auch  der  Treff -Bube  als  oberste 
Karte  den  Namen  jas  hat)  etc.  —  Wang.  jask. 
Jasper,  ml.  Name;  Geschln.  Jiniwra.  Ist 
kein  alter  fries.  Name  u.  aus  der  Fremde 
importirt.  —  cf.  nhd.  Kasper  u.  lateini- 
sirtes  Gaspariis. 
I  jasses,jesses,  jeses,  jisses,  jusses  j/.  har-, 
I  od.  liei'-jassos  etc.  Ein  vom.  Namen  J c- 
!  sus,  bz.  von  Herr  Jesus  entlchides  Aus- 
rufsivort,  tcelches  zum  Ausdruck  des  Stau- 
nens, Schreckens  etc.,  als  Hülferuf  etc.,  od. 
auch  als  Beschwörungswort  u.  selbst  zum 
Ausdruck  der  Indignation  u.  des  tiefsten 
Absehens  sehr  (dlgem.ein  gebraucht  wird, 
selbstredend  ohne  dabei  an  den  Herrn  Je- 
sus zu  denken  od.  es  meistens  auch  nur 
im  mindesten  zu  ahnen,  dass  es  davon  od- 
lehnt  ist.  —  cf.  auch  sakkerlot  etc. 

jaueln,  jauern,  laut  schreien  u.  jammern, 
Idagen,  heulen  etc.,  namentlich  auch  von  den 
Katzen  zur  Brunstzeit  gebraucht,  sowie  auch 


von  dem  Heulen  u.  Winseln  der  Hunde. 
Subst.  gejaucl  ti.  jaucle.  —  Scdl.  jauerje ;  nd. 
jaulen.  Dazu,  bz.  zu  idd.  jouvf  (Spottgeschrei, 
bz.  ein  langausgeJtolter  lauter  Schrei  zu 
5  Schimpf  u.  Spott,  Hohngelächtcr) ;  jonwcn 
(schreien,  durch  Schreien  verhöhnen  etc.); 
uitjouwen  (ausspotten,  aushöhnen,  ausschim- 
2>fen  etc.)  etc.  vergl.  bei  Vilmar  (im  hcss. 
Idiotikon)  jö,  joeleken  (vom  lofiüd.  jölen)  u. 

10  krajoelcn,  soicie  das  deutsche  io  in  Mordjo, 
Feuerjo  etc.;  sodann  das  nhd.  johlen  ti. 
nid.  joelen  (vom  lustigen  u.  tollen  Geschrei 
eines  Trunkenen,  bz.  =  laut  schreien  u. 
jauchzen  etc.)  u.  bei  Schm  eil  er  (11,263) 

15  unter  jo-eln.  Zum  nid.  jouw  (s.  oben)  stimmt 
engl,  jaw  (Schimpf,  Spott,  S2)ass,  Scherz 
etc.;  schmähen,  schimpfen  etc.)  u.  zu  unserm 
jauela  das  schtoeiz.  jaulen,  jauren  tc.  engl. 
yawl  (cf.  Pott,   Wurzelwb.  I,  zweite  Abth., 

20  1253),  während  das  Schweiz,  jauscln  unserm 
jöseln  (wehklagen,  jammern,  winseln  etc.) 
entspricht.  Zu  dem  Stamm  jo,  jü  etc.  (als 
lauter,  jubelnder  Schrei  etc. ,  bz.  jiusbruch 
der  Freude  u.  des  Jubels  etc.)   gehört  auch 

25  mhd.  jüwen ,  juwezen  (jauchzen)  u.  nhd. 
jauchzen  =  Schweiz,  juchzen,  juzen  u. 
unser  juchei,  jucheien  etc.,  wa>ig.  jugje  etc. 
u.  nid.  juichen.  Ferner  (von  j6,  jii  etc.  als 
Naturlaut)  ivahrscheinl.  auch  das  lat.  jubi- 

30  Iura  u.  juijilare  etc.  zum  Stamm  jö,  jü,  cf. 
auch  unser  jü,  sjü  etc. 

Was  nun  aber  iveiter  das  Vbm.  jaueln, 
bz.  das  nid.  joelen  «.  nhd.  j ohle n,  bz.  jö- 
len betrifft,   so  bleibt  es  zweifelhaft,  oh  dies 

35  flicht  mit  dem  agerm.  Ju  l,  engl,  jül,  an.  jol 
(Freudenfest  zur  Zeit  der  Sonnenwende  im 
Mitivinter)  zusammenhängt,  ivovon  auch 
Diez  (1 ,  217)  das  ital.  giulivo;  prov., 
afranz.  joli   (fröhlich    etc.)   u.    das    nfranz. 

40  joli,  sjjrt».  juli  (artig,  hübsch),  —  Vbm.: 
afranz.  joliver,  jolier  (sich  freuen,  jubeln 
etc.)  ableitet,  wo  denn  auch  das  Wort  jül 
(in  Julfest)  eine  Weiterbildung  von  Natur- 
lauten jö,  jü  sein  könnte,  falls  es  nicht  mit 

45  unserm  wel  (=^  Rad,  Drehendes)  identisch 
ist,  dessen  verschiedene  Formen  (als  z.  B. 
engl,  wheel,  ags.  hveol  [hueol] ,  nid.  wie! 
[=  uiel,  huiel],  scdl.  wel,  jule,  jöle,  bz.  iule, 
iwle;    an.,    bz.    isl.  hvel,    hiol  etc.    [da   ein 

50  drehendes  Bad  auch  einen  h e u lende n, 
seh  n  u r r  ende n  u.  singende n  Ton  ver- 
ursacht]) auch  wieder  an  einen  Zusammen- 
hang mit  dem  Stamm  von  nhd.  heulen  = 
ahd.  hiuweln,  liiulen  etc.,   nid.  liuilen   (alt: 

55  hwilen),  bz.  unser  Iiülen  (s.  d.)  erinnern  u. 
sonach  die  Anncüime  gestatten,  dass  sowohl 
nid.  joelen  als  liuilen  etc.  mä  den.  obigen 
Formen  von  unserm  wel  (Bad,  Spinnrad 
etc.)    u.    dem  Vbm.  welen    (drehen,   toenden 

60  etc.,  cf.  das  Julfest  cds  S onn  emvende- 


JAUKER  .TAUCnER  142                    JICHTEN  JECHTEN 

Fest)   von    Hause    aus   susammoihänf/oi.  niaken  wat  so  wil ;  —    lätd  ji  hör  tofräden. 

Vergl.  auch  bei  Outzen  die  irr.'^chicdeiir)!  —  Nid.  jij,  gij ;  afries.  i;  at/s.  ge;  as.  gi,  i. 

Formen  unttr  Jiil.  Bopp  glaubt,    dass  die  Staininfii/lbc  yu    (cf. 

jaukPi*.  janclior,  theucr,  hoch  im  Preise  ,jo,  jn  =  euch,  —  Jos,  jus  =  eures)  eine 
etc.;  —  ilat  is  im  to  jaiiker. —  KacJi  Sthf/.  5  Erweichung  von  tu  (=  du)  ist,  wie  in  sei- 
ist es  Judendeutsch.  ner  rergl.   (rramm(di/i,  Bund  II,  1J:}  zu  vcr- 

jjiwal,  jiiwol,  jiiu-ohl ;   —  Spriclnc:  „iii'  gleichen,     ji  ist  anscheinend    eine    ]'erstüm- 

iin   j.i\v;il"  segmn  do  kniniliörnors  all'.  vielung  von.  jis,    lir.  jus,    tcas    im    gotli.  jus 

j«',  ./"  ;  —  ik  kam  ji";   .s.  ja.  erhalten  hlieh,  währenddessen „a"^  im  Deut- 

j(m1(Io,  Scher',  Sj)ass,  Schimpf  etc.  —  Da-  10  sehen  in  „r"  id>crging  u.  so  das  nhd.  ir  (bz. 

rnn  :   ji'dilow  iinl,    Scherz-,    Sjuiss-,  Schim}if-  yr  =  jir)  entstand.     Fs  .so//  aber  jns  ^^  lit. 

Wort  etc.;  —  man  miit  ok  "ii  jodtlewünl  ior-  jus  u.  zend.  ym  ferner  noch  eine    Verstiim- 

Silin,  bz.  fenlragcn  küiion.  —  Fs  ist  ein  mir  niehing  des  ved.  yiismö  sein,  dessen  „s"  ebenso 

sonst  nirgends  rorgckommenes   }\^nrt.  wie   das   aus   .s/r.  ynyäm    entwicJcelte   zend. 

jo^Pn,  s.  jügeii.  15  ynsem  aus  der  skr.  Sgibe  sma  stammt.     Da 

jo^jonen,  s.  jägcnen.  nun  .s//-.  yiismö'  =:  goth.  jus  ist  u.  aus  dem 

jt'^iKM",  s.  jägncr.  skr.  yusmat  (ef.  linpp,  Gloss.  comp.,  314) 

jpl,    .<ichräg,    spdz  u.  scharf,    bz.  winklig  das  aeol.  immes    (aus  usnios)    entstand,    so 

zulaufend;  schräg,  schief,  quer  etc. ;  daher:  erklärt  sich  auch  afries.  iomma,    bz.  jomma 

aferjei ,    überzwerch,    schrägiiber    etc.      cf.  20  (ihr)  u.  iomma  (euer),    wfries.  jiemnio  (ihr) 

poinm.,    rügisch     (Dähnert)    jpüe,     eine  als  die  dem    skr.  yusmö    entsprechende   rol- 

schmale  Landspitze,  tvovon  Jella  nd  als  lere    Form.        Was    nun    ferner    das    .skr. 

Name    der    Landspdze    von    Hiddensee  yusmö  betrifft,  so  steht  es  für  älteres  yn-sma. 

gegen  das  pommersche  Ufer.  .lil»bo.    ml.    Name.     Geschln.   Jibben.     cf. 

Jelle,  ml.  Name.     Geschln.  Jellen  u.  Jel-  25  die  anscheinend  verwandten  Formen :  Jahbo, 

]o!ia.      Weiterbildung  davon:    Jpllrirh,   Jell-  IIio  u.  Ippo. 

rik,  Jell^rk.     Fs  ist  wahrscheinl.  (cf.  .labhn,  j'<'lit,  (rieht,  Rheuma.  —  Mhd.  gibt  (Zu- 

Abbo,  Jibbo)    eine    Nebenform    von  Alle  «.  ckungen,  Krämpfe,  Gicht);   dän.  gigt,  jogt; 

Elle  mit  vorschlagendem  ,.j",  ivie  bei  afries.  sehwed.  gickf.     Da  flöt  (FItiss,  Ixheuma)  von 

jelne  =  eine  (Elle)  n.  jclre  =^  elre   (Erle).  ßO  Hötoii  (ßie.'tsen,  bz.  bewegen  stammt,  so  durfte 

Da  indessen  afries.  ili    (Schwiele)   auch   in  auch  das  mhd.  gibt  (Gicht)    mit   dem    mhd. 

der  Form  ie\  vorkommt,  so  könnte  auch  eine  gibt,  giclit   (Gang,  Bewegung)   von   Hause 

Form    llo,    Illo    (cf.   Forste  mann    unter  aus  identisch  .fein,  zumal  auch  das  sehwed. 

1 1,    wo    er    einen   Zusammenhang    mit  ihiu,  gickt    mit  dem  piräs.  gick    des    Verbums   g;\ 

eilen,    rasch  sein  ii.  metchen  etc.   annimmt)  35  (gehen)  zusammen  zu  hängen  scheint, 

zu  Grunde  liegen.  jiclltoii,  Jccliton,    bekennen,  gestehen;  — 

Nach  Strack  er  Jan    (Jeverl.   Personen-  bö  wil    not  jirbtou.    —    Ahd.  jibten;    mhd. 

namen,  212)    ist  .Tellricb    indes.sen  aus  Atba-  gibtou    (aussagen,  bekennen;   zum  Gesläiid- 

laricb    entstanden,    wie    Allo,    J-lllo,  Ello    u.  iiiss  bringen);  afries.  ]cc.hUi;    tvfries.  jccht- 

Jelle  aus  Atliilo,  Ktbilo.  40  jen  ;    mnid.,    mnd.  giobten.      Daher:   afries. 

jenli^,    locder  zu  gross   u.  dick,   noch  zu  l)ijocbta,  cf.  bichtcn  =^  nhd.  beichten.     Mit 

klein  u.  dünn,  sondern  dem  richtigen,  mass-  afries.    jecbt;     mnd.    gicbt     ((reständniss), 

vollen    Verhältnisse   entsprechend;    leicht  u.  jeclita    (geständig)    u.    dem    sjiätern    ofries. 

zierlich,    hübsch,    nett,  passlieh  etc.;  —  (lat  ji«'btig  (cf.   O.  L.  It.,  pag.  1H5  u.  228),  bz. 

is  so  'n  jentigen  stok,    de    hü  dragt;    —    'n  45  altd.  jibt;  mhd.  gibt  (Aussage,   Geständniss, 

jentigcn  jung  etc.    —    Nid.  joiit    (mnhl.  hei  Bekenntnis.^) ;  ahd.  jilitig,  gibtig;  mli.1.  gili- 

Kil.:   gbont,  jent),    hübseh,    zierlich,    nett.  tic  {aussagend,  geständig  etc.)  vom  ahd.  je- 

Aus  franz.  gont   (joly,  bien  fait,  propre)    u.  bau,  gehan,  jeheu;   mhd.  jebcn,  gobea ;   md. 

mit  gentil  m.  lat.  geutilis  von  lat.  gcns.  Jen  (sagen,  sprechen,  aussagen,  erklären,  ein- 

jt''i)ke,  .s.  jApke.  50  gestehen,  bejahen  etc.)    =    as.   geban,    goan 

ji'ts,  Etwas,  eine  Kleinigkeit.    Es  ist  Ne-  (Präs.  gibu) ;  afries.  ia.  (Ger.  togien;  Präs. 

benform  von  ets,  jedoch    ivie    das  nid.  iets  .7.  Person  ind.  iecbt),  tvovon  Di cz  (I,  207) 

synonym  mit  dem  aus  eowiht  contrahirten  et.  auch  das  ital.  geccliire  (in  aggecchirsi,  sieh 

Jetta ,    ivbl.  Name   =    nhd.   Jette.     Di-  dcmüthigen,  sieh  iintcrwerfen) ;  prov.  gequir, 

min.:  J ettchen.  55  aspan.  jaquir  (überlassen),   acat.  ja(iuir  (cr- 

jeven,  od.  Jewen,  jpworn,  jiwwcrn,  wci-  tauben,  zugestehen)   n.  afranz.  gebir  (gestc- 

nen,  icimmern,  jammern,  ivcinerlich  sprcehen  hen,  .sagen)  etc.  ableitet. 

etc.  Wegen  des  ahd.  jehan,  womit  auch  goth. 

ji  (J'lur.)    ihr.    —    wat  wuld  ji  hu-  don  ?  aikau    (dessen    ai    ebenso   wie   bei  aivs   auf 

—  lätd  ji  Iiiir  mit  hör  geld    un  güd  dün  un  HO  ur.sjir.  „i"  wei.st)  u.  lat.  ajcre  (cf.  Schulze, 


JICHTERN 


143 


JOBENAM  JOBENAMELK 


goth.  Wh.,  pag.  7)  zummmcngeüdll  wird, 
'ist  Weiter  CS  bei  Pott  (III,  730)  zu  ver- 
gleichen, W02U  ich  noch  bemerken  wöehte, 
dass  das  goth.  aikan  in  der  Form  mn 
besten  zu  imserm  iken  =  etlid.  Gihlion  stimmt, 
woran  auch  Pott  an  der  oben  erwähiUoi 
Stelle  denkt  u.  dieses  mit  dem  goth.  aigaii 
(cf.  egon)  verwandt  hält. 
jichteru,  s.  jachtorn,  hz.  jagtoni. 

1.  jichti^,  gichtig,,  mit  Gicht  bcliaflet. 
Zu  jicht. 

2.  jichti^  (obs.?),  gestündig  etc.;  s.  unter 
jichten. 

jichts ;  /.  q.  ichts ;  .9.  hinter  icht. 

jid,  jit  od.  jith  (Plur.  jiddon,  jitton)  ein 
kurzer,  einspuriger  Fahrweg  nach  dem 
Deich  hinauf;  —  dat  jid  is  so  utfaren,  dat 
man  d'r  hast  mit  gen  för  stro  nier  bi  de  dik 
npfaren  diird.  —  Es  ist  von  Ilausc  ans  das- 
selbe Wort  wie  das  afries.  jet,  joth  n.  un- 
ser jetziges  gat  (Loch,  Riss,  Spalt,  Oeffnung, 
Durchbrach,  enger  Gang  etc.)  u.  dort  das 
Nähere  weiter  zu  vergleichen. 

Bestätigt  tvird  dies: 

a)  durch  das  von  Cad.  Müller  ange- 
führte jidden  für  die  Löcher  im  Herde  u. 
Schornstein,  loelche  auch  stipgaten  genannt 
wurden  u.  ivorin  angeblich  in  uralter  Zeit 
kleine  Götterbilder  (Herd- Gölter,  Laren)  ge- 
standen haben  sollen  u. 

b)  durch  das  mit  nnscrm.  brot  (Bruch,, 
Bruchstücke)  unmittelbar  verioandte  an.  braut, 
was  allgemdn  in  der  Bedtg.:  Weg,  Fahr- 
strasse etc.  gebraucht  uiurdc,  urspr.  in- 
d^essen  die  Bedig. :  B r  u c h,  D u r  chbrnc h, 
Biss,  Spalt  (fracta,  rupta)  etc.  hatte,  wie 
auch  unser  gat  (Loch,  Riss,  Spalt)  das 
Stammwort  von  dem  nhd.  G  a  s  s  e  ist.  cf. 
dieserhalb  auch  das  franz.  route  aus  tat.  riipta, 
ioovon  auch  unser  rött,  bz.  nhd.  Rott,  Rotte. 

jid  od.  jidde,  ein  Ijcindmass,  etwa  ^.U  Die- 
matJi.  haltend.  Vielleicht  urs2)r.  dasselbe 
Wort  ivie  das  vorige  u.  dann  wohl  eine n 
Thei l,  bz.  ein  Bruchstück  (vom  Grd- 
begriff:  brechen,  spalten,  aus-  u.  von  einan- 
der gehen  od.  machen,  reissen  etc.)  eines 
grösseren  Jjandcomplexes  od.  eines  Hofes 
bedeutend. 

jidder,  s.  jüdder. 

jikker,  jikkerd,  jikkcl,  eine  kurze  Manns- 
jacke, ohne  Schösse.  Es  ivird  ein  Diminu- 
tiv von  jak  (Jacke)  sein.  Wegen  des  „i" 
vergleiche  das  folgende  : 

jikkern.  in  kurzem,  raschem  Trabe  fah- 
ren, bz.  jagen.  —  Nd.  jakkern  ;  nid.  jakken. 
Es  ist  ebenso  wie  jachtern,  jichtern  etc.  ein 
Freq.  von  jagen  tt.  gebraucht  man  hier  statt 
dessen  auch  das  redupdicirte  jik-jakken.  cf. 
auch  das  hess.  jackern  (Vilmar)  =  schnell 
reiten  u.  fahren. 


Jinnno,  ml.  Name.  Geschln.  .Timmen.  — ■ 
Wohl  mit  vorschlagendem  „j"    ans  Imme. 

Jili,  ^"in,  od.  (nach  Stbg.)  jilin,  ein  Tau 
zum,  Heben,  bz.  Aufziehen  schiverer 
5  Lasten;  ein  schioeres  Takel-,  od.  Hebezeug. 
■ —  Nid.  gijn;  nd.  gien  (cf.  Bobrik  unter 
Ginn);  schiccd.  gm;  dän.  gie.  Es  ist  ivohl 
connex  mit  dem  engl,  gin  (Maschine ,  Ge- 
triebe,   Triebwerk,    Rammgcrüst ,    Hebcma- 

10  schine.   Winde,  Hebezeug;  Schlinge,  Strick, 
L'cdlstrick,  Sprenkel),    sowie   mit    dem  engl. 
angine   (Maschine,  Kunstgezcug ,    Kunstge- 
triebe etc.),  was  sich  von  ingenium  herschreibt. 
jip,  s.  gtp.^ 

15      jipf^ii,  s.  gipen. 

Jire,  jirre,  jir  a.  (seltener)  l&.vv^,,  Jauche, 
Mistlake,  Gülle;  überhaupt  jede  .stinkende, 
faulige,  schmutz igbr au ne  Flüssigkeit.  —  Nid. 
gier  M.  mdartl.   (in  Groningen)    auch:   jire, 

20  jere ;  afries.  jere,  gere ;  satl.  jere.  Mit  engl. 
göre  (Schnmtz,  Koth,  Schlamm) ;  ags.  gor 
(fimns,  lutum,  coenum) ;  ahd.  gor  (Mist) , 
mnd.  (Seh.  u.  L.)  gare,  göre,  gorre;  an. 
gor  (excrementum  intestinorum);  ')iorw.  gjorja, 

25  gyrja  (Schlamm,  Dreck  etc.)  etc.  zum  Vbm. 
gären  (=  nhd.  gähren ;  mhd.  geren ;  ahd. 
jesan,  gesan)  m.  sonach  urspr.  eine  in  Ver- 
wesung, bz.  in  Gährung  übergegangene 
übelriechende  Flüssigkeit,  bz.  Masse 

30  bedeutend,  tvie  ja  bekanntlich  jede  gährende 
Masse  einen  scharfen,  stinkenden  Geruch 
hervorbringt,  bz.  einen  den  Geruchssinn  affi- 
cirenden,  riechbaren  Dunst  erzeugt.  Dieser- 
halb gehört  auch  unser  göre  (nid.  genr,  älter 

35  göre),  Dunst,  Duft,  ivürziger  Dunst,  bz.  das, 
was  die  Nase  reizt  u.  prickelt  etc.  zweifel- 
los ebensowohl  zu  gären,  wie  die  Wörter: 
gest,  gas  etc.,  tcorüber  auch  Pott  (II,  zweite 
Abth.,  pag.  45.3)    unter    der  J/  yas    zu  ver- 

40  gleichen  ist. 

jir-dobhe,  Jauche-Grube;  —  jlr-slot,  Jauche- 
Graben,  bz.  Abzugsgraben  für  Jauche  n. 
fauliges,  schmutziges  Wasser;  —  jir-tocht, 
jir-tog,    Jauche-Abzug,     cf.    afries.  jerenge, 

45  Jauche  -  Abzug,  Kloake  etc.,  u.  jertocht, 
Schlamm-,  bz.  Jauche-Abzug. 

jis;   i.  q.  jichts;   —   wen  't  jis  is,   wenn 
es  irgend  ist,  bz.  geht. 
jivvern,  jiwwern ;  i.  q.  jcwern ;  s.  jrven. 

50  1.  jo,  od.  j»;  i.  g.  ja;  —  du  must  mi  d'r 
jö  net  bi  kamen ;  —  du  must  dat  jö  un  j6 
net  wer  dön. 

2.  jo,  od.  jö,  euch,  euer;  Jos,  eures;  — 
dat  hörd  jo,   das  gehört  euch;  —   jö  fadei-, 

55  euer  Vater;  —  dat  is  Jos,  das  ist  eures. 
Statt  jo  ist  in  einigen  Gegenden  auch  ju 
gebräuchlich.  —  Nid.  u  (euch),  uw  (euer), 
uws  (eures);  nid.  ü ;  mhd.  iu;  afries.  in,  ju 
(euch) ;  iuwe,  juwe  (euer) ;  s.  unter  ji. 

60     jobenäm,  jobenanielk ,  jobenämd,  joge- 


JOEBKE  JEBKE 


144 


JOK 


niiud.  jonfini,  joiiänul.  jonamelk,  haupt- 
sächlich, ror-itgswci.^c,  licsondcrs,  vorzüglich; 
—  dat  geldt  alle,  man  jobenäm  jo,  (Ins  gilt 
Allen,  vor:Hgsicci.<c  aber  Euch ;  —  dat  kau 
ik  not  langer  llden  (hz.  dulden) ,  jobonani, 
wen  dat  noch  mer  fiirkumd ;  —  jogonänid 
sük  nu")i  göd,  besonders  solch  schönes  Zeug. 
Wahrscheinlich  cun  1.  jo  =  ja  u.  benämd 
etc.  =  benannt,  genannt,  gekennzeichnet, 
hz.  ah  ein  Besonderes  aus  dem  Allgemeinen 
hcreorgehoben  =  xcas  n  a  m  h  aft  od.  n  a- 
m entlich  gemacht  ist.  Dies  geht  beson- 
ders auch  noch  daraus  hervor,  dass  ivir 
auch  sagen :  dat  is  jonamolk  jö  schuld  (d(ts 
/."?<  haujjtsächlich  [besonders ,  vorzugsweise 
etc.]  eure  Schuld),  wo  es  deutlich  für  das 
deutliche  namentlich  (was  auch  in  der 
Bedtg.:  hauptsächlich,  besonders  etc.  ge- 
hrnucJit  u-inl)  .•<telit. 

Juliko,  Jeltkc.  od.  Jopke.  jepko,  Ificfe, 
Hagebutte:  Hagedorn-Beere :  daher:  jähke- 
appel,  od.  auch  blos  jflhkc  (rode  ji^hkes), 
der  IJiefen-Apfel :  —  jepker  -  dorn,  icilde 
Hundsrose,  bz.  Hiefen-Durn.  —  Die  Hage- 
dorn -Beere  heisst  sonst  auch  bei  u)is  wibke, 
wipke,  wifke,  woher:  liiigewipkc  (wörtl.  Dom- 
Beere,  cf.  Hage-Butte)  u.  hatreldürn-wit'ivC 
(Hagedorn-Beere).  —  Die  Formen  jöbke  etc. 
u.  wihke  etc.  sind  Diminutive  von  obs.  j^Uie, 
jebe,  jepc,  wlbe,  wipe  etc.  v.  hängen  diese 
(cf.  der  Formwandlungen  wegen  auch  unter 
wöl)  ebenso  wie  das  nhd.  Wiepe  u.  Hicfe 
mit  dem  ahd.  hiiifo,  hiafo;  mhd.  \\\Gic  (Dorn- 
strauch) =  as.  hiopo  zusammen,  wovon  ahd. 
hiufaltar,  hiciihalter,  hiefaltra  (Hagebutten- 
.•^trauch  od.  Hageltutloibaum)  eine  Weiter- 
bildung (die  Endung  ter,  tar,  tra  ist  =  un- 
serm  tre  v.  ahd.  trin ,  Baum)  ist,  sowie 
loahrscheinlich  auch  das  ahd.  liiufila;  mhd. 
liiufel ,  liiifel  etc.  mit  der  Bedtg. :  Wange, 
Backe,  tveibl.  Brust.  —  Die  Formen  jepkc, 
jöpkc  (jepe-ke)  u.  namentlich  das  nid.  jöp 
(HieJ'e),  jopen-appel,  Hiefenapfel  entstanden 
durch  Aphaeresis  od.  Abfall  des  „h"  von 
hiopo,  icährend  wipke,  bz.  wlpe  =  (dtes 
uipe  auch  des  anlautenden  „h"  (wie  nhd. 
wer  aus  hwer,  cf.  wel  ^=  wer)  verlustig 
ging  it.  also  für  liiiipe  od.  hwipe,  Inpo  (cf. 
ahd.  sorga ,  sworga ,  suorg  i  ^^  nhd.  Sorge) 
=  hochdeutsch  Hicfe  steht. 

y.'s  bleibt  fraglich,  ob  in  dem  ahd.  liiufo 
die  Bedtg. :  D  or  n,  S tachel,  bz.  S te ch r  n- 
d e s,  Sp  itzcs,  Vorragendes  etc.  (ef.  bei 
Vilmar  das  hess.  habe,  hebe,  hiebe,  liiepc 
=  Granne,  Dorn  etc.)  liegt,  od.  ob  es  urspr. 
nur  auf  die  Butte  (in  11  ag e- Butte)  od. 
Frucht  des  Dornstrauchs  n.  der  loilden 
Böse  bezogen  tourdc,  in  welch  letzterem  Fall 
es  ebenso  wie  Butte  ein  dick  es  Et  was, 
hz.  einen  Klumpen    licdeutcn    u.  mit  dem 


ahd.  lu'ifo  (Haufen,  Klumpen  etc.)  ==  un- 
serm  hup,  Iiopen  =  ags.  heopo,  engl,  heap, 
hep  etc.  zusammenhängen  könnte,  worauf 
auch  ahd.  hinfila,  hütila  (Backe,  Wange  etc. 
5  =  dickes,  rundes  Etwas)  zu  deuten  scheint. 
Da  indessen  ein  rundes  Etwas  auch 
eine  Erhöhung,  ein  Gipfel,  bz.  eine 
Vorragung  etc.  u.  auch  ein  Haufe 
dasselbe  ist,   so   könnten   die  Wörter  hiut'o, 

10  hiufila  u.  iiufo  sinnlic?i  auf  die  Bedtg. : 
hoch,  vorragend  (u.  so  auch  spitz 
etc.),  r  ti  n  d,  vorstehe  n  d,  d  i  c  k,  D  i  c  k  e  s, 
Klumpen  etc.  zurückgehen  n.  ist  Weiteres 
linier  höp  (Häuf,  Haufen  etc.)  zu  vergleichen. 

15       .loclioin,  .lofoii,  ml.  Name  =  Joa  ch  im, 
entstanden  aus  dem  hebräischen  Jo-jakim  od. 
Jeho-jakim,  (/.  h.  Jchov ah  od.  Gott  r i eil- 
tet auf.     cf.  Jan. 
jfWle,  Jude:  —  Nid.  jood.     Schcrzh.  Be- 

20  densart:  „de  jod'  \<.\  de  pot  linden  od.  heb- 
ben",  für :  kei)i  Fleisch  im  Topf  finden,  od. 
haben.  —  Sprichir. :  't  geid  huin  as  de  jo- 
den !  de  fragen  altid  na  't  kündige  päd  ;  — 
twe  jriden  weten  wat  en  bril  kost;  —  „min 

25  herren  't  geld  un  ik  de  slage,"  sä'  de  jode; 

—  „waracbtig,"  segd  de  jfkl',  den  lügt  he 
am  dülsten;  —  dat  kan  gen  jod'  laten,  — 
Schcrzh.  heisst  der  Teufel  auch:  de  oldc 
jode. 

30  joden-lifis,  dudenhaus.  —  Sprichw. :  he 
kumd  dar  pass,  as  'n  niutte  (Mutlerschwein) 
in  't  juilenhü«. 

jödon-nii^'olhült,  auch  liitje  (lüttik,  lütk) 
nai^elholt,  das  dicke  Fleich  vom   Vorder- 

35  Schenkel  eines  Biniles.  So  genannt,  iveil  die 
Juden  das  nagelholt  vom  Jli  n  ter  schenket 
nicht  essen  dürfen,  weil  der  Erzvater  Ja- 
cob sich  im  Bingen  mit  dem  Heim  die 
Hüfte  verrenkte. 

40  joilen-scholc,  Judenschule.  — Bedensart : 
't  geid  d'r  her,  as  in  'n  jodenschole. 

jödou-sele,   Judenseele.  —  Bedensart:  he 
is  ferköfd  (od.  ferloren),  as  'n  jridensele. 
jodsk,  jüdisch,  hebräisch ;  fremdartig,  son- 

45  derbar,  unverständlich ,  kauderwälsch ;  — 
dat  sügt  nii  so  jodsk  nt;  —  't  is  jo  'n  jruls- 
ken  pro  ter. 

Jo^d,  Jugend  ;  jugendliches  Lebensalter ; 
jugendliche,  uncrirachsene  Menschen;  —  in 

50  nun  jTigd;  —  jogd  hed  (od.  kend)  gin  dfigd. 

—  Nid.  jeugd;  mnld.  joechd;  ags.  geogodh, 
giogodh,  jiigodh,  jiiguth ;  engl,  yonth ;  as. 
jngiith,  jiigudh;  ahd.  jiigniid,  jiigent  «.  jun- 
gmid,  jungend ;    mhd.   jugent.      G oth.  jimda, 

55  (statt  jüliiida,  juhiidaV) 

Die  Stämme  geog,  jng  etc.  sind  mit  Aus- 
fall des  Nasals  „n"  aus  geong,  jung  etc. 
contrahirt  u.  ist  Weiteres  unter  j'mik  n. 
junge  zu  ersehen. 

00      j'dv,    Scherz,    Kurzweil,    Ju.r;     Di  min. 


JOEK 


145 


JÜ 


jokje ;  —  jokjes  drifen ,  hz.  maken.  —  Mit 
nid.  jok  lt.  nhd.  Jux  aus  lat.  jocus,  tvovoti 
joculor,  jocularius  u.  hicvoii  iveiter :  itul. 
giocolaro,  giullaro  (Gauläer ,  Spiclmann). 
Ferner:  ital.  giocolatore;  afranz.  jogloor ; 
nfranz.  Jongleur  von  lat.  joculator;  pic. 
jougler  von  jociilari.  Wajoi  jocus  etc.  cf. 
Pott,  I,  zweite  Ahth. ,  paij.  015  u.  III, 
212,  sowie  auch  Fiele,  II,  201. 

jSk,  Jüchen,  prickelnder,  stechender 
Schmerz,  wofür  ivir  sonst  auch  bit  (Bcis- 
sen)  gebrauchen ;  —  ik  heb'  so  'u  jök  in  de 
hüd;  —  ferner  überhaupt:  Prickel,  Beiz, 
Sinnenreiz,  Lüsternheit  etc. ;  —  he  hcd  d'r 
so  'n  jök  ua ;  —  se  hed  so  'n  jök,  sie  ist 
sehr  lüstern  (von  lüollüstigen,  geilen,  Frauen- 
zimmern). Auch  nd.  jök ;  nid.  jeuk.  cf. 
jöken. 

jökol,  ein  zapfen-  od.  hegelförmi- 
ges,  spitz  zulaufendes  Etwas.  Nur  in 
is-j8kel,  Eiszapfen,  der  im  nid.  ijskegel,  mnd. 
iskekel,  iskegel  genannt  wird.  Verg.  weiter: 
hdlp.,  fries.  jokliug  (Eisberg,  Eiskegel  etc., 
Flur,  joklingen  =  die  von  der  Fluth  an  der 
Meeresküste  auf gethür inten  Eisberge,  bz.  zu- 
sammen  geschobenen  Eisschollen,  die  dann 
meist  schräg  gegen  einander  aufgethürmt 
sind);  an.  jökull,  jökulls  (Eisberg,  Eiske- 
gel) ;  wang.  j  ukel  (in  is-j  ukel ,  Eiszapfen) ; 
dithm.  Jäkel  (in  ys-jäkel) ;  mnd.  jokele;  nd. 
oekel,  is-oekel  ("c/.  S chütze) ;  nfries.  (Out- 
sen)  jöckel  u.  jögel  (Föhr)  jael  (aifs  jaekel 
od.  jägel  contrahirt),  während  auf  den  nord- 
fries.  Halligen  ägel ;  engl,  icle  (in  ice-icle, 
Eis-zax)fen) ;  ags.  gicel  u.  auch  wohl  nd. 
hekel  (s.  Br.  Wb.)  aus  derselben  Grdform 
(s.  unten)  entstanden.  Weiteres  cf.  bei  Outzen 
unter  jöckel  u.  bei  v.  Bichthofen  im 
afries.  Wb.  unter  itsil  (aus  ikil,  ivie  britsa 
aus  brika;  —  tsereke  mts  kerke  etc.),  welch 
Letzterer  dort  nicht  allein  das  mnd.-fries. 
jöckel,  sondern  auch  das  ahd.  ecchil,  ecchel 
etc.  (acuale,  chalybs)  anzieht,  was  indessen 
ivohl  unverioandt  ist.  —  jökel,  bz.  ags.  gi- 
cel, engl,  icel  (cf.  Pott,  II,  zweite  Abth., 
ptag.  497  unten  die  Note)  ist  connex  mit 
zend.  igi;  ^jors.  jah;  npers.  yakh;  kurd. 
yekh;  süd.-osset.  ikh  (Eis,  cf.  is)  u.  ferner 
mit  lit.  iza.s  (Eisscholle ;  Gru)ideis) ;  air.  aig 
(Eis);  an.  jaki  (Eisstück)  etc.  u.  stellt  Fiele 
(II j,  31)  für  jökel  etc.  ein  Tliema  ikula  auf. 

ji)ken,  jucken,  heissen,  prickeln,  stechen; 
Beiz  fühlen,  begierig  u.  lüstern  sein  etc. ;  — ■ 
de  pukkel  (od.  sin  rügg')  jokt  (od.  bitt)  hum ; 
—  menmg  en  krabd  sük,  war  't  hum  net 
jökd;  —  de  oren  jöken  hum,  die  Ohren 
jucken  ihm  —  u.  auch:  er  ist  lüstern  nach 
Neuigkeiten.  Auch  subst.  das  Jucken, 
statt  dessen  wir  auch  jökte  (ik  heb  so  'n 
jökte  afer  't  läfen)  gebrauchen.  —  Mnd.  jo- 

J.  ten  Doornkaat  Koolman.    Wörterbuch.    II. 


ken;   nid.  jeuken,  jokcn ;   ahd.  juchan,  juc- 
chan,  Jüchen,  jucken;  mhd.  jucken. 

Da  der  Grdbegriff:  stechen,  stacheln, 
reizen  etc.  ist,  so  könnte  e.s- hu'^  jökel  viel- 
5  leicht  connex  sein,  sofern  es  als  wahrschein- 
lich angenommen  toerdcn  darf,  dass  der 
Stamm  juk  od.  iuk  aus  urspr.  ik  od.  ik  ge- 
brochen wurde,  loie  z.  B.  vdtd.  siuwcn  aus 
ahd.  siwan  entstand,     cf.  dieserhalb  auch  hei 

10  Outzen  unter  jöckel. 
jokje,  s.  jok. 

jop,  Joppe,  Joppe,  Jacke.  —  Mlid.  joppe 
u.  gippe.  Weitere  Formen  cf.  bei  Adelung 
unter  Jope.     Nach  Diez  (cf.  I,  21G)  mit 

15  ital.  giubba  etc.  ii.  franz.  jupe  ans  dem  arab. 
algubbah,  algobbah  (baumwollenes  Unter- 
kleid), wovon  auch  das  span.  chupa  (Jacke, 
Weste),  ital.  cioppa  (langes  weibl.  Oberkleid) 
u.  das  deutsche  Schauhe  (früher  schüba) 

20  stammen  soll. 

jopke,  s.  jobke. 
Jos,  eures;  s.  unter  2  jo. 
JÖselii,  winseln,  wimmern,  loehklagen,  toei- 
nerlich  sprechen  etc.;  —  de  hund  jöseld;  — 

25  dat  kind  deid  niks  as  jöselu  ;  —  daher:  jö- 
sele  II.  gejösel,  Gewinsel,  klägliches  Geschrei 
etc. ;  —  hold  dat  gejösel  nog  net  bold  up  ? 
man  kau  't  je  hei  net  langer  in  d'  ören  üt- 
holden.     cf.  jauelu,  jötei'n,  sjöteru  etc.  u.  bei 

30  Pott  (I,  zweite  Abth.,  1253)  das  Schweiz. 
jauseln  unter  326. 

jiJsen,  sudeln,  manischen,  schmieren,  be- 
sudeln; etwas  auf  unordentliche  u.  unrein- 
liche Art   (z.  B.  Speisen)   bereiten   etc.;  — 

35  de  kükske  j8sd  't  wat  toregt,  um  d'r  man  gau 

of  to  kamen ;  —  de  kiuder  jöseu  sük  so  to, 

die  Kinder  besudeln  sich  so.    Vergl.  iveiter : 

jösig,  jnsig,  schmutzig,  sudelig,    unrein, 

schmierig,    unordentlich  etc. ;   —    dat  sucht 

40  hir  so  jösig  ut.  —  Wenn  jösen  nicht  mit 
ahd.  gor  (Dreck  etc.,  cf.  unter  jire)  von  je- 
san  stammt,  so  könnte  es  (mit  vorgeschlage- 
nem „j",  cf.  jüdder  etc.)  eine  Nebenform  von 
Ösen,  ösig  etc.  sein.      Da   indessen  der  Be- 

ib  griff  des  unordentlichen  Machens 
etc.  auch  aus  dem  des  durch  e  i  n  an  de  r 
Machens  u.  Bührens  erfolgt  u.  auch 
m  an  t  sehen  =  du  r  che  i  n  and  e  r  r  ü  h- 
ren  u.  mischen  ist,   so   hat  es  auch  viel 

50  für  sich,  dieses  Wort  mit  dem  nfries.  jaske, 
juske  — jusk,  jask (cf.  bei  Outz  e  n)  u. unserm 
jüchel,!  juks  etc.  auf  diel/  yu?  y^ig  (verbin- 
den, zusammen  machen  u.  rühren,mischen  etc.) 
zurückzuführen,  worüber  bei  Pott  (I,  zweite 

55  Abth.  1233  u.  Ill,  579)  das  Weitere  zu  ver- 
gleichen ist  u.  wozu  auch  das  skr.  jusa,  bz. 
yusa  (Brühe,  Suppe  etc.,  cf.  juchel  u.  1  juks) 
gehört. 
jötern ;  i.  q.  sjotern  u.  sjantern. 

60      ju ;  i.  2-  2  jo  =  euch. 

10 


Jü  JUE 


146 


JUEFFER 


jü,  jü,  sju,  ksjil.  tjü.  Iiii,  vcrfichicdciic 
Interjectioncn  zum  Japen,  Treiben,  Vertrei- 
ben etc.,  bz.  um  zu  scheuchen  od.  verscheu- 
chen mit  der  Bedtg.:  xoeg,  fort,  marsch, 
vor  10 ä r t .s  etc. :  —  jü  (od.  hü,  tjü)  priil ! 
vorwärts  Pferd;  —  tjü  tos!  —  de  röpil  um 
ksjü  (od.  sju) !  mend  d'  hönor  all',  d.  h.  loer 
sjü  etc.  ruft,  macht  keine  Ausnahme,  z.  B. 
im  Aufjagen  od.  Antreiben  u.  Anspornen 
eines  ruhenden  u.  lässigen  Arbeiter-Haufens, 
XDorunter  vielleicht  einige  ßeissigcrc  sich  be- 
finden, cf.  jap  etc.  M.  bei  Vilmar  (pag. 
1S3)  jü,  7nhd.  schü  als  Interjection  zum  Ver- 
scheuchen. 

jnbbern  (Jobbern),  wuchern  ;  —  hö  juliberd 
mit  annor  nians  seid.  Das  auch  ins  Deutsche 
eingedrungene  oigl.  Jobber  (=  Lolinurbeitcr, 
Tagelöhner,  Handlanger,  Marklhclfrr ;  Un- 
ternehmer im  Kleifioi ,  Mäkler,  XVuchcrcr, 
woher:  stok-jobber  ^  Acticn- Händler,  Ac- 
tien-Krämer  od.  Wucherer)  leitet  sich  ah  von 
engl.  Job ,  was  eine  unbedeutende,  niedrige 
Lohnarbeit  bezeichnet. 

jiiclio.  jiicliPl,  Brühe,  Suppe;  —  jüch  iin 
hiidels,  Gänse-  od.  Schioeinc-Brilhe  mit  Klüs- 
scn ;  —  flesk-jüclie,  Fleisch-Brühe;  —  na- 
mentlich eine  dünne,  kraftlose  Brühe,  schlaffe 
wä-ssrige  Suppe,  od.  durch  einander  gemisch- 
tes od.  zusammen  gemanschtes  wässeriges  u. 
kraftloses  Essen,  3Iisch-Masch  etc.;  —  so 
'n  jüchcl  (od.  gejücliel,  jüchele,  jüclielkräm) 
mag  'k  net.     Davon: 

jiiclieln,  mantschen,  mischen,  zusammen 
rühren,  schmieren  etc.;  —  se  jücheld  gau 
wat  toregt;  —  se  jücheld  't  all  dör  'n  ander. 
—  ]\Iit  mnd.  juche;  icang.  jüch  (Brühe, 
Suppe)  u.  unser m  1  juks,  sowie  ahd.  jussal, 
jussol;  mhd.  jussel  (Brühe;  spät-lat.  juscel- 
lum)  11.  nhd.  Jauche  (Brühe  etc.,  Mist- 
Jauche  =  Mist-Brühe)  u.  skr.  jusa,  yusa 
(Brühe,  Suppe)  zur  ]/  yu,  yug  (verbinden, 
vereinigen,  zusammen  machen,  mischen  etc.), 
wie  unter  jösen,  jösig  zu  vergleichen  ist  u. 
wozu  auch  jük  (Joch,  Verbindung,  Gespann 
etc.)  gehört,  cf.  dieserhalb  Pott,  I,  zweite 
Abth.,  pag.  1232  u.  1234. 

jiichhoi,  jachhe,  laute,  lärmende  Freude, 
lauter  Freuden-Ausbruch  od.  Freuden-Tu- 
mult, lauter  Jubel;  —  wat  hebben  so  dar 
für  'n  juchhei;  —  he  mäkd  d'r  so  'n  juchhe 
(grosses  Aufheben,  od.  viel  lArm  u.  Ge- 
schrei) fau.  —  juch  ist  der  Stamm  von  ja- 
chen, juchzen  (jauchzen,  ef.  jaueln)  u.  hei 
=  1  hei  mit  der  Bedtg.:  hoch,  freudig,  er- 
regt etc.     Davon: 

Jüchheien,  sich  laut  u.  lärmend  freuen, 
laut  singen  u.  schreien,  ein  lautes,  lärmen- 
des, frohes,  lustiges  u.  wüstes  Leben  führen, 
jubeln  etc.;  —  he  juchheied  wat  herum;  — 
he  hed  sin  geld  un  god  all'  ferjuchheid,   er 


hat  sein  Geld  u.  Gut  verjubelt,  bz.  lustig 
durchgebracht. 

jüchjach ;  /.  q.  jüche. 

juchtoni.  jiii'htPi'ii,  sich  schilkenid,  Spie- 
re Icnd  u.  neckend  u)nherlreiben ,  sich  necken. 
Daher:  gej achter  (von  spielenden  u.  sich 
Jagenden  u.  neckenden  Kindern  etc.).  Es 
ist  eine  Nebenform  von  jachtern ,  doch  ist 
dabei  anscheinend  bei  der  Bildung  des  Wor- 
10  tes  auch  an  jüchheien,  ?>^.  Jüchen  etc.  gedacht. 

jüddor,  jidder,  jadder.  Euter  (von  Kühen 
u.  Schafen).  —  Itäthscl:  tüsken  twe  Schin- 
ken steid  'n  bül  mit  för  tinken ;  wo  stram- 
mer se  stän,  wo  lefer  de  wichter  därna  g;'in. 
15  —  Ahd.  ütar;  mhd.  ftfer,  iuter,  wonach  un- 
ser J"  in  jüdder  etc.  ebenso  wie  das  J" 
in  nhd.  Jemand  aus  „i"  (cf.  emaiul)  ent- 
stand u.  „iu"    eine  Brechung    aus  „ü"  ist. 

—  Mnld.  (KU.)  üder,  nyder,  huyder,  wder, 
20  wr  (=  ür  als  Contraction  von  üder)  u.  uro, 

ore;  mnld.  uijer,  uior  (."ytatt  \\u\or)\  pomm. 
(Dähnert)  ueder;  ags.  üder;  engl,  ndder; 
afries.  üder  u.  wahrsc'heinl.  auch  aider  (cf. 
bei    V.    R icht h  of  c n  ,    afries.   Wb. ,    unter 

25  aiderlam) ;  nfries.  jüdder,  jidder,  jader  u. 
ander;  «t/zvcs.  jaddcrjaer;  Srt^/.  jadder;  toang. 
jedder;  nd.  (Schambach)  gidder;  finn. 
ütare;  griech.  oathar;  skr.  üdluis,  bz.  üdhar, 
üdhan.     Ferner:  an.  jügr,  jür;  norw.  jnvcr; 

30  dän.  yvcr;  schiced.  jufwer,  jar;  lat.  aber. 
Da   das   lat.  über   sowohl  der  Name  für 
Euter  ist,  als  auch  die  Bedtg.:  frucht- 
bar, er  g  i  ebig,  au  sg  i  ebig,  ü  b  e  rf  1  ü  s- 
sig,   bz.  übe r fliessend  etc.   hat   u.  der 

35  Euter  das  Ausgiebige,  bz.  von  Milch 
Ueberf liessende  etc.  od.  auch  das  ist, 
wo ra its  die  Milch  fliesst  u.  he r vor- 
quillt 11.  also  ein  Born  od.  eine  Quelle 
der  Milch  genannt  werden   kann,    so   liegt 

40  es  sehr  nahe,  das  alte  üder,  nter  etc.  mit 
dem  griech.  udor;  skr.  üdan  (Wasser,  als 
qu  eilendes  u.  hervorsprudelndes  Etwas) ; 
lat.  unda  (Woge  od.  Welle  =  wellendes, 
wallendes,  aufstossendes,  pulsirendes  Etwas, 

45  lüie  unser  welle  [Brunnen,  Quelle]  u.  nhd. 
Welle  mit  wallen  =  kochen,  aufweUen, 
aufstossen  etc.  verwandt  ist)  etc.  zusammen 
zu  stellen,  dessen  y  ad,  bz.  vad  (d.  i.  aad) 
eben  auch   in   unserm  water  =  ahd.  wazar 

50  (Wasser)  u.  im  afries.  aed,  aeet  (nas.s)  steckt. 
Ben  feg  (cf.  Skr.  Dict.,  133  unter  üdhar) 
glaubt,  dass  für  das  skr.  üdhan  eine  Grd- 
fnrm  vad-dhant  anzusetzen  ist,  was  ich  da- 
hin gestellt  sein  lasse. 

55  jürter,  Jungfer,  Jungfrau;  —  Sprichw.: 
,,is  de  fiiiger  beringd,  is  de  jüffer  bedingd"; 

—  Compos.  winkel-jütt'er,  Jjaden- Jungfer.  — 
Nid.  juffer.  Im  nid.  u.  auch  hier  wird  ein 
schlanker,  dünner  Mast,  od.  eine  Spiere 

60  auch  jüflfer  genannt,  iceil  dazu  ein  schlau- 


I 


JUEFFERKE         147         JUEL  JUELLE 

her,  jung  fr  äuli  eher   Baum  venvcndet  von;  essen  (=  fassen,  nehmen  zu  sich  etc.) 

wird.  —  jüffer  ist  aus  dem  deutschen  Jung-  entwickelte. 

fer   u.   dieses  aus  Jungfrau  entstanden,  Wegen  der  y  yu,   yug   cf.  jüchc,    1  juks 
wofür  wir  auch  in  gleicher  Weise  das  nid.  u.  ferner  Pott,   II,  579   seq.  u.  I,  zioeite 
juffrouw  in  der  Form  jüffrö    (doch   nur  als  5  Ahth.,  pag.  1228  bis  1252,   auf  ivelch    letz- 
Benennung  der  Frau  eines  angesehenen  Bür-  terer  pagina  auch   das  suh  ,325   angeführte 
gers  od.  des  Domine's  od.  Pastoren)  adoptirt  lat.  juvare  sich  leicht  von  der  y  yu  in  der 
haben,  ivährend  tvir  unter iiingfrd  nicJit  eine  Bedtg.:     halten,    greifen   etc.    ableiten 
Jungfer  od.  Jungfrau   im  nhd.  Sinn,  lässt,  da  eben  die  Bedtg.:  helfen,  unter- 
sondern eine  Junge  verhcir athet  e  Frau  10  stützen  etc.    sich   ganz   von  selbst  tvieder 
verstehen.  aus  der  von:  greifen,  halten,  stützen, 
jüfferke,    Jüngferchen.  —   Ndrhein,  jun-  tragen  etc.  ergiebt.     Ver  gl.  auch  bei  Fiele 
ferchin.      Auch   die   Blume :    saxifraga   um-  (I,  184)  y  2  u.  3  yu,  toegen  der  Grdbdtg. : 
brosa  ivird  hier  jüfferke  od.  mcnisleu-jüfferke  greifen,  fassen,  hdten  etc.,  aus  welcher  sich 
genannt.  15  auch  die  Bedtg.:   tragen,  schützen,  tvahren, 
Jiiist,  s.  Just..  ivehren  etc.  (cf.  y  bhar  u.  dhar)   von  selbst 
jUk,  Joch;  —   a)  ein  Querholz,   loelches  ergeben.     Weiteres  vergl.  unter  jung. 
zum  Tragen  von  Lasten  auf  beide  Schidtern  jnken,   NacJcen;    —    'k  heb'  hutn  wat  up 
gelegt  ivird;  —  jük  un  eramers;    —  b)  ein  de  jukeu  gäfen;  —  hol'  din  suater,  of 'k  gaf 
Landmass  (Juchart),  welches  ein  Gespann  20  di  heller  en  afer  de  jnken,   bz.  afer  de  nak. 
od.  ein  Joch  Ochsen    in   einem  Tage   iim-  Es  ist  loohl  connex  mit  jük   als    V erbin- 
pflügen kann;  —  c)  Last,  Bürde,  Mühe  etc.,  elendes,  da  der  Nacken  das  Verbindungs- 
bz.  Bedrängniss,  Unfreiheit,  Unterthänigkeit,  glied  zioischen  Kopf  u.  Rumpf  ist. 
Hörigkeit  etc.;   —    he   hed  'n   swär  jük  to  1.  jxi^s,  Jauche,  Eiter,  dreckiges,  schmutzi- 
dragen;    —    he   sitt  undcr  't  jük.    —    Ahd.  25  ges  Wasser,  flüssiger  Dreck,   Schlamm  etc.; 
juh,  juch,   giuh,  joh,   joch    (Querholz  zum  —  dar  kumd  so  ßl  juks  (dicker  gelber  blu- 
Zusammenspannen  zweier  Zugthiere  ^  Ver-  tiger  Eiter)    üt   de    blodfinue;    —   de  göten 
bin  düng s- Holz;  zusammengespanntes,  bz.  sitteu    ful   juks.    —    M/i  jüche   .s^wr  y  yug, 
mit  einander  verbundenes  Paar  Binder ;  verbinden,  mischen,  manischen  etc. 
Last,  die  ein  solches  zu  ziehen  vermag ;  Ar-  30      2.  juks,  Scherz,  Mutliwillen,  Spass,   Ver- 
beit,   welche  ein  Gespann  Ochsen  in  einem  gnügen;  —  he  drift  sin  juks    d'r   wat   mit; 
Tage   verrichtet,    bz.    das   ivas    dasselbe  in  —  wi  hebben  föl  juks  had.    —    Es  ist  tvie 
einem  Tage  pflügt,    daher   auch   Landmass  nhd.  Jux  aus  lat.  jocim  entstanden,   c/.  jok. 
=  ein  Joch  od.  Juchart  Land  [cf.  un-  juksig,    schmutzig,    schmierig,    dreckig, 
ser  dimt   =   Diemath,    d.  h.    Tagmath] ;  35  schlammig  etc.;  —    dat   sügt   hir  so  juksig 
V er  bindungs- Glied  od.  Stück  zwischen  üt;  —    dat  water  is  so  juksig.      Zu  1  juks. 
zwei  Brückenpfeilern   [Brücken  -  Joch]    od.  jiil,  jiille,    Jolle,    kleines,   schmales,  fla- 
zwei  Bergspitzen  [Berg-Joch]).  —  G^oi/j.  juk;  ches,  schlankes  Boot  ohne  Mast,  bz.  ein  klei- 
ags.  gioc,   geoc;    engl,  yoke;    nid.  juk;    an.  ner  Kahn.  —  Nid.  jol;  wang.  jel;  nd.  gelle, 
ok ;  schwed.  äka;  dän.  aag;  lat.  jugum;   lit.  40  göUe,  jöUe,  jolle;    schived.  jelle,  julle;    dän. 
jungas;  lett.  juhga;   aslav.  iga;  span.  yugo;  jolle;  engl,  ynv/l;  franz. jd]e,io].    Vergleicht 
franz.  joug;    skr.  yuga    etc.  etc.,    (dies   von  man  das  J"  =  lat.  „g"  im  franz.  joie  aus 
der  y  yu,  bz.  yug,  binden,  verbinden,  schlies-  lat.  gaudium,  so  liegt  essehr  nahe,  das  franz. 
scn,    vereinigen,  fesseln  etc.    von   der   Grd-  jol  zu  dem  lat.  gaulos  (kahnförmiges  Trink- 
bdtg.:  fassen   (cf.  ]/  pag   unter  fak,    fan-  45  geschirr)  u.  griech.  gaulüs  (ein  ovalförmiges 
gen,  fe  u.  pak,  pakken  etc.  als  Eriveiterung  phönizisches  Kauffahrtheischiff)   zu   halten, 
von  y  pa,  fassen,   nehmen,  greifen,  halten.  Doch  sind  auch  die  Gellen  genannten  gros- 
tragen etc.),  nehmen,  halten  etc.   ausgehend,  sen  flachen  Holzböte  auf  der  Spree  mit  nd.  gelle 
wofür  anch  die  zend.  ]/  yu,  halten,  dauern,  (=  Jolle)  von  Hause  aus  namensvertvandt. 
ausdauern  etc.  spricht.   Die  Bedtgn. :  fassen,  50      Da  die  Friesen  u.  Sachsen  schon  in  sehr 
nehmen,  greifen,  halten  etc.  resultiren  indes-  früher  Zeit    die  französischen  Küsten   mit 
sen  wieder  aus  der  von:  beweg  en  (vor,  zu  ihren    Schiffen    besuchten,    so    könnte   das 
etc.)  gehen  u.  kommen  (zu  etc.),  errei-  Wort  „jol"  leicht  auf  diese  Weise  ins  Fr  an- 
ch en,  erlangen  etc.  u.  ist  dieserhalb  die  zösische  eingedrungen  u.  niederdeutschen  TJr- 
mit  ap  (betvegen)  identische  y  pa  (erlangen,  65  Sprungs  sein.     Wenn  man  indessen  bedenkt, 
fassen,  nehmen  etc.)  od.  die  damit  synonyme  dass  auch  die  Phönizier   schon  die  franzö- 
y  a^  (=  ak,  cf.  bei  Fick  u.  Ferd.Justi        sischen,  brittischen  u.  norddeutschen  Küsten 
etc.)  zu  vergleichen,  ivelch  Letztere  aus  der        u.  Flüsse  sehr  häufig  besuchten,   so  liegt  es 
Bedtg. :   bewegen,    gehen ,    dringen    vor    etc.  auch  sehr  nahe,  dass  dieses  Wort  von  ihren 
ausser:   erlangen,    erreichen    etc.    auch   die  60  „gaulos"    genannten    Schifften    übernommen 

10* 


JUEM  148                        JUNGE  JUNG* 

wurde  u.  es    also   aus    dem    Phönisischen  yavaii  (Jung)  u.  der  sh:  Comparativ  n.  Su- 

stattimt.  perlativ:   yavigams,   yavishstha  zu  sprechen 

jiim,   ihm  =  lium.      Es  r/ehürt  zu  jo,  ju,  scheinen,  dessen  „a"  aus  urspr.  „u"  sich  in- 

euch,  cf.  2  jo.  dessen  auch  wieder  ebenso  leicht  crliärt,  als 

jiiimnei',  n.  immor.  5  das  „a"  in  dhava  (Brand)  von  y  ilhu,  xoo- 

jlliiij.  juiik,  jung,  geboren,  entstanden,  bei  ich  gleich  bcmerkemvill,  dass  auch  Ferd. 
kaum  geboren,  bz.  im  betr.  Augenblick  ent-  Justi  das  zoid.  yavan  (Jüngling)  von  der 
standen  u.  zur  Welt  gekommen ;  daher:  y  yu  (verbinden,  halten,  dauern,  fest  sein, 
frisch,  neu,  nicht  alt.  Jugendlich,  nicht  er-  stark  sein  etc.)  ableitet,  wovon  auch  das  skr., 
wachsen,  nicht  gross,  sondern  noch  klein  u.  10  zcnd.  yava  (Gerste,  Feldfrucht,  Speise  etc.) 
schioach  etc.; — he  is  mit  nii  up  öudagjunk  u.  skr.  yavasa  (Gras,  S2>eise,  Nahrung  == 
west,  er  ist  mit  mir  auf  einem,  bz.  dem.'^cl-  ivas  hält,  bz.  erhält,  ernährt  etc.  «/. 
ben  Tag  geboren  gewesen;  —  ho  is  faa  dago  also  Bestehen,  Bestand,  Dauer  etc., 
jiink  worden,  er  ist  heute  geboren;  —  junge  bz.  Stärke  u.  Kraft  giebt)  entstand.  Hat 
botter;  —  junk  gras; —  junge  wlu;  — junk  15  demnach  nun  Bopp  Hecht,  so  wären  die 
her  etc.;  —  he  is  d'r  nog  to  juuk  tn,  as  Wörter :  Jung,  J n g endli ch,  Jüngling, 
dat  he  dat  all'  dragen  kan;  —  de  bum  is  bz.  Junger  Moisch,  Junges  etc.  auf 
nog  to  junk,  um  to  drageu  etc.  — Sprichw.:  die  Grdbegriffe:  scheinen,  leuchten,  bz. 
Anno  cn,  as  de  düfel  juuk  was,  do  was  't  erscheinen,  sichtbar  loerden,  auf- 
ük  mit  d'  frä'  ftrbi  (Anno  Eins  [im  ersten  20  gehen,  hervorkommen,  toachsen  etc. 
Jahre  der  Schöpfung,  bz.  der  Welt],  loie  zurückzuführen ,  loogegen  begrifflich 
der  Teufel  geboren  tcar,  war  es  auch  mit  durchaus  nichts  einzuwenden  ist.  Da  in- 
dem Frieden  vorbei).  dessen  begrifflich  auch  nichts  entgegen  steht 

ju  n  g,  ^/ed.  junger,  jüngste,  jüngste.    Weil  loenn  man  die  Wörter :  Jung,  J  üngling 

der  Jüngste   der   zuletzt   geborene   ist,  25  etc.    auf  die  (lirdbdtg.:   halten,  dauern 

so  ist  j üngst  auch  =  letzt,  zuletzt  u.  etc.  od.  kräftig,  stark  etc.,  bz.  Dauer 

der  Jüngste  Tag   der   letzte  Tag   od.  u.  Bestand   habend    etc.    zurückführt*) 

das  Weltende,  ganz  toie  wir  auch  junger  u.  es  doch  immerhin  sehr  zweifelhaft  bleibt, 

in  der  Bedtg.:  später    (he  is  junger  juuk  oh  vor  dem  skr.  yuvan  ein    „d"   abgeworfen 

worden  as  ik  =  er  ist  später  geboren  als  30  ist,    so  möchte   ich   dieses  Wort   auch  doch 

ich)  gebrauclien.  —   Ahd.  jung,  junk;  mhd.  lieber   mit  Benfeg    u.    Ferd.  Justi  von 

junc;  goth.  juggs;  «?f?.  jong,  jonk;  ?;//.  juuk;  der  y  yn  ableiten,  deren  Bedtgn. :  binden, 

as.   jung;    afries.   jung,  jong;    ags.    geong,  vereinigen   (cf.  unter  ,iü\i)  od.  fesseln 

giong;  an.  ungr;  norw.,  dän.  ung.  u.  fest  inachen  etc.  auch  aus  der  primi- 

Was   nun    die   Bildung   u.  Abstammung  35  tiveren  von:  fassen,   greifen,    halten 

des  Wortes  jung  betrifft,    so  haben  wir  zu-  etc.  erwuchs. 

nächst    in  jun    ebenso    wie    im   lat.  juu  von  Wegen  des  Wortes  jung  cf.  Zeitschr.  für 

junior    eine    Contraction   von   einem    urspr.  deutsche  Philologie  von   Höpfner  u.  Za- 

juvan  =  skr.  yuvan    (cf.   lat.  juven-is,   ju-  eher,    I,    133;    —    Benfeg,    Skr.  Dict., 

ven-ta  etc.)    vor  uns,   ivas  auch  im  lit.  jau-  40  748;  —  Bopp,  Gloss.  comp.,  313 ;  —  Ferd. 

nas,    slav.  jünu  (juvenis)   u.   selbst  im  aind.  Tusti,    Handb.    der   Zcndspr.,   244  etc.  u. 

yün  dieselbe  Contraction  erlitt   u.  auch  die-  Fick,  I,  185. 

selbe  Bedtg.   wie  unser  jung   hat.     Verglei-  jun??®,  ju"k,    (das)   Junge;   —    de  katte 

chen  wir  nun  aber  unter   „ing",    dass   das  hed  man  en  junk  had,  Z;«.  dre  jungen  kragen. 

Schluss-„g^    aus  kzL  entstand,    so    liegt    die  4:5      junge,  jung' (i^//<r.jungeus,jungse),,/i<»/7r, 

Vermuthung    sehr    ncüie,    um   auch  das  „g"  Knabe,  Junger    Mensch,    Jüngling,  Junger 

von  jung  als  aus   urspr.  ka   entstanden  an-  Knecht,   Junggeselle ;   —    olle  junge,    cilter 

zusehen,    sodass   wir  für  jung,   junk    eine  Junggeselle,    euphem.    der  Teufel;  —  't   is 

urspr.  Form  juvanka  ansetzen  müssen,  dem        

das  lat.  juveneus  xt.  cambo-brit.  jeuanc    (ju-  50       *)   cf.  dieserhalb  die  venoandten   Wörter: 

venis)  mit  erhaltenem  c  (^=  k)  zur  Seite  ste-  ahd.  süor  (inv(;\icns,Ju}iges  männliches  Jiind, 

hen,  ivährend  das  skr.  yuvaka  nach  Bopp  Stier  =  was  J un g,    stark  u.  kräftig 

aus  yuvanka  entstand.      Was  nun  den  Ur-  ist),  stiura   (Stütze,  Halt,  Festigkeit  etc.)  u. 

Sprung   u.    die   Grdhdtg.    des   Stammwortes  stiuri  [Stärke,  Kraft,  Macht,  Gewalt,  Herr- 

yuvan  betrifft,  so  leitet  B  opp  es  ebenso  wie  55  scluift,  Hoheit,   Grösse  etc.)   u.    das   afries. 

skr.  yut  aus  dyut  (glänzen)  von  der  y  dio,  stur,  stör  (gross,  stark,  schwer  etc.)  etc.,  wo- 

dyu    (glänzen,    leuchten,    scheinen,    sichtbar  mit   die  Wörter:   steuern   (d.  h.   regieren, 

werden,  aufgehen,  erscheinen  etc.)  ab,  wäh-  richten   wohin,    Bichtung   geben,    regere  = 

rend   Benfey   annimmt,    dass   yuvan   aus  goth.  stiurjan)    u.  das  ahd.  stiuro    (Steurer, 

yavan  entstanden  sei,  wofür  auch  das  zcnd.  60  gubernator  etc.)  etc.  zusammenhängen. 


JUNGEN  149  JÜEST 

nog  'n  jungen  jung',  es  ist  noch  ein  junger  1.  junk,  s.  jung. 

Knabe.    —    Nkl.  jonge;    ahd.   juiigo;    a<js.  2.  jnnk.,  Junges,  junges,  neugebornesThier; 

geougo  etc.  —  Dazu  folgende  Sprichivörler:  s.  junge,  junk. 

jungens  un  junge  bunde  mutten  hau'  hcbben,  JQiiker,  Junker,  junger  adlicher  Herr.  — 

wen  d'r  wat  regts  üt  worden  sal; — „all'  to  5  yl/y7es.jonkhera,jungliera,jonker. — Sprichw.: 

minen  besten!"    sä'  de  jung',    do    slogen    se  d'r  is  gc'n  junker  so  kriis,  of  he  hed  nog  wol 

hum  de  stok  up   de   pukkcl    kört;    —    „dat  'n  lüs  ; — lechtmcs  leclit!  is  de  bür 'n  knecht; 

geid,  dat  't  stufdl"  sä'  de  jung',   do  red  he  loclitmes  dunker!  is  de  bür  'n  junker. 

up  'n  kat  afer  de  liürd ;   —    „dat  schal  wol  jiinker-ureiijunkei'-ören,  ./M»i;er-J^e/irm, 

gän,"  sä'  de  jung   as  he  't  kalf  na   d'   stad  10  d.  h.  taube   u.  deshalb  hoch  an/gerichtete, 

dragen  schul;    —  „dar    breug  ik  't,"  sä'  de  stolze  Aehren.     cf.  auch    Vilmar    (hess. 

jung,  do  ful  he  mit  sin  kram  to  'd  dör  in ;  Idiot.)  unter  jünkern. 

—  „dat  is  'n  hund  fan  'n  perd!"  sä'  de  Junkern,  JunkeiTei'en,  den  Junker,  bz. 
jung',  do  red  he  up  'n  swin;  —  „dat  Nichtsthuer  u.  Grosshans  spielen,  seine  Zeit 
schal  mi  net  wer  geboren,  dat  min  mo-  15  mit  Nichtsthun  verbringen  etc.;  —  he  jun- 
der    starfd    un    dat   ik    d'r    net    bi    bün!"  kerd  mi  föls  to  föl  herum. 

sä'    de   jung';   —    „dat   harr'    ik   man    dön  innkfolk^  junge  Leute  beiderlei  Geschlechts. 

schuld!"  sä'  de  jung',  do  let  de  swälke  Daher:  junkMksra&rkd,  der  Markt  für  junge 
wat  in  de  soppe  fallen ;  —  „wat  is  de  wer-  Leute,  auf  welchem  sie  sich  belustigen  u. 
reld  grot,"  sä'  de  jung',  do  kwem  he  achter  20  tanzen. 

de  koltün;  —  „dar  geid 't  hen,"  sä' de  jung',  junkgod,  a)  Jungvieh;   —    't  junkgöd  is 

do  let  he  'n  lüs  dausen ;  —  „dat  is  je  'n  all'  ütjagd;  —  b)  junge  Leute;  —  't  junk- 
mallen  brüg"   {a.  Brücke ;  b.  Butterbrod),  sä'        göd  is  darten. 

de  jung',  „unnerun  bäfeu  botter";—  „desäk'  jankheid,    Jugend,  junger,   jugendlicher, 

is  net  to  tröen,  fader!"  sä'  de  jung',  do  schul  25  unreifer  Zustand;  —  dat  is  all'  nog  junk- 
he  wat  mit  d'  stok  hebben,  od.  „de  säk  is  net  to        heid ;  dat  ferwast  wer. 

tröen,"  sä'  de  jung',  „fader  leg  erst  de  stok  jiip    od,    sjup,    Intcrj.,  bz.  Ausruf,  wenn 

weg";  —  „dat  ligt  buten  min  ferstand,"  sä'  sich  Jemand  aufrichten  u.  heben  soll  od. 
de  jung',  „net  so  as  dremäl  dartein"; —  „elk  ivenn  man  etv)as  heben  u.  aufrichten  will, 
deid  wat,"  sä'  de  jung',  „min  fär  sleid  min  30  mit  der  Bedtg.:  auf,  empor,  erhebe  dich, 
mor'  —  min  mör  sleid  mi  un  ik  slä'  de  big-  richte  dich  auf,  od.  auf,  hinauf  damit  etc., 
gen";  —  „fär!  wi  kunnen  as  bröers  mit  'n  loie  hup.  Es  ist  mit  vorschlagendem  „j" 
anner  läfen,"  sä'  de  jung',  „man  du  wult  je  von  up  gebildet,  bz.  aus  iup  (mit  aus  u  zu 
net";  —  „dar  kumd  alle  dage  wat  nes  up!"  iu  gebrochenem  Vocal)  entstanden,  wie  das 
sä'  de  jung',  do  schul  he  baden;  —  „Gods  35  mit  up  =  ahd.  üf,  nhd.  auf  identische goth. 
wörd  in  de  fülle  flucht!"  sä'  de  jung',  do  iup,  auf,  auftvärts,  empor,  nach  oben. 
harr'  he  d'  katechismus  an  de  swäpe  un  slög  Jürgen,  JUrjen,  contrah.  Jürn,  ml.  Name 

d'r  all'  mit  hen  un  wer;  —    „dat  findt  sük        =:  Gör  gen  von  Georg,  wovon  auch  J  örg. 
bi  't   ütputsen,"    sä'    de  jung',    do  harr'    he        Davon  Geschln. :  Jürgens,  Jürjens,  Jürns. 
achter  de  dör  schäten;   —   „elk  sin  möge!"  40      jnrk,  jürke,    s.  jurken  u.  jürktje. 
sä'  de  jung',    „ik    Et    figen   un  min  mör  ett  Jurke,  wbl.  Name.     Vielleicht  connex  mit 

bönen" ;  —    „al  as  't  fald,"    sä'  de  jung,  as        Jürgen,  od.  ein  Dimin.  von  Djure, 
de  frö  mit  'n   nösdrüppel    hum  frög,    of   se  jarken    (liarrl.),    lieber zug    eines  Kleides 

hum  'n  pankök  bakken  schul ;  —  „nu  nog  für  Täuflinge.  Es  ist  dasselbe  wie  jurk, 
'n  mal  un  den  net  mer!"  sä'  de  jung',  do  45  was  im  nid.  ein  langes  leinenes  Kleid,  bz. 
harr'  he  just  dat  letste  üt  de  siröpspot  slikd ;        einen  Ueberwurf  bezeichnet  u.  ist  somit  das 

—  „'t  lest  is  't  best,"  harr'  de  jung'   segd,        folgende: 

do   harr'  he  't  bransel  üt  de  pot  fräten ;  —  jürktje,   jürtje    (Kinderkittel;     Ueberzug 

„war  rök  is,  dar  is  ökfur!"  bä' de  jung',  do  wul  von  Leinen)  ein  Dimin.  wn  jurk. 

he  d'  pip  bi  'n  frisken  perdekötel  anstäken.  50  jnsig;  i.  q.  jösig. 

jungen,   gebären,   Junge  tuerfen ;   —    de  just,  just,   gerade,    eben,   recht,   richtig, 

katte  hed  jungd  —  wil  bold  jungen.  gleich;  —  dat  ene  is  just  so  göd,  as  dat  an- 

jungfrö,  junge  Frau,  die  noch  nicht  lange  uer ;  —  wen  man  hum  wat  ferbüdt,  den  deid 
verheirathet  ist,  od.  überhaupt  noch  jung  de  slüiigel  't  just;  —  dat  geld  kumd  jiist  üt; 
ist,  bz.  ein  jugendliches,  frisches  55  —  't  is  all'  just  un  effen  etc.  Es  ist  das 
Aussehen  hat.  Es  toird  nie  in  dem  Sinne  gekürzte  lat.  justus,  was  von  ^yx^  (Recht,  Ge- 
gebraucht, wie  das  nhd.  Jung  fr  ati,  wofür  setz  etc.  als  Bindendes  etc.)  ueitergebil- 
wir  stets  jüifer  verwenden.  det  ist  u.  (cf.  Pott,  I,  zweite  Abth.,  1229) 

Juni,  Monat  Juni.  —  Sprichw. :  nördwiud  mit  unserm  jüche  etc.  von  der  }/  yu  (binden 

in  de  Juni  weid  körn  in  't  land.                     60  etc.)  abgeleitet  wird.  cf.  auch  Fi  ck,  11,202. 


JUEST 


150 


E 


Jüst  od.  Jaist.  Name  einer  zwischen 
Borkum  u.  Noräerncij  belegenen,  sehr  lanrj 
gestreckten  u.  schmalen  Xordsee-Insel,  icelche 
früher  mit  den  untergegangenen  Inseln  Bant 
u.  Bitse  ::n  Borkum  gehörte  u.  icahrschcinl. 
im  13.  Jahrhundert  od.  noch  früher  durch 
mächtige  Sturmßuthcn  davon  getrennt  wurde, 
da  der  Name  dieser  Insel  zu  Ende  des 
14.  Jahrhunderts  (cf.  Ostfries.  Urhunden- 
btich  von  Dr.  F  r  iedlaende  r ,  pag.  139 
sub  Nr.  165)  schon  genannt  wird.  Ver- 
gleicht man  africs.  jet  =  gat  (Loch  etc.), 
jestlik  =  gC^itlik  (geistlich)  etc.  etc.,  so  stimmt 
der  Name  Jüst  od.  alt  Just  genau  zu 
unserm  güst,  bz.  dem  alten  gust,  guste  (tro- 
cken, dürr,  unfruchtbar  etc.)  u.  kann  sie 
als  grüsstentheils  sehr  sandige  u.  höchst  un- 
fruchtbare Insel  daher  icohl  von  diesem  güst 
ihren  Namen  haben,  obschon  es  auch  mög- 
lich ist,  dass  sie  wegen  ihrer  langgestreck- 
ten schmalen  u.  geraden  Form  Jüst 
od.  Just  genannt  wurde  u.  somit  der  Name 
derselben  )nit  unserm  jmt  (Just,  gerade,  recht 
etc.)  zusammenhängt. 

1.  jiit,  jütte,  in  den  Eedensarten :  he  is 
so  döf  (bz.  so  dura)  as  'n  jüt;  —  du  dofe 
jütte  etc. ;  tvonach  es  vielleicht  identisch  mit 
Jute  ist,  sodass:  „he  is  so  düf  as  'ü  jüt" 
mit:  „er  ist  so  taub  (bz.  so  dumm)  %cie  ein 
Jute"  (in  uralten  Zeiten  hatten  unsere 
fries.  Vorfahren  bekanntlich  vielen  Verkehr 
mit  den  Jute n  ii.  Jü tlan d)  übersetzt  iver- 
den  muss.  Da  wir  indessen  auch  sagen: 
„du  olle  jütte"  im  Sinn  von:  „du  altes  Weib" 
od.  „du  alte  Schachtel",  „du  alte  dumme 
Person"  etc.,  so  kann  es  auch  überhaupt  ein 
Schimpfname  sein.  Nach  dem  Br.  Wb. 
soll  „jütte"  indessen  für  „Johanna"  stehen 
u.  auch  nach  nid.  Wörterbüchern  „jut"  ein 
verderbter   Name   des   berüchtigten    Papstes 


„Johannes  des  Ächten",  bz.  der  Pä2)Stin 
„JoJuoina"  sein,  während  anderseits  „jut" 
im  nid.  auch  die  Bedtg.:  lumpig,  gemein  etc., 
bz.  htm}),  plump,  stumjif  etc.  hat.  Nach 
5  Seh.  u.  L.  (II,  41j2)  soll  jutte  eine  Kose- 
form von  Judith  sein,  indessen  auch  zur 
allgemeinen  Bezeichnung  des  weibl.  Ge- 
schlechts dienen.  Schütze  (II,  ISO)  führt 
unter  dithm.  jit  (Ziege)  an,  dass  diese  in 
10  Hamburg  u.  Husum  auch  jütte  heisst  tt. 
dass  man  mit  „alvern  jit  auch  eine  alberne 
Person  bezeichnet,  loozu  noch  bemerkt  sei, 
dass  tsüge  (Ziege)  auch  bei  uns  ein  Schiinpf- 
wort  ist. 
15  2.  jiit,  jütte,  ein  Giessding  od.  hölzernes 
Schöpfgefäss  zum  Ausgi essen  von  Flüs- 
sigkeiten.    Zu  jütten. 

jiit-itl'i'e,    Saft -Birne.      Sgnongm  der  in 
pomol.   Werken  als:   „Gute    Graue"   aufge- 
20  führten  „grauen  Sommer-Butter-Birne",  die 
hier   auch    „pere   de    gris"    od.  „pere  gris" 
(falsch  für  poire  gris)  genannt  tvird  u.  auch 
im  nid.   „Jut-peer"    od.    „Yut  -  peer"   heisst. 
Es  ist  tvohl  loörtl.  =  Giess-Bir n e,  toeil 
25  sie  so  saftreich  ist,   dass  sie   beim  Schälen 
od.  Hineinbeissen  den  Saft  ausgi  esst,  bz. 
ausfliessen    lässt    u.    connex  mit  jüHea, 
bz.  2  jüt. 
jütten,   giessen,     schöpfen;    —    ütjüttcu, 
30  ausgiessen,  ausschöpfen;   —    dat  watcr  mut 
üt  de  küp  ütjütd  worden;   —   du  must_  dat 
bot  erst  ütjütten,   er  wi  d'r  in  farcu  konon. 
Es  ist  eine  Nebenform  von  geten  ^=  goth.  giu- 
tau,  loie  das  helg.  jüt  (giessen)  bezeugt,     cf. 
35  auch  unser:  he  gütd,   bz.  jütd  =  er  giesset 
etc.  u.  gut  =  Giess-Gcfäss  u.  =  Giessröhre, 
bz.    Vorrichtung    zum    Ausgiessen   u.   Ein- 
schenken von   Flüssigkeiten    u.    Getränken. 
Weiteres  vergl.  unter  geteu    u.    daselbst  die 
40  3.  Pers.   Praes.  jüth    vo7n   afries.  giata  etc. 


K. 


k.  Der  Buchstabe  od.  das  Lautzeichen 
„k"  wechselt  im  Anlaut  vielfach  mit  „g" 
(cf.  namentl.  die  Wörter  unter  kna,  kni  etc., 
bz.  gna,  gni  etc.),  während  er  im  Auslaut 
(cf.  junk,  klank  etc.)  auch  oft  für  „g"  ein- 
tritt. Von  der  alten  fries.  Sitte,  das  ,,k"  zu 
quetschen,  bz.  vor  einem  Vocal  in  einen 
Zischlaut  (z.  B.  ds,  tz,  ts,  sc  etc.)  zu  verwan- 
deln finden  sich  nur  noch  loetiige  Spuren,  wie 
vielleicht  möglicherweise  in  bridsen  od.  britzcn 
7t.  einigen  sonstigen  Wörtern,  loährend  sie 
in  Nord-  u.  Wcstfriesland,  im  Saterlande  u. 
auf  Wangcrooge  (cf.  Ehrentraut,  1,184 
etc.:  kerke,  ketel  etc.   u.  unter  1  kake  etc.) 


noch  besteht  u.  z.  B.  das  von  Stbg.,  bz. 
Cad.  Müller  irrthümlich  aufgeführte  ziel 
für  sjel  od.  zjel,  tzjel,    steht   u.    icie  toang. 

50  sjel  (statt  sjerl)  iiichts  anderes  ist,  als  unser 
kerl,  bz.  kerel  od.  kilrol,  während  Stbg.  da- 
bei an  einen  Zusammenhang  mit  nhd.  zie- 
len (cf.  tclen)  denkt. 

Zum  Schlüsse   sei   noch  bemerkt:    a)  das 

55  Alles  loas  Stbg.  unter  Q,  bz.  Qu  aufführt 
von  mir  unter  „kw"  aufgeführt  ist,  wie  dies 
die  Niederländer  auch  thun,  u.  b)  dass  das 
Lautvcrhältniss  unsers  nordgerm.  „k"  zu 
den  im  Skr.  mit  k,  bz.  5,  khs,  sk,  od.  g,  j, 

GO  gh  anlautenden  Wörtern   noch  ein  ziemlich 


KA 


151 


KABBELN 


unaufgeklärtes  ist,  icie  dies  die  unter  die- 
sem Buchstaben  aufgeführten  Wörter  schla- 
gend heioeisen. 

kä  (Flur,  kaen)  a)  Dohle;  —  b)  Nehcl- 
krähe.  —  Nd.,  mnd.  ka;  nid.  ka,  kauw; 
mnld.  kae,  kauwe;  ags.  ceä;  engl,  chough ; 
Schott,  kay,  ka,  kae ;  ahd.  chaha,  chä ;  mhd. 
kä ;  schxved.  kaja ;  norio.  kaa,  kaie ;  dän.  kaa. 
—  Es  ist  ein  Lautnudendes  Wort  wie  ku- 
kük  etc.  u.  stellt  Fick  (I,  558  seq.)  es  zu 
einer  y  gag  =  skr.  gaj  (schreien  etc.),  wozu 
auch  nhd.  kachel  (Grimm,  Wb.,  V,12)u. 
kacke,  soioie  das  Schalhvort  kack  (s.  daselbst 
Spalte  14)  u.  dann  auch  wohl  unser  kakeln, 
kakeln  etc.  gehören.  Die  Basis  von  gag  ist 
übrigens  j/  ga  (tönen,  schallen,  singen  etc., 
bz.  einen  unartikulirten  Laut  von  sich  ge- 
ben etc.,  cf.  bei  Fick  ,,ga"  u.  bei  Grass- 
mann „g^"))  wonach  gag  ivohl  aus  rediipl. 
gaga,  od.  gaj  aus  dem  Stamm  gäya  entstand 
u.  gekürzt  ist.  Ob  indessen  das  gleichfalls 
onomatop.  skr.  käka,  käga  (cornix)  für  ahd. 
chaha  etc.  nicht  näher  liegt,  als  die  Ablei- 
tung dieses  von  einer  y  gag,  zumcd  da  die 
käen  u.  Dohlen  doch  getoiss  blas  nach 
ihrem  Geschrei,  welches  ja  wie  kä,  kä  od. 
kae  etc.  klingt,  benamset  sind? 

kabanter,  kebauter,  karbauter,  kerbau- 
ter,  kalbaater,  klabauter,  klebauter,  ein 
Kobold,  od.  ein  kleines  dickes  drolliges  ko- 
boldartiges lt.  ungezogenes  Wesen,  welches 
allerlei  Faxen  u.  Sprünge  macht,  od.  auch 
wie  ein  Kobold  u.  kleiner  Teufel  cdlerhand 
neckische  Streiche  u.  kleine  Bosheiten  ver- 
übt, bz.  sehr  unlenksam  u.  störrisch  ist;  — 
't  is  so  'n  regten  lütjen  kabauter,  war  gen 
drummel  sin  lachen  fan  laten  kan ;  —  't 
is  so  'n  kabauter  fan  'n  jung',  dat  mau  sük 
d'r  hast  hei  net  fan  redden  kan,  bz.  dat  man 
d'r  niks  mit  worden  kau.  —  Ob  dieses  Wort 
nicht  eher  von  kobold,  bz.  kobolt  (nid.  ko- 
bout)  weiter  gebildet  ist,  als  dass  es  mit  kla- 
bastern  etc.  (cf.  G  r  i  m  m,  Wb.,  V,  888,  sub 
2,  d)  zusammenhängt? 

kabbeljaa,  kabeljau,  Kabliau  (gadus 
morrhua  od.  morrhua  vulgaris) ,  ein  zum 
Geschlecht  der  Schellfische  od.  Dcnsche  ge- 
hörender grosser  schwerer  Fisch,  der  bis 
5  Fuss  lang  wird.  Er  bewohnt  das  nörd- 
liche atlantische  Meer,  wird  jährlich  in  meh- 
reren hundert  Millionen  (namcntl.  auf  den 
neufundländischen  Bänken)  fiefangen  u.  ist 
einer  der  wichtigsten  Fische  für  die  mensch- 
liche Nahrung.  —  Der  Name  ist  seit  Ende  des 
13.,  bz.  Anfang  14.  Jahrhunderts  bekannt 
u.  seit  der  Zeit  bei  edlen  seefahrenden  Germa- 
nen derselbe  (Mos  im  Englischen  heisst  er  cob, 
loas  vielleicht  aus  kab,  bz.  kable,  od.  kabel- 
jau entstand  u.  verstümmelt  ist)  u.  so  ziem- 
lich unverändert  derselbe  geblieben  u.  wenn 


man  nun  vergleicht,  dass  der  ungetrocknete 
Stockfisch  im  Nid.  auch  bakkcljouw  heisst, 
so  scheint  es  wohl  richtig,  dass  man  den 
Namen  als  ein  Compos.  von  kabbel,  bz.  ka- 
5  bei  u.  jau  ansieht.  Vergleicht  man  nun 
iveiter  in  Vocalmlaren  des  15.  Jahrhunderts: 
meruta,  cabeliau  vel  b u  1  c h e  u.  dazu, 
dass  der  Bulch  im  ndrhein.,  bz.  Nieder- 
land (Grimm,  Wl).  V,  10)  kablen  heisst, 

10  .so  ist  es  wohl  anzunehmen,  dass  kabbel 
od.  kabel  »lit  dem  letztern  Worte  entweder 
ident.  od.  doch  unmittelbar  verwandt  ist. 
Hält  man  hiezu  nun  ferner,  dass  diese 
Fische  sehr  gefrässig  sind  u.  mit  weit  auf- 

15  gesperrtem  od.  klaffendem  Bachen  nach  Al- 
lem schnappen  u.  beissen,  so  liegt  es  sehr 
nahe,  um  den  Namen:  kabbel,  kabel,  kable 
mit  kabbeln,  kibbeln,  käfe,  kibbe  u.  kafel 
von  der  y  gabh,  gambh  (schnappen,  beissen; 

20  klaffen  etc.)  abzuleiten,  wobei  man  bei  dem 
Suffix  jau,  iau  vielleicht  an  eine  Connexität 
mit  dem  Fron,  ya,  yä,  dieser,  der,  er,  bz. 
loelcher  (cf.  zend.  ya,  yo,  yu  etc.)  denken 
könnte,  od.  an  die  urspr.  Suffixe  i,  u,  ja  etc. 

25  Zum  Schluss  sei  noch  bemerkt,  dass  Hil- 
deb r a n d  (cf.  G r i m m,  Wb.  V,  10)  unter 
Kabliau  sagt,  dass  die  Niederländer  den 
frischen  u.  ungetrockneten  Kabliau  auch 
k  i  b  b  e  1  i  n  g     nennen.      Dies    ist   indessen 

SO  falsch,  da  van  Dal e  zu  kibbeling  sa^fi; 
de  zogenaamde  wangen  van  den  kabeljauw, 
gevormd  door  de  slaapspier  en  uitwendige  laag 
der  kauwspier,  worden  afzonderlijk  ingezou- 
ten  en  onder  de  naam:  kibbelen,  kibbels 

35  of  k  i  b  b  e  1  i  n  g  in  den  handel  gebracht,  — 
ivonach  es  klar  ist,  dass  dieses  Wort  mit 
unserm  kibbe  (Kiefer)  zusammenhängt. 

kabbeln,  a)  laut  zanken  u.  streiten,  keifen 
etc. ;    —    laten   se   sük  d'r  um  kabbeln ;   mi 

40  is  't  net  glik,  wo  se  't  maken ;  —  se  kab- 
beld  (od.  kibbeld)  d'r  al  tegen  an;  —  b)  klat- 
schen, plätschern,  bz.  mit  klatschendem  Ge- 
räusch aneinander,    bz.  woran  anschlagen; 

—  de  se,    bz.  dat  water  kabbeld    (wenn  die 
45  Wellen   von    ztvei    Seiten    gegen    einander 

schlagen  u.  klatschen) ;   —    dat   water  kab- 
beld tegen  de  balken  an ;  —   c)  nagen  etc. ; 

—  dat  water  kabbeld  de  kant  fan  de  weg;  — 
d)  brechen,  abbrechen,  abfallen,  stürzen  etc. ; 

50  —  de  ganse  kant  kabbeld  weg.  —  Nid.  kabbe- 
len  (wie  sub  b),  c)  u.  d) ;  mnd.  kabbeln;  nd. 
(Dähnert)  kabbeln,  kibbeln  (sich  zanken, 
streiten).  Davon :  gekabbel,  kabbele,  —  a) 
Gestreite,  Gezanke  etc. ;   —   b)  fortwähren- 

55  des  Flätschern  u.  Anschlagen  der  Wellen 
an  Etwas)  etc.  Es  ist  wohl  mit  kibbeln 
eines  Ursprungs  u.  dann  auch  in  der  Be- 
dtg.  sub  b)  als  lautmalendes  Wort  vom 
Flätschern  u.  Murmeln  des  ivogenden,  rau- 

60  sehenden  u.  an  Etwas  anschlagenden  Was- 


KABEL 


152 


KAF 


sers  gebraucht  u.  weil  dadurcJi  die  Erde, 
bz.  das  Ufer  abbrüclcelt,  so  eitstand  hieraus 
auch  die  Bedtg.  sub  c)  «.  d).  Als  Laut- 
malendes Wort  hat  es  bei  KU.  die  Bedtg.: 
(methaph.)  vomcro ,  u-ährcnd  derselbe  ein 
2  weit  CS  kabbelcn  mit  der  Bcdtg.:  footaro, 
footiticare,  pärere  (tlicitur  proprio  de  porcis, 
felibus  etc.)  auffuhrt,  ivas  wahrschei)d.  von 
vinld.  kabbe  (porcelliis)  abgeleitet  ist.  Wei- 
teres vergl.  unter  gabbeln  wegen  der  y  gabb. 

kabel,  ein  dickes  Tau  zum  Festlegen 
der  Schiff'e,  bz.  ein  dickes  Ankertau.  —  Nid. 
kabel ;  engl,  cablo ;  franz.  cablo ;  chablc ; 
Span,  cable.  Aus  mlat.  capulum  (Strick, 
Seil)  u.  dies  mit  capulus  von  capio  (greifen, 
fassen,  halten  etc.). 

kabeljan,  s.  kabbcljau. 

kabnet,  kamnet,  kabnetschap  etc.,  Cabiuct, 
Cabinetschrank.  Das  franz.  cabiiict  ist  Di- 
min.  von  cabäne  (Hütte,  Strohhütte ;  Schiffs- 
kammer od.  Stäbchen  etc.)  =  ital.  capanua; 
span.  cabana  etc.,  bz.  von  (Diez,  I,  110) 
ki/mr.  caban  als  Dimin.  von  cab,  tcohcr 
auch  engl,  cabiu  (Cabine). 

kabuf,  kebüf,  a)  Buf  od.  Wort,  ivomit 
man  einen  polternden  Sturz  od.  Fall  von 
Etwas  bezeichnet;  —  kebiif!  dar  ligd  't;  — 
b)  eine  Hütte,  bz.  ein  altes  baufälliges,  dem 
Einsturz  nahes  Haus;  —  he  wand  in  so  'n  old 
kabüf;  —  c)  ein  altes,  abgetriebenes  Pferd, 
toas  jeden  Augenblick  zu  stürzen  droht;  —  'u 
old  kebüf  fan  'n  perd.  —  Es  ist  vielleicht 
mit  gepi'if,  bz.  buf  etc.  connex,  obschon  es  in 
der  zweiten  Bcdtg.  auch  zu  nd.  kabäche  (cf. 
Grimm,  Wb.,  V,  6)  stimmt  u.  dann  eilte 
Weilerbildung  von  dem  unter  kabuet  erwähn- 
ten k>/mr.  cab  sein  kann.     cf.  auch  kabüse. 

kabiise,  kabüs,  Kabuse;  —  a)  ein  Bret- 
terverschlag auf  dem  Verdeck  der  Schiff'e, 
loelcher  einestheils  als  Schiffsküche,  andern- 
theils  cds  Schtitz-  u.  Zufluchtsort  für  die 
Matrosen  dient,  auch  kombüse  genannt;  — 
b)  ein  Bretterverschlag  zum  Aufheben  u. 
Bergen  verschiedener  Vorräthe ;  ~~  c)  eine 
Sparbüchse,  bz.  ein  Etwas,  worin  man  sein 
Geld  vertcahrt  u.  aufhebt,  od.  auch  den  Spar- 
Pfennig  selbst;  —  min  lest'  kabüs,  bald  all' 
nitn  gold  un  god  to  hüs.  —  Nid.  kal)uis, 
kombuis  etc.;  cf.  Weiteres  in  Grimm(Wb. 
V,  10)  unter  kabuse. 

kachel,  a)  irdener  Thonflicscn ;  —  de 
afend  is  üt  kacbels  upsotd ;  —  b)  Kachel- 
Ofen,  bz.  ein  aus  Thonßiesen  aufgeführter 
steinerner  Ofen,  od  auch  überhaupt  ein  Ofen; 
he  smitt  't  in  de  kacbel.  —  Nid.  kaghel,  kag- 
gcl;  mflüm.,  mnld.  kaeckol,  kacbel;  norw., 
schwed.  kakcl ;  dän.  kakkel  (in  kakkelovn 
=  norw.  kakolonin).  —  cf.  Grimm,  Wb. 
V,  11,  bz.  uhd.  chachala  (irdenes  Geschirr), 
loas   loohl  Weiterbitdung,    bz.   Dimin.    von 


einem  ahd.  chacha  =  ags.  (H.  Leo)  ceac 
(irdenes  Gefäss,  Krug,  Kachel,  Urne);  mnld. 
(KU.)  kaecke  (cadus,  orca);  engl,  kag,  keg; 
norw.  kagge ;  isl.  kaggi  (dolium,  orcus  etc.) 
5  ist  u.  wovon  auch  vielleicht  das  franz.  caque 
(Hcringstonne),  sofern  es  nicht  mit  franz. 
caquor  von  2  kaken  abgeleitet  ist.  Das  ags. 
ceac  etc.  betr.,  so  gehört  es  wahrschcinl.  zu 
der  (Fick,  I,  36)  y  kak  (cingere),  od.  mit 

10  skr.  kü^-a  (Behälter,  Fass,  Kufe,  Kasten, 
Truhe  etc.)  zu  ]/  ku^  (umfassen,  timschlies- 
sen  etc.),  sodass  das  urspr.  „k"  auch  hier, 
wie  in  kak  u.  sonstigen  Wörtern  keine  Laut- 
verschiebung erfuhr.     Vergl.  auch  kake  etc. 

15  Ob  das  port.  (Diez,  11,107)  caco  (Scherbe) 
nicht  auch  eher  daher  entlehnt,  als  aus  lat. 
cacabus  etitstanden  ist?  —  Auch  span.  cacho 
(s.  daselbst)  könnte  dann  tvieder  aus  caco 
entstanden    sein ,    loie  ja    auch    das    nhd. 

20  Scherbe  beide  Bedtgn.  hat. 

kacheln,  heizen, feuern  etc.;  —  liekacheld 
dügtig  in.     Zu  kachel  sub  b). 
käde,  s.  kcde. 
kaf,    a)  Spreu,   leere  Getreidehülsen,  zer- 

25  kleinerter  Getreide-  od.  Stroh-Abfall  beim 
Dreschen;  —  1))  von  Mäusen  zerfressenes 
u.  abgenagtes  Holz,  od.  Holzspänehen  etc. ;  — 
't  is  einer  kaf,  bz.  kaiisel,  d.  i.  Ge-  od.  Zer- 
kautes. —  Nid.  kaf;  mnld.  (KU.)  kaf,  kaeve, 

30  kave;  nd.  kaff;  mnd.  kaf,  kave  (Hülse  des 
Getreides,  ausgedroschenes  Stroh ;  Spreu  je- 
der Art;  fig.  auch:  leeres  nichtiges  Gewäsch 
etc.);  ags.  ceaf;  engl,  chaft';  mJid.  caf,  kaf. 
—  Gehört  kifen,  kitTie    mit  kibbelu  u.  kab- 

35  belu  zur  y  gap  od.  gabli  (cf.  L'ick,  I,  69 
u.  HI,  47  die  Wurzeln  gap  n.  gabh,  schnap- 
pen, beissen ;  klaffen,  tief  sein  etc.),  so  tvürde 
auch  kaf  (f(dls  es  urs2)r.  etwas  Zerkleinertes 
od.  Zerhacktes  bedeutete)  mit  an.  kaf  (Tiefe, 

40  Abgrund  etc.),  kafa  (tiefen,  versenken,  unter- 
tauchen), kafna  (unterdrücken,  ersticken), 
kefja  (nieder  drücken)  etc. ;  skr.  gabhira 
(tief,  unergründlich),  jambba  (Gebiss,  Kinn- 
backe);  isl.  kaf  (Tiefe,  Senkung;    Taucher- 

45  künste)    etc.    u.    griech.    gaiujjhe ,    gömphos 
(Zahn,  Pflock) ;  dicd.  gimbö   (Gebiss,  Kinn- 
backe) ;  as.  kafl ;  ags.  ceafl  (Kiefer),  bz.  un-      * 
serm  käfe  u.  kibbo    (Kiefer)  etc.    zu   dieser 
selben  y  gehören,  deren  verschiedene  Bedtgn 

50  als:   schnappen,    beissen;   klaff'en,   gähnen,       ■ 
tief  sein  (Fick,  I,  71  seq.  u.  IT,  314)  für      1 
alle  obigen  Wörter   (auch    nhd.  Käfer   [cf. 
kefer]  gehört  wohl  hieher ,   tvie   desgl.    auch 
unser  kafel  etc.)  passen,    u.  wäre  clann  die 

55  Ableit.  von  der  y  skap,  schaben,  cf.  Scha- 
fen ,  wozu  Hildebrand  (G r i m  m ,  Wb. 
V,  20)  ivohl  zu  verwerfen,  obgleich  sie  beim 
Vergleich  mit  unserm  schüfe  etc.  sonst  begriff- 
lich auch  zu  kaf  stimmt.      Vergleiche   auch 

60  noch  (Grimm,   Wb.    V,  17)   käfe    (Frucht- 


KAEFE  KEFE 


153 


KAI  KAJE 


Jmlse  etc.),  was  dort  nicht  zu  kaff,  sondern 
mit  dem  gleiclihedeutenden  kiefc  zu  kafela 
(nagen,  heissen  etc.)  gestellt  ivird  u.  jeden- 
falls also  mit  as.  kafl  etc  (s.  ohen),  hz.  un- 
serm  kabbeln,  kibbeln  u.  kifen  zur  y  gabh 
gehört,  worüher  auch  noch  Weiteres  unter 
gapen,  gaffeln  etc.  zu  vergleichen  ist  u.  loo- 
hei  man  dann  für  kaf,  käfe,  kafel  etc.,  hz. 
kabbeln,  kibbeln,  kifen,  sowie  kibbe  ein  urspr. 
germ.  Stammvhm.  kifan,  kaf,  kufun,  hz.  ki- 
ban,  kab  etc.  mit  denselben  urspr.  Bedtgn. 
wie  die  }/  gabh  aufstellen  müsste. 

1.  käfe,  kefe  od.  käve  etc.,  Kiefer,  Kinn- 
lade, vorstehendes  Kirnt;  Plur.  käfen,  ke- 
fen  etc.,  auch  die  Kiemen  der  Fische.  — 
Dieses  Wort  gehört  toahrscheinl.  (cf.  käfen, 
kefen  =  kifen)  mit  kibbe,  kiffe  (Kiefer)  zu 
dem  germ.  Stammvhm.  kifan,  kaf  (cf.  kaf 
am  Schlüsse),  obschon  es  auch  möglich  ist, 
dass  es  mit  nd.  (Br.  Wh.)  keveu  (Fisch- 
ohren, Kinnhaclcen  der  Fische,  mandibulae 
lucii,  cf.  auch  nid.  kibbeling  unier  kabbeljau 
am  Schlüsse)  direct  aus  kife,  kive  (wovon 
auch  nhd.  Kiefer)  entstand,  hz.  eine  Ah- 
lautform  davon  ist,  wofür  auch  das  wang. 
kiving  (Kinnlade  des  Fisches)  .spricht. 

Mit  dem  von  ahd.  chiwan,  chiuwan  (kauen) 
abgeleiteten  mhd.  kiwe,  kewe,  kiuwe  etc.  (Kie- 
fer) hat  unser  käfe,  kefe  ivohl  nichts  ge- 
mein, tvie  direct  auch  nicht  mit  mnd.  kavel, 
kovel  (Kiefer,  Gaumen,  Schnabel),  da  dies 
zweifellos  dasselbe  Wort  ist  tvie  as.  kafl  etc. 
(s.  unter  kaf)  u.  demnach  auch  ivohl  mit  ka- 
fel u.  1  u.  2  käfe  zur  ]/  gap  od.  gabh  (heis- 
sen, spalten,  klaffen  etc.,  cf.  kifen  etc.)  gehört. 

Vergl.  noch :  toang.  kiaubunk  (Kinnlade), 
was  mit  unserm  kibbebunke  synonym,  in- 
dessen in  seiner  ersten  Sglbe  mit  kauen,  hz. 
mhd.  kewe,  kiuwe  (Kiefer)  connex  ist,  wäh- 
rend tvang.  kevje  (etwas  mit  dem  Kinn 
erreichen)  von  keve  (Kinnlade,  Kinn)  loei- 
tergebildet  ist.  Desgl.  cf.  mnld.  keeuwe 
(fauces) ,  wobei  KU.  auf  kouwe,  kauwe, 
kuwe  (fauces,  frumen,  bz.  mala,  maxilla  etc.) 
verweist,  ivelclie  Formen  loohl  sämmtlich  mit 
denen  zu  chiwan,  chiuwan  gehörenden  mhd. 
kewe  etc.  identisch  sind,  wie  auch  engl. 
chaw  zu  chaw  (kauen)  gehört,  tvährend  jaw 
vielleicht  mit  jawn  (gähnen,  cf.  jäneu)  eines 
Ursprungs  ist.  —  Weiteres  vergl.  unter 
kauen. 

2.  käfe,  kefe,  Kerb,  Einschnitt,  Vertie- 
fung, Versenkung  etc. ;  —  de  käfe  fan  't 
fat  is  to  eng',  dar  kan  de  bäm  so  net  in ; 
—  de  käfen  sunt  to  dep  ütschäfd ,  bz.  üt- 
sägd.  cf.  käpe  u.  unter  kaf  das  an.  kaf 
(liefe,  bz.  Spalt  etc.) ,  loie  es  ja  jedenfalls 
auch  mit  kafel,  hz.  an.  kafli  zur  ]/  gap  od. 
gabh  gehört,  obschon  ich  eher  glaube,  dass 
dieses  käfe  mit  käpe,  käpen  u.  kappen,  kip- 


pen etc.  zur  y  skap   (s.    unter   kappen  am 
Schluss)  gehört. 

kafel,  Kabel,  Loos,  Theil,  Abtheilung,  be- 
stimmter Theil  von  Etiuas  etc. ;  —  de  wa- 
5  ren  mutten  in  kafels  ferköfd  worden;  —  ik 
heb  'n  kafel  holt  küfd.  —  Nd.,  mnld.,  nid. 
kavel ;  mnd.  kavele ;  schioed.  kafvel.  —  Mit 
schwed.  kafle  (kleines  rundes  längliches  Stück 
Holz;   Knebel  etc.);   norw.   kavl   (Treibholz 

10  am  Fischnetz;  Stock  in  einer  Flossbrücke 
etc.),  kavle  (Rolle,  Rollstock,  Mittelstück, 
kleine  Stange,  Knebel  etc.)  etc.  u.  den  Ver- 
ben: schioed.  kafla  (mit  einem  runden  Holz 
rollen) ;  norio.  kafla  (ein  Flossholz  od.  Treih- 

15  holz  an  ein  Netz  binden;  einen  Brücken- 
stock auf  einen  Sumpf  legen;  knebeln)  aus 
dem  an.  kafli,  kefli  (runder  Stock,  Stab, 
Holzstück,  Theil),  was  nach  an.  medal-kafli, 
Büttel- Stück  im   hjalt    od.    Schivertgriff) 

20  imhl  urspr.  blos  die  Bedtg.  „Stück"  od. 
,,Theil"  von  Etioas  hatte.  Vergleicht  man 
nun  aber  unter  kaf  das  an.  kaf  (Tiefe,  Ab- 
grund, bz.  Spalt  etc.)  .so  ist  es  ivohl  zwei- 
fellos ,   da.ss   auch  an.  kafli   als  Theil  od. 

25  Stück,    bz.    abgespaltenes    Etwas    etc.    zu 

derselben  y  gap  od.  gabh   (beissen,  spalten, 

theilen,  klaffen  etc.)  gehört,    lüozit  ich  auch 

1  u.  2  käie  stelle. 

kafeling,  ein  grösserer  Theil  Kaufmanns- 

30  guter    od.    sonstiger   Waaren  etc.,    die  zum 

öffentlichen  Verkauf  bestimmt  sind;  —   dat 

god  sal    bi    kafelingen    ferköfd   worden;   — 

'n  kafeling  holt.  —  Nid.,  nd.  kaveling. 

kaf  ein,    kabeln,    bz.    in    Kabeln    od. 

35  Loos e  eiyitheilen  u.  zerlegen,  z.  B.  Kauf- 
manns-Güter beim    Verkauf  in   öffentlicher 
Versteigerung.  —  Nid.  kavelen. 
käfeln ;  i.  q.  kibbeln.  cf.  1  käfe. 
1.  käfen,  kefen,   Kiefern;   s.  1  käfe  etc. 

40  2.  käfen,  kefen,  kerben;  —  ferkäfen, 
verkerben ;  s.  2  käfe  «.  cf.  käpen. 

käfer,  kefer  (Plur.  käfers  etc.)  Käfer. 
—  Nd.  (Dähnert)  käver  «.  (Br.  Wh., 
Schütze)   zäver,   säver,   sever,  sebber,  ze- 

45  fer ;  mnd.  kevel,  kever ;  nid.,  mnld.  kever ; 
ags.  ceafor ;  engl,  chafer ;  ahd.  chevar,  che- 
vor,  chevur,  chevir,  kevir ;  mhd.  kever  u. 
ahd.  kevero,  kheviro;  mhd.  kevere. 

Es  gehört  mit  kaf,   käfe,  kafel  etc.    wohl 

50  zu  einem  von  der  y  gap  od.  gabh  (heissen, 
schnappen,  nagen  etc.)  abstammenden  urspr. 
Vbm.  kifan,   kaf  (nagen  etc.)   u.  bezeichnet 
es  demnach  urspr.  ein  Nag ethier. 
kägel,  s.  kegel. 

55  käi,  kaje,  Kai,  d.  h.  die  hölzerne  od. 
steinerne  'Hafen-Einfassung,  bz.  der  Damm 
od.  das  Bollwerk,  ivelches  den  Rand  od.  das 
Ufer  eines  Hafenbeckens,  od.  eines  Flusses, 
od.  der  See  einfasst,  od.  ein-  u.  umsehliesst, 

60  bz.  zur  Befestigung   u.   zum  Schutz  dessel- 


KAI  KAJE 


154 


KAJEN 


hen  dient ;   —    't  schip  ligd  an  de  käj ;  — 

—  he  steid  up  de  käj;  —    l)inuon  de  k;ije; 

—  achter  de  käi;  —  de  käj  nuit  mäkd  wor- 
den ;  —  w  1  willen  d'r  'ii  käj    um  to  niakeu. 

—  Nd.,  »uid.  kaje  (Ufercinfassumj) ;  uhl. 
kaai ;  miild.  kado,  kaeye  (acta,  acte,  cothon, 
litus,  ora) ;  schwed.  kaj  ;  dän.  kai ;  engl,  kay, 
([iiay;  frans,  qiiai;  tciuiy.  (Ehr entraut, 
fries.  Archiv  I,  S7G)  k6i.  —  I)a  der  Kai 
ein  Schli ess  od.  Schutz- Bing,  bz.  ein 
Etiras  ist,  was  sichert  od.  ein-  u.  x  m- 
schl iesst,  so  wäre  es  leicht  niögUch,  dass 
es  mit  (Ehr entraut,  I,  202)  wang.  koi; 
wfrie.<:.  kaay;  nfries.  (Outzen)  käi,  käy; 
satl.  kai  od.  käy;  afries.  (v.  B ichthofen) 
kai,  kag,  kei;  ags.  caeg  (Schlüssel,  bz. 
Schliess  Ding),  caega  od.  cäga  (Schloss) ; 
engl,  key  (Schlüssel,  Schlnssstein ,  Band, 
Klammer;  Kai,  Hafendamm,  Felsenriff, 
SandbanJi-,  Barre  etc.)  etc.,  bz.  (Diez,  I, 
121)  dem  span.  cayo ;  afranz.  caye  (Sand- 
bank, Barre,  bz.  Schranke  als  Abschliessen- 
des od.  Verschluss)  etc.  u.  dem  in  den  Isid. 
Glossen  belegte  kai  (cancellae),  kaij  (can- 
celli)  zusammenhängt,  bz.  identisch  ist,  loie 
desgl.  mit  (cf.  Diez)  kymr.  c^q  (Zaun,  Um- 
zäunung), bret.  cae  (dasselbe,  auch  Fluss- 
damm) u.  kaea  (einzäunen,  einfriedigen, 
ein-  u.  umschliesscn  etc.),  wozu  Diez  auch 
das  ahd.  caliot  (munimentuin)  u.  bayr.  ka- 
chet  (Zaun)  vergleicht. 

Hält  man  hiczu  nun  aber,  dass  im  ahd. 
u.  auch  in  sonstigen  germ.  Sprachen  ein 
urspr.  „k"  .■<oicohl  als  ,,g",  „h",  „ch"  od. 
„k"  erscheint,  so  ivnre  es  leicht  möglich, 
dass  die  obigen  Wörter  sämmtUch  mit  (cf. 
Schm.,  IJ,  277  u.  287)  bcujr.  kag  (Hag, 
Zaun)  lt.  ahd.  hag  etc.  zu  der  unter  liagen 
(vergl.  auch  hägen  etc.)  erwähnten  ]/  kak, 
bz.  kac,  karic  gehören,  wozu  Fick  (I,  36) 
auch  lat.  Cancer,  caucellus,  cingerc  etc.  u. 
griech.  käkalon  (Ringmauer) ,  kigklis  (Git- 
ter, Umzäunung,  Einschluss)  etc.  stellt  u. 
wonach  denn  käi,  bz.  dessen  urspr.  Thema 
kaga  ein  Etivas  bedeutet,  ivas  (cf.  auch  käi- 
dik,  kajen  etc.)  ein  Anderes  umgiebt  u.  ein- 
friedigt, od.  ein-,  ab-  u.  umschliesst  u.  so  auch 
Tcrschliesst  u.  sichert.  Wegen  der  Bedtg.  : 
Barre  od.  S  a  n  d  b  a  n  k  etc.  des  engl,  key 
u.  S2)an.  cayo  etc.  vergl.  auch  nhd.  Barre 
(Stange,  Jiicgel,  Schlagbaam  u.  auch  Sand- 
bank od.  liiff  vor  den  Flüssen),  was  mit 
dem  franz.  barriorc  u.  barreau  auf  ahd. 
para,  mhd.  bar  (Bulkc ;  Schnuike;  eingeheg- 
tes Land)  zurückgeht  u.  icahrscheinl.  mit 
nhd.  Sparr en ,  bz.  ahd.  sparro  (Stange, 
Balken  etc.)  u.  sperren  etc.  zu  einer  y 
spar  (ein-  od.  umschliesscn,  zäunen,  einfrie- 
digen, ein-  od.  beschränken,  Schranke  ma- 
chen u.  setzen  etc.)   gehört,    von    der    auch 


wohl  sparen  (sparen,  d.  h.  sich  ein-  od.  be- 
schränken, sich  Schranken  setzen  im  Ge- 
nuss  etc.  —  od.  einschliesscn  u.  bewahren, 
aufbewahren  etc.)  etc.  abzuleiten  ist. 
5  Zum  Schluss  sei  übrigens  bezüglich  des 
Wortes  kaje  noch  bemerkt: 

a)  dass  KU.  für  kaeye  auch  die  Form 
kade  hat  u.  unser  kajen  im  nid.  kadcn  lau- 
tet, was  (sofern  diese  Formen  urspr.  wären 

10  als  kaeye  od.  kai)  auf  einen  Zusammenhang 
mit  der  y  (Gras s m a n  n)  ghat  (sich  ver- 
einigen ,  sich  verbinden  u.  an  einander 
schlicssen  etc.),  od.  besser  noch  mit  (G rass- 
mann) gadli  (anklammern,  fest  verbinden, 

15  schliessen  etc.),  bz.  (Fick,  I,  65)  gadh  od.  , 
ghad  (fassen,  halten  etc.,  cf.  gaden  u.  gad-  ■ 
der  etc.)  schliessen  lassen  könnte  —  u.  l 

b)  dass  Dr.  Hildebra  n  d  (G  r  i  m  m, 
Wb.,   35)    es   vom    nid.  kei;    mnld.  (KU.) 

20  keye,  kaeye,  kae  (silex,  saxum,  bz.  Kies, 
Kiesel,  Fels  etc.,  cf.  kei)  ableitet  u.  an- 
nimmt, dass  kaje  od.  käi  urspr.  das  natür- 
liche kiesige  od.  felsige  u.  dann  das  künst- 
liche Ufer  bezeichnet  habe,    was  an  u.  für 

25  sich  nicht  unmöglich  ist,  da  die  Bedtg.  : 
k  iesiges  od.  felsig  es  Etwas  für  kaje, 
bz.  Kai  sehr  gut  ^jass^  u.  sogar  viel  für 
sich  hat.  Da  indessen  der  Zusammenhang 
von  kaje  etc.  mit  dem  Isidorischen  kai  (can- 

30  celli)  etc.  wohl  iinhcstritten  ist,  so  dürfte 
demnach  die  Ableitung  des  Wortes  Kai 
von  mnld.  keye,  kaeye  (silex  etc.)  auch  ab- 
zuweisen sein. 

käi-dani,    ein   Sperr-,    ScJiluss-,    od.    Ab- 

35  schluss-Damm ;  —  w'i  willen  d'r  'n  käi-dam 
dör  de  slot  leggen  laten,  dat  't  water  d'r 
net  hen  kamen  kau.  —  Nd.  (Schütz e) 
kajedamm,  Nolhdamm  um  bei  Deich-  u. 
Schleusen-Arbeiten  das  Wasser  abzuhalten. 

40  käi-dik,  ein  Sperr-,  Schluss-,  od.  Ab- 
schluss-Deich ,  bz.  ein  Deich,  loomit  man 
Etwas  (Land,  Ufer  etc.)  ein-  od.  umschliesst, 
um  das  Wasser  od.  die  Fluthen  abzuhalten, 
ivie  dies   z.   B.   geschieht,    wenn    bei   einer 

45  Sturmjluth  ein  ImcIi  in  dem  See-,  od.  Fluss- 
Deich  entsteht,  ivo  man  dann  einen  Kai- 
Deich  um  dieses  Loch  herumzieht,  um  es 
vorerst  ii.  bis  daJiin  zu  schliessen,  bis  der 
Hauptdeich  wieder  gemacht  u.  fertig  gestellt 

50  ist.  —  Nd.  kajcdiek;  nid.  kaaidijk;  mnld. 
(KU.)  kae-,  kaey-dyck. 

kajen  od.  ktiijen,  schlicssen,  dämmen  etc.; 
—  iiikajeii,  einschliesscn,  eindämmen ,  mit 
einem  Damm    umgeben   u.    abschlicssen;   — 

55  bekajen,  bedämmen  etc. ;  —  dat  is  bc-,  bz. 
inkäid ;  —  dat  land  mut  inkäjd  worden ;  — 
ofkajen,  (djschlirssen,  abdämmen  etc.;  —  dat 
watcr  mut  ofl<äjd  worden;  —  umkajcn,  um- 
schliesscn, uinilämmen  etc.  —  Nid.  (v.  Dale, 

()0   Weiland   etc.)   kaaijeu    (ein   Segel,    eine 


KAI-GELD  155                          KAKE  KAK 

Spiere,  eine  rä  etc.  mittelst  Tauen  einziehen  1.  kak,  r/.  kik-kak. 

und  ixirallcl  mit   dem   Kiel   an    den    Mast  2.  kak,    Scheisse,   Koth,  Atiswurf,  Dreck 

schliessen  u.  binden,   s.  B.  hei    einem   her-  (namentlich  von  Menschen) ;   —    't  is  eraer 

aufsiehenden  Sturm,   od.   damit  solche  den  kak,    hz.  schite.    —    Nid.  kuk;    mnld.  kack 

vorbeifahrenden    Schiffen    nicht    hinderlich  5  (stercus  etc.);  nd.  kakk;   mnd.  kacke;   dän. 

sind)    u.    kaden    (in    omkaden ,    mit    einem  kak ;    lärntn.    gagga,    gegge ;    ndöstr.  gaga ; 

Damm    umgeben     u.     abschliessen) ;    mnld.  griech.  kakke ;   air.  cacc   (Koth,  Menschen- 

kaeyeii  (appellere,  intrare  portiim) ;    schwed.  koth) ;   skr.    gakan,  gakrit  (Excrement)    etc. 

(cf.    Bobrik,    naut.    Wb.    unter    kaien)  cf.  Fott,  Wurselwb.  III,   140  u.   Andere 

kaja;    dän.  kaje   (dasselbe  ivie  nid.  kaajen).  10  u.   Weiteres  unter  gök,  kök  etc.,  sowie  auch 

cf.  afries.  (Hettema)  kaya  (claudere;  pro-  kik-kak  u.  kakken    u.  ferner  zu  kak  auch 

curare ,    bz.    schliessen ,    verschliessen ,   ein-  das  mit  unserm  kwäd  (böse,  Böses  etc.)  iden- 

schliessen,  bergen,  hüten,  betvahren  etc.)  u.  tische  nhd.  Koth,   wonach  auch  kak  icohl 

Weiteres  unter  käi.  mit  griech.  kake  (das  Schlechte  etc.)  u.  ka- 

käi-geld,  Kaigeld,  bz.  das  Geld,  od.  die  15  kos  (schlecht,  böse  etc.)  etc.  derselben  ]/  an- 
Abgabe, tvelches  od.  welche  von  Schifften  ge-  gehört.  Auch  Ferd.  Justi  vergleicht  zu 
hoben  ivird,  die  an  den  Kai  anlegen  ti.  zend.  kaqeredha,  bz.  kaqar,  hzv.  ka.qtn.r  (bos- 
löschen  od.  laden.  haff)  das  afg.   kakar    (befleckt,   beschmutzt, 

kajing,  kajeii,  Kaiung,  bz.  der  aus  Stei-  besudelt  etc.)   u.   arm.   khakor  (stercus?)  u. 

nen    od.   Balken   aufgeführte   Hafendamm,  20  dürfte  in  ähnlicher   Weise   auch   lat.  perdo 

od.  die  Einfassung  des  Hafens.  mit  dem  griech.  perdö  (furzen,  bz.  scheissen 

käi-mester,    Kaimeister,  bz.   die   Person,  etc.)  zusammenhängen,  falls  lat.  perdo  nicht 

welche  die  Aufsicht  über  den  Kai  fährt  ti.  ein  Com}),  von  per  u.  do  ist. 

das  Kaigeld  hebt.  käk-l)en,  kjikbniik,  s.  unter  1  kake. 

käi-ördnung,  Kaiordnung,  bz.  das  Gesetz  2.5       l.\i.^\Q,Ki\k,  Kiefer, Kinnbacken, Kiemen; 

welches  die  Vorschriften  über  die  Benutzung  (Plur.)  Bachen  etc. ;  —    de   kaken   dön  mi 

des  Kais  soioohl,   als  auch   die   betr.  Ge-  ser;  —  he  jagd  alles  dor  de  kaken. —  Com- 

bührentaxe  enthält.  pos.:  käkben,  od.  käkbunk  (Kieferbein,  od. 

kaiser,    keiser,    a)  Kaiser.  —   Sprichw.:  Kieferknochen).  —  Nid.  kaak;  mnld.  kake, 

war  niks  is,  dar  hed  de  kaiser  sin  regt  fer-  30  keke,    kaecke    (maxilla,    maadibula,    mala, 

laren;  —   b)  (scherzh.)   Rausch;  —  he  hed  bucca);   nd.  keek,  keeke;   nmd.  kake,  keke; 

'n  kaiser,  bz.  he  hed  sük  'n  kaiser  drunken  ags.  ceace;  engl,  cheek ;  afries.  keke  u.  (mit 

(er  hat  einen  Bausch,  er  ist  illuminirt  etc.).  lieber  gang  des   „k"   in  einen  Zischlaut,  cf. 

kajüt,   kejüt,   Kajüte,   bz.    das   Zimmer  Mnier  Äfc/zsio&m  „k")  sthiake,  sciake,  ziake, 

(kleine  Kammer   od.  kl.   Verschlag  etc.)   im  35  tzake ;  nfries.  kaak,  keek ;  satl.  tsace ;  schwed. 

Hinterraum  des  Schiffs,  tvelches  zum  Aufent-  kek,  käk.  —  Es  ist  mit  kauen   (cf.  1  käfe, 

halt  des  Gapitains  od.  eines  andern  Schiffs-  kefe  u.  kibbe),  bz.  ags.  ceövan  (cf.  H.  Leo, 

officiers  dient,  jetzt  aber  auch   (auf  grosse-  354  seq.)  etc.  schiverlich  verwandt,   sondern 

ren  Schiffen)  cds  Personenraum  für  Passa-  vielleicht    als    nicht   lautverschobenes    Wort 

giere   benutzt  loird.   —    Nd.    kajüte;    mnd.  40  mit   skr.  köga    in    der    allgemeinen  Bedtg.  : 

kaiute;    nid.  kajuit;    tnnld.  kaiute,  kaiuyte;  Fassendes   (s.  unter  kachel)   von  dersel- 

schwed.   kajuta;  dän.  kahyt;  mfläm.  kajute;  ben  y  abzuleiten.     Oder  gehört  es  mit  ka- 

franz.    (entlehnt  aus  mnld.  kaiute ,    od.  ka-  kel,    ktikel    etc.    (cf.   1  käfe,    kibbe,    kibbel, 

jute)  cajute.    Da  in  früherer  Zeit  auf  den  kibbeln,  kifen  etc.)  zu  derselben  y? 

altern  Schiffen  eine  Kajüte  nur  ein  kleiner  45      2.  kake,  käk,  Schandsäule,  Schandpfahl, 

abgezimmerter  Baum ,   bz.  ein  kleiner  Bret-  Pranger  (emand  an  de  käk  setten),  bz.  eine  mit 

terverschlag  ivar  u.  auch  das  mfläm  kajute  Ketten   eingefriedigte  steinerne  Säule   zum 

mit  cahute  übersetzt  wird,  so  ist  es  am  wahr-  Anbinden  u.  öffentlichen  Ausstellen  von  Ver- 

scheinlichsten,   dass  kajüte   aus  dem  franz.  brechern,  loie  eine  solche  hier  in  der  Herr- 

cahute;    afranz.  chahute,  cahuette  (cf.  oben  50  lichkeit  Lütetsburg  noch  steht  u.  loovon  der 

dän.  kahyt)  entstand,  was  selbst  (cf.  Diez,  käkweg    seinen    Namen    hat.    —    Nd.,  nid. 

II,  236)    vielleicht   ein    Compos.    von   ca  u.  kaak ;    mnd.    käk ;    mnld.    kaecke     (catasta, 

franz.    hutte;    sp)an.    hüte     (vom   deutschen  pegma;  columna  in  qua  damnati  conspicieudi 

Hütte  =  ahd.  hutta)  ist.     Oder  ist  ksijüte  ac  deridendi  proponuntur ;  furca  iguominiosa; 

enttveder  mit  kniete,  (iti  der  Bedtg.  Schranke,  55  suggestus  sive  structura  sublimis,  rotunda  iu- 

bz.   Verschluss  etc.,  cf.  käi),    od.  mit  kau  u.  star  cadi  sive  orcae,   in  qua  malefici  ad  ho- 

koje  verwandt    u.    kann    auch    afranz.    ca-  ras    aliquot   proponuntur   deridendi.     colum- 

huette  (atis  urspr.  cauette   mit  eingeschobe-  bar) ;    mfläm.  kake,  kaecke ;    wfries.   keack ; 

nem  unorganischen  „h"  ein  Dimin.  von  kau  nfries.  kaak ;    md.  kak ;   schwed.  käk  ;  dän. 

(=  nid.  kauw,  cf.  kau  u.  koje)  sein?  GO  kag;   isl.  kagi;    norw.  kak.      Es  bezeichnet 


KAKE 


156 


KAEKELREM 


wohl  ein  Hohn-  u.  Spott-Bing ,  hz.  ein 
Etwas  ICO  Jemand  zum  Hohn,  Schimpf 
V.  Sp  Ott  Öffentlich  ausgestellt  u.  der  Schande 
preis  gegeben  tcurde  u.  dass  es  demnach  cnt- 
loeder  mit  griech.  katrclias  (Lacher,  Spötter 
etc.),  kakcliäzö  (ich  lache);  lat.  cachinnari 
etc.  u.  mhd.  kach  (das  Lachen),  ahd.  kah- 
hazzan  etc.,  mhd.  kaclizen  (lachen)  etc.  von 
der  y  kak,  bz.  sJcr.  kakk,  kakh  (riderei  ab- 
zuleiten,  od.  mit  nhd.  kichern  u.  dem 
obigen  mhd.  kach  etc.  zur  y  (Fick,  I,  64) 
gag.  gagh  (schreien,  lachen)  zu  stellen.  Vergl. 
auch  kakeln  etc. 

3.  kake,  kak,  eine  schwere  Bö.  cf.  Bo- 
hr ik.  nant.   Wb. 

kakel  in  gekakel,  Gegacker,  Gekrähe, 
lautes  unartikulirtes  Geschrei,  Geschnatter 
etc.,  z.  B.  von  Hühnern,  od.  auch  von 
schreienden   u.   sich  zankenden  Menschen ; 

—  wat  is  dat  für  'n  gekakel?  —  de  frülüe 
hebben  dar  wer  so  'n  gekakel  mit  'n  ander, 
dat  man  liäst  sin  egen  gelüd  net  hören  kan. 
cf.  kakeln,  kakeln  etc.  u.  nhd.  (Grimm, 
Wh.   y,  4S)  kakel  etc. 

käkel,  kekel,  a)  3IaHl,  Schnauze,  unge- 
waschenes Maul  etc.;    —    hold'    din    käkel! 

—  b)  Wortstreit,  Zank,  Hader  etc.;  —  se 
hebben  't  mit  'n  ander  in  de  käkel ;  —  he 
smitt  de  budel  in  de  Käkel  (er  wirft  die 
Sache  in  den  Zank,  bz.  bestreitet  mit  Wor- 
ten die  Bichtigkcit  der  Sache,  od.  macht 
einen  Zankapfel  daraus);  —  he  will  't  in 
de  käkel  smiten,  dat  't  net  war  was.  —  Nd. 
(Br.  Wb.)  käkel  (Blander-,  bz.  ungewa- 
schenes Maul),     cf.  kakeln  u.  kakeln. 

kakel-beje,  schwarze  Johannisbeere. 

käkel-bek,  käkelsnüt,  Zank-Maul,  zank- 
süchtifjer  Mensch ;  —  du  büst  'n  regten  kä- 
kelbek. 

kakel-bant,  schreiend-bunt,  grellbunt.  — 
Zu  kakeln. 

kakele,  Gackerei,  Gegacker,  lautes  Ge- 
schwätz etc. ;  cf.  kakeln. 

kakele,  kekele,  Zänkerei,  Wortstreiterei 
etc.     cf.  kakeln. 

kakeler.  Gackerer,   lauter  Schwätzer  etc. 

—  Mnld.  kaeckeler  (garrulus,  rabula,  bla- 
tero  etc.);  nid.  kakelaar;  engl,  cackler. 

käkeler,  kokeler,  streit-  u.  zanksüchtiger 
Mensch.  —  Nd.  (Br.    Wb.)  käkler. 

kakeln,  gackern,  schreien  (wie  die  Hüh- 
ner u.  Gänse),  laut  u.  lärmend  schreien  u. 
sprechen,  laut  schwatzen  etc.;  —  de  höner 
kakelden  al  lank ;  kik  insen  to,  of  se  wol 
legd  hebben ;  —  wen  de  hüner  to  tidig  (od. 
frög)  kakeln,  drn  loggen  se  up  de  dag  Wind- 
eier; —  wat  heblion  de  wicliter  dar  wer  mit 
'u  ander  to  kakeln.  —  Nd.  kakeln ;  nid.  ka- 
kelen;  mnld.  kaeckelen,  kekelon  (cachinnari, 
garrire,  cucurrire,   glocire,   gracillare,    glaci- 


tare,  cacabare;  gratitare;  tetrinire,  gruere; 
drensare ;  papilläre)  u.  gacchelen,  gaghelea 
(gingrire,  glocitare) ;  satl.  kakelje;  engl. 
cackle  H.  gaggle;  sc/iwe«?.  kackla ;  f7ä«.kagle; 

5  ohcrd.,  md.  gackeln,  gackern.  Es  ist  Frcq., 
bz.  Jterat.  eines  altern  kaken  =  götting. 
(Schambach)  käken  (gackern,  bz.  schreien 
etc.,  von  Hühnern  u.  a)idern  Thieren,  so- 
tvie  von  llfcnschc») ;  mnld.  (KU.,  pag.  27:2, 

10  s.  unten)  kaecken  u.  (pag.  286)  keken  (gar- 
rire, hlaterare,  jnrgare,  increpare)  u.  gaglien 
(gingrire  etc.) ;  mnd.  keken  (garrire  etc.) ; 
mhd.  kachen  (laut  lachen)  u.  gägen  (schreien 
iüic  eine  Gans),  welches  wohl  mit  mhd.  gagzcn 

15  (gackern)  u.  kach  (lautes  Lachen)  etc.,  so- 
loie  lat.  cachinnari  etc.  entweder  zur  y  kak, 
od.  gag  (s.  unter  2  kake  «.  cf.  gigel  etc.) 
gehört.  Vergleicht  man  übrigens  zu  kakeln 
unser  kik-kak,  kikken,  kinken  etc.  «.  Alles 

20  unter  gek,  gök,  gokeln,  bz.  kök,  kökeln  Bei- 
gebrachte u.  Gesagte,  so  ist  es  wohl  zwei- 
fellos a)  da^s  die  Wurzeln  Icak  u.  kuk,  bz. 
gag  von  Hause  aus  ident.  Schallstämme  u. 
uHthrschcinl.    blosse   Kürzungen   von   kaka, 

25  Icuku,  gaga  etc.  (als  Bedupl.  der  einfachen 
Onomatop.,  od.  Schallwurzeln  ka,  ku,  ga, 
gu)  sind  (cf.  auch  mnd.  kakeler,  kokeler, 
gokeler)  —  u.  b)  dass  das  Gesetz  der  Laut- 
verschiebung bei  solchen   auf  Schallwurzcln 

30  zurückgehenden  Wörter  nirgends  strikte  An- 
ivendung  findet.  Zu  den  Schallwurzcln  kak, 
knk  gehören  auch:  ags.  coc;  engl,  cock; 
franz.  coq  (Hahn),  sowie  küken,  kükel- 
hän  etc. 

35  kakeln,  kekeln,  mit  Worten  streiten,  zan- 
ken, laut  schreien  etc.;  —  laten  se  sük  d'r 
um  kakeln  un  't  mit  'n  ander  iitmaken,  wel 
regt  hed;  —  se  mut  d'r  altid  tegen  an  ka- 
keln. —  Nd.  kakeln;    norw.  kjegla,  kjekla; 

40  satl.  käkelje.  —  ]\Iit  kakeln  von  Hause  aus 
identisch,  bz.  mit  diesem  von  mnld.  kaecken, 
keken;  mnd.  keken  (s.  oben)  abstammend. 

käkel-,  kekel-reni,   Zungenband;   —   de 
käkelrem    (od.  tungrem)    is    lium    göd   l8s'd 

45  (er  kann  gut  schwatzen  u.  zanken,  weil  ihm 
die  Zuufje,  bz.  das  Zungenband  gut  qelöset 
ist).  —  ^Nd.  (Br.  Wb.)  käkel-,  kikkelreem ; 
mnd.  kekelreme.  —  Es  bedeutet  wahrschcinl. 
soviel   als    Gaumen-    od.    Bachen-Bie- 

50  men,  sodass  dieses  kakel  od.  kekel  zu  1  kake 
gehört.     Möglich  ist  es  indessen  auch,  dass      .^ 
es   die   Bcdtg.:    Schtvatz-    od.    Sprech-     H 
Kiemen  hat,  weil  eben  ein  Blensch  od.  Thicr,      m 
dem  das  Zungenband    nicht   gelöset    ist  od. 

55  ivird,  nicht  gut  sprechen  od.  schwatzen  kann. 
—  Hat  es  indessen  von  Hause  aus  tvirk- 
lieh  die  Bcdtg.:  Zunge,  so  könnte  es,  da 
auch  das  Wort  tiinge  wahrscheinl.  (cf.  z.  B. 
Jjandzunge  etc.)  urspr.  als  Spitzes,  Schar- 

60  fes  od.    Vorragendes  aufgefasst  wurde, 


KAKEN 


157 


KAKER 


auch  mit  dem  unter  kegel  erwähnten  kckel  von 
Hause  aus  ident.,  hs.  mit  diesem  u.  mich 
kegel  selbst  aus  einem  u.  demselben  Grd- 
ivorte  entstandest  sein  kann,  worüber  Wei- 
teres unter  kegel. 

1.  kaken,  kochen,  sieden,  brodeln,  tvallen 
etc. ;  —  iiten  kaken  (Essen  kochen,  bz.  durch 
Feuer  zubereiten  od.  gahr  machen,  od.  zube- 
reiten) ;  —  dat  water  käkd  (siedet,  brodelt,  wal- 
let etc.)  afer ;  —  't  lied,  bz.  is  käkd ;  —  ka- 
kend  (kochend,  siedend,  brennend)  liet;  — 
he  käkde  (wurde  brennend  heiss,  brannte, 
bz.  wallte  auf,  wurde  aufgeregt  u.  wüthend) 
fan  dülliglieid ;  —  dat  käkde  bi  hum  (das 
kochte  bei  ihm,  bz.  er  gerieth  in  heftige 
Wallung,  od.  Aufregung  u.  Zorn),  as  he 
sag,  wo  de  böl  fan  kerel  dat  arme  der  mis- 
haudelde.  —  Nd.  kaken;  mnd.  koken,  ka- 
ken ;  nid.  koken ;  afries.  kokia ;  satl.  kökje ; 
wfrics.  koackjen;  nfries.  köge;  dein,  koge; 
norw.,  schiocd.  koka ;  isl.  kocka ;  ahd.  co- 
chöu,  chochön ,  chohhon;  amhd.  chochen; 
mhd.  kochen.  —  Nach  allgemeiner  Annahme 
ist  es  aus  tat.  coquere  entlehnt.  Da  indes- 
sen dieses  Wort  weder  im  Griechischen  noch 
in  den  sonst,  älteren  idg.  Sprachen  in  gleich- 
massig  entsprechender  Form  vorkommt,  son- 
dern ganz  vereinzelt  dasteht,  so  ist  es  auch 
ebensowohl  denkbar,  dass  umgekehrt  das  lat. 
coquere  aus  einer  der  agerm.  (od.  den  kelt.- 
gall.  ?)  Sprachen  entlehnt  tvurde  u.  selbst  (loie 
manche  andere  lat.  Wörter)  ein  Fremdwort 
ist,  od.  mit  dem  ahd.  cochön  etc.  derselben 
y  entsprang.  Bestärkt  tvird  man  jedenfalls 
hierin  dadurch,  dass  das  lat.  coquere  (cf. 
auch  koke,  Kuchen,  Gebäck  etc.)  sich  laut- 
lich doch  nur  gezwungener  Weise  mit  griech. 
pessö,  pepsö  (kochen)  u.  skr.  paksa  (gekocht 
etc.)  von  der  |/  pac  (kochen,  reifen)  ablei- 
ten lässt  u.  es  anscheinend  viel  näher  liegt, 
um  coquere  (kochen,  schmelzen,  brennen)  mit 
skr.  Qoka  (Flamme  etc.),  gocant  (brennend, 
flammend  etc.)  von  der  y  guc  (brennen, 
flammen,  glänzen)  abzuleiten,  die  wahr- 
scheinl.  aus  einer  Redupl.  der  y  gu  (bren- 
nen, flammen,  leuchten  etc.)  entstand ,  od. 
daraus  erweitert  ward,  loie  es  ja  sehr  loohl 
möglich  ist,  dass  das  lat.  cücüma  (Kochge- 
schirr) mit  griech.  kaüma  (Brand)  etc.  die- 
ser y  gu  angehört.  Vergleicht  man  nun 
aber,  dass  Fick  (I,  231  u.  804)  lat.  coce- 
tura  u.  cochlear  mit  griech.  ki'keö  (hervor- 
brechen, hervorquellen,  od.  sprudehi)  etc.  von 
einer  ]/  skak,  skag  ableitet,  so  könnte  man 
beim  Vergleich  unsers  welle  (Quelle,  Brun- 
nen) u.  wellen  (kochen,  wcdlen,  brodeln  etc., 
bz.  quellen,  aufquellen,  hervorbrechen  u.  spru- 
deln) auch  coquere  u.  ahd.  cochöu,  ebenso- 
gut von  dieser  y  skak  od.  skag  ableiten, 
weil  eben  das  kochen  nur  in  einem  wal- 


len, aufwallen  od.  sprudeln  und 
bro  dein  etc.  besteht.  Will  man  aber  eine 
Ableitung  von  skak  etc.  nicht  gutheissen,  so 
könnte  man  beim  Vergleich  von  (Fick,  I, 
5  44)  kar,  kar,  bz.  car  (brennen  etc.)  u. 
kar,  skar  (schütten  etc.),  od.  (Fick,  i, 
45)  kar,  skar  (scheeren  etc.)  u.  (Fick,  I, 
57)  kar  (frieren)  =  skar  (scheiden)  od.  bes- 
ser wohl    (cf.  lat.  frigeo   u.  frigo  von  einer 

10  y  bharg,  leuchten,  brennen,  dörren,  hart 
werden  etc.)  =  kar  (brennen  etc.)  auch  an- 
nehmen, dass  gu  (brennen  etc.)  aus  sku  u. 
(Fi  c  k,  I,  59)  ki  (brennen,  dörren)  aus  ski 
entstand  u.  beide  Ablautformen  von  (Fick, 

15  I,  802)  ska  (brennen  etc.)  sind  u.  dass  dann 
weiter  dieses  ska  toieder  die  Basis  einer  für 
coquere  u.  ahd.  cochön  anzusetzenden  y 
skak  od.  skag  ist,  wie  Fick  (I,  230  seq.) 
auch  für  1  u.  2  skak   (hin-    u.  herbewegen, 

20  schütteln,  stossen  etc.;  springen,  hervorsjjrin- 
gen,  sprudeln,  quellen  etc.)  eine  Basis  ska 
(springen)  annimmt.  Dass  diese  y  skak 
aber  ebensoioohl  wie  die  y  kak  von  kakeln 
von  Hause  aus  eine  Sehalhvurzel  ist,  ist  gar 

25  nicht  zu  bezweifeln  u.  könnte  daher  auch 
lat.  coquere  ganz  ungezwungen  von  der  y 
kak  (brausen,  surren,  sausen  etc.,  cf.  kin- 
kon  etc.)  abgeleitet  werden,  da  sich  der  Be- 
griff kochen  od.  brodeln  ganz  von  selbst 

30  aus  dessen  Bedtgn.  ergiebt.  Eine  Abslam- 
mung  des  lat.  coquere  aus  einer  y  pak  an- 
zunehmen, scheint  mir  durchaus  unstatthaft. 
2.  kaken,  den  Heringen  die  Kiemen  od. 
käfen    ausschneiden,    bz.    sie   ausweiden    u. 

35  einpökeln  od.  einsalzen.  Der  Mann  der  das 
kaken  besorgt,  heisst  „kaker"  it.  das  dazu 
benutzte  Messer  „käkmest".  —  Nid.  kaken. 
Davon  (Diez,  II,  238):  franz.  caquer. 
Wie    1  kütjen    von  küt,    küte    u.  1  gromen 

40  von  gröm,  so  auch  wohl  kaken  von  1  kake 
(Kiefer,  Kiemen).  Ist  indessen  das  franz. 
caque  (Heringstonne)  eine  Entlehnung  des 
mnld.  kaecke  od.  kake  (cadus  etc.,  s.  unter 
kachel),    so  könnte  kaken    urspr.    auch   die 

45  Bedtg. :  (Heringe)  „in  Tonnen  od.  Fässer 
maclien,  od.  legoi"  gehabt  u.  sich  hieraus 
die  Bedtg. :  (Heringe)  „einsalzen"  u.  tveiter 
die  von:  solche  „ausweiden  u.  einpökehi" 
entwickelt  haben. 

50  1.  kaker,  Kocher,  Ding  od.  Geschirr  etc. 
worin  man  Etwas  kocht.  —  Compos.  eier- 
kaker,  kofjekaker  etc. 

2.  kaker,  s.  2  kaken. 

3.  kaker,  Köcher,  Gehäuse,  Büchse,  Fut- 
55  tercü,  Beliälter,  runde  od.  quadratische  Röhre 

od.  Rinne  etc.;  —  he  lett  d'r  'n  kaker  um 
to  maken ;  —  dat  sitt  in  'n  kaker ;  —  d'r 
geid  'n  holten  kaker  fan  de  höu  na  undern 
in  de  moltkeller,  war  wi  de  garst  dör  iii  de 
60  wekbak  lopen  lateu.   —   Compos.:  penkaker 


KAKER 


158 


KALANT  KLANT 


(Federköclier);  —  törfkakor  etc.  —  Sprichw.: 
dat  kuiml  net  üt  siu  kakcr.  —  Nd.  (Däh- 
nert)  kaker,  küker;  mnd.  koker,  kaker; 
)dd.  koker;  africs.,  jcj'ries.  koker;  ags.  co- 
cur,  cocer;  scliwcd.  koircr:  dän.  kogger;  (ihd. 
colihar,  chohar,  choclier  u.  chocliari,  chocliarc; 
mhd.  kochor  ;/.  kochaere;  nid.  kochir.  Da- 
von :  inlat.  cuciirum ;  mijricch.  Icoükouron ; 
afranz.  couire,  cuevre,  ciiivre;  engl,  cuivre 
(Kücher).  —  Wahrsduinl.  mit  kogge  (s.  d.) 
u.  (cf.  II.  Leo,  Spalte  :'i71,  Zeile  33)  wei- 
ter mit  kelt.  cwch  (rundl.  (refäs.-i,  bz.  rtiiidl. 
Boot,  Bienenstock,  llutnapf  etc.),  skr.  ko(;a 
(Behälter  etc.)  von  der  unter  kache]  erwähn- 
ten y  ku^  (ttmschliessen,  umfassen  etc.). 

4.  kakor,  der  sog.  Sch